Ausgabe 
8.5.1929
 
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Hr. (07 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberhessen) Mittwoch, 8. Mai 1929

Eängertage im Vogelsberg.

Dir Gau Vogelsberg Süd !n Scholten.

X. Schotten, 6. Mai. Der Gau Vogels- berg-SüddesHessischen Sängerbun­des hielt gestern hier fein erstes Wertungs- fingen ab. Mit den Frühzügen, Sonder­zügen und mit Kraftomnibussen trafen die dem neu gegründeten Gau angeschlossenen Vereine cs waren 35 vertreten ein. Die früh einge­troffenen Sänger wurden mit der Musikkapelle an der Dahn abgeholt und vor den freien Platz amFrankfurter Hof" geleitet. Hier fand die Degrüstungs feier statt, bei der Bürger­meister Wcngcl (Schotten) namens der Stadt begrüßte und treffliche Worte auf das deutsche Lied und das deutsche Daterland fand. Die Fah­nen der Vereine wurden mit Musik in die Turn­halle geleitet.

3m Auftrag des Hessischen Sängerbundes war der Provinzialvorsihen.de von Rheinhessen, Mathern, erschienen. Dank der hingebenden und opferfreudigen Arbeit des Schottener Männerchors 1 8 3 7 und des mit den Vor- bereitungsarbciten betrauten Ausschusses, von dem in erster Linie der stellvertretende Gauvor- fitzende S ü ß e l und der Filialleiter Hofmann genannt seien, war es möglich, daß die Festlich­keit zu einem vollen Erfolg für den Gau wurde.

Gegen 12 Uhr wurde in den beiden Sälen der Turnhalle das W e r t u n g s s i n g e n mit Gruß- und Dankworten seitens des beauftragten Aus­schuhmitgliedes Hofmann eröffnet. 3n beiden Sälen standen hinreichend Sitzplätze zur Ver­fügung, so daß Vie 1200 Sänger, sowie die zahl­reichen Zuhörer gut untergebracht werden konn­ten. Als Wertungsrichter fungierten Musiklehrer Blaß (Gießen) und Samper (Darm- stad t), beides erprobte Führer auf dem Gebiete des Chorgesangs. 3n der durch das Los bestimm­ten Reihenfolge sang jeder Verein einen Wahl­chor, der dem Volkslied, dem Lied im Volkston oder dem schwierigeren Kunstchor entnommen war. Der PflichtchorWo gen Himmel Eichen ragen" von Heinrichs wurde nur von einigen ausgelosten Vereinen vorgetragen. Wenn auch nicht erwartet werden konnte, daß die nach Sän­gerzahl, Stimmenmaterial, Berufsstand und an­deren mitbestimmenden Faktoren so verschieden gestalteten Klangkörper gesanglich auf gleicher Höhe stehen, so wurde seitens der Sachverstän­digen doch der große Fleiß anerkannt, mit dem sämtliche Lieder eingeübt waren. Verstöße gegen die Tonreinheit konnten nur in seltenen Fällen festgestellt werden. 'Beanstandungen wurden an­schließend an das Singen in mündlicher Kritik durch die Wertungsrichter erledigt. Die Wertung wird jedem Verein noch schriftlich zugestellt.

Gegen 3,30 Mr stellte sich an der Turnhalle der stattliche Festzug auf, der die Hauptstraßen der Stadt passierte. Angesichts der Kirche, des herrlichen Bauwerks im gotischen Stile, sammelte sich die tausendköpfige Sängerschar auf engem Raume, während das Bunt der Fahnen den Hin­tergrund belebte. Der seitherige 1. GauVor­sitzende Storck (Altenstadt), der aus gesundheitlichen Rücksichten sein Amt niederlegen muhte, ergriff als erster das Wort, um dem Gau, an dessen Gründung er hervorragend beteiligt war, die besten Wünsche für die Zukunft zu über­mitteln. Sein Ausscheiden aus dem Gauvorstand wird von allen Sangesfreunden aufs lebhafteste bedauert. Sein ersprießliches Wirken im Dienste des deutschen Liedes wird ihm ein dankbares Gedenken sichern. Die Grüße und Wünsche des Hess. Sängerbundes entbot der rheinhessische Pro- vinziolvorsitzende Mathern. Die Eigenarten der Landschaften, Stammesunterschiede würden überbrückt durch die einigende Kraft des Liedes, dessen Rahmen olle deutschen Gaue umspanne. Als stärkstes und wuchtigstes Bekenntnis zu Lied und Land stieg nun der MassenchorWo gen Himmel Eichen ragen", von 1200 Sängern

gesungen und von dem Gau-Chormeister Diehl (Ober-Schmitten) dirigiert, zum Blau des Frühlingshimmels auf. Die Steigerung in den SchlußtaltenDeutschland, dir, mein Vater­land" wir von überwältigender Wirkung und ein Höhepunkt gesanglichen Erlebens.

Rach Auflösung des Festzuges fanden sich die Sänger wieder in der Turnhalle zusammen, wo die Musikkapelle trefflich konzertierte. Der Abend- und der eingelegte Sonderzug entführten die Sängerscharen. Sie waren ausnahmslos des Lobes voll über das gastliche Schotten und die ziel- bcwußte Anordnung und Durchführung des ersten Wertungssingens. Dem Männerchor 1837 Schot­ten, seinem verdienstvollen Leiter und stellver­tretenden Gauvorsihenden L. S ü tz e l und all denen, die ihn in seiner Arbeit unterstützten, ge­bührt uneingeschränkte Anerkennung und herz­lichster Dank.

Oer Horloff-Wettertal-Sängerbund in Laubach.

I Laubach, 6.- Mai. Am Sonntag fand im Saale desSolmser Hofes" das die,jährige Wertungssingen des Horloff-Wet­tertal-Sängerbundes statt. 3 n herz­lichen Worten begrüßte der 2. Bundesvorsihende Fr. Stotz (Laubach) die Sänger und Sanges- frcunde, die in großer Zahl erschienen waren, würdigte kurz die Bedeutung des deutschen Lie­des, ^sonders des Volksliedes, dem dieser Tag gewidmet sein solle, und schloß mit einem drei­fachen Hoch auf den deutschen Männergesang. An dem Wertungssingen beteiligten sich folgende Vereine: Gemischter Chor Altenhain,Harmonie" Laubach, Gesangverein 3nheiden, Gesangverein Ruppertsburg,Eintracht" Laubach,Sänger­kranz" Rodheim a. d. Horloff,Liederkranz" Hungen, Gesangverein Di'lingcn undEintracht" Langd. Einige weitere Vereine, die ebenfalls zum Bunde gehören, konnten infolge Dirigenten- wcchsels oder sonstiger Umstände wegen nicht mitsingen. 3eder Verein sang den vorgeschrie­benen ChorDrauß' ist alles so prächtig" und ein Volks- oder volkstümliches Lied. Die im allgemeinen recht schönen Leistungen wurden von den Zuhörern zum Teil mit sehr starkem Beifall ausgenommen. Es zeigte sich, daß es sehr Wohl möglich ist, bei einer gesanglichen Veranstaltung auch auszukommen mit nur aufführungsfreien Liedern, und daß gerade das alte Volkslied das dankbarste Lied ist, an dessen 3nnigkeit und musikalischen Wert die meisten modernen Männer« chorkampositionen nicht heranreichen; das Volks­lied gerade ist das Gegebene für unsere ländlichen Gesangvereine. Rach dem Singen fand durch die beiden Werter es waren dies Rektor Schaad (Hungen) und Lehrer Stein (Lich) eine allgemeine mündliche Kritik statt, bei der die Dirigenten und ersten Vorsitzenden der Vereine zugegen waren, in der zum Ausdruck gebracht wurde, daß sich die Leistungen seit dem letzten Wertungssingen in Langd bedeutend gehoben hätten. Eine spezielle schriftliche Kritik wird den einzelnen Vereinen noch zugehen. Um 5 Ufjr kamen auf dem Marktplatz unter Leitung des Bundesdirigenten, Lehrer Dietrich (Rodheim a. d. Horloff), die Massenchöre zum Vortrag. Eine große Menschenmenge war herbeigecilt, um den Klängen der Lieder:'Drauß' ist alles so prächtig",Die Sonn' erwacht" und dem durch seine Wucht zum Mossenchor recht geeigneten, von Rektor Schaad (Hungen), dessen Werke aufführungssrei sind, gedichteten und komponier­tenDu herrliches Land, du mein Vaterland", zu lauschen. 3n denSolmser Hof" zurückgekehrt, verbrachte man bei fröhlichem Gesang, wobei der als Gastverein erschienene Rothsche Männerchor (Lich) in dankenswerter Weise mitwirkte, noch einige frohe Stunden.

Das Grillenfest.

Von Max Sidow.

Am Tage der Himmelfahrt Christi feiert man in Florenz das Fest der Grillen. Dann über­kommt diese trotzige, ernste Stadt der steinernen Gewalt eine lodernde Entflammung. Schon am Morgen lärmen allerhand Maskeraden mit Mu- sik durch die Straßen, schwärmend in Lust und lebendiger Heiterkeit, übsrquellend von 3ubel, als eine Lockung des frühen Sommers.

Zuerst zögert man vor den kleinen Käfigen üus Holz und Schilf, in denen gefangene Grillen für kindliche Wünsche feilgeboten werden. Aber bald beginnt man zu begreifen, daß die kleinen, schwarzen Zirptiere Symbole des Festes sind, Daß es hier nur gilt mitzuschwingen in dem auf- und abschwellenden Grillengesang, der, un- endliche Melodie, die Stadt und das weite Tal des Arno erfüllt. Denn alles zirpt; nicht genug, baß die Menschen der Umzüge sich große Grillen aus Stroh und Lumpen gebildet haben, die nun auf Leiterwagen durch die Gassen gefahren wer­den, jeder einzelne scheint Grille zu sein, schwingt mit im Sommerchor der kleinen Musikanten, geigt seinen Freudentaumel in die tragende Re­sonanz des ewigblauen Tages.

Bald wird amH der trübseligste Zuschauer mit­gerissen von dem Strudel, dessen Wirrnis kaum noch befremdet. Lind schon zirpt auch er, ist nichts als eine einzelne Stimme in tausendfältiger Wiederholung der Monotonie des Zwitscherns und des Zirrzirrs, das selbst in der lastenden Hitze des Mittags nicht enden will. Rein, jetzt beginnen erst wahrhaft Bewegung und Beflutung.. Auf den breiten Uferstraßen des Arno flirrt und girrt die leuchtende Fülle entlang, um sich in Den weiten Parks der Cascinen auszubreiten, ein Strom von Licht und Frühlingsfarben, ein» mündend in das grüne Meer der Rasenflächen, Der Büsche und Bäume, verweilend, ruhend und Doch unaufhörlich hin- und herwogend in spie­lerischer Erregtheit.

Wer, wenn er cs noch nicht mitlebte, kann sich solche 3mprovisationei, eines ländlichen Festes vorstellen, die, noch in der Bannmeile der Stadt, von Bürgern aller Berufe unterschiedslos in­szeniert, erfunden scheinen, um einmal alle Tren­nungsschranken der Zivilisation zu überspringen, sich harmlos zu vergnügen, sich zu verlieben für den Augenblick, froh unter Frohen zu sein?

Hier findet sich alles zusammen und nnö neben­einander zu gefälliger Harmonie: die Züge des

Benozzo Gozzoli, Giorgiones Konzert im Freien, der Frühling des Botticelli, der Liebesgarten des Rubens, die Schäferszenen des Watteau und der ihm Verwandten. Hier ist Sonne, aber mehr noch, Freude und 3ubel bis zu den Grenzen des Taumels, Frühling und Sommer in einem.

Plötzlich stockt dein Fuß inmitten des Trubels, und mitleidig beugst du dich nieder zu einem weinenden Kinde, das. ein wenig schmutzig, aber rührend in seiner Hilflosigkeit, am Rand des Weges sitzt, einen kleinen zerbrochenen Käfig im Händchen. Die Grille, die darin gefangen saß, ist entflohen. Vielleicht zirpt sie schon irgendwo den 3ubel ihrer Freiheit, während ihrem un­achtsamen Wärter die Tränen über die bestaub­ten Wangen laufen, kleine Rinnsale der kaum zu stillenden Trauer.

3ndessen tobt, unfern der kindlichen Betrübnis, ein wilder Tanz auf einem von Platanen und Steineichen umgebenen Rondell. Weithin hört man das Stampfen und Lachen, hört die auf­reizende Melodie, die das Blut gären läßt, hört die girrenden Laute der Mädchen und das gur­gelnde Gurren der Männer, das fast ein Stöh­nen scheint. 3st es die Tarantella? Oder ist es ein toller Reigen aus den Bergdörfern der Falterona, von Ziegenhirten in alter Zeit er­sonnen zu Ehren des bocksbeinigen Gottes Pan, der mit Satyrn und lüsternen Rymphen um die Quellen von Tiber und Arno schweift?

Aber mit einem Schlage schweigt der wilde Takt, die Paare halten erschöpft inne, der Staub verweht unö sinkt rieselnd auf das dunkle Grün der Büsche; denn plötzlich klingt ein Lied aus der Ferne her, süß und schmiegsam, sehnsüchtig und schalkhaft. Rie hörtest du einen schöneren Sang, Von Bahtönen schwingt er sich hinauf zu silber­ner Höhe, verweilt in Modulationen, stürzt wie­der ab, um aufs neue zu steigen. Lind schon ver­stehst du die Worte und summst sie heimlich mit:

Tanz hin, tanz her, mein blondes Kind, die Liebe macht das Leben froh!

Kaum seh ich dich, da klopft geschwind mein Herz schon so: ticketi. ticketo!"

Roch vom Tanze erhitzt, erglühen die Mädchen schon wieder neu in der Glut der Stimme und verstreuen die Brillanten ihrer Blicke.

Berauscht von den Düften unzählbarer Blüten und ben herberen Hauchen der Lorbeersträucher, ermattet vom Drange des überall Llmherschwei- fcns, des Schauens stets neuer Bilder und doch noch getragen vom Spiel der Augen und der

SelanMonserenz des Delanats Gießen.

X Nach Erledigung amtlicher Angelegenheiten hielt auf der von Dekan G u ß m a n n geleiteten Konferenz am Montagnachmittag im Markussaal zu Gießen Pfarrer Schneider (Nieder-Ramstadt) einen Vortrag überBrennende Gegenwartsfragen der Inneren Mission in Hessen". Der Redner behan­

delte eingehend die Methode der Arbeit (klinische Behandlung, Schule und Erziehung, berufliche Aus­bildung). Die 1910 begonnene Arbeit wurde im letzten Jahr durch die Errichtung eines Lchrlingsheims gc krönt. Die an die beifällig aufgenommenen Dar­legungen sich anschließende Aussprache zeigte den ein­mütigen Willen, auch im Dekanat Gießen zur Er­reichung des Zieles nach Kräften zu helfen.

Der oberhessische Arhri smarkl im April.

Zeucht des Arbeitsamtes Gießen.

besteht ein größerer Bedarf an Spezialkräften. Die günstige Lage im Reinigungsgewerbe hält weiter an. 3m Baugewerbe ist der Beschäftigungsstand ebenfalls als günstig zu be­zeichnen. Die ungünstige Witterung anfangs und Mitte des Monats verzögerten die Einstellung von Saisonkrästen im G a st w i r t s g e w e r b e. Gegen Ende des Bericht 5m", t - c i? im größe­ren Umfang die Rachfr.,g, nach 'sonal ein. Ein Mangel besteht an Ha " '(> Küchen­mädchen. Eine merkliche CÖe, r " ' Beschäfti­gungslage machte sich im Ve lehrsgewerbe geltend. Der günstige Einfluß ist urch den 2lb-

3m Berichtsmonat April setzte sich die durch die 3ahreszeit bedingte Entlastung des Arbeitsmarktes weiter fort, jedoch war die Entlastung in den einzelnen Rebenstellenbezirken des Arbeitsamts Gießen noch außerordentlich ungleich. Das Tempo der erhofften Entspan­nung hätte ein größeres sein dürfen, jedvch wirk­ten sich die Witterungseinflüsse ungünstig auf den Arbeitsmarkt aus. Cs ist zu hoffen, daß sich mit der nunmehr eingetretenen günstigen Witterung eine weitere Belebung des Arbeits­marktes geltend machen wird. Aus den einzel­nen Derussgruppen ist folgendes zu verzeichnen:

15000 145ÖO 14000 13500 13000- 12500 12000 1,1500 1100Ö 10500 1COOO-

9500 9000

8500 8000 7500

7000 6500 6000 5500

5000. 4500.

4000. 3500 3000 2500 2000

500

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7051

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1029 9947

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weibl. männl. weibl. männl 976 8974 963 7810

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5662 795

24 IV. 29

Die Abnahme der Arbeitslosigkeit im Bezirk des Arbeitsamts Giessen

3n der Landwirtschaft ist infolge des eingetretenen Witterungsumschlages eine ver­mehrte Rachfrage nach Arbeitskräften und ein Steigen der Dermittlungstätigkeit zu verzeichnen. Ledige Knechte und Mägde sind gesucht. 3m Bergbau hält der günstige Beschäftigungs­stand weiter an. Die Einstellung von Arbeits­kräften in der 3ndustrie der Steine und Erden hat weiter zugenommen. Die Lage der Metallwirtschaft ist in den einzelnen 3n- dustriezweigen sehr verschieden. Die Zugänge an Arbeitsuchende in einzelnen 3ndustriezweigen wurden durch Abgänge an Arbeitsuchende in anderen 3ndustriezweigen ausgeglichen. Die Besserung des Arbeitsmarktes setzte sich .sowohl im Spinn st offgewerbe, als auch in der Papierherstellung weiter fort. 3m Holz- und Schnitz st offgewerbe ist eine Belebung des Arbeitsmarktes unverkennbar, jedoch schreitet sie nur sehr langsam vorwärts. Die Arbeitsmarktlage im Rahrungs- und Genuhmittelgewerbe ist im allgemeinen noch sehr gedrückt. Hauptsächlich in der Saba f- industrie besteht die ungünstige Lage weiter fort. Die Geschäftigungslage im Beklei­dungsgewerbe ist als gut zu bezeichnen. Es

ruf von Arbeitskräften durch die Reichsbahn bedingt. 3n der Lohnarbeit wechselnder Arr haben sich die Beschäftigungsverhältnisse weiterhin gebessert. Die Rachfrage nach unge­lernten Arbeitskräften für Außenarbeiten hält an.

Unser Schaubild zeigt die starke Entlastung des Arbeitsmarktes vom Höhepunkt der Arbeitslosigkeit bis zur vergangenen Woche. Es besteht die berech­tigte Hoffnung, daß sich die saisonmäßige Auf­wärtsbewegung in den nächsten Wochen in unver­mindertem Tempo fortsetzt. Im Berichtsmonat sind im Bezirk des Arbeitsamts Gießen 924 männliche und 399 weibliche, insgesamt 1323 Personen ver­mittelt.

Die Abteilung Berufsberatung hat im Monat April 221 Beratungen und 35 Lehrstellen­vermittlungen zu verzeichnen. 18 Schüler und 3 Schülerinnen kamen aus höheren Lehranstalten, die übrigen aus der Volksschule. Neue offene Lehr­stellen wurden für Knaben 50, für Mädchen neun angemeldet. Knaben konnten 26, Mädchen 9 in Lehrstellen vermittelt werden.

Es gibt immer noch ziemlich viel Schulent­lassene ohne Lehrstellen. Häufig wollen die Eltern wegen landwirtschaftlicher Arbeiten ihre Jungen erst im Herbst in die Lehre geben.

Wolke so vieler Verliebtheiten, kehrst du schließ­lich am Abend zur Stadt zurück. Paar an Paar wandert mit dir oder schreitet an dir vorbei ins Dunkel. 3hre Träume und Seligkeiten strei­fen dich wie der Flug eines kaum atmenden Windes.

Roch braust nicht der Lärm aus den Schenken, aber der Glanz der Freude in allen Gesichtern verheißt die Fortdauer des Festes auch für die Rächt. All das verliebte Zirpen wird nicht schweigen in den Käsigen der Häuser, nur als ein verwandeltes Lied sich ins lauschende Dunkel schmiegen. Lind das Summen der Grillen, die Liebesgeigen des Sommers werden darin tönen, emporsteigen wird der zärtliche Gesang bis zur Kuppel des Domes, die, von unsichtbaren Licht- quellen erhellt, über der Stadt steht, einer eben sich erschließenden Riesenknospe mit schon auf­gerecktem Stempel gleich: so öffnet sich, einmal in vielen 3ahren. dieKönigin der Rächt" zum Wunder ihrer Blüte.

Oie englischen Luftriesen.

Rach vielen Kombinationen werden jetzt endlich genaue und zuverlässige Zahlen über die Aus­maße der im Bau befindlichen und kurz vor der Vollendung stehenden beiden englischen Groß- l u f t s ch i f f e R 100 und R 101 bekannt, die einen Vergleich mit demGraf Zeppelin" ermöglichen. 3n den äußeren Ausmaßen unter­scheiden sie sich nicht so sehr vomGraf Zeppe­lin" in der Länge sind sie sogar eher etwas kürzer, während sie durch eine größere Breite statt 105 000 Kubikmeter wie der Zeppelin 141 500 Kubikmeter Gasinhalt fassen können. Der wesent­lichste Llnterschied beruht zunächst auf der großen Differenz in der Stärke der Motoren.Graf Zeppelin" verfügt nur über 2650 P. S., die R 100 aber mit 4200 P. S. beinahe über das Doppelte. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Ozean­flug ist aber die Einsicht, daß die Motoren- stärke desGraf Zeppelin" für einen regel­mäßigen Ferndienst des Schiffes ungenügend ist. 3n diesem Falle dürften uns die Engländer leider voraus sein. Der Llnterschied in dem Fassungsvermögen der Ruhlast zwischen dem deutschen Schiss und den beiden Engländern ist nicht sehr wesentlich und wird trotz des größeren Gasvolumens der R 100 und R 101 durch deren stärkere Belastung mit schwereren Motoren wieder etwas ausgeglichen. Entsprechend den stärkeren Motoren vermögen die englischen Schisse gegen­

über der Rormalgeschwindigkeit des Zeppelin von 120 Kilometer auch eine etwas größere G e- schwindigkeit zu erzielen, wobei allerdings bei den Engländern die Berechnungsbasis nicht ganz ersichtlich ist. Für die R 100 rechnet man mit 139 Kilometer Dauergeschwindigkeit, wäh­rend die R 101 es nur auf 129,6 Kilometer bringt. Der Fahrbereich dürfte bei den Englän­dern eher unter dem Aktionsradius desGraf Zeppelin" als darüber liegen. Auch äußerlich weisen die englischen Luftschiffe gegenüber dem Zeppelin einige wesentliche Verschiedenheiten auf. Vor allem ist bei beiden Schiffen übereinstim­mend eine ganz andere Unterbringung der Passagierkabinen und der Diensträume vorgesehen. Diese Anlagen werden volllommen in den Schiffsrumpf hineingenommen, so daß nur die Kommandokabine außerhalb der Umhüllung liegt. Die Räume für 100 Fahrgäste und 50 Mann Besatzung liegen- auf zwei festen Decks im 3nnem des Rumpfes. Das untere Deck mit einer Fläche von 160,7 Quadratmeter um­faßt die Kapitänsräume, die Küche, die Be- sahungsräume usw., während auf dem oberen Deck mit 515,6 Quadratmeter Größe der Speise­saal. die zweibettigen Schlafkammern und eine große Halle mit Wandelgängen auf beiden Seiten untergebracht sind. Die Wohnräume wer­den mit Dampf geheizt. 3m übrigen dient als Brennstoff für die Motoren ein nicht feuer­gefährliches und relativ sehr billiges Heizöl, dessen Zusammensetzung aber nicht bekannt ist.

Hochschulnachrichien.

Professor Lic. Dr. 3oachim 3 c r e m i a s . Lei­ter des Seminars für nachbiblisches 3udentum (Institutum Judaicum) an der Universität Ber­lin, hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der neutestamentlichen Theologie an der Universität Greifswald als Rachfolger von Prok. 3ulius Schniewind angenommen und seine Ernennung zum ordentlichen Professor in Greifswald erhalten. Prof. Dr. Sergius Bub« noff in Breslau hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Geologie und Paläon­tologie an der Universität Greifswald als Rachfolger von Prof. 3oh. Weigelt angenommen. Professor Dr. Willy Andreas in Heidel­berg hat den Ruf auf den Lehrstuhl der neue­ren Geschichte an der Universität Göttingen als Rachfolger von Prof. A. O. Meyer ab- gelehnt.