Ausgabe 
8.4.1929
 
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Montag, 8. April 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen)

Nr. 8* Zweiter Blatt

Frankfurter Theater.

il CDd)iuB iturmuq)cn ;= den Darstellern anch

t, I

H. H-r.

tragenden Kampffonds zur Verfügung. Der Ward-Linie, die bei dem Touristentransport nach Kuba hauptsächlich in Betracht kam, überwies man den bisher die Linie ReuyorkBremerhaven befahrenden DampferPresident Roosevelt", er- möglichte es ihr mit Hilfe derKriegskässe", die Fahrpreise derCaronia" erheblich zu unter­bieten und erwartete ganz bestimmt, die eng­lische Gesellschaft aus dem Felde zu schlagen.

Zur Verteidigung des Ratenkrieges stellten die Beamten des Shipping Board zwei höchst eigen­artige Theorien auf. Sie behaupteten, keine aus­ländische Gesellschaft habe ein Recht, ihre Schiffe in Routen einzustellen, auf denen bisher das Hauptgeschäft von Fahrzeugen unter amerikanischer Flagge gemacht worden war. Wollte man diesen Grundsatz buchstäblich auf die amerikanische Handelsschiffahrt seit dem Weltkriege anwenden, so mühten der Shipping Board und die meisten amerikanischen Reedereien ihre Hausflaggen sofort von den Weltmeeren verschwinden lassen. DennLeviathan", America",George Washington" usw. befahren heute Mceresstrecken, auf denen früher die deutsche, die englische und die französische Flagge am häu­figsten zu sehen waren. Dutzende amerikanischer Schiffe verkehren gegenwärtig auf den südameri­kanischen und fernöstlichen Handelswegen, die früher das Sternenbanner kaum kannten.

Ferner behauptete die Washingtoner Schiff­fahrtsbehörde, von Rechts wegen dürften die eta­blierten Dampferrouten nur von den die Flagge entweder des Heimats - oder des Be - stimmungslandes führenden Schiffen be­fahren werden, im vorliegenden Falle also von kubanischen oder amerikanischen. Wollten die see­fahrenden Länder ihrem Ueberseeverkehr ein der­artiges Prinzip zugrunde legen, so käme Cher­bourg als Anlaufshafen für deutsche und eng­lische, Plymouth usw., für deutsche und französi­sche Dampfer nicht mehr -in Betracht. Die dadurch dem reisenden Publikum verursachte Llnbequem- lichkeit kann man sich ungefähr ausdenken. Aber, ganz abgesehen davon, stellt das Vorgehen des Shipping Board eine völlige Abkehr von seinem Programm, das diese Behörde selbst zur Er­langung des Passagier, und Frachtgeschäfts ausgestellt hatte, dar. Die praktische Anwendung ihrer kurzsichtigen Politik würde den amerikani­schen Fabrikanten der Möglichkeit berauben seine Güter auf dem ihm am besten dünkenden und bil­ligsten Wege ins Ausland zu schaffen. Sie würde dem amerikanischen Exportgeschäft einen schweren Schlag versehen. Sie würde schließlich zu Der-

einmal, das arme Herz in reichen Aufruhr stur» zend, die Pforten des Paradieses gezeigt hat, wenn auch nur von weitem und ganz verstohlen.

Kampf unter der Kriedensslagge

Amerika im Wettbewerb der Schiffahrt.

Don unserem -Berichterstatter.

kenheit?

Benommen ging er durch die Sperre des Bahn­hofs und bei rat die Straße. Sollte er heünwarts- gehen oder sollte er warten, bis die liebliche Be­rührung sich erneuen würde, bis er das Mädchen fand, das auch, so schien es ihm, warten mußte, um ein wundersam begonnenes Erlebnis fortzu- j pinnen in träumender Seligkeit?

Wie verloren auf dem Bürgersteig stehend, wurde er, unverständliches Verkehrshindernis, an­gestoßen und mit ärgerlichen ober höhnenden Wor­ten aus feiner Versonnenheit aufgescheucht. Ach, es frommte wohl nicht, hier stehen zu bleiben und auf ein Wunder zu warten hier, auf dem Asphalt, vom Abendgeräusch der Vorstadt umflutetl Und so ging er schließlich weiter, eine holde Hoff­nung verlassend, und begab sich, wie immer, in seine nüchterne Behausung, um in eines immerhin ergiebigen Schlafs Betäubung wiederum zu erwar­ten, was ihm das wache Leben noch immer ver­sagte, noch immer. Und dann tarn der Sonntag mit seinen teils verträumten, teils vertrödelten Stunden, und dann würde die Woche wieder be­ginnen und das alte Spiel seinen Fortgang neh­men, ohne Einsatz, ohne Gewinn, doch ehrlich genug, um nichts Besonderes, um nichts Unge wohnliches zu versprechen.

Ja, und es reichte nicht einmal, wie Reginald am Ende sich gestehen mußte, zu einem klingenden Abgesang, zu einer Spiegelung doch wirklich erleb ter Herzenstrunkenheit in einer atrophe, dem das Grab im kalten Ofen erspart werden durfte. Was von jener halben Stunde des Entzückens blieb, ist wahrlich nicht mehr, als daß ein andrer, wiewohl nicht jeder Rührung bar, erzählte, was ihm, Regi­nald, dem heimlich dichtenden Handlungsgehilfen,

renz beteiligen werden. .

Mit dem Verkauf der elf Schiffe verwirklicht die amerikanische Regierung ihren lang gehegten Plan, das Reedereigeschäst aufzugeben, n u r n ach außen hin. Der Chapman-Konzern hat die Fahrzeuge um den Preis von 16 302 002 Dollars zugesprochen erhalten. Hiervon braucht er nur 4 000 000 Dollars bar zu zahlen, der Restbetrag ist in zehn gleichen Jahresraten zu erlegen. Mit den Schiffen gehen auch sämtliche Dock-, Bure au-- und anderen Pachtverträge in den Besitz der Chapman-Bank über. Diese verpflichtet sich außerdem zum Bau zweier Schiffe von den Aus­maßen desLeviathan". Die Kosten sind auf 42 000 000 Dollars veranschlagt, hiervon strecktdie Regierung Chapman auf Grund der im Mai vorigen Jahres vom Kongreß angenommenen Jones-White Handelsflotten-Vorlage aus einem 250 Dollarmillionen betragenden Baufonds 75 Prozent vor, und zwar zum niedrigsten Zins­satz, den die Regierung selbst für von ihr aufge­nommene Gelder zu zahlen hat, zwischen 2,5 und 3 5 v. H. Ferner erhöht die Jones-White-Bill den Betrag der für die transatlantische Postbe­förderung an amerikanische Schiffe zu zahlenden Gebühr von 1,50 Dollar (ein Dollar und fünf­zig Cents) auf 12 Dollars (zwölf Dollars) pro Seemeile und verschafft den amerikanischen Ree­dereien noch allerlei sonstige Erleichterungen in bezug auf Versicherung usw.

der Shipping Board vor drei Jahren den ersten positiven Versuch der Abstoßung der Schiffe machte, vermochte er kein annehmbares Angebot zu erhalten. In dem mit dem 30. Juni 1928 zu Ende gegangenen Rechnungchahr hat die amerikanische Regierung an ihren in Fahrt befindlichen und stilliegenden Schiffen 17 390 000 Dollar verloren. Während des­selben Jahres hatte sie 67 Kauffarteischifse ver­äußert, hatte aber noch immer 758 im 'Besitz,

legen sein wird? Lind das ist nur eines der zahlreichen Gebiete, auf denen ein Mann wie Le Rond in seiner jetzigen Stellung versuchen wird, die staatliche und wirtschaftliche Position Danzigs von innen her auszuhöhlen. Daß Frank­reich durch die Llnterstühung der Wahl Le Ronds solche polnischen und Polenfreundlichei: Bestre­bungen fördert, das ist schließlich nicht verwun­derlich. Sehr ernst zu denken gibt aber doch die Tatsache, daß auch England sich bereit gefunden hat. in Danzig selbst Politik gegen Danzig zu treiben. Die Zustimmung zur Wahl I Le Ronds zum Aufsichtsratsvorsihenden der Dan­ziger Werft durch die Vertreter der starken eng­lischen Kapitalsminorität bedeutet nichts anderes.

Und leise glitten seine Finger um das zartglie­drige Gebilde in seiner Hand, und vor feinen ge­schlossenen Augen wuchs die Gestalt eines jungen Mädchens empor, das, vom Dasein geplagt wie er selbst, unter gesenkten, blonden Wimpern sehnsüch­tigen Blick ins Leben zu senden gewohnt war, den suchenden Blick nach kameradschaftlicher Begegnung. Und in einer Art von schöpferischer Begeisterung schuf Reginald an der Vollendung dieser schlichten und wie ihm köstlich uortam, hilfsbedürftigen Ge- stait daß er schließlich, von einem berauschenden Stolz erfüllt, dein Gedanken anheiinfiel, es umre wirklich so, wie er es mit inneren binnen lao, und er braudjc nur die Augen zu öffnen, nm eine lang erhoffte Wahrnehmung bestätigt zu finden.

Etwas aber hielt ihn ab, so zuversichtlich an das Ophpn Heranzugeheii. Als er jedoch, durch heimliches Zögern bestimmt, mit seinem zärtlichen Bemühen um die kleine frenide Hand innehielt, wurde er aufs

schiffe im Danziger Hafen. Danzig hat in einem Abkommen mit Polen das Zugeständnis machen müssen, daß solche Kriegsschiffe die Ha- enanlage mit beliebiger Dauer benutzen können. Das Wkommen gilt b i s 19 31. aber Polen wird ohne Zweifel, zumal die Fertigstellung des Hafens von Gdingen trotz riesiger finanziel­ler Aufwendungen doch noch auf sich warten lassen wird, alles daran sehen, um eine Ver­längerung dieser Frist zu erreichen. Kann es bei solchen Bestrebungen bessere Llnterstützung inden als jene werftpolitischen Gesichtspunkte und Argumente, um die Le Rond, gestützt auf die 90prozentige Mehrheit des Aktienkapitals seines" Unternehmens, ganz gewiß nicht ver-

neue in einen Taumel des Entzückens gestürzt; denn mm glitten die zarten, weichen Finger mit schüchternem Tasten um seine eigene Hand, und da konnte er, umdröhnt vom weithin hallenden Brau­sen des Zuges, nicht länger umhin, der Enge um ihn her ungeachtet, die unsichtbare Hand, Spenderin unsäglicher Hoffnung, zu seinem Munde zu führen und brennenden Dankes Mal ihr aufzuprägen.

Traumfittiche rauschten um seine Sinne, als der Zug in das Lichtergewirr des Vorstadtbahnhofs hineinstürmte und unversehens innehielt. Menschen- ,nassen strömten aus dem Innern des Wagens auf die Plattform, sprengte die Gruppe der Draußen­stehenden und ergossen sich mit ihnen auf den lär­menden Bahnsteig. Die Hand, die teure, war ihm entrissen, als Reginald zu sich kam und zitternd Umschau hielt. Tausend Mädchenangesichter hufch- ten, so dünkte ihn, in der Menge vorüber, aber wie er auch suchte und bebenden Blickes in tausend Augenpaare tauchte, das eine, das einzig erwidernde fand er nicht. War es ein Traum, der zerstob'^ Und doch, fühlte er nicht in allen Nerven noch des süßen, geschwisterlichen Einsseins hingerissene--.run-

Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Washington, März 1929.

Der deutsche Kaufmann, Fabrikant, Exporteur, weih besser als irgendeiner, in welchem Maße das amerikanische Geschäft die Weltkriegskonjunk- lur zu seinem Vorteil wahrgenommen, die Welt­märkte für sich zu erobern versucht hat. Da ist kaum ein Handrlsgebiet. aus dem der Ameri­kaner den Europäer nicht wenigstens teilweise verdrängt, kein Erdteil, in dem er sich nicht fest­gesetzt hätte. Wenn das Ausland es wagt, irgendwo Protest zu erheben, ist der Pankee flink mit der Antwort bei der Hand:Wenn wir das Geschäft machen können, haben wir nicht ein gutes Recht dazu? Rehmt 's uns doch weg, wenn ihr dazu imstande seid." Die Doktrin vom Lieberleben der Lebensfähigsten im modernen Ge­wände. Der Lebensfähigste ist heute der Geld­kräftigste. Lind der war nach dem Kriege und ist mxh jetzt der Amerikaner ...

Im Passagier- und Güterverkehr mit Kuba, Westindien und Mittelamerika sind acht in jeder Hinsicht glänzend gestellte amerikanische Reede- reien tätig. Vor einiger Zeit kündigte die Cu- nard-Linie, die größte englische Schiffs­gesellschaft, an, daß sie sich mit einem einzigen ihrer transatlantschen Dampfer, derCaronia", an dem Saisongeschäft auf der Strecke Reuyork Havanna zu beteiligen gedenke. Sie war anständig genug, sich mit den anderen Linien wegen ter Fahrpreise ins Benehmen zu setzen und es ihnen zu überlassen, zu bestimmen, um wieviel mehr pro Passagier sie berechnen sollte. Man einigte sich auf einen Durchschnitts-Mehr­preis von fünfzehn Dollar.

Als der Shipping Board, die Regie­rungs-Schiffahrtsbehörde, hiervon erfuhr, setzte sofort ein Sturm der Entrüstung über denunlauteren englischen Wettbewerb" auf einem bisher als ausschließlich amerikanische Domäne angesehenen Gebiete ein, es kam zu einem zum Teil in nicht ganz diplomatischer Sprache ge­haltenen Rotenwechsel zwischen den Herren vom Shipping Board und der Cunard-Gesellfchast, und als diese unter Hinweis darauf, daß sie sich nur an der Passagier-, nicht aber an der Güter­beförderung beteiligen werde, und auch daran nur vorübergehend, bei ihrem Vorhaben blieb, zog Onkel Sam in der Person des Shipping Board Vorsitzers T. V. O'Connor sofort seinen Geldbeutel aus der Tasche und stellte den ameri­kanischen Reedereien den eigenszum Schuh der amerikanischen Seefahrt gegen unlauteren 'Wett­bewerb" geschaffenen, zehn Dvllarmillionen be-

schäft so empfindlichen Schaden zufügen konnten, daß ihn der Shipping Board mit seiner ganzen Kriegskasse" niemals ausgleichen könnte.

Die amerikanische Regierung ist bekanntlich seit acht Jahren bestrebt gewesen, aus dem Reede- rei-Geschäst, das ihr als weißer Elefant nach dem Weltkriege zugefallen ist, und das sie ungezählte Millionen gekostet hat, h e r a u s z u k o m m e n. Wenn es sich aber darum handelt, der Kontur- renz zu begegnen, dann wird sogar ein Ratenkrieg mit dem Gelde der amerikanischen Steuerzahler finanziert. Dazu hat mans immer.Wenn dies allein nicht genügt, dann kann man allenfalls, wie man es zu Anfang des neuen Jahres mit dem CunarderBerengaria" (dem früherenImpera­tor") versuchte, auch noch zu anderen Zwangs­maßnahmen greifen und den halsstarrigen aus­ländischen Schiffsgesellschaften, in diesem Falle der Cunard-Linie, diePo st entziehen. Die­ser Versuch ist bekanntlich mißlungen, das Wa­shingtoner Postministerium hat in elfter Stunde seinen Fehler eingesehen und hat, wahrscheinlich infolge der Proteste der amerikanischen Handels­welt, seinen Befehl mit einer ziemlich linkischen, lahmen Entschuldigung aufgehoben. .

Mit dem jetzt vom Shipping Board genehmig­ten V e r k a u f der elf größten Passaglerdampfer der Llnited States- und der American-Merchant- Linien an eine Reuyork-Chicagoer Bankfirma, an deren Spitze P. W. Chapmann steht, tritt der Wettbewerb um das transatlantische Passa­giergeschäft in eine neue Phase ein, die sich in absehbarer Zeit zum Wettkampf ausgestalten dürfte. Jedenfalls rechnen die beteiligten Ree­dereien auf beiden Seiten des Ozeans damit, daß die amerikanischen Schiffe in den Händen einer Privatgesellschaft sich weit stärker als bisher unter Regierungsregie an der Konkur-

Die Gruppe junger Schauspieler, oic in Berlin mit der Uraufführung des Schauspiels Revolte im Erziehungshaus" von Peter Martin Campet so viel Aufsehen er« regt und den Streit der Meinungen entfacht haben, ist auf Gastspielreisen gegangen, und so hatte auch Frankfurt Gelegenheit, das viel diskutierte Stück im Schauspielhaus mit den Schauspielern, die es zur Uraufführung gebracht haben, zu sehen. Der Abend war, um es vorweg zu sagen, einer der stärksten Theater- cindrücke' der an wirklich tiefgehenden Ereig­nissen allerdings nicht sehr reichen Frankfurter Spielzeit. Das Stück schildert Zustände in einem Erziehungshaus, die schlimme Lage der Zöglinge, ihre Gefühle und Gedanken, der Zwiespalt in diesen jungen Menschen, und wie schließlich ihre falsche Behandlung durch ungeeignete, verständ- vislose Erzieher zum Aufstand, zur Revolte führt. Cs kann hier nicht untersucht werden, wie weit die Anklagen Lampels, der selbst einige Zeit Erzieher in einem derartigen Heim war. berechtigt sind, doch dürfte diese Aufführung den Beweis dafür erbracht haben, wie notwendig es für das moderne Theater ist, aktuell zu sein. Meinungen, Probleme und Ereignisse auf die Bühne zu bringen, die den Menschen von heute wirklich bewegen. Lind diese Forderung erfüllt Lampels Stück trotz aller ihm anhaftenden Schwächen. Auch der, der eine andere Gesinnung als der Autor vertritt, wird sich schwerlich jeder Einwirkung des Dramas auf sein Inneres ent­ziehen können, denii die Echtheit der Gefühle des Dichters kann wohl kaum angezweifelt werden. Zum großen Teil aber beruhte die starke Wir­kung des Stückes auf der Darstellung, auf der fühlbaren Begeisterung und Hingabe dieser jun­gen, bisher meist noch ganz unbekannten Schau­spieler. Man fühlte eine Art Gemeinschafts­willen, ein Kollektivgedanke beherrscht anscheinend diese Künstler ähnlich dem, wie er die Grund­lage zu der Gröhe und den Erfolgen der russi­schen FilmePotemkin", ..Ende von St. Peters­burg" usw. bildete. Die stärkste Leistung bot Fritz E c n s ch o w als Fürsorgezögling Fritz. Gut pro­filierte Typen stellten auch Werner Pledath. Friedr. Wilh. Kaiser. Kurt Werther. Alfred Schäfer und Rolf Müller auf die Bühne. Mit besonderer Freude sah man Renee Stobrawa in der einzigen Frauenrolle wieder einmal in Frankfurt. Das Publikum spendete am Schluß stürmischen Beifall, für den sich neben ' " der Autor bedanken konnte.

Stehenden'eingekeilt, suchte sich durch steife Hal­tung vor unerwünschtem Druck und Stoß zu sichern und seine Gedanken an irgendeine weit entfernte Vorstellung zu knüpfen, um möglichst wenig von der Fahrt'zu merken. Unvermutet aber fand er sich von einem Gefühl betroffen, das ihn aus , einer Versunkenheit aufschreckte. Dieses Gefühl ging vom Rücken seiner rechten Hand aus und wurde, wie er alsbald bemerkte, von der Berührung mit einer fremden Hand bewirkt, die in der dunklen Tiefe be<~» Gedränges der feinen benachbart war und sie auch ihrerseits mit dem Rücken streifte. Es war ein seltsames, beklemmend zum Herren emporne- selndes Gefühl, das von dieser Berührung erregt wurde, und Reginald vermochte nicht, einer ge­wissen Neugier, einem Gelüst schweifender Hingabe an dieses Gefühl sich zu entziehen.

Der Augenblick erlaubte ihm, solcher Neugier nachzugeben, und die Berührung der fremden Hand mit Bewußtsein, zu genießen. Er veripurte eine sanfte Wärme, und eine unverkennbare Zartheit der Hautoberfläche ließ ihm keinen Zweifel dar­über, daß diese Hand einer Frau gehörte. Aber die Finsternis, nur durch Reflexe vvrubereilender Licht­punkte flüchtig aufgelockert, gestattete ihm nicht, m feiner Nachbarschaft mehr wahrzunehmen als schau­felnde Silhouetten. Das Aufgluhen einer Zigarre, einer Zigarette hier und dort schien ferner Be­mühungen vollends spotten zu wollen.

Plötzlich gab es wieder einen Ruck, der die Men­schen gegeneinander warf. Unwillkürlich hatte Re­ginald' die Hand ergriffen, die neben der feinen ruhte, und erst viel spater fand er Zeit, siäj dar- über zu wundern, daß sie ihm nicht widerstiebte. Schlanke Finger hielt er umschlossen, und er wagte cs, da sie fast geschwisterlich seinem Druck sich an- schmiegten, sic zu streicheln, und fuß stieg es 'hm in der Kehle auf, zu bemerken, daß dies durfte, daß, wie sonst nur im -träum, ein Wunsch, kaum bewußt empfunden, schon sich erfüllte ...

I geltungsmahnahmen seitens der ausländischen Regierungen führen, die dem amerikanischen Gc- t-l Pu. t_ ___m lOvfxnhpn infiirtpn könnten

Die Hand.

(Erzählung von Will Scheller.

Wie immer, fand sich Reginald auch an diesem Samstag unter den Letzten, die nach Ge­schäftsschluß in die überfüllten Wagen der Unter- grundvahn drängten, um der Wirklichkeit ihres Lebens in den Traum eines andern, Sonntag ge­heißen, schleunigst zu entrinnen. Wie immer fand sich Reginald unter den Letzten, die es nie verstehen, dem Alltag hinter die Schliche zu kommen und ihm köstliche Minuten abzulisteu. Denn köstliche Mi­nuten waren für Reginald, den jungen Handlungs- beflissenen, auch jene nicht, die er, unruhigen Her­zens, einem Falschmünzer oft sich vergleichend, m Dienstes Mitten auf einem Postamt stahl, um aus die Rückseiten ungebrauchter Telegrammformulare Bruchstücke von Gedichten zu schreiben, die alsdann verdächtig in seinen Taschen knisterten, um abends, bei Lampenlicht betrachtet, zumeist als weiteren Be­mühens unroert, zerrissen und in dürftigen Borstadt- zimmers kalten Ofen trübselig versenkt zu werden.

Nein köstliche Minuten waren das auch nicht, dachte Reginald, indem er sich auf die hintere Platt­form des ersten Wagens drängen und stoßen liefe, mn der sonntäglichen Hoffnung eines vielleicht doch einmal gelingenden Verses entgeaenzusahren. Denn eines solchen Verses arg bedürfend, kam er sich immer wieder vor, seit er, von äußeren Umstanden und der inneren Vorstellung eigenen Unvermögen-.' genötigt, auf ein wirkliches Erleben verzichten zu Kt glaubte. Da er aber zu jung war um gänz­lich und völlig verzichten 2'; können, wollte er we-

heftig umeinander warf, begann die Fahrt, deren Strapaze Reginald, wie so mancher andere, halb geschlossenen Auges über sich ergehen zu lallen pflegte, bis er, beinahe traumhaft, an der gewohn­ten Haltestelle sich hinauswirbeliiließ.Es war jeden Abend wie jeden Morgen das Mche. Die Hin- und Her-Fahrt erschien ihm wie vie en^ Tau­senden als eines notwendigen Uebels belanglofe, kaum noch bewußt empfundene Verrichtung.

Diesmal nahm sie slch allerdings nach' bcsond.rs unfreundlich an; denn zu dem ichw^rsaUigen Rütteln der überlasteten Wagen kam noch em in luizen Pausen wiederkehrendes, zuletzt anhaltende^ Ver­löschen der Beleuchtungskörper, das manchen zwar belustigte, die Mehrzahl der Reisenden aber imr be­lästigen konnte, die einander, ohne e 3 »

Püffe und Tritte versetzten, und so zu EntschiUdr gungen veranlaßt wurden, die sie vor suhh' murmeln mußten, ohne in der Dunkelheit recht z wissen, wem sie eigentlich zu gelten hatten.

Reginald, mit hängenden Armen zwischen den auf der hinteren Plattform des ersten Wägern-

£e Rond in Danzig.

Zum Vorsitzenden des Aussichtsrates der Dan­ziger Werft, früher bekannt unter dem Ra- men der Kaiserlichen Werft, ist der französische General Le Rond gewählt tvvrden. Das ist ein Vorgang, der vom Standpunkt Danzigs aus ebenso ernst beobachtet werden muß wie vom reichsdeutschen. Die Danziger Werst ist seit dem neuen Zustand im Osten, den der FriedensPertrag hergestellt hat, kapitalsmäßig fast ganz i n a u s - ländischen Händen. Lieber 40 Prozent des Aktienkapitals verfügt Frankreich, über wei­tere 40 Prozent England; Polen besitzt 10 Prozent und mit dem gleichen Betrage ist Danziger Kapital an dem Unternehmen be­teiligt. Die Ueberfremdung beträgt also 90 Pro­zent, so daß man von einem Danziger Unterneh- men im eigentlichen Sinne schon lange nicht mehr sprechen konnte. Immerhin hat die Danziger Werft bislang doch gelegentlich so etwas wie politische Reutralität zu wahren versucht. Mit der Wahl Le Ronds zum Aufsichtsratvor­sitzenden. die mit allen gegen die Danziger Stim­men erfolgt ist, also auch mit den Stimmen des englischen Kapitals, wird wahrscheinlich das Un- ternehmen ganz offen politische, das heißt in diesem Falle polnische Tendenzen zutage treten lassen. , . r.D, .

General Le Rond ist auS seiner bisherigen Tätigkeit genügend als ein Wann abgestempelt, der in einem engen Zusammengehen Frankreichs mit Polen gegen Deutschland das Ziel erblickt, auf das er mit allen Mitteln hinarbeitet. Sei» Wirken in Oberschlesien in der Abstim- munyszeit ist genügend in aller Erinnerung. Seit'Lm hat Le Rond durch Reisen und auf alle möglWe andere Art getan was er persönlich hin konntet um die politischen, wirtschaftlichen und nicht zuletzt militärischen Beziehungen zwischen feinem Heimatlande und der Republik des Wei­ßen AÄers zu vertiefen. Seit Monaten bereits bemühte sich nun Le Rond um Einfluß auch in Danzig. Ein Posten im Aufsichtsrat der Dan­ziger Werft schien ihni erstrebenswert und er hat sich mit allen Mitteln darum bemüht. Als vor einigen Wochen diese Angelegenheit im Auf­sichtsrat besprochen wurde und ein Danziger Holzgrotzhändler dabei die lebhaften Beden­ken der deutschen Bevölkerung Danzigs gegen die Persönlichkeit Le Ronds zur Sprache brachte, da griff Le Rond zu dem Mittel eines persönli­chen Besuches bei seinem Gegner und er verstieg sich dabei, um auch diesen Widerstand zu bre­chen, zu seltsamen Erklärungen. Richts fei un­richtiger als von ihm eine feindselige Einstel­lung gegen Deutschland anzunehmen; auch in Oberschl^ien habe er seinerzeit keineswegs nach eigenen Wünschen, sondern lediglich au höheren Befehl seine Tätigkeit ausgeubtz Sv interessant das Zugeständnis fern mag, daß die offene Duldung des Korfanth-Aufstandes-in Oberschlesien auf ausdrückliche Pariser Anweisung hin erfolgt ist, so wenig daP man im übrigen den Derficherungen Le Ronds glauben, die mit seiner ganzen Wirksamkeit der letzten Jahre in schroffem Widerspruch stehen

Die Danziger Werft stellt im Wirtschaftsleben der. wie es so schön heißt:freien" Stadt, einen Machtfaktor dar. Run ist diese Position ganz offen in die Hände des pvlenfreundlichen Auslandes, fast könnte man sagen in die Hände Polens gefallen. Le Rond wird ganz sicher ver­suchen. von hier aus seinen Einfluß auf Danzigs Wirtschaft und auch auf die politische Entwicklung immer mehr zu verstärken. Es gibt verschiedene Dinge, die gerade von der Danziger Werft aus beeinflußt werden können. Da ist A- B- das Ankerrecht für polni sche Krieg s -