Montag. 8. Aprll 1929
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179. Jahrgang
Ur. 8t Erstes Blatt
Englands Locarnopolitik
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fion unannehmbar ist. Man wird also das Ergebnis der Fühlungnahme der vier Delegationen untereinander abwarten müsten. um sagen zu können, wie die Verhandlungen nun im Laufe der kommenden Woche fortgesührt werden sollen.
lieber die Sitzung verlautet offiziell nichts. Die Agentur havas erklärt lediglich, daß die Diskussion über die Ziffern Montag wieder ausgenommen werde, und daß sie wahrscheinlich den größten Teil der kommenden Woche in Anspruch nehmen würde.
Resultate die Ein;elbesprechungen ergeben haben. Rach dieser Bekanntgabe hat Dr. Schacht die Sitzung verlassen, und die Delegierten der Gläubigerstaaten haben die Beratungen unter sich o r t g e s e h t. Ls ist bis jetzt nicht bekannt gewor- den. welches Ergebnis diese Besprechung gezeitigt hat. Man vermutet jedoch, daß die Forderungen, die die Hauptgläubiger im verlaufe der erslen privaten Unterredungen gestellt haben, eine Zahl ergeben, die. wie es scheint, für die deutsche velega-
habe, geschah nicht, um Eifersucht zu erwecken, sondern um bestehendes Mihtrauen zu beseitigen. Frie-
N a c o (Arizona), 6. April. (WTD.) Bei dem etwa 12 Kilometer von hier entfernt gelegenen Eisenbahntunnel der Southern Pacific-Bahn lam es heute morgen zu einem Geplänkel zwischen einer berittenen amerikanischen Grenzpatrouille und mexikanischen A u f st ä n d i s ch e n, bei dem ein Amerikaner durch einen Brustschuß schwer verwundet wurde. Wie sich später herausstellte, waren in einem Versteck in der Nähe des Tunnels 15 Säcke untergebracht, von denen jeder fünf Bomben enthielt. Als sich die amerikanische Patrouille dem Versteck näherte, eröffneten die Aufständischen von der mexikanischen Seite her Feuer auf sie, das von den Amerikanern erwidert wurde. Es ist noch nicht geklärt, ob die Bomben über die Grenze zu den Rebellentruppen geschmuggelt werden sollten, oder dazu bestimmt waren, den amerikanischen Zug in d i e Luft zu sprengen, aus dem die bisher in El Paso internierten mexikanischen Bundestruppen, die nach der Einnahme von Juarez über die Grenze geflüchtet waren, nach Mexiko zurückkehren sollte. Die internierten mexikanischen Truppen waren vor einigen Tagen auf Anordnung der Washingtoner Regierung freigelassen worden und befinden sich zur Zeit auf dem Wege nach Naco-Sonora, um die dortige Bundesgarnison zu verstärken. Auf die Nachricht von dem Bombenfund und dem Zusammenstoß zwischen der Patrouille und den Rebellen hin ist sofort eine größere Abteilung amerikanischer Ka vallerie nach dem Tunnel aufgebrochen. In Washington wird darauf hingewiesen, daß etwa 1OOOO Mann amerikanischer Truppen in der Nähe der mexikanischen Grenze stehen und daß weitere Grenzübergriffe deren Einmarsch nach sich ziehen würden.
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Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.
ösfenilichl eine Unterredung feines römischen Be- richlerslatlers mit Sir Austen Chamberlain, der sich augenblicklich mit feiner Familie in Florenz oushält. Auf den Hinweis des Berichterstatters, daß in den Besprechungen mit Mussolini die Reparationsfrage im allgemeinen und eine E r - Mäßigung des italienischen Anteile» an den deutschen Zahlungen im Falle einer Herabsetzung der deutschen Verpflichtungen erörtert worden sei, erwiderte der Außenminister u.a. folgendes: „Eine solche Anregung ist nicht gegeben worden. Mussolini und ich hoffen und erwarten von den Arbeiten der Sachverständigen eine Lösung, die alle beteiligten Mächte annehmen können, wenn sich unsere Hoffnungen verwirklichen. dann glauben wir. daß hiermit ein weiterer großer Schritt zur Wiederherstellung normaler Beziehung getan fein wird."
Zum Schluß der Unterredung wie» der Bericht- ersiatler auf die Unsicherheit in italienischen Kreisen hin, die hinsichllich der englischfranzösi- schen Zusammenarbeit herrsche, hierzu er- klärte der britische Außenminister u.a.: „Es würde im Gegensatz zu meiner ganzen Austastung über die internationale Politik stehen, wenn die guten Beziehungen zwischen England und Frankreich als den Interessen einer dritten Macht schädlich angesehen würden. Ich weih, daß behauptet wurde, ich sei i n der Tasche Frankreichs. Ich suche Vertrauen zu erwecken und gute Beziehungen mit allen Ländern herzustellen. Alles, was ich in meiner vier- jährigen Amtszeit zugunsten des Friedens getan
den und Freundschaft zwischen anderen Staaten kommen stets auch England zugute, da unsere überragendsten Interessen in der Erhaltung des Friedens liegen, was die besondere Anklage anbelangt, daß ich Frankreich gegenüber zu sreundlich eingestellt sei, so bitte ich zu beachten, daß ich auf der GrundlagedieserFreundschaft geholfen habe, den gemeinsamen Ausgleich mit Deutschland herzustellen. Ramsay Macdo- nald tat dasselbe. Er setzte den ziemlich verärgerten Rolenaustausch zwischen Burzon und poincars nichl fort, nachdem er das Außenministerium übernommen Halle, sondern schrieb einen sehr freundlichen Brief an den französischen Ministerpräsidenten.
Es ist wichtig, fesizuslellen. daß auch Ramsay Macdonald das magische Wort „Sicherheit" aussprechen mußte, um die französische Unterstützung für den Dawesplan zu gewinnen. Locarno war die Erfüllung dieses britischen Versprechens. In der Sicherheilsfrage zu gleicher Zeit war die Gelegenheit gegeben, Deutschland al» gleichberechtigte Ration zu behandeln, von der ersten Zusammenkunft in Locarno an wurde Deutschland als gleichberechtigtes Land behandelt, war Deutschland, so fragte Chamberlain zum Schluß, besser daran, als Frankreich und England entzweit waren und die Ruhr beseht wurde, oder ist es besser daran, seil beide Lander das gegenseitige vertrauen zueinander wiedergesunden und die Locarnoverträge unterzeichnet haben?
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vereiteltes Bombenattentat auf den Gouverneur von Reuyork.
Reuyork, 8. April. (WTB. Funkspruch.) Beim Reinigen -er Räume -eS Postamte- in
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Die mexikanischen Gebellen versuchen einen Grenztunnel zu sprengen.
Schwerer Kampf um die Grenzstadt Raco.
Raco (Arizona). 6. April. (WTB.) Der Kamps um die mexikanische Stadt Raco tobt mit unverminderter Heftigkeit in weitem Halbkreise vor den Schützengräben der Dundestruppen fort. Die Zahl der angreifenden Rebellen beläuft sich auf etwa 3000 Mann, während die Verteidiger etwa 1500 Mann zählen. Der Verlauf des Kampfes kann von der amerikanr- schen Seite deutlich verfolgt werden. Man sieht, wie die Geschosse in den Hauptstraßen der mexila- nischen Stadt aufprallen. Auf der amerikanischen Seite schlagen fortgesetzt verirrte Kugeln vor dem der Grenze zugewandten Gebäude der Western Tlnited Telegraph Company ein. Die Telegraphisten und Zeitungskorrespondenten, die sich in dem Gebäude befinden, sind auf ihrem Posten verblieben, obwohl die amerikanischen Truppen die Räumung des südlichen Teiles der amerikanischen Stadt angeordnet haben. Die Infanterie der mexikanischen Aufständischen ging im Laufschritt hinter ihrer Kavallerie vor, und es gelang ihr, die Vorposten der Bundes- truppen zurückzutreibcn. Als die Angreifer auf etwa 1 Kilometer an die Stellungen der Vundestruppen herangekommen waren, eröffneten die Verteidiger ein Masch'.nengewehr- feuer, das die Gegner reihenweise niedermähte. In diesem Augenblick griffen die Tanks der Aufständischen in den Kampf ein und rückten feuerspeiend bis dicht an die Drahtverhaue der Verteidiger heran. Gleichzeitig wurden die Schützengräben der Bundestruppen von zwei Flugzeugen bombardiert. Rachdem der Angriff vorübergehend zum Stillstand gebracht worden war, gingen die Aufständischen erneut zum Sturm vor und es gelang ihnen gegen Mittag, einen Kirchhof östlich der Stadt zu besehen und die Verteidiger aus den vordersten Schützen- 1 grüben zu vertreiben. Im Lause des Rachmittags gelang cs jedoch den Bundestruppen, den Angriff der Rebellen zurückzuschlagen.
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(Ss ergibt sich überhaupt die tfrage, ob es gelingen wird, zu einem Ergebnis der Sachverstän- N.genberatungen zu gelangen, solange die Amerika er strikt darauf beharren, daß über dre interalliierten Schulden nicht ge - spiochen werden darf. Aber hierin sind die cm<rikanischen Delegierten offenbar ganz streng ca. die Weisungen Hoovers gebun- bc n, wie sie vor Beginn der Sachverständigen- rcvhandlungen in den Besprechungen in Washington festgelegt worden sind. Diese Woche wird zu nweisen haben, ob trotz dieser Bindungen es noch nö glich sein wird, ein für alle Teile tragbares «rrLebnis in Paris zu erreichen. Diejenigen Vor- tfTägc. die jetzt aus der Zusammenstellung der ßo rberungen unser Gläubigerstaaten sich heraus- Icßallisiert haben, erscheinen jedenfalls für O.-ulschland völlig unannehmbar, vor diem kann auch von einer Ausdehnung der Kutschen Zahlungsverpflichtungen von 3 7 aus E9 Iahre gar keine Rede fein, man betont in berliner politischen Kreisen, daß die deutsche Delegation in diesem Punkte keinerlei Zugeständnisse machen werde.
Das Ergebnis
-er Einzelbefprechuugen.
üwße Ueberraschung über die Endsumme.
V a r i s, 8. April. (2DB.) Die Verhandlungen, die vährend der letzten drei Tage zwischen den Repa- lokionsfachoerständigen staltfanden, hatten zunächst frti Zweck, sich über gewisse Punkte in dem am U.Mär; der deutschen Delegation übergebenen Hemoranbum der vier hauplgläubigerländer zu ver- sändigen. Die zu klärenden Fragen wurden in der '«Itsihung. die am 4. April nachmittags stattgesun- teti hat, vorgetragen. Am Schluß dieser Vollsitzung purbe, wie bereits berichtet, von deutscher Seite (In Fragebogen eingereicht. Eine schriftliche llNtwort auf die gestellten Fragen ist bereits Zrcitag überreicht worden, wobei jedoch feslgeslellt reiben mußte, baß einige Fragen nicht beant- Ifi e r t e I werben konnten. Sogleich nach dieser Sitjung wurden getrennte private Be- |p redjungen der deutschen Delegierten mit den (cflen Delegierten von England. Frankreich, Italien und Belgien abgehalten. An diesen Linzel- kfpre<f)ungen nahmen außer dem Vorsitzenden der Inferenz, Owen poung. auch die übrigen Delegierten der amerikanischen Gruppe teil. 3m ver- lanfe dieser Besprechungen hak jedes Gläubige rland Ziffern genannt, und Samslag- (ormillag wurden die privaten Besprechungen zwi- Hieti der deutschen und der französischen Delegation tber die von Frankreich gestellten Forderungen sortgeseht. Rachmittags sand eine weitere Sitzung fall, in deren Verlauf Reichsbankpräsident Dr. Sdjadjf den Vertretern der genannten vier Slaa- Itn mitgeteilt hat, welche ziffernmäßigen
tmflussen.
Gs steht nunmehr, obwohl keinerlei offizielle (Informationen über den Verlauf der Derhand- Üingen ausgegeben worden sind, einwandfrei fest, dch die Höhe der deutschen Iahres- zahlungen, also das Kernproblem, jetzt ernsthaft in Angriff genommen worden ist. Dabei hat e» sich aber herausgestellt, dah die Einzelforde- rungen der deutschen Gläubiger insgesamt zu einer Höhe angeschwollen sind, die sogar noch über den jetzigen Reparationsstand don jährlich 2,5 Milliarden erheblich hinausgeht. Es scheint so. als ob die Teil- ichmer der Konferenz selbst von diesem Er- j’bni8 einigermaßen überrascht worden sind. So hü sich denn Dr. Schacht lediglich darauf beschränkt, einen Bleistift zu nehmen, Summen zu addieren, den Konferenzteilnehmern dieses <ahlenergebnis mitzuteilen, worauf es wahrschein- lch einigermaßen erstaunte Gesichter ge- fl’bcn hat —, und sich alsdann zu empfehlen. Die Eläabigemationen haben dann noch mit Owen $onng zusammen bis tief in die Rächt gesessen. Han wird nun abwarten müssen, ob die Sachverständigen autorisiert und Willens sind, von ihren Forderungen herabzugehen. Wie es scheint, hat man den für Deutschland grundsätzlich wichtigen Sesichtspunkt, nämlich die Bemessung der Tribut- zaölungen nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit vollkommen außer acht ge-
Oie entscheidende Woche.
Int das Schicksal der Neparationskonferenz.
Dunmehr haben sich in Paris die Dinge offen* Mr doch so zugespiht, daß es sich in dieser Woche ntsscheiden muß, ob die Konferenz der Sachverständigen zu einem gemeinsamen Ergebnis führt ote-r nicht. Dabei ist es nach wie vor nicht an- «!b rächt, die Stimmungsäußerungen der franzö- sl.hcn Presse als einen objektiven Widerhall der etitnmung innerhalb der Konferenz zu betrachten, kenn die Pariser Publizistik hat während des juxten Konferenzverlaufes stets den Versuch gerächt, den Gang der Verhandlungen durch ein Ürommelfeuer von Meinungsäußerungen zu be-
Die allgemeine Meinung geht dahin, daß das Ergebnis dieser Besprechung in ungefähr acht Tagen bekannlgegeben werde.
Rach dem „Matin" ist man unmehr zu der Aeber- zeugung gekommen, daß noch mehrere Tage notwendig seien, um die Ziffern der Fordernden a n die Grenze dessen zu bringen, was die Amerikaner praktisch für befriedigend erklären. Anter diesen Umständen müßten die Alliierten und Amerika ihre Forderungen um mehr als eine halbe Milliarde Mark im Jahre, was die Reparationen anbe- trcffe, herabsehen, und man habe noch nicht einmal die absolute Sicherheit, daß Deutschland eine Annuität von 1800 Millionen, die man alsdann erzielen werde, annehmen werde. Deutlicher drückt sich der Außenpolitiker des „Echo de Paris" aus, in dem er zunächst dem Vorsitzenden der Konferenz Vorwürfe macht. Unter dem Vorwand, er wolle nicht vorzeitig Partei ergreifen, sondern entspannen und die Geister miteinander versöhnen, habe Owen D. poung es unterlassen, die Deutschen von Anfang an daran zu erinnern, daß fie die Forderungen seien, also, daß er ihnen zu- komme. Angebote zu madjen. Er habe auch die Gläubiger nicht ermutigt, sich über ein gemeinsames Programm zu einigen, damit sie auf der ganzen Linie solidarisch seien. Dr. Schacht befinde sich aber jetzt in der bequemen Lage des Abwehrenden; d i c Rollen seien vollkommen vertauscht. Die Sachverständigen der vier Gläubigerstaaten hätten sich nun, um diesem Mißstand abzuhelfen, entschlossen, die Arbeit zu unternehmen, die sie schon vor zwei Monaten hätten durchführen müssen. Sie hätten jetzt begonnen, die von den verschiedenen Delegationen ausgestellten Ziffern so herabzusehen, daß sie insgesamt unter der Dawes- Annuität von 2,5 Milliarden blieben. Es handele sich also um eine Amputierung, die sicher nicht sd)merzlos vor sich gehe. Die Diskussion über die Ziffern der vier Gläubigerstaaten untereinander werde vermutlich drei oder vier Tage in Anspruch nehmen.
Der Eindruck in Berkin.
Einmütige Ablehnung der alliierten Forderungen.
Berlin, 8. April. (TU.) Die Berichte der Berliner Blätter über den Stand der Pariser Verhandlungen betonen einmütig, daß die von den Gläubigerstaaten genannten Zahlen unannehmbar seien. Die „DAZ" schreibt, dah die Forderungen der Alliierten ganz außerordentlich viel höher als vor Ostern seien. Das Blatt erwähnt außerdem, daß nicht nur aus einem, sondern aus mehreren neutralen Ländern hochangesehene Bankiers, und zwar solche, die auch mit dem Reparationsproblem vertraut seien, aus ihrem Standpunkt kein Hehl machten, daß eine älnterschrift unter untragbare Forderungen den deutschen Kredit restlos abschnüren würde. — Das „Berliner Tageblatt" schreibt, man wisse jetzt, daß die nach langen Verhandlungen zu- ftandegekommenen Forderungen der Gläubiger stets weit über das hinausgingen, was Deutschland zu leisten vermöge, und daß sie wider Erwarten keine Konzessionen gegenüber den seit Wochen angedeuteten Zahlen bedeuteten und deshalb als unannehmbar bezeichnet werden müßten. Die Hauptschwierigkeit liege in der immer wieder abgeleugneten, aber doch sehr großen Uneinigkeit der einzelnen Delegationen über die Verteilung der notwendig werdenden Opfer unter den Gläubigerländern. — Die ..Vossische Zeitung" sagt, die Gesamtsumme, auf die man bei der Zusainmen- rechnung der Einzelforderungen gekommen fei, sei so hoch, daß sie selbst im Lager der Gläubiger eine äleberraschung herborge r u f e n zu haben scheine. — Der „Lokalanzeiger" schreibt unter der Tleberschrift „Die Konferenzkrise ist da": Eine Einigkeit der Gläubiger herrsche also keineswegs. Iede Delegation wolle der anderen den Vortritt überlassen und halte dabei unerschütterlich an ihren eigenen Forderungen fest in der Hoffnung, dah die anderen vielleicht nachgiebiger seien und dadurch ein Tkebereinkominen mit den Deutschen in letzter Minute ermöglicht würde. Bei der Aufstellung ihrer Forderungen hätten die Gläubiger nicht einmal den Versuch gemacht, den Einwänden der deutschen Delegation über die deutsche Zahlungsunfähigkeit Rechnung zu tragen. Gelinge es den Amerikanern nicht noch in letzter Minute, den Widerstand der alliierten Shylocks zu brechen, so sei die Konferenz zu Ende. Schon jetzt treffe die Verantwortung die hartnäckigen Gläubiger, die eine vernünftige Lösung anscheinend nicht wollten.
Llnannehmbare Zahlen der Gläubigermächte.
Dr. Schacht addiert die Einzelforderungen. - Eine unmögliche Gefamtfumme. - Man debattiert über eine Ermäßigung der Reparationsansprüche.
Chamberlain
über Englands Mittlerrolle beim Versuch eines deutsch-französischen Ausgleichs
London, 8. April. (III.) Der „Observer" oer- ' " tnn-
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