Ausgabe 
8.2.1929
 
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Nr 55 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberyessen)

Freitag. 8. Februar 1929

Turnen, Sport und Spiel.

Deutsche Tennis-Tagung.

Am Sonntag hielt der Deutsche Tennis- vund in Braunschweig Im alteh.würdigen Sit­zungssaal des Altstäd!« Rachru.eZ seine ordent­liche Mitglieder-Iahres-General- versammlung ab, die einen hari^mifchen Verlauf nahm.

Vach Te^räftungSans:rachm des Bundespräsi­denten Dr. Weber und des Braunschweiger Bürgermeisters. Dc. Trautmann, dec beson­ders hervorhob, daß gerade die Stadt Braun­schweig sich in hcrvorra-ender Weise um das Wachsen des D. L. D. verdient gemacht hat. trat man sofort in die Tagesocdnunz ein. Durch den Gesamtvorstand wurde die Wiederwahl des Dun- desleiters Dr. Schomburgk und des Bundes- schatzmcistcrs Dr. Graf von Medem der Versammlung vorgefchlagen Liese Herren wur­den dann auch wiederum einstimmig von der Ver­sammlung bestätigt.

Der Bundes eiter Dr. Schomburgk erläu­terte hierauf kurz den im Druck vorliegenden Jahresbericht und ergänzte seine Ausfüh­rungen in interessanter Werse über die geleistete sportliche Arbeit des vergangenen Jahres und über geplante Maßnahmen für die Zukunft. Ganz kur) hier einige wesentliche Punkte: Vermeidung jeglicher Lle.'^rorganisation innerhalb des Bun­des. da dieses dem Sport nur schaden könne. Eine erfreuliche Entwickelung der deutschen Damen-LenniSklasse. die nach England die beste in Europa ist. Bet den jüngeren Herrenspielern ist das Können dec Vorkriegszeit noch nicht er­reicht. Die internationalen deu.scheu Areisterschaf- ten auf Hartplätzen finden für 1329 und 1930, wie bisher, in Hamburg statt, die Hallenmeister- schasten für diese beiden Jahre in Bremen. Die Medcnspiele werden am 14. und 13. September mit der Schlußrunde beendet.

Vach Dr. Schomburgk wußte Dr. Weih (Ber­lin) mit seinen Ausführungen über Deutsch­lands Stellung im internationalen Tennissport besonders zu interessieren. Fol­gende Anträge sollen bei der im März statt­findenden Tagung der Federation Internationale ae Lawn Tennis gestellt werden: Erhöhung der Zahl der deutschen Stimmen von 5 aus 6. wodurch eine Gleichstellung mit Amerika, England, Frank­reich und Australien bewirkt werden soll. Inter­essant ist die Tatsache, daß Deutschland mit 80 000 Mitgliedern hinter England an zweiter Stelle vor Frankreich und Amerika rangiert. Es soll weiter durch Antrag erreicht werden, die internationalen deutschen Meisterschaften für dauernd anzuerkennen. Bei eventuller Ablehnung diefeö außerordentlich wichtigen Antrages soll zum mindesten eine Anerkennung für 10 Jahre erreicht werden, also eine Gleichstellung mit den Wettspielen in Wimbledon, Paris usw. Bei der Dawis-Pokol-Kommifsion soll ein« Veuemteilung der Zonen beantragt werden, und zwar für die Europazone eine Äord- und eine Südzone. Es sollen hierdurch den beteiligten Staaten finan­zielle Erleichterungen geschossen werden. Die weiteren zahlreichen Anträge wurden nach kurzer Debatte angenommen.

Zum Schluß ergriff noch der Vertreter Oft» dreußens zur Unterstützung des schwerringen- bcn Ostens das Wort. Er forderte, daß mag auch die Spieler der deutschen Extra klasse nach O st Preußen senden solle.

Präsident Weber sprach dann noch kurze Dankesworte und erklärte hierauf die in allen Teilen meisterhaft geleitete Sitzung für geschlossen.

2. Gaubezirk Hessen D. T.

.o Die dritte planmäßige Vorturnerstunde für den Gaubezirk Gießen-Wetzlar- Grünberg war am Sonntag in der Turn­halle zu Großen-Linden zu Gast. Dezirks- turnwart Paul Schüler (Wetzlar) begann mit einem Ausschnitt aas dem Gebiet der Ordnungs­übungen, insbesondere mit der Entwicklung von Staffeln, und brachte anschließend die allge- mcinen Freiübungen in der Fassung, wie sie vom Gauturnausschuh für die Gauveranstaltungen vor­geschrieben worden sind, zum Abschluß. Riegen-

Lache Vaiazzo!

Roman von 3. Schneider-Foerstl. llrbeberrechtsschutz Oskar Msister, Werdau i. Sa.

66 Fortsetzung Nachdruck verboten.

Hast du mir ein Geständnis zu machend Seine Stimme war unendllche Güte. Er zog sie itanz eng an sich und füh.te, wie ihr Körper en dem seinen bebte. Mck der Rechten zwang er ihr Gesicht behutsam zu sich auf. Sein Mund zuckte.Soll ich dir die Deichte erleichtern? 2a, Maria?"

Ihr Gesicht verblaßte zu kalkhafter Weihe. »Achim I"

Er hielt sie, daß sie nicht in die Knie glitt.

Achim l"

.So kleingläubig ist mein geliebtes Weib!" Vanz fest drückte er den zitternden Körper cn sich. /

Zwei schreckhaft geweitete Augen suchten in ten seinen:Du weiht, Achim--?

2a, ich weih, MariaI Was hast du denn ge- d,iaubt, du großes Kind?" Ein Lächeln irrte Liber sein Gesicht.Wie konntest du denken, daß ry dich bis heute nicht erkannt hätte I"

..Achim! Unö als ich mit dir an den Altar traf?

Da wußte ich, wen ich als mein Weib herm- ftchre."

Und hast mich nicht von dir gestoßen?"

Weshalb? Eine Frau, die einen Mann sechs Mo:.a.e lang mit solcher Treue pflegt und chm ta.m auch noch ihr ganzes Selbst zu eigen gibt, E>;e fteot ihn dochl Richt wahr, Maria?"

Ihr Gesicht lag an feine Schulter gepreßt. ®r hörte das Schmch'.en, das heiser zu ihm auf» klang, und strich mit losenden Fingern über Men Schellet.Steh, Kind, das alles wäre dir erspart gebfteben, wenn du Vertrauen zu mir gehabt hattest."

weise folgte die Einführung in den Hebungistoff an den Geräten, an denen neben dem Leiter die Turnwarte Wilhelm Weiß vom Tv. Großen- Linden, August Best vom Tv. Wetzlar und Wilhelm Rinn vom Tv. Heuchelheim unter­richteten. Unter den Reckübungen standen im Vordergrund Felge und Wage, am Barren daZ Kreisen in der Mllte des Geräts und der Beuge­stütz, am Pferd Vor- und Zurückschwingen, sowie Hocke, Bücke und Schersprung. Die Winter-Ge- rätewettkärnpfe wurden auf den 3. März in der Turnhalle zu Heuchelheim festgesetzt. Sie umfassen für Schäler (12 Jahre und darüber) einen Siebenlamps, bestehend aus je einer Pflicht- und Kürübung am Reck, Darren und Pferd, sowie einer Pflichtfreiübung; Mindestleistung 82 Puntte: ferner einen Sie-rn ampf für die Inge d- Ünlerstufe (15 und 16 Jahre) mit den ents brechen­den Abänderungen. Für oie Jugend-Oberstufe (17 und 18 Jahre) und die Turnerstufe (über 18 Jahre) sind bei reicherer Au.gesta'tung und unter Hinzufügung je einer zweiten Hebung5- folge am Darren und Pferd gesonderte Reun- kämpse vorgesehen, hei denen die Mindestleistung 120 Punkte erfordert.

Zußbatl-Landerkampf DeutschlandSchweiz.

Am kommenden Sonntag tritt in den süddeut­schen Fußball-Verbandsspielen eine Pause ein, in der Hauptsache bedingt durch das Länderspiel Deutschland Schweiz in Mannheim. In der Runde der Meister sind keinerlei Treffen angesetzt. In der Runde der Zweiten und Dritten wird in beiden Gruppen nur je ein rückständiges Treffen ausgetragen.

Reichliche Entschädigung für diesen Ausfall wird das große LändertreffeninMann- h e i m bieten. Dort werden sich die Fußball- Ländermannschaften Deutschlands und der Schweiz gegenüberstehen. Die Schweiz hat diesmal wohl das stärkste aufgeboten, was ihr zur Zeit zur Verfügung steht, und will nach einigen Enttäuschungen in den letzten Jahren wieder mit einem Siege heimkehren. Siegcsabsich- ten hat natürlich auch Deutschland, dessen Mann­schaft fast ganz aus süddeutschen Spielern be» steht und großes Vertrauen beanspruchen darf, wenn man sich auch in vereinzelten Fällen die Desetzung der Posten noch stärker hätte denken können. Zweifellos wird die deutsche Länder- mannfchaft mit guten Aussichten in den Kamps gehen. Dei der lange 3a)re hindurch erprobten Ritterlichkeit beider Mannschaften wird es in dem Mannheimer Stadion einen hervorragenden Kampf von größtem Propagandawert für den Fußballsport geben. Man darf hoffen, daß sich hierbei die deutsche Elf als die bessere erweisen und ihr ein berechtigter Sieg auf allen wird.

Spielvereinigung 1900 Gießen»

ö. Vach vierwöchiger Unterbrechung spielt 1900 am kommenden Sonntag ein LigaverbandS- spiel auf eigenem Platz gegen den Verein für Rasenspiele Du Hb ach. Im Vorspiel mußten die Gießener beide Punkte in Duhbach lassen. Butzbach stellt zur Zeit eine sehr junge, eifrige Mannschaft ins Feld, die mit wechselndem Erfolg tätig ist. Ihre Gefährlichkeit liegt in dem äußerst schnellen Flügelspiel, das die geg­nerische Hintermannschaft oft in Verwirrung brin­gen kann. 1900 wird dieses Spiel nicht in stärkster Besetzung bestreiten, genießt jedoch den Vorteil des.eigenen Platzes. Die Dlauweihen dürfen nicht mehr viel Punkte verschenken, wenn sie den An­schluß zur ersten Bezirksklasse nicht verpassen wol­len. Von den vier noch ausstehenden Spielen kommen drei auf dem Sportplatz an der Liebigs- höhe zum Austrag und eins in Dillenburg.

Die Begegnung 1900 II. gegen Burg II. fällt aus. 1900'6 dritte Mannschaft fährt zum Ver­bandsspiel nach Queckborn. Bei komplettem An­treten sollten die Punkte mit nach Gießen wan­dern. Im Vorspiel in Gießen muhte sich die erste Elf Queckborns mit 7 :1 Toren geschlagen bekennen.

Tränenüberströmt hob sie den Blick:Warum hast du dich meiner Rot bis heute nicht er­barmt?"

Er wurde ernst.Ich habe Stunde um Stunde und Tag um Tag daraus gewartet, bis da selber kämst! Glaube mir, Kind, es war nicht wenig schwer für mich, die Waske bed Ahnungslofen bis jetzt zu tragen, und dich immer mitElisa­beth" statt mitMaria" zu rufen und mich auch nicht ein einziges Mal zu verpäppeln."

Ein mattes ßäqjeln flog über ihr Gesicht.Sag mir seit wann--?"

»Seit wann ich dich erkannt habe? Ach, lange vor der Hochzeit schon. Damals, an jenem Abend, als ich um dich warb, tat das Schlaf­pulver, das du mir gabst, seine Wirkung nicht ganz. Ich erwachte bei Tagesgrauen und ver­spürte wahnfimüge Schmerzen. Du h-attest das Oel, mit welchem du mich einzureiben pflegtest, mit in dein Zimmer genommen. Ich wollte dich nicht so früh schon wieder wecken und beschloß, es mir zu holen. Ich fand dich völlig aneeckeidet auf dem Sofa liegen und vergaß im Momente jeden Schmerz, da ich genug zu tun hatte, dich öu betrachten. Es war, als nähme mir jemand eine Binde von den Augen. Ich wußte alles, und wenn ich noch irgendwelchen Zweifel gehabt hätte, der Brief, der auf dem Tische lag, ver­scheuchte ihn restlos. Er war an Poldl gerichtet. Ich las nur die Aufschrift. Mehr bedurfte es wirllich nicht, um mir volle Klarheit zu bringen."

»O, Gott! Achim! Unö mich hat meine Gewissensqual beinahe in den Tod getrieben!"

Damals am ersten Tag Ja?"

nach unserer Hochzeit?

Maria starrte ihn an.Auch davon weißt du?" Ich habe es geahnt und bin dir nachge­schwommen."

Ich hatte es gelobt!"

Was hattest du gelobt? Seine Hände spannten sich erschrocken um ihre Arme.

Daß ich freiwillig von dir gehe, daß ich für immer allem Glucke entsage, wenn mir der

Sin Lokaltrcffen im Kleinen gibt es bei der Jugend. 19008 erste Jugend empfängt die erste Jugend vom Verein für Bewe­gungsspiele im Plichirückspiel. Von jeher waren diese Begegnungen reich an spannenden Momenten, und wurde auch immer recht An­sprechendes geleistet. Ein guter Leiter muß aber diesem Spiel vorstehen, denn oftmals schlagen auch die Jungen über die Stränge.

1 900 'S zweite Jugend wird Wohl über Steinbergs erste Jugend Sieger bleiben, wli.rend der Ausgang des Spiele) 1 9 0 0 Illa Jugend gegen Oueckborn I. Iugend nicht vorauLzusagen ist, da das Spiel in Queckborn stattfindet.

V. f. B.

Die Verbandsspielserie 1928 29 geht langsam ihrem Ende entgegen. Die B. f. B.-L . g a trägt am omni-..öen ©or.ntog ihr vierlletztes Punktspiel aus. Sie ist Gegner der N i e d e r ai r m s e r Liga. Mannschaft auf dortigem Platz. Im Vorspiel auf hiesigem Platz mußte sich Niedergirmes, trotz geschwächter Ausstellung Gießens, eine 6:ttNieder- lags gefallen lassen. Der Gegner scheint in letzter Zeit an Spielstärke eingebüßt zu haben. Er verlor vor 14 Tagen auf eigenem Platz gegen Frohn­hausen, gegen das D. s. B. vor kurzem noch mit 12:1 g.wtnnen konnte, m f 2:8. Hiernach sollte also V. f. B. am nächsten Sonntag einen hohen Sieg herausholen können. Immerhin wäre es jedoch sehr gewagt, einen solchen Sieg schon im Voraus als sicher hinzustellen. Wohl daif man annehmen, daß sich Gießen unter normalen Voraussetzungen auch diese beiden Punkte nicht nehmen lassen wird, ob es jedoch wieder zu einem hohen Resultat reicht, muß dahingestellt ble bcn. Es wird in elfter Linie davon abhängen, wie sich die V. f. B.-Elf mit den dortigen unzulänglichen Platzverhättnisien abfindet.

Die Ligareserve steht der gleichen von Niedergirmes, ebenfalls auf dortigem Platz, im Punktipiel gegenüber. Das Vorspiel gewann V. f. B. mit 10:1. Auch dieses Tressen sollte V. f. B. mit ziemlich hoher Tordifferenz für sich entscheiden, da ihm der Gegner in technischer und taktischer Beziehung weit nachsteht.

Die 4. Mannschaft fährt nach Lollar, um mit der dortigen Zweiten ihre Kräfte zu messen. Wer hier S'.eger bleiben wird, ist eine offene Frage.

Nach einer Pause von fast zwei Monaten (Win­tersperre) tritt am nächsten Sonntag auch die Ju­gend wieder auf den Plan. Während die 1. Iu- gendmannschaft im Diplomspiel Gegner der gleichen der hiesigen Spielvereinigung auf deren Platze ist, hat sich die 2. Jugend Leihgesterns Erste zu einem Gesellschaftsspiel nach hier verpflichtet. Ob sich die D. f. B.-Zweite fo gut zusammenfindet, daß sie die körperlich kräftigeren Gäste schlagen kann, steht im Zweifel.

Ein interessantes Treffen verspricht die Begeg­nung V. f. B. 1. Schüler gegen Heuchelheim 1. Schüler aus dem Waldsportplatz zu werden. Die kleinen D. f. Ser, die schon immer einen präch­tigen Fußball oorführten, werden sich auch diesmal wieder von der besten Seite zeigen, da sie die lange Pause durch eifriges Training ausgefüllt haben. Er­wartungsgemäß sollten sie die übrigens auch recht spielstarken Heuchelheimer knapp schlagen können.

$. C Teuwnia Steinberg.

Leihgestern! konnte am Sonntag Stein- b e r I 3: 2 sch'agen und ist dadurch ein gutes Stück der Meisterschaft näher gekommen. Der Sieg der Gäste muß als glüüllch bezeichnet werden. Stein­bergs Pcch und leichtfinniges Spiel eines Ver­teidigers brachten die Steinberger Elf um einen mehr als verdienten Sieg. Vom Anstoß ab übernahm Steinberg das Kommando, trotzdem gelang es Leihgestern bald, 1: 0 zu führen. Stein­bergs Halblinker zog aber kurz darauf gleich. Dai.d erhöhte derselbe Spieler durch schöne Ein^el- leistung auf 2:1. Ein Eigentor verhalf den Gästen zum Ausgleich. Mit dem Schlußpfiff war es wie­der derselbe Spieler, der Leihgestern das 3. Tor ermöglichte. Dem Spielverlauf nach mußte Stein­berg giat.er S'.eger sein. Das beiderseits hart durchgeführte Spiel hatte der gut amtierende Schirt Kreiling vom D. f. D. Gießen jederzeit in der Hand.

Himmel nur eine einzige Vacht, nur einen einzigen Tag an deiner Seite gönnt!"

So sehr hast du mich geliebt, Maria!" Er preßte ihr Gesicht gegen seine Brust, daß sie nicht sehen tonnte, wie seine Augen sich feuchteten. Dann hpb er es wieder zu sich auf, sah wie ihr Mund in Tränen zuckte, und drückte den seinen darauf.Run, nicht mehr weinen, Kindl Ver­giß, was hinter uns liegt. Es war viel und schwer nein, frage nicht, Maria, ich weiß, was du sagen willst es ist alles vergeben! Alles! Wir wollen nie wieder daran rühren. And nun schenk mir ein Lächeln, ein Lachern Dein Lachen, von früher, mein Liebes I Tenn sieh, morgen fahren wir nach Wien, drum bin ich heute roch so fleißig, und ich möchte doch Poldl ein strahlend glückliches Weib entgegen» führen können, das keine Tränen, nur noch einen Himmel voll Glück in den Augen hat!"

Achim!" Marias Arme umschlossen den Mann, der trotz allen Leides, das sie über ihn gebracht, sie dennoch zu seinem Weibe gemacht hatte. Achim!" Sie sand nichts als feinen Vamen!

Als am übernächsten Abend dichtes Schnee­treiben über die Dächer Wiens toirbelte und die Auslagen blendende Lichtfluten auf die menschen» üoersüllten Straßen gossen, schrillte in Richt- hvsens Heim die Klingel. Franz, der Diener, kam über die Treppe * herabgeschlürft, um zu offnen. Mit einem Rus des Staunens, sah er eine Gestatt an sich vorübersch'üpfen, die nach der Treppe hinlies, eine zweite folgte, die sie am Qllantel erhaschte.

Wirst du warten, bis ich mitfomme?" lachte eine Männerstimme.Ich muß doch Poldis Ge­sichts sehen, wenn wir so plötzlich vor ihm auf» tauchen." Dann ein leises Flüstern, Tuscheln, Maria lieft den Ga:,en allein die Treppe hin­aufsteigen und »lieb mtt Franz zurück, den sie am Aermel hielt. Bittend leite sie den Finger an die Lippen, denn den kam Richthvfens Stimme nach dem Flur ftetab.'

Was ist denn los, Franzi?"

älnd daun Hettingens Lachen.Outen Abend, mein Lieber'"

D. f. D. Handball.

Durch die mehrmalige Verschiebung der beiden noch auszutragenden-Lerbanu.ipiele gegen die zweiten Mannschaften von D. f. L. Wetzlar und Spielvereinigung Oieften blieb di V. f. D.-Hand- ballmannschast in den letzten Wochen ohne Spiel. Für kominenden Sonntag hat sie sich die Hand­ballelf der zweiten Kompagnie des hiefigen Ba­taillons zu einem Cefellschaftsspiel verpflichtet. V. f. B. muß auf einige gute Kräfte verzichten, von denen drei bcn Innen fturm der Militär­mannschaft bilden. Hierdurch besonders wird der freundscha tliche Charaftec des Treffens, das interessant zu werden verspricht, noch unter- strichelt. D. f. D. wird um eine knappe Rieder­lage kaum herumkomn.en.

Wirtschaft.

Diskonterhöhung derBankvonEngland

Die Bank von England hat gestern chren Diskontsatz von 4'/, auf 5'/c Proz. er­höht. Die Erhöhung um ein volles Prozent ist selbst für sonst gut unterrichtete Kreise der Eity sehr überraschend gekommen. Die Verhand­lungen, die der Gouverneur der Dank von Eng­land gegenwärtig mit den leitenden Organen der Federal-Rcsarve-Banken in Reuhork führt, hatten die Hoffnung zugelosfen, daß man durch besondere Vereinbarungen anderer Art, d. h. nicht mit dem Mittel der Diskonterhöhung, versuchen wurde, die starken englischen Goldab­flüsse nach Reuhork zu unterbinden. Run» mehr scheint es so. als ob die Besprechungen ein negatives Ergebnis gebracht haben, so daß sich die Leitung der Dank von England gezwun-- gen sah, die von der englichen Wirtschaft ganz und gar nicht gewünschte Heraufsetzung chrer Dankrate eintreten zu lassen. Der Goldverlust der englischen Währungsbank hat in der ver­gangenen Woche etwa 3,3 Millionen Pfund Sterling betragen, und der Goldbestand wird sich nach dem neuen Ausweis der Dank von England insgesamt auf höchstens 1 50 Mil­lionen stellen, ein Bestand, der alsMindest- d e ck u n g für den bei der Bank von England konzentrierten Votenumlauf anzunehmen ist.

Me Maßnahme der Dank von England ist also lediglich von Prestigegründen derGold^ Politik diktiert, gegen die allerdings feilend der englischen Wirtschaft schwerwiegende Mo­mente ins Feld geführt werden. Die englische Wirtschaft betrachtet die Goldabflüsse nicht als das Ergebnis berechtigter Ereignisse, wie etwa übermäßig hoher Preise, einer besonders un­günstigen Handelsbilanz, einer Kredttinflation oder einer äleberscespekulatton, sondern nur als eine Folge besonders der Spekulation in Veuyork, die ja nicht nur Kredite auS Eng­land angezogen hat, sondern auch die ÄreZntie* rur.g des amerikanischen Jnlandhandels bereift gefährdet. Daß dies letztere tatsächlich der Fall ist, geht aus den von dem Federal Reserve Doard angekündigten Maßnahmen auf Einschränkung te Dörsenkredite hervor, und eS entbehrt angesichts der derzeittgen Besprechungen des Leiter- der Bank von England in den Vereinigten Staaten nicht einer gewissen Berechtigung, wenn man die Diskonterhöhung der Dank von England und diese angekündigten Maßnahmen in enae De- ziehung zueinander bringt. Es muß daher als fraglich bezeichnet werden, ob die Veuhorkcr Dis­kontrate erhöht wird, auch aus dem Grunde, weil ihre Erhöhung das bisherige Zinsgefälle zwischen (Snglanb und Amerika wiederherstellen würde und weitere Goldabflüsfe, die ja gerade verhindert werden sollen, herbeiführen könnte. Zudem würde die von dem amerikanischen Federal Reserve Doard angestrebte Verbilligung der Handels-^ kredtte bei einer Diskonterhöhung selbstverständ­lich nicht eintveten.

Die Rückwirkung der englischen Diskont­erhöhung am Devisenmarkt ist bereits ein- getreten. Auch die deutsche Reichsmark ist nicht unbeeinflußt geblieben und leicht im Kurse gefallen. Fraglos wird es jetzt zu stärkeren Rückziehungen besonders englischer Gel-

Ein Ruf maßlosen Staunens, unendlich« Freude. ,Joachimi All«! Wann da« feie Christkindl ist!"

Ich will's meinen, Poldl! Meine Frau und ich möchten gerne mit dir Weihnacht feiern, wenn wir dir keine Störung bringen!"

Aber gwiß net, Alterle, gwiß nei! Wo W denn, die die deine Frau?"

Glaubst du, daß deine Schwester mich nicht hinauswirst, Poldl?" Hettingen verbiß das Lachen, als er in Richthvfens Gesicht sah unb dann zur Erwiderung bekam:

»Die Mizzl. die is gar net da! Ra, Joachim die is net dal"

»Also gar nicht bei dir?"

»Vein, Joachim!"

»Dann wird fle wohl bei ntzir in DeMnzona sein! Meinst du nicht auch, Poldl?"'

Und ehe dies« noch Zeit hatte, verblüfft zu sein, hing ein Junge« Weib an seinem Halse und «sttckte ihn mit Küssen und stammelte und schluchzte:Ich bin ja so maßlos glücklich, Poldl! So maßlos glücklich!"

Richthofen schwippte nach Lust.Mizzerl, willst mich mit Gewalt beerbn? Der Schweckn hat mich net umbracht, aber die Freud jetzt, die hält mich schier urngtoorfn! Joachim, Alt«, sag, ob's denn wirllich wahr is!"

»Was soll denn wahr fein, Poldl? Daß ich dein Schwager bin? Das stimmt allerdings? Du kannst nichts mehr dagegen machen!"

Sett wann weißt du's denn?"

»Du fragst wie Maria! Sie wird dir's schot, erzählen, bftr habt mich hinters Licht geführt und ich euch! Tas war meine Rache! Aber nun ftab Mitteid mit mein« Frau. Sie ist ganz durch- kättet und wohl auch ein bißchen müde von der Reise und von d« großen Freude jetzt. Willst du dich nicht ein wenig legen, £in&?"; £

Hettingen schob Richthvfens Hände zur 'Seift und schatte Maria selbst auS ihrem Mantel.

(Schluß folgt)