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tnartS . -

schauer fast erdrückend toirfte.

(Fortsetzung folgt.)

Decke liegen hast, ich lasse alle Leute nach ihrer Fasson selig werden, und der Tag ist viel zu schön, um uns die Stimmung zu verderben."

Recht hast d'. kommt eh' nix raus dabei. Bin halt an alter Esel, am End' hat wirkli einer von de Angrenzer g'schoss'n, drub'n im Aeracischen, san bloß fünfhundert Schritt' bis zur Grenz' .. -

Ra also, da ist des Rätsels Lösung gle'-V gefunden, mir klang der Schuh ohnehin etwa« matt..."

Durch das Loubgewind flirrte zitterndes Son­nenlicht und malte zarte, grüngoldene Kringel auf das weiche Waldesmoos, irgendwo Ham- merte unablässig ein Specht, schattende Adler,arn breiteten ihre befiederten Wedel und neben uni rauschte die Wildach. in deren glasklaren Flute» regungslos rotgetüpfelte Avrellen über sclbek* schimmerndem Kies standen.

Zwischen den rostroten, mit graugrünen WovS- flechten behangenen Stämmen tauchten Vie Mauern von Schloß Tervfal auf. mein Freund entlud seine Büchse: ,

Schlaf n ma noch a paar Stund n rum. vm der Abenübirsch wird - s nix werden, 's schauat nach Regen aus. d' Sonn' druckt 'n Hebel aus'

nein, kein Anstreichen Immer neue Rebelschwaden zogen heran, dick wie ErbSsup^e. Wo mag es denn gewesen sein?" fragte ich ! flüsternd.

Drüb'n. über der Schneid." Der Vinzenz hing feinen Mannlicher-Schönauer um, zuckte die Ach­seln:Rix -' woll'n, der Rebel deckt alles wie \a Tarnkapp n und es hat eh Ioan Zweck, ist halt wieder am al der andre g wesen."

Der---andere?"

Doch ich bekam keine Antwort; mein Fremck» setzte den Bergstock ein, schlug den talwärts füh- «enden Pfad quer durch das Latschengestrüpp ein. Erst als wir über eine Matte hin dem Hochhvlz zuschritten. brach sein Schweigen:

Hätf mir'S eh denken können, mit mir hast kva Glück im Terofaler Revier, no führt dich halt morgen der Sa dl."

Sch brannte mir eine Paphros an:

Du, hinter der Geschichte steckt noch mehr? Wen meintest du vorhin mit demAnderen" ? Und weshalb soll der 3adl mich begleiten? Irgendeinen Haken hat die Sache!"

»Svo T Ein kurzes, galliges Lachen.Stürmt schö' sei', aber wo der Hubertus Silvester jagert. da brauch' i mei' Büx'n net erst spazieren tra- <<

gen.

Unwlllkurlich blieb ich stehen:

Der Hubertus Silvester?! Aber Vinzenz! Wenn das kein Scherz ist--?!"

Glaubst, mir iS nach Spassett'ln z' Mut'? Frag' doch meine Gäst', frag den Sackt und 'n Franzi, noch nie net hab' i hier im Terofaler Revier an braven GamS, an guaten Hirsch g'schossen, and re ja, nur i net'. mir »er* gunnt <r'S net----.

Der Hubertus Silvester?!" fragte ich noch einmal.

Der ja

Aber. Manschenskind," ich wußte nicht, ob ich lachen oder mich ärgern sollte,der ist doch schwn feit Über hundert Sahren tot!"

Woaßt d' des so g'wiß?"

Sn dem Ton der Stimme lag etwas, das mich aufhorchen lieh. Aha. da hatte mein Freund wieder einmal seinenspinneten Tag". Wider- spruch oder Zweifel vertrug er dann nicht. Sch lenkte also ein:

Der Vinzenz behielt recht. Gegen Mittag fins eS an zu nieseln, die Derghäupter hüllten sut in graue Wolkenschleier, und dann goß es. das Wasser in den Dachtraufen rann und Ptw' scherte. Am liebsten wäre ich in meinen ZiM mern geblieben und hätte ein guteS Buch -ur Hand genommen, aber das ging der an^re» Gäste wegen nicht, und außerdem halte ich J« von dem Schloß fcl^'t noch so gut wie gar mchu gesehen. Wein b - und machte den)«l. lieber all an den Wänden der Krsu^gänge, der Säle hingen Sagdtrvphäen und Waffen, eS wat das reinste Museum. Und nun erst die Biblw thek! 3d) konnte mich nicht sattsehen an den » Pergament gebundenen Schätzen, den Palu^ pseftcn und Handschriften, die zum Teil noch aur dem 14. und 15. Jahrhundert stammten! Danebe^ standen Wiegendrucke. Klassiker, bis hinaus den wertvollsten, zeitgenössischen Erscheinungei der Literatur, eine Ueoerfülle, die auf den

Vinzenz von Andrian blickte zu Boden, schüt- teile langsam den Kopf:

Da kann i net mit. Wann'L so wär', wie du sagst, dann gäb's überhaupt toa Eünd'. koa Gerechtigkeit."

Wird wohl auch nicht viel anders sein!" Sch lächelte:Schließlich sindRecht" undUnrecht", gut undböse" von Menschen erdachte, einem steten Wechsel unterworfene Begriffe, sind die Hecken und Zäune, mit denen sich Staat und Kirche schützen vor den Emanzipationsgelüsten einzelner. Ad majorem Dei gloriam hat man noch vor zwei Sahrbunderten unschuldige Men­schen als Hexen verbrannt, sind die grausamsten aller Kriege geführt worden, im Ramen des Gottes, der die Liebe und Barmherzigkeit ist. wird heute noch ewige Verdammnis gepredigt..."

Bist halt a Ketzer," entgegnete mein Freund mit einem schwachen Versuch zu scherzen.

Sa, gerade wie du! Aber wir werden schon noch zusammenkommen! Ter Fehler des großen Dechenexemvels liegt darin, daß wir uns das höchste Wesen, den Lenker unzähliger Sonnen­systeme. viel zu primitiv vorstellen, behaftet mit allen menschlichen Schwächen: denn Gott ist das Prinzip des Guten, kann also niemalsrach­süchtig" sein."

Er straft nur . . *

Aber feine Unschuldigen! Und um nochmals auf den sagenhaften HubertuS Silvester zurück­zukommen sag' selbst, kannst du dir einen ruhelosen Geist, einen Dämon, denken, dessen . . . hm . . . $ät;gleit örtlich beschränkt ist?

Wieso?" .

Sehr einfach, du behauptest vorhin, dein Ur­ahne sei schuld, wenn du auf Terofaler Revier niemals Weidmannsheil gehabt hättest. Wein liebes Kerlchen, nimm mir s nicht übel, aber das also das ist einfach Unsinn! Sn Afrika und auf deinen Sagdreisen hast du so kapitale Tro­phäen erbeutet.

Sa dort! Sch sage dir doch, der Fluch liegt mit auf Tervfal!"

Wenn Vin'.enz dialektfreies Hochdeutsch sprach, war ein Gewitter im Anzug. MS wußte ich aus Erfahrung.Ra. schön, dann b'cib meinetwegen so lange bei deinem närrischen Aberglauben, bis du einen Hochgeweihten oder Fetzenbock auf der

Lieber Junge, daS mußt du mir mal naher erklären, du weißt ja. ich bin ein ungläubiger Thomas, und selbst wenn ich die Existenz von Geistern nicht leugnen würde, aber ein Spuk­gespenst, das wildert?!"

Du nimmst 'S halt von der humoristisch'n Seit n

Tu ich auch, Vinzenz, weil mir mein gesunder Menschenverstand sagt, daß ein Verstorbener nicht wiederkehrt, daß sein Leib zerfallen, feine Seele zur Ruhe eingegangen ist."

DaS glaubst halt!" Mein Freund blleb stehen und sah mir fest in die Augen:3ch mein', daß jede Sund' gesühnt werden muß, daß nur a guata Mensch Ruah' find't."

.Und die anderen?"

Frag' unfern Hergott, net mich! Leicht wer­den d' Seel'n wiedergebor'n in an andern Leib, vielleicht doch da nutzt alles Reden nix. Al- terle, es iS wie s 13, und nur oans woaß i' b'stimmt auf meinem Haus und G'schleckst ruaht a Fluach. i bin der Letzt in der Rech

Durch die wogenden, wallenden Rebelschleier brach leuchtendes Funkeln, flimmernde, schim­mernde Strahlengarben, ein Meer voll Licht und Glanz, voll purpurnem Widerschein und fluten­dem Sonnengolo. An Ried und Rain, Busch und Baum flammte es auf. Myriaden von blitzen­den Tautropfen, funkelnde Diamanten, die eine verschwenderische Hand auSgestreut hatte. Und vor uns lag in der schwermütigen Pracht des FrühherbsteS der Mischwald, leuchteten die knor­rigen Stämme der Weißbuchen gleich silbernen Rüstungen, prangten wie blaßrote Korallen die Doldentrauben der Ebereschen vor dem satten Grün der Sannen, zwischen deren Wipfeln das matte Altgold der Steineichen glänzte.

Sieh,' ich legte die Hand auf Vinzenz' Arm. ..sieh dies Wunder, und dann antworte mir: ist Gott nicht die verzeihende Liebe? Glaubst du nur an den alttestamentarischen, zürnenden ^rahve, der die Sünden der Väter Heimsucht an Unschul­digen? Oder meinst du nicht auch, daß. der Schöpfer und Erhalter alles Lebens so groß ist, daß das. was wir6ünbe, .,Unrecht" nen­nen. nicht heranreicht an seine Größe und Er­habenheit?"

Eintreten in- Zimmer huscht und fliegt e6 um meinen Kopf herum, und mein erster Gedanke ist: eine Fledermaus wird sich verirrt haben. Doch wer beschreibt mein Entzücken, als sich mir ein goldiger Zaunkönig zeigt, der mich von der Dorhangleiste aus mit seinen blanken Aeuglein ebenso erstaunt betrachtet, wie ich ihn. Vorsichtig schließe ich wieder die Türe und er­warte mit Ungeduld die Rückkehr meines Man­nes. Wohl eine halbe Stunde lang haben vir dann versucht, den kleinen Kerl wieder inS Freie zu lassen. Aber er dachte gar nicht daran, eilig und drollig, tote eine kleine MauS, schlüpfte er über den Fußboden, flog in die Höhe und be­trachtete uns. alS ob er sagen wollte: ei, ich will ja gar nicht ins Freie, draußen ist'S mir viel zu falt! So blieb er denn die Rächt über in un­serem Schlafzimmer still vergnügt unter unserem Schrank. Frühmorgens, als der erste Ruf seiner Kameraden ertönte, flog er mit einem Subeilaut durch daS geöffnete Fenster inS Freie. Zu un­serer großen Freude erschien et gestern abend wieder, so daß wir auch weiterhin auf fein täg­liches Heimkommen hoffen. Zu drollig war'S. bad liebe Deine Tierchen zu betrachten, wie eS nun in einem anberen Zimmer von einem Möbelstück »um anberen flog und sich in unbewachtem Augenblick die hingestreuten Körner wohl schmecken ließ. Wie schön ist doch dies Tierchen. daS uns selbst im tiefsten Winter nicht verläßt rnib unS durch seinen lieblichen Gesang erfreut. Möge sich doch jeder in dieser für unsere Vogel­welt so harten Zeit unserer gefieberten Freunde annehmen. So viel Freude geben sie unS für die kleine Mühe, täglich ein paar Körner zu streuen! P. Fe Ising.

taten für SarnStaa, 9. Februar.

Sonnenaufgang 7.26 Uhr, Sonnenuntergang 17.04 Uhr. Mondaufgang 7.54 Uhr, Monduntergang 16.30 Uhr (Neumond).

1780: Franz laoer Gabeksberaer, Begründer der deutschen Stenographie, in München geboren; 1834: der Dichter Felix Dahn itz Hamburg geboren.

Vornotizen.

TageSkalender für Freitag, vtabttheater:"JJ'oet'e und ihre Freunde", 19.15 biS 22.15 Uhr. Deutscher Bund für christliche Erziehung in Haus und Schule: Familienabend, 8 Uhr, im SohanneSsaal. Lichtspielhaus Dahn- ,Hofstraße: .Polnische Wirtschaft".ES zogen drei Än^en Astoria-Lichtsplele:Arizona

Stadttheater Gießern Aus dem Stabttheaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige OperetteBvette und ihre Freunde" be­ginnt um 191/« Uhr. An Stelle be3 erkrankten Herrn Jenö R a b o r spielt bie Rolle be3 Marko Herr Robert Rästelberger vom Karl-Thea­ter, Wien. Diese Erstausführung dürste den Freunden der Operette eine besondere Heber» caschung bringen, da bet junge Komponist Michael Krauß in anderen Städten einen außerordentlichen Erfolg mit feinem Stück hatte. Sonntag Fremdenvorstellung:Eharleys Tante" (zum fünften Male!). Dienstag, 12., zum ersten Male:Olympia" von Molnär HÖugenie; Frau Prasch-Grevenberg als jchast. Olympia: Maria Koch, Spielleitung: !HanS Tannert).

Sin indischer MissivnSfilm soll Sam kommenden SamStagnachmcktag der Jugend und am Sonntagabend den Erwachsenen in der Stadtkirche gezeigt werden. Der Film ist von der Baseler Mission hergestellt. Er wind viele fateoessande Bilder aus Indien bringen. Die Vor­führungen versprechen den Besuchern ein wert­volles Erlebnis. Der Erlös auS den beiden Ver- anfla (fangen soll der Förderung der Missions­arbeit der Baseler Mission dienen. Wan beachte die gestrige Anzeige.

* Sommerferien und Feier des VersassungStages inHessen. Der hessi­sche Minister für KulfaS und Bildungstoesen hat foeben bi einem Rundschreiben an die Schul­behörden den Beginn der Sommerferien 1929 auf den 13. Suli festgesetzt. Sn kleineren Land- gerne tnben mit höheren Schulen, wo besondere Verhältnisse, namentlich mit Rücksicht auf die Ernte, eS notwendig machen, kann der Beginn bet Sommerferien durch Vereinbarung zwischen den lokalen Schulbehörden der Volks- und höhe- 1 een Schule anders festgesetzt werden. Da der VerfassungStag (11. August) in diesem Sahr auf einen Somllag fallt, ist di« DerfafsungSfeier in

den Schulen, di« keine Ferien haben, am Sams­tag, 10., oder 2Lontag, 12. August, unter Aus­setzung des Unterrichtes zu veranstalten. Fallt der Bersassungstag dagegen in die Serien, dann ist bie Derfassungs e'.er am ersten Tage nach den Serien durchzufüh.e.i.

LU. Universitäts-Gottesdienst. Am Sonntag, 10. Februar, rormiitags 11.15 Uhr, findet in der Neuen Aula ein Universitäts-Gottesdienst statt. Die Predigt hält Professor D. Bertram.

"StädtischeNutzholzversteigerung. Bei der gestrigen Nadelnutzholzoersteigerung aus ben Waldungen der Stadt Gießen wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Fichtenlangholz (N), la. und Ib-SL, 24 bis 28,50 Mark: 2a- und 2b°Kl., 31 Mark; 3a. und 3d-Kl., 35 bis 36 Mark; Kiefernlangholz (N), Ib-Kl., 32,50 Mark: 2a- und 2b-M., 25 dis 26,50 Mark, 3a- und 3b»fU., 32 bis 38,50 Mark; Kicfernabschnitte (N), 1b« bis 4a-Kl., 25 bis 43 Mart; Fichtenderbstangen, 1. Kl. 3 Mark, 2. Kl. 1,80 Mark, 3. Kl. 1 Mark je Stück. Die Der. steigerung fand auf der Liebigshöhe statt. Händler und Industrien aus der Ferne waren nicht zugegen, die Kaufliebhaber waren aus Gießen und der näch­sten Umgebung.

* Drebstähle. Der Polizeibericht metbet: Sn den letzten Tagen wurden hier nachstehende Diebstähle verübt: Entwendet wurden im Uni­versitätsgebäude von einem Hrrrenmantel ein aufgenähter, etwa. 80 Zentimeter langer Fisch- otter'/elz von brauner Fakb? mit b.ai n?m Se.den- futter, aus dem Gepäcknetz eines Eisenbahnwagens auf bet Strecke WetzlarGießen eine braun- lederne Aktentasche mit wichtigen Rotizen, und vor dem Hause Braugafse Z b ein neuer Müll­eimer mit der Rümmer 1350. Personen, bie sach­dienliche Angaben zur Täterermittelung und zur Heräeischafsung des Diebesguts machen können, werden gebeten, der Kriminalab.eilung Rachricht zu geben.

Festnahme. Der Polizeibericht teilt mit: Am 5. Februar wurde am Philosophenwald ein 29 Jahre aller verheirateter Schlosser aus Wieseck wegen Vornahme strafbarer Handlungen an Schul­mädchen festgenommen. Er wurde dem Amtsgericht zugeftihrt und kam in Untersuchungshaft.

* Gin Schlittschuh-Preislaufen Der» anstaltct der Eisverein morgen, Samstag, nach. mittag 2.30 Uhr. auf der Eisbahn an der Moltke» straßc. Etwa 50 Preise sollen verteilt werden. Man beachte die heutige Anzeige.

* Deutsch nat tonale Volk spartet. Man schreibt uns: Am Montag sand im «Post­keller" die stark besuchte SahreShauptversammlung der hiesigen Ortsgruppe statt, zu der auch der Landesgeschäftsführer Dr. Brehm erschienen war. Die Versammlung nahm zunächst die Jahresberichte über bie Deransta.tungen der Ortsgruppe und ihrer Untergruppen entgegen, die alle ein erfreuliches Wachsen 6er Partei- betoegung melden konnten. Auch der Kassenbericht zeigt ein2 Aufwärtsbewegung gegenüber dem Vor­jahre. Rachdem die Neuwahl bzw. Wiederwahl der satzungsgemäh ausscheidenden Vorstandsmit­glieder erfolgt war, wurden noch verschiedene Anregungen aus der Versammlung heraus durch» gesprvchen. Hierauf hiell D r. Brehm einen Vortrag überDie politischen Vorgänge in Hessen und im Reich". Trott der großen Hoff­nungen, welche man auf die kommenden Repara­tionsverhandlungen setze, seien dort die Aus­sichten für Deutschland sehr schlecht. Eine große Schuld daran trage die Sozialdemokratie, welche biS heute noch die Auffassung vertrete, daß die deutsthe Wirtschaft durchaus in der Lage sei, die ReparalionSlasten zu tragen. Obwohl die ganze Welt wisse, daß die Forderungen der Entente nur auf der Behauptung von der Allein- schuld Deutschlands am Kriege basiere, lehne das deutsche Auswärtige Amt die Reuaufrvllung der Kriegsschuldfrage ab. aus Furcht, die Bemühun­gen um eineVerständigung um jeden Preis" mit Frankreich zu gefährden. Mit der Behaup­tung von der alleinigen Kriegsschuld Deutsch­lands aber falle die Forderung der Entente nach den unS erdrückenden Reparationslasten. Unsere Vorbereitungen für die neuen Verhand­lungen seien vollständig ungenügend. Die Presse der Entente bereitete heute schon durch ihre Stimmungsmache die Riederlage Deutschlands vor. Die Finanzleute der Feindbundmächte seien sich wohl darüber Har, daß Deutschland eine Ent­schädigung von 132 Milliarden nicht bezahlen könne. 2Iber ihre Politiker betrachten diese un­sinnige Forderung alS ein Druckmittel, um aus Deutschland mögllchst viel herauszuholen. Daß

Deutschland aber wirtschaftlich nichts mehr lei­sten könne, zeige nicht nur die steigende Aus­landverschuldung, sondern vor allem die stei­gende Qlot der Landwirtschaft, des Mittelstmi^eS, des Gewerbes und bereits auch der Industrie. Den letzten Stoß aber erhalte die deutsche Wirt­schaft noch durch die unsinnige Finanz- und Steuerpolitik des sozialdemokratischen Fininz- ministers Dr. Hilf er ding, der schon in den Jahren 19221924 als Finanzminister die Auf­wertung ablehnte und damit die ©runblagc für die falsche Auffassung der Dawes-Sachverstän­digen von der Schuldenfreiheit Deutschlands ge­schaffen habe. Der Redner kam noch kurz auf die von Minister Leuschner aufgeworfene Frage eines rhein-mainischen Derwaltungsgebie- teS zu sprechen, dessen Unmöglichkeit er darlegte, und schloß dann unter großem Beifall mit der Forderung nach Einigleit und fester Gefolgstreue für den neuen Parteiführer und forderte auf zuv regen Mitarbeit eines jeden einzelnen Parter­initgliedes. _

Der Damenfriseur- undPerücken- macher-Gehilfenverein Gießen be­ging am Sonntag in der Turnhalle am Oswalds- garten sein erstes Stiftungsfest, verbunden mit einem Preis- und Abschlußfrisieren. Der Berews- vorsitzende Malcomeß konnte als Gäste u. a. Vertreter der Gießener Friseurinnung, der Hand- toerkskammer und deS Gehilfenvereins 1824 Frank­furt a.M. begrüßen. Er betonte in feiner An­sprache, daß der Verein keine politischen, son­dern nur rein fachliche und wirtschaftliche Stele erstrebe. Snnungsobermeister Götz wünschte dem jungen Verein eine weitere gede'chliche Aufwärts- enltoicTung. An dem reis- urö C b chl'-ßfrifiercn beteiligten sich elf Mitglieder des Vereins. Zur Verteilung kamen vier Preise, darunter ein von der Friseur-ZwangSinnung als Ehrenpreis gestif­teter Pokal. Den ersten Preis erhielt Otto Arens in Firma Hans Goh, den zweiten Prets Otto Malcomeß in Firma Emil Koch, den 3. Preis Hans Ruchti und Hans Pietz in Firma Hans Götz: die übrigen Teilnehmer an dem Wettbewerb erhielten als Anerkennung für gute Leistungen Diplome. Gesellige Unterhal­tungsdarbietungen verschiedener Art bildeten den Abschluß der Veranstallung.

Oberheffen.

Landkreis Gietzen.

Q Lollar, 7.Febr. Heute wurde bie älteste Einwohnerin unseres Orteö, Frau E h r t - stine Schmitt Witwe, zu Grabe getragen, nachdem sie, tote wir berichteten, noch vor we­nigen Tagen ihr 91. Lebensjahr vollenkten konnte. Die älteste Person unserer Ge­meinde ist nun Frau Margarete Bier au Witwe mit dem Ceöurtsdatum von 23. Dezember 18!1. Die vor einigen Wochen von der Ge­meinde Lollar gekaufte M o t o r s p r i tz e ist in letzter Woche h'.er dngetroffen. Sie tourte in einem Kellerraum der Schule untergestellt. Die Ausrüstung unsrer Ortsfeuerwehr ist damit um ein modernes Löschgerät vervollkommnet worden. Die Spritze wirft in einer Minute 800 Liter Wasser bei aufgelegtem Strahlrohr auS. Ss kann gesagt werden, daß für den Feuerschutz in unserer Ge­meinde bestens gesorgt ist und unsere Wehr allen Anforderungen gewachsen sein dürfte. Eine zweite, schon länger vorhandene Motorspritze mit einer Minutenleistung von 600 Liler Wasser ist im Besitze der Duderusschon Eisenwerke. Zwischen Orts- und WerkSkeuerwehr bestehen Verein­barungen auf gegenseitige Unterstützung bei grö­ßeren Dränlen.

©rüningen, S. Febr. Gestern wurde un­ser Altbürgermeister Adam Lorenz B in ge l bei großem Trauergesolge zu Gr ab l getragen. Der Ssheimsche Gesangverein sang seinem Ehrenmitglied stimmungsvolt zwei Lieder, und der Kriegeroerein würdigte die Verdienste seines Mitbegründers und späteren Vorsitzenden durch drei Ehrensalven. Sodann legten die Spre­cher der Vereine Kränze nieder. Der Verstorbene hat schon im frühen Mannesalter sich für das Wohl der dör,lichen Gemeinschaft cing:fe6L Sm Sabre 1830 wurde er mit 25 Sahren Vorstands­mitglied des Ssheimschen Gesangvereins. 1839 ernannte ihn der landwirtschaftliche Konsumver­ein zum Rechner, 1395 war er Mitbegründer des Kriegervereins, und 1933 half er den Turnverein Gut Heil" gründen. Sm gleichen Sahre zog er als Gemeinderat ins Gemeindeparlament ein und zeichnete sich hier durch große Sachkenntnisse aus.

Hierdurch erwarb er sich ein solche« Vertrauen, daß ihn unsere Gemeinde im Sah« 1911 mit gro­ber Mehrheit zmn Bürgermeister toäjltz. 1912 wurde er Standesbeamter und OrtSgerichtSvor- steher, welche Aemter er mit vorbud.icher Ge­wi, senhastigk.it versah. Sn seiner Amtszeit wur­den sehr segensreiche Arbeiten auSje^üvtL Als solche sollen erwähnt sein: Bau der Wasser­leitung mit Kanalisation, elektrisches Licht und die Feldbereinignng in der Gemarkung ©rünin­gen und Bergheim. Der Verewigte stand ztoci Wahlperioden hindurch an der Spitze unserer Gemeinde und hat in dieser Zeit die Geschicke unseres Dorfes fiat und ziesbewußt geleitet Und wenn er auch 1925 aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niederlegen mußte,'so war er doch noch immer der Berater vieler Bürger.

-/- L i ch. 7. Febr. Einen hohen musikalischen Genuß bot der hiesige Konzertverein durch das Eellokonzert von Richard Mulch, das am Sonntagnachmlltag im Konzertsaal des Schlosses stattfand. ES wurde eingeleitet durch die Sonate Q-Dur von Dochecini und brachte in der Fo'ge die Sonate 6-Wvll von Beethoven, Variattenen über ein Thema von Händel (Beet­hoven), Eaprice (Goltermann), Romanze (Huber), Gavotte (Popper) und zum Schluß Variationcs symphoniques von Boelmann. Sn allen 0lüden erwies sich der Gelüst als ein Weister fernes schönen Snstruments: besonders gut gefiel er in ter ersten und in der dritten biS fünften Rüm­mer des Programms. Die Begleitung auf dem vorzüg.ich«, Bechsteinflügel hatte feine Frau, Käte Mulch, übernommen, die sich in gleich guter Welle ihrer Aufgabe gewachfen zeigte. Reicher Beifall der Zuhörer tanlte den Künstlern für ihre vortrefflichen Darbietungen.

! Inheiden, 7. Febr. DerhllsigeMänner­gesangverein besteht nun 35 Jahre, die Anschaffung der Dereinl-fahne liegt 25 Jahre zurück Die in diesen Tagen stattgebabte General­versammlung beschloß nun, die Feier des Fah- nenjubiläumS in Form eines größeren Festes zu begehen, daS wahrscheinlich Mitte Juni stattsinden wird. Da der Verein dem Hor- loff-Wettertal-Sängerbund angehört, der aus 12 Vereinen mit über 403 Sängern besteht, kann mit gutem Besuch des Festes gerechnet werden.

Kreis Büdingen.

# Geiß-Ridda. 7. Febr. Am Dienstag wurde hier der Gemeindeschäfer Wilh. Mei­st n g e r, eine in weiter Umgegend bekannte Persönlichkeit, zu Grabe getragen. Ein großes Trauergefolge von hier und au3 den benach­barten Dörfern gab ihm da) letzte Geleite. Set1 Verblichene stand im 69. Lebensjahre und hat 43 Sabre lang in Treue sein Gemeindeamt ver­waltet. Sr entstammte einer alten Schäferfamilie, da schon sein Vater, Großvater und Urgroßvater' dieses Amt inne hatten. Bürgermeister Lind widmete dem langjährigen Schäfer einen herz­lichen Rachruf. Sm Ramen des Oberhessischen Schaferverbandes, dessen Mitglieder sich ist großer Zahl eingefunden hatten, sprach der Vor­sitzende Philipp Wirth von Wctterseld.

i Berstadt, 6. Febr. Am Sametagabend ver­anstaltete die Gesolgschast Berstadt bei Sungdeutschen Orden« einen Lichtbilder-' abend. Oberförster Zimmer, Lich, sprach übet Rothenburg ob der Tauber". Die ausgezeich­nete Bildersolg« zeigte da« Musterbild einer mittelalterlichen Stadt. Sm zweiten Teil deZ Abends sprach Studienrat Heymann,^Gießen, über den Parlamentarismus und dann über Zxs Vortag des Sungdeutschen Ordens zur Heu' ordnung des Staates in politischer und wirt­schaftlicher Beziehung. Besonderen Rachdruck legte er dabei auf den GemeinschaftSgedanken. Weiterhin erläuterte er, wie der Sungdeutsche Orden den Staat aufgebaut sehen will. Reicher Beifall lohnte den gedankentiefen Vortrag. - Einige Tage vorher sand die Generalver­sammlung des Kriegervereins statt. Die Rechnung« ab läge zeigte einen kleinen Gin* nahmeüberschuh. Dem Rechner wurde Ent­lastung erteilt. ES wurde beschlossen, die Sell* schrift der KriegerkameradschaftHassia". den »Hessischen Kamerad", abzubestellen.

KreiS Schotten.

2 a n b a (b. 5. Febr. Sn altgewohnter Weise, wie sie schon feit fünf Jahrhunderten geübt wird, hat am Sonntag wieder im Solmser Hos die Baumkircher oder B 1 a s i u s - G e s e ll* schäft unter dem Vorsitz ihresSchultheißen, des Landwirts Otto Säget, getagt. ES Lt