Dienstag, 8. Januar 1929
1fr. 6 Erstes Blatt
179. Jahrgang
Beschleunigte Koalitionsverhandlungen.
Das Zentrum wird im Reichskabinett stärker vertreten sein
Die Diktatur, die durch den Staatsstreich des Königs in Südslawien errichtet worden ist, hat einen ganz eigenartigen Charakter. Das wird ich um so deutlicher zeigen, je weiter die Entwicklung der Dinge in Südslawien voranschreitet. Denn bei dem Ablauf ist mutmaßlich mit den
charfen diltatorischen Maßnahmen, die man gewöhnlich mit dem Begriff verbindet. Wohl kaum zu rechnen. Der König hat die gel tende Der- assung außer Kraft gesetzt und in seiner Person die gese^aebende und vollziehende hat zunächst die Presse-
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Chefredakteur.
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.
nahmen.
Das neue Kabinett trägt die Merkmale einer Militärherrschaft. Der Ministerpräsident, der gleichzei'ig Innenminister ist. ist ein Vertrauter des K önigs, der Kommandeur der Gardedivision in Belgrad, Zivkowitsch. Kriegsund Marineminister ist General Hadjitsch, der diesen Posten bisher schon versah und der immer wieder als Anwärter für eine diktatorische Regierung genannt wurde. 3m übrigen sind verschiedene bekannte politisch« Persönlichkeiten in der Regierung vertreten, so der bisherige Außenminister M a r i n k o w i t s ch. d er auf einen Ausgleich mit Italien hinarbeitet, ferner der bisherige Ministerpräsident K o r o s e t s ch, der Führer der slowenischen katholischen Do.kspartei, sowie einige Abgeordnete der Radikalen und der Demokratischen Partei und auch einige Kroaten.
Reben der Auflösung des Parlamentes sind die Gemeindevertretungen und auch die Provinzialbehörden aufgelöst worden. Vermutlich will die neue Regierung sich Raum schaffen für eine durchgreifende Verwabtu n g s r e f o r m, die unter dem korrupten parlamentarischen System unmöglich gewesen wäre. Denn in Südslawien gilt allein das Militär als unbestechlich und sauber. Ihm allein traut man es zu, Ordnung in die geradezu unglaublichen Zustände zu bringen, die sich in der Verwaltung durch die Verquickung mit dem Parlamentarismus entwickelt haben. Insofern ist eine der Dringendsten Forderungen der bäuerlich-kroatischen Opposition erfüllt worden, die zunächst die Beseitigung des Parlaments und der korrupten Verwaltung verlangte, denn unter beiden haben die neuen Landesteile sehr zu leiden gehabt.
Man hält cs für wahrscheinlich, daß die neue diktatorische Regierung in weitem Umfang die autonomistischen Forderungen der Opposition erfüllen wird. Bekanntlich wehren sich besonders die von Oesterreich an Südslawien gekommenen Landesteile, also Bosnien, Kroatien, Dalmatien und Slo- v e n i e n gegen den Belgrader Zentralismus. Schon zu Stefan Raditschs Zeiten verlangten sie die Umwandlung Südslawiens in einen Bundesstaat, in dem die gemeinsamen Angelegenheiten nur in der Außenpolitik, im Heerwesen und in einem Teil der Finanzen bestehen sollten, ähnlich wie im alten Oesterreich-Ungarn. Diese Forderungen standen schon einmal, 'M Jahre 1924. dicht vor der Erfüllung. Stefan Raditschs nicht immer glückliche Taktik hat damals die Erfolge nicht reifen lassen. Rach feinem Tode haben kühlere Politiker die Führung der kroatischen Bauernpartei, der Kerntruppe der Opposition, an sich genommen. Wahrscheinlich hat dre südslawische Krone die letzte Gelegenheit ergriffen, um mit Hilfe des einwandfreien Militärs eine Staatsumwandlung vorzunehmen, gegen die sich die eigensüchtigen parlamentarischen Cliquen in Belgrad bis zur Verzweiflung gewehrt haben.
Der Eindruck dieser Entwicklung tn ganz Europa ist ungeheuer. Die berufsmäßigen Verfechter des parlamentarischen Systems fühlen auch anderswo ihre Dhrönchen wackeln. Richt nur in Südslawien haben sich die parlamentarischen Bureaukratien als unfähig erwiesen, lebenswichtige Aufgaben der Ration zu lösen. Der Parlamentarismus mag gut sein, schlecht und recht
sie sich eine sachlich nicht gerechtfertigte Verschleppung lebenswichtiger Entschlüsse, wie sie das parlamentarische System nun einmal mit sich zu bringen pflegt, im Interesse der national- politischen Zukunst gefallen lassen dürfen. Diese Frage hat der König von Südslawien anscheinend unter Zustimmung seines ganzen Volkes soeben gegen das Parlament entschieden.
Oer erste Kabinettsrat.
Keine Presseinsormationcn. —Zustimmung der Nation.
Belgrad. 7. Dan. (WTB.) Gestern mittag hielt der Minister rat seine erste Sitzung ab. Beim Verlassen des Ministerratsgebäudes erklärte Ministerpräsident Ziwkowilsch den Vertretern der Presse, er habe ihnen nichts mitzuteilen, da die Regierung gebildet worden sei, u m z u ar-
ein« Verwaktung zu kontrollieren. Daß er auf dem Kontinent staatsschöpferische Fähigkeiten entwickelt hätte, davon sind bisher noch keine Deispie.e bekanntgeworden. Denn man kann aus dem Laufe der Geschichte die Wirksamkeit der großen Persönlichleiten nicht ausradieren. Daß König Alexander von Südslawien ein Regent von Format ist, darüber waren sich schon früher die Kenner der Verhältnisse einig, das beweist er aber auch jetzt dadurch, daß er mutig die Verantwortung für die Reuordnung des Staates g ans allein auf seine Schultern nimmt, obwohl er damit die Zukunft seiner Dynastie aufs Spiel seht. Im parlamentarischen System aber pflegen verantwortungsfreudige Persönlichkeiten nur allzu häufig durch Intrigen und Eifersüchteleien und durch die Parteiwirischast lahmgelegt zu werden. Deshalb tritt bei großen staatspolitischen Entscheidungen an die Rationen immer wieder die Frage heran, ob
t u g i e s i s ch e General Gomez de Castro zum Diktator seines Landes. Es gelang ihm, im Juni 1926, nach der zwanzigsten Revolution seit der Absetzung des Königs, eine Militärdiktatur auszurichten.
Auch in unmittelbarer Rachbarschaft Deutschlands sind in den letzten Jahren Gewaltherrschaften entstanden. Am 31. Mai 1926 wurde P i l s u d s k i in Warschau von der Rationalversammlung zum Staatspräsidenten gewählt — und lehnte dieses Amt ab. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sich Pisuldski wieder besonnen hatte und nun mit Kanonendonner in Warschau einzog. Durch einen Militärputsch kam er an die Macht, die er jedoch — nur ein halber Diktator — auf legalem Weg ausübt. Bald darauf, am 17. Dezember 1926, wurde auch in dem Rachbarstaat Litauen eine Militärdiktatur aufgerichtet. Smetona wurde Staatsoberhaupt. Ein neuer Staatsstreich fand am 29. Mai 1928 in Kowno statt; damals entrechtete Woldemaros. Litauens Diktator, die Volksvertretung und setzte auf dem Verordnungsweg eine neue Derfafsung in Kraft.
Gewalt vereinigt. Er hat zunächst die Pre^se- und Versammlungssre hüt aufgehoben und jede Kritik eines neuen Regierungssystems verboten. Das sind selbstverständliche Sicherungsmaß-
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Oer Staatsstreich König Alexanders.
Oer Bankerott des südslawischen Parlamentarismus. — Diktatur und Rationalitätenproblem
Oer Etatstorso.
Die Deckungsvorschläge des Rerchsfinanz-- ministers.
Berlin. 8. Jan. (Priv.-Tel.) Zu der Meldung, daß der Reichshaushaltsplan für 1929 nunmehr fertiggestellt worden sei, ersahren wir, daß das Reichsfinanzministerium den Etat bereits in Druck gegeben hat. Dabei kann natürlich nur in beschränktem Umfange von einer Fertig st ellung die Rede sein, insofern, als wohl die Ausgaben-Seite nach allen Abstrichen jetzt endgültig fertig ist, wohingegen man aber die Einnahme feite noch offen gelassen hat. Das Kabinett wird deshalb in seiner Sitzung am 14. Januar die vorn Reichs- sinanzminister vorgeschlagenen Deckungsmöglichkeiten für das Defizit zu prüfen haben, woraufhin dann unverzüglich die sich daraus ergebenden Zahlen in die Einnahmeseite eingesetzt werden, so daß dem Reichsrat sodann der völlig fertiggestellte, endgültige Haushaltsplan vorgelegt werden kann. Die Deckungsvor- schläge werden im Reichsfinanzministerium geheimgehalten. lieber die bereits veröffentlichten Kombinationen hinaus wird uns von gut unterrichteter Seite jedoch mitgeteilt, daß neben dem Verzicht der Wiedereinführung der Weinsteuer auch auf eine Erhöhungderllmsatz- fteuer, was auf jeden Fall zu begrüßen ift. endgültig verzichtet worden ist. Die übrigen Deckungsvorschläge dürften sich unseres Erachtens auf die bereits bekannten Pläne der Erhöhung der Biersteuer, der Erbschaftssteuer und des Branntweinmonopols erstrecken.
Die Frage der Umsatzsteuer wird aber wahrscheinlich bereits in den Kabinettsberatungen und erst recht später in den parlamentarischen Debatten noch eine Rolle spielen. Besonders bei der Deutschen Volkspartei hört man die Auffassung, daß ein« Erhöhung der Umsatzsteuer für die Wirtschaft weniger fühlbar sein werde, als manche andere neue Steuer oder Steuererhöhung, so daß an dieser Stelle mit verhältnismäßig wenig Gefahr ein Teil des Defizits abgedeckt werden könnte. Wenn in diesem Zusammenhänge gesagt wird, daß di« Deckungsvorschläge schon deshalb noch nicht vom Kabinett genehmigt werden könnten, weil die Regierungs- toalition noch nicht endgültig sei, so beruht dies auf völlig falschen Voraussetzungen. Im Gegenteil, die noch nicht endgültige koalitionsmäßige Bindung der einzelnen Regierungsparteien dürfte die Deckung des De'izits nur erleichtern insofern, als die Minister resp. die Parteien- nicht so stark gebunden sind und größere Freiheiten Haven.
Berlin, 8. Dan. (13. D. 3) Nachdem die poli- tischen weihnachtsserien nunmehr beendet sind, gewinnt die Frage der Stabilisierung der Reichsregierung auf der Basis der Großen Koalition höchstes Dnteresse. Man rechnet damit, daß die Verhandlungen zwischen den beteiligten Parteien diesmal so rasch gefördert werden, daß bereits am 22. Danuac bei Miederzu- sammentritl des Reichstages die Regierungskoalition gesichert ist. Der Reichskanzler wird in den nächsten Tagen nach Berlin zurückkehren, und dann sofort die Koalitionsverhandlungen führen, zumal der Abschluß auch wegen der Ltatsberatungen drängt. Die Lösung denkt man sich personell so, daß bei sonst unveränderter bisheriger Ressvrtoerteitung lediglich dem Zentrum noch zwei Portefeuilles angeboten werden. Zu diesem Zwecke würde ein V i ; e k a n ; l e r a m t, eventuell für den Abgeordneten Wirth, geschaffen werden. Da? Ministerium für die besetzten Gebiete würde selbständig und politisch bedeutsamer gemacht durch die Umbildung in ein Ministerium für die Grenzgebiete, für das der bisherge Verkehrsminister, Herr v. Gueracd, in Frage käme, während der Abg. Stegerwald das Verkehrsmini ft erium übernehmen könnte. Man meint weiter, daß der sachliche Hauptstreitpunkt in diesem Dahre deshalb keine Rolle spielen werde, weil der Verfassungstag. der 11.August, aus einen Sonntag fallt. Dagegen wurde die Reichsregierimg der Großen Koalition während der ganzen Reichstagsperlode fo reibungslos arbeiten können, daß man glaubt, sich später auch verhältnismäßig mühelos über diese Disferenzpunkte verständigen zu können.
Oie Rückzahlung
der Aufweriungshypolheken.
Berlin, 8. Ian. (Priv.°T«l.) Rach den Bestimmungen des Auswertungsgesetzes sind d i e aufgewerteten Hypotheken den Answer t un g s g l ä u b i g e r n am 1. Januar 1932 zurückzuzahlen. 2n drei Jahren wird dann also eine Kapitalumwälzung vor sich gehen, deren Ausmaß schon jetzt Vorbereitungen notwendig macht. Es haben daher im Reichsjustizministerium Besprechungen stattgefun- den, die sich außer mit Fragen der Grund- buchbereinigung mit den Problemen beschäftigten, die der Rückzahlungstermin der Aufwertungshypotheken anfwirft. Beschlüsse wurden noch nicht gefaßt.
versucht hat. Die Mitglieder der von Primo einberufenen Nationalversammlung waren nicht gewählt, sondern ernannt. Die neue spanische Verfassung steht immer noch nicht endgültig fest; man weiß nur, daß ein Oberhaus und ein Unterhaus geschaffen werden sollen.
Schon vor der Errichtung dieser beiden Diktaturen in Spanien und Italien gelang es einem „starken Mann" in einem exotischen Land, die Regierung zu erobern und zu behaupten. Am 21. Februar 1921 marschierten persische Kosaken mit aktiver Unterstützung der Engländer unter ihrem Führer Riza Khan in Teheran ein und stürzten die Regierung. Riza wurde Kriegsminister und Oberkommandierender der persischen Streitkräfte, ntz aber erst im Jahre 1923 die ganze Macht an sich und wurde Ministerpräsident. Am 31. Oktober 1923 setzte er den Schah ab und ließ sich selbst zum Herrscher Persiens ausrufen. Die Engländer, die mit der Unterstützung dieses Diktators den russischen Einfluß ausschalten wollten, sind mcht ganz auf ihre Kosten gekommen, da der neue Schah weder eine russische, noch eine englische, sondern tn der Hauptsache eine persische Politik zu treiben beliebt.
Da sich die Diktaturen länger hielten als man es ursprünglich erwartet hatte, bekamen nun auch viele Ehrgeizige in anderen Ländern Lust, Mussolinis Beispiel zu folgen. Im Juni 1925 zwang der General Pangalvs die griechisch« Regierung zum Rücktritt, ernannte sich selbst zum Ministerpräsidenten und erklärte dem Parlament kurz und bündig, daß eine Kommission von dreißig Mitgliedern eine neue Verfassung auszuarbeiten hab«. Aber schon im August 1926 hatte Theo- dorus Pangalos abgewirtschaftet; er wurde gefangen genommen und aus dem Heer ausgestoßen. Bereits einige Monate vor dem griechischen Staatsstreich ritz AchmedZoguindem Rach- barland Albanien die Macht an sich. Mit Unterstützung der Belgrader Regierung eroberte er am 24. Dezember 1924 Tirana;, die albanische Regierung mußte flüchten. Achmed Zogu wurde Ministerpräsident, setzte seinen Willen mit scharfem Terror durch — und schlug sich auf die Seite der Feinde Jugoslawiens. Cs ist noch in aller Erinnerung, daß er sich im August 1923 mit Unterstützung Mussolinis zum König von Albanien Wählen ließ. Ungefähr gleichzeitig mit Achmed Zogu und Pangalos machte sich auch der por-
Diktatoren.
Von Werner Falcke.
Zehn Diktatoren hat das letzte Jahrzehnt der Welt gebracht, vom Kemal Pascha, der im Mai 1919 den nationalen Widerstand gegen die Entente organisierte, über Horty, Riza Khan, Mussolini, Primo de Rivera, Achmed Zogu, Pilsudski, den portugiesischen Diktator General Gomez de Castro und Woldemaras bis zu Alexander, von Jugoslawien, der sich jetzt zum Selbstherrscher ernannt hat und absoluter zu regieren gedenkt, als alle Monarchen, die bis zum Ausbruch der Revolutionen nach dem Krieg über europäische Völker herrschten. Rechnet man den inzwischen gestürzten griechischen General Pangalos mit, so ergibt sich, daß sogar elf Völker im letzten Dezennium eine kürzere oder längere Zeit unter einer Militärdiktatur gelebt haben, und das im Zeitalter des Parlamentarismus, nach großen Revolutionen, die zum Sturz der mächtigsten europäischen Monarchien führten! Am stärksten hat sich der Gedanke der Diktatur in den M i 11 e l m e e r l ä n d e r n durchgeseht, die fast alle das parlamentarische System aufgegeben haben. Spanien, Portugal, Italien, Albanien leben unter unverhüllten Diktaturen, die Türkei hat inzwischen ein Kompromiß zwischen Gewaltherrschaft und Demokratie geschlossen, Aegypten mußte sich unter englischem Druck einer aufgezwungenen Diktatur beugen, und Griechenland, das vorübergehend unter Militärherrschaft stand, ist noch nicht zur Ruhe gekommen. Freilich hat sich in diesen Ländern, soweit sie Monarchien waren _ oder sind, der Diktator nur gegen den König
durchsetzen können und der Herrscher hat die
Diktatur dann notgedrungen gutgeheißen, um nicht den Thron zu verlieren, während im
neuesten antiparlamentarischen Staat der Umsturz von der Krone ausgeht, weil
Alexander von Iugoslawien alle Macht in seinen Händen vereinigen und die Regierung ausschließlich von seiner Person abhängig machen will.
Als die Geburksstunde der modernen Diktaturbewegung kann man Wohl den 19. Mai 1919 bezeichnen, den Tag, an dem Kemal Pascha in Samsun am Schwarzen Meer landete, um den nationalen Widerstand der Türkei diktatorisch zu organisieren und einen neuen, unabhängigen türkischen Staat aufzubauen. Der Sieg, den Kemal Pascha Ende August 1922 bei Asium-Kara- hissar über die Griechen erfocht, machte fein Regierungsshstem volkstümlich und gab dem Diktator die Autorität, die zur Durchführung seines durchaus revolutionären Programmes notwendig gewesen ist. In Europa entstand die erste Diktatur nach dem Krieg in Ungarn, wo Karolhi die Macht an Bela Kun abgetreten hatte. Als die Rumänen am 3. August 1919 in Budapest einzogen, brach der ungari d>e Sowjetstaat zusammen, und auch das sozialistische Kabinett Peidl konnte sich nicht halten. Inzwischen hatte sich unter denk. Admiral Rikolaus von Horty eine „Rationale Armee" gebildet, die nach dem Abzug der Rumänen am 16. Rovem- ber 1919 in Budapest einrückte. Horty schuf damals die heute noch bestehende Diktatur, die im Laufe der Jahre gesetzgeberisch ausgebaut wurde. Als die Rationalversammlung nicht allen Ansprüchen des neuen Machthabers entgegen- kam, erließ Horty einfach im Verordnungsweg ein neues Wahlgesetz, das im Mai 1922 tn Kraft trat und das allgemeine geheime Wahlrecht außer Kraft setzte. Es wurde ein Steuer- und Dildungszensus eingeführt, die Wahlen auf dem Lande sollten in Zukunft öffentlich stattfin- den. und man weiß, daß der Terror die Wahl regierungstreuer Abgeordneter erzwingen half.
Bald nach der Durchführung dieser ungarischen Wahlen, am 27. Oktober 1922, begann der faszistische Marsch auf Rom, durch den Mussolini zum Diktator Italiens geworden ist. 2ln einem „schwarzen Freitag" erhoben sich die Schwarzhemden in Mailand, Florenz, Cremona Piacenza und Pisa, besetzten die öffentlichen Gebäude und marschierten auf die italienische Hauptstadt die sie eroberten. Die Geschichte des Faszismus ist schon zu oft geschrieben worden, um hier wiederholt zu werden Stück für Stück wurde die italienische Verfassung'umgebaut; als die oppositionellen Abgeordneten merkten, daß sie im Parlament doch nichts mehr durchsetzen konnten, verließen sie das Abgeordnetenhaus, und von diesem Zeitpunkt an verwehrten ihnen die Faszisten den Wiedereintritt. Endaültia brach Mussolini mit dem Parlamentarismus im November 1927, als der faszistische Großrat an die Stelle der Volksvertretung den sogenannten „Rat der Vierhundert" setzte, der nur aus Anhängern Mussolinis bestehen darf. Es gibt also in Italien keinen Wahlkampf mehr, da die faszistische Partei eine nationale Einheitsliste festsetzt, deren Wahl von vornherein gesichert ist.
Dem Vorbild Mussolinis folgte der spanische General Primo de Rivera, der am 13.September 1923 als Führer der spanischen Offiziersverbände das Parlament in Madrid auflöste und damals versprach, nur neunzig Tage diktatorisch zu regieren, um dann wieder zur Demokratie zuruck- rukehren. Ob sich Primo von vornherein darüber klar gewesen ist, daß in einem Viertestahr ein Staatswesen nicht grundsätzlich zu reformieren ist, ober ob er in dieser Zeit Geschmack an der diktatorischen Führung der Negierungsgeschaste gefunden hatte; jedenfalls herrscht der General noch heute, fünfeinhalb Jahre nach der Ucbernahme der Diktatur, unumschränkt und oft gegen den Willen des Königs über das spanische Volk, das »mmer wieder Aufstande zur Abschüttelung dieses Machthabers
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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