Ausgabe 
7.12.1929
 
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Nr. 281 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 7. Dezember 1929

Außenpolitische Umschau.

Von Or. Otto Hoehsch, o. ö. prof. der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. X

Eine Fülle von wichtigen außenpolitischen Vor­gänge preßte sich in die letzte Woche zusammen, und man kann nicht sagen, daß auch nur einer Deutsch­land unberührt ließe. Am nächsten natürlich gehen uns die Fragen des Rheinlandes und des Poung- Planes an. Am 1. Dezember ist diezweiteZone frei geworden; fast elf Jahre hat Koblenz die Last der Besatzung ertragen. Und mit tiefem Dank emp­finden wir bei diesem Rückblick vor allem die un­wandelbare Treue, die die Bevölkerung des Rhein­landes dem Reich und Deutscktond gewahrt hat, in einer Lage, unter einem seelischen Druck, von der sich die dahinter und fern davon Sitzenden wohl kaum eine zureichende Vorstellung gemacht haben. Selbst in der französischen Kammer hat doch schließ­lich der Verstand gesiegt. Der bekannte Abgeordnete Franklin Bouillon hatte wieder in angebli­chen strategischen Rüstungen Deutschlands herumzu­stochern sich bemüht und dazu einen parlamentari- schen Unterausschuß zur Prüfung in der Kammer durchgesetzt. Er sollte wahrhaft.g auch an Ort und Stelle, im besetzten Gebiet, Erhebungen anstellen! Da hat nun doch der Ausschuß selber beschlossen, von derartigen Erhebungen an Ort und Stelle ab- zuschen. Aber ein Wunder ist es nicht, wenn durch dergleichen immer wieder Beunruhigung entsteht, I Mißtrauen und Zweifel, ob Frankreich wirklich den | klaren Standpunkt aufrecht erhält, zu dem sich ja, wie bekannt, wenigstens Briand und Tardieu in Sachen der Räumung und allem damit Zusammen­hängenden bekannt haben.

In Bezug auf die Haager Schlußkonfe - r e.n z steht das Datum immer noch nicht fest. Jeden­falls wird sie vor Januar nicht zusammentreten. Innenpolitische Rücksichten Frankreichs sind an dieser Verschiebung schuld und außerdem die ungelösten Schwierigkeiten in den Unterausschüssen, die noch da sind. Die Pariser Sachverständigen haben doch recht viel in ihrem Plan unerledigt gelassen und ge­glaubt, sich mitEmpfehlungen" bereits ihrer Auf­gabe entledigt zu haben. Weder die Ostreparationen noch die für Deutschland so wichtigen Saarverhand­lungen sind zu irgendeinem Abschluß gediehen.. Die sogenannte I u r i st e n k o n f e r e n z , die nunmehr, auch später als beabsichtigt, nämlich am 10. Dezem- der, zusammentreten soll, findet durchaus nicht in jeder Beziehuny ein abgeschlossenes Material vor, aus dem sie einen Vertrag schaffen könnte. Ihre Aufgabe ist nicht gering. 1924 war bekanntlich der Vertrag aus dem Dawesplan schon vollständig fertig. Jetzt liegt nur ein Plan, eine Denkschrift mit einer Reihe von Anhängen und einem Haufen Material dazu vor, aus dem nun im ganzen ein Vertrag her­ausgearbeitet werden soll. Das ist freilich mehr eine technische Aufgabe. Mit einer Ausnahme, die Deutsch­land und den dafür verantwortlichen Beauftragten außerordentlich angeht. Unter allen Umständen muß durchgesetzt werden, daß der Polenvertrag getrennt von dem Aoungplan-Vertrag dem Reichstag zur Entscheidung vorgelegt wird. Er hat den Aus­wärtigen Ausschuß zwei Tage beschäftigt. Es ist belannt, daß sowohl die Deutsche Dolkspartei wie das Zentrum die starken Bedenken von deutschnatio­naler Seite gegen diesen Vertrag teilen. Also muß dafür gesorgt fein, daß die Entscheidung darüber ohne Zusammenhang mit dem Doungplan und deshalb auch ohne Beeinflussung von dieser Seite her herbeigeführt werden kann.

In dem weiteren Rahmen der Weltpolitik ist dos wichtigste die man kann es nicht anders nennen Kapitulation Chinas, genauer gesagt der Regierung der Mandschurei (Mukden) vor Ruß­land. Es hat dazu eines militärischen Vorstoßes der Russen in die Mandschurei bedurft, unter dessen Druck die Mukdenregierung sich entschloß, mit Rußland in Verhandlungen einzutreten. Sie konnte daher auch nicht anders, als die bekannten russischen Bedingun­gen annehmen. Die Verhandlungen darüber haben begonnen. Rußland hat damit unzweifelhaft einen Erfolg erzielt und richtig berechnet, daß die Schwäche

Gchulaufsah.

Von Adolf Georg Bartels.

Ich sitze, die Shagpfeife im Mundwinkel, an meinem Schreibtisch und lese.

Cs ist Rachmittag. dämmerig. Dom Schnee, der draußen auf der Straße liegt, gefroren und zusammengeschrumpft und sehnsüchtig nach neuen Wolken von oben herab, kommt ein bläulicher Schimmer, der sich in das sinkende Tageslicht mischt und mit ihm zusammen und mit der Dampfschicht im Zimmer die Atmosphäre bildet, die den Zauber meiner winterlichen Dachmittage ausmacht.

Es klopft. Mein Jüngster kommt zu mir her­ein. Ein Dübchen von zwölf Jahren, blaß, lebhaft, mit goldblondem Schopf, nicht ohne einen mühsam und hartnäckig erarbeiteten Schei­tel, der ewig verrutscht.

Du, Papa, wir haben zu morgen einen Aufsatz zu machen, fühlt er vor.

Ja, dann mach' du nur den Aufsatz, sage ich und lese weiter.

®in Schiff legt an oderEin v-Zug läuft ein". Wir können uns aussuchen.

Ich sage gar nichts. Rauche. Lese.

Scheußlich schwere Themas, meint der Kleine. Er steht neben mir und schielt auf den Stuhl, auf ben er sich sehen möchte, um was diktiert zu kriegen vom O-Zug, der einläuft, oder vom Dampfer, der anlegt.

Scheußlich schwer, wiederholt er.

Was? Schwer? Herrlich finde ich das Thema, alle beide!

Ich finde das aber gar nicht, Papa. Und nach einem Ruck kommt endlich: Was könnte man denn da mal schreiben?

Sollst du den Aufsatz machen oder ich, was? Man kann nicht eine Minute lang ruhig arbei­ten, es ist nicht zum Aushalten...

Du liest ja, Papa, du arbeitest ja gar nicht!

Aha, jetzt wird er frech, denke ich. So ists recht. Gut, mein Sohn, so gefällst du mir.

Ra, seh dich mal hin. Hast du das Heft da?

Den Dleistift auch?

Schön, aber noch nicht schreiben! Wir wollen erst mal so versuchen; und außerdem sollst du den Aufsatz allein machen.

Er lächelt. Er kennt das.

Soll ich denn den O-Zug nehmen?

Gaiiz egal. Aber nehmen wir ihn. Wie sieht so ein Ding aus?

Chinas schließlich dieses Nachgcben erzwingen würde, freilich ist es nun mit dem Erfolg so eine Sache. Zunächst: Rußland eilt, mit Mulden abzuschliehen in direkten Verhandlungen der beiden Teile. Aber Mukden ist nur ein Teil. Die Zentralregierung in Nanking ist von der Kapitulation Mukdens über­rascht worden und strebt selbstverständlich danach, daß eine solche Verhandlung zwischen den beider­seitigen Zentralstellen, also zwischen Moskau und Nanking stattfindet und abgeschlossen werde Es dreht sich ja dabei nicht nur um die nächste Beilegung des Konflikts, sondern um die sehr ver­wickelte Ordnung der Streitigkeiten über die ost­chinesische Bahn selbst und die Rechte an ihr.

In diese Komplikationen stieß am 2. Dezember unerwartet d.e amerikanische Interven­tion herein. Die Vereinigten Staaten haben an Rußland (mit dem sie keine diplomatischen Beziehun­gen unterhalten!) und China eine Note gerichtet,

die sehr bestimmt an den Kelloggpakt erinnert und die Verpflichtung, alle Stre.fragen nur friedlich bei« zulegen. England und Frankreich haben sich diesem Schritt schon angeschlossen. Japan hält sich fern. Deutschland betont seine besondere Stellung als Schutzmacht der beiden Staaten und behält sich die Entschließung über die weiteren Schritte vor. Dieser amerikanische Schritt ist zunächst nur eine Erin­nerung an den Kelloggpakt und die Pflich- ten gegen ihn. Aber bet der großen Macht der Ver­einigten Staaten ist xs zugleich der Beginn einer wirklichen Intervention. Daß Amerika diesen Schritt tat, war seine Pflicht. Aber er hätte l ä n g ft ge- scl-ehrn müssen! Im August wurde von Slimson ein ähnlicher Vorstoß gemacht, der dann unerwar­tet schnell versackte. Dann sind fünf Monate ver­strichen, in denen Amerika rein nichts getan hat. Nun kommt es mit dieser Anregung genau am glei­chen Tage und im gleichen Augenblick, in dem die

direkten Verhandlungen der beiden Strei- tenden an der russisch-chinesischen Grenze begannen. Das klappt nicht zueinander, und so ist der amerika­nische Schritt in diesem Augenblick nicht sehr zweck­mäßig, vielleicht ein Fehler. Man weiß nicht recht, ob darin Absicht lag ober eine gewisse Unsicherheit der amerikanischen Diplomatie, die überhaupt auf diesem Gebiet bemerkt worden ist. Jedenfalls hat Rußland die amerikanische Note gleich schroff ju« rückgewiesen.

Die direkten russisch-chinesischen Verhandlungen werden dadurch nun eher erleichtert. Die Chinesen versuchen, was den Konflikt ja so verschärft und kompliziert hat, die Erledigung immer undurchsiä)- tigt und zwiespältig zu halten. Die Russen haben einen klaren Standpunkt eingenommen, von dem sie auch nicht abgehen. Beide Staaten aber haben gemeinsam das Interesse daran, daß eine Inter­vention der anderen nicht dazu führt, die ostchine«

Mademoiselle Docteur, die größte Spionin Devlschlands.

Annemarie. Zn der Höhle des Löwen.

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2lus dem neuen Buche:Spionage!" von H. R. B e r n b o r f f. Verlag Dieck & Co., Stuttgart.

Das sind die Schicksale der größten deutschen Spionin, die Deutschland im Weltkriege und davor gedient hat. Ihr wirklicher Name, ja ihre Existenz war lange verborgen, nur wenige wußten von ihrem Dasein, und erst nach dem Kriege hat der Oberst Nikolai sie in seinem BuchGeheime Mächte" einmal flüchtig erwähnt. Er sagt von ihr, daß es neben einem ganz bestimmten Offizier hauptsächlich eine auffallend kluge und schöne Frau war, die am besten mit den Spionageagenten umgehen konnte. Die Schicksale dieser Frau sind phantastisch, ihr Ende ist erschütternd. Den Namen ..Mademoiselle docteur" haben ihr die feindlichen Agenten und Spione ge­geben, in Wirklichkeit hieß sie Annemarie Lesser, und ihr väterliches Haus stand in der Tiergartenstraße in Berlin. Mit 16 Jahren lernte sie einen Rittmeister bei den Gardehusaren, Carl von Wynanky, kennen und lieben. Ihr Vater warf sie aus dem Elternhaus, als dieses Verhältnis nicht ohne Folgen blieb. Der Rittmeister von Wynanky aber quittierte seinen Dienst bei den Gardehusaren, wurde später wieder reaktiviert und trat als Hauptmann in ein Eisen- bahnerdataillon ein. Hier arbeitete er ehrgeizig und mit der Absicht, in den Generalstab versetzt zu wer­den. Seine Freundin, Annemarie Lesser, saß in dieser Zeit in Berlin, wußte nicht, was sie beginnen feilte und lebte von dem Gelde, das ihr der Hauptmann schickte. Da brach über Carl von Wynanky das Ver­hängnis herein. Das väterliche Gut, von den Brü­dern verwaltet, ist verschuldet, feine monatliche Apa­nage wird auf ein Geringes reduziert und zudem noch von den Gläubigern des Hauptmanns, die er aus feiner Zeit bei den Husaren noch hat, gepfändet. Der Hauptmann ist verzweifelt. Da stellt ihm sein Kommandeur die Alternative, entweder seine Schul­den zu bezahlen oder den schlichten Abschied zu er­halten, und in dieser Not fährt der Hauptmann nach Berlin zu einem befreundeten Kameraden, der als Oberstleutnant im Großen Generalstab dient. Der Oberstleutnant bringt ihn mit einem sehr hohen Offi­zier, der den Titel Exzellenz trägt und den der Hauptmann kennt, zusammen, und dieser Offizier verweist ihn an einen Herrn I. Matthesius, der in der Bükowstraße ein Bureau innehat. Dieses Bureau, das nach außen hin Automobile und deren Zubehör­teile vertreibt, ist ein deutsches Spionagebureau, dem Herr I. Matthesius vorsteht. Der Hauptmann ist be­reit, um aus seinen Schulden herauszukommen und für Annemarie Lesser weiter sorgen zu können, die Spionage für fein Vaterland zu treiben, und so trifft er, nachdem seine Schulden bezahlt worden sind und er den Abschied genommen hat, eines Tages mit Herrn I. Matthesius in Berlin in dem Restaurant

des Hotel Adlon zusammen. Herr Matthesius ist klein und hager, Koteletts fallen dicht an den hervor­stechenden Backenknochen vorbei, unter der hervor- tretenöen Stirn sitzen zwei unruhige Augen, alles ist knochig unö eckig an diesem Mann, der in einem unendlich gut gemachten blauen Sakloanzug steckt.

Es ist folgendes," beginnt Matthesius brutal und ohne Uebergang,heute ist Mittwoch, Sie fahren nod) heute abend mit dem O-Zug nach Paris. Sie werden sich in Paris an die Firma Meunier & Co. wenden, deren Adresse hier auf diesem Zettel steht. Diese Adresse lernen Sie bitte auswendig, den Zettel vernichten Sie. Meunier & Co. ist noch eine junge Firma, sie muß Ausgaben sparen, der Chef hat keine Angestellten. Sie macht Versuche mit Kugellagern für Automobile, für Pneus und dergleichen und steht mit meiner Firma in Geschäftsverbindung. Da ist zu diesen Leuten nun ein Mann gekommen, der Pläne anbietet zur Konstruktion eines automatischen Geschützes, eines Feldgeschützes, das mit der ähn­lichen Konstruktion wie etwa ein Trommelreoolver in der Lage ist, unendlich schnell hintereinander zu schießen. Sie sind ja Soldat. Sie können sich also darunter etwas vorstellen. Diese Pläne kosten 5000 Mark. Diese Summe werden Sie in bar mitnehmen, und Sie werden die Pläne kaufen, wenn Sie sich von ihrer Brauchbarkeit überzeugt haben. Sie wer­den sie aber zweitens nur dann erwerben, wenn Sie persönlich festgestellt haben, daß man in der fran­zösischen Armee diese Pläne bereits als verwen­dungsmöglich befunden hat, und wenn man damit umgeht, derartige Geschütze zu bauen. Sie tele­graphieren bitte nicht, Sie schreiben nicht, sondern wenn Sie Ihren Auftrag im negativen oder im positiven Sinne erfüllt haben, dann fahren Sie wieder nach Berlin, und dann rufen Sie mich an. Wir werden uns dann irgendwo treffen. Hals- und Beinbruch, Herr Hauptmann, und wenn es Ihnen nichts ausmacht, dann habe ich Sie jetzt das letztemal mit diesem Titel angeredet. Hier ist ein Scheck für Ihre Auslagen. Auf Wiedersehen!"

In Paris kletterte von Wynanky über steile Trep­pen zu dem Inhaber vonMeunier & Co.", der außerordentlich einsilbig war, kaum ein Wort redete und ihn schon am Abend in einem kleinen Cafö mit einem Manne zusammenbrachte, der etwas struppig aussah und der erklärte, er habe nun mit dem Herrn vonMeunieur & Co." lange genug verhandelt, er gedulde sich noch 24 Stunden, und dann bekäme jemand anderes die Zeichnung. Der Hauptmann riß sich zusammen. Er übernahm die Führung bei der Verhandlung, verabschiedete sich kurz von Herrn Pissard, dem Inhaber vonMeunier & Co.", und brachte den struppigen Mann in sein Hotelzimmer. Hier sah er sich die Pläne an und prüfte sie viel­leicht zwei Stunden. Zigaretten rauchend und spuckend saß der Franzose dabei und bequemte sich

Dorn die Lokomotive, dann die Wagen, da­zwischen die Ziehharmonikas und in der Mitte der Speisewagen. So'n O.Zug fährt kolossal rasch, und es gibt oft Unglücke.

Er stockt.

Ja, ganz richtig, und du stehst auf dem Bahn­steig und willst wen abholen, Tante Marie zum Beispiel.

Rein, die nicht, fährt er dazwischen. Er kann die Tante nicht leiden.

Gut, also Onkel Wilhelm. Und da laufen die Leute mit Koffern auf dem Bahnsteig herum, aber das kannst du auch weglasscn. Also der Zug, der kommt dahinten her, braust und kracht in die Halle, bremst und pustet den Dampf auf die Schienen, und die Türen gehen auf (Mann, du sollst doch nicht schreiben!), und die Gepäck­träger nehmen das Gepäck durch das Fenster den Reisenden ab, und... Manche steigen auch aus und trinken rasch was. Dann müssen sie sich ihren Wagen merken, sonst finden sie nicht wie­her hin.

So? Aber ein O-Zug hat doch Gänge, und du kannst durchgehen von einem Ende bis zum andern. Aber den Onkel hast du wohl ganz vergessen?

Das kommt doch noch nicht 1 Wir sollen drei Seiten schreiben, mindestens, hat Herr Doktor gesagt. Erst muß die Post eingeladen werden, und der Mann mit der roten Mütze geht auf und ab, und die Leute fragen den Auskunfts- mann, wann sie ankommen und ob sie den An­schluß wohl noch kriegen. Dann bezahlen sie das Brötchen oder den Likör, und der Schaffner ruft:Bitte Platz nehmen, bitte Platz nehmen."

Und der Onkel? Der rennt dich ja um, du Held!

Wir schweigen beide. Pause.

Zufrieden? Oder fehlt noch was? Rein? Ra, dann also. Geh jetzt ins Wohnzimmer und schreib das so ähnlich auf, wie wirs besprochen haben; konnst auch noch was Rcues dazwischenbringen, wenn dir etwa was einfällt von Wiedersehens­freude oder so. Raus!

Er sieht mich an und lacht, sagtdanke!" und stürzt zur Tür hinaus, Heft und Bleistist schwingend.

Ich seukze aus, lächle ein bißchen vor mich hin und lese weiter.

Die Pfeife ist natürlich ausgegangen, das hat man davon...

Am Abend kommen dann die Grammatikfehler und die Kommata o, es ist nicht leicht, einen Sohn zu haben, der in Quinta geht!

Oer kleine Heilige.

Von Dorothea Hollah.

Daß sie eigentlich Mistkäfer heißen, weiß jeder Mensch, aber Drombeerkäier klingt schöner. Es entspricht mehr unserem ästhetischen Gefühl. Und ebenso, wie man Käfer nach der Oertlichkeit benennt, da sie sich mit Vorliebe aushalten, kann man sie auch nach dem nennen, dem sie gleichen in diesem Falle den Brombeeren. Ihnen selbst ist es gleichgültig.

Ihre Vorliebe für Mist ist übrigens lücken­haft, denn im herbstlichen Buchenwald fern von allem Mist und dergleichen sah ich jünast hundert und aber hundert zwischen den welken Blättern nachdenklich und langsam eiu- herkrabbeln. Der Fäulnisdust sterb nder Blatter und verwelkender Gräser mochte sie aus dem Waldboden gelockt haben, jener hetbe kühle Herbstduft, der auch uns Menschen ernst und besinnlich stimmt.

Cs ist etwas Tragisches um das Schicksal der Drombcerkä er. Erstens tce den sie v n Die e über die Achsel angesehen, obwohl ihr runder fester Schild von einem wundervoll schillernden Blau- schwarz ist, und zweitens und das ist das größere Hebel vermögen sie sich nicht selb­ständig umzudrehen, wenn sie durch Ungeschick oder Zufall auf den Rücken gefallen sind. Wie auf einer Halbkugel schaukeln sie hilflos hin und her, ohne den Schwung auf- bringen zu können, sich zur Erde zurückzudrehen, flehend zappeln die zierlichen Beinchen an dem leuchtend stahlblauen Bauch. Sie ft erben den grausamen Tod des Verhungerns, wenn nicht vorher ein Vogel sich ihrer erbarmt. Roch nie babc ich gesehen, daß einer dem andern ge­holfen hätte. Und es wäre doch so leicht... Auch darin gleichen sie uns Menschen.

Weit vor mir gingen zwei Frauen, und zu diesen Frauen mochte das Büblein gehören, das ich beobachtete. Es trippelte auf feinen dünnen Deinen zwischen den welken Blättern einher und bückte sich mit unermüdlichem Eifer, als sammle es Bucheckern oder Herbstblätter von besonderer Buntheit. Ohne daß es mich be­merkte, näherte ich mich ihm, um mir Klarheit über seine Tätigkeit zu holen, die es mit bewun­dernswerter Konsequenz nicht unterbrach, obwohl die beiden Frauen es in milden, dann in un­geduldigen und zuletzt in zornigen Worten her- bemefen.

Da erlebte ich etwas Wunderbares: Es war

schließlich, morgen abend um dieselbe Zeit noch einmal wiederzutornmen.

Noch in der. Nacht holte Wynanky Monsieur Pissard aus dem Bett, nod) in der Nacht verlangte er von ihm eine Bescheinigung mit Photographie, daß er bei den Herren Meunier & Co. als Kon­strukteur angestellt sei und für den morgigen Tag verlangte er einen Schweizer Paß auf irgendeinen Namen mit seiner genauen Personalbezeichnung, Paßphotographien sind hier, ich habe mir so etwas Aehnliches schon in Berlin gedacht."

Monsieur Pissard war erstaunt. Monsieur Pissard versichert, so schnell ginge Derartiges nicht, dazu brauche man eine Woche. Der Hauptmann saß auf dem Bettrand des Herrn Pissard. Er überlegte sich, was er nun machen solle, und da tarn ihm eine Er­leuchtung.

So," sagte er,man hat mir gesagt, Sie mären ein erfahrener Mann, man hat mir gesagt, Sie ver­stünden unser Metier, was meinen Sie, Monsieur, wie erstaunt diese Leute in Berlin sein werden, wenn sie erfahren, daß hier ein ausgemachter Trottel und ein ganz verfluchter Idiot sitzt. Wofür bezahlen wir Sie eigentlich? Vielleicht dafür, daß Sie noch nicht einmal in der Lage sind, in ein paar Stunden einen falschen Paß zu besorgen?"

Monsieur Pissard warf sich schnell im Bett auf die andere Seite und verbarg sein Gesicht in den Kissen. Der Hauptmann nahm an, daß Pissard wegen dieser Donnerrebe, die er ihm gehalten hatte, nun sehr betrübt sei. Er wäre außerordentlich erstaunt gewesen, wenn er gewußt hätte, daß der Mann in dem Bett Mühe gehabt hatte, ein vergnügtes Lachen zu unterdrücken.

Hauptmann von Wynanky erhielt seinen Paß. Dieses Dokument war vorzüglich, und er ersah dar­aus, daß er jetzt George Nieweg hieß, und er freute sich über die tadellosen Stempel, die dies Papier auf­wies. Und dann tat er etwas, was in der Welt der internationalen Agenten viel später, als es bekannt geworden war, sehr belacht wurde, er ging vergnügt und munter und ohne Hemmungen in die Höhle des Löwen, zu dem französischen Generalstab, und unter­breitete die Pläne über das Mehrladegeschütz dem zuständigen Geniekapitän. Sein tadelloses Gedächtnis hatte ihm geholfen. Aus dem Kopf hatte er noch in der Nacht den Entwurf des ftruppeligen Herrn ko­piert. Der Geniekapitän schob nach den ersten Blicken die Papiere zurück.

Sie sind Techniker, so sagten Sie, und Sie be­schäftigten sich in den Mußestunden mit solchen Din­gen. Hören Sie, Monsieur, gehen Sie lieber angeln ober spielen Sie Fußball, aber fertigen Sie nicht derartige unsinnige Pläne an. Das Ding fliegt Ihnen ja beim zweiten Schuß um die Ohren."

Na, also", sagte sich im stillen der Hauptmann. Er machte ein betrübtes Gesicht, als er sich von dem Geniekapitän verabschiedete. (Fortsetzung folgt.)

ein kleiner Heiliger, der durch den Wald schritt. Beim Anblick eines jeden Brombeerkäfers, der hilflos auf dem Rücken zappelte, bückte er sich und drehte mit seinen zierlichen Fingern das Käferlein auf die richtige Seit: und seufzte be­friedigt. Das tat er hundert und aber hundertmal mit einem unerschütterlichen Ernst, mit innerer Selbstverständlich!:it, aus einer zwingenden Rot­wendigkeit heraus.

Ich lächelte über das rührende Bild, aber ich hätte mich schämen sollen. Beim Weitergehen sah ich mich oft nach ihm um, und immer sah ich ihn dauernd am Waldboden.

Cs war ein Büblein, das den Mistkäfern half, weiter nichts und doch war es etwas Erschütterndes. Ob es ein Mensch werden wird, der willig und fähig sein wird, später auch Menschen zu retten, wenn sie sich dem Schicksal geliefert glauben, wenn sie keine Rettung mehr wissen, und nur schweigend flehen, daß einer kommen möge und sie auf den ,rechten Weg zurückführe?

Er wäre einer von Zehntausenden.

Hochschulnachnchien.

Der Lehrstuhl für Altes Testament an der Universität Marburg (an Stelle von Prof. G. Hölscher) ist dem ordentlichen Prof. Dr. Emil Balla in Leipzig angeboten. Pros. Bal.a, dessen Schriften Altes Testament und altoricn- talische Religionsgeschichte betreffen, widmete sich in Berlin. Marburg und Gießen dem Studium der Theologie, besonders bei Gunkel und Budde, und erwarb 1912 in der Gießener Theologischen Fakultät den Lizentiatengrad. Im gleichen Jahre habilitierte sich Balta in Kiel, kam später nach Marburg und erhielt dort einen Lehrauftrag. 1915 wurde Balla Extraordinarius zu Münster, wo er später zum Ordinarius befördert wurde und 1924 nach Leipzig übersiedelte. Der durch die Emeritierung des Prof. R. Lorenz an der Frankfurter Universität erledigte Lehrstuhl der physikalischen Chemie ist dem ordentlichen Pro, es or Dr. Arnold E u ck e n an der Technischen Hochschule in Breslau angeboten worden. Der durch die Emeritierung des Prof. F. Oppen­heimer an der Universität Frankfurt erle­digte Lehrstuhl der Soziologie ist dem Privat­dozenten Dr. Karl Mannheim in Heidel­berg angeboten worden. Der Göttinger Botaniker Prof. Dr. Fritz von Wett st ein hat einen Ruf an die Universität Freiburg i. D. abgelehnt.