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Ur. 262 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 7. November 1029
Ltm ein neuesZndien.
Don Dr. Paul Rohrbach.
Am Donnerstag in dieser Woche soll im englischen Parlament die grotze Indiendebatte statt- findcn 27och am Samstag hielten viele wegen der indischen Frage eine Krise für möglich. Inzwischen aber ist bekannt geworden, dah der Vizekönig, Lord 2 rvin, ursprünglich ein Vertrauensmann der Konservativen auf diesem Posten, der Arbeiterregierung selbst vvrgeschlagen hat, sie möge den — scheinbar entscheidenden Schritt tun und für Indien die zukünftige Verfassung als Dominion ankündigen. Wir sagen „scheinbar", weil die Erklärung, die Lord Irwin am 2. November in Delhi abgegeben hat. in bezug auf eine sehr wichtige Frage, nämlich die, wann Indien das Recht der Dominien erhalten soll, durchaus unverbindlich lautet. Es heißt dort: „Angesichts der Zweifel, die in Großbritannien und in Indien wegen der Absichten der britischen Reg erung ausgedrückt wurden, bin ich ermächtigt, im Rainen der Regierung klar festzustellen, daß nach ihrem Air teil für den verfassungsmäßigen Fortschritt Indiens die Errichtung der Staatsform eines Dominions das natürliche Z i el ist."
Wie man sieht, kann das sehr viel und kann es auch recht wenig heißen Ende Dezember findet in Lahore im And sch ab der diesjährige indische Rationalkongreß statt, der von etwa 2000 Deputierten beschickt wird. Es gibt auf ihm zwei ungefähr gleich starke Parteien, die man die Partei der Alten und die der Iungen nennen könnte. Die Alten, zu denen auch Gandhi gehört, raten meist dazu, den Engländern, falls sie wirtlich bereit sind, die Dominiumverfassung zu bewilligen, . eine Chance geben", d. h. zu erproben. wie ehrlich sie es dann mit der Selbständigkeit Indiens als eines Gliedstaats im Britischen Weltreich meinen mögen. Auf dem vorjährigen Rationalkongreh in Kalkutta behielt diese Richtung die Oberhand, mit geringer Mehrheit. Die Iungen dagegen wollen gleich aufs Ganze, und verlangen die grundsätzliche Erklärung, daß Indien das Recht habe, getrennt von England und dem Britischen Imperium seine eigenen Wege zu gehen.
Gandhi ist immer noch eine moralische Autorität für Indien, aber er hat aufgehört, eine politische zu fein. Jedermann, der überhaupt zur indischen Rationalbewegung gehört, erklärt heute, daß es ein Fehler von Gandhi war. zu Beginn und während des Krieges das indische Volk zur freiwilligen Hilfeleistung für Eng- land aufzufordern — England habe dafür zu schlecht gedankt. Ein schwerer Klagepunkt für die Inder ist die Rede, die einer der Vertrauten des früheren Vi e önigs Lord Reading, Sir Malcol Haily, gehalten hat, und in der er rund heraus erklärte. Indien solle sich seiner Hoffnungen auf zukünftige konstitionelle Selbständigkeit entfchlagen. Diese Rede, und die Leichenhausen, die am 12. April 1919 unter dem von General Dyer befohlenen Maschinengewehrfeuer auf dem Marktplatz von Amritsar liegen blieben, ohne daß der General je einen offiziellen Tadel dafür erhielt. bilden bis heute das stets wiederholte Argument der radikalen Englandseinde. wenn die Rede auf die von England zu erwartende oder nicht zu erwartende Verfassungsreform kommt.
Der Dizekönig, die Arbeitcrregierung und. wie es scheint, auch einzelne Sachverständige für Indien unter den Liberalen wie unter den Konservativen, haben sich dahin geeinigt, daß eine beruhigende Erklärung im Sinne der zukünftigen Dominienversaisung noch rechtzeitig
vor dem Rationalkongreh erscheinen müsse. Die sogenannte Simonkommission. die Vorschläge über indische Reformen ausarbeiten soll, zu der aber keine Inder gehören, ist gar nicht gefragt worden, vermutlich, weil sie sich nicht ciiwerstanden erklärt haben würde. Ein so wichtiger Schritt, wie die Aufnahme Indiens als Dominion, könnte auch niemals durch einen einseitigen Akt der Londoner Regierung geschehen, sondern nur unter Zustimmung der übrigen Dominien auf einer britischen Reichskonferenz, und vorläufig ist es sehr unwahrscheinlich, daß Kanada. Südafrika, Australien und Reu-Seeland, mit ihrer zum Teil sehr starken Einstellung gegen die farbigen Rassen, ein ..farbiges" Dominium im Reichsverband willkommen heißen werden.
Fragt man einen gebildeten Vertreter der indischen Bewegung, wie er sich denn den verfassungsmäßigen Aufbau Indiens, sei es als Dominium, sei es als unabhängige Gröhe, denkt, wo es doch in Indien eine Vielheit von Völkern. Sprachen und Religionen gibt, so lautet die Antwort eiwa so:
„Zunächst wäre der natürliche politische Zustand Indiens der eines Bundes st aates,
wie auch Südafrika, Australien und Kanada eine bundesstaatliche Verfassung haben. Von den 300 Millionen Indern sprechen 90 Millionen hin- dustanisch, und 60 Millionen bengalisch: beide Sprachen sind Tochtersprachen des Sanskrit und können leicht wechselseitig erlernt werden. Hin- dustanisch wäre die gegebene Regierungssprache für Indien. Die religiöse Trennung von Hinduisten und Mohammedanern ist keine unüberwindliche Schwierigkeit: es gibt konfessionelle Parteien in der Form politischer Parteien innerhalb eines paritätischen Staates auch in Europa: in Jugoslawien lebt sogar ein starker Prozentsatz Mohammedaner, und es gab eine mohammedanische Fraktion im Parlament in Belgrad. Ein gewisses Hindernis bilden auch die indischen Fürsten. aber England kann sie mit einem Federstrich allesamt absehen, und die indische Rational« bewrgung ist Dollssache. keine Fürstensache. Eie hat kein Interesse an den Fürsten, wenn diese sich nicht freiwillig einordnen."
Angesichts der Unbestimmtheit des Zeitpunkts, die auch in ter vizeköniglichen Erklärung in bezug auf die Verwirklichung des Dominienstatuts verblieben ist. wird es nicht
sehr wahrscheinlich sein, dah die gemäßigte Richtung unter den indischen Rationallsten von neuem die Oberhaid behält. In der indischen Presse kann man sehr freie Aeußerungen über die Entwicklung des Verhältnisses zu England lesen, z. B. die. daß die Stunde Indiens schlagen könne, sobald sich England wieder mal in einer so vollkommenen politischen Isolierung befände, wie 1776. als der amerikanische Unabhängigkeitskrieg ausbrach, oder um die Jahrhundertwende, als es mehrere Jahre brauchte und ungeheure Anstrengungen machen mußte, um einige Tausend bewaffnete Buren niederzulämv'en. Wenn eine einzige europäische Großmacht, heißt es in Indien, damals nur einen Finger gerührt hätte, so wären die Duren nicht besiegt worden! Man kann die Richtigkeit dieser politischen Deduktion dahingestellt sein lassen, aber es ist von Interesse. zu sehen, was indische nationale Politiker sich in bezug auf England für Gedanken machen — z. D. Den, dah auch die Festhaltung Indiens nicht außerhalb der Motive für Macdonalds Werbung um ein enges Verhältnis zu Amerika steht.
„Hände hoch - Kriminalpolizei!"
Was ich in ^5 jährigem Kampf gegen das internationale Verbrechertum erlebte.
VI.
OieWahrheiiüberdieVerbrecherlokale.
Während sich im Lause der nächsten Jahre die Durchführung der Straßenrazzien als mcht mehr so unbedingt notwendig erwies und deshalb erheblich eingeschränkt werden konnte, blieb aber die Aushebung von Verbrecherlokalen, den Kaschemmen und die stete Bekämpfung der Spieler- und Rachtlokale weiterhin dringend erforderlich. In der Gegend des Schlesischen und des Stettiner Dahnho s und vor allem im „Scheunenviertel" gab es eine große Anzahl solcher Lokale, in denen das Verbrechertum sich fest eingenistet hatte. Diese Kaschemmen wurden von Mitternacht an bis in die frühen Morgenstunden hinein von allen möglichen fragwürdigen Existenzen ausgesucht, von schweren Jungen, die hier ihre Komplicen trafen, um mit ihnen ein neues „Ding" zu besprechen, von „Zockern". Taschendieben und von all dem zahlreichen Dirnenvolk, das die umliegenden Straßen unsicher machte. Auch Schlepper und. Anreißer von Rachtlvkalen und Spielklubs und junge, verwahrloste Burschen und Mädchen, die der elterlichen Zucht entlausen waren, und in Berlin das Dorado ihrer abenteuerlichen Pläne sahen, gaben sich hier ihr Stelldichein. Alle diese Racht- kaschemmen waren natürlich gegen äleberfälle durch die Polizei gesichert. Während unten im Keller die Gesellschaft vergnügt zusammenaß, stand oben, dicht hinter dem verschlossenen Eingang. der Spanner, dem die Sicherung des Lokals und seiner Gaste oblag. Spähend steckte er, wenn draußen auf der Straße alles ruhig schien, seinen Kopf heraus und „spannte" nach allen Seiten, ob seinem Keller nicht von irgend woher Gefahr drohe. War etwas Verdächtiges zu bemerken, blinkten, wenn auch nur in weiter Entfernung, die Metallbeschläge eines Schupo- tfchakos. näherte sich eine größere Anzahl von Zivilisten dem Keller oder war gar ein ver-
Don Kriminalkommissar Ernst Engelbrecht.
Copyright bh Greiner & Co., Berlin NW 6.
dächtig erscheinendes Auto in Sicht, so wurde die Tür schnell wieder geschlossen und drinnen abgewartet, bis alles wieder klar war. Meistens hatten diese Kaschemmen auch noch einen Hinteren Ausgang, durch den die Gannooen, die ein Zusammentreffen mit der Polizei scheuten, verschwinden konnten. Die äleberrumpelung derartiger Kaschemmen war häufig überaus schwierig. Der Spanner hatte bei Erscheinen der Polizei selbstverständlich schon längst seinen Keller geschloffen und war trotz mehrfacher polizeilicher Aufforderung, die durch Hämmern an der Eingangstür unterstützt wurde, nicht zum Oeff- nen zu bewegen, älnd, wenn dann die Streifbeamten die Tür schließlich mit Gewalt eingedrückt hatten, fanden sie kaum noch einen Gast, weil die anderen es vorgezogen hatten, sich durch den Hinteremgang in Sicherheit zu bringen. Die Strei sm annschast griff deshalb zur List. Zwei Kriminalbeamte, die dem Aeußern nach als solche nicht zu erkennen sein durften, mußten sich als Stoßtrupp an den Keller, dessen Aushebung beabsichtigt, heranschieben. Waren die beiden Beamten geschickt und verstanden sie cs. z.B. wie Betrunkene sich laut unterhaltend, dem Keller za nähern, so brauchten sie an dem Kellereingang nur über den überrumpelten Spanner herzusallen und in die Kaschemme einzudringen. Dann waren wenigstens erst einmal zwei Kriminalbeamte in der Kaschemme und konnten für die nächsten Minuten die Flucht der Verbrecher verhindern. Die anderen Beamten warteten dann meistens m irgendeiner Querstraße mit dem Lastauto, um auf das Zeichen der Verbindungsleute hin sofort vor dem Keller vorzufahren. Auf diese Weise war schon wenige Minuten nach dem gewaltsamen Eindringen der ersten beiden Beamten auch das übrige Beamtenpersonal zur Stelle. Den Kriminalasfistenten Martini, Meister, Gluck- mann und Sonncnburg glückte eigentlich immer solche äleberrumpelung.
Die beiden vorweg entsandten Beamten hatten in der Zwischenzeit häufig einen sehr schweren Stand. Die Gäste waren mit ihrer ileberrum- pelung natürlich absolut nicht einverstanden und machten Anstalten, die Beamten gewaltsam aus dem Lokal zu entfernen. Die Pistolen der beiden Beamten, von denen der eine sogleich durch das Lokal eilen und die Hintertür sichern mußte, während der andere an der Dordertür blieb, schreckten dann aber meistens doch die Verbrecher von einem ernstlichen Wider stände ab.
Allerdings gab es auch Situationen, die höchst unbehaglich wurden. Ich entsinne mich eines derartigen Vorsalles, bei dem sich der Stoßtrupp, der aus einem Kriminalbeamten, dem Oberwachtmeister Gronau und mir selbst bestand, gerade nur noH im letzten Augenblick vor der Wut der Verbrecher retten konnte, älns war bekannt geworden, daß in der Göbenstratze eine Kaschemme Nachtbetrieb unterhielt, in dein sich hauptsächlich die südlich der Hochbahn Dülow- strahe „arbeitenden" Einbrecher aushalten sollten. Ich hatte mein aus dreißig Kriminalbeamten mit drei Lastkraftwagen bestehendes Streiskom- mando vor dem nächstgelegenen Polizeirevier gelassen und dem Führer des vordersten Wagens Anweisung erteilt, etwa fünf Minuten nach der Abfahrt des Stoßtrupps nachzusahren und vor der Kaschemme, d.ren Slraße und Hausnummer ich genau bezeichnete, zu halten. Änser kleiner Patrouillenwagen hielt mit den beiden genannten Herren und mir an der Ecke Alvensleben- und Potsdamer Straße. Rasch stiegen wir aus und eilten davon, bevor uns das zahlreich umher- streifende Gesindel erkennen konnte, der Kaschemme zu. Ein Klopsen an der Tür genügte, um uns Einlaß zu verschaffen. Wir traten ein, schlossen die Tür hinter uns und gaben uns als Polizeibeamte zu erkennen. Ein lautes Johlen der Kaschemmengäste, etwa dreißig Kerle und zehn Weiber, war die Antwort. Sie beruhigten sich aber doch bald wieder, als sie merkten, daß uns ihr Schreien und Schimpfen
Liebe in Ketten.
Roman von Hans Mitteweider.
Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale). 32 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Ihr schien, als wollte das Schicksal ihr helfen, da die beiden Herren fortgefahren waren. Run konnte sie noch vor dem Essen zu Berndt Klausen gehen und den Ring zurücksordern.
Unruhig schritt sie in ihrem Zimmer auf und nieder. Sie konnte gar nicht erwarten, dah sie zu Klausen gehen konnte: aber sie wußte doch, daß er jetzt noch nicht in seinem Zimmer fein würde.
Sie stand auf, um sich ein wenig tm Parke zu ergehen. Sie wollte aber vorher doch einmal Nachsehen, ob Berndt Klausen nicht vielleicht schon in feinem Zimmer sei.
Es befand sich im Seitenflügel des Schlosses: aber sie konnte hingelangen, ohne dieses verlassen zu müssen. Ein langer Gang führte hinüber, und diesen betrat sie nun.
Sie brauchte nicht zu fürchten, dah jemand sie beobachten konnte: Denn niemand betrat un- gcrufen dieses Stockwerk, und so schritt sie sorglos ihres Weges, bis sie die Tür erreichte, die zu Berndt Klausens Zimmer führte.
Ihr schlug das Herz schneller als sonst, als sie die Hand zum Anklopfen hob; aber sie wußte, daß sie handeln muhte, und so meldete sie, dah sie Einlaß begehrte.
Riemand antwortete, auch nicht, als sie das Klovsen wiederholte.
„Er ist noch nicht da," dachte sie: aber sie wollte sich Gewißheit verschaffen. Daher drückte sie die Klinke nieder und öffnete die Tür - vor- erst nur wenig, um in das Zimmer zu spähen', Berndt konnte doch schlafen.
Sie erblickte niemanden, und nun schlüpfte sie vollends hinein, von einem dunklen Drange getrieben, der plötzlich in ihr wach wurde. Sie wußte ja gar nicht, was fte in diesem Zimmer wollte, wenn er nicht anwesend war.
Eie kannte es nicht, wunderte sich aber gar nicht, dah es schon als Arbeitszimmer eingerichtet war, dah auher dem breiten Schreibtisch am Fenster auch noch ein Zeichengerüst vorhanden war, und ohne sich über ihr Tun Rechenschaft zu geben, trat sie zu dem Schreibtisch-
Sie lieh tie Blicke über die Platte gleiten, auf der nur eine Schreibmappe lag. und zerstreut griff sie nach einem der Schreibstifte.
'Da kam ihr der Gedanke, ihm eine Z«.e zu hinterlassen, daß sie genau halb acht lipr bet ihm fein würde. Sie dachte nicht daran, dah fte ihm eine neue Waffe gegen sich in die Hand ge
ben würde durch diese Zeilen. Sie suchte nach einem Notizblock, nach einem Stück Weihes Papier, und da sie auf der Platte feind entdeckte, so hob sie den Deckel der Schreibmappe, um in dieser nachzufehen.
Kaum aber war dies geschehen, da rang sich ein schwacher Schrei über ihre Lippen.
Berndt Klausen hatte die Mappe doch schon benutzt: denn in ihr lag ein an ihn adressierter Brief nur das Briefblatt: aber aus ihm stand: „Herrn Berndt Klausen, zur Zeit Schloh Turnau." ilnö die Schrift war die einer Frau.
Sie wollte die Mappe schon wieder schließen. Sie hatte nicht die Absicht, in die Privatangelegenheiten Klausens einzudringen: aber sie zögerte.
Don diesem Driesblatt ging ein eigenartiger Dust aus, den sie zu kennen meinte, ohne dah sie für den Augenblick wußte, woher.
Ganz unwillkürlich neigte sie sich etwas vor.
Roch immer hatte sie nicht ein Wort von dem gelesen, was da geschrieben stand: sie dachte auch gar nicht daran.
Aber plötzlich wich sie mit allen Zeichen des Schrecks zurück.
Aus einmal wußte sie. woher sie diesen aufdringlichen Geruch kannte.
„Isolde von Kletten!" murmelte sie.
Es gab keinen Zweifel. Rur diese ihre Feindin liebte dieses Parfüm. HnD dann war auch der Brief in der Mappe von ihr geschrieben.
Käthe stockte der Herzschlag, als fte diese Gewißheit bekam. Isolde von Kletten und Berndt Klausen! ,
Was hatte sie an ihn zu schreiben?
Waren die beiden ein Bündnis eingegangen, um sie zu vernichten?
Leichenblaß stand Käthe da, unfähig, sich zu rühren: aber die Gedanken in ihr arbeiteten fieberhaft, und plötzlich hob sie abermals, ohne daß fie es wußte, den Deckel der Schreibmappe und griff nach dem Briese.
Schnell jedoch zog sie die bereits ausgestreckte Hand zurück. .
Ihr graute vor diesem ilriasbries. Sie fürchtete, sich zu besudeln, wenn sie ihn anrührte.
Aber sie las, was da geschrieben stand, und Entsetzen erfaßte sie. Sie las:
„Ich muh Sie umgehend sprechen. Wer ich bin, werden Sie ahnen. Meinen Rainen nenne ich hier nicht. Ich erwarte Sie pünktlich um vier älhr an Der Bank unter dem alten Ruh- bäum an der Mauer des Surnauer Parks. — Damit Sie aber bestimmt kommen, sage ich Ihnen: Ich bin soeben aus London zurück- gekehrt. Ich war in dem Hotel, in Dem Sie bei Ihrem letzten Aufenthalt dort wohnten. Ich habe Mister Frome gesprochen. Vorher aber war ich in Herzogenheide. Genügt das?" Ia, es genügte — auch für Käthe Turnau."
Jetzt wuhte sie, dah ihr Geheimnis auch von ihrer Todfeindin entdeckt war, dah Isolde von Kletten nicht geruht hatte, bis sie alles heraus- betommen.
Zitternd prehte die arme junge Frau eine Hand auf die heftig atmende Brust. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, und kaum hörbar stieh sie hervor:
„Run ist alles verloren — alles! Ihn hätte ich zum Schweigen bringen können. Sie aber ...“
Ihr graute vor Dem. was nun kommen würde, kommen muhte, und in dieser Furcht vergah sie ganz, wo sie war, achtete auf nichts mehr, und so hörte sie nicht, dah Schrille draußen erklangen, dah die Tür geöffnet wurde, und fie schrak erst zusammen, als eine heisere Stimme ihren Rainen rief.
„Käthe!"
Da schauerte sie zusammen, blickte auf und sah sich dem gegenüber, den sie so sehr gefürchtet hatte.
Berndt Klausen stand vor ihr.
Unb er kam zurück von der Unterredung mit Isolde von Kletten. Sie wußte es, als sie in feine Augen blickte.
Isolde hatte es verstanden, Klausen heimlich den Brief in die Hände zu schmuggeln, Der ihn dringlich um eine Unterredung im Turnauschen Park ersuchte, und sie hatte ihm nur so viel mit- getelTt, dah sie wußte, er würde sicher erscheinen.
Zur bestimmten Stunde hatte Klausen sich am Rendezvousplah e.ngefuriDcn.
Als er vor Isolde von Kletten trat, die sehr bläh war, deren Augen aber seltsam funkelten, verbeugte er sich, zog den Hut und sagte:
• „Sie sehen, ich bin pünktlich zur Stelle."
„Das freut mich, Herr Klausen," erwiderte sie, vergebens bemüht, ihrer Stimme einen ruhigen Klang zu geben. „Ditte, nehmen Sie neben mir Platz!"
„Sie sind sicher, dah wir hier nicht überrascht werden?" fragte er, fuhr aber sogleich fort: „Ich frage töricht: denn Sie würden dies alles nicht wagen, hätten Sie nicht die Gewißheit, daß wir hier sicher sind."
„Sie haben recht," gab Isolde zu. „Ich weih, daß Turnau in Berlin ist, und außer ihm haben wir niemand zu befürchten."
„Und wenn Die gnäDige Frau käme?"
Da lachte Isolde schrill auf.
„Ich wollte, sie würi e es tun!“
Hah funkelte aus ihren Augen. Sie streckte ihre Hand vor. um den noch Zögernden neben such niederzuz'ehen
Dann fuhr sie hastig fort:
„Sie haben meinen Brief erhalten, Herr Klausen! Was sagen Sie dazu?"
„Dorläufig gar nichts. Ich muh erst wissen, mit wem ich das Vergnügen habe!"
„Aber Sie lernten mich doch schon! Ich nannte Ihnen meinen Ramen, als ich Sie das erste Mal auf suchte: Isolde von Klettern Damals hätten Sie Wohl nicht vermutet, dah ich so schnell hinter Ihr Geheimnis kommen würde, wie?"
Doch fie erwartete vergebens, dah er zornig fein würde. Er blieb kühl wie bisher und erwiderte:
„Welches Geheimnis, bitte?“
„Dah Sie der Gatte dieses Weibes sind, dieser frechen Betrügerin!"
„Vom wem sprechen Sie?"
Isolde starrte ihn aufs höchste betroffen an. Sie verstand fein Benehmen nicht im geringsten.
„Sie wissen es doch ebenso gut wie ich! Der- stellen Eie sich nicht: denn Sie sind ja bloß hier, um ..."
„Ilm einen Auftrag auszuführen, mit dem Der Baron Felix von Turnau mich beehrte!" vollendete Berndt Klausen, 'sie unterbrechend.
„Mensch! Wollen Eie mich glauben machen, dah ..."
„Ich will gar nichts! Ich habe dem Wunsche einer Dame entsprochen, Die mich durch einen nicht unterschriebenen Brief hierhcrbcstellte, und es ist erklärlich, wenn ich wissen möchte, wozu das geschah."
Isolde von Kletten war nahe Daran, ihre Fassung zu verlieren. Sie wuhte nicht, was sie noch sagen sollte: aber plötzlich entschloß fie sich zu einem kühnen Zuge.
„Sie versuchen mit mir zu spielen Cs hat keinen Zweck. Ich brauche Sie, unD wenn es Ihnen daraus ankommt, etwas bei unferm Handel zu verdienen, so sagen Sie es. Knickrig bin ich nicht, werde es namentlich in diesem Falle nicht sein!"
„Sie erweisen mir also Die Ehre, mich für einen Erpresser zu halten?" fragte er kühl. „Sehr schmeichelhaft, meine Gnädige!"
Abermals erschrak Isold e.
Was für ein Mensch war das nut?
Sie hatte angenommen, daß er sich in die Rähe Käthes gedrängt Halle, um von dieser Geld zu erpressen, und nun lehnte er das ab!
Was wollte er Denn haben, Damit er ihr bei- stand?
Plötzlich schmiegte sie sich an ihn
„Herr Klausen," raunte sie ihm zu. „es braucht doch wohl nicht Geld zu sein Vielleicht wäre Ihnen etwas anderes lieber?“
„Ich verstehe Sie nicht ganz ..
Da umschlang sie ihn lei" e ischaftlich.
„Mann .wenn Sie mir helfen. Dann — gehöre ich Ihnen!“
Beruht Klaufen aber streifte ihre Arme von sich ab und lachte ihr ins Gesicht.
(Fortsetzung folgt)


