Ausgabe 
7.11.1929
 
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Zum Tode des Prinzen Mx von Vaden.

Oie Überführung nach Salem.

Die Fahrt über den Bodensee.

Konstanz, 6. Nov. (WB.) Für den verstor­benen Prinzen QHaj von Baden fand heute nachmittag in der Leichenhalle des Kranken­hauses, in der der Tote unter einem Wald von grünen Krähen aufgebahrt lag, eine T r a u er­frier in engstem Familienkreise statt. Landes­kommissar Geheimrat Hartmann (Konstanz) legte im Namen der badischen Negierung einen Kranz mit einer Schleife in den badischen Farben nieder. Abends neun Llhr erfolgte die feierliche Federführung der Leiche von Konstanz nach Salem. Die Garnison gab dem Toten das Geleit durch die Stadt zu der Fähre. Feuerwehr geleitete mit Fackeln die Fahrt über den Bodensee. Das ungewöhn­liche Schauspiel der nächtlichen Lieberführung der Leiche machte auf die ungeheuere Menschenmenge und alle Teilnehmer, die entblößten Hauptes den Weg einsäumten und am Hafen standen, einen tiefen Eindruck. Die Beisetzung erfolgt am Freita^nachmittag, zu der Einladungen an sämt­liche Behörden und die badische Regierung er­gangen sind. Außerdem werden die näheren Verwandten des Prinzen und der Prinzessin erwartet, u. a. die Großherzöge und Groß­herzoginnen von Mecklenburg und Hessen, Groß­herzogin Hilda von Baden, der Herzog und die Herzogin von Braunschweig und die Herzo­gin-Witwe von Cumberland.

Eine Kundgebung des Badischen Landtags. Die Deuischnationalen verlassen den Sitzungssaal.

Karlsruhe, 6. Nov. (WTB.) Der neüge- wählte Badische Landtag ist heute vormittag zu­sammengetreten. Mit 70 von 82 abgegebenen Stimmen wurde zum siebten Male der Zen­trumsabgeordnete Baumgartner zum Landtagspräsidenten gewählt. Die Wahl des 1. Vizepräsidenten fiel auf den sozialdemo­kratischen Abgeordneten Maier, Heidelberg, mit 67 Stimmen, die Wahl des 2. Vizepräsiden­ten auf den vollsparteilichen Abgeordneten Dr. Waldeck mit 63 Stimmen.

Der Präsident Dr. Baumgartner über­nahm dann den Vorsitz und widmete dem ver­storbenen langjährigen Präsidenten der Ersten Kammer und nachmaligen Reichskanzler Prinz Max von Baden tiefempfundene Gedenk­

worte. (Die Deutschnationalen und die Nationalsozialisten verließen während dieser Erklärung den Saal, die anderen Parteien, m i t Ausnahme der Kommunisten, hatten sich von ihren Sitzen erhoben.) Prinz Max von Baden war, als er in Deutschlands schwerster Stunde das ungeheuer verantwortungsvolle Amt des Reichskanzlers des Deutschen Reiches über­nahm, von dem Gedanken geleitet, Volk und Vaterland zu helfen, soweit es in seiner Kraft stand. Dieser Wille habe seine Bedenken gegen die Uebernahme des Amtes, die ihm sicherlich bitter schwer geworden sei, zerstreut.

Der sozialdemokratische Fraktionssührer Maier gab seinem Bedauern über das Ver­halten der Deutschnationalen und der National­sozialisten sowie der Kommunisten bei der Dei- leidskundgebung des Präsidenten Ausdruck. Der Deutschnationale Dr. Schmitthenner entgeg­nete, der Familie des Prinzen Max von Baden werde man das menschliche Mitgefühl selbst­verständlich nicht versagen. Hier handele es sich aber um eine politische Aktion. Der Chef der Zentrumsfraktion, Dr. Schofer. erklärte: Es gibt auch ungeschriebene Gesetze, die wir auch in diesem Hause respektieren müssen und wollen.

Teilnahme

des Reichspräsidenten.

Der Reichskanzler an die Prinzessin Max.

B e r l i n, 6. Nov. (TU.) Der Reichspräsident hat an die Gemahlin des verstorbenen Prinzen Max von Baden ein herzliches Deileidfchreiben gerichtet. Der Reichskanzler hat an die Gemahlin des verstorbenen früheren Reichs­kanzlers Prinz Max von Baden nachstehendes Beileidstelegramm gerichtet: Mit leb­hafter Anteilnahme habe ich soeben die Nach­richt von dem allzu frühen Hinscheiden Ihres Herrn Gemahls, des Prinzen Maximi­lian von Baden, erhalten und möchte Ihnen und den Ihrigen zugleich namens der Reichsre­gierung herzliches Beileid aussprechen. In Deutschlands schwerster Not hat Prinz Max seine ganze Kraft dafür eingesetzt, das schlimmste LInheil von unserem Vaterlande abzu­wenden. Das deutsche Volk wird ihm für diese mannhafte Tat, die seiner vornehmen, pflicht­getreuen, stets auf den Ausgleich der Gegensätze im Dienste höherer nationaler Ziele gerichteten Gesinnung entsprang, dankbare und ehrende Erinnerung bewahren.

mistisch wäre, wenn man die zweite Haager Konferenz als eine Konferenz anfehen würde, die lediglich erzielte Beschlüsse zu registrieren hätte.

Tardieu und die Parteien.

Die Radikalen gegen das neue Kabinett.

Paris, 6. Nov. (WB.) Gestern hat eine Reihe Fraktionen zu dem Kabinett Tardieu Stel­lung genommen. Die sozialrepublika­nische Fraktion (Richtung Painlevs- D r i a n d) hatte das Kabinett Briand unterstützt. Jetzt, nachdem es Painleve abgelehnt hat, in das Ministerium Tardieu einzutreten, scheint die Frak­tion ihre Haltung ändern zu wollen. Sie hat gestern in einer, allerdings nicht stark besuchten. Fraktionssihung eine Entschließung angenommen, in der sie sich mit den Linksparteien solidarisch erklärt und betont, daß die gefun­dene Losung der Krisis in Frankreich und im Auslande nicht ohneBesorgnis ausgenom­men werde, und daß die Aufrechterhaltung und Weiterentwickelung der Friedens­politik Driand-Herriot die wesentlichste Frage bilde, in der man nicht nachgeben könne. Die Fraktion der Linksrepublikaner dagegen hat ihre Befriedigung über die Zu­sammensetzung des Kabinetts Tardieu zum Aus­druck gebracht und ihm seine Unterstützung ver­sprochen. Die Fraktion der demokrati­schen Aktion (Gruppe Maginot) hat den gleichen Beschluß gefaßt. Die radikale Kammerfraktion hat einstimmig beschlossen, gegen die Regierung zu stimmen und für diese Abstimmung Fraktionszwang auszuüben. Die Radikale Linke (Loucheur) be­schloß, zunächst die Regierungserklärung abzu­warten und dann während der Sitzung hierzu Stellung zu nehmen. Die Fraktion Franklin Bouillon (Soziale und Radikale Linke) betont in einer Entschließung, daß sie vom Ministerpräsidenten eine präzise Er­klärung über die Ausführung des TZ o u n g - Plans, die Bedingungen der Rheinland- räumung, die Saarfrage und die Ver­teidigungsorganisation der Grenze ver­lange. Franklin Bouillon soll in diesem Sinne interpellieren und von der Antwort der Regie­rung will die Fraktion ihre Stellungnahme ab­hängig machen.

Aus aller Welt.

Das FlugschifsDo X".

In der Generalversammlung der Wissenschaft­lichen Gesellschaft für Luftfahrt sprach Dr.-Ing. Dornier über das FlugschiffDoX. Von Anfang an stand fest, daß das erste Flugschiff ein Doot fein müßte. Bei dem FlugschiffDo X ist -um ersten Male in der Geschichte der Flie­gerei dem Flugzeugführer die Ueberwachung der Antriebsanlage abgenommen worden. Selbstverständlich ist dem Führer nach wie vor die volle Betätigungsmöglichkeit für sämtliche Motoren in die Hand gegeben. Die Betriebs- mittelanlage faßt normalerweise 16 600 Liter Benzin und 16 000 Liter OeL Mit den Ausführungsarbeiten wurde Ende 1927 begon­nen. Der Stapellauf mit anschließendem ersten Motorflug erfolgte am 12. Juli 1929. Der Start ist überraschend gut; die Stabilität auf dem Wasser und die Ma- növriereigenschaften entsprechen den Erwar­tungen. Die Sichtverhältnisse sind vorzüglich; die Landung macht keine Schwierigkeiten. Die Zeit^ um sämtliche zwölf Motoren ingang zu setzen, beträgt durchschnittlich vier bis fünf Minuten. Die Flugeigenschaften sind normal. Einbau von Hilfsmaschinen zur Ruderbetätigung ist unnötig. Die größte Aussicht auf Wirtschaftlichkeit des Flugschiffes wird bei den derzeitigen Motoren auf Strecken von 1000 bis 1500 Kilometer an­genommen. In Sonderfüllen ist Wirtschaftlichkeit auch auf ganz kurzen Strecken gegeben. Die Ko­sten für das Detriebskilometer wurden auf 15 bis 18 Mark ermittelt. Das Tonnen­kilometer stellt sich, je nach Streckenlänge und jährlicher Streckenleistung, auf 1,50 bis 2,00 Mk. Dr.-Ing. Dornier wies darauf hin, daß durch den Dau des FlugschiffesDo X" der Nachweis erbracht ist, daß die Vergrößerung der Abmes- fungen das Baugewicht nicht in dem ungünstigen' Sinne beeinflußt, wie dies früher von vielen angenommen wurde.

Die Polarfahrl desGraf Zeppelin".

In Washington hat Walter B l e i ch st e i n, der Schatzmeister der Internationalen Aero-Ark- tis-Gesellschaft, über den Fortgang der Vorbe­reitungen zur Polarfahrt desGraf Zeppelin erklärt:Graf Zeppelin" werde drei amerika-

Walter von Molo plaudert aus der Gchule.

2n dem soeben erschienenen Novemberheft von Bel Hagen & Klasings Monatsheften veröffentlicht der heutige Präsident der Deutschen Dichter-Akademie Wiener Schulerinnerungen, de­nen wir eine Episode aus der Zeit seines Kampfes ums Abitur mit dem Physikprofessor entnehmen:

mc^nen Kameraden ist mir am meisten Dssfar Strnad, der heute berühmte Wiener Archi- tekt und Ausstellungskünstler, in Erinnerung ge­blieben. Dieser Mann glänzte im Freihand­zeichnen, im Malen und in allen technischen Diszi­plinen Er war aber nie Vorzugsschüler. In oer Oberprima kam ein neuer Lehrer für Physik eine dürre, kleine, außerordentlich auf Würde bedachte Gestalt. Dieser neue Mann beherrschte tem 6ach gar nicht und mußte sich oft von ©timaö und anderen aushelfen lassen. Auf mich hatte von Anfang an Haß geworfen. Früher |al*e "h s^ts in Physik die erste oder zweit­beste Note davongetragen, jetzt plötzlich kam eine o.unf nach der anderen, und dabei tat er als fei er um mich aufs äußerste besorgt. Mit seiner harten, näselnden Stimme sagte er Immer wieder im -tone des tiefsten Mitleides zu mir, während er aufreisenö meine Stirn betrachtete:Geht es nicht? Sie fassen es eben nicht? Was? Das ist sehr bedauerlich Ich tue ja, was ich kann aber ich kann mich Ihretwegen nicht im Fortgang aufhalten lassen. Meiner verzweifelten Mutter gab er den Rat, mich sofort aus der Anstalt zu nehmen, da ich das Abitur in Physik auf gar keinen Fall bestehen würde. Ich pendelte im ersten Semester mitminus Vier" undplus Vier" herum, und drei Monate vor dem Abitur kam die Katastrophe. Wir waren im Physiksaal und- es wurde geprüft, und da in der nächsten Stunde deutsche Grammatik war. so dachte ich

nische und neun andere Wissenschaftler mitnefy- men. Er würde auf unerforscytem Gebiet i m Polarmeer landen, damit die Passagiere in aller Ruhe Beobachtungen anstellen konnten. Der Polarflug werde durch Gefahrlosigkeit und relative Bequemlichkeit gekennzeichnet. Das Luft­schiff werde frische Lebensrnittel für fünf Tage mitführen. Dies sei die längste Zeit, die man von der Basis in Tromsoe oder in Fairbanks (Alaska) fortzubleiben gedenke Außerdem würden Notproviant für 90 Tage, eine" volle Ausrüstung für Reisen auf dem Eis und 23 Eskimohunde an Bord fein.

Ein Briefmarkenhändler ausgeraubf.

Sinern Driefmarkenhändler, der geschäftlich ab­wesend war, wurde in Berlin aus feinem Hotel eine Briefmarkensammlung von unge­wöhnlichem Wert gestohlen. Eine sofort ein­gesetzte Streife führte in einem kleinen Gast­hof zur Verhaftung dos tschechoslowakischen Kell- ners Hrdy, der bereits wegen verschiedener Ver­gehen von seinem Heimatlande gesucht wird. Bei der Durchsuchung seines Zimmers wurde in einer Ofenröhre ein Margarinekarton gefun­den, der mit wertvollen Briefmarken gefüllt war. Rach längerem Leugnen gestand £^ 0^1)0^16, die Sammlung an sich genommen $u haben, als er in dem betreffenden Hotel eine Besorgung machte.

Jörberforbungfütf in einem südafrikanischen Bergwerk.

In einem Bergwerk stürzte infolge des Lleber- drehens der Windevorrichtung der Förderkorb ab. 8 Bergleute wurden getötet 8 verletzt.

Schwere Katastrophen beim wafserkraftwerkbau.

Innerhalb fron weniger als 24 Stunden haben pW) bei dem Dau des großen Wasserkraftwerkes rm Zillertal bei Steinsprengungen zwei einen Augenblick an diese herannahende bedroh­liche Situation. Ich überhörte dabei die Frage die der Professor an den Schüler, der gerade vor der Tafel stand, richtete. Der Lehrer muß meine ihm sehr erfreuliche Unaufmerksamkeit be­merkt haben, denn er unterbrach die Prüfung sofort, indem er mich anschrie:Molo, kommen Sie zur Tafel und beantworten Sie die Frage I" Ich ging zur Tafel und kam mir höchst ethisch vor, als ich sagte:Ich bitte, meine jlnaufmerffamfeit 8U entschuldigen, ich habe die Frage nicht gehört." Darauf gab es sofort eine Fünf, die in diesem Stadium, so dicht vor dem Abitur, für mich soviel wie das Ende bedeutete. Ich erhielt die Weisung, sofort in die Dank zu gehen. In mir brauste alles auf. Ich war zum absoluten Autoritätsglauben von meinen Eltern erzogen worden, und ich hatte bis dahin weder zu Hause noch an meinen Lehrern, im Gegensatz zu meinen Kameraden, jemals irgendwelche harte Kritik geübt. Run ab« stand plötzlich etwas in mir auf und ließ

Jm Gegensatz zu meinem sonst immer bouicßeri Stm, den schmalstirnigen Lehrer fest in den Dlick nehmend, sagen:Ich habe die Frage nicht gehört. Ich weiß, daß ich unaufmerksam war und ich habe mich deswegen entschuldigt! Sie können mich wegen meiner Unaufmerksamkeit bestrafen, aber mit der Fachnote, die für das Abi­tur entscheidend ist, hat das nichts zu tun Ich bitte nochmals um die Frage!" Daraufhin schrie mich mein Gegner an:In die Dank! Sofort in die Dank!" Ich ging, setzte mich heftig nieder und drosch mit dem Physikheft auf die Bank Da bereits früher heftiges Füßetrampeln der Mißbilligung von feiten meiner Kameraden erhoben hatte, so war die Revolution, deren An­stifter ich geworden war, klar, um so mehr als Strnad schrie:Man muß ihm die Frage sagen!" Der Professor raste zu meiner Bank und schrie mich drohend an:Sie gehen sofort wieder zur ^asel drehen sich um und gehen still und an- ständig auf Ihren Platz zurück!" Das verwei-

schwere Explosionskatastrophen ereignet, die ins­gesamt sechs Tote und vier Schwerverletzte forderten. Das erste Unglück entstand dadurch, daß durch das Dortreiben eines Bohrloches eine in einem benachbarten alten Dohrloch stecken­gebliebene Dynamitpatrone angebohrt und zur Explosion gebracht wurde. Drei Arbei­ter wurden dabei getötet, zwei schwer verletzt.. Das zweite Unglück ereignete sich auf ähnliche Weise.

Der älteste Offizier der k. u. k. Armee gestorben.

In Wien ist Feldzeugmeister G a l g o h h im 93. Lebensjahr gestorben. Mit ihm ist der älteste Offizier der alten österreichischen Armee dahin­gegangen. Galgohh, der zurzeit des Krim­krieges Leutnant wurde, erfreute sich in Oesterreich einer ungemeinen Volkstümlichkeit.

Ein neuer italienischer Botschafter in Berlin.

Der bisherige italienische Botschafter bei der Türkei L. Orsini-Baroni ist als Nach­folger des Botschafters Graf Aldrovandi- Marescotti nach Berlin versetzt wor­den. Graf Aldrovandi wird zur Verfügung des Ministeriums des Auswärtigen gestellt. Nach Angora kommt an die Stelle Orsini-Daronis der italienische Botschafter in Tokio Aloisi.

Großserier in Budapest.

Auf dem K o n i g - K a r l - R i n g im Zentrum oer Stadt stcht ein sechs Stock hohes Palais, in welchem sich seinerzeit der Klub derTisza- Partei befand, in Hellen Flammen. In den Straßen stockt der Verkehr. Der Brand entstand auf dem Dache des Hauses. An der Feuer­mauer des Palais wurden beim Ausbruch des Feuers Renovierungsarbeiten vorgenommen. In­folge des Feuers stürzte das Gerüst, auf dem d-^ Arbeiter beschäftigt waren, auf die Straße und zerstörte die Leitung der elektrischen Stra­ßenbahn. Die Türme und die große Kuppel £crterQr<^ funkelten uns gegenseitig mit

Den -Bilden an, und der Schluß war, daß man wich zum erstenmal in meinem Leben ins Klassen­buch eintrug, als renitent und frech. Ich wäre bei dem mündlichen Abitur in Physik und damit überhaupt durchgefallen, wäre mir nicht ganz unerwartet vom Vorsitzenden der Prüfungs­kommission es war Dr. Gegenbaur, der da­malige Dekan der philosophischen Fakultät der Wiener Universität Hilse geworden. Ich trat unter großer Spannung des gesamten Prosessoren- kollegiums und der Zuhörer vor meinen Peiniger, der mir die schwersten Fragen gab, aus einem Gebiete, von dem er vor der Klasse gesagt hatte, daß er daraus nicht prüfen würde. Ich beant­wortete die Fragen gut, doch begann er in alles dreinzureden, um mich zu verwirren. Als er Zentrifugal- und Zentripetalkraft dauernd durch- elnanderschmih und mir die Schuld Daran gab, fagte ich ziemlich energisch, es ging ja um meine Existenz:Bitte sprechen Sie klar, was meinen Sie eigentlich? Zentrifugal- oder Zentripetal­kraft?" Darauf drehte sich Der Prüfende zum Vorsitzenden der Kommission um:Sie sehen, er ist renitent und frech, und dabei hat er keine Ahnung von Physik! Soll ich Überhaupt noch eine Frage an ihn richten? Hat es einen (Sinn? Da erhob sich Der Philosoph, Der ein kleiner, -Dider, gemütlicher Mann mit klugem Kopf war' und trat an mich heran. Ohne eine Antwort zu geben, begann er, mich liebevoll und sachlich zu prüfen, es war zum erstenmal, daß er persönlich eingriff. Ich blieb keine Antwort schuldig Daraufhin reichte er mir die Hand:Ich gratu­liere Ihnen zum bestandenen Abitur" Und zu dem verstörten Physikprofessor sprach er im Vor- ubergetjen:Sie haben ihn verwirrt. Es wäre mir auch ganz unverständlich gewesen, wieso ein Schuler, der sonst in allen technischen Fächern so gut ist m Physik nicht entsprechen sollte. Um so mebr als er in den Jahren vorher in dieser Difziplm immer einer der Besten war."

des brennenden Palastes sind unter donnerähn­lichem Getöse eingestürzt. Aus Den Fenstern Der oberen Stockwerke- züngeln Flammen. Die Po­lizei hat Die vier Arbeiter, die auf Dem Ge­rüst an Der Feuermauer des brennenden Hauses gearbeitet hatten, sowie einen ©erüftarbeiter, verhaftet, da angenommen wird, daß das Feuer durch die Unvorsichtigkeit Der Arbeiter entftanDen ist.

Rumänische 3nbuffriearbei(er für Frankreich.

Aach einer Meldung Der rumänischen Zeitung Cuvantul hat das rumänische Arbeitsministerium mitgeteilt, daß Rumänien mit Frankreich einen Vertrag unterzeichnet hat, durch Den Rumänien die Verpflichtung übernimmt, nach Frankreich 10 000 Industriearbeiter zu entsenden, die zum größten Teil in Dec Schwerindustrie beschäftigt werden sollen.

Wie lange Dauert einAugenblick?

Ein deutscher Forscher hat durch ein einfaches Verfahren die gewöhnlichen Bewegungen der Augenlider untersucht und dabei die durchschnittliche Länge eines Augenblicks fest- gestellt. Das Verfahren bestand Darin, Daß an Dem RanD des Augenlides ein Stück Papier befestigt und dann die Bewegung durch photo­graphische Aufnahmen bestimmt wurde. Die Er- nebniffe zeigten, daß sich das Augenlid sehr schnell abwärts bewegt, dann aber für kurze

Sie Wetterlage.

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Obwohl das nördliche Fallgebiet mit seinem Aus­läufer sich bis über Deutschland erstreckte, so hat sich der Witterungscharakter im allgemeinen nur wenig verändert und in Süddeutschland sogar der Einfluß hohen Druckes wieder einen Temperaturrück­gang bis zum Gefrierpunkt und etwas darunter ver­ursacht. Die Luftdruckoerteilung gestaltet sich zur Zeit so, daß im Nordwesten das Barometer wieder fallende Tendenz zeigt und warme Luft Irland und den'Westen von England überflutet und erneute Niederschläge dort verursacht. Wahrscheinlich wird sich eine Störung herausbilden, die nach der gegen- wärtig bestehenden Druckoerteilung mehr Einfluß auf die Wetterlage von Nord- und Mitteldeutschland gewinnen dürfte.

Wettervoraussage für Freitag: Vor­wiegend wolkiges Wetter, milde, zeitweise Nieder­schläge.

Witterungsaussichten fürSamstag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, Temperaturen schwankend, noch strichweise geringe Niederschläge wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 6. November: mittags 6,7 Grad Celsius, abends 1,1 Grad: am 7. November: morgens 1,3 Grad. Maximum 6,8 Grad, Minimum 1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. November: abends 6,1 Grad; am 7. November: morgens 2,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 5% Stunden.

Der Physiker war auf Der Abiturientenkneipe nicht anwesend. Ich kam erst um 6.45 Uhr in Der <zruhe nach Hause, Die entsetzten Eltern hatten bereits zur Polizei geschickt.

älnvergeßlich ist mir Der Abschied von meinem Klassenvorstand. Dieser sonst so sichere und über­legene spöttische Mann begann plötzlich zu schluch-

."Seht ihr" sagte er,so ist es! Ihr habt letzt das ganze Leben vor euch, ich, ich muß jetzt wieder mit Knirpsen die alte Tretmühle anfangen, unD bis man euch zu Menschen gemacht und lieb gewonnen hat, Dann verlaßt ihr einen. Das Ut ... hart." Er küßte mich toeinenD auf Die Stirn und verschwand."

Maharadschawünsche in Marseille.

Die W^pgxgdschas aus Indien kommen so ziemlich ausnahmslos nach Europa im Früh­jahr um die Bäder zu besuchen, im Winter um in Den Winterkurorten ihre Tage zu verbringen. Einer will jetzt nicht mehr kommen. UnD zwar ausgerechnet Der reichste, Der Maharadscha von Patiala. Er kam sowieso nur, wenn Der Dölker- bunD tagte und fuhr Dann anschließend nach England. Als er kürzlich in Marseille eintraf, nahm er in einem großen Hotel Wohnung, Da er erst am nächsten Tag nach Genf weiterfahren konnte. Kaurn war er in seinem Hotelzimmer, Da lautete er Sturm. Der Geschäftsführer kam lächelnD herbeigestürzt; aber feine Miene würbe ernst, als er Den Maharadscha toben sah:Was ist das für ein Lärm Da draußen!"Das ist Der Strahenlärm, Die Automobile, Die Fuhr­werke ..."Lassen Sie Die Wagen durch eine andere Straße fahren." Als Der achsel- zuckenDe Geschäftsführer bedauerte, solche Ge­walt nicht zu besitzen, wußte sich der Maharadscha vor Entrüstung kaum zu lassen. Er zog zehn Minuten später wieder aus und fuhr mit einem Bummelzug in Richtung Genf. Seinen Besuch in England soll er auch abgesagt haben. Er haßt Europa jetzt wie Die Sünde, weil es so laut