Monat hat der Staat selbst rund sechstausend neue Schreibmaschinen im Werte von nicht weniger als 400 000 türkischen Pfunden bestellt. Die Bestellungen von privaten Firmen belaufen sich auf etwa die Hälfte dieses ansehnlichen Betrages, was deutlich für das Aufblühen der Wirtschaft und des Handels in der Türkei spricht.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
n. Grohen-Linden, 7. Olt. Der in Leihgestern geborene, hierher verheiratete Georg Müller feiert am 8. d. M. seinen 80. Geburtstag. Sn der 5. Kompagnie des Gic- f-ener Snsanteric-Acgiments macht er den Feldzug 1870/71 mit. Müller war jahrzehntelang Holzseher für den hiesigen Gemeindewald und für den fiskalischen sog. Franzenwald.
xp Leihgestern, 6. DEL Die vor einigen Jahren angelegte Kanalisation im östlichen Teile der "Bahnhofstraße wird zur Zeit bis an das westliche Ende an der Station Großen- Linden durchgeführt. Die Ausführung erfolgt nach den vom Hessischen Kulturbauamt Gießen ausgestellten Plänen und unter dessen Bauleitung. Die Arbeiten werden von dem Unternehmer Ludwig Sommer von hier ausgeführt. Diese Anlage wird besonders von den Hauseigentümern in der noch nicht allgemein bebauten "Bahnhofstraße begrüßt werden, die zum Teil im letzten Frühjahr unter Benutzung der Feuerspritze ihre Keller vom Wasser befreien mußten. Die Tiefelage des Kanals ist unterhalb des Bahnkörpers so angeordnet, daß bei einer eventuell später zu errichtenden Personenunterführung an der Dahn das Grundwasser in den Kanal ausgenommen werden kann. Da die Dahn- hvfstraße durch die schlechte Wasserabführung immer in sehr schlechtem Zustande war, wäre zu wünschen, daß nun auch die Provinz, die- noch Eigentümerin der Straße ist, für eine Befestigung der Straßendecke sorgte, wie sie den Ansprüchen des dortigen starken Verkehrs entspricht.
t Treis a. d. L d a., 6. Ott. Die neue Hebamme, Frau Martha Bergen, hat nach neunmonatlicher Ausbildung in der Gießener Klinik ihren Dienst dahier angetreten.Möge sie der Gemeinde ebenso lange dienen können, wie ihre Vorgängerin Frau Becker, die es auf eine 40jährige Amtszeit gebracht hat. — Die H e r b st- bestellung der Acker flur geht jetzt, nachdem der Boden durch die seitherigen Regen weich geworden ist, flott vonstatten. Die O b st e r n t e, die hier ziemlich reichlich ausgefallen ist, nur Zwetschen gab es sehr wenig, geht nach und nach zu Ende. Man sieht nur noch in einigen Gärten das Winterobst hängen.
+ Grünberg, 5. Oft. Die jüngste Gemeinderatssitzung, zu der 10 Gemeinderäte erschienen waren, fand unter dem Vorsitz des ältesten Gemeinderatsmitgliedes, Schlosser- meister Heinrich Schmidt II. statt, der während der Beurlaubung des Beigeordneten Keller die Dürgcrmeistereigeschäfte versieht. Als wichtigster Punkt der Tagesordnung stand die Vergebung der Arbeiten zur Snstandsetzung der Theo-Koch-Strahe ;uc Beratung. Die Arbeiten sind vom Kreisbauamt nach fünf Losen getrennt ?uc öffentlichen Vergebung ausgeschrieben worden. Die Baubehörde schlug bei jedem Los einen Unternehmer für die Lieber- tragung der Arbeit vor. Los I (Chaussierung) hat 14 Angebote, das billigste 408 Mk., das höchste 977 Mk., nach Vorschlag des Dauamts örhält O. Kühn, Grünberg, die Arbeit zu seinem Angebot von 496 Mk. Los II (Lieferung von Bordsteinen einschließlich Versehen derselben) hat neun Angebote, zum Teil auf drei Arten von Steinen: 1. Lungsteine mit Preisen zwischen 3800 und 4800 Mk., 2. Kunst-Granitsteine mit Preisen zwischen 2640 und 3800 Mk., 3. Steine,
Liebe in Ketten.
: Vornan von Hans Mitteweider.
Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale).
5 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Doch die Tür ging nicht auf; die Frau erschien nicht.
Da wagte sich Käthe weiter.
Lind plötzlich lächelte sie; denn sie besann sich darauf, daß sie ja den Schlüssel zu dieser Tür in der Tasche hatte. Die Tante hätte gar nicht herauskommen können.
Unö sie war ja tot
Doch das Grauen wollte nicht von Käthe Weichen; denn sie wollte ja nicht, wie sie gesagt hatte, hinauf in ihr Dachstübchen, sie mußte vielmehr in die Stube, wo die Tote noch lag, mußte dort nach dem Briefe suchen, den sie aus London geschrieben hatte. Sie mußte wissen, was für einen Namen sie daruntergeschrieben hatte.
Auf einmal, als der Förster zu ihr gesprochen hatte, war sie sich klar darüber, daß niemand hier erfahren durfte, was drüben in England geschehen war.
Sie wußte keinen Grund dafür. Sie gehorchte nur einem Drange, der in ihr war; und so fand sie den Mut, die Tür aufzuschliehen und in die Stube zu treten.
Es war fast dunkel darin; denn alle Vorhänge an den Fenstern waren dicht zugezogen.
Einen scheuen Blick warf Käthe hinüber nach der Toten. Doch sie sah nur undeutlich die Um- risse der starren Gestalt. Das Gesicht war mit einem Tuche verdeckt.
Käthe atmete etwas auf. Sie wäre geflohen, hätte sie sich vvrstellen müssen, die grauen Augen der Tante könnten sie bei ihrem Tun beobachten.
Aber wo sollte sie suchen?
Sie besann sich, daß Tante stets alle Papiere in den Tischkasten dort geschoben hatte, und so lief sie hin und zog ihn auf.
Fast hatte sie aufgeschrien vor Freude. Gleich obenauf lag der Brief mit der englischen Marke und dem roten Zettel darauf, der ihn als Eilbrief kennzeichnete.
Schon hielt sie ihn in der Hand, hatte den Bogen aus dem Umschlag herausgezvgen und sah nach der Unterschrift.
„Deine Nichte Käthe."
Lind dann als Nachschrift:
„Meine Adresse ist: Käthe Fernau, zur
Weiter las sie gar nichts. Sie schob den Dogen wieder in den Umschlag, legte den Dries in den Tischkasten zurück und lief aus der Stube hinaus.
Eine große Freude war in ihr; aber wieder wußte sie nicht, warum eigentlich.
Wäre es denn so schrecklich gewesen, wenn die Leute hier ersahren hätten, daß sie verheiratet
75 Jahre Stadt Bad-Nauheim.
4 Dad-Aauheim, 5. Oft. Sm Gegensatz zu den anderen oberhessischen Städten und Städtchen, die infolge günstiger Verkehrslage oder als Sitz einstiger Herrscherhäuser schon in früheren Sahr- hunderten zu wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkten geworden waren und bereits im Mittelatter Stadtrecht erhielten, ist unsere hessische Dadestadt noch eine ganz jugendliche Stadtgründung. Das Salinendorf wurde erst mit dem l.Suti 1835 Bad, und mit diesem Tage beginnt die neuere Geschichte Nauheims, das am 5. Oktober 1854 von der kurhessischen Negierung zur Stadt erhoben wurde. Die amtliche Bezeichnung „Bad-Nauheim" erhielt es erst 1869 durch die hessen-darmstädtische Negierung.
Bad-Nauheim ist also heute 7 5 S a h r e Stadt. Das Dekret sei als ein interessantes Zeitdolument nachstehend im Wortlaut wiedergegeben:
„Von Gottes Gnaden WSN Friedrich Wilhelm I., Kurfürst und souveräner Landgraf von Hessen, Gcoßherzog von Fulda, Fürst zu Hersfeld, Hanau, Fritzlar und Ssenburg, Graf zu Katzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain, Nidda und Schaumburg haben Lins allcrgnädigst bewogen gcsu iden, die Gemeinde Nauheim in der Provinz Hanau zur Stadt zu erheben und derselben die Gerechtsame einer solchen huldreichst zu erteilen. Wir behalten Lins attergnädigst vor, wegen der Teilnahme Llnserer Stadt Nauheim an den Landtags- und Dezirksratswahlen demnächst weitere Anordnungen zu treffen. Linser Ministerium des Snnern hat hiernach das Erforderliche zu verfügen. Urkundlich Llnserer Allerhöchsteigenhändi
gen und des beigedrückten Staatssiegels gegeben zu Kassel am 5. Oktober 1854. Friedrich Wilhelm."
Mit der Erhebung zur Stadt wurde Nauheim auch der Vorort des hanauischen Amtes Dorheim, und gleichzeitig erfolgte die Verlegung des Amtsgerichts von Dorheim nach Nauheim.
Eine ungeahnte Entwicklung hat die junge Stadt in den 75 Sahren genommen, besonders unter hessen-darmstädtischer Verwaltung, die sich des Bades mit besonderer Fürsorge annahm, nachdem es durch den Bruderkrieg 1866 von Kurhessen an Preußen und von diesem durch Gebietsaustausch an das Grvßherzogtum Hessen übergegangen war. Der Aufstteg zum Wcltbade vollzog sich in wenigen Sahrzehnten, und damit hielt Schritt die räumliche und bevölkerungspolitische Entwicklung der Stadt. Die Einwohnerzahl hat sich in den 75 Sahren etwa vervierfacht, die Zahl der Kurgäste ist von 2500 im Sahre 1854 auf 40 000 in diesem Sahre gestiegen, beträgt also das Sechzehnfache.
Mit der Stadt ist das Hessenland stolz aus die Entwicklung des in der ganzen Welt bekannten und geschätzten großen Herzheilbades. Daß dieses ncch einer weiteren glücklichen Zukunft entgegengehe, ist der Wunsch aller am heutigen Ctadtjubiläumstage. Die große Millionenstiftung der amerikanischen Philantropin Frau K e r ck h o f f, wodurch vor einigen Lagen der Name Bad-Nauheims von neuem in der ganzen Welt genannt wurde, ist ein neuer Markstein in der Geschichte des hessischen Staatsbades, von dessen weiterer EntwicÜung noch viel für die leidende Menschheit erwartet werden darf.
cu> Dasalsplitt hergestellt, mit Preisen zwischen 2040 und 2720 Mk. Das Dauamt macht einen doppelten Vorschlag: 1. bei Verwendung von Lungsteinen die Lieferung K. Phil. Lind, Lauter, zu seinem Angebot von 3300 Mk. zu übertragen, 2. bei Verwendung von Kunst-Granitsteinen die Lieferung Kilian Schmidt, Oppershofen, zu seinem Angebote von 2640 Mk. zu übertragen. Nach längerer Aussprache entschied sich der Gemeinderat für die Verwendung von Kunst-Granitsteinen und Kilian Schmidt, Oppershofen, erhielt die Lieferung. Los III (Pflasterarbeiten einschließlich Liefern der Steine) hat 15 Angebote; die Preise schwanken von 1756 bis 2402 Mk. Den Zuschlag erhielt nach Vorschlag des Dauamts dec Wenigstnehmende Konrad H i l b e r g, Geilshcu'en, zu seinem Angebot von 1756,80 Mk. Los IV (Kanalarbeiten) hat sechs Angebote, das niedrigste mit 644 Mk., das höchste mit 724 Mk. Den Zuschlag erhielt nach Vorschlag des Dauamts Georg Säger, Queckborn, zu seinem Angebot von 657 Mk. Los V (Materiallieferung) hat 14 Angebote mit Preisen, die zwischen 1464 und 2119 Mk. schwanken. Hier erhielt ebenfalls nach Vorschlag des Dauamts Gg. Säger, Ou.ckborn. die Lieferung zu seinem Angebot von 1464 50 Mk. Der Gesamtbetrag der Arbeitsver- gelung für die Snstandsetzung der Theo-Koch- Straße ergibt demnach die Summe von 7014,30 Mk.
Kreis Alsfeld.
y. Nieder-Ofleiöen, 5. Oft. Sn unserem Nachbarstädtchen Schwe ins berg wurden in den letzten Tagen mehrere Waggon Z w e t s ch e n durch die Händler M e n g e l (Erfurtshausen) und Pfeil (Haarhausen) der Zentner frei Station zu 6 Mk., verladen. Es wurden viele Wagen mit Zwetschen von Erfurtshausen, Mardorf und Dannenrod gebracht, wo die Ernte sehr gut ausgefallen ist. Dei uns ist diese so gering, daß die Leute für ihren Dedarf noch kaufen müssen.
X Erbenhausen, 5. Oft. Die Kartoffelernte ist nun hier restlos beendet. Die rot-
schaligen Kartoffeln: Vater Nhein und Weltwunder waren infolge der starken Trockenheit schlecht, während die gelbschaligen wke Pamassia und gelbe Sndustrie wie die Frühkartoffeln, Blaue Odenwälder, gute Erträge ergaben. — Der Hauptausdrusch des Getreides hat dieser Tage begonnen. Der Körnerertrag des Getreides ist recht gut; besonders fällt in diesem Sahre das außergewöhnliche Gewicht des Weizens auf. Mit dem Verkauf der Frucht ist bereits angefangen worden. Es werden gegenwärtig für Noggen 8,50 Mk., Weizen 11 Mk., Gerste 9,10 Mk. und Hafer 9,50 Mk. pro Zentner frei Verladestation bezahlt. Die Aussaat des Winterroggens ist durch die letzten Regenfälle nun ermöglicht worden. Die Dickwurz sind bei der Trockenheit meist gut ausgefallen, doch sind die auf den Kern gesetzten Nüben klein geblieben. An Sorten zieht man die gelben und roten Eckendorfer Riesenwalzen den anderen vor. Mit dem Abernten der Rüben wurde bereits begonnen, doch bedarf das Kraut, das durch die Trockenheit und den Befall der Erdflöhe sehr gelitten hat, noch einiger Zeit des Wachstums. Die meisten unserer Landwirte sind genötigt, durch Zukauf von Weiß- und Rotkraut ihren Bedarf zu decken.
I Kirtorf, 6. Oft. Nach der Einrichtung unserer Schwesternstation im alten Schulgebäude hofft man, daß in demselben Gebäude auch die beabsichtigte Kleinkinderschule untergebracht werden fann. Die Ausführung des schon lange erörterten Planes, eine Kinderschule für unsere ausgedehnte Gemeinde ins Leben zu rufen, scheiterte bis jetzt immer noch an der Unmöglichkeit, die geeigneten Räume dafür zu erhalten.
Kreis Lauterbach.
5 Schlitz, 5. Oft. Sn unserem Städtchen wird im nächsten Sahr ein größeres Trach teufest veranstaltet. Der Verkehrsverein beschäftigte sich in einer Sitzung bereits mit den ersten Vor
war? Es war doch nichts, worüber sie sich zu schämen gehabt hätte.
Nein, das nicht; aber Käthe empfand alles, was sie erlebt hatte, als etwas, was sie aus ihrer Erinnerung tilgen mußte.
Sie lief nun noch die Treppe hinauf, raffte in ihrem Stübchen allerlei zusammen, ohne groß nachzusehen, was es war. Sie muhte ja etwas mitbringen.
Der Förster kam zurück und erzählte Küche:
„Der Pfarrer weih nichts von Shnen. Shre Tante ist, wie Sie ja wissen, nie in die Kirche gegangen, hat auch sonst den Pfarrer nicht aufgesucht, und beim Vorstand habe ich nur feft- ste'llen können, dah Sie mit Shrer Tante vor nunmehr zwö'lf Sahren hierhergekommen sind. Ob diese damals Papiere vorgelegt hat, war nicht zu ermitteln. Keinesfells hat man eine falsche Beurkundung angenommen. Sie wird demnach wirklich Shre Tante und Wohl in ihrer Sterbestunde nur etwas irre gewesen sein. Sm übrigen freut es mich, Shnen mitteilen zu können, daß man mir die Würde Shres Vormundes übertragen hat. Sch hätte Shnen ja auch ohnedies gern und nach besten Kräften geholfen, so aber habe ich ein Recht dazu und will gleich nachher veranlassen, daß die Tote nach dem Leichenhause gebracht wird. Dann werde ich nachforschen, ob sich in ihrem Nachlaß Papiere finden, werde auch seststellen, ob Geld da ist. Lind ja, Fräulein Käthe, noch eins! Der Vorstand wies mir nach, dah das Häuschen Shrer Tante gehört. Wollen Sie es behalten oder mich mit dem Verkauf betrauen? Sch denke, Sie werden Geld gebrauchen können."
„Sa. ja, verkaufen Sie das Haus, Herr Förster!" erwiderte Käthe ohne jedes Zögern. Sie konnte sich nicht denken, dah sie etwa dort drüben leben sollte. Nicht eine ruhige Minute hätte sie dort gefunden, am wenigsten nachts.
Edelmann nickte ihr zu und ging dann mit dem Wirt, den er als Zeugen mitnehmen wollte, nach Lcm Häuschen unter den alten Kastanien. Käthe aber saß regungslos auf der Küchenbank.
Was sollte sie nun anfangen? Wohin sollte sie gehen?
Sie fand auf beide Fragen keine Antwort, so sehr sie auch darüber nachgrübelte, und sie war froh, als sie der jungen Frau beim Kochen helfen konnte.
Sie warteten, bis der Förster zurückkam, der sehr ernst aussah; aber er sprach nichts, und erst nach Tisch bat er Käthe; mit ihm in den Garten zu kommen.
„Sie wird dir nachher alles erzählen, Liebste," sagte er zu seiner Frau, ehe er hinausging, und diese nickte ihm freundlich zu.
Dann sahen die beiden unter einem Nuhbaum auf einer Dank, und der Förster hob an:
..Meine Annahme, dah Shre Tante in der Todesstunde irre gewesen sein könnte, scheint doch
nicht zuzutreffen, Fräulein Käthe; denn ich habe nirgends irgendwelche Ausweispapiere gefunden. Das einzige Schriftliche war der Drief, den Sie aus London geschrieben haben, und den ich Shnen mitgebracht habe. Sch habe ihn selbstverständlich nicht gelesen, auch damals nicht, als er ankam. Shre Tante hatte mir Shre Adresse aufgeschrieben, als sie mich bitten lieh, an Sie zu telegraphieren. Sa, also sonst fand ich nichts; aber ich fte'ttte mit dem Wirt fest, dah vor kurzem in den Ofen der Stube viel Papier verbrannt worden sein muh. Er war ganz voll schwarzer Asche, und ich suchte vergebens nach einem Stückchen Papier, das noch nicht ganz verbrannt war. Alles zerfiel; doch, wie gesagt, das war mir ein Beweis, dah Shre Tante, so lange sie noch dazu imstande gewesen ist, alles verbrannt hat, was etwas über ihre Person und über Sie, Käthe, hätte verraten können. <5ie muh 'also doch etwas auf dem Gewissen gehabt haben, und diesen Eindruck hatte ich ja auch, als sie mich rufen lieh unö mich bat, an Sie zu depeschieren. Mir kam die Frau damals fast unheimlich vor."
„Nichts!" murmelte Käthe, die den Brief in der einen Hand hielt. „Wie soll ich nun etwas erfahren?"
Der Förster sah ihr blasses Gesicht, ihre verstörten Augen. Er fühlte ttefes Mitleid mit ihr, und leise sagte er:
„Wenn Sie auch anscheinend feine Verwandten mehr haben, Käthe, so haben Sie doch treue Freunde — uns! Wir werden Shnen von Herzen gern helfen, und wenn Sie hierbleiben wollen, so finden Sie bei uns eine neue Heimat."
„Nein, nein!“ stieß Käthe hervor. „Sch kann nicht hierbleiben — ich will fort!"
„Das verstehe ich ganz gut; denn Sie haben hier gewiß nicht viele frohe Tage verlebt, und außerdem ist doch auch hier keine Gelegenheit für Sie, sich einen Berus zu suchen. Sie müssen in eine Stadt — vielleicht nach Hamburg ober nach Lübeck —, wo Sie sich leicht eine Existenz gründen können, wenn Sie etwas Geld haben. Sch werde natürlich das Häuschen so gut wie möglich verkaufen."
Käthe Femau erwiderte nichts, empfand nicht einmal, daß sie dem freundlichen Manne hätte danken müssen; aber der nahm es ihr nicht übel. Er sah ja, wie verstört sie war, und um sie ab- zulenken, fragte er:
„Sie waren in England, Käthe. Haben Sie sich vielleicht dort um eine Stellung bemüht?"
Da zuckte sie zusammen und schaute ihn mit einem Blick an, den er jetzt nicht verstand, an den er aber später erinnert werden sollte.
Was war denn nur in seiner Frage gewesen, dah sie ihn so anschaute?
„Nein — ich — ich war eingeladen worden", stammelte Käthe.
Sie fürchtete, daß er nun weiterfragen würde;
bereitungen und legte als Festtag den 22. Sunt 1930 fest.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
O Domholzhau fen, 5. Oft. Dieser Tage wurde durch die Kreisstraßenbauverwaltung das Obst auf dec Provinzialstraße Wetzlar- Butzbach öffentlich meistbietend versteigert. Trotzdem der Verkauf nur gegen Barzahlung erfolgte, hatte sich eine große Anzahl von Käufern, besonders auch aus der Stadt Wetzlar, eingefunden. Sn der Hauptsache kamen Aepfel zur Versteigerung. Dirnen wurden nur in geringem •Umfange verkauft. Cs wurden durchschnittlich erlöst für 1 Zentner: Goldparmänen am Baum 3 bis 4 Mark, Schöner von Dosloop 6 bis 7 Mk., Rheinischer Dohnapfel 4 bis 5 Mk., Schafsnase 3 bis 4 Mk., Kelteräpfel 1 bis 2 B7r. Dec Durchschnittspreis für Dirnen betrug 2 bis 3 Mk. je Zentner am Daum.
<> Oberkleen, 5. DEL Der Bezirkskriegerverband Hüttenberg hielt dieser Tage in der Gastwirtschaft Reuter seine diesjährige He r b st o e r sa in m l u n g ab, die von. den Ver- bandsmitgliedern zahlreich besucht war. Die Versammlung fand unter Leitung des Vorsitzenden, Förster Große (Oberkleen) statt. Zunächst wurde über den Verlauf des in diesem Jahre in Dornholzhausen stattgehabten Verbandsfestes berichtet, wobei die Frage der künftigen Gestaltung des Verbands- festes eingehend erörtert wurde. Als Tagungsort für das nächstjährige Verbandsfest wurde Oberkleen bestimmt. Die angeregte Erhöhung des Verbandsbeitrages wurde abgelehnt.
Raubüberfail
auf einen Kaffenboten.
Der Täter schießt auf seine Verfolger.
(WSN.) Frankfurt a. M., 5. OIL Der Kassenbvte einer hiesigen Firma ist allwöchentlich mit einer größeren Summe Lohngelder nach Aschaffenburg unterwegs. Einem Verwandten von ihm war dies bekannt. Er stellte sich gestern am Ostbahnhof auf und wartete auf den Kassenboten. Durch Anlegen eines Verbandes über die untere Gesichtshälfte und durch Anbringen eines falschen Bartes hatte er sich unkenntlich gemacht. Als der Kassenbote der Straßenbahn entstiegen war und nach dem Bahnhof zu ging, überfiel er ihn von hinten, schlug ihn zu Boden, entriß ihm die Aktentasche und suchte mit seiner Deute auf dem schnellsten Wege zu entkommen. Auf die Hilferufe des Lieberfallenen nahmen Passanten die Verfolgung des Täters auf. Dieser gab auf seine Verfolger aus einer Pistole zwei Schüsse ab, zum Glück ohne zu treffen. Er wurde eingeholt, f e st genommen und von seinen Verfolgern gehörig verprügelt. Dank der Llmsichtigkeit des Publikums konnte der Täter der Polizei übergeben und die Deute in Höhe von 3000 Mark dem LI e b e r f a Ue ne n zurückgegeben werden. Während der Festgenommene noch am Doden lag, wurde ihm von einem jungen Mann die Pistole abgenommen, der unerkannt mit der Pistole verschwand. Dieser junge Mann ist zirka 22 Sahre alt, 1,60 Meter groß, ohne Dart, und trug eine dunkle Mütze. Dec Festgenommene erklärte, dah die Pistole nur eine Schreckpistole gewesen sei. Der unbekannte junge Mann wird aufgefordert, sich zu mcl . ? i und die Pistole bei der Polizei abzuliefern, i a sie im Snteresse des Festgenommenen bei der Untersuchung von Dedeutung ist.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.
aber da er sah, wie unangenehm sie berührt worden war, so lenkte er ab.
„Haben Sie sonst schon Pläne für Shre Zukunft? Können Sie etwas, womit Sie sich Shv Drot verdienen würden?"
„Sch? Ach, wo soll ich denn etwas gelernt haben?" stieß sie hervor, und nun stürzten Tränen aus ihren Augen. Die quälende Spannung in ihr verschaffte sich Luft, und sie weinte so bitterlich, daß Edelmann nicht anders konnte: er muhte ihr über das blonde Haar streichen und über ihre zitternden Hände, und dabei sprach er ihr Trost zu, wie sein gutes Herz ihn fand.
Doch Käthe konnte sich nicht beruhigen, und so muhte er sich endlich entschließen, sie allein zu lassen.
Leise stand er auf und ging zu seiner Frau, um ihr alles zu erzählen, und sie sagte ihm, daß er recht gehandelt hätte.
„Sie muh allein mit sich fertig werden!"- meinte sie. „Mit der Zeit wird sie vergessen, was hinter ihr liegt, und schließlich wird sich doch ein Mann finden, der sie an sein Hernimmt. Dann wird alles gut werden."
So kam der Tag, an dem Frau Wohllebe begraben wurde. Der Pfarrer sprach am offenen Grabe davon, daß die Verstorbene zwar eine menschenscheue, harte Frau gewesen sei, daß sie aber doch nicht ganz ohne Liebe gewesen sein konnte, da sie sich eines verwaisten Kindes angenommen und es grohgezogen habe. Er rühmte das und ahnte nicht, wie weh er damit Käthe tat.
Endlich war alles vorüber.
Käthe hatte zwar weinen müssen; aber nicht aus Trauer um die Tote, sondern über sich selbst, über ihr junges Leben, das ohne Glück gewesen war, seit sie denken konnte, und wohl ohne Glück bleiben würde. '
Sie dachte an Derndt Klausen.
Wäre er jetzt gekommen und Hütte sie an sein Herz gezogen, sie wäre froh gewesen; war er doch der einzige, zu dem sie nun flüchten konnte.
Aber auch Demdt Klausen war tot. Die Millionenstadt an .der Themse hatte ihn verschlungen, und Käthe hatte keine Ahnung, wo sie nach ihm forschen sollte.
Die Forstersleute ließen sie wieder allein; aber am zweiten Tage nach dem Degräbnis tarn Edelmann zu ihr und brachte ihr den Erlös aus dem Häuschen: zweitausend Mark.
„Damit können Sie schon etwas anfangen", sagte er herzlich. „Und wenn Sie je in Not kommen sollten, so wissen Sie ja hoffentlich nun, wo Sie Hilfe finden können, Fräulein Käthe. Sie werden uns jederzeit herzlich willkommen sein."
Käthe nahm das Geld und bedankte sich
Sie weinte bitterlich als sie von den guten Leuten schied, und war doch froh, daß sie fort konnte.
(Fortsetzung folgt.)


