staats Hessen hielt am Samstag in Frankfurt seine diesjährige ordentliche Hauptversammlung ab. Besonders eingehend wurde über den Stellenplan, der im abgelaufenen Jahr zur Durchführung gekommen ist, beraten, Es wurde manche Lücke festgestellt, die für die nächste Zeit Gegenstand der Tätigkeit des Verbandes sein wird. Von feiten der hessischen Regierung dürften Schwierigkeiten gegenüber den Forderungen der oberen Baubeamten- fdjaft Hessens nicht zu erwarten sein. Die weitere reichhaltige Tagesordnung erforderte, langwierige Beratungen. Die bisherige Verbandsleitung wurde wiedergewählt.
Abschluß der Hekoga mit der Duhrgas-A.-G. in Gicht.
D a r m st a d l, 6. Mai. Der Aufsichtsrak der hekoga beschäftigte sich heute nachmittag bis in die späten Abendstunden mit den verschiedenen Angeboten, die für die Gasversorgung des Gebietes der hekoga vorliegen. Heber die Sitzung wurde folgender Bericht ausgegeben: Rach eingehenden Verhandlungen über die vielen Möglichkeiten zur Deckung des im Versorgungsgebiet der hekoga bestehenden Gasbedarss kam der Aufsichtsrat der hekoga heute abend in seiner Mehrheit zu der Ausfassung, daß das von der Ruhr- g a s - A. - G. gemachte Angebot den Vorzug verdient. Der Aufsichtsrat beantragte demgemäß, die Generalversammlung der hekoga möge beschlie- szen: Der Aufsichtsrat wird bevollmächtigt, m i t der Ruhrgas -A.-G. in Endverhandlungen einzutreten und hiernach der Generalversammlung den Vertrag zur Genehmigung vorzulegen.
Die Generalversammlung dürfte Anfang 3uni stattsinden.
Oie hessische Sozialdemokratie zur Gasfernversorgung.
WSN.Frankfurt a.M., 6.Mai. Gestern fand hier eine Konferenz der sozialdemokratischen Gemeindevertreter Hessens statt, die sich mit der Gasvsrsorgungsfrage Hessens beschäftigte. Allgemein wurde ein Vertrag der hekoga mit der Ruhrgas-A. - G. n b g e l e h n t und entweder E igenerzeugung, oder der Gasbezug von Frankfurt gefordert. Einstimmig wurde eine Entschließung gefaßt, in der dem Aufsichtsrat und der Generalversammlung der hekoga empfohlen wird, unter Ablehnung anderer Vorschläge eine Lösuna zu suchen, die 1. die gemeinwirtscha'stliche Gasversorgung garantiert, 2. die hekoga an der Erzeugung beteiligt.
Kreistag in Büdingen.
• Düdingen, 6. Mai. Am Samstag fand unter dem Dorsitz des Kreisdirektors Dr. Gähner die diesjährige ordentliche Sitzung des Kreistages des Kreises Du dingen im Kreisamtsgebäude statt.
Zunächst wurde die durch ein Kreisausschuhmitglied vorgeprüfte Rechnung der Kreis- lasse, sowie des Kreiskinderheims für 1927 Rj. vorbehaltlich der Prüfung durch die Oberrechnungskammer genehmigt und dem Kreiskasserechner Entlastung erteilt. — Der von dem Dorsitzenden in seinen wichtigsten Punkten vorgetragene Derwaltu ngsbericht wurde gebilligt und den darin aufgeführten Kreditüberschreitungen die Genehmigung erteilt.
Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf den Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben des Kreises im Rechnungsjahr 1929, nebst den Sondervoranschlägen für das Kreiswohlfahrtsamt und Kreisjugendamt sowie das Kreiskinderheim Bingenheim. Während der
vorjährige Voranschlag in Einnahme und Ausgabe der Abteilung A mit 474 319 Mk. abschloh, gleicht sich der diesjährige Voranschlag der Abteilung A in Einnahme und Ausgabe mit 493 700 Mark aus. Die Mehrausgabe von 20 000 Mark entstand durch erhöhte Ausgaben für Wohlfahrtspflege, die wieder durch erhöhte Einnahmen ausgeglichen werden. Infolge des günstigen Rechnungsabschlusses für 1927 konnte die Kreis- Umlage um 1 0 000 Mark gesenkt werden. Rach der rubrikenweisen Durchberatung brachte der Vorsitzende den Gesamtvoranschlag, sowie die vom Kreisausschuh festgesetzten Steuer- ausschlagssähe zur Abstimmung. Letztere, sowie der Gesamtvoranschlag, der in Einnahme und Ausgabe mit 511 619,46 Mk. balanciert, wurden einstimmig angenommen.
Der Antrag, den Beitrag für die Gewerbeschulen Büdingen und R i d d a um je 1000 Mark zu Lasten des Reservefonds zu erhöhen, wurde mit 12 Stimmen Mehrheit einstimmig angenommen. Der Betrag von 1000 Mark für den Obstbauversuchsgarten in Büdingen und die Obstsortenreinzuchtstation wurde auf Antrag des Vorsitzenden belassen bis zur Beendigung des Feldbereinigungsverfahrens in Düdingen.
Die von dem Kreisausschuh für die endgültige Kreisgewerbesteuer 1928 Rj. festgesetzten Ausschlagssätze wurden einstimmig angenommen, ebenso wurde den Gemarkungsgrenzveränderungen in Fauerbach zugestimmt. Für das seitherige Mitglied des Kuratoriums des Kreiskinderheims Bingenheim, Pfarrer Bühler, wurde dessen Rachfolger, Pfarrer Weißger - 6er, bestimmt.
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
cf. Heuchelheim, 6. Mai. Der älteste Einwohner Heuchelheims, Herr Heinrich Kreiling, im weiten Umkreis unter dem Ra- men „Treppches Hennerich" bekannt, feiert morgen, am 7. Mai, in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 8 8. Geburtstag. Der Jubilar ist Junggeselle und lebt bei seinem Reffen, dem Besitzer des Gasthauses „Zum Treppchen". Er ist der einzige noch lebende Heuchelheimer Kriegsteilnehmer von 1870/71.
□J Lollar, 6. Mai. Durch Beschluß des Gemeinderats ist bestimmt worden, daß vom 1. Mai ab dieverstorbenen BürgerunsererGe- meinde bis zur Bestattung nicht mehr im Trauerhause verbleiben dürfen, sondern nach der L e i ch e n- balle a u f dem Friedhof zu überführen sind. Die Bestattungen erfolgen künftig von der Leichenhalle aus. Der Beschluß des Gemeinderats wird mit Behinderung des Straßenverkehrs durch die Trauerzüge begründet. Das Evangelische Pfarramt hat sich entschlossen, auf Wunsch der Hinterbliebenen der Verstorbenen vor der Ueberführung der sterblichen Uederreste nach der Leichenhalle eine Trauerandacht im Familienkreise mit Einsegnung der Leiche abzuhalten.
+ Grünberg, 6. Mai. Am Sonntag fand in der hiesigen Volksschule im Beisein der Prüfungsmeister, Lehrherren und des Vorstandes des Gewerbeoereins die feierliche Ueberreichung der 1 Gesellenbriefe statt. Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Lehrer We*nzel, berichtete über das Ergebnis der Prüfung. Danach haben sämtliche 17 Lehrlinge die Prüfung mit Erfolg abgelegt, vierzehn mit der Note „Gut bestanden und drei mit der Note „Bestanden". Den Berufen nach waren es: vier Schreiner, zwei Zimmerleute, ein Wagner, ein Glaser, zwei Spengler und Installateure, zwei Schlosser, zwei Weißbinder, zwei Metzger und ein Schneider. Nach Anfertigung der Gesellenstücke und Ausführung einer Arbeitsprpobe war vor vierzehn Tagen die theoretische Prüfung abgehalten worden. Dabei wirkten neben den Prüfungsmeistern Gewerbelehrer K r ö h l e und Berufsschul-
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Vornan einer Nacht
Don Paul Nosenhayn.
22 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Rordfeldgasse 411"
Sie zog den kleinen goldenen Füllfederhalter, nahm das Bild, das ihr der Kleinere der beiden gegeben hatte, und schrieb mit fester Hand quer über die Photographie
Fedor Sokoloff.
Keiner der beiden hatte es bemerkt; sie konstatierte es mit wachsender Empörung.
Die Tür ging auf; jemand schaute herein. Vielleicht der Staatsrat, vielleicht irgendein Fremder. 3n dem Zug, der durch den Raum ging, flatterte das Bild auf den Tisch.
Die Tür öffnete sich von neuem; ein Diener trat ein, mit Biskuiten.
Schweigend saßen die drei nebeneinander.
„Ähr Wohl!" sagte Marcelle und hob das Glas.
Mit einem schrägen Blick sah sie auf die beiden.
Das Bild lag vor Linda auf dem Tisch. Wenn sie den Kopf wandte, muhte es ihr in die Augen fallen; das Bild und der ominöse Ramenszug:
„Fedor Sokoloff".
Linda machte eine Bewegung zur Rechten; im gleichen Augenblick bedeckte ihr Arm die Photographie. Sie sah zärtlich auf Fedor, bann, in der höflichen Absicht, auch Marcelle ins Gespräch zu ziehen, wandte sie sich zur Linken.
Das Bild lag frei vor ihr auf dem Tisch.
Der Diener präsentierte Zigaretten; Sokoloff öffnete die „Queen"-Schachtel. — Der Diener griff nach dem elektrischen Feuerzeug an der Wand und nahm einen Aschbecher vomRebentisch.
Marcelle wandte den Kopf.
Der Aschbecher stand auf dem Bild.
»Lassen Sie die Zigaretten hier," sagte Marcelle; sie bot Linda an; Linda schüttelte dankend den Kops.
Marcelle nahm eine Zigarette; höflich bot Sokoloff das Feuerzeug.
„Wollen Sie die Güte haben, mir den Aschenbecher zu reichen?"
„Bitte."
Er nahm die Kristallschale herüber.
Wieder lag das Bild frei.
Unausgesetzt blickte Marcelle auf Linda. Sokoloff sah lächelnd vor sich nieder, als ob ihn dieser ganze erbitterte, schweigende Kampf nicht interessiere. Als ob nicht dieses kleine Blatt Papier, daS zwischen diesen beiden Frauen auf dem Tische lag, fein Schicksal bedeutete.
Plötzlich spürte Marcelle, wie sie die Rerven verlor. „Was ist das für ein Bild?" fragte sie mit heiserer Stimme.
Linda wandte sich mit lässiger Reugier $ur Seite — mit der Bewegung ihres Armes ft reifte sie das Bild vom Tisch, das flatternd, die Bildseite nach unten, auf den Boden fiel.
Linda sah verständnislos auf Sokoloff, sie sah fragend auf Marcelle; Marcelle erhob sich, ging um den Tisch herum, bückte sich und nahm das Bild auf.
„Ihr Bild?" fragte Linda erstaunt, indem sie sich zu Sokoloff wandte.
Marcelle legte die Photographie in das Helle Licht der maurischen Ampel. Sie sah gespannt auf den Ramenszug, der quer über das Bild lief. Auch Linda hatte ihn erblickt. Sie nahm das Bild in die Hand und schüttelte den Kopf.
Der Ramenszug hatte sich in der Feuchtigkeit des verschütteten Sekts aufgelöst. Er war unleserlich geworden.
Marcelle sah auf das Bild; ihr Blick lief hinüber zu Linda, heftete sich mit einem finsteren Lächeln auf ihre Züge, auf ihr blondes Haar, auf dem der funkelnde Widerschein der bunten Ampel spielte; sie sah das glückliche und sieghafte Lächeln der Liebe in ihrem Gesicht — und sie blickte hinüber zu Fedor Sokoloff, der ihr aufmerksam, mit einem freundlichen, ein wenig müden Interessse entgegensah. Ihr Lächeln verstärkte sich. Sie hörte den Schritt irgendeines Ankömmlings, der vor der Tür stockte. Sie wußte, daß im nächsten Augenblick irgend etwas Entscheidendes geschehen würde, was dieses gleichgültige und spöttische Glimmen in Sokolofss Augen verschwinden machen würde. Sie wandte den Kops zur Tür. Alle wandten den Kopf zur Tür.
Es war der Hausherr. Der Staatsrat Krenh. Er machte eine entschuldigende Verbeugung gegen die Damen und sagte, schläfrig auf Sokoloff blinzelnd:
„Eine Dame wartet draußen. Sie möchte Sie in einer eiligen Angelegenheit sprechen."
Sokoloff erhob sich in feiner gelassenen Art; jede seiner Handlungen wirkte, als ob er den anderen eine Gefälligkeit erweise.
Die beiden Herren gingen hinaus; die Tür schloß sich hinter ihnen; die Frauen blieben allein.
„Er ist ein interessanter Mann. Richt wahr?" fragte Marcelle.
Linda nickte; sie spürte aus der Stimme, aus dem Blick der andern, das Vibrieren der Eifersucht
„Er ist nicht nur interessant. Er ist auch schön," fuhr Marcelle fort. „Es gibt wenig Männer, bie bas eine und zugleich bas andere sind."
„Gewiß," sagte Linoa höflich, sie empfand dies Gespräch wie ein körperliches Unbehagen.
„Er hat Glück bei Frauen." Marcelle nahm lächelnd bas feuchte Dilb vom Tisch unb knüllte es zusammen. „Die Dame, zu der er jetzt geht,
lehrer Gengnagel mit. In seiner Ansprache an bie Junggesellen betonte der Vorsitzende, daß auch die Gesellenzeit noch ber Weiterbildung und Vervollkommnung im Berufe bienen müsse, denn nur ein tüchtiger, praktisch und theoretisch ausgebildeter Handwerker sei imstande, unter den jetzigen schmierigen wirtschaftlichen Verhältnissen sich später als Meister in seinem Berufe selbständig zu machen und sein Auskommen zu finden. Im Namen des Gemerbeoereins richtete der Vorsitzende, Schlosser- meister Heinrich Schmidt, ebenfalls beherzigende Worte an die Prüflinge. Mit Handschlag und Geloben treuer Pflichterfüllung seitens der Junggesellen überreichte der Vorsitzende des Prüfungsausschusses die Gesellenbriefe.
s. Utphe, 6. Mai. Eine auffallende Erscheinung ist es, daß hier sowohl, wie in der Umgebung allgemein über äußerst geringe Brutergebnisse bei der Gänsezucht geklagt wird. So haben zwei hiesige Landwirte aus vierzehn bzw. zehn Eiern nur je e i n Gänschen erhalten. Eine andere Gans hat ein Gelege von vierzehn Eiern gänzlich verdrillet. Bei den übrigen liegen die Ergebnisse häufig um 50 v. H. Diese Erscheinung ist „ wohl auch auf bie außergewöhnliche Kälte zurückzuführen. Infolgedessen stiegen in unserer Gegend die Preise für junge Gänse in kurzer Zeit von 1,40 auf 2 Mark. Irn übrigen steht bie Gänsezucht hier auf hoher Stufe. Die Gemeinde hält einen Gänsehirten unb hat unter nicht geringem Ko- stenauswanb eine große umzäunte Gänseweibe mit Wasserplatz Herrichten lassen.
Kreis Alsfeld.
Alsfelb, 6. Mai. Am Sonntagvormittag fanb die Einweihung des im Hofe der hiesigen Oberrealschule errichteten Ehrenmals für die gefallenen Lehrer und Sch ü- ler ber Alsfelber Oberrealschule statt, unter zahlreicher Beteiligung ehemaliger Schüler bet Anstalt unb ber hiesigen Bevölkerung. Rach einleitenben Musik- unb Gesangsvorträgen hielt der Vorsitzende des Vereins ehemaliger Alsfelder Real- unb Oberrealschüler, Bürgermeister a. D. Frank, Alsselb, bie tief empfundene Gebächtnisrede, die in ein Hoch auf bas deutsche Vaterland mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandsliebes ausklang. Als- bann wurde das Denkmal enthüllt, worauf die Geistlichen der beiden christlichen Konfessionen, sowie der Lehrer ber israelitischen Religionsgemeinde in entsprechenden Ansprachen die Bedeutung der Feier und des Tages würdigten. Bürgermeister Dr. V ö l s i n g nahm das Ehrenmal in Schutz und Obhut der Stadt Alsfeld, wobei er in zu Herzen gehenden Worten ber gefallenen Lehrer unb der jungen Helden gedachte, sie als ein Vorbild treuester Pflichterfüllung unb als ein leuchtendes Vorbild für bie kommenden Geschlechter bezeichnete. Das neu geschaffene Ehrenmal sei ein Zeichen echter, deutscher Kameradschaft. Darauf folgten Kranzniederlegungen durch den Vorsitzenden des Vereins ehemaliger Alsfelder Realschüler unb Oberrealschüler, Bürgermeister a. D. Frank, sowie für die Stadt Alsselb durch Bürgermeister Dr. V ö I * fing unb namens der Oberrealschule durch deren Direktor, Dr. Hainer. Der gemeinsame Gesang des Liedes „Ich halt' einen Kameraden" bildete den Schluß ber recht stimmungsvollen; unb würdig verlaufenen Feier. Das Denkmal ist von dem bekannten oberhessischen Künstler A r - nolb in Allenborf a. b. Lba in Muschelkalk ausgeführt unb zeigt eine schlichte, sehr eindringlich wirkende architektonische Gestaltung in Form einer Gruppe in den Krieg hinausziehender Jünglinge unb Männer in großen Relieffiguren. Don dem Lehrerkollegium sind drei Mitglieder im Weltkriege gefallen, von 33 Schülern der Anstalt sind 13 auf dem Felde der Ehre geblieben. Abends fand im „Deutschen Hause" ein zwangloses geselliges Zusammensein der ehemaligen Schüler der Anstalt statt.
Starkenburg.
WER. O s s e n b a ch a. W., 6. Mai. Montagnachmittag geriet eine junge Radfahrerin namens Gertrud Reiter in der Straße der Republik zwischen einen Lastwagen einer Vilbeler Firma, ber mit Ziegelsteinen belaben war, unb den Bürgersteig. Durch irgendwelche Umstände muß die Radfahrerin zu Fall gekommen sein. Sie wurde dabei von einem Hinterrad des Anhängerwagens über den Ko pf gefahren, so daß der Tod des Mädchens auf ber Stelle eintrat.
Preußen.
Oer 4000fte Student an der Ltmversität Marburg.
WSN. Marburg, 6. Mai. Heule morgen hat sich der 4 0 0 0. S t u d e n t der Unioerfität Marburg immatrikulieren lassen. Es handelt sich um den Studenten P i t r o ch aus Dinslaken. Die Zahl von 4000 Studenten bedeutet 1000 mehr als im vorigen Jahr.
Dillkreis.
WSR. Dillenburg, 6. Mai. Innerhalb kurzer Zeit ist das Dors B r e i t s ch e i d zum drittenmal von einem großen Brand heimgesucht worden. Gestern nachmittag wurde das Anwesen ber Kriegerwitwe Dienst burch ein Groß- feuer bis auf bie ©runbmauern zerstört. Auch bie am Wohnhaus stehenbe Scheune brannte vollständig nieder. Rur mit äußerster Mühe konnten Vieh unb Inventar gerettet werden.
Maingau.
WSR. Frankfurt a. M., 6. Mai. Heute morgen gegen 8 Uhr wollte sich ber Sohn des Bad Homburger Fischhändlers Pfaffenbach nach seiner Frankfurter Arbeitsstelle begeben. Am Bonameser Berg versuchte er mit seinem schweren Motorrad einen vor ihm fahrenden Kraftwagen zu überholen. In rasender Fahrt geriet er in eine unebene Stelle des dortigen schlechten Stratzenpflasters, stürzte und überschlug sich mehrmals. Mit schweren Schädelverletzungen wurde er in ein Frankfurter Krankenhaus verbracht, wo er gestorben ist. — In der letzten Zeit wurden wieder eine ganze Reihe Wohnungseinbrüche in Parterrewohnungen ausgeführt, bei denen den Einbrechern beträchtliche Bargeldbeträge in die Hände gefallen sind. Die Einbrecher sind fast immer von ber Gartenober Hofseite der Häuser in offenstehende Fenster eingestiegen. In vielen Fällen haben sie aber auch mit einem Glasschneider die Fensterscheiben angerissen und bann eingeschlagen.
Äon der Kriegsgräberfürsorge.
Das Maihesl ber „Kriegsgräberfürsorge" bringt einen eindrucksvollen Ueberblick über bie bieS- jährige Feier des Volkstrauertages im Auslande. Es gibt jetzt wohl kaum noch eine deutsche Gemeinde, in der nicht in irgendeiner Form der Tag gefeiert wird. In Oesterreich und Ungarn, in Rumänien und Siebenbürgen, in Jugoslawien, in der Schweiz, in Italien, Spanien und Portugal, in Frankreich, Belgien, Dänemark, Rußland, Rordamerika, Argentinien, Aegypten, Palästina, Afrika, Japan, China und wo überall Deutsche leben und wirken, ist der Volks tr auer t ag Künder von deutscher Treue, deutschem Glauben unb ber Einigkeit beutschen Gefühlslebens. Der Bolkslrauertag Hal es vermocht, bie Verbundenheit der Deutschen im Auslande mit ihrem Dalerlande wieder h:rzusteilen und ein starkes, geistiges Band zu schlingen um alles, was deutsch fühlt und denkt. Er hat auch diejenigen, die ihrem Volke zweifelnd gegenüberftan- ben, von neuem an bie unversiegbare Kraft ber Heimat glauben gelehrt!
wartet schon seit fast einer Stunbe auf eine Gelegenheit, mit ihm zu sprechen."
Unruhig werbend sagte Linda:
„Ich begreife die Dame nicht ganz. Sie hatte schließlich genug Möglichkeiten...“
Marcelle schüttelte den Kopf. „Es ist keine Dame der Gesellschaft. Sie ist hübsch unb jung. Zweifellos ist sie hübsch unb jung. Vielleicht ist sie eine Schönheit. Aber sie ist sicher keine mondäne Schönheit. Sie sieht aus, wie man sich etwa eine schöne junge Geliebte vorstelll."
Linda fühlte, wie die Unruhe in ihr wuchs. „Ihre Sehnsucht muh sehr groß gewesen sein."
„Ja," sagte Marcelle freundlich. „Wissen Sie, welchen Eindruck ich habe? Ich nehme an, daß sie feine Freundin ist: bah sie ihn auf einige Stunben beurlaubt hat, und bah sie gekommen ist, ihn zu holen, weil er seinen Urlaub überschritten Hal."
„So, so," murmelte Linda und sah der andern ins Gesicht.
„Wollen Sie mich übrigens entschuldigen? Ich muh mich um Frau Sullivan kümmern. Sie wissen vielleicht von dem Unglück, das den Dampfer ,Eva Sullivan' betroffen hat? Ich fürchte, sie wird davon erfahren, wenn ich es nicht verhüte".
Die Tür fiel hinter ihr ins Schloh; Linda blieb allein. Sie erhob sich; ihr Herz schlug wie rasend. Sie fühlte! dieses Warten auf ihn war unerträglich. Was wollte Marcelle Krenh mit ihrer Andeutung? Wer war diese Frau, bie sich bas Recht anmahte, ihn aus ihrer Gesellschaft fortzurufen?
Sie muhte Gewißheit haben. Entschlossen riß sie die Tür auf und ging um das Halbrund des Saales zum Ausgang. Aus einer Ecke erschien eine verschlafene Zofe; sie lieh sich hastig den Mantel geben. Das Vestibül war leer, spärliches Licht flimmerte über der Freitreppe; offenbar dachte niemand an Aufbruch.
Während die Glastüren pendelnd hinter ihr zusammenschlugen, sah sie plötzlich die beiden vor sich; ein Auto stoppte knirschend vor dem Portal. Die zwei traten aus dem Halbdunkel des herbstlichen Gartens in das helle Licht ber Anfahrtrampe. Eben öffnete er bie Tür des Autos; seine Begleiterin toanbte sich lächelnd zu ihm herum; sie sprach ein paar Worte.
Linda starrte fassungslos mit fiebernden Augen auf die Frau, die dort, wenige Schritte von ihr, in den Wagen flieg.
Cs war Marcelle Krenh.
Der Schlag fiel hinter den beiden zu; augenblicklich zog der Wagen an.
Ein zweites Auto tauchte ratternd im Rund des Kieswegs auf und hielt vor dem Portal; mit Erstaunen erkannte Linda ihren eigenen Wagen.
„Run, Hansen?"
„Ich bin eben antelephonierl worden," sagte er erklärend, „in der Garage. Ich solle sofort kommen."
Einen Augenblick lang ging es ihr durch den Kopf: Wer mag telephoniert haben? Wer hat beobachtet, dah ich fortging? Welches Interesse halte er daran, mir den Wagen zu schicken? Aber eben verschwand das Auto dort vorn durch die erzene Parkpsorte, und sie sagte, erfüllt von furchtsamer und verzweifelter Hast:
„Fahren Sie jenem Wagen nach!"
Marcelle unb Fedor Sokoloff sahen schweigend im Halbdunkel des Fonds nebeneinander. Die Parkstraße war fast lichtlos; nur die beiden Strahlenbündel ber Scheinwerfer glitten auf dem feuchten Boden des blätterüberfäten Makadams leuchtend vor ihnen her.
„Run?" fragte Sokoloff endlich.
„Run?" fragte Marcelle zurück.
„Ich muß fast annehmen," sagte er, an ihr vorüber ins Leere blickend, „dah du mich aus dem Hause gelockt hast, weil du mich von Frau Linda Andersen fort haben wolltest."
Sie schürzte die Lippen. „Man hat Marsa Ermolieff wieder eingefangen," sagte sie langsam.
Er fuhr mit einem Ruck herum. „Marsa ®rmo- lieff?“ wiederholte er betroffen. „Woher weißt du das?"
Sie zuckte ungeduldig die Achseln. „Dah sie das Gericht nicht verlassen hatte, nicht verlassen haben konnte, stand von vornherein fest. Dah sie. im Hause sein muhte, stand außer Zweifel. Es war also nur eine Frage der Zeil. In Wahrheit: die Frage einer Stunde."
Sokoloff blickte nervös zur Linken. Hinter den Fenstern tat sich schweigend eine dunkle Wasserfläche auf, überlagert von grauen Rebeln.
„Der Sankt-Iörgens-See," sagte Marcelle.
„Wohin fahren wir?"
„Kannst du darüber im Zweifel sein?"
Er zuckte bie Achseln.
„Fast schien es, als wäre alles Suchen zwecklos. Als wäre Warfa Ermolieff dennoch aus bim Hause entkommen: trotz aller Wachen, trotz aller Mauern. Dann kam jemand, irgendein übereifriger Beamter, auf Öen Gedanken, in der Wohnung des Heizers zu suchen. Die anderen protestierten; der Heizer selbst schien tödlich beleidigt. Aber man suchte. Und man fand. In ber Kellerwohnung des Heizers hat man sie gefunden."
„Und was wird mit ihrer Schwester?"
„Ich fürchte, man wird sie vor Gericht stellen. Auf alle Fälle hat die Verhandlung gegen Maria Ermolieff aufs neue begonnen; der Präsident ist entschlossen, den Prozeß in dieser Rächt zu Ende zu führen."
„Wohin fahren wir?" fragte Sokoloff verbissen.
(Fortsetzung folgt.)


