Ausgabe 
7.5.1929
 
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Aus der provinzialhauptffadt

Gießen, den 7. Mai 1929.

Wilhelm Heinrich Riehl.

Don Or. 6. Walbrach.

Unter den vielen bedeutenden Männern, die in Gießen gelebt haben, nimmt Wilhelm Hein­rich Riehl einen hervorragenden Platz ein. Wenn er trotz seinem Wirken für die Wissenschaft und für unser Volk in weiteren Kreisen unserer Stadt ver. hältnismäßig wenig bekannt ist, so beruht das wohl darauf, daß er nur zweimal als Student hier ge­weilt hat. Das zweite Mal im Sommer 1844 wohnte er auf dem Schiffenberg; und deshalb soll gelegentlich der 800-Jahrfeier des Schiffenbergs im nächsten Jahr dort oben eine Gedenktafel für ihn, den großen Kulturhisto­riker und Begründer der deutschen Volkskunde, ent­hüllt werden.

Riehl wurde am 6. Mai 1823 als Sohn des her­zoglich-nassauischen Schloßverwalters in Biebrich ge­boren. Geschichte und Musik übten schon auf den Knaben ihre Wirkung aus; der Großvater lehrte ihn auf Wanderungen Natur und Volk beobachten. 1841 begann er in Marburg Theologie zu studieren: Dorfpfarrer war sein erträumtes Ziel. Dann hörte er Vorlesungen in Tübingen und in Gießen, wo der noch jugendliche stürmische Moriz Carriere ihn anregte, mit dem ihn später echte Freundschaft verbinden sollte. 9n Bonn setzte sich seine innere Wandlung durch: er sah nunmehr seine Lebensauf­gabe im Studium und der Darstellung unseres Vol­kes und seiner Gesittung. So kam er 1844 noch ein­mal durch Carriere angezogen nach Gie­ßen, um sich still auf seinen Beruf als freier Schriftsteller oorzubereiten. 1845 wurde er Mit­redakteur derFrankfurter Oberpostamtszeitung", 1847 derKarlsruher Zeitung", und das Sturmjahr 1848 führte ihn nach Wiesbaden, wo er die Leitung, des Hoftheaters übernahm. 1851 folgte er einem Antrag Cottas, in die Schriftleitung derAugs­burger Allgemeinen Zeitung" einzutreten. Gleich­zeitig begann er, der schon als Student Aufsätze ver­öffentlicht hatte, das zahlreiche, auf feinen vielen Wanderungen gesammelte Material zur Erforschung unseres Volkes, feiner Lebensbedingungen und Sit­ten und feiner Seele zu bearbeiten und schuf so seine Bücher:Die bürgerliche Gesellschaft" (1851), Land und Leute" (1853), worin er auch den V o - g e l s b e r g behandelte,Die Familie" (1855) und dasWanderbuch" (1869). Diese vier Schriften faßte Riehl später unter dem TitelNaturgeschichte des Volkes als Grundlage einer deutschen Sozial­politik" zusammen und gabals notwendige ^Er- gänzung^ dazu dieDeutsche Arbeit" heraus. Sein letztes Ziel ßabei war die Wissenschaft vom Volke. Das Studium des Volkes," so sagte er einmal, sollte aller Staatsweisheit Anfang fein und nicht das Studium staatsrechtlicher Snsteme ... Das Volk ist der Stoff, an welchem das formbildende Talent des Politikers sich erproben, das Volksleben das natürliche Element, dem er als Künstler Maß und Ordnung fetzen soll." In seinen kulturgeschichtlich­sozialpolitischen Büchern die beiden anderen Gruppen seiner Schriften, die musikgeschichtliche und novellistische, sind unten noch kurz zu erwähnen wollte er keine Lehrbücher, sondern Lesebücher schaffen, die, aus dem wirklichen Leben genommen, für das Leben bestimmt waren. Deshalb wandte er sich an das große Publikum, nicht an die Fach­gelehrten, schilderte er das soziale Volksleben und flocht Gedanken über politische Problem hinein. Er trieb Quellenstudien im Leben selbst: seine Methode warBeobachten und Bedenken", sein Ziel:Aus dem Leben fürs Leben".Und dafür war Riehl," wie es im Nekrolog in den Sitzungsberichten der bayerischen Akademie der Wissenschaften heißt,mit seiner eindringenden Schärfe der Beobachtung, sei­ner unbestechlichen Treue der Auffassung, seiner sel­tenen Feinheit des Urteils und vorurteilsfreien Wahrheit der Darstellung, insbesondere aber mit seiner Liebe zu seinem Volke berufen wie wenige. Aber es war Riehl nicht beschieden, die Zeit zu er- leben, daPolitik als angewandte Volkskunde' er­kannt wurde. Das bedeutet allerdings kein Urteil über feine Einschätzung der Volkskunde, veranlaßte jedoch ihn selber, von etwa 1860 ab Bücher anderer Art zu schreiben. Es erschienen 1859 seineKultur­studien" und 1869 sein schon erwähntesWander­buch", nachdem er denPfälzern" schon zuvor (1859) eine besondere Schrift gewidmet hatte: 1891 endlich brachte er seineKulturgeschichtlichen Charakter­köpfe" heraus und 1894 seineReligiöse Studien eines Weltkindes", die seine Lebenserinnerungen dar­stellen. Auch als Dichter hat Riehl sich betätigt. Er ist der Schöpfer der kulturgeschichtlichen Novellen (zuerst 1856 erschienen), die erlediglich in der Ab­sicht schrieb, den Lesern ein kleines Kunstwerk, einen behaglichen Kunstgenuß zu bieten", durch die er ober doch in glücklicher Weise das geschichtltch^Der- ständnis in unserem Volk vermehrt hat. ochon 1853 hatte König Maximilian II. ihn aus der Re- daktionsstube auf das Katheder berufen als Pro- feffor für Kulturgeschichte und Staatswissenschaft an der Münchener Universität, deren Rektor er zwei- mal gewesen ist. Seit 1860 las er auch über die Lehre von der bürgerlichen Gesellschaft und die Geschichte der sozialen Theorien, worin erwifsenschaftllch planvoll die Idee der Gesellschaft entwickelte und da- mit zuerst die Sozialwissenschaft an der Münchener Universität einführte." Bereits 1861 wurde er jum Mitglied der bayerischen Akademie der Wissenschaf­ten gewählt und 1885 übernahm er neben seiner Lehrtätigkeit an der Universität und als Professor für Musikgeschichte am Konservatorium das Amt des

Direktors des bayerischen Nationalmuseums und Ge> neralkonservators der Kunstdenkmäler und Alter­tümer Bayerns und führte cs bis zu seinem, am 16. November 1897 erfolgten Tod Das Wandern durch die deutschen Gaue war ihm die Quelle zur Erkenntnis des Volkslebens gewesen: so wurde es ihm auch von 1871 ab ein Weg, sein Wissen wei­teren Volkskreisen mitzuteilen: er wurde mit seinen rund 300 Vorträgen in den verschiedensten Städten der erste namhafte Vertreter des wissenschaftlichen Wanderoortrags.

Die Bedeutung Riehls, dieses alle Lebenserschei­nungen umfassenden Geistes, beruht heute vor allem darauf, daß man ihn neben seiner großen kultur­geschichtlichen Tätigkeit, oder besser: im Zusammen­hang damit denBegründer der deutschen Volkskunde" nennen darf. Es ist das Merk­zeichen bahnbrechender Führer in der Wissenschaft, daß sie neue Forschungsweisen erschließen. Und darin liegt das Geniale bei ihm, daß er das getan hat. Er hat uns gelehrt, mitten im Volksleben die Kunde der Vergangenheit abzulauschen, Sitte und Seelenleben unseres Volkes für unsere geschichtliche Betrachtung zu verwerten und diese dadurch zu be­reichern und zu vertiefen. Riehl wollte das gegen­wärtige deutsche Volksleben verstehen: den heutigen Bauer, Bürger, Adeligen, Proletarier. Kultur­geschichte bildete für ihn zwar nicht das Ziel, aber doch wesentliche Grundlage volkskundlicher Er­kenntnis". Für ihn bedeutete Volkskunde er selber hat: Naturgeschichte des Volkes gesagt daß er zu­erst das lebendige Volk, dann erst die gedruckten Quellen aufsuchen wollte. Mit feinstem Verständnis faßte er alle Lebensäußerungen der einzelnen Dolks- ftämme, der einzelnen Stände und ^Berufe, der ein­zelnen Landschaft so daß man in übertragenem Sinn von einer individuellen Methode sprechen kann, die auf ein Allgemeines gerichtet ist in sich auf, um zuletzt", wie Professor Koch (Gießen) sagt, alle Besonderheiten zusammenzufassen zu jenem reichen Gesamtbild, in demVolk" sich offenbart als das große Kunstwerk der Geschichte." Sein ganzes Wirken entspricht seinem Leben: ein Mann aus einem Guß, eine echt deutsche Persönlichkeit, deren Liebe zu seinem Volk vielleicht nichts besser aus­drückt als sein Losungswort für alle volkstümliche Wirksamkeit:Für das Volk ist nur das Beste gut genug.

Daten für Mittwoch, 8. Mai.

Sonnenaufgang 4.20 Uhr, Sonnenuntergang 19.33 Uhr. Mondaufgang 4.06 Uhr, Monduntergang 18.41 Uhr. n ,

1429: Etnzug der Scanne d'Arc in Orleans: 1794: der französische Chemiker Laurent Lavoisier in Paris gestorben (geboren 1743); 1803: der Chemiker Justus Freiherr von Liebig in Darmstadt geboren (gestorben 1873).

Gietzener Wochennrarrtpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stuck 60 bis 1,40; Butter Pfund 1,80 bis 1,90; Matte 30 bis 35; Wirsing 20 bis 30; Weißkraut 20 bis 30; Rotkraut 20 bis 30; gelbe Rüben 20 bis 25; rote Rüben 20 bis 25; Spinat 30 bis 40; Spargel 90 bis 1,40; Unter-Kohlrabi 10 bis 12; Erbsen, neue grüne, 80; Feldsalat 1,50 bis 2,00; Tomaten 80 bis 1,20; Zwiebeln 20 bis 25; Meerrettich 50 bis 1,20; Schwarz- wurzeln 40 bis 80; Rhabarber 40 bis 50; Kar­toffeln 6; Aepfel. ausl., 40 bis 80; Aepfel, inl., 30 bis 40; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,20 bis 1,30; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Russe 70 bis 80; Tauben Stück 80 bis 90; Eier 11 bis 12; Blumenkohl 70 bis 1,50; Salat 20 bis 40; Salatgurken 80 bis 1,00; Ober- Kohlrabi 50; Lauch 10 bis 20; Rettich 40 bis 60; Sellerie 20 bis 1,00; Radieschen Bund 20 bis 25; Kartoffeln Zentner 5,50.

BornoLizen.

TageskalenderfürDienstag. Volks- Hochschule: Einführungsabende, Hörsaal 53, 2. Stock. HeimatvereinigungSchiffenberg": Versammlung, 6 Uhr nachmittags, im Hotel Köhler. Electrola- Konzert in der Universitätsaula, 20 Uhr. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Die Geliebte Sr. Hoheit". Astoria-Lichtspiele:Mit Pferd und Lasso".

Volkshochschule. Wir weisen auf die mor­gen (Mittwoch) beginnenden KurseGoethe" und Schwererziehbare Kinder" an dieser Stelle nochmals hin. (Siehe heutige Anzeige.)

** Vandalismus in Personenzügen. 3n der letzten Zeit mehren sich die Fälle, daß in Personenzügen während der Fahrt Fenster­scheiben zertrümmert, Vorhänge zerrissen und die Lederriemen an den Fenstern abgeschnitten werden. Es ist auffällig, daß sich diese Vor­kommnisse in ganz bestimmten Zügen wieder­holen. Die Eisenbahn läßt nunmehr diese Züge besonders überwachen. Die Täter müssen sich vergegenwärtigen, daß die Reichsbahn im Falle ihrer Feststellung strafrechtlich gegen sie vor- geht und sie auch zum Schadenersatz heranzieht. Das Publikum wird gebeten, bei Beobachtung sol­cher Fälle den nächsterreichbaren Babnbeamten zu benachrichtigÄi, damit dieser die Feststellung der Personalien vornehmen kann.

** Die Paratyphuserkrankungen in > unserer Stadt, über die wir kürzlich berich­teten, haben sich seit jener Meldung erfeulicherweise nicht erheblich vermehrt. Seit einer Woche ist kein neuer Fall bekannt geworden. Insgesamt waren bisher 19 Personen als erkrankt gemeldet. Zum Glück ist bis jetzt kein Todesfall zu verzeichnen. Angesichts dieser Sachlage liegt zu einer Beunruhi- > gung der Bürgerscl)aft nicht der geringste Grund vor.

* EineSelbsthilfe-Notgemeinschaft stellenloser Kaufleute und techni­scher Angestellten, die schon seit langer Zeit ohne Stellung sind und zum Teil bereits aus der Erwerbslosenfürsorge ausgesteuert wur­den bzw. unmittelbar vor der Aussteuerung stehen, hat sich hier gebildet, um ihren Mitglie­dern durch Beschaffung von Erwerbsmöglichkeiten zu helfen. Die Rotgemcinschaft will damit er­reichen, daß ihre Mitglieder nicht dem Wohl­fahrtsamt zur Last fallen. In unserem heutigen Anzeigenteil ergeht ein Ausruf an die Bürger­schaft, in dem aufgefordert wird, die Selbsthilfe- Rotgemeinschaft durch Zuweisung von Aufträgen zu unterstützen. Wir empfehlen diesen Ausruf der Beachtung unserer Mitbürger aufs drin­gendste. Räheres in der Anzeige.

** Arbeitsjubiläen im Gaswerk. Am heutigen Dienstag, 7. Mai, kann der Ofengasarbei­ter und Dampfkesselheizer Christoph Hoff­mann aus Rödgen auf seine 40jährige Tätigkeit im städt. Gaswerk zurückblicken. Am morgigen Mittwoch, 8. Mai, kann der Installateur und Kassen­bote Karl Hahn ebenfalls die Feier seiner 40jährigen Tätigkeit im Gaswerk begehen. Beide Iubilare erfreuen sich der größten Wertschätzung seitens ihrer Vorgesetzten und der Arbeitskollegen. Das hessische Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, der Kreisdirektor des Kreises Gießen und Ober­bürgermeister Dr. Keller namens der Stadtver­waltung zeichneten die Iubilave durch herzliche Glückwunschschreiben aus, die ihnen von dem Lei­ter des Gaswerks, Direktor S t e b i n g , überreicht wurden.

* Tragischer Tod beim Mittag­essen. Gestern mittag kehrte ein alter Hand- werksbursche, der sich aus der Durchreise hier aufhielt und eine ihm nachgewiesene Arbeits­stelle annehmen wollte, vor Antritt des Postens in eine Gastwirtschaft im nordöstlichen Stadtteil ein, um sein Mittagessen zu sich zu nehmen. Wäh­rend des Essens fiel der Gast plötzlich lautlos vom Stuhl und verschied auf der Stelle. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein rasches Ende bereitet. Der auf so jähe Weise verschiedene be­dauernswerte Mann wurde von der Polizei als der 66jährige Hermann Schreibweiß aus Schwalbach (Kreis Wiesbaden) festgestellt. Die Leiche wurde nach dem Reuen FÄedhof ver­bracht.

" Strauß-Konzert in Gießen. Am nächsten Samstagabend wird 3 oh a n n S t r au ß. der weltbetannte Meister aus der r. 2- Lener Kom-- ponistensamilie Strauß, mit seinem Orchester hier in der Volkshalle ein einmaliges Konzert geben. 3ohann Strauß hat es sich zur Aufgabe gemacht, anläßlich des Strauß-Festjahres 1929 als berufener Interpret die unvergänglichen Kom­positionen seiner Familienvorgänger dem Pu­blikum selbst vorzuführen. Heber die meisterhafte Art, wie er die Wiener Musik, die klassischen Operetten und Walzer herausbringt, liegen von der Kritik aller Städte des 3n- und Auslandes, die der 64jährige Meister mit seinem Orchester in den letzten Monaten auf einer großen Konzert­reise besuchte, die glänzendsten Anerkennungen vor. Der Besuch des Orchesters in Gießen er­folgt in unmittelbarem Anschluß an große Kon­zerte der Kapelle in Holland. Wer sich einen Abend mit hervorragenden Darbietungen bester Wiener Musik verschaffen will, versäume den Besuch dieses Strauß-Konzertes nicht. Man be­achte die Anzeigen.

** Freiwillige Sanitätskolonnen vorn Roten Kreuz. Arn Sonntag fand hier zum ersten Male eine Prüfung von Führern und Führeranwärtern der Freiwilligen Sanitätskolon­nen vom Roten Kreuz in der Provinz Oberhessen statt. Die Prüfungskommission bestand aus einem Vertreter des Landesvereins vom Roten Kreuz, dem Provinzialinspekteur und einem Kolonnen­führer der Sanitätskolonnen des Roten Kreuzes. Es hatten sich 21 Prüflinge gemeldet, die schriftlich, mündlich und im Ordnungsdienst geprüft wurden und sämtlich bestanden. Von der Freiwilligen Sa­nitätskolonne vom Roten Kreuz in G i e ß e n waren zwölf Prüflinge, von denen drei die Zug­führer- und neun die Gruppenführerprüfung be- standen.

* Liturgische Arbeitsgemeinschaft f ü r H e s s e n. Vom 3. bis 5. 3uni hält in Bad- Rauheim die Liturgische Arbeitsgemeinschaft für Hessen ihre vierte Tagung ab. Als Vortragende sind u. a. gewonnen Professor D. Dr. Cor­dier- Gießen (Verwendung des Psalters im Gottesdienst), Professor H a u p t - Darmstadt und Professor Rudolf Koch-Offenbach (Reue kirch­liche Kunst). Mit der Tagung ist eine Ausstel­lung neuerer kirchlicher Kunst verbunden.

Der Verein ehemaliger Kaval­leristen Gießen und Umgegend feierte am Sonntagnachmittag im Saale des Cafe Leib seine Standartenweihe. Der Saal war mit Fah­nen usw. festlich geschmückt und bot so einen passenden Rahmen für die Feier. Rach drei Musikstücken brachte der Quartett-Verein Gie­ßen unter Leitung von Fritz Leib den Chor Volk und Heimat" mit Orchesterbegleitung wir­kungsvoll zu Gehör. Hierauf begrüßte Land­gerichtsrat Dr. W o d a e g e die Erschienenen na­mens des Vereins und betonte kurz die Zwecke und Ziele desselben: Pflege der Kameradschaft. Er wies sodann auf den Charakter der Veran­staltung als Tag der Standartenweihe hin und brachte im Anschluß daran einen kurzen Rückblick auf die Dienstzeit der Kavalleristen und die treue Pflichterfüllung in den harten 3ahren des Welt­

krieges. Er gedachte ferner ht warmen Worten der gefallenen Kameraden und forderte zum Zu­sammenhalten der ehemaligen Kavalleristen in der jetzigen schweren Zeit aus. Er führte u. a. aus. daß es nicht nur Pflicht sei, im Rotfalle für das Vaterland zu sterben, sondern auch Aufgabe, für das Vaterland zu leben. Er schilderte die Folgen des Krieges und die Abtrennung von Elsaß und Polen und betonte die Rotwendigkeit der Wehrhaftigkeit Deutschlands, nicht um wie­der einen Krieg zu sichren, sondern um sich im Rotfalle gegen fremde Eindringlinge zu schützen. Er schloß mit einem dreifachenHurra" auf das deutsche Vaterland, woran sich der gemeinsame Gesang des Deuffchlandliedes anschloß. Die Airs« fübrungen wurden mit lebhaftem Beifall aus­genommen und durch auf der Bühne gestellte lebende Bilder wirkungsvoll ausgeschmückt. So­dann begann der Einmarsch der Fahnen der ge­laßenen Vereine unter den Klängen des Marsches Alte Kameraden", woran sich das Einbringen der zur Einweihung bestimmten Standarte durch 6 Ehrenjungfrauen in Kavalleristenuniformen an» schloß. Rachdem der Quartettverein ein weiteres LiedVesper" zu Gehör gebracht hatte, erfolgte die Weihe der von der Firma HiSgen in Lich gelieferten Standarte durch Pfarrer A u s f e l d, der der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Stan­darte ein Symbol der Zusammengehörigkeit und echten Kameradschaftlichkeit sein möge unter dem Motto:3n Treue fest, im Sturme treu, daS der Verein auf die Standarte geschrieben hatte. Diese wurde sodann Friseurmeister Götz als Vorsitzenden des Vereins übergeben, der sie an den Standarten träger weitergab. Sodann über­brachten die Beauftragten der gelaßenen Vereine

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für die Tagesnummer des Gießener Anzeigers werden zweckmäßig am Nachmittag vorher aufgegeben. Nac . 9 Uhr vormittags kann die Aufnahme der Anzeigen auch in Ausnahme- fällr nicht gewährleistet werden!

VERLAG DES GIESSENER ANZEIGERS

Glückwünsche und zum Teil Fahnennägel und eine Fahnenschleife. Es sprachen Abgeordnete: des Vereins der Leibdragoner, der Arbeitsge­meinschaft der Militärvereine, des Artillerie­vereins Gießen, der Leibgardisten (115), des Schützenvereins Gießen, des Vereins ehern. 116er, des Kutschervereins Gießen, des Eisenbahnfahr­beamtenvereins Gießen, des Kavallerievereins Limburg, des Reitervereins Dillenburg und des Quartettvereins Gießen. Friseurmeister Götz dankte den Vereinen. Hierauf folgten noch meh­rere Gesangs- und Musikvorträge. Abends fand nach einigen Musikvorträgen und lebenden Bil­dern ein gutbesuchter Ball statt. Der musikalische Teil der gesamten Veranstaltung lag in Händen der Kapelle Topp, die ihre Aufgabe in bester Weise löste.

Berliner Börse.

Berlin, 7. Mai. (WTD.-Funkspruch.) 3m heutigen Frühverkehr ist noch nichts zu hören. Man taxiert bei weiter freundlichem Grundton gestrige Abendkurse, ist aber in Erwartung neuer Pariser Rachrichten etwas zurückhaltender, zu­mal die Börse gestern ziemlich viel übrig behal­ten zu haben scheint. Am Devisenmarkt hört man London-Paris 124.16, London-Mailand 92.61, London-Spanien 34.15 zu 34.20, London- Kabel 4.8525 zu 4.8530, London-Derlin 20.4625.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Ahr, 16 bis 17 Ahr. Samstag nachmittag geschloffen.

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