Ausgabe 
7.5.1929
 
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Oie Reform

-er Arbeitslosenversicherung.

Ein Programm der Reichsregierung.

Berlin, 6. Mal. (IDB.) Das Reichskabinett be- fchäfNgte sich in seiner heutigen Sitzung mit der (frage der Einführung von Reformen auf dem Gebiete der Arbeitslosen­versicherung. Ls wurde dabei die Abstellung der Äebelstände ins Auge gefaßt, welche fich in der Praxi» seit Inkrafttreten der Arbeitslosenversiche­rung herausgestellt haben, hierbei wurde jedoch festgestellk, daß es mit der Beseitigung dieser Unzu- tragllchkeiteu allein nicht sein Bewenden hoben kann. Die Finanzlage des Reiches ist so ernst, daß die Inanspruchnahme von ösfentli- chen Mitteln im bisherigen Ausmaß voll­kommen unmöglich ist, und sich über die schon im haushalt bereilgestellten Mittel hinaus nur im Falle ganz außergewöhnli­cher Ereignisse rechtfertigen läßt. DasReichs- tabinett war daher der Meinung, daß eine Aende- rung der Arbeitslosenversicherung auch aus die Fi­nanzlage des Reiches Rücksicht nehmen muh. Die, Reichsregierung wird in Form eines Gesetzentwur­fes ein Sofortprogramm über die Abstellung von Mißständen auf dem Gebiete der Arbeits­losenversicherung aufstellen und außerdem einen Ausschuß von Sachverständigen einsehen, mit dem in größter Beschleunigung Richtlinien für eine Umgestaltung des Arbeitslosenversiche- nmgsgefehes erörtert werden sollen.

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Der Beschluß der Reichsregierung über die Reform der Arbeitslosenversicherung wird wegen der großen Mißbräuche, die im Laufe der Jahre mit der Versicherung getrieben worden sind, von den Berliner Blättern allgemein be­grüßt. Es wird auch darauf hingewiesen, daß es nötig ist, die Reform so schnell wie mög« l i ch durchzuführen. DieDeutsche Zeitung" weist darauf hin. daß in der amtlichen Mitteilung nur von einer Reform der Arbeitslosenversiche­rung und Beseitigung der Äebelstände die Rede ist, nicht mehr aber von einer Bei­tragserhöhung, wie sie die sozialdemokra­tische Reichstagsfraktion gefordert hatte. Die 2 ö r s e n z e i t u n g" findet, daß die Stelle des amtlichen Berichtes, an der davon die Rede ist, daß die Inanspruchnahme von Reichs­geldern durch die Arbeitslosenversicherungs­anstalt auch in Zukunft füraußergewöhnliche Fälle" gestattet sein soll, bedenklich stimme und meint, wenn das in Aussicht gestellte ..Re­formprogramm" auch in den anderen entschei­denden Fragen solchen Kompromißcharakter tra­gen sollte, dann wird Wohl von einer wirk­lichen Reform nicht die Rede sein können. Der .2 o k a l a n z e i a e r" meint, der Beschluß der Reichsregierung beweise, daß auch die sozial­demokratischen Minister die üblen Aus­wirkungen des Gesetzes heute eingeständen, da sich die Sozialdemokratische Partei und die Ge­werkschaften bereits auf die Ablehnung einer Gesetzesänderung fcstgelegt hatten. Es dürfte zwischen der SPD. und ihren Ministern zu recht interessanten Auseinandersetzungen kommen. Die D o s s i s ch e Zeitung" sagt, eine Rolle bei der eigentlichen Reform werde die Entwicklung der Konjunktur spielen. DerVorwärts" meint, der Bericht sei geeignet, starke Be­unruhigung in Arbeitnehmerkreisen hervor­zurufen, da er ausdrücklich darauf hinwcist, daß eine Reform der Versicherung erfolgen solle. Wenn etwa eine Reform zuwege gebracht werden solle, ungefähr von der Art, wie sie von Ar­beitgeberkreisen und vom Hansabund gefordert werde, dann werde man dazu eine andere Mehr­heit und natürlich auch eine andere Regierung suchen müssen.

Oie Reichsgelder für den Nürburgring.

Berlin, 6. Mai. (Priv.°Tel.) Das Reichs­kabinett beschäftigte sich in seiner üblichen Mon­tagssitzung auch mit dem heftig umstrittenen Pro­blem des Rürburgringes, der großen und schönen Autorennstrahe in der Eifel. Die Ctatssachver- ständigen der Parteien haben bei ihrem be­kannten Streichungskompromiß u. a. auch die 2 Millionen für den Rürburgring im Etat des Reichsverlehrsministeriums eingespart. Dapurch sind gewisse Schwierigkeiten entstanden, da noch Verpflichtungen direkter und indirekter Statur an das Reich vorliegen, da der Rür­burgring selbstverständlich erhalten wer­den soll. Es handelt sich hier glücklicherweise aber nicht um ein Problem der großen Politik, so daß die Möglichkeiten eines Ausweges weniger schwer als sonst bei Etatsfragen zu finden fein dürften. Vielleicht wird man auch den Versuch machen, die deutsche Automobilindustrie, dir an der Erhaltung dieser Strecke, die der öffentlichen Hand schon recht beträchtliche Gelder gekostet hat, sehr interessiert ist, in stärkerem Maße zu beteiligen.

Reue Angriffe aus deutsches Eigentum in polen.

Der Grundbesitz deutscher Ansiedler wirdliquidiert".

Warschau, 6. Mai. (WB.) Wie hier be­kanntgegeben wird, nimmt die polnische Regie­rung die Liquidation des deutschen Grundbesitzes in den abgetretenen Gebieten jetzt 11 Jahre nach dem Kriege aufs neue in Angriff. 3mMonitor Polski", dem polnischen Regierungsanzeiger, sind allein in den beiden letzten Tagen des Monats April 3 3 L i q u i - dationsbeschlüsfe sowiecinVerkaufsaufge- bot veröffentlicht worden. Besonders bemerkens­wert sind die Formen, unter denen bisweilen die Liquidationen vorgenommen werden. Ganz abgesehen davon, daß in allen Fällen bei dem Groß- und Kleingrundbesitz der Liquidationserlös nur einen geringen Bruchteil des wahren Wertes darstellt, so daß die Ent­eignung einer Verschleuderung des Be­sitzes gleichkommt, so ergeben sich bedauerlicher­weise gerade bei den Ansiedlern die größten Härten. Es handelt sich bei diesen durch­weg um kleinen und kleinsten Besitz. Werden in solchen Fällen, wie es vorgekommen ist, die Grundlagen aufgewertct und die hohen Kosten de- Liquidationsverfahrens in Rechnung gestellt, fo ergibt sich die groteske Tatsache, daß den An­siedlern dafür, daß man sie von Haus und Hof

DasVerboldesRolenFrontkämpferbmdes

Die preußische Regierung hat also doch den Mut aufgebracht, den Roten Frontkämpferbund zu verbieten. Sie behauptet sogar, der Be­schluß hätte schon seit Tagen festgestan- den, dazu steht aber in auffälligem Wider­spruch daß noch Ende der vorigen Woche aus dem Innenministerium zwei Dementis ka­men, die an Schroffheit eigentlich nichts zu wünschen übrig ließen, die jedenfalls nach der ganzen Formulierung anders gehalten wären, wenn damals bereits der entsprechende Kabi­nettsbeschluß vorgelegen hätte. Die Dinge müs­sen also wesentlich anders gelagert gewesen sein. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß der Berliner Polizeipräsident, dem das Feuer ja schließlich unter den Rägeln brannte, zu seinem Vorgesetzten und Parteigenos­sen, dem Innenminister G r z e s i n s k i, gegangen ist und ihm gesagt hat, er könne die Verantwor­tung für die Zustände in Berlin nicht mehr er­tragen. Wenn jetzt von Preußen aus kein Ver­bot des Roten Frontkämpferbundes käme, dann müßte er als Berliner Polizeipräsident selbst- st ä n d i g vorgehen und dem Verbot eine Be­gründung mit auf den Weg geben, die das preu­ßische Innenministerium sich nicht hinter den Spiegel stecken würde. Aus dieser Zwangslage heraus ist wohl die plötzliche Courage der preu­ßischen Regierung entstanden, die ja doch eines gewissen tragikomischen Beigeschmacks nicht ent­behrt, wenn man dagegen hält, daß es noch nicht ein Jahr her ist, seit der damalige Reichs­innenminister von Keudell auf Grund sehr reichhaltigen Materials ein ähnliches Verbot bei den Länderregierungen in Vorschlag brachte, damals aber von Preußen mit aller Entrüstung nieder gestimmt wurde, ilnö nun kommt dasselbe Preußen mit einer Begründung, die im wesentlichen auf die damals von Herrn von Keudell gelieferten Tatsachen zurückgeht m i t genau demselben Vorschlag.

Der Reichsinnenminister S e v e r i n g aber, der inzwischen umgelernt hat und in den Kommu­nisten nicht mehr die politischen Kinder von einst, sondern die ernsteste Gefahr für die deutsche Arbeiterschaft sieht, lenkt in denselben Weg ein und schlägt den übrigen Länderregierungen vor, ein gleiches Verbot zu erlassen; man muß dieses eigenartige Bild genießen, daß der So­zialdemokrat Severing durchführt, was die So­zialdemokraten dem Deutschnationalen v. Keudell zerschlugen. Wäre damals das Verbot erfolgt, die zwanzig Toten derMaifeier von Berlin" wären heute noch am Leben! Denn darüber kann doch kein Zweifel bestehen, daß der Rote Front­kämpferbund der Kopf der ganzen Berliner ^Un­ruhen gewesen ist. Die Berliner Polizei hat sich die erdenklichste Mühe gegeben, den Tatsachen­nachweis dafür zu erbringen. Das ist ihr nicht gelungen. Offenbar auf Befehl der Zentrale hatten alle Beteiligten keine Papiere bei sich. Daß diese Revolten jedoch nicht von dem Janhagel der Reichshauptstadt inszeniert worden sind, steht fest. Die Berliner Unterwelt hat zwar willig Gefolgschaft geleistet, angezettelt aber hat den Streit der Rotfrontbund, das Ausführungs­organ der Kommunistischen Partei, die den Be­stand des Staates untergraben will. Unö des­halb ist das Verbot von Rechts wegen erfolgt, allerdings zu spät.

Auch Bayern verbietet.

München, 6. Mai. (WB.) Das Ministerium des Innern hat mit Wirkung ab heute den Rotfrontkämpferbund und die Rote Iungfront in Bayern mit allen ihren Rebenorganisationen verboten und aufgelöst. Das Vermögen wurde beschlagnahmt.

Oie Bilanz der Maiunruhen. 24 Tote. Die Lperre in Neukölln und Wedding wird aufgehoben.

Berlin, 6. Mai. Der Polizeipräsident teilt mit: Nachdem in den bisherigen beiden Unruhezentren Neukölln und Wedding die Ruhe seit 48 bzw. 60 Stunden keine nennenswerten Störun­gen mehr erfahren hat, hat der Polizeipräsident heute mit Tagesgrauen die für die beiden Gebiete erlassenen Sperrvorschriften aufge- hoben und die polizeilichen Maßnahmen rück- gängig gemacht. Selbstverständlich sind die erforder­lichen Vorkehrungen getroffen worden, um etwa neu aufflackernden Unruhen sofort entgegen- treten zu können. In Durchführung des vom preußischen Minister des Innern erlassenen Ver­botes des Rotfront k ä m pferbundes einschließlich der Roten Jungfront und der Roten Marine sind heute ftüh bei der Bundesleitung, der Gauleitung Berlin-Brandenburg und bei den Ab­teilungsleitern der genannten Organisationen das gesamte Material und die Bankkonten beschlag­nahmt und sichergestellt worden. Dem Vernehmungsrichter im Polizeipräsidium sind bis­her 8 5 Personen, die von der Polizei festge­nommen worden waren, unter dem Verdacht der Beteiligung an den Maiunruhen, oorgeführt worden. Der Vernehmungsrichter hat gegen 32 der Vorgeführten Haftbefehle wegen Verdachts des Aufruhrs, Landfriedensbruchs und des Widerstandes gegen die Staatsgewalt er­lassen.

Die Obduktion der Opfer der Mai-Un­ruhen, die, wie berichtet, von der Staatsanwaltschaft angeordnet worden ist, muß vor einem Richter durch zwei Aerzte, darunter einem Gerichtsarzt, vorgenommep werden. Bei dem Amtsgericht Berlin- Mitte und Neukölln sind bisher acht Leichen der bei den Unruhen Getöteten obduziert und freigegeben worden. Bei einigen der Leichen hat man Kugeln im Körper gefunden, die einem Schießsachverstän­digen zur Klärung der Frag« zur Untersuchung übergeben worden sind, von welcher Seite die tödlichen Schüsie abgegeben worden sind. Im Verlaufe der letzten Tage sind bei den Unruhen insgesamt 23 Personen, und zwar acht­zehn Männer und fünf Frauen durch Schüsse ums Leben gekommen. Dazu kommt noch ein Todesfall während eines Tumultes auf dem Alexan- derplog, wo ein Passant unter ein Polizeiauto ge­riet. Die englische Botschaft hat sich nach der Per­sönlichkeit und den Todesumständen des neusee­ländischen Journalisten erkundigt. Fest steht, daß er trotz Verwarnung sich auf eigene Verantwortung in die gefährdete Zone begeben hat. Morgen wird die Leiche obdu­ziert werden und erst dann kann über die Todes­ursache Endgültiges mitgeteilt werden.

Durch Neuyorker Blätter werden Meldungen ver­breitet, wonach die Berliner Schutzpolizei gemeutert habe und 450 der Beamten verhaftet worden sein sollen. Demgegenüber muß mit aller Deutlichkeit betont werden, daß an diesen Nach­richten kein wahres Wort ist, die Beamten vielmehr mit seltener Pflichttreue und Aufopferung ihren Dien st versehen haben, wofür auch die Tatsachen ein schlagender Beweis sind, daß nicht ein einziger von den 15 000 Schutzpolizeibeamten sich während der kri­tischen Tage krank gemeldet hat und einige leichter verletzte Beamte, die sich in ärztliche Behandlung begeben sollten, dringend gebeten haben, bei ihren Kameraden bleiben zu dürfen. Von den Polizei­beamten sind 47 zu Schaden gekommen, darunter befinden sich vier sehr schwer Ver­letzte mit Gehirnerschütterung. Von den restlichen 43 Beamten sind noch zehn erheblicher verwundet.

vertreibt, noch eine Rechnung vorgelegt wird, die dann imGnadenwege" e r l a s s en wird. Schwerwiegend fällt dabei die neue Praxis des polnischen Obersten Verwaltungsgerichts ins Gewicht, das in der letzten Zeit Urteile über die Liquidationsfähigkeit von Gütern fällt, ohne vor­her die Staatsangehörigkeit des Besitzers geprüft au haben. Alle Bemühungen der letzten Zeit, die dahin gingen, in der Liquidationsfrage zu einer Verständigung zwischen Deutschland und Polen zu kommen, werden durch die rigorose Wiederaufnahme der Gntdeutschungspolitik Po­lens völlig zunichte gemacht.

Aus aller Welt.

Fritz äreisler Ehrendoktor der Universität Glasgow.

Der Senat der englischen Universität Glasgow beschloß, dem berühmten deutschen Violinvirtuosen Prof. Fritz Kreisler die Würde eines Dr. jur. h. c. zu verleihen.

Heidebrand in der Altmark.

Seit Montagnachmittag brennt ein großer Teil der Letzlinger Heide bei Salchau südöstlich von Gardelegen in der Altmark. Sämtliche Feuer­wehren aus der Umgegend sind herbeigezogen, Pio- niere, Schutzpolizei und Technische Nothilfe aus Magdeburg sind alarmiert und teilweise bereits im Anmarsch. Ein ungünstiger Wind schürt das Feuer. Der Ort Salchau ist gefähr­det. Das Feuer hat sich auf eine Fläche von schät­zungsweise tausend Morgen ausgedehnt. Ein Ar­beiter ist mit schweren Rauchvergiftungen ins Kran­kenhaus Gardelegen eingeliefert worden, ein zwei­ter Arbeiter wird noch vermißt.

Grohfeuer in einem holländischen Dorf.

Das Dorf R o f f u m (Gelderland) ist zum großen Teil durch eine gewaltige Feuersbrunst e i n ge­äschert worden. Der Brand entstand in einem Ar­beiterhäuschen und verbreitete sich bei dem herr­schenden starken Winde sehr rasch. Die Feuerwehren der umliegenden Ortschaften und der Stadt Zalt- Bommel eilten zu Hilfe. Bis 5 Uhr nachmittags waren bereits 17 Häuser und 20 Scheunen nie - bergebrannt

Explosion in einer chemischen Fabrik.

In der Chemischen Fabrik von Heine & Co. in Gröbe (Sachs.) entstand durch Selbstentzün­dung von Aether beim Abschöpfen ein Brand, durch den das betroffene Gebäude bis auf die Grundmauern abbrannte. Durch die herumspritzende brennende Aethermenge und die übrigen dort lagernden leicht brennbaren Materiallen stand das Gebäude bald gänzlich in Flammen. Mehrere Feuerwehren bekämpften den Brand mit 13 Schlauchleitungen, so daß das Feuer bald eingedämmt und weitere Gefahr be­

seitigt werden konnte. Sieben Feuerwehrleute trugen durch mehrere während des Brandes er­folgende Explosionen zum Teil schwere Ver­letzungen davon.

Die Tal eines Wahnsinnigen.

Die Untersuchung der Explosionskatastrophe in Ba- tinaskele (Kroatien), die, wie gemeldet, acht To­desopfer forderte, hat ergeben, daß das Unglück durch die Tat eines Wahnsinnigen hervorgerufen wurde. Durch die Aussage des einzig überlebenden Arbeiters ist erwiesen, daß der Vorarbeiter i n einem Anfall von Geistesstörung unbe­merkt von den anderen Arbeitern das Dynamit an den angeheizten Ofen gelegt hat.

Fünf Todesopfer eines Flugzeugabsturzes.

Ein französisches Flugzeug, besetzt mit zwei Unter­offizieren und drei Soldaten, ist bei einem Uebungs- sluge über dem Artillerie-Schießplatz von Bour­ges abgestürzt. Es löste sich plötzlich die eine Trag­fläche des Flugzeugs. Die fünfköpfige Besatzung des Flugzeugs wurde auf der Stelle getötet. Die Bergung der Leichen mußte verschoben werden, da sich unter den Trümmern des Flugzeuges zwei noch nicht explodierte Bomben befanden und Gefahr bestand, daß diese bei den Bergungsarbeiten plötzlich explodieren würden.

(Eine Familie von einem Perfonenzuge getötet.

In der Nähe der ungarischen Stadt Hodjezö-Va- sarhely wurde auf einem Bahnübergang ein Wagen, auf dem eine fünftöpfige Farnilie von einer Hochzeitsfeierlichkeit heimfuhr, von einem Per- sonenzug erfaßt. Drei der Insassen des Wagens wur­den getötet, ein vierter lebensgefährlich ver­letzt. Das fünfte Mitglied der Familie, ein sieben­jähriges Mädchen, blieb unverletzt.

Schierlingsgift.

Die beiden Kinder des Landwirts Ianz in K l a r h o f (Ostpreußen) erhielten von einem be­freundeten Knaben Wurzeln, die sie für Gemüse hielten und verzehrten. Unter schweren Dergiftungserscheinungen wurden sie in8 Krankenhaus eingeliefert, wo festgestellt wurde, daß sie Wasserschierling genossen hatten. Beide Kinder sind an den Folgen der Vergiftung ge­storben.

Drei Kinder durch Grudegase getötet.

In Golbitz bei Halle sind die drei zwei bis sechs Jahre alten Kinder des Kutschers Ritsche, die die Mutter, als sie Einkäufe machte, eingeschlossen hatte, durch Grudegase getötet worden. Die Frau fand die Kinder bei ihrer Rückkehr tot auf.

Zum Tode verurteilt.

Der Schmiedegefelle Tietze wurde vom Schwur- aericht Glatz wegen Mordes, vorsätzlicher Brand­stiftung und Diebstahls im Rückfalle zum Tode ver- urteilt, ferner zu sechs Jahren Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebens­dauer. Tietze war beschuldigt, in der Nacht zum

12. Januar in Teplirooda die Kaufmannswitwe Beblein ermordet und beraubt und dann das Haus in Brand gesteckt zu haben, um die Spuren des Mordes zu verwischen.

Gautag des D. H. V.

Der Gau MainWeser im Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Derband hielt in Kreuznach den 26. Gautag der hessischen und hessen-nassan- ischen Kaufmannsgehilfen ab, der nach einer Reihe von Vorträgen zur Sozialpolitik eine Ent­schließung faßte, in der es u. a. heißt: Der Kaui- mannsgehilfentag fordert die grundsätzliche Auf­rechterhaltung des gesetzlichen Schlich­tungswesens in seinem heutigen Umfange, insbesondere der Verbindlicherklärung von Schiedssprüchen durch unabhängige Einzelschlich­ter. Die Beschränkung des Schlichtungswesens auf sogenannte lebenswichtige Betriebe und da­mit auf eine Minderheit der Arbeitnehmer wird abgelehnt. Es wird erwartet, daß die schon vor Jahren gemachten Vorschläge für die Errichtung tariflicher Schlichtungsstellen nunmehr durch Ver­einbarungen zwischen den Tarifparteien ihre Ver­wirklichung finden. Der Abbau der So­zialversicherung und ihr Ersatz durch Zwangssparkassen wird abgelehnt. Gestützt auf die guten Erfahrungen in der Krankenversiche­rung wird die berufsständische Selbstverwaltung auch in der Arbeitslosenversicherung durch Zu­lassung von Ersahkassen mindestens für die An­gestelltenberufe gefordert, eine Beitragserhöhung wird entschieden abgelehnt. Für die Angestellten­versicherung wird Aufrechterhaltung ihrer vollen Selbständigkeit und weiterer Ausbau verlangt. Eine solche Steigerung ihrer Leistungen, die eine Aufzehrung des angesammelten Kapitalvermö­gens bedeutet, wird abgelehnt. Die alsbal­dige Verabschiedung des dem Reichstage vor­liegenden Arbertsschutzgesetzentwur- f e s unter Beachtung der Abänderungsvorschläge des D. H. V. wird gefordert, insbesondere die Einführung der völligen Sonntagsruhe, des 5 Uhr Ladenschlusses am Weihnachtsheiligen­abend, sowie die Möglichkeit, nach Zustimmung der maßgebenden Arbeitgeber- und Angestellten­organisationen örtlich oder bezirklich auch den 6 älhrladenschluß verbindlich einzuführen. Die Anrechnung von Arbeitszeit als Arbeitsbereit­schaft wird abgelehnt. Der Ausbau der Han­delsaufsicht wird gefordert. Die dafür erforder­lichen Kräfte sollen aus den Kreisen der kauf­männischen Angestellten entnommen werden.

Giftgas über Tokio.

In einer Dorstadt von Tokio sind infolge des Ausströmens von Giftgas aus einer Armee- munitionsfabrif Tausende von Häusern un­bewohnbar geworden. Todesfälle werden nicht ge- meldet, doch soll das Giftgas schwere Erkrankungen verursacht haben.

Oie Wetterlage.

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Montag, 6.6. Mai 1929. 7" aDds.

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Wettervoraussage.

Rachdem die Störung beim Vorübrrzug un< serem Bezirk Riederschläge und Abkühlung ge­bracht hat, erfährt die Wetterlage vorläufig keine Besserung. Reue Störungen lagern über der Rordsee und rücken von Westen der Küste Ir­lands näher. Wenn auch zeitweise Aufheiterung herrscht, so ist sie nur vorübergehend, und mit der wechselnden Bewölkung treten vereinzelte Rieder­schläge auf.

Wettervoraussage fürMittwoch: Teils wolkiges, teils aufhciternoes Wetter, zunächst noch etwas kühler, vereinzelte Niederschläge.

Wettervoraussage für Donnerstag: Kein beständiges Wetter, strichweise Niederschläge wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 6. Mai: mittags 24,4 Grad Celsius, abends 18,4 Grad: am 7. Mai: morgens 13,7 Grad. Maximum 25,3 Grad, Minimum 13,7 Grad. Erdtemperaturen am 6. Mai: abends 20,2 Grad: am 7. Mai: morgens 14 Grad Celsius. Niederschlag 0,5 mm. Sonnenscheindauer 11% Stunden.

Amtlicher Reifewetterdienst der öffentlichen Vetterdienststelle Gießen.

Baden (Triberg): Gestern rasche Erwärmung und Wetterverschlechterung, Temperatur heute mor­gen 8 Grad, Wetter wolkig. (Freiburg): Gestern warmer Tag, teils heiter, teils wolkig: heute 12 Grad, Südwestwind, wolkiges Wetter.

Bayern (Garmisch-Partenkirchen): Heiterer und warmer Tag, heute morgen 11 Grad, Rord- wind, wolkig. Berchtesgaden: Gestern heiterer und warmer Tag, heute morgen 14 Grad, Ost- Wind. wolkiges Wetter.

Küste (Westerland): Milde Rächt, teils heiter, teils wolkig: heute morgen 7 Grad. Äordwest- wind und Regen.

(Borkum): Milde Rächt, teils heiter, teils wol­kig, heute 9 Grad, Südwind, wolkig.

(Swinemünde): Milde Rächt, meist heiter. heutS morgen 15 Grad, Südostwind, heiter.