Oie Reform
-er Arbeitslosenversicherung.
Ein Programm der Reichsregierung.
Berlin, 6. Mal. (IDB.) Das Reichskabinett be- fchäfNgte sich in seiner heutigen Sitzung mit der (frage der Einführung von Reformen auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung. Ls wurde dabei die Abstellung der Äebelstände ins Auge gefaßt, welche fich in der Praxi» seit Inkrafttreten der Arbeitslosenversicherung herausgestellt haben, hierbei wurde jedoch festgestellk, daß es mit der Beseitigung dieser Unzu- tragllchkeiteu allein nicht sein Bewenden hoben kann. Die Finanzlage des Reiches ist so ernst, daß die Inanspruchnahme von ösfentli- chen Mitteln im bisherigen Ausmaß vollkommen unmöglich ist, und sich über die schon im haushalt bereilgestellten Mittel hinaus nur im Falle ganz außergewöhnlicher Ereignisse rechtfertigen läßt. DasReichs- tabinett war daher der Meinung, daß eine Aende- rung der Arbeitslosenversicherung auch aus die Finanzlage des Reiches Rücksicht nehmen muh. Die, Reichsregierung wird in Form eines Gesetzentwurfes ein Sofortprogramm über die Abstellung von Mißständen auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung aufstellen und außerdem einen Ausschuß von Sachverständigen einsehen, mit dem in größter Beschleunigung Richtlinien für eine Umgestaltung des Arbeitslosenversiche- nmgsgefehes erörtert werden sollen.
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Der Beschluß der Reichsregierung über die Reform der Arbeitslosenversicherung wird wegen der großen Mißbräuche, die im Laufe der Jahre mit der Versicherung getrieben worden sind, von den Berliner Blättern allgemein begrüßt. Es wird auch darauf hingewiesen, daß es nötig ist, die Reform so schnell wie mög« l i ch durchzuführen. Die „Deutsche Zeitung" weist darauf hin. daß in der amtlichen Mitteilung nur von einer Reform der Arbeitslosenversicherung und Beseitigung der Äebelstände die Rede ist, nicht mehr aber von einer Beitragserhöhung, wie sie die sozialdemokratische Reichstagsfraktion gefordert hatte. Die „2 ö r s e n z e i t u n g" findet, daß die Stelle des amtlichen Berichtes, an der davon die Rede ist, daß die Inanspruchnahme von Reichsgeldern durch die Arbeitslosenversicherungsanstalt auch in Zukunft für „außergewöhnliche Fälle" gestattet sein soll, bedenklich stimme und meint, wenn das in Aussicht gestellte ..Reformprogramm" auch in den anderen entscheidenden Fragen solchen Kompromißcharakter tragen sollte, dann wird Wohl von einer wirklichen Reform nicht die Rede sein können. Der .2 o k a l a n z e i a e r" meint, der Beschluß der Reichsregierung beweise, daß auch die sozialdemokratischen Minister die üblen Auswirkungen des Gesetzes heute eingeständen, da sich die Sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften bereits auf die Ablehnung einer Gesetzesänderung fcstgelegt hatten. Es dürfte zwischen der SPD. und ihren Ministern zu recht interessanten Auseinandersetzungen kommen. Die „D o s s i s ch e Zeitung" sagt, eine Rolle bei der eigentlichen Reform werde die Entwicklung der Konjunktur spielen. Der „Vorwärts" meint, der Bericht sei geeignet, starke Beunruhigung in Arbeitnehmerkreisen hervorzurufen, da er ausdrücklich darauf hinwcist, daß eine Reform der Versicherung erfolgen solle. Wenn etwa eine Reform zuwege gebracht werden solle, ungefähr von der Art, wie sie von Arbeitgeberkreisen und vom Hansabund gefordert werde, dann werde man dazu eine andere Mehrheit und natürlich auch eine andere Regierung suchen müssen.
Oie Reichsgelder für den Nürburgring.
Berlin, 6. Mai. (Priv.°Tel.) Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner üblichen Montagssitzung auch mit dem heftig umstrittenen Problem des Rürburgringes, der großen und schönen Autorennstrahe in der Eifel. Die Ctatssachver- ständigen der Parteien haben bei ihrem bekannten Streichungskompromiß u. a. auch die 2 Millionen für den Rürburgring im Etat des Reichsverlehrsministeriums eingespart. Dapurch sind gewisse Schwierigkeiten entstanden, da noch Verpflichtungen direkter und indirekter Statur an das Reich vorliegen, da der Rürburgring selbstverständlich erhalten werden soll. Es handelt sich hier glücklicherweise aber nicht um ein Problem der großen Politik, so daß die Möglichkeiten eines Ausweges weniger schwer als sonst bei Etatsfragen zu finden fein dürften. Vielleicht wird man auch den Versuch machen, die deutsche Automobilindustrie, dir an der Erhaltung dieser Strecke, die der öffentlichen Hand schon recht beträchtliche Gelder gekostet hat, sehr interessiert ist, in stärkerem Maße zu beteiligen.
Reue Angriffe aus deutsches Eigentum in polen.
Der Grundbesitz deutscher Ansiedler wird „liquidiert".
Warschau, 6. Mai. (WB.) Wie hier bekanntgegeben wird, nimmt die polnische Regierung die Liquidation des deutschen Grundbesitzes in den abgetretenen Gebieten jetzt 11 Jahre nach dem Kriege aufs neue in Angriff. 3m „Monitor Polski", dem polnischen Regierungsanzeiger, sind allein in den beiden letzten Tagen des Monats April 3 3 L i q u i - dationsbeschlüsfe sowiecinVerkaufsaufge- bot veröffentlicht worden. Besonders bemerkenswert sind die Formen, unter denen bisweilen die Liquidationen vorgenommen werden. Ganz abgesehen davon, daß in allen Fällen bei dem Groß- und Kleingrundbesitz der Liquidationserlös nur einen geringen Bruchteil des wahren Wertes darstellt, so daß die Enteignung einer Verschleuderung des Besitzes gleichkommt, so ergeben sich bedauerlicherweise gerade bei den Ansiedlern die größten Härten. Es handelt sich bei diesen durchweg um kleinen und kleinsten Besitz. Werden in solchen Fällen, wie es vorgekommen ist, die Grundlagen aufgewertct und die hohen Kosten de- Liquidationsverfahrens in Rechnung gestellt, fo ergibt sich die groteske Tatsache, daß den Ansiedlern dafür, daß man sie von Haus und Hof
DasVerboldesRolenFrontkämpferbmdes
Die preußische Regierung hat also doch den Mut aufgebracht, den Roten Frontkämpferbund zu verbieten. Sie behauptet sogar, der Beschluß hätte schon seit Tagen festgestan- den, dazu steht aber in auffälligem Widerspruch daß noch Ende der vorigen Woche aus dem Innenministerium zwei Dementis kamen, die an Schroffheit eigentlich nichts zu wünschen übrig ließen, die jedenfalls nach der ganzen Formulierung anders gehalten wären, wenn damals bereits der entsprechende Kabinettsbeschluß vorgelegen hätte. Die Dinge müssen also wesentlich anders gelagert gewesen sein. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß der Berliner Polizeipräsident, dem das Feuer ja schließlich unter den Rägeln brannte, zu seinem Vorgesetzten und Parteigenossen, dem Innenminister G r z e s i n s k i, gegangen ist und ihm gesagt hat, er könne die Verantwortung für die Zustände in Berlin nicht mehr ertragen. Wenn jetzt von Preußen aus kein Verbot des Roten Frontkämpferbundes käme, dann müßte er als Berliner Polizeipräsident selbst- st ä n d i g vorgehen und dem Verbot eine Begründung mit auf den Weg geben, die das preußische Innenministerium sich nicht hinter den Spiegel stecken würde. Aus dieser Zwangslage heraus ist wohl die plötzliche Courage der preußischen Regierung entstanden, die ja doch eines gewissen tragikomischen Beigeschmacks nicht entbehrt, wenn man dagegen hält, daß es noch nicht ein Jahr her ist, seit der damalige Reichsinnenminister von Keudell auf Grund sehr reichhaltigen Materials ein ähnliches Verbot bei den Länderregierungen in Vorschlag brachte, damals aber von Preußen mit aller Entrüstung nieder gestimmt wurde, ilnö nun kommt dasselbe Preußen mit einer Begründung, die im wesentlichen auf die damals von Herrn von Keudell gelieferten Tatsachen zurückgeht m i t genau demselben Vorschlag.
Der Reichsinnenminister S e v e r i n g aber, der inzwischen umgelernt hat und in den Kommunisten nicht mehr die politischen Kinder von einst, sondern die ernsteste Gefahr für die deutsche Arbeiterschaft sieht, lenkt in denselben Weg ein und schlägt den übrigen Länderregierungen vor, ein gleiches Verbot zu erlassen; man muß dieses eigenartige Bild genießen, daß der Sozialdemokrat Severing durchführt, was die Sozialdemokraten dem Deutschnationalen v. Keudell zerschlugen. Wäre damals das Verbot erfolgt, die zwanzig Toten der „Maifeier von Berlin" wären heute noch am Leben! Denn darüber kann doch kein Zweifel bestehen, daß der Rote Frontkämpferbund der Kopf der ganzen Berliner ^Unruhen gewesen ist. Die Berliner Polizei hat sich die erdenklichste Mühe gegeben, den Tatsachennachweis dafür zu erbringen. Das ist ihr nicht gelungen. Offenbar auf Befehl der Zentrale hatten alle Beteiligten keine Papiere bei sich. Daß diese Revolten jedoch nicht von dem Janhagel der Reichshauptstadt inszeniert worden sind, steht fest. Die Berliner Unterwelt hat zwar willig Gefolgschaft geleistet, angezettelt aber hat den Streit der Rotfrontbund, das Ausführungsorgan der Kommunistischen Partei, die den Bestand des Staates untergraben will. Unö deshalb ist das Verbot von Rechts wegen erfolgt, allerdings zu spät.
Auch Bayern verbietet.
München, 6. Mai. (WB.) Das Ministerium des Innern hat mit Wirkung ab heute den Rotfrontkämpferbund und die Rote Iungfront in Bayern mit allen ihren Rebenorganisationen verboten und aufgelöst. Das Vermögen wurde beschlagnahmt.
Oie Bilanz der Maiunruhen. 24 Tote. — Die Lperre in Neukölln und Wedding wird aufgehoben.
Berlin, 6. Mai. Der Polizeipräsident teilt mit: Nachdem in den bisherigen beiden Unruhezentren Neukölln und Wedding die Ruhe seit 48 bzw. 60 Stunden keine nennenswerten Störungen mehr erfahren hat, hat der Polizeipräsident heute mit Tagesgrauen die für die beiden Gebiete erlassenen Sperrvorschriften aufge- hoben und die polizeilichen Maßnahmen rück- gängig gemacht. Selbstverständlich sind die erforderlichen Vorkehrungen getroffen worden, um etwa neu aufflackernden Unruhen sofort entgegen- treten zu können. In Durchführung des vom preußischen Minister des Innern erlassenen Verbotes des Rotfront k ä m pferbundes einschließlich der Roten Jungfront und der Roten Marine sind heute ftüh bei der Bundesleitung, der Gauleitung Berlin-Brandenburg und bei den Abteilungsleitern der genannten Organisationen das gesamte Material und die Bankkonten beschlagnahmt und sichergestellt worden. Dem Vernehmungsrichter im Polizeipräsidium sind bisher 8 5 Personen, die von der Polizei festgenommen worden waren, unter dem Verdacht der Beteiligung an den Maiunruhen, oorgeführt worden. Der Vernehmungsrichter hat gegen 32 der Vorgeführten Haftbefehle wegen Verdachts des Aufruhrs, Landfriedensbruchs und des Widerstandes gegen die Staatsgewalt erlassen.
Die Obduktion der Opfer der Mai-Unruhen, die, wie berichtet, von der Staatsanwaltschaft angeordnet worden ist, muß vor einem Richter durch zwei Aerzte, darunter einem Gerichtsarzt, vorgenommep werden. Bei dem Amtsgericht Berlin- Mitte und Neukölln sind bisher acht Leichen der bei den Unruhen Getöteten obduziert und freigegeben worden. Bei einigen der Leichen hat man Kugeln im Körper gefunden, die einem Schießsachverständigen zur Klärung der Frag« zur Untersuchung übergeben worden sind, von welcher Seite die tödlichen Schüsie abgegeben worden sind. Im Verlaufe der letzten Tage sind bei den Unruhen insgesamt 23 Personen, und zwar achtzehn Männer und fünf Frauen durch Schüsse ums Leben gekommen. Dazu kommt noch ein Todesfall während eines Tumultes auf dem Alexan- derplog, wo ein Passant unter ein Polizeiauto geriet. Die englische Botschaft hat sich nach der Persönlichkeit und den Todesumständen des neuseeländischen Journalisten erkundigt. Fest steht, daß er trotz Verwarnung sich auf eigene Verantwortung in die gefährdete Zone begeben hat. Morgen wird die Leiche obduziert werden und erst dann kann über die Todesursache Endgültiges mitgeteilt werden.
Durch Neuyorker Blätter werden Meldungen verbreitet, wonach die Berliner Schutzpolizei gemeutert habe und 450 der Beamten verhaftet worden sein sollen. Demgegenüber muß mit aller Deutlichkeit betont werden, daß an diesen Nachrichten kein wahres Wort ist, die Beamten vielmehr mit seltener Pflichttreue und Aufopferung ihren Dien st versehen haben, wofür auch die Tatsachen ein schlagender Beweis sind, daß nicht ein einziger von den 15 000 Schutzpolizeibeamten sich während der kritischen Tage krank gemeldet hat und einige leichter verletzte Beamte, die sich in ärztliche Behandlung begeben sollten, dringend gebeten haben, bei ihren Kameraden bleiben zu dürfen. Von den Polizeibeamten sind 47 zu Schaden gekommen, darunter befinden sich vier sehr schwer Verletzte mit Gehirnerschütterung. Von den restlichen 43 Beamten sind noch zehn erheblicher verwundet.
vertreibt, noch eine Rechnung vorgelegt wird, die dann im „Gnadenwege" e r l a s s en wird. Schwerwiegend fällt dabei die neue Praxis des polnischen Obersten Verwaltungsgerichts ins Gewicht, das in der letzten Zeit Urteile über die Liquidationsfähigkeit von Gütern fällt, ohne vorher die Staatsangehörigkeit des Besitzers geprüft au haben. Alle Bemühungen der letzten Zeit, die dahin gingen, in der Liquidationsfrage zu einer Verständigung zwischen Deutschland und Polen zu kommen, werden durch die rigorose Wiederaufnahme der Gntdeutschungspolitik Polens völlig zunichte gemacht.
Aus aller Welt.
Fritz äreisler Ehrendoktor der Universität Glasgow.
Der Senat der englischen Universität Glasgow beschloß, dem berühmten deutschen Violinvirtuosen Prof. Fritz Kreisler die Würde eines Dr. jur. h. c. zu verleihen.
Heidebrand in der Altmark.
Seit Montagnachmittag brennt ein großer Teil der Letzlinger Heide bei Salchau südöstlich von Gardelegen in der Altmark. Sämtliche Feuerwehren aus der Umgegend sind herbeigezogen, Pio- niere, Schutzpolizei und Technische Nothilfe aus Magdeburg sind alarmiert und teilweise bereits im Anmarsch. Ein ungünstiger Wind schürt das Feuer. Der Ort Salchau ist gefährdet. Das Feuer hat sich auf eine Fläche von schätzungsweise tausend Morgen ausgedehnt. Ein Arbeiter ist mit schweren Rauchvergiftungen ins Krankenhaus Gardelegen eingeliefert worden, ein zweiter Arbeiter wird noch vermißt.
Grohfeuer in einem holländischen Dorf.
Das Dorf R o f f u m (Gelderland) ist zum großen Teil durch eine gewaltige Feuersbrunst e i n geäschert worden. Der Brand entstand in einem Arbeiterhäuschen und verbreitete sich bei dem herrschenden starken Winde sehr rasch. Die Feuerwehren der umliegenden Ortschaften und der Stadt Zalt- Bommel eilten zu Hilfe. Bis 5 Uhr nachmittags waren bereits 17 Häuser und 20 Scheunen nie - bergebrannt
Explosion in einer chemischen Fabrik.
In der Chemischen Fabrik von Heine & Co. in Gröbe (Sachs.) entstand durch Selbstentzündung von Aether beim Abschöpfen ein Brand, durch den das betroffene Gebäude bis auf die Grundmauern abbrannte. Durch die herumspritzende brennende Aethermenge und die übrigen dort lagernden leicht brennbaren Materiallen stand das Gebäude bald gänzlich in Flammen. Mehrere Feuerwehren bekämpften den Brand mit 13 Schlauchleitungen, so daß das Feuer bald eingedämmt und weitere Gefahr be
seitigt werden konnte. Sieben Feuerwehrleute trugen durch mehrere während des Brandes erfolgende Explosionen zum Teil schwere Verletzungen davon.
Die Tal eines Wahnsinnigen.
Die Untersuchung der Explosionskatastrophe in Ba- tinaskele (Kroatien), die, wie gemeldet, acht Todesopfer forderte, hat ergeben, daß das Unglück durch die Tat eines Wahnsinnigen hervorgerufen wurde. Durch die Aussage des einzig überlebenden Arbeiters ist erwiesen, daß der Vorarbeiter i n einem Anfall von Geistesstörung unbemerkt von den anderen Arbeitern das Dynamit an den angeheizten Ofen gelegt hat.
Fünf Todesopfer eines Flugzeugabsturzes.
Ein französisches Flugzeug, besetzt mit zwei Unteroffizieren und drei Soldaten, ist bei einem Uebungs- sluge über dem Artillerie-Schießplatz von Bourges abgestürzt. Es löste sich plötzlich die eine Tragfläche des Flugzeugs. Die fünfköpfige Besatzung des Flugzeugs wurde auf der Stelle getötet. Die Bergung der Leichen mußte verschoben werden, da sich unter den Trümmern des Flugzeuges zwei noch nicht explodierte Bomben befanden und Gefahr bestand, daß diese bei den Bergungsarbeiten plötzlich explodieren würden.
(Eine Familie von einem Perfonenzuge getötet.
In der Nähe der ungarischen Stadt Hodjezö-Va- sarhely wurde auf einem Bahnübergang ein Wagen, auf dem eine fünftöpfige Farnilie von einer Hochzeitsfeierlichkeit heimfuhr, von einem Per- sonenzug erfaßt. Drei der Insassen des Wagens wurden getötet, ein vierter lebensgefährlich verletzt. Das fünfte Mitglied der Familie, ein siebenjähriges Mädchen, blieb unverletzt.
Schierlingsgift.
Die beiden Kinder des Landwirts Ianz in K l a r h o f (Ostpreußen) erhielten von einem befreundeten Knaben Wurzeln, die sie für Gemüse hielten und verzehrten. Unter schweren Dergiftungserscheinungen wurden sie in8 Krankenhaus eingeliefert, wo festgestellt wurde, daß sie Wasserschierling genossen hatten. Beide Kinder sind an den Folgen der Vergiftung gestorben.
Drei Kinder durch Grudegase getötet.
In Golbitz bei Halle sind die drei zwei bis sechs Jahre alten Kinder des Kutschers Ritsche, die die Mutter, als sie Einkäufe machte, eingeschlossen hatte, durch Grudegase getötet worden. Die Frau fand die Kinder bei ihrer Rückkehr tot auf.
Zum Tode verurteilt.
Der Schmiedegefelle Tietze wurde vom Schwur- aericht Glatz wegen Mordes, vorsätzlicher Brandstiftung und Diebstahls im Rückfalle zum Tode ver- urteilt, ferner zu sechs Jahren Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebensdauer. Tietze war beschuldigt, in der Nacht zum
12. Januar in Teplirooda die Kaufmannswitwe Beblein ermordet und beraubt und dann das Haus in Brand gesteckt zu haben, um die Spuren des Mordes zu verwischen.
Gautag des D. H. V.
Der Gau Main—Weser im Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Derband hielt in Kreuznach den 26. Gautag der hessischen und hessen-nassan- ischen Kaufmannsgehilfen ab, der nach einer Reihe von Vorträgen zur Sozialpolitik eine Entschließung faßte, in der es u. a. heißt: Der Kaui- mannsgehilfentag fordert die grundsätzliche Aufrechterhaltung des gesetzlichen Schlichtungswesens in seinem heutigen Umfange, insbesondere der Verbindlicherklärung von Schiedssprüchen durch unabhängige Einzelschlichter. Die Beschränkung des Schlichtungswesens auf sogenannte lebenswichtige Betriebe und damit auf eine Minderheit der Arbeitnehmer wird abgelehnt. Es wird erwartet, daß die schon vor Jahren gemachten Vorschläge für die Errichtung tariflicher Schlichtungsstellen nunmehr durch Vereinbarungen zwischen den Tarifparteien ihre Verwirklichung finden. — Der Abbau der Sozialversicherung und ihr Ersatz durch Zwangssparkassen wird abgelehnt. Gestützt auf die guten Erfahrungen in der Krankenversicherung wird die berufsständische Selbstverwaltung auch in der Arbeitslosenversicherung durch Zulassung von Ersahkassen mindestens für die Angestelltenberufe gefordert, eine Beitragserhöhung wird entschieden abgelehnt. Für die Angestelltenversicherung wird Aufrechterhaltung ihrer vollen Selbständigkeit und weiterer Ausbau verlangt. Eine solche Steigerung ihrer Leistungen, die eine Aufzehrung des angesammelten Kapitalvermögens bedeutet, wird abgelehnt. — Die alsbaldige Verabschiedung des dem Reichstage vorliegenden Arbertsschutzgesetzentwur- f e s unter Beachtung der Abänderungsvorschläge des D. H. V. wird gefordert, insbesondere die Einführung der völligen Sonntagsruhe, des 5 Uhr Ladenschlusses am Weihnachtsheiligenabend, sowie die Möglichkeit, nach Zustimmung der maßgebenden Arbeitgeber- und Angestelltenorganisationen örtlich oder bezirklich auch den 6 älhrladenschluß verbindlich einzuführen. Die Anrechnung von Arbeitszeit als Arbeitsbereitschaft wird abgelehnt. — Der Ausbau der Handelsaufsicht wird gefordert. Die dafür erforderlichen Kräfte sollen aus den Kreisen der kaufmännischen Angestellten entnommen werden.
Giftgas über Tokio.
In einer Dorstadt von Tokio sind infolge des Ausströmens von Giftgas aus einer Armee- munitionsfabrif Tausende von Häusern unbewohnbar geworden. Todesfälle werden nicht ge- meldet, doch soll das Giftgas schwere Erkrankungen verursacht haben.
Oie Wetterlage.
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Montag, 6.6. Mai 1929. 7" aDds.
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Wettervoraussage.
Rachdem die Störung beim Vorübrrzug un< serem Bezirk Riederschläge und Abkühlung gebracht hat, erfährt die Wetterlage vorläufig keine Besserung. Reue Störungen lagern über der Rordsee und rücken von Westen der Küste Irlands näher. Wenn auch zeitweise Aufheiterung herrscht, so ist sie nur vorübergehend, und mit der wechselnden Bewölkung treten vereinzelte Riederschläge auf.
Wettervoraussage fürMittwoch: Teils wolkiges, teils aufhciternoes Wetter, zunächst noch etwas kühler, vereinzelte Niederschläge.
Wettervoraussage für Donnerstag: Kein beständiges Wetter, strichweise Niederschläge wahrscheinlich.
Lufttemperaturen am 6. Mai: mittags 24,4 Grad Celsius, abends 18,4 Grad: am 7. Mai: morgens 13,7 Grad. Maximum 25,3 Grad, Minimum 13,7 Grad. — Erdtemperaturen am 6. Mai: abends 20,2 Grad: am 7. Mai: morgens 14 Grad Celsius. — Niederschlag 0,5 mm. — Sonnenscheindauer 11% Stunden.
Amtlicher Reifewetterdienst der öffentlichen Vetterdienststelle Gießen.
Baden (Triberg): Gestern rasche Erwärmung und Wetterverschlechterung, Temperatur heute morgen 8 Grad, Wetter wolkig.— (Freiburg): Gestern warmer Tag, teils heiter, teils wolkig: heute 12 Grad, Südwestwind, wolkiges Wetter.
Bayern (Garmisch-Partenkirchen): Heiterer und warmer Tag, heute morgen 11 Grad, Rord- wind, wolkig. Berchtesgaden: Gestern heiterer und warmer Tag, heute morgen 14 Grad, Ost- Wind. wolkiges Wetter.
Küste (Westerland): Milde Rächt, teils heiter, teils wolkig: heute morgen 7 Grad. Äordwest- wind und Regen.
(Borkum): Milde Rächt, teils heiter, teils wolkig, heute 9 Grad, Südwind, wolkig.
(Swinemünde): Milde Rächt, meist heiter. heutS morgen 15 Grad, Südostwind, heiter.


