aufweisen, die geeignet sind, die Fahrbahn zu beschädigen, dürfen auf den Provinzia-strahen nicht verkehren. Die Provinzialdirektion kann in besonderen Fällen Ausnahmen, gegebenenfalls unter Auferlegung von Bedingungen, gestalten.
Bauhölzer, Baumstämme und andere Lasten dürfen auf den Provinzialstraßen weder geschleift, noch auf Schleifen fort- bewegt werden: ihre Beförderung ist nur zulässig, wenn sie auf Fahrzeuge verladen oder auf Räder gesetzt sind. Das gleiche gilt für Acker- g e r ä t e und Geschirrteile, die vermöge ihres Gewichtes, ihrer Form oder sonstiger Eigenschaften geeignet sind, die Fahrbahn zu beschädigen. Die Provinzialdirektion kann in besonderen Fällen Ausnahmen zulassen und diese an die Erfüllung von Bedingungen knüpfen.
Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden, soweit nach den allgemeinen Strafgesetzen keine höhere Strafe verwirkt ist, mit Geldstrafen bis zu 150 Mk., im Falle der Uneinbringlichkeit mit entsprechender Haftstrafe geahndet.
Diese Verordnung tritt am 1. April 1929 in Kraft. Mit diesem Tage treten alle in der Provinz Oberhessen noch gültigen polizeilichen Bestimmungen insoweit außer Kraft, als sie mit den Bestimmungen dieser Polizeiverordnung in Widerspruch stehen oder die g'eiche Angelegenheit zum Gegenstand einer polizeilichen Regelung gemacht haben.
Hausbesiherverein Gießen.
Dieser Tage hielt der Hausbesitzer-Verein im Cafe Leib seine 2 2.Hauptver samm- lung ab.
Der erste Vorsitzende, Stadtv. L a u n s p a ch, führte — wie man uns berichtet — zu Beginn der Versammlung u. a. aus: Das Jahr 1923 war alles andere, als ein gutes Jahr: die Zukunft liegt dunkel und trübe vor uns. Mit bleierner Schwere lasten dieReparationsverpflihtungen auf der Wirtschaft, die steuerlichen Lasten, die die Wirtschaft zu tragen hat, sind bis zur Lln- erlraglichkeit gestiegen. Die dauernde Stagnation des Kapitalmarktes und der immer noch stockende Zahlungseingang sind hinreichende Symp ome, um zu zeigen, wie schwer die Wirtschaft um ihre Existenz zu ringen hat. Dazu kommt noch die Vergiftung der wirtschaftlichen Atmosphäre durch die politische. 3m neuen Jahre drohen dem Hausbesitz neue Gefahren durch die Vorlage eines sozialen, oder besser gesagt Zwangsmietrehtes. Aber nicht nur daS Mietrecht soll dem Zwang unterworfen bleiben, auch das Dodenrecht soll mit einer Zwangsjacke durch das in Aussicht gestellte Damschkelche Dodenreformrecht bedacht werden. Beide Entwürfe sind vom Staats- sozialismus durchtränkte, befi'zfeindliche Entwürfe. Wenn der Hausbesih nicht in aller Kürze zum Erliegen kommen soll, müssen wir mit aller Kraft der hausbesitzrrfeindlichen Bewegung entgegentreten und Schulter an Schulter mit den bürgerlich gesinnten Volksgenossen gegen diese sozialistischen Bestrebungen kämpfen. Als weitere steuerliche Entwürfe stehen im Reichstag zur Beratung das Steuervereinheitlichkcitsgeseh und dos Sondersteuergcsetz, wobei letzteres unter dem Ra- men „Werterhaltungs- und Gebäudcentschul» dungssteuer" erscheinen soll. Dah hierbei für den Hausbesih nichts herausfpringen kann, weih jeder, der nur einigermaßen über die Bestrebungen der Bodenreform orientiert ist. Gegen alle diese besihfeindlichen Machenschaften kämpft der Zentralverband der Hausbesitzer schon seit 3ahr und Tag. Welche Gefahren dem Hausbesitz drohen, wenn nicht die Mittel zur Aufklärung und zum Kampfe bereitgestellt werden, ist den Hausbesitzern zur Genüge bekannt. 3m Mittelpunkt der vorsährigen Verbandstagungen stand der Kampf und die Stellungnahme gegen die Zwangswirtschaft und die steuerlichen Lasten. Alle unsere Anträge haben bei der hessischen Regierung keinen Anklang gefunden. Der Freistaat Hessen ist in bezug auf die Lockerung der Zwangswirtschaft der einzige Staat in Deutschland, der bis jetzt noch restlos an der Zwangswirtschaft festhält, obgleich in Hessen die Wohnungsverhält- nissc nicht schlechter sind als in allen übrigen Staaten Deutschlands. Welch' ungünstigen Einfluß die Zwangswirtschaft auf das Wohnungswesen ausübt, zeigen nachstehende Zahlen aus Gießen. Am 1. 3uli 1914 befanden sich in Gießen 2228 Gebäude mit zusammen 7181 Woh-
Gießener GtaSttheater.
Herman Heijcrmans: „Hoffnung aufSegen"
3m 3ahre 1900 erschien das erfolgreichste und bekannteste Dühnenwerk des Holländers H e i j e r- mans: »Op Hoop van Zeegen". Sieben Jahre zuvor waren bei uns die »Weber" von Gerhart Hauptmann zum ersten Male gegeben worden. Wie dort die schlesischen Leineweber gegen die großen Fabrikanten standen, so stehen hier die niederländischen Fischer ihren Reedern gegenüber. Ein Stück unter Seeleuten also: ein soziales Stück: und ein Stück Raturalismus.
Es magLeute geben, die die Ansicht vertreten, daß die Menschen, um die es sich hier handelt, uns fern stehen, dah ihre Sorgen und Röte uns wenig bedeuten können. Lind es bedarf keiner Erörterung mehr über den Raturalismus als Kunstform, der die vorige Generation beschäftigte und erregte. Es ist aber verfehlt, aus einer überwundenen Form auf ein überwundenes Problem zu schlichen. Es gibt Menschen, Landschaften und Zeitalter, die uns weit ferner stehen als die Fischer in Holland und die Weber in Schlesien. Lind doch gehen sie uns — künstlerisch und menschlich — auch heute noch etwas an.
Ratürlich ist das Stück heute noch ebenso Tendenz wie vor dreißig Jahren. Aber gerade auf die Tendenz kommt es ja hier an. Soziale Probleme sind von jeher bis zur Stunde aktuell gewesen. Lind dieses Problem steht durchaus im Vordergrund — als solches: nicht die Schilderung einzelner Schicksale, die damit verknüpft sind. (Man könnte in diesem Zusammenhang, um den angedeuteten Fehlschlüssen vorzubcugen, etwa daran erinnern, daß ein allerjüngstes Werk gegenwärtigen Schrifttums, eine mit dem letzten Kleistpreise ausgezeichnete Rovelle von Anna SegherS, ganz ähnliche Motive behandelt.)
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Wir übersehen dabei keineswegs, was der Raturalismus, die Tendenz und der Blick fürs Theater an dem Stück verdorben haben. Wenn ein Fischerboot beim Fang mit Mann und Maus untergeht, so ist das ein schwere« und tief bedauerliches Llnglück, aber nur in ganz seltenen Fällen eine Tragödie. (Als Beispiel für einen ästhetischen Grundirrtum der naturalistischen Kunstweise.)
nungen bei einer BevölkerungSzahl von 33 623. Die Zahl der Haushaltungen betrug damals 7100. Die Wohndichte betrug 4,85 Prozent. Dabei standen an Wohnungen leer 251. Am 10. Oktober 1927 betrug die Zahl der Haushaltungen 8378, mithin eine Zunahme seit 1914 von 1278. Von 1918 bis Ende deS 3ahreS 1928 sind an Rcubauwohnungen 1048 entstanden. Hierzu die 7181 Wohnungen von 1914, gibt zusammen 8229. Durch Lim- und Einbauten, sowie durch Beschlagnahme von Mansarden wurden bis zum Jahre 1924 an Kleinwohnungen geschaffen 247. Rechnet man für Abgang durch baufällige Häuser und Rückgabe der beschlagnahmten Mansarden wieder 147 ab, so verbleiben noch 100 derartige Wohnungen, so daß sich ein Bestand von 8229 vorhandenen Wohnungen ergibt. Mithin ist ein rechnerischer Fehlbetrag von 49 Wohnungen vorhanden. Run besteht aber eine wesentliche Differenz zwischen meiner Aufstellung und der vom Wohnungsamt geführten Wo nungs iste, und eS ist somit nachzuforschen, wodurch eine solche Differenz entstehen kann. Rach der Liste des Wohnungsamtes sollen €97 Familien ohne Wohnung fein, nach meiner Aufstellung fehlen 49 Wohnungen. Bei dieser Aufstellung nicht mit einbegriffen sind 182 im Bau begriffene Wohnungen, die im Laufe dieses Sommers bezugZserlig werden. Ob diese Wohnungen alle vermietet werden können, erscheint sehr zweifelhaft. Mo er ko nmt nun diese Differenz ? 1. 3n die amtliche Wo^nungsliste kann sich jeder eintragen lassen, ob von hier oder auswärts. 2. Ein großer Teil von den ohne Wohnung Gemeldeten denkt aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht daran, eine eigene Wohnung zu besitzen. 3. Dutzende von Wohnungen sind im Besitze von Einzelpersonen, die sich gar nicht in ihrer Wohnung befinden und die durch Llnter- vermieten ein glänzendes Geschäft machen, während alle Llntermieter als Wohnungslose zählen. Durch diese Tatsache wird eine Wohnungsnot hervorgerufen, die in Wirklichkeit gar nicht besteht, zumal die Einwohnerzahl seit 1914 von 33 628 bis zum 1. 3anuar 1928 auf 33 344 gesunken ist und sich seit dieser Zeit noch in weiterem Sinken befindet. Die Wohndichte ist also seit 1914 von 4,85 Prozent auf 4 Prozent zurückgegangen. Zugegeben muß werden, daß eine gewisse Anzahl von Kleinwohnungen fehlt. Aber Bedarf an derartigen Wohnungen bestand schon vor 1914, besteht heute, und es wird auch in Zukunft damit nicht anders werden, selbst nicht bei Beibehaltung der Zwangswirtschaft. Aus all dem geht hervor, dah nur durch die Zwangswirtschaft die Wohnungsnot hervorgerufen worden ist, und sie auch nie behoben werden wird, solange die Zwangswirtschaft besteht. Rur auf dem Wege der freien Wirtschaft wird es möglich sein, die fehlende Wohngelegenheit zu beschaffen, und damit wird auch das Gespenst der Wohnungsnot verschwinden.
Aus dem Kassenbericht, der von Bauinspektor Matheis erstattet wurde, ging hervor, daß die Kasse des Vereins wiederum ein Plus aufzuweisen hat. Kasse und Bücher wurden von den gewählten Revisoren Herbert und Götz eingehend geprüft und in bester Ordnung befunden.
Bei der Wahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden diese durch Zuruf wiedergewählt.
Anschließend hielt Rechtsanwalt Dr. K a h einen Vortrag über das Thema: »Die ungünstige Einwirkung der Zwangswirtschaft auf den WohnungSmarkt". 3n eingehender Weise legte der Redner die Gründe dar, die dafür sprechen, daß durch die Zwangswirtschaft dem gesamten Volke großer Schaden zugefüqt wird, da nicht nur der Hausbesitzer und die Wohnungssuchenden, sondern auch die ganze Wirtschaft geschädigt werde. Es sei höchste Zeit, mit dem Abbau der Zwangswirtschaft zu beginnen.
Rach gründlicher Aussprache wurde die Versammlung von dem Vorsitzenden mit der Aufforderung zu festem Zusammenhalten aller Hausbesitzer geschlossen.
Daten für Freitag, 8. Marz.
Sonnenaufgang 6.31 Uhr, Sonnenuntergang 17.52 Ufjr. — Mondaufgang 5.57 Uhr, Monduntergang 14.10 Uhr.
1858: der Maler Hans Herrmann in Berlin geboren: — 1858: der Komponist Ruggiero Leon» caoallo in Neapel geboren: — 1917: Graf Ferdinand Zeppelin in Berlin gestorben.
Lind wenn im dritten Akt die Fischerweiber, Witwen und Dräute, bei Rächt und Sturm und schwerem Seegang beisammensitzen und sich unheimliche Geschichten vom Meer, von Schiffbruch und Seemannstod erzählen, an ihre Toten denken und um ihre Lebendigen bangen: so ist das eine Zustandsschilderuna, ein LebenSausschniit, ein Stück Roman vielleicht, eine realistische Theater- szene auf jeden Fall — nur kein Drama.
Aber: wenn die beiden letzten Männer au- einer Familie, die bisher vom Meer verschont wurden (der eine widerstrebend, in Todesangst und von roher Gewalt gezwungen) aus ein Schiff zum Fang müssen —, und der Reeder, der im Trocknen sitzt und den Gewinn einstreicht, weih, dah das Schiff ein morscher Seelenverkäufer, aber hoch versichert ist —, und wenn bann das Schiff unterzeht mit der ganzen De- satzuna: dann .sind die Fische schwer bezahlt". Lind dann geht uns das Ganze genau so viel o^r^. wenig an wie die Hauptmannschen
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Rur dah Hauptmann der größere Künstler ist. DaS Fischcrstück erinnert in einzelnen Motiven und Szenen so stark an daS Weberstück, daß die literarischen Einflüsse kaum von der Hand zu weisen sind. Aber die .Weber'' sind — abgesehen von ihrer sozialen Tendenz — eine Dichtung: die .Hoffnung" ist (außer ihrer Tendenz) ein Theaterstück. Richt so objektiv vor allem wie das deutsche Schauspiel, welches bemüht bleibt, das Problem von beiden Parteien auS zu betrachten, das auch dem Fabrikanten sein Recht zugesteht und darauf verzichtet, einfach einen gemeinen Verbrecher aus ihm zu machen.
Bei Heifermans kommt das Gegenspiel zu kurz, überwuchern die Teilmotive und Einzelschicksale (über deren Ausbau und Häufung, in diesem Zu- sammenhang, gestritten werden darf), überwuchert Milieu und Zustand die Dramatik, Tendenz das menschliche Schicksal. Theater die Tragik. Bestehen bleibt — auch in anderem Gewände, auf anderem Schauplatz — das soziale Problem, die Aufrechnung und Tecteilung von Gewinn und Verlust und Risiko, der Einsatz an Menschenleben und Geldwerten.
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Bestehen bleibt auch die Frage, ob man daS Stück hervorgeholt hätte, wenn es minder büh.
Zur Förderung der Vogelkunde.
DieTierpsychologischeDeobachtuna»- station Gießen bittet um Auskunft über folgende Fragen:
1. Welche Dögel wurden in diesem Winter z. B. an den Futterplätzen beobachtet? Verhielten sie sich anders als in weniger kalten Jahren?
2. Haben die Dögel an den Futterplätzen während der Kälte abgenommen?
3. Wie steht es mit der Häufigkeit der Meisen?
3. Wo wurden diese Beobachtungen gemacht (Dors, in Gießen, Straße)?
5. Wurden in diesem Winter Nebelkrähen (grau, Kopf, Flügel und Schwanz schwarz) beobachtet?
6. Liegen bemerkenswerte Beobachtungen über Raubvögel vor?
Mitteilungen hierüber sind au richten an Professor Henneberg, Gießen, Anatomisches Institut, Bahnhofstraße.
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 biS 183, Matte 30 bis 35, Wirsing 40 bis 50. Weißkraut 30 bis 35, Rotkraut 35 bis 40. gelbe Rüben 20 biS 25, rote Rüben 20 bis 25, Spinat 80, Llnter-Kohlrabi 10 bis 15, Grünkohl 45 bis 50, Rosenkohl 75 bis 80. Feldsalat 253 biS 330, Tomaten 80 bis 93, Zwiebeln 25, Meerrettich 53 bis 123, Schwarzwurzeln 90 bis 100, Kartoffeln 7. Aepfel 30 bis 40. Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 50, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner ICO bis 120, Tauben 80 bis 85. Rüsse 70 bis 83. Endivien 150 Pf. das Pfund: Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.: Eier 20 bis 22, Blumenkohl 80 bis 160. Salat 40 bis 45, Lauch 25 bis 50, Rettich 20 bis 30. Sellerie 23 bis 100 Pf. das Stück: Radieschen 40 Pf. das Bund: Kartoffeln 6,5 Mk. der Zentner.
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* Sitzung des Provinzialausschusses. Am nächsten Samstag, 9. März, vormittags 8.30 Uhr beginnend, findet im Sitzungssaale des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Die Entwässerung der Hofreite der Wilhelm Seipp Wwe. In Albach: hier: Klage der Genannten gegen den Polizeibefehl des Kreisdirektors des Kreises Gießen vom 5. Februar 1929. — 2. Klage der Gießener Studentenhilfe e. D. in Gießen, vertreten durch Rechtsanwalt Friedrich Engisch in Gießen, gegen die Stadt Gießen, vertreten durch den Oberbürgermeister, wegen Strahenkostenbeitragsleistung. — 3. Die Wasserleitung in Ober-Wöllstädt: hier: Berufung des H. F. Diel in Ober-Wöllstadt gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Friedberg vom 10. Mai 1928. — 4. Klage des Bez.rksfürsorae- verbandes der Stadt Gießen gegen den Bezirksfur- forgeoerbanb des Kreises Büdingen auf Ersatz von Fürsorgeaufwendungen für Karoline Weber aus Atzbach. — 5. Klage des August Adolph in Gedern gegen das Kreisamt Schotten wegen Versagung eines Wandergewerbescheins.
** Forftpersonalie. Der Amtsvorstand des Forstamts Schotten, Oberforstmeister Dr. Baader zu Schotten, wurde in gleicyer Diensteigenschast in das Forstamt Darmstadt versetzt.
•• Frühjahrs-Pferoemarkt in Gießen. Am Mittwoch, 20. März, findet in unserer Stadt der Frühjahrs-Pferde- und Fohlen- markt statt. Mit dem Markte ist eine Prämiierung verbunden, für die über 2000 Mk. zur Verfügung stehen. Der Landwirtschaftskammer- Ausschuß für Oberhessen hat für diese Prämiierung 300 Mk. gestiftet, der Hessische Landes- Pserdezuchtverein gab zu dem gleichen Zwecke 100 Mk.
*• Starke Inanspruchnahme der Sanitätskolonne. Die Gießener Freiwillige Sanitäskolonne vom Roten Kreuz wird seit Tagen durch Krankentransporle aller Art sowohl aus Gießen, wie auch aus der näheren und weiteren Umgebung — bis weit m die benachbarten preußischen Kreise hinein — stark in Anspruch genommen. Die beiden Sanitäts- autos mit ihren Begleitmannschaften sind nahezu den ganzen Tag unterwegs, um Kranke — meist handelt es sich dabei um schwerere Fälle von Grippeerkrankungen mit Lungenentzündung — den hiesigen Kliniken und Krankenhäusern zuzuführen. Trotz der Häufigkeit ihres Auftretens nimmt die Grippe aber erfreulicherweise immer noch einen Verlauf, der zu Beunruhigungen
nenwirksam und mit weniger dankbaren Rollen versehen wäre. Raturalistiiche Stücke und soziale Stücke haben wir selber genug, und bessere obendrein.
Die Aufführung ist von Oberspielleiter Tan- nert inszeniert. Sie war ausführlich, sorgfältig betont, sehr deutlich und sehr wirksam. Für unsern Geschmack zu viel Theater im letzten Akt. Zu schleppend im dritten, der ohnehin dramatisch der schwächste ist (wiewohl gerade hier ein gutes Ensemble am Werk war). Lieberhaupt war nichts gemildert, nichts gedämpft, nicht die kleinste Schwäch« verdeckt. Aber vielleicht kann keine Aufführung verhindern, dah manches nicht nachdenklich. sondern quälend wirkt, daß vieles nicht ins Blut geht, sondern auf die Rerven fällt. (Bei Hauptmann fallt einem in fünf langen Akten nichts auf die Rerven: daS ist kein Zufall.) Llebri- genS war das Milieu stilgerecht getroffen. Kleine Dialektunsicherheiten fielen kaum auf. Die Bemalung des äußeren Bühnenrahmens schien uns wenig glücklich: auch eine realistische Aufführung sollte man nicht mit Kinoplakaten verzieren. —
.Die Besetzung war recht gut Die alte Fischer- Witwe Kniertje gab Auguste Prasch-Gre- venberg. Wenn man wiederholl die „alte Schule" in ihrer Darstellung betont, so kann daS nur im Tone besonderer Anerkennung geschehen. (Manchem jungen Schauspieler täte heute ein Wenig alte Schule nur gut und oft bitter not.) Die Rolle war vor allem in den ersten Auszügen mit viel Gefühl, fein und nuanciert und sehr lebendig gespielt. Das schließt nicht auS, daß der Darstellerin andere Ausgaben u. E. besser liegen, und dah uns die gesteigerte Theatralik des Schlußaktes, die teilweise auch die Verständlichkeit des Textes beeinträchtigte, übertrieben vorkam.
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Von den beiden Söhnen gab K n u r mit kräs- ligen Te,nperammtSauS rächen — gelegentlich ein trenlg traft und überlaut —• den revolutionären Heißsporn Geert, W e f e n e r eine geschickt ab» aelönte und richtig empfundene Kontrastfigur, den felgen, verstockten und von Ahnungen heimgesuchten Barend. Don den Fischermädchen vor allem die Io der Trude Heß mit einer unverbrauchten Ursprünglichkeit, obschckn Im äußern
keinerlei Anlaß gibt. Die Bevölkerung wird jedoch bei dem gegenwärtigen Liebergangswetter im Falle von Erkältungskrankhrilen gut tun. vorsichtig zu sein und rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
•* Unfall auf oem Schulwege. Gestern vormittag verunglückte auf dem Wege zur Schule eine Schülerin der Studienanstalt auf dem Bürgersteig der Dammstraße. Das Mädchen glitt auf dem vereisten Trottoir aus und kam dabei so unglücklich zu Fall, dah eS den rechten Unterschenkel brach. Rach erster Hilfeleistung durch Mitglieder der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wurde das bedauernswerte Mädchen der elterlichen Wohnung zugeführt.
•* Sic kirchenmusikalifchePaffionS- andacht des Posaunenchors Lang- Göns am Sonntagabend In der Stadtkirche war für alle eine wirlliche Feiexstunde. Unter dem Leitgedanken »Das Wort vom Kreuz" bot der gut geschulte Chor unter der ruhigen, bestimmten Leitung von Chormeister Boller beste kirchliche Musik, die in drei Teilen redete von Kreuzes- und von Sterbensleid, von Christi Tat und Barmherzigkeit, von Fried und Freud in Ewigkeit. Bon den 16 Rummern waren allein 8 von Johann Sebastian Bach. Das bedeutet eine große Aufgabe, und darum war S eine be sondere Freude, zu bemerken, mit wieviel Der ständnis und gutem technischen Können auch der Chor die Gaben des großen Meisters kirchlicher Musik darbot. »DaS klingt fast wie eine Orgel", sagte ein junger Mcnsck, der wie wir anderen davon innerllch ergrijen war. Diese Wirkuna der Musik war aber wohl nur möglich durch die feinsinnige Darbietung der Texte. Frau Dr. Aubel sprach vor jedem Musikstück die Textworte und stimmte so mit großem Geschick die Herzen der Hörer auf die Sprache der MusU, ein edles Zusammenwirken von Wort und Musik. Die Begleitung der gemeinsam gelungenen Choräle hatte Stadtorganist Simon in freundlicher Weise übernommen. Trotz der vielen Veranstaltungen ähnlicher Art in der letzten Zeit und auch am Sonntag war doch eine stattliche Gemeinde zusammengekommen, und kein Besucher wird ohne Dank gewesen sein für diese Stunde innerer Bereicherung und Erbauung.
•• Der hessische Philologen verein halt am 11. und 12. April in Bad-Nauheim feine diesjährige Hauptversammlung ab. In der öffentlichen Festversammlung spricht der Heidelberger Universitätsprofessor Hoffmann über „Pädagogischer Humanismus in den romanischen und germanischen Ländern".
ee Der Verband „Deutsche grauen* kultur", Ortsgruppe Giehen, veranstaltete im Gasthaus .Hindenburg" einen Tee- Abend für Mitglieder und Gäste. Dr. gibt!« sprach in überzeugender Weise über die Rot- wendigkeit eines gut ausgebauten RetzeS von Jugendherbergen für die Ertüchtigung der deutschen Jugend, und zeigte in schönen Lichtbildern Ser bergen aller Art und ihre verschiedensten inrichtungen. Der VollS-TanzkreiS Gießen führte in jugendlich frischer Art eine ganze Reihe schöner aller Volkstänze vor.
"Auftrieb auf bem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt. Färsen 1, Kühe 1, Kälber 1275, Schafe 266. Schweine 776.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
$ Alten-Duseck, 6. März. Daß man beim Ausstellen von eisernen Fallen nicht vorsichtig genug sein kann, beweist folgend«! Vorfall. Der deutsche Schäferhund eines hresiaen Einwohners war. als er vorübergehend von der Kette befreit wurde, durch eine Spalierlücke in den nahegelegenen Garten eines anderen Einwohners gelangt. Hierbei geriet er mit den Vorderbeinen in eine bei der Lücke aufgestellte eiserne Schlagfalle. Die gerade anwesende Schwägerin des HundebesitzerS befreit« mit großer Mühe das vor Schmerzen laut schreiende Tier aus seiner gefährlichen Lage, wobei sie jedoch von dem wie wütend um sich beißenden Hunde derart am Bein verletzt wurde, daß sie sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.
V Mainzlar. 6. März. Bei der am Montag im Gemeindewald stattgehabten zweiten Brennholzversteigerung bewegten sich
Bilde zu wenig robust für die Rolle. Don den übrigen Fischerfrauen ist in erster Reche die TruS der Maria K o ch zu nennen, die ihre kurze Szene im drillen Akt ausgezeichnet zur Geltung brachte.
Ebert-Grassow hatte die wenig dankbare Aufgabe, den Reeder BoS auf die Deine zu bringen: im ersten Akt am gelungensten: mit überlegener Zurückhaltung und nicht ohne eine gewisse sympathische Menschlichkeit: zuletzt die ausreizende Tendenzfigur: mit möglichster Reserve. — Sehr hübsch ausgetüftelte Chargen bolen die beiden uralten HäuSler (Dast 6, 2 in fr mann) und der deutlich von Hauptmann her- kommende Buchhalter Kaps (Ritter): auch feien die Damen Krahmer und Jüngling, in kleineren Aufgaben, nicht Dergeffen. —
Die Aufführung fand einen lebhaften Publl- kumSerfolg. Dr. Th.
Der englische Baron Münchhausen.
Zu ASbury-Park im Staat« Rew Jersey wurde dieser Tage Dr. Edwin Py« Turner O S b a l d i- ston erschossen auf gefunden, mü einem Revolver in feiner Hand. Dieser Mann, der die amerikanisch« Oefsentlichkeit vielfach beschäftigt hat, wurde „der englische Baron Münchhausen" genannt, weil er so tolle Geschichten zu erzählen wußte, wie der berühmte „Lügenbaron'. der durch seine Schnurren und Aufschneidereien un» sterblich geworden ist. Schon über dem Aller OsbaldistonS schwebte ein geheimnisvolles Dunkel. 2llS er vor drei Jahren angeklaat und verhaftet wurde, weil er in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Pferd gestohlen haben sollte, da erklärte er vor Gericht, daß er 94 Iah« all fei. Später aber meinte er, er habe sich „zu jung" gemacht und fei damals schon 97 Jahr« all gewesen, so daß er sich also jetzt alS 100- jähriger das Leben genommen hätte. Bon seinen Schicksalen wußte er die Abenteuerlichsten Dinge zu berichten. Er gab an, daß er aus einer angesehenen englischen Familie stamme und bereits im Ärim-Äriej mllgefochten habe: außerdem erzählte er gern von seinen Kriegstaten unter Garibaldi und im Durenkriege. Eine seiner Geschichten handelt von einem Zweckamps, den er in Deutschland auSgefochten habe: die S.rafe dafür sei ihm durch einen besonderen Gnadenerlaß Wilhelms II. geschenkt worden.


