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beladenen Frauen und Kinder keuchen hinter ihm her. Alle Landteuie haben ihre Trachten, i/eren es in Dukgarien nicht nur sehr viele, sondern auch sehr mannigfaltige und sehr hübsche estbt. Sonn- und Feiertags versamme n sich die Dorsbewohner in ihrem schönsten Schmuck an einem alten Nußbaum der dort die Nolle un­serer Dorflinde spielt und dann wird nach der unseren Ohren eintönig klingenden. doch stark rhythmischen M.odie einer Hirtenflöte getanzt, aber leine Rundtän.e. sondern der C-horo, eine Art Neigen. Das Familienleben ist sehr aus­

geprägt und hat noch stark patriarchalischen Cha­rakter. was auch in vielerlei eigenartigen Dolks- gebrauchen deutlich zum Ausdruck kommt. Jün­gere Ehepaare nehmen stets Eltern oder Schwie­gereltern zu sich, wobei es als absolute Selbst- Verstäiidllchkeit gilt, daß die alte Mutter im Hause tonangebend ist. Gewöhnlich ziehen die Eltern zum ersten Sohn. Daß alte Eltern al­lein wohnen, wie etwa bei uns in Oberbayern im sog»Austragstüberl", ist für bulgarische Ver­hältnisse vollkommen undenkbar.

der ungeheuer starken Steuerbelastung und dem Preismistverhältnis sind besonders erregend. Nur eine starke lPidwirtschaftlich« Erzeugung, die uns weniger abhängig vom Auslande macht, kann zu einer gesunden Handelsbilanz führen. Die Selbst­hilfe must nachdÄcklichst einsehen, und zwar nach der technischen Seite, nach der zur Zeit große Anstrengungen durch die Landwirtschaftskammern, Ausstellungen usw. gemacht werden, und nach der geschäftlichen Seite hin (Ausgestaltung des Ge» nosfenschaitswesens). Der Referent ging auf die Frage im genossenschaftlichen Geldgeschäft und Warengeschäft der Gegenwart und nächstliegenden Zukunft ein, forderte eine individuelle Kvedib- politik, bessere Tetriebsberatung und VetriebL- lontrolle durch die lokalen und regionalen Oe» nossenschaften. Im Warengeschäft steht der Absatz der landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Vorder­grund aller Bestrebungen. Die Landwirtschaft ist Massen-Produzent. Sie verkauft ihre Er­zeugnis,« hu Engros-^reilen in unbegrenzter Kon­kurrenz mit dem eigenen Derufsgenossen, während sie ihre Dedarfsstosse von industriellen Produ­zenten und von Handwerkern bezieht, die ihren Einkaufspreis kartelliert oder innungsmähig fest- gelegt haben. Wollen wir dies ändern, dann müs­sen wir die einzelnen Betriebe zufammenfassen und zu geordnetem Handeln verbinden. Es wurde hierauf der Stand der Bestrebungen auf dem Gebiete des genossenschaftlichen Absatzes von Ge­treide, Vieh, Eiern, Milch, Mölleret Erzeugnissen, Obst und Gemüse dargelegt und hervorgehoben, das; alle diese Fragen nur zufriedenstellend ge­löst werden können durch Mitarbeit der Land­wirtschaftskammern und älnterftützung der übrigen Organisationen. Starken Impuls bekäme die 25» furog durch die Vereinheitlichung des landwirt­schaftlichen Genossenschaftswesens, die hoffentlich m nächsten Iahre zustandekommt. Der Referent schloß mit einem Hinweis, daß die wirtschaftliche Rot das gesamte Wirtschaftsleben in Stadt und Land beherrscht. Richt durch Parteiwirtschaft, sondern durch tatkräftige Arbeit der Gesamtheit und zielbewußtes Streben kann sie behoben wer» deir Kein Gesetz und keine Einrichtung haben soviel zur Erhaltung des Bauernstandes bei» Getragen, wie das deutsche Genoffmschaftswesen. Möge es erkennen, daß darin die Wurzeln seiner Kraft liegen und möge es festhalten an dem Worte auf dem Denkmal von HaaS:Fest im Vertrauen, fest in der Treue, fest im Zusammen­halt, fest in der Eintracht in Freud und Leid!"

Besichtigungen.

Den Vorträgen schloß sich am Rachmittag des ersten Tages ein Besuch des Landwirtschaft­lichen Instituts und des Agrikultur- chemischen Instituts der Landesu. i ersität an; der Rachmitta; des zweiten Tages führte die Teilnehmer nach dem Tierzuchtinstitut Oberer Hardthof" und nach dem älniversitätsversuchsgutUnterer Hardtho f*'. Hieran schloß sich ein gemütliches Zusammensein auf der Hardtterrasse mit einer Aussprache über die durch die Vortrage ange­regten Fragen.

Oer Abschluß.

Mit dem dritten Tage hat der KwfuS sein Ende gesunden. Sämtlichen Vortragenden war begeisteter Beifall der über alle Erwartung zahl­reich erschienenen Zuhörerschaft beichteten. In warmen Worten dankte das Vorstandsmitglied des Raiffeisenverbandes Frankfurt a. M., Delon Vogel, Bruchenbrücken, in seiner Schlutzan- sprache der Alma mater Ludoviciana und dem Landwirtschaftlichen Institut für die Veranstal­tung des Kursus, ferner insbesondere den Refe­renten, die sich i.i uneigennütziger Weise für den Vortragskurs zur Verfügung gestellt hatten. Er bezeichnete es als einen besonderen G'winn, daß durch diesen Lehrgang das Band zwischen land­wirtschaftlicher Pra is und Wissenschaft enger geknüpft wurde. Aus der Rot des deutschen Bauern ist das Genossenschaftswesen herausge­wachsen. Die gegenwärtige Agrarkrise und die der Landwirtschaft zu deren Behebung gewie­senen Aufgaben, die in der Hauptsache durch Selbsthilfe gelöst werden müssen, stellen die Rot- wendigkcit der genossenschaftlichen Gemeinschafts­arbeit erneut in den Vordergrund. Möge das in dem Kursus Gebotene dazu beitragen, diese Ge­meinschaftsarbeit zu stärken und an einer Be­hebung der Rot des deutschen Dauern mitzu­wirken. Die abgelaufene Tagung gab Re'erenten und Zuhörern reiche Anregungen und wird allen Teilnehmern unvergeßlich in Erinnerung bleiben.

ümdwirMastlichkS Smoffenschastswese».

Kursus beim Landwirtschastiichen Institut der LandeSuniversität in Gießen.

Dritter Tag.

Der erste Redner des dritten und letzten Kursus- tages, Generalsekretär Dr. Strub (Darmstadts berichtete über:

Zweck und Aufgaben der land­wirtschaftlichen Interessenvertretung.

Die Nachkriegszeit brachte eine Fülle von Or­ganisationsbestrebungen in allen Zweigen der Voltswirtschaft, hervorgerufen durch die erheblichen Umwälzungen wirtschaftlicher, sozialer und politi­scher Natur. In der Landwirtschaft war eine gleiche Entwicklung zunächst gehemmt durch die bestehende Zwangswirtschaft für landwirtschaftliche Erzeug­nisse. Um so stürmischer setzte alsdann nach Ein­führung der stabilen Währung die Zusammen- schlustbewegung auf dem Lande unter dem Drucke der wirtschaftlichen NoUage allseits ein. Ein lieber« blick über den heutigen Stand der landwirtschaft­lichen Interessenvertretung zeigt deutlich eine Glie­derung in drei verschiedene, in sich ziemlich genau abgegrenzte Arbeitsgebiete. Diese finden ihren or­ganisatorischen Ausdruck einmal in der Landwlrt- schastskammer, als gesetzliche Berufsvertretung zur Förderung der Landwirtschaft, vorwiegend in be­triebstechnischer Hinsicht, zum anderen in den freien Organisationen, als wirtschaftspolitische Interessen­vertretung, und zum dritten in den Genossenschaf­ten, welche dis Aufgabe der rein wirtschaftlich­geschäftlichen Interessenvertretung übernommen ha­ben. Zu den wesentlichen Aufgaben der Landwirt- fchaftskammer gehören die Maßnahmen zum Aus­bau der Produktion, sowohl im Ackerbau, als auch in der Viehzucht. Die Veränderung der Marktlage und vor allem die starke Konkurrenz des Auslan­des erfordern weitgehendste Anpassung an die der­zeitigen Bedürfnisse bet Derbraucherschaft. Die finanziellen Schwierigkeiben lassen größte Kosten­ersparnis als dringend notwendig erscheinen, die nur möglich ist durch umfassende Beratung der Landwirte in allen Fragen der Betriebswirtschaft »nd Technik durch die Landwirtschaftskammer. Auch den wirtschaftspolitischen Organisationen kommt unter den heutigen Verhältnissen wachsende Bedeu­tung zu. Sie vertreten in erster Linie die berufs» ständischen Interessen. Die Steuer- und Handels­politik der letzten Jahrs gab eine reiche Betäti- gungsmoglichkeit. Die Bestrebungen könnten noch verstärkt werden durch eine größere Einheitlichkeit der einzelnen Organisationen. Die rein wirtschaft- lichen geschäftlichen Aufgaben der Landwirtschaft müssen den genossenschaftlichen Organisationen über» lassen werden. Insbesondere haben sie die gewalti­gen Ausgaben der Verwertung der Erzeugnisse zu lösen. Im Kreditwesen stellen die ländlichen Volks­banken und Spar- und Darlehenskassen die berufe­nen Sammelbecken der Gelder des Landes dar. Sie ermöglichen einen unmittelbaren, schnellen und des­halb billigsten Geldausgleich in der Gemeinde, der nicht nur den Landwirten, sondern auch den übri­gen ländlichen Berufsständen zugute kommt. Die Ineressenvertretung der Landwirtschaft hat sich heute im wesentlichen in drei verschiedene Organi­sationsgruppen spezialisiert. Deren Tätigkeit wird um so wirksamer gestaltet werden können, je mehr sie ihre Kräfte auf das ihnen zukommende Arbeits­gebiet konzentrieren.

Als nächster Redner sprach Verbandssekretär Beck- Frankfurt über:

OieRevisionö- und Konirolliäiigkeit im ländlichen Genossenschaftswesen."

Das genossenschaftliche Revisionswesen hat sich frei entwickelt, und auf bleie freie Entwicklung ist es nicht zuletzt zurückzuführen, daß von Anfang an den Grundsätzen der Selbstverwaltung und der Selbstverantwortung in durchaus wünschens­

werter Weise die notwendige Beachtung ge­schenkt wurde. Die von allen deutschen Genosien» schaftsverbänten gehandhabte Re i ion macht nun bei den durch das Gesetz feitg?Ieg,ien Bestimmun­gen durchaus nicht halt, sondern sie geht weit Darüber hinaus. Die Tätig leit der Revisions- Verbände erschöpft sich keinesfalls mit der Vor­nahme der gesetzlichen Revision, die Verbände müssen vielmehr im besten Sinne des Worte- Hüter und Förderer der Aevi ionsgrund'ätze und der genossenschaftlichen Grundlagen sein. Es dürfte einleuchtend erscheinen, daß eine 5er vor­nehmsten Vorbedingungen $ur Ausübung einer ausreichenden Äontrolltätigfeit der Verbände in der richtigen Auswahl der Verbandsrevisoren zu sehen ist, deren fortgesetzte Weiterbildung auf Grund der gesteigerten Ansprüche und Ver­hältnisse sich die Genossenscha'tsverbände beson­ders angelegen sein lassen. Der Referent ging dann ein auf die gesetzlichen Bestimmungen hin­sichtlich der Revisionen der Reviftonsverbände. Er betonte anschließend, daß für al5e ländlichen Genossenschaften Vie Verband Revision eine Le­bensfrage bedeutet. Die Geno senschaften werden von den Revisionsverländen gewissermaßen von ihrer Geburt an aufgezogen, und ihre guten Leistungen, wenn sie aufgezogen sind, sind eine Folge bet Derbandsarbe.t. Die wilten Genossen­schaften ohne Verbandsanschluß, unter denen sich vielfach genossenschaftliche Mißgehurten ver­bergen, müssen verschwinden, und es sollte die Forderung erhoben werden, daß sich im Inter­esse der Genossenschaftsmitglieder alle eingetra­genen Genossenschaften einem ReoiskonLoereande anschließen müssen. Dies würde keinesfalls eine Beeinträchtigung der genossenschaftlichen Freiheit bedeuten.

Der Referent schließt mit den Worten: Selb­ständigkeit und Selbstverantwortung der Ge­nossenschaft müssen sinngemäß aufrecht- und wach- gehalten werden, sowie Hand in Hand arbeiten mit einer planmäßigen durch jahrzedn e ange Er­fahrungen gereiften Revisionstätigreit der Ver­bände. bann wirb auch ber endgültige Erfolg nicht ausbleiben, wir werden vielmehr dann das deutsche ländliche Genossenschaftswesen zu dem machen, worauf es berechtigten Anspruch erheben darf, zu einer von allen ilnüoreingenommenen anerkannten volkswirtschaftlichen Macht zum Segen unseres noch immer schwer um seine Stel­lung ringenden deutschen Vaterlandes.

GegenivartS- und Zukunstsausgaben im landmirtschastlichenGenoffenschLstsVesen" behandelte sodann Derbandsdirektor Berg auS Darmstadt. Er wies einleitend auf die starken Wandlungen hin, die der Wert des Genossen­schaftswesens in der Öffentlichkeit seit der Dov» lriegszeit erfahren hat. Es gibt fein augen­scheinlicheres Kennzeichen für diesen Wandel als die Tatsache, daß die Weltwirtschaftskonferenz dem Genossenschaftswesen eine mindestens ebenso große Beachtung schenkte, als den industriellen Kartellen. Das Genossenschaftswesen hat die 3n- flationskrise überbauten; wo noch Schlacken vor­handen sind, müssen sie baldmöglichst beseitigt werten. Vorwürfe gegen das Genossenschafts­wesen, die mangelnde Beweglichkeit und die zu starke geschäftliche Einstellung, wurden ausgiebig und schlagfertig erörtert Diese Vorwürfe werden aus einem gewissen inneren Unmut über die Ver­hältnisse der Zeit heraus oft ü| unsachlicher Weise erhoben. Die Landwirtschaft durchzieht eine schwere Krise. Sie arbeitet unter dem Miß­verhältnis zwischen den Preisen für! ihre Erzeug­nisse und den Gest-ehungskosten. Die Folgen sind zwangsläufig. Die Zinfenlast in Verbindung mit

Lache Bajazzo!

Roman von I. Echnelder-Foerfil.

Urbeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.

38 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Hettingen hörte nur noch ein Kichern und dann ein paar sich rasch entfernende Füße. Er stand noch immer und starrte auf das Ungeheuer, dessen Schweif wie zum Schlage erhoben war. Die Augen der- Riesenechse lauerten in dir seinen. Das dunkle Dronzegrün brs Rückens schillerte auf, die schwarzen Flächen an brr Unterseite des Körpers erschienen wie tellerartige Schatten.

Eine wundervolle Sternennacht im Sudan hob sich in Hettingens Gedächtnis. So scharf und klar vmrisfen wie die Milliarden Himmelskörper, die sich damals in dem breiten Strome gespiegelt hatten, an dem er mit seinem schwarzen Be­gleiter halt machte, um Wasser für ihre Tiere zu schöpfen.

Die Kamele tranken gierig.

Unweit von ihnen kam ein junger Mann aus einem Zelte auf sie zu, den schönen schlanken Körper nur mit einem Batetrikot betteltet Rach ein paar Worten der Begrüßung lieh er sich in die Wellen gleiten. Vom Dordrante eines Ein­baumes aus sah Ioachim ihm nach.

Plötzlich ohne jedes Geräusch und so schnell, daß es dem Aufzucken eines Blitzes glich, hob sich der Kopf eines Krokodils aus dein Wasser, um pfeilschnell mit einer einzigen Wendung sich nach dem Körper des jungen Mannes zu stürzen, der vor ihm herschwamm.

Von Hettingens Hand fuhr eine Schlinge, mit der er gespielt hatte, um ten Kopf ber Echse mit einem Sprung war er im Wasser und in ber nächsten Sekunbe auf bem Rücken des Tieres, bas ten Hals nach ihm zuwandte, um ihn zu verschlucken. Ein Stück schwimmenden Treibholzes, baß Ioachiin zwischen blc Finger geriet, stak dem Tier Im selben Augenblicke als Querholz zwischen den Zähnen, daß er seine

Deute, wie ein Roß am Zaume, ans Land zu treiben vermochte.

Allahs Gnade und Barmherzigkeit hat dich gerettet, HerrI" Der Diener fiel ishm zu Füßen und dann über das Ungeheuer hcrr, das er mit einem Spieß durchbohrte.

Dis in die Lippen erblaßt unb kaum ter Sprache fähig, stand Diebow vor seinem Retter. Wie kann ich Ihnen danken? Diebow ist mein □tarne 1

Hettingen!" sagte Ioachim kurz und nahm die kalte Hand, die sich ihm entegegenstreckte, zwischen seine warme ruhige.

Schlasen Sie Ihren Schrecken, tüchtig aus! Vielleicht begegnen wir uns wieder einmal im Leben. Unfere Tiere haben sich sattge­trunken. Wir wollen stromaufwärts und haben noch ein schönes Stück zurückzulegen bis zum Morgen. Auf Wiedersehen!"

Mehr hatten sie nicht miteinander gesprochen. Diebow," sagte Hettingen lelsg vor sich hin. Ein Arm legte sich auf den seinen.Darf ich Sie jetzt mit meinen Eltern bekanntmachen? Meine Mutter! Mein Vater: Kommerzienrat Iankesl Stiefvater klingt so hart,' sagte er mit einem warmen Unterton ter Sprache.

Mit einem tiefen Rot auf ten Wangen neigte sich Ioachim auf die dargebotewr Frauenhand. Als er wieder ausfah, war fein; Gesicht leicht gerötetIch konnte nicht ahnen,'" bedauerte er, zu Ianke gewandt, ter ihm die Rechte schüttelte, daß ich Ihnen mit meiner Dttte um Anstellung wie ein unverschämt Zudringlicher erscheinen mußte!"

Wo denken Sie hin, lieber Daron. Ich habe den Zufall gesegnet, als mein 'Brüter, Dr. Iankes, mir damals schrieb, ob ich nicht einen offenen Posten für Sie hätte. Unti als bann Ihr schriftliches Gesuch um eine 3ngcnieurftel(e ein­lief, hat mein Sohn gelacht wie ein Spitzbube. Wir haben ganz richtig taxiert, baß Sie ohne Besinnen alles rückgängig machen würden, wenn Sie wüßten, mit wem Sie hier Wieder eßen feiern. Da haben wir also bie Sache bis jetzt ousgespart. Run Sie Ihren Rainen unter den

Vertrag gesetzt haben, werben Die boch nicht wieder ausknci.en wollen. Oder?"

Hettingen schüttelte mit einem Lächeln den Kopf, ater die Depression war noch nicht ganz überwunden.

Die Kommerzienrättn sah es und winkte einem Diener, ter Joachims Hut unb Mantel vom Stützte aufnahm und beides nach dem Oberstocke trug.Sie werten ehrlich müde fein, lieber Daron! Ruhen Sie sich erst ein bißchen aus und nehmen Sie eine kleine Erfrischung. Mein 3unge wird 3hnen Gesellschaft leisten. 3n einer Stunde bitte ich zum Diner. Auf Wieder­sehen bis dahin!"

An Diebows Seite schritt Hettingen nach feinen Zimmern. Der Diener stand bereits über seine Kosser geneigt und begann deren 3nhalt in Schränke und Schubfächer zu schlichten. Die Frage, ob er dem Herrn Daron beim Umkleiden behilf­lich sein könne, wurde verneint.

Dafür lehnte ter Sohn des Hauses sich breit in einen ter Kfubstühle und sah zu Hettingen hinüber, der, eine k eine Tasche aus Saffianlever zur Hand nehmend, nach dem eingebauten Mar- rnorwaschlisch ging.Geniert S'.e's, Daron, wenn ich bei 3hrer Toilette zugegen bin? Dann werte ich eiligst verfchwinten. Aber ehrlich gesagt: ich bleibe lieber und drücke, wenn Sie's befehlen, die Augen zu ich höre Sie dann wenigstens sprechen.

Hettingens Züge trugen in diesem Augenblick wieder jene knabenhafte Weichtet, die so sehr für ihn einnahm. Den Kopf nach tem Sohn teS Hauses wendend, sagte er nachtenk.ich:Sie haben sich so sehr verändert, daß ich unmöglich daraus gekommen wäre, mit wem ich die Freude habe, Wieder etzen zu feiern."

Verändert? Lieber Daron! Aber nein, nicht im geringsten. Wenn Sie mich erstmals im Gesell- scha.tsanzug wir heute kennengelernt hötten, wür­den Sie sich sofort wieder an mich erinnert haben. Mein Datetrikot von damals ist schuld, daß Sie mich so ganz anders im Gedächtnis behielten."

Möglich!" sprach Hettingen. Diebow mochte recht haben.

Büdinger Bilanz von 1928.

!!. Bübingen. 4. 3 an. 3m ab gelaufenen 3ahre wurde in Düdingen ter Wohnungs­not durch mehrere Reubauten gesteuert. Reben einigen Familienhäusern konnte auch daS große Kaufhaus Speyer-Kausmann in ter Bahn­hofstraße feiner Bestimmung über.eb.n werden, das neben geräumigen Läden auch vier Woh­nungen enthalt. 3n ber Altstadt entsteht zur Zeit an Stelle eines alten baufälligen Wohn­hauses ein Reubau mit Laden und Wohnungen. Die Form des Hauses wurde so gewählt, daß es sich gut in das Bild der Altstadt einfügt. Außerdem erhielten eine ganze Reih» Bürger­häuser durch Ausbesserung und farbige Behand­lung ein neues und modernes Kleid. Wohl- gelungen sind besonders einige Häuser in ter Vorstadt, dann in ter Altstadt und auf tem Schloßplah. Auch bas Cafe Hell in der Rcustadt fügt sich recht harmonisch in das Stadtbild ein.

Die Stadt hat den neuen Marktplatz weiter auggebaut unb mit elektrischem Licht versehen lassen. Um säumige Mieter zu schrecken, wurde dort auch ein ausgedienter D»3 u g» wagen aufgestellt. Wie man hört, zahlen seit­dem alle städtischen Mieter pünktlich ihre Mitte.

Die Feldbereinigung ist in vollem Gange. Viele neue Wege werden angelegt. Auch in tem Steilhang des PsassenwaldÄ entstehen zwei sehr schöne Wege, die sich sogar einseitig bebauen lassen. Leider wird aber bie herrliche Aussicht burch gänzlichen Wassermangel aus» gettichen, sonst ließen sich hier geradezu ideale Dillenstraßen daraus machen.

Die reizvollen Bübinger Waldungen wurden weiter durch schöne Wege erschlossen und Bänke aufgestellt. So wird insbesondere die Ver­besserung des Fahrweges3n ten si.ben Bächen" als sehr wohltuend empfunden. Dort ist auch im Lause des Iahres ein hübscher Sprudelcrbohrt" worden, welcher auf zahlreiche Spaziergänger eine starke Anziehungskraft ausübt.

Alle Bemühungen ter Stadt, die Vogels» bergbahn baureif zu machen, sind bis jetzt fetter nicht erfolgreich gewesen. Trotzdem be­stehen aber an maßgebenden Stellen immer noch Hoffnungen. Die A u t o I i n i e n Büdingen- Wenings, DüdingenLangenbergheim und- dingenAltwietermus entwickeln sich sehr günstig. Die Wagen sind meistens gut besetzt, der Fahr­preis ist erträglich. Desonders angenehm werten die Autolinien von auswärtigen Schülern emp­funden.

Die "Bübinger Schulen erfreuen sich durchweg eines sehr guen "Besuch.s. Im Gymna­sium. -das zu ten ältesten Gymnasien in Hessen gerechnet werten muß, best.hen mehrere Parallel­klassen, die Gewerbeschule hat mit 82 Schülern einen bis jetzt noch nie erveichttn Besuch auf­zuweisen, unb auch bie Ackerbauschule ist gut besucht.

Die Kirche hat ihre fehlenden Glock'n wieder bekommen. Daß Geläute ist nun wieder voll­ständig. Auch wurde der stattliche Kirchturm gründlich ausgebessert und ein neuer Glocken» stuhl eingebaut.

Der st ad tische Friedhof wurde erweitert und mit einer Mauer eingefriedigt.

Zum Zwecke ter Staubbekämpfung im Sommer hat die Stadt einen Sprengwagen angeschafft. An den Straßenkreuzungen wurden I Richtungsschilder angebracht. Ein Teil ber | Hammerstvatze wurde von den Daum Pflanzungen befreit und soll gepflastert werden. Damit wird endlich ein großer Mißstand beseitigt, tenn die Zustände, bie in dieser Straße herrschen, sind so nicht haltbar.

Handwerk unb Gewerbe waren auch in diesem 3ahre gut beschäftigt. So war ins» besondere bas Daugewerte burch R.u- und Um­bauten bis in bie WeihnachtSwoHen fast voll beansprucht. Die Fürstlich-Zienburg-Düdin'ische "Verwaltung baut in ihren ausgetehn'.en Gärt­nereien unter Leitung des Daumttsters Sens» selber eine moderne Trttbhausanlage, wodurch eine Anzahl Handwerker Beschäftigung gefunden haben. Auch die Möbelschreinereien konnten Vor­käufe abschließen, welche die Winterarbeit sicher» stellen. Selbst im Delleidungsgewerbr wird voll gearbeitet, wenn auch nach tem Hochbetrieb vor den Feiertagen jetzt eine kleine Atempause ein­getreten ist.

Die Gaststätten wurden im letzten 3ahve um zwei vermehrt. Das frühere Gasthaus Hensel" Reustadt hat seine Pforten toi.ter ge­öffnet. Zu einem beliebten Sonntagsnachmittags­lokal hat sich das in wildromantischer Dergschlucht gelegene Felsennest" entwickelt.

3ch habe Sie all diese 3ahre her verfolgt, wie ein Detektiv," fiel die Stimme Diebows nach einer Weile in das Schwelgen.

Joachim zuckte die Achseln.Es liegen schwere Zeiten hinter mir! Er wollte ten anderen nicht täuschen. Er durfte ruhig wissen, welche Stürme über ihn hlnweggegan-en waren.

Der jung? Mann nickte teiln.chnend.3ch habe von allem Kmntnis. Aber ich hitte nie gewagt, 3hnen ein Anerbieten zu machen, wenn nicht 3hr persönliches Gesuch um Anstellung in un­serem Betriebe eingefau en wäre."

3ch konnte nicht wissen, wen ich treffe!"

Rein, baS formten Sie nicht, verehrter Daran! Mein Vater starb, als bie Werke erst im Ent­stehen waren. Tie Mutter hat brei 3ahce später ten ersten Direktor geheiratet meinen jetzigen Stiefvater 3ankes, nach tem bie Werke be­nannt sind."

Hofsentlich nehme ich keine Ausnahmestellung hier ein, Herr Diebow!"

Rein! Sie wohnen bei uns, bas ist alles. Das Gehalt geht nach bem Tarif. Mein Vater hat Sie zum Chefingenieur ter neuen Dahn aus­ersehen."

Hettingens Dlut klopfte mit festem Schlage gegen die Rippen. Rach all tem bitteren Erfahren der letzten Monate nun wieder eine Zeit tes Glückes. Wie selig würde die Mutter sein, und wie würde 3sabella sich freuen! älnb welch sorg­loses Dasein h ttc er einem Weibe bereiten können, das ihn liebte.

Maria!"

Sagten Sie etwas, Daron?"

Rein, lieber Diebow!"

Ä.innen wir gehen? Es ist drei Minu'en vor Kwei Llhr. Mein Vater ist sehr pünktlich."" der junge Mann stand bereits an ter Türe, bie nach dem Korridor führte.

Hettingen schloß noch eilig ten Kiiopf seine- Frackes, dann fo'gte er tem Sohn: dos Hau es in das große, sonnenüberslutete Sp i'ezimmer, wo der Diener bereits am "Büfett stand, um mit tem Servieren zu beginnen.

(Fortsetzung folgt)