Montag, 7. Januar 1929
Gießener Anzeiger lGeneral-Anzeiger für Oberhessens
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Hessen hat also die Selbständigkeit und Selbstverwaltung der Gemeinden ebenfalls unter den Schutz der Verfassung gestellt. Es ist also auch nach hessischem Recht ein versassungs- änderndes Gesetz notwendig, wenn gegen den Willen einer beteiligten Gemeinde die Der- einigung von Gemeinden durch Gesetze erfolgen soll. Dieses muhte nach der Vorschrift des Artikels 31 der hessischen Verfassung zustande gekommen sein, d. h. es muh Zweidrtttelmchrhelt für das Gesetz vorhanden sein.
. Eine ähnliche Bestimmung enthält bereits die hessische Städteordnung in Artikel 10, wonach bei Eingemeindungen, wenn eine der beteiligten Vertretungen ihre Zustimmung verweigert, die Vereinigung nur durch Gesetz verfügt werden kann.
Es ist aber Aweifelhast. wie Professor Stter- Somlo in seinem Gutachten ausführt, ob überhaupt ohne Aenderung der Bestimmung der Reichsverfassung in der Selbständigkeit der Gemeinden eine Aenderung eintreten kann.
Bei der Wichtigkeit der hier erörterten Materie wäre es erwünscht, wenn die Rechtsfrage nach ihren verschiedenen Seiten hin erschöpfend geklärt würde, da viele deutsche Gemeinden ein erhebliches Interesse daran haben, zumal es sich dabei um die Existenz zahlreicher Kommunen handelt.
Wurzel fassen wird. —
Der Bulgare ist von hohem Wuchs, doch man kleine, kräftige Frauen, auf denen auch die Hauptlast der Feld- und Heimarbeit ruht. Wenn die Familie zum Wochenmarkt in die Stadt wandert, reitet der Mann nach dortiger Sitte auf einem Esel voran, und die meist schwer-
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Landwirlschast vnd Landlrvle in Vulgarien
Donilmversitätsprofeffor Dr. med. vet.Tiörr, Direktor derMedizinischen Veterinär-Klinik Gießen?
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Das Neueste von Jedermann.
Von Hans JRiebau.
Federmann telephoniert bei der Leberia, Einbruchs- und Feuerversicherung, an.
„3d) möchte mein Haus gegen Feuer versichern lassen," sagt er. ..
„Ich werde Ihnen einen Agenten schicken, verspricht der Beamte.
„Wird er gleich kommen?" fragt Federmann, den nächsten Tagen. So eilig ist es wohl
^Doch," sagt Federmann, „es ist eilig. Das Haus brennt schon."
Jedermann guckt nach den Sternen. „Ist das die Venus?" fragt er und zeigt irgendwohin.
„Rein." sagt Mücke, „das ist einer von den ^^Konusch." schüttelt Jedermann den Kopf. ..Hat man doch nie was von gehört, dah die Venus Zwillinge gehabt hat." *
Jedermann ist über Land. Mit seinem Motorrad Da bricht ein Zylinder, und Federmann schiebt das schwere Rad. Bis zur nächsten Bahnstation. Himmt eine Fahrkarte, einen Gepack- sche.n. Das kostet 11,60 Mk.
„Ich habe nur 11.50 Mk. bei mir,“ sagt Feder-
Der Beamte zuckt die Achsel. „Da müssen Sie zur nächsten Bahnstation gehen. Don dort av kostet es nur 10 Mk."
Federmann geht am Bahndamm entlang. Vis zur nächsten Station, nimmt Fahrkarte und Gepäckschein.
„13,10 Mk.," sagt der Beamte.
„Unsinn." protestiert Federmann, „von der lebten Station sollte es doch nur 11,60 mt wftCTi.
„Jawohl," sagt der Beamte, „aber Sie sind in der verkehrten Richtung gegangen."
Jedermann und Mücke gehen auf der Landstraße. Da kommt ihnen eine große Rinderherde entgegen.
„Wieviel 'Tiere mögen das wohl sein? meint Mücke. Federmann fixiert die Herde. „280 Stuck, E^Wie hast du sie denn zählen können?" wundert sich Mücke.
sagt Federmann, „wenn ich nun den
Mantel angehalbt hätte---1“
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Erhaltung der Selbstverwaltung und die EmgemeindunZen.
Von Or. Karl Äölsing, Bürgermeister der Stadt Alsfeld.
Durch die in den letzten Monaten auf dem Gebiete der Kommunalpolitik in den Vordergrund der öffentlichen Erörterung getretene Frage der Reichs - und Länderreform in Verbindung mit dem Problem des Einheitsstaates ist auch eine Frage in den Vordergrund des Interesses gerückt, die hiermit tm engen Zu» sammenhange steht, die Gin gern eindungS- bestrebungen der größeren Städte. Bekannt sind die Expansionsbestrebungen der Großstadt Frankfurt, die ihr Wirtschafts- und Interessengebiet immer weiter vorschiebt, und die bei einer kommenden Reugestaltung der Länder auch unser Land Hessen in ihre Machtsphare einbeziehen möchte. Aber auch bei unseren hes- fischen größeren Städten, insbesondere bei der Stadt Mainz, gewinnt die Eingemeindung gegenwärtig immer mehr an Bedeutung.
Es gab eine Zeit, in der man den Eingemein, dungsbcstrcbungen durch die Aufsichtsbehörden wenig oder gar keine Förderung angedcihen ließ. Man prägte in dieser Zeit auch das bekannte Wort von der „Eingemeindungspsychose . Heule denkt man anders über Eingemeindunas- fragen, und auch der hessische Innenminister hat erst vor kurzem in seinen Ausführungen die Rotwendigkeit betont, in Eingemeindungsfragen bei auftretenden Schwierigkeiten eventuell S)tnDer- nisse bei einzelnen Gemeinden i m W e g e d e s Gesetzes zu beseitigen. Es darf nicht verkannt werden, dah Verhältnisse eintreten können, welche die Einbeziehung einer Rachbargememde im Interesse der Weiterentwicklung einer Stadt erfordern und die eine Hemmung für deren Entwicklung bedeuten würden, wenn die Eingemeindung an dem Widerspruch des anderen Teiles scheitern würde. Bis jetzt sind in Hessen Eingemeindungen stets nur auf dem Wege des gütlichen Liebereinkommens zwischen den beteiligten Kommunen zustande gekommen. Anders verhalt es sich aber, wenn eine Gemeinde gegen ihren Willen gezwungen werden soll, in einer größeren Stadt eingemeindet zu werden und üjre kommunale Selbständigkeit aufzugeben genötigt wird. Eine derartige Maßnahme stellt zweifellos eine Einschränkung d e s S e l b st- verwaltungsrechts der Gemeinden _ bar. wie sie einschneidender überhaupt nicht möglich ist. Cs ist daher begreiflich, wenn auch bei den kommenden hessischen Cingemeindungsverhandlun- aen vielleicht von manchen der davon betroffenen Gemeinden im Kampf um die Erhaltung ihrer Selbstverwaltung einer Eingemeindung Widerstand entgegengesetzt werden wird. Wenn man bei einer kommenden Reichs- und Landerreform ein bewußtes Hessentum erhalten will, so wird man es auch verständlich finden, toenn einzelne Gemeinden bei einer Eingemeindung ihre berechtigte Eigenart verlieren zu muffen glau- ben und sich daher ablehnend verhalten oder nur sehr langsam auf dem Eingemeindungswege vorwärts gehen. .n
Bei diesen Betrachtungen drangt sich unwltt- kürlich die Frage auf, ob überhaupt eine Gemeinde gegen ihren Willen eingcmeindet werden kann? Im Zusammenhang mit dieser tfrage ist ein Rechtsgutachten von Bedeutung, welches kürzlich die Stadt Rheydt in der beabsichtigten Ber- einigung der Städte Rheydt und München-Glad- bach von dem bekannten Professor für öffentliches Recht an der Llniverfität Köln. Dr. S t i e r- Somlo. eingeholt hat; .Professor Stier- Somlo kommt zu dem Ergebnis daß es sich bei der geplanten zwangsweisen gesetzlichen Zufam- menlegung der genannten beiden Städte um eine Verletzung des Rechtes d er Gleichheit vor dem Gesetze handelt. Gr leitet diese Folgerung aus dem Artikel 127 der Reichsversassung her, der sich unter den Grundrechten befindet und als eines dieser Grundrechte den Sah ausstellt: „Gemeinden und Gemeinde- verbände haben das Recht der Selbstverwaltung
Don den etwa 6 Millionen Einwohnern des heutigen Bulgarien, dessen Größe ungefähr Sud- deutschland gleichkommt, widmen sich 82 Prozent der Landwirtschaft; doch stehen ihr nur 3 Millionen Hektar Boden zur Verfügung, da das ganze Land von unwirtlichen Gebirgen durchzogen wird, in denen noch Bären und Wölfe hausen; die wenigen Ebenen und Flußtäler indes sind ungemein fruchtbar. Der Bodenbesitz ist ziemlich gleichmäßig an alle Bauern verteilt und ieder von ihnen ist Besitzer des Bodens, den er pflügt und Eigentümer des Hauses, das er bewohnü Dabei überwiegt Kleinbesitz bei wertem. 88 Prozent nennen nur 1 bis 30 Hektar ihr eigen, 8 Prozent 30 bis 100 Hektar, der kleine Rest mehr als 100 Hektar, der Großgrundbesitzer mit über 300 Hektar Land sind es im ganzen bulgarischen Zartum nur einige wenige. Die Ackergeräte sind noch sehr primitiv, Holzpfluge in der Lleberzahl; erst seit den letzten Jahren werden landwirtschaftliche Maschinen in größerer Zahl aus Deutschland eingeführt. Gebaut wird vor allem Weizen und Mais, dann folgen Gerste, Roggen. Hafer, Hirse,. Reis. Letzterer übertrifft an Güte den aller übrigen Länder, deckt leDtxD gerade den Bedarf des Landes und wird nicht ausgeführt. Weltberühmt ist bulgarischer 3iga- rettent abak. Auch Baumwolle gedeiht gut, neben Hanf. Sesam, Raps, Zuckerrüben. Anis. Mohn und Oliven. Der Weinbau steht m hoher Blüte; durch das Klima begünstigt, beschäftigt man sich im Süden mit Seidenraupenzucht. An Gemüsen findet man vor allem Bohnen, baren Zwiebeln und Knoblauch Im gcutzen Balkan gelten die Bulgaren als vortreffliche Gartner und sind als solche besonders in Ungarn sehr gesucht, dort ist die Dezeichiung für Bulgare ureö Gärtner identisch, wie etwa bei uns für Schweizer und Melker. 3n dem 10 Kilometer breiten Tal der Tundscha, nächst Karlovo und Kasanlik, werden nur Damaszener Rosen kultiviert und liefern des kostbare Rosenol, das von den dortigen Landleuten in primitiven kupfernen Destillierapparaten gewonnen wird.
Die Tierzucht ist sehr gut entwickelt, doch noch verbesserungsbedürftig. Bon den rund 400 000 Pferden sind die meisten sogenannte „Panjepferde"; sie sind überall im Lande ver-
•) Rach einem am 28. Dezember 1928 im „Landwirtschaftlichen Lokalverein Gießen gehaltenen Vortrag._______
Landrindes und schwankt zwischen 1000-^2000 Kilogramm, der Fettgehalt der Milch zwischen 5—12 Prozent. Die Düffelbutter sieht aus wie Schweinefett, schmeckt eigenartig, doch nicht unangenehm und ist im Gegensatz zu der häufig noch mit Schafbutter gestreckten Kuhbutter äußerst billig. Wenn der Düffel auch nur ganz langsam zieht, so ist seine Arbeitsleistung doch außerordentlich groß und übertrifft die schwerer Pferde.
Die Schafzucht ist weit verbreitet, und die Zahl der Schafe auf 10 Millionen zu schätzen. Als Wolle-, Fleisch- und Milchtiere werden sie hochgeschätzt. Der Fettgehalt der Milch kann 13 Prozent erreichen. Der beliebte Kaschkavall, ein unserem Emmentaler ähnlicher, doch viel fetterer und auch etwas salzig schmeckender Käse wird aus Schafmilch hergestellt. Die Ziegenzucht hat gute Erfolge aufzuweifen; man hat gehörnte Raffen von vorwiegend einfarbig rötlichem Haar- lleid. Ihre Zahl wird 1,5 Millionen erreichen.
Ebenfogroß etwa ist die Zahl der in Bulgarien gezüchteten Schweine. Das einheimische, bis 120 Kilogramm schwer werdende Landschwein ist klein, hat kurze Ohren, einen scharfen schmalen Kopf, schwarze und grobe Dorsten; es geht viel auf die Weide, mästet sich schnell und gibt viel Fett. In den Jahren 1885—1887 wurden Die englischen llZorkshire- und Derkshire-Schweine eingeführt. Durch Kreuzung mit den einheimischen Rassen erzielte man den jetzt sehr beliebten Schlag des Sadova-Schweines.
An Tierseuchen, die ja überall von einschneidender Bedeutung für die Landwirtschaft sind, kommen in Bulgarien vor besonders Schafpocken und Schafräude, Schweinefeuche und Schweinepest, daneben Milzbrand, Rauschbrand. Mal- leose und Büffelfeuche. Die Piroplasmose (Blut- harnen der Rinder) fordert viele Opfer, und die Leberegel bedingen großen wirtschaftlichen Schaden.
Als einer der Hauptabnehmer für die Produkte der Landwirtschaft und Tierzucht kommt zunächst Konstantinopel in Betracht, doch steht Deutschland sowohl bei der Einfuhr als bei der Ausfuhr Bulgariens weitaus an erster Stelle, was für uns von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Der Bulgare selbst — und dieö gilt besonders für den bulgarischen Bauern, der ja über vier Fünftel der Bevölkerung ausmacht — ist ausgesprochen deutschfreundlich. Die Erwähnung, man fei Reichsdeutscher, genügt, um als Ausländer auch im kleinsten Dorfe der besten
Aufnahme sicher zu sein, äleberhaup-t wird die Gastfreundschast in Bulgarien sehr hoch gehalten. Auch sonst finden wir beim bulgarischen Bauern viele sympathische Züge. Er ist im Essen und Trinken mäßig und nüchtern in jeder Beziehung. Seine Pläne verfolgt er mit zäher Entschlossenheit und dabei großer äußerer Ruhe. 2m gewöhnlichen Verkehr ist et friedfertig und gutmütig, doch bricht bei Streitigkeiten feine ganz wilde Kraft und Leidenschaft hervor. Sentimentalität ist chm vollkommen fremd, weswegen er auch der geborene Realpolitiker und ein guter Kaufmann ist; auf den Wochenmärkten wird oft um mini^ male Beträge lange, Zeit mit größter Zähigkeit auf beiden Seiten gehandelt, was auch aus einem ausgeprägten Hang zur Sparsamkeit zu erklären ist. Seine Bedürfnislosigkeit ist bewundernswert, seine Arbeitskraft unverwüstlich. Gr ist ein glühender Patriot, doch parteipolitisch von großem Fanatismus und hier vor Gewalt nicht aurück- schreckend. Sein äußeres Wesen ift ernst und verschlossen, für unsere Begriffe beinahe düster, zweifellos zurückzuführen auf die erst vor 50 Jahren beendete 500jährige türkische Knechtschaft; aus dem gleichen Grunde wohl auch ist er äußerst mißtrauisch gegen alles Fremde. Der bulgarische Bauer ist hart gegen sich, aber gegen Mensch und Tier, und es wird wohl viel Wasser die Mariza hinunterfließen, auch nur der Begriff des Tierschutzes bei
innerhalb der Schranken der Gesetze." Es kann keinem Zweisel unterliegen, daß das Recht der Gemeinden auf Selbstverwaltung und auf eine selbständige Existenz feit der Slein-Hardenbergi- schen Reform allgemein in Deutschland anerkannter Rechtsgrundsatz geworden ist. Die einzelnen Länder sind daher nicht mehr in der Lage, das Selbstverwaltungsrecht grundsätzlich ohne ein r e i ch s v e r f a f s u n g s ä n D c r n D e s Gesetz wieder zu beseitigen. Aus diesen Erwägungen heraus kommt das Gutachten zu dem Ergebnis, daß das Grundrecht der Selbstverwaltung der Gemeinden und Gemeindeverbände gemäß Artikel 127 der Reichsverfassung eine unmittelbar rechtlich anzuwendende Rechtsnorm ist, und daß ein Landesgeseh unbedingt reichsvcrfassung^ widrig wäre, das einer einzelnen Gemeinde durch Entziehung ihres Bestandes und ihrer Rechtspersönlichkeit damit gleichzeitig auch daS Recht der Sellrstverwaltung überhaupt nimmt.
Für unsere hessischen Verhältnisse kommt ferner der Artikel 62 der hessischen Verfassung vom 12. Dezember 1919 in Betracht, der besagt, daß die Gemeinden in ihrem Damaligen Bestand gewährleistet werden, und daß die Vereinigung einer Gemeinde mit einer anderen, sowie Die Auflösung einer Gemeinde Durch Vereinbarung mit Genehmigung des Ge» samtministeriums oder Durch Gesetz erfolgen kann.
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„Ganz einfach," sagt Jedermann, „ich habe Die Deine gezählt und Dann Durch vier dividiert.
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Jedermann geht auf einen Herrn 3". „Dlonke! sagt er, „diese äleberraschungl Wie geht s Denn l
Der Herr schweigt.
„Menschenkind, kennst du mich denn nicht mehr? Der Herr schweigt.
Dlonke" schüttelt Jedermann den Herrn hin und her. '.alter Trottel, hast Du Denn Dem Ge- Dächtnis verloren?" , ., ,. .,,
„Hein,“ sagt' da Der Herr, „aber ich bin nicht
Dlonke."
Jedermann raucht eine Zigarre. Für siebzig Pfennig. Raucht und raucht. „Es ist ein Haar drin " sagt er und ist schon ganz weiß un Gesicht.
„Wirs sie doch weg." sagt Mücke.
„Ha!" sagt Jedermann, „und meine siebzig Pfennig?"
Jedermann sitzt beim Festmahl. „Ich glaube, seuzt seine Tischnachbarin beim Dessert, „ich kann Ihre Gedanken lesen." r
„Oh," erschrickt Zedermann, „nichts für ungut.
Mücke ist an der Hofoper gewesen. „Es war wundervoll." erzählt er. ..Dieser Clewing als Siegfried! Und dann diese Akustik!"
„Welche Rolle." fragt Jedermann, „welche Rolle spielte denn die?"
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Federmann ist in Berlin. Jedermann gebt in die Oper. Verlangt den besten Platz. Der Mann an der Kasse gibt ihm Orchestcrsih.
Qlber Jedermann schüttelt den Kopf. Gibt di« Karte zurück. „Rein," sagt er, „ich wollte nur z u h o r e n." e
.Ich habe ein kolossales Glück gehabt" erzählt Jedermann. „Letzte Rächt wache ich aus. Bewegt sich Da eine dunkle Gestalt am Fenster. Ich nehme den Revolver und schieße. Ein-, zwei-, Dreimal. .
Dann mache ich Licht, gehe zum Fenster. Und da sehe ich, daß es mein Mantel gewesen ist, auf den ich geschossen habe."
Jedermann schweigt.
HnD wieso hast Du nun kolossales Gluck dabei gehabt?" fragt Mücke.
entbehren müssen, wenn sie nicht sich selbst. Gatten und Familie lächerlich machen und gemieden sehen will. Gewiß kann sie allein Einkäufe machen, auch Konditoreien auf suchen; doch sind ja das lächerliche Surrogate für die fjcimatfreuben. Da die Europäerin sich nicht umstellen kann, weil ihr Innenleben, ihr Naturell, ihre Erziehung es nicht gestatten, so wird sie schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit von der türkischen Gesellschaft übersehen, geschnitten und mit eisiger Höflichkeit behandelt.
Es bleibt ihr also nichts übrig, als zu resignieren. Aeußerliche Gewohnheiten, wie das Auswechseln der Schuhe, wenn man ein türkisches Haus betritt, das Küssen und „Andiestirnführen" der Hand älterer Personen, bas Dazugehörige Hersagen von Höflichkeitsphrasen, das Betreten ber Toilette mit Holzschuhen, bie, burch einen Leberriemen gehalten, über bie Hausschuhe oder Strümpfe gestreift werben, all bas sind ja Kleinigkeiten, bie uns erftau- neu, an die man sich aber mit etwas gutem Willen gewöhnen kann. Doch verlangt der Türke mehr als Anpassungsvermögen. Einfühlung will er, kann aber nicht mit gleicher Münze zahlen. Sein Lachen und Weinen hat andere Gründe als bas unsere, er glaubt, hofft und fühlt anders als wir. Er hält sein Innenleben streng verschlossen, gibt dem Fremden Rätsel auf und ist ernstlich böse, wenn dieser sie nicht löst.
Gewiß gibt es türkische Familien, die als schlechte europäische Kopien umherlaufen, die Tee und Gesellschaften arrangieren, die aber einen schlechten Beigeschmack haben, denn die ersten und guten tür- kischen Familien boykottieren diese Kreise. Es sind das auch jene Familien, die Allah aus Mo«» gründen verleugnen, die aber wieder laut und offiziell beten würden, wenn es in die Mode käme. Doch sind diese Familien stark in der Minderheit. Die armen, die reichen Türken, ber Mittelstanb, soweit man bort von einem solchen sprechen kann, ist noch immer unb das sicher zum Nutzen und Frommen seines Landes, streng gläubig, fünfmal am Tag findet bas Waschen bes Gesichtes, der Hände unb Füße statt; fünfmal am Tag beugen sie Knie und Leib in der Richtung Mekka Wie eine Uhr regelt die Religion das Leben ber Türken. Die Europäerin ist da in einer hilflosen Lage, denn sie wird letzten Endes doch nur als Heidin angesehen. Es liegt dem Türken fern, ihr seine Religion aus- I zwingen zu wollen, doch ist es natürlich ein weite- ! ua großes Hindernis, die Kluft zu überbrücken.
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breitet und bekannt durch ihre große Ausdauer und Genügsamkeit. Bereits 1891 ergriff man gesetzliche Matz nahmen zur Hebung der Pferdezucht und sandte eine Kommission zum Arckaufe von Pferden 7)er verschiedenstcn Rassen nach Westeuropa, beraten von dem großen deutschen Züchter Graf Lehndors. 15 Jahre spater verfügte das Land bereits über 300 vorzügliche Mutterstuten und 450 gute Zuchthengste. Die Hengste werden von den Kreistiorarzten gekört. die nicht angekörten sogleich an Ort und Stelle kastriert. — Als Last- und Reittier dient außerdem der Esel, dessen Zahl auf 160 000 geschätzt wird; daneben gibt es etwa 26 000 Maultiere und Maulesel. Zur Förderung Der Gselzucht werden Ausstellungen und Wettbewerbe abgehalten.
Von Den 2 Millionen Rindern sind die Hälfte Arbeitstiere. Am besten entwickelt von Den zum Steppenvieh gehörigen Landrafien ist das grauweiß gefleckte Isker-Rind. Zur Hebung der Fleisch- und Milchleistung hat man Simen« taler und Montafoner. Dann auch Pinzgauer, QI regier, Holländer Vieh und Shorthoms eingeführt und zum Teil mit Den einheimischen Landrassen gekreuzt; doch sind letztere ant genügsamsten und widerstandsfähigsten gegen Witterung und Seuchen. Tuberkulose ist bei ihnen äußerst selten, wozu besonders auch die ausschließliche Weidehaltung beiträgt. Aphthensruche unD Rinderpest Pflegen bei ihnen sehr mild zu verlaufen. ,
Eine sehr große Dolle spielt die Zucht Der Büffel, Denen etwa 500000 im LanDe vorhanden sind. Diese schwarzen und schwarzgrauen Tiere mit ihrer borstenartigen Behaarung und ihren Dreikantigen Hörnern sinD spätreif, erst mit 4—5 Jahren ausgewachsen. So anspruchslos ältere Stere sinD, so große Sorgfalt verlangt ihre Aufzucht; man läßt Deswegen auch Kälber 3—5 Monate an Der Büffelkuh. Bet all feiner Genügsamkeit unD Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten ist Der Büffel sehr empfindlich gegen klimatische Einflüsse. Im Winter bean- fprucht er einen warmen Stall, im Sommer ist er nur in Den frühen Morgen- unD späten AbenDstunden gut zur Arbeit zu gebrauchen; bei schwüler Witterung will er sein Bad, und Die Tschaburka. eine Art Schöpfkelle, mit Der man ihn bei Der Hitze immer wieder mit Wasser übergießen muß, fehlt an keinem Düffelgespann. Seine Milchergiebigkeit ist größer als die des
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für dortige» Bezirk Ml Iut «Umritt Mi»«» »himflcn tu Behörden, i Wifinnen belieben Zeichen unter loSU an Änrmer.
Verzweiflmg am Goldenen Horn
Von Käthe Puschau-Meyr.
Betrittst du <$tambul, das Tor des Orients, so werden beige neugierigen nnb sehnsüchtigen Augen befriedigt! werben, auch heißt der Türke in seiner toleranten, unb vornehmen Art ben Fremden gern willkommen. Alt ist bie Kultur des Türken, und er hält fest an ihr, baran haben auch bie Reformen Kema § Paschas nichts änbern können. Wohl fielen zwpngsweise Fez und Schleier, doch seinen alten Traditionen ist der größte Teil treu geblieben, und wirb es voraussichtlich auch noch lange Zeit bleiben. Ist man nun gezwungen, im türkischen Hause zu leben, ober ist man aar bort verheiratet, so irlirb sich schon nach kurzer Zeit eine eisige Mauer zwischen ber Europäerin und ber tur- kischen Familie pusrichten.
Europäerin und Türkin, bas geübte Auge bes Einheimischen wisrb sie sofort unterscheiben, und da bie Auslänberin des Okzidents ihr freies Umsich blicken, ihre selbständige Manieren nicht verleugnen kann, so wirb sir auch noch heute immer als Frei- roilb angesehen. Man tut gut, sich das Wörtchen Ei-ib, auf deutsch: schändlich, schandbar, zu merken; denn es ist außer ben Worten Brot unb Wasser bas wohl am häufigsten gebrauchte im türkischen Sprachschatz. Lsas ber normalen, gut erzogenen Europäerin selbstverständlich ist, der Türke oder die Türkin finden ets eblb. Also schändlich Es wäre wohl auch vermassen, jahrhundertealte Sitten, brauche, Gewohnheiten ummobeln zu wollen, doch ist es für die Fremde aus dem Abendland nicht nur schwer, nein, unmöglich sich anzupassen. Der Türken seltsamer Lehrsast, ihre unumstößlichen Hausordnungen, in denen all das verpönt ist, was z. B. der Deutschen Lebensgewohnheit ist, wie Lachen, Singen, Scherzen, machen es unmöglich sich auf die Dauer dort wohlzufühlen.
Es sind alle ?lrten des Amüsements, wenn auch im kleinen Ausmaße vertreten, wie da sind: Lichtspiele Theater, Kabarett, DarietS, und die Euro- päerin, die sich hort ein paar Tage amüsieren will, kommt auf ihre Kosten. Anders liegt die Sache, wenn eine Deutsche z. B. bort mit einem Türken verheiratet ist. Sie wird Da» alle» wohl ober übel


