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Porter Gilbert in Washington.

DcrJahrcsbcricht reicht nur bisSePtember

Washington. 6. Ian. (MTV. Funkspruch.) Porree Gilbert hatte cm Samstag längere Unter­redungen mit Staatssekretär Kellogg und Unter- sioalsjekretär L a st l e. die er zusammen mit dem Schahamtssekrelär Mellon und dem Botschafter Morrow aussuchte. Weiter sind Unterredungen mit L o o l i d g e und Hoover geplant. Ueber den Inhalt der Konferenzen wurde erklärt. Gilbert habe die allgemeine Reparationslage geschildert, er ver­spreche sich jedoch keinen Ruhen von einer ösfent- lichen Erörterung der Aufgaben des Sachoerstän­digenausschusses im gegenwärtigen Augenblick. Zu seinem Iahresbericht betonte Parker Gilbert, daß er vollkommen unparteiisch abge- f a h t sei und weder die eine noch die andere Seite begünstige. (Es wurde ferner daraus hingewiesen, daß sein Bericht lediglich bis September 1 9 2 8 reiche, während der Bericht des amerika­nischen Handelsattaches in Berlin, A l l p o r t, die Zeit bis Dezember umfasse.

Prälat Kaas

zum Rheinlandproblem.

Rüdesheim. 6. San. (Wolff.) Auf dem Parteitag der nassauischen Zentrumspartei sprach der Vorsitzende der Partei, Prälat Dr. Kaas, u. a. auch über schwebende außenpolitische Fra­gen. Sie wissen, dah meine Auffassung über den Gang der deutschen Außenpolitik sich in den letzten Jahren in gewissen taktischen Dingen teil­weise erheblich von dem offiziellen Gang dieser Dinge unterschieden hat. Aber nichts ist falscher, als wenn die Dinge so hingestellt wer­den, dah ich mich langsam zu einem grund­sätzlichen Gegner der Locarno-Politik entwickeln wollte. Gewisser Kreise an führender und ver­antwortlicher Stelle hat sich eine Art von Erfolgshunger bemächtigt, der für die Sache selbst nicht günstig ist. Wer nicht w a r - t e n kann bis die Früchte von selbst reifen, kommt zu unsachlichen Handlungen. Erwarten Sie nicht von mir. dah ich hier am deutschen Rhein mit Rachdruck, mit stürmischer Llngeduld zum soundsovielen Male die Räumungsforderung wiederhole. Dos deutsche Volk hat diese For­derung laut und- deutlich gestellt, die offizielle deutsche Auhenpolitik hat sie ebenso gestellt, und ebenso klar unö deutlich war letzten Endes das Rein, das das Ergebnis der Septemberbera­tungen des vorigen Jahres in Genf gewesen ist.

Ich verspreche mir nichts von der demonstra­tiven Weiterbehandlung der Räumungsfrage in der Öffentlichkeit. Das deutsche Bol? und vor allem das deutsche Volk hier am Rhein, i ft gar nicht s o ungeduldig wie manche an anderer Stelle, wo man wenig un­ter den Auswirkungen der Besatzung leidet. Die Haltung des deutschen Volkes gegenüber der Gegenseite sollte im Augenblick weniger die einer aufgeregten Demonstration und Opposi­tion sein, als die einer würdigen Re­serve.

Die Dinge stehen doch so, daß nach den Erklärungen der Gegenseite ein wirkliches Vorwärtskom- men in der Räumungsfrage und auch in anderen Fragen gar nicht z u erwarten ist. wenn nicht in der Reparationsfrage greifbare und abschließende Lösungen erzielt werden. Der Bericht Parker Gilberts zeigt uns aber, daß mir in der Rc- parationsfrage eigentlich noch ganz am An­fang der Debatte stehen, daß eine geradezu verhängnisvolle Woge optimistischer Beurteilung durch das Ausland geht. Wenn wir auch den ehr­lichen Willen zur Erfüllungspolitik haben, im In­teresse unseres Volkes und Landes und darüber hinaus im Interesse einer vernünftigen und gesun­den Weiterentwicklung der weltwirtschaftlichen Zu- sammenhänge, müssen wir jeder Forderung, bei der nach unserer Ueberzeugung unsere L e i- stungsfähigkeit überschritten wird, ein klares und männliches Rein entgegensetzen."

Großfürst Nikolaus f.

Rizza, 6. Jan. (Havas.) Großfürst Ricolaj Ricvlajewitsch von Rußland, der Onkel des letzten Zaren und Oberbefehlshaber der russischen Feld­heere zu Deginn des Weltkrieges, der schon vor einiger Zeit an einer Lungenentzündung erkrankt war, ist heute nacht auf seiner Besitzung in Antibes gestorben.

Der Großfürst ist in der Politik Rußlands erst seit der Revolution von 1905 hrrvocgetreten. Damals wurde er einer der intimsten Ratgeber des Kaisers Rikolaus und beeinflußte denselben stark im Sinne der Rotwendigkeit einer energi­schen Riederwersung der Revolution mit Waffengewalt. 1906 wurde Großfürst Rikolaus zum Kommandeur der Garde und des St. Peters­burger Militärbezirks ernannt.

Als im August 1914 der europäische Krieg ausbrach, trat der Grohfürst an die Spitze der russischen Heere. Das russische Heer und auch das Volk vertraute ihm durchaus. Er war in Rußland als ein kaltblütiger, rücksichtsloser, aber auch ein gerechter und unbestechlicher Soldat von ein­wandfreiem Lebenswandel bekannt. Auch die mili­tärische Lage war für den Grohfürsten an sich günstig. Zwar konnte der Russeneinfall in Oft- preuhen von General Hindenöurg aufgehaltcn und zurückgcdämmt werden. Allein in Galizien errang die russische älebermacht gegen die Oester- reicher Erfolge. Auch Hindenburg, der inzwischen in Polen bis zur Weichsel vorgerückt war, sah sich genötigt, vor neuen Russenheerm zurückzu- geheir Der Grohfürst stand auf dem Gipfel seines Ruhmes. Indessen wurde er in Polen noch vor Jahresschluß an die Rawka-Linie zurückgrdrängt. In Galizien brachte das Frühjahr 1915 dem Grohfürsten die Eroberung von Przemysl. Derr Karpathenwall indessen bezwang er nicht.

Im Mai erfolgte die Katastrophe: der Durch­bruch bei; Deutschen und Oeftcrreicher am Dunajec und der große Rückzug der Russen. Er kostete dem Großfürsten die Stellung als Oberbefehlshaber. Der Zar übernahm sie dem Namen nach. Der Groß- fürst ging als Vizekönig in den Kaukasus. Der tat­kräftige Mann ruhte jedoch nicht als grollender Achill. Er machte den Türken schwer zu schaffen, bis es ihm gelang, Trapezunt, Erzerum und Er- fingian_ 3u besetzen. Dagegen gelang es ihm nicht, noch Süden zu mit den Engländern in Mesovo- famicn Verbindung herzustellen. Auch in Persien hatten seine Truppen Mißerfolge.

Die Bolschewisten-Revolution beendete seine mi­litärische Laufbahn« Einige Zeit saß er auf der Krim gefangen, itnb war in Gefahr, getötet zu werden. Dann konnte er entkommen, zunächst nach Deutschland. Später ging er nach Frankreich.

Gesandter Or. Wallroth f.

Berlin, 6. 3äm. (WB.) Der deutsche Ge­sandte in Oslo, Dr. Wallroth, früherer Leiter der Ostabteilung drs Auswärtigen Amtes, ist in Oslo nach längerem Leiden infolge Herz­schwäche gestorben. Wallroth war Berliner, jahrelang im preußischen Juhizdienst tätig, dann 1904 an der Handelskammer Lübeck, zunächst als zweiter, von 1907 ach als geschästsführender Syn­dikus. Außerdem war ec Leiter großer wirtschaft­lich- und handelsverlehrspolitischer Verbände. VD schiebens Handels- und verlehrspolitifche Denk­schriften über Fragen der Ostscewirtschaft und des Ostseeoerkehrs machten führende Kreise aus ihn aufmerksam, und sy erfolgte im Juli 1920 seine Berufung in das Auswärtige Amt als wirk­licher Legationsrat und Vortragender Rat. Er ging zunächst als deutscher Geschäftsträger nach Helsingfors, sodann 1921 als Gesandter nach Riga. 1922 übernahm er als Miniftettaldirettor die Leitung der Ostabteilung als Rachfl^ger des Freiherrn von Maltzan. Diese Abt i ung führte er bis zu seiner irr März 1928 erfolgten Ernen­nung zum Gesandten in Oslo.

Keine neue Mieterhöhung.

Berlin, 5. Jan. (Priv.-Del.) Kommunistische Blätter bringen die Mitteilung, daß zwischen Preuhen und dem Reich darüber älebereinstim- mung herrsche, dah eine Erhöhung der Friedensmiete um 5 bis 8 Prozent in nächster Zeit qrfolgen solle.' Begründet wird diese Behauptung, die geeignet ist, die größten Besorgnisse in der Oeffentlichkeit anläßlich der schweren Krise und des Konjunkturabstieges der ganzen Wirtschaft hervvrzurufen, mit der zur Diskussion stehenden Verschiebung der Fälligkeitstermine der Aufwer- tungshypotheken, die ab 1932 rück'ahlbar wären.Zugunsten der Hypothekengläubiger soll mit der Hinausschisebung der Fälligkeitstermine eine Aufbesserung des Aufwertungs­zinssatzes erfolgen. Diese Mehrbelastung der Hypothekenschuldnet, also der Hauswirte, soll durch eine neue Erhöhung der Friedensmirte w e 11 g e m a ch t jverden." Von unterrichteter Seite wird uns dazu erklärt, dah diese Mittei­lung nicht zutrciffe und dah eine Erhöhung der Mieten nicht beabsichtigt sei. Zweifel­los dürfte dagegen sein, daß gewisse Verbände versucht haben, ebne solche Mieterhöhung durch­zusetzen, die aber nach den Mitteilungen unter­richteter Kreise al!s gescheitert anzusehen ist.

Oie Auswirkungen -es Beamtenabbaues.

Tie Zahl der vom Reich beschäftigten Personen.

Berlin, 4.3<in. (VDZ.) In einer umfang­reichen Denkschrift hat soeben der Reichsfinanz- minister Dr. H i f f e r d i n g dem Reichstag eine Lieber sicht darüber verschafft, wieviel Beamte, Angestellte und ^ilrbeiter in derJnflations- z e i t für das Reich tätig waren und um wieviel inzwischen durch den Beamten abbau diese Zahl geringer geworden ist. Am Stich­tage, dem l.Juli 1928, beschäftigten sämtliche Reichsbehörden mit Ausnahme der Reichspost insgesamt 177 65!- Personen; weitaus die Mehr­zahl davon, - nämlich über 93 000, waren a l s Beamte tätig.. Bemerkenswert ist, dah die Reichspost allein mit 289 590 Beschäftigten weit mehr Beamte usw. hat, als alle übrigen Reichslehörben zusammen. Insgesamt waren demnach 1928 4ß7 249 Personen in den Reichs- behör-en tätig. Gegenüber dem 1. Oktober 1923 ist las riesige ßeer der Reichsarbeitneh­mer insgesamt! um immerhin 124 529 Beamte, Angeste lte und Ar eiter geringer geworden. Das Reich selbst hat in seinen verschiedenen Behörden zusammen etwa 40000, die Reichspost mehr a s das Doppelteabgebaut". Immerhin Haden im einzelnen auch einige Personalvermeh­rungen stattgefunden, die sich aber nur auf An-

Landwü'ischast und Reparationen.

Eine Itede Hugenbergs.

Herford, 5. Jan. (LU.) Hier sprach am Samstag Geheimrat Dr. Hugenberg über das ThemaWoher kommt Rettung?" Die Aus- landkredite hätten dazu gedient, Reichs­schulden in Schulden der deutschen Landwirt­schaft zu verwandeln. Die Zollpolitik der fremden Staaten habe uns gehindert, die Dawes- Lasten mit Ausfuhrüberschüssen zu be­zahlen. Die ausländischen Kredite hätten für die Landwirtschaft ungeheuere usd überflüssige Agrarimporte zur Folge gehabt, die mit ihrer Verwüstung des inländischen Marktes auf Absatz und Erzeugung der Landwirtschaft einen schweren Druck ausgeübt hätten. Von einer Er­füllung des Dawes-Vertrages könne keine Rede fein, da wir nur mit geborgtem aus­ländischen Gelde befahlt hätten. Wenn unsere Verschuldung so fortfch.este, gehöre uns in etwa 15 Jahren nichts mehr von der deut­schen Landwirtschaft, was auch auf unsere Währung nicht ohne Rückwirkungen bleiben würde. England und Frankreich hätten das längst Singesehen. Deshalb solle der Transfer- fchuh verschwinden und deshalb die deutsche Landwirtschaft anstelle des Staates für die Zah­lungen haftbar gemacht werden. Die Folgen dieser Politik würden schließlich bei ein tretender Zahlungsunfähigkeit nur neue Sanktionen fein, was ja gerade durch den Dawes-Vertrag vermieden werden sollte. Deshalb dürfe die­ser Weg unter te'men Umständen eingeschlagen werden.

Der ReWemähmngsminifler zur Aeparationsfrage.

Die Agrarkrifis.

Stuttgart, Q. Jan. (WTD.) Hier machte der Reichsminister für Ernährung und Landwirt- schast, Dr. Dietrich, nähere Ausführungen zur |

Reparationsfrage und des weiteren über die Lage der Landwirtschaft. Er führte u. a. aus: Da heute das große Problem der Kriegsabrech­nung drohend vor uns steht, muß man be­zweifeln, daß Deutschland dem bevorstehenden Kampf gewachsen ist, zumal es bis jetzt immer noch nicht gelungen ist, in Berlin eine Reichs­regierung, die sich auf eine Mehrheit st ü tz t, zufammenzubringen. Der Bericht des Re- paration-ag nten eröffnet für uns bei der Lösung der Reparationsfrage wenig günstige Aus- sichten.

Wenn man aber die Entwicklung der Repara- tionssrage in den letzten zehn Jahren verfolgt, wird man doch hoffnungsfreudiger. Aus den 132 Milliarden bei dm Londoner Abmachungen sind heute bei einer Kapitalisierung unserer Jahres- zahlunaen auf Grund des Dawesplanes nur noch 40 Milliarden verblieben. Wir dürfen hoffen, bei den kommenden Verhandlungen noch unter diese 40 Milliarden herunterzu­kommen. Deutschland darf sich nie dazu her­geben, die Schulden der anderen Ra­tionen an Amerika zu übernehmen und dann selbst bei Amerika betteln zu gehen. Es geht nicht nur um die Schulden, sondern um die Ehre und das kaufmännische An­sehen des deutschen Volkes. Wir dürfen daher keine Verpflichtung übernehmen, die wir nachher nicht erfüllen können.

Richt mit einem Rotprogramm, sondern mit einem Programm a u f lange Sicht könnte die Agrarkrise behoben werd.n. Für die Rotlage des Großgrundbesitzes in Ostelb.en habe er vol es Verständnis. 3n erster Linie treibe er aber Bauernpolitik. Die zusammenbrechende deutsche Zuckerrübenindustrie habe er aus ihren Schwier'gleiten herausgezogen. In der polni­schen Frage versuche er andere Wege einzu­schlagen dadurch, daß Deutschland einen Teil der polnischen Produkte hereinnimmt, aber in einer Form, dah nicht die Preisgestaltung deutscher Produkte zerschlagen wird.

gestellte und Arbeiter beziehen und insgesamt wenige Hundert betragen.

Keine Weinsteuer.

Berlin, 7. 3an. Der Reichsetat ist jetzt fertiggeftellt worden und liegt bereits im Druck vor. Die endgültige Beschlußfassung wird in der nächsten Kabinettssitzung am 14. Januar erfolgen. Dem Demokratischen Zei- tungsdienst zusolge wird der Reichsfinanz­minister die Wiedereinführung der Wein st euer nicht Vorschlägen. Der geringe Ertrag dieser Steuer, ihre kostspielige Verwaltung und auch die schlechte Lage des deut­schen Weinbaues haben ihn veranlaßt, auf die Weinsteuer zu verzichten.

SXe kommunistische Ruo'sunk-Köpenilkiode

Berlin, 7. Jan. Einer der Kommunisten, die im Oktober v. I. denVorwärts"-Redakteur Wolfgang Schwarz kurz vor feinem beabsich­tigten Aundfunkvortrag in Berlin im Auto entführten, ist ermittelt worden. Cs bandelt sich um den Führer einer Kameradschaft des Rot rontkämp^erbundes Alfred Scherlin- s k h, der Schwarz während einer vollen Stunde auf der abenteuerlichen Autofahrt mit dem Revolver in der Hand in Schach gehalten hat. Bei seiner Vernehmung auf dem Polizei­präsidium bestritt Scherlinsky seine Beteiligung an der Entführung, wurde aber bei der Gegen­überstellung mit Schwarz von diesem wieder­erkannt. Don einer Festnahme Scherlinskys hat die Polizei abgesehen, da keine Fluchtgefahr besteht.

Aus aller Wett.

Kirchenbrand In Mors.

In der Nacht zum Sonntaa wurde Mors von der größten Feuersbrunst seit Menscheng.senken heim- gesucht, der die katholische Kirche zum Opfer fiel Als der Brand bemerkt wurde, färbten die Flammen den Himmel schon blutrot. Die Feuer­wehr war alsbald zur Stelle, aber vorerst macht­los, das Feuer zu bekämpfen. Sie mußte sich auf den Schutz der durch Funkenflug bedrohten um­liegenden Gebäude beschränken. Die größte Gefahr bildete der Kirchturm, aus dem unablässig Mächtige Feuergarben hervorschossen. Der etwa 1400 Menschen, die dem Brand zusahen, be­mächtigte sich eine Panik, als sich die Turm­spitze senkte. Aber glücklicherweise fiel der Turm fast senkreckt in die Tiefe und streifte nur hart das Gebäude der Volksschule. Die Hauptgefahr war nun beseitigt und die Feuerwehr sonnte den Brand wirkungsvoll bekämpfen. Am Morgen war jegliche Gefahr beseitigt. Der Kirch­turm und die Orgel sind gänzlich vernichtet worden, die Inneneinrichtung schwer beschädigt. Wie der Brand entstanden ist, steht noch nicht fest. Wenn der Schaden auch durch Versicherung ge­deckt ist, so trifft er die katholische Kirchengemeinde um so härter, als Mörs nur eine katholische Kirche besitzt. Die Kirche ist vor 45 Jahren erbaut worden.

Mit dem Aulo in den Rhein.

Sonntag vormittag wollte der Arzt Dr. Go- sc i n i a k aus Hamborn über b t e Fähre bei WalsumOrsoy fahren. Wahrschein­lich infolge Versagens der Bremse fuhr er aber über d i e Fähre hinaus in den Rhein. Das Auto trieb sofort ab. Cs gelang dem Arzt, sich daraus zu befreien. Als man chn je­doch mit Hilfe eines Kahns geborgen hatte, war er bereits tot. Man nimmt an. daß er einen Herzschlag bekommen hat.

Drei Tote beim Einsturz einer Flugzeughalle.

In Marseille stürzte eine im Bau befindliche, 60 Meter lange und 55 Meter breite Halle der Flugzeugwerke in Beere ein, während noch zehn Arbeiter in ihr tätig waren. Drei von ihnen wurden unter den Trümmern als Leichen ge­borgen, fünf sind verletzt worden und mußten ins Krankenhaus übergeführt werden. Die Halle, die aus Eisenbeton gebaut war, war bis auf die Einsetzung der Fensterscheiben und der Türen fertig.

Schmuggterpech.

In B e u t h e n erlitt auf der Straße ein Kraft­wagen eine Panne. Ein Schupobeamter wurde auf das Hindernis aufmerksam und stellte bei näherer Kontrolle fest, daß sich in dem Auto neun polnische Schmuggler befanden, die fünf

Zentner Pre ß tab a k über die Grenze schmug- aeln wollten. Da sie nicht im Besitze von notigen Ausweispapieren waren, wurden sie festgenom­men und dem Gericht zugeführt, um im Weg« der beschleunigten Verfahrens abgeurteilt zu werden.

Ein französischer Fischdampfer verschollen.

Seit dem 14. Dezember ist der Fischdampfer Pacisique" überfällig, der am 12. De­zember Reufundland zur Heimreise nach Fecamp verlassen hat. Der französische Kon­sul in St. Johns (Reufundland) telegraphierte, daß ein Rettungsboot des Fischdampfers Pacifique" mit einer Leiche, deren Identität nicht festgestellt werden konnte, angetrieben worden sei. Der Fischdampfer halte eine Be­mannung von 38 Matrosen und 4 Passagieren.

Die Grippewelle in Berlin.

Die Grippewelle, die alljährlich auch Berlin heim­sucht, hat diesmal glücklicherweise nur ziemlich leichte Formen angenommen, aber doch zah­lenmäßig einen Umfang erreicht, der an die städti­schen Krankenhäuser und privaten Pslegca?.stalten große Anforderungen stellt. Sollten die Ettältungs- krankheiten wider Erwarten noch an Ausdehnung zunehmen, dann müßten schon in kurzer Zeit Schulen zur Unterbringung der Patienten her- angezogen werden. Augenblicklich können die Groß- Berliner Krankenkassen etwa nur 30 bis 35 Prozent der Grippekranken in die Krankenhäuser stecken.

Schwere Kälte in Spanien.

Kälte und Schneefall halten in einem großen Teil Spaniens an. Aus der Provinz Santander wird gemeldet, daß zahlreiche Dörfer und Weiler in der Gegend von Reinosa völlig eingeschneit, aller Verbindungen beraubt, von Lebensmit­te l no t bedroht und dem Einfall von hung­rigen Wolfsrudeln ausgesetzt sind. In Va­lencia sind 14 Grad Kalle. Wie aus Barcelona be­richtet wird, herrscht in ganz Katalonien Schneefall und in einer seit 30 Jahren nicht mehr beobachteten Stärke. Diele Ortschaften find von dem Verkehr ab­geschnitten.

Gasvergiftung während des Reujahrsmahls.

In einer Wohnung in Brooklyn w. vden die Leichen eines Mannes, seiner Frau und idre.er Gäste aufgefunden, die wahrscheinlich einer Gas­vergiftung zum Opfer gefallen waren. Auf dem Tisch stand noch ein gebratener Truthahn, was vermuten läßt, dah die betreffenden Personen wahrend des Reujahrsmahles vom ausströmenden Gas überrascht und vergiftet wurden.

Das Explosionsunglück in Duisburg.

Durch eine älntersuchung soll festgestellt wer­den, ob das Explosionsunglück durch höhere Gewalt verursacht wurde, oder ob ein Fehler im Material, Tlnachtsamkeit bei Rohrlegung oder andere Fehlerqu llen zur Erhebung einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung führen könnten. Aus diesem Grunde hat auch tie Mordkommission ein gegriffen. D.e Staats­anwaltschaft hat die Durchführung von Ermitte­lungen veranlaßt. Die Leiche des Arbeiters Wei- nand, der als erster Toter zu beklagen war. ist unter Hinzuziehung eines Gerichtsarzles obdu­ziert worden. Das Ergebnis wurde in Akten niedergelcgt, die der Staatsanwaltschaft zuge­leitet wurden. Auf der Schweizer Strast?, der Parkstvaste und im Kieferweg macht sich seit einigen Tagen ein intensiver Gasgeruch bemerkbar. Die Ferngas Gesellschaft, die benach­richtigt wurde, läßt jetzt d e Ferngasleitung auf diesen Straßen frei legen, um etwaige Un­dichtigkeiten oder Materialfehler f stzustellen. Wie mitgeteilt wird, sind alle erforderlichen Siche­rungen getroffen worden, so dah für die An­wohner der Straßen keine Gefahr bestehe.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die über Biscaya und Frankreich lagernde Stö­rung hat auch in unserem Gebiet zur Abschwächung des Frostes geführt, dagegen zeigt das östliche Deutschland, namentlich die Teile, bei denen eine stärkere Bewölkungszunahme eingesetzt hat, eine Frostoerschärfung. Breslau minus 10 Grad Celsius, Königsberg minus 14 Grad Celsius. Die südwest­liche Störung läßt es zunächst zur Fortdauer der herrschenden Wetterlage kommen.

Wettervorhersage für Dienstag: Mellt wolkiges Wetter, Temperaturen etwas unter Null, vereinzelte Schneefälle.

W i 11 e r u n g s aussichtenfürMittwoch: Fortdauer der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 6. Januar: mittags1,8 Grad Celsius, abends2,2 Grad Celsius; am 7. Januar: morgens1,9 Grad Celsius. Maximum 1,9 Grad Celsius, Minimum 2,8 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 6. Januar: abends0,3 Grad Celsius: am 7. Ian.: morgens 0,4 Grad Celsius. Schneedecke ein Zentimeter.

Der Siebener

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