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6.11.1929
 
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Mittwoch, 6. November 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)

Nr. 261 Zweiter Blatt

Von Briand zu Tardieu.

Tiefere Ursachen der französischen Kabinettskrisis.

Don unserem v. 2. T.-Derichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Paris, November 1929.

Krieg und Revolution haben uns neben vielen anderen modernen Errungenschaften, über deren Wert man ebenso ernstliche Zweifel hegen kann, auch die wochenlangen Regierungskrisen in Deutschland beschert, dre in offener oder latenter Form für den Staat von nicht zu unterschätzendem Nachteil sind, da sie sein Ansehen herabsehen. Auch Frankreich, das bisher, wie die meisten parlamentarischen auherdeutschen Staaten, nur kurze Kabinettskrisen kannte, hat sich heute an Deutschland anscheinend ein Beispiel genommen.

In früheren Jahren wurden die Regierungs­krisen in Frankreich meist sehr schnell gelöst. Die Kammern waren unter einer bestimmten Parole gewählt worden. Die letzte lautete auf den Namen Po ine ar 6, der mit Recht als der Retter Frankreichs aus dem finanziellen Ruin galt. Ein Kabinett Poincare ließ sich daher ohne. Müh« auch nach der letzten Wahl bilden und wäre sicherlich noch jahrelang ohne allzugrohe Veränderung am Ruöer geblieben, wenn Poin­care nicht durch seine Krankheit zum Rücktritt gezwungen worden wäre. Seinem Nachfolger Briand gelang es, die Mehrheit der Kammer und damit auch die Mehrheit der Regierung bei einem festen Programm zusammenzuhalten, das ausschließlich der Annahme des Boung-Planes mit allen seinen Folgen galt. Der einzige, rein außenpolitische Punkt der Briandschen ^Regierungserklärung schloß von vornherein alle anderen innerpolitischen Streit­fragen aus. Die Einigkeit im Kabinett hielt jedoch nur bis zum Schluß der ersten Haager Konferenz vor, dann erwies es sich sehr schnell, daß nicht nur die Kammermehrheit, sondern auch die Minister in allen wichtigen außen­politischen Fragen völlig entgegengesetzter Auf­fassung waren und auch zu dem Ergebnis der Haager Berhandlungen keineswegs die gleiche Einstellung hatten.

In zwei öffentlichen Reden gab der Kolonial­minister M a g i n o t den Haager Abmachungen «ine Auslegung, die mit der Auffassung Driands und der von ihm verfolgten Außenpolitik keines­wegs übereinstimmte. Doch schwieg Briand hartnäckig bis zum Tage der Kammereröffnung, die ihn und seine Regierung stürzte. Es war auffällig, wie wenig Briand daran gelegen schien, sein Kabinett zu retten. Hatte er die SiNation nicht richtig beurteilt, den Ernst der Lage nicht richtig eingeschäht? Er antwortete seinen Gegnern mehrfach, jedesmal eine Nuance gereizter, wobei er sich auf keinerlei Einzelheiten über die außen­politischen Verhandlungen einlietz. Baute er da auf. daß man es im radikalen und sozialistische.! Lager nicht zum äußersten treiben werde, nach­dem gerade diese beiden linksstehenden Parteien seine Außenpo.itik im wesentlichen billigten? Oder war Briand tatsächlich a m t s m ü d e, wie viele seiner Freunde behaupteten, und hoffte er, auf diese Weise sich von den Lasten wenigstens der Ministcrpräsidentschaft zu befreien, die ihm neben den Pflichten als Außenminister zu viel wurden?

Briands Freunde wissen, daß die beiden letzten Jahre nicht spurlos an ihm vorübergingen. Man erinnert sich der schweren Krankheit, die ihn wochenlang ans Bett fesselte, die von seinen Aerzten sehr ernst beurteilt wurde. Seine beiden treuesten internationalen Freunde und Mitarbei­ter Stresemann und Chamberlain hat er ver­loren den ersteren durch den Tod. Chamber­lain, .-der monatelang krank war, konnte sich wohl erholen, erlag aber dann bei den Wahlen

mit der Konservativen Partei dem Ansturm der Arbeiter. Auch unter Briands früheren poli­tischen Weggenossen herrscht viel Krankheit: Cle- menceaus Gesundheit ist schwer erschüttert und auch von Poincare glaubt man nicht, daß er in dos politische Leben zurückkehren werde. Man sagt, daß Briand durch diese Krankheiten so vieler namhafter Politiker ernstlich beunruhigt sei und selbst die La st en des Alters zu spüren beginne. Zweifellos sehnt er sich nach Ruh«, nach Ausspannung, nachdem er jahrelang ohne Unterbrechung an höchst verantwortlicher Stelle Frankreichs Außenpolitik leitete. Aber ebenso wie Stresemann, den sein früher Tod daran hinderte, hätte auch er sein außenpolitisches Programm gern erfüllt, durch die Regelung des Reparationsprogramms diejenigen Fragen aus dem Wege geräumt, die auch nach seiner Auffas­sung der europäischen Politik aufs schwerste be­lasten. Er wußte, daß nur er allein sie lösen konnte, daß ihm jedoch die Zusammen­setzung seines Kabinetts hinderlich war. Die Widerstände der Leute um Maginot waren zu stark. Er vermied es daher, Maginot nach seinen beiden Rheinlandreden öffentlich zu­rechtzuweisen. Er schwieg und wartete wartete so lange, bis sich ihm die Gelegenheit bot. sich von Maginot zu trennen. Beim Zu- fommentritt der Kammer stellte er die Ver­trauensfrage: entweder sollte ihm die Kammer das vorbehaltlose Vertrauen aussprechen, das sie ihm nach öem Haag auf den Weg mitgegeben hatten oder er ging. Unö er mußte gehen, nicht schweren Herzens. Als man ihn am Abend nach dem Sturz seiner Regierung fragte, ob er dos neue Kabinett bilden wolle, da lehnte er lachend ab:Hm Gottes willen nichtI

Die Tage kommen und gehen. Der Präsident der Republik hatte es diesmal nicht eilig mit der Regierungsbildung. Er befragte einige ihm persönlich befreundete Senatoren und Abgeord­nete. die Vorsitzenden der großen Kammerkom» missionen. Fast alle stimmten darin überein, daß Briands Widerkehr die beste Lösung sei. Doch Briand selbst hielt sich völlig abseits. Am Tage nach seinem Sturz fuhr er nach Schloß Rambouillet, wo jeden Herbst für die auslän­dischen Diplomaten die große Jagd stattfindet, und vertrat in seiner liebenswürdigen und geist­reichen Art den durch die Kabinettbildung fern­gehaltenen Staatspräsidenten Doumergue. Er soll selten so freundlich wie gerade an diesem Tage gewesen sein.

Hinter den Kulissen des Parlaments wurde unterdessen eifrig beraten und verhandelt. Die meisten Parteien hielten sich zurück. Die poli­tische Lage sei zu verworren und unklar, um handelnd eingreisen zu können. Aber allmählich wird es den meisten klar, warum Briand ging: er konnte mit dieser Regierung seine Außenpolitik nicht durchsetzen: er wäre ge­zwungen gewesen, von dem Wege, den er gehen wollte, abzuweichen. Wie kann die Briandsche Politik, die zur Zeit von der Mehrheit des fran- ?>ösjschen Volkes geteilt wird, fortgesetzt werden? Die Opposition erschien zu schwach und zu hete­rogen. um die Leitung der Staalsgeschäfte zu übernehmen. Trotzdem entschloß sich der Präsi­dent Doumergue, nachdem der radikalsozialistische Kongreß in Reims sich für die Beteiligung an der Regierung ausgesprochen hat, den Vorsitzen­den D a l a d i e r mit dieser zu betrauen. Nach tagelangen Bemühungen mißglückte Daladiers Versuch und der linksradikale Senator Cle­mente! wurde mit der Regierungsbildung be­

auftragt. Hinter Clementel tauchte bereits der Schatten des großen Mannes auf. von dem man noch vor acht Tagen glaubte, daß ihn die Krank­heit an jeder politischen Tätigkeit hindern werde: Poincare. Langsam brach sich die Auffassung Dahn nachdem man weiß, daß Poincarö in zwei Monaten wieder hcrgestellt fein dürste ob es nicht richtig sei. mit den nationalen Kräften bis zu seiner Rückkehr Haus zu halten und in der Zwischenzeit einem Linlskabinett di« Mög­lichkeit zu lassen, sich so schlecht oder so gut es kann, vor dem Lande die Sporen zu erwerben oder sich zu blamieren. Es sollte anders kommen: auch Clementel scheiterte, und Tardieu mußte heran, der fast augenblicklich mit seiner Minister­liste auszuwarten vermochte. Man hat nicht auf die Gesundung des großen kranken Mannes politische Kräfte gespart, man hat den aus diese Gelegenheit schon lange wartenden Tardieu losgelassen, der das Zeug zu einem neuen Poin­care zu hoben glaubt, Und Driands großer Plan zur Defreiung seiner Außenpolitik von untragbaren Kräften? Dieser Pian ist völlig gescheitert: Maginot kehrt zurück und seine Leute auch. Driand wird es nicht leicht haben!

Aus der prvvinzialhauptstadt.

Gießen, den 6. November 1929.

Aben^feier

der Katholischen Epie'gemeinschast und des siammerorchestcrs der Volkshochschule

Oöerheisen.

Ein seiner Abend für je^en, der ihn miterlebte. Was diese Abendse'.er so wertvoll machte, war ihre geschlossene Einheit, Soweit mir bekannt ist, war das ein erstes Zusammenarbeiten der beiden. Beide Gruppen sehr fähig und ihre Leitung in guten, ausgesch.os.enen Händen. Cs ist ein ehrlicher Wunsch, daß Beide in ge­meinsamem, frohem Schaffen uns noch ähnliche | Abende schenken.

Bachs brandenburgisches Konzert wurde vom Kammerorchester formvollendet ge'p'.elt. Es war eine Freude, diesem Mu,izieren zuzuhören. Ohne Dirigenten, auseinander abgefd.i.mt und einge­spielt, waren die drei Sähe ein Guß. Cs sind eben Menschen in diesem Kreis, die sich mu­sikalisch verstehen. Die Bühnenmusik zum Cal- deronspiel ward ebenso gut und genau be­sorgt.

In klaren, tiefgründigen Worten führte der Leiter der Spie.gemeinschast, H. H. Kaplan Gremm, in Calderons Welt und Gedankenbild ein: Das Christentum Cal. erons war der von Trient aus reubeiebte Kaihe.izidmus d.r schwung­volle Katholizismus des Barock. Di« brennenden Themen damaliger Zeit, Gnade, Willensfreiheit usw. gehen deut.ich durch seine Wer^e und fin­den ihre höchste, zeitgemäße Formung. Natur und Gnade sind d i c Prob.eme. die er immer wieder aufgreift, namentlich in seinen geistlichen Dra­men. Man muß sich wundern, daß Calderons Dramen, die doch stark zeitbedingt geschrieben wurden, uns heuti-e.r Menschen so viel geben. Cs lebt etwas vom Transzendenten in ihnen, und das gibt ihnen den Lebenskeim.Das Nachtmahl des Bathasar" knapp im Aufbau, groß in der Linie, satt in der Sprache. Die Idee des Stückes war vom Spielleiter klar herausgearbeitet. Das Spiel war gewachsen, nicht gemacht und gestellt. Der Zielce anke nicht in Tendenz verbogen. Die Besetzung" i er einzelnen Rollen war sehr glücklich und die Aufführung wirklich Gemeinscha tsspiel. Die Farbgebung dec dreigeteilten Vorhangbühne war glücklich gewählt. Der Hoch eitszug dec Ab­götterei kommt durch dea Zuschauerraum. Das kommt den Bestrebungen der Laiensvielbcwegung entgegen, die Wand zwischen Spielern und Zu­schauern zu brechen. Eisigkalt konnte einem wer­

den, wenn der Tod durch den Saal kommt, wäh­rend auf der Bühne ein bunter Re:gen _ben König Balthasar bezaubert. Der Reigen dürft« gelockerter, leichter sein. Die Leistungen der Sp-e- ler standen alle über dem Durchschnitt. Ganze Leistungen, die kaum einen Wunsch offen liehen, waren vor allem der König Balthasar. Sehr ge­lungen war die nicht leichte Sterbeszene. Dann der Tod. Sein« Worte fielen oft w.e Cisspitzen in die ergriffene Zuschau rrmenge. Sehr gut war auch der Gedan e des Königs. 5>rr Prophet Da­niel fand erfchütlernde Töne, die Rot Israels zur seinigen zu machen. 26>göttevei und ©ite3cit waren das, was sie sein sollten. Vielleicht dürs­ten sie manchmal etwas freier, lebendiger sein. Gut durchgearbeitet und sehr lebendig war die Gastmahlsszen«. Man svürle es immer wieder: begeislerungSfrohe Spieler, gründliche Proben- aroeit, Ehrfurcht vor dem Dichtwerk.

Dem Kammerorckester. den Spielern und den treuen Helfern des technischen Apparates war der Abend ein Feiertag. Sie alle spielten nicht um irgendeines Zweckes, sondern nur um der Freude willen, die sie sich und anderen bereiten durften. X.

Elternabend und Ausstellung im Fröbel-Seminar.

Das Fröbel-Seminar veranstaltete am Montagabend in seinen Räumen für die Eltern der Kinder aus den Kindergärten Gartenstraße und Grabenstraße einen wohlg lu-genen Elternabend mit anschließender De, icht gung einer Ausstellung von Advents- und Weihnachtsarbeiten. Die Beransta't.mg war außerordentlich gut besucht, ein Zeichen dafür, daß sowohl für den Vortrag, als auch für die Ausstellung großes Interesse vorhanden war. Frau Dr. Flörke sprach in anregendster Weise über dieErziehung im frühen Kin­desalter". Sie betont: u. a.. daß jeder, der ein eigenes oder fremdes Kind erzieht, sich selbst prüfen soll, ob er nicht durch sein eigenes Dei- spiel. oder durch falsche Erziehung selbst schuld ist an dem, was er an dem Kind zu rügen hat. Frau Dr. Flörke sprach ferner über die Ursachen der Kinderlügen, über Hemmungen und Minderwer­tigkeitsgefühle. über sexuelle Regungen im frühen Kindesalter u. a. m. Wegen Mangel an Zeit sand keine Aussprache statt, die dafür auf einen späteren Abend verlegt ist. Dann begann di« Besichtigung der Ausstellung, deren Zu­sammenstellung von dem Leitmotiv ausging: Was kann ich tun, um meinem Kind die Ad­ventszeit so zu gestalten, daß diese Tage vor Weihnachten ihm zu einem Erlebnis werden?' Die Ausstellung zeigte, daß man das Ziel auf zweifachem Wege erreichen kann. Einmal dadurch, daß man Gegenstände für das Kind herstellt, und zum anderen, daß man das Kind selbst kleine Weihnachtsgeschenk« anfertigen läßt und damit zugleich auch seiner Schaffensfreude Rech­nung trägt. Die Eltern erhielten durch die Aus­stellung Anregung, mit geringem Kostenaufwand für ihre Kinder Sachen herzustellen, die in irgend einer Beziehung zum Weihnachtsfest stehen. So sah man verschiedene Weihnachts- Uhren, -Kalender, Adventshäuschen, Wunsch­zettel u. v. m. Cs wurde ferner gezeigt, auf wie mannigfaltige Weise man Weihnachtskrippen Herstellen kann, nämlich als Transparent sowohl, als auch figürlich aus Holz, Stoff oder aus Tannenzapfen, Eicheln und Lindensamen. Weih­nachtsschmuck aus gefalteten und geklebtem Pa­pier fehlte ebensowenig, wie ein großer Ad­ventskranz und geschmackvoller Tischschmuck aus Tanne und Aepfeln, die als Kerzenleuchter Ver­wendung finden. Ein großer Tisch, zeigte di« verschiedensten Geschenke, hergestellt von Kinder­hand. Besondere Erwähnung verdienen ferner zwei, ganz reizend gedeckte Kindertischchen: das eine ist bestimmt für eine Adventsfeier, das andere für den Nikolaustag. Hinzugefügt soll

Der Gleichlauf beim Fernsehen.

Don Max Fischer.

Nachdruck verboten!

Die meisten Fernsehapparate verwenden beim Sender und beim Empfänger eine Lochscheibe. Die Lochscheibe des Senders hat die Aufgabe, das zu sendende Bild abzutasten, das heißt, es in Streisen zu zerlegen, und diese Streifen an­einanderzureihen. Die Lochscheibe des Emp­fängers muß diese aneinanderg riihten St.e.sen wieder nebeneinanderlegen, so daß man durch sie hindurch das Bild sieht. Nun müssen natür­lich die beiden Scheiben, die des Senders u b die des Empfängers oder der Empfänger, alle gleich schnell umlaufen, denn sonst wird das Bild nicht richtig zusammengesetzt. Dicser Gleich lau s macht heute noch die größten Schwierigkeiten: wenn man ihn nicht auf ein­fache Weise erreichen kann, so werden die Fern­sehapparate dadurch verwickelt und teuer, während alle ihre anderen Teile von einer geradezu ver­blüffenden Einfachheit sind.

Dieselben Schwi.rigkeiten best h.n auf vielen anderen Gebieten, z. D. bei allen Typendruck- telegravhen und auch bei unseren Uhren, weil sich Fehler fortgesetzt vergrößern. Eine ge­wöhnliche Gebrauchsuhr. die z. D. an einem Tage 10 Sekunden nachg hl, kann man nicht ais schlecht bezeichnen, denn diese 10 Sekunden be­merkt man ja kaum. Schlimm ist nur, daß eine solche Uhr am zweiten Sage um 20 Sekunden und nach 6 Tagen eine Minute nachgeht, im Monat also um 5 Minuten. Aehnlich liegt es bei den Typendrucktelegraphen, die bei kleinen F.h- lern im Gleichlauf erst nach mehreren Um- drehungen des Typenr^des einen falschen Buch­staben liefern.

Bei den Typendruckt legraphen hat man das Drucken falfcher Buchstaben n.uerRngs zur Ver­meidung verwickelter Vorrichtungen, die den Gleichlauf erzwingen, durch den Bau sogenannter Springschreiber vermieden. Bei dre en Springschrcibern läßt man das Typen.ad zum Abdruck eines Buchstabens immer nur eine Um­drehung machen und hält es dann an. Cs springt also immer nur einmal herum: die Fehler können sich dabei nicht vergrößern, weil es immer wieder neu anfängi, sich zu drehen. Man kann natürlich bei einer einzigen Umdrehung die Fehler m so engen Grenzen halten, daß kein falscher Buch­stabe gedruckt wird.

Nun gibt es zur Erzielung des Gleichlaufs eine sehr einfache Vorrichtung, nämlich den sogenannten Synchronmotor. Wenn man

einen solchen Motor an ein Wechfelstromneh an­schließt, so steht die Zahl seiner Umdrehungen in einem ganz bestimmten Verhältnis zur Zahl der Stromwechsel. Unsere deutschen Netze haben fast durchweg 100 Wechsel in der Sekunde. Bis­her kam es nun auf die ganz genaue Einhaltung dieser Wechselzahl nicht an; es ging schließlich ebensogut mit 99 und 101 Wechseln, und kein Verbraucher hatte irgendwelche Nachteile von einer solchen Abweichung: er bemerkte sie gar nicht. Nun kam man auf den Gedanken, Uhren durch einen aus dem Wechselstromneh angetrie­benen Synchronmotor anzutreiben. Solche Uhren sind außerordentlich einfach und brauchen nicht mehr aufgezogen zu werden, da sie ja durch den elektrischen Strom angetrieben werden. Aber der Versuch mißlang aus zwei Gründen. Wenn nämlich das Elektrizitätswerk, wie es die Regel war, die Wechselzahl nicht genau einhielt, so gingen die Uhren falsch. Blieb der Strom ein­mal aus, so blieben die Uhren stehen, liefen beim Wiedcreinsehen des Stromes weiter und gingen bann natürlich nach, ohne daß es der Besitzer immer gleich bemerkte. Darin ist nun neuerdings Wandel geschaffen worden: zahlreiche Etektrizi- tätswerke sind dazu übergegangen, die Wechsel­zahl ganz genau einzuhalten, das heißt in der Sekunde 100, in der Minute 6000, in der Stunde also 360 000,'somit am Tage ganz genau 8 610COO Wechsel zu geben. Dies wird dadurch erreicht, daß fie zwei Uhren haben, von denen die eine von einem Uhrwerk gitrieben nach Stemtoarten- zeit geht, während die andere mit einem Syn- chronmotör aus dem Netz angetrieben wird. Eilt diese Uhr etwas vor, so wird die Wechselzahl vermindert, geht sie nach, so wird die Wechsel­zahl erhöht, bis die Uhren wieder die gleiche Zeit zeigen. An diese Netze kann man also Synchron­uhren anhängen, die dann ganz genau gehen, ohne daß man sie jemals einzustellen braucht. Bleibt der Strom einmal aus. so erscheint eine rote Fallscheibe. Man weih dann, daß die Uhr nachgeht, und daß man sie nach der Ansage im Rundfunk oder nach dem Nauener Zeitzeichen be­richtigen muß.

An solche Netze mit geregeltem Gleichlauf, die dieselbe Wechselzahl Haven wie der Sender, kann man nun auch ohne weiteres Ferns e h - apparat« anhängen, die dann auh rordentl.ch einfach und billig werden, weil sie keine Syn­chronisiervorrichtung, sondern nur zu ih em An­trieb einen kleinen Synchronmotor brauchen, der für wenig Geld zu haben ist.

Noch haben sich nicht alle Elektrizitätswerke dazu entschlossen, ihre Wechselzahl genau einzu­halten; die, die es noch nicht getan haben, werden aber durch die Entwicklung dazu gezwungen wer­

den. es zu tun, schon deshalb, damit ihre Kunden elektrische Uhren mit Synchronmctoren benutzen können und ihre Uhren weder auszuziehen noch sich sonst um sie zu kümmern brauchen. Davon wird dann auch der Fernseher Nutzen haben, indem man ihn eben auch an das Wechselstromnetz anhängen kann, ohne daß er einer Synchroni- sicrvorrichtung bedarf. Darüber hinaus aber wer­den sich noch viele Gelegenheiten ergeben, den Gleichlauf der Netze auszunuhen. Cs ist z. B. eine trotz des Springschreibers noch nicht so recht befriedigend gelöste Aufgabe, dem Fern­sprechteilnehmer neben seinen Fernsprecher eine Fernschreibmaschine zu stellen, mit der er jedem anderen Teilnehmer auf einfache Weise Nachrichten zudrucken kann. Auch die Lösung dieser Aufgabe würde bei Durchführung des Gleichlaufs ungemein erleichtert und vereinfacht.

Als ich vor vielen Jahren eine allgemeine Synchronisierung forderte, bin ich ausgelacht wor­den. Cs zeigt sich aber doch, daß der Gedanke marschiert, wenn auch langsam. Vor einiger Zeit hat auch Professor Korn, ein Pionier der Dildtelegraphie, d^n Gedanken einer allgcmci en Synchronisierung in der Oessentlichkeit vertreten und verlangt, daß irgendwo auf der Erde eine Leitstelle zum Geben des Taktes eingerichtet werde. Auch Professor Karolus, mit dem ich mich kürzlich über diese Frage unterhielt, ist der gleichen Ansicht Es scheint mir nun an der Zeit zu sein, daß auf diesem Gebiete Entscheiden­des geschieht, damit wirklich einfache und billige Fernsehgeräte geschaffen uni) die Vorteile einer allgemeinen Synchronisierung für viele andere Zwecke ausgenutzt toercen können. Dies ist um so mehr nötig, als die Schaffung billiger Fern­sehgeräte nur noch an dieser Frage hängt, denn über alle anderen Fragen haben sich die verschie­denen Erfinder unter Führung des Reichspost­zentralamtes geeinigt.

Lochschulnachrichten.

Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat den Professor Dr. Alfred Magnus in Frankfurt beauftragt, auch im Wintersemester 1929 30 die Vertretung der durch den Tod von Professor Richard Lorenz frei gewordenen Professur für physikalische Chemie ebenda zu übernehmen.

Der durch die Emeritierung des Profestors M. Löhr an der Universität Königsberg erledigte Lehrstuhl der alttestamentlichen Wissenschaft ist dem Privatdozenten Lio. theol. Martin NothinLeip - z i g angeboten worden. Der Privatdozent Dr. Leo S a n t i f a 11 e r an der Universität Berlin hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der mittleren und

neueren Geschichte in Breslau als Nachfolger des verstorbenen Geheimrats Franz Kämpers erhalten. Der o. Professor D. Karl Barth in M ü n st e r ist mit Wirkung vom 1. April 1930 zum ordentlichen Professor in der evangelisch theologischen Fakultät der Universität Bonn ernannt worden. Dr. Barth wird in Bonn Nachfolger des Geheimen Konsistorial- rats L). Ritscht auf den Lehrstuhl der systematischen Theologie und Dogmengeschichte.

1OO Dollar mal zweihundert und vier.

Von Hans Riebau.

In Defnisbay fing man an. heftiger zu atmen. In Defnisbay rann das Blut schneller durch die Adern. In Desnisbay wurden die Stimmbän­der länger, die Lippen trocken, und die Revol­ver sahen lose in den Taschen: in Defnisbay wurde der Distriktsgouverneur gewählt.

Hört mal zu, Jungs", sagte am Vorabend Mr. Fellows, der Farmer, zu seinen Arbeitern. Brinks muh gewählt werden. Habt ihr verstan­den? Brinks muß gewählt werden. Keine Stimme Johnson, dem Prahler. Brinks ist ein Freund der Farmer. Brinks ist auch mein Freund. Wenn Brinks Distriltsgouverneur ist, habe ich Vorteile davon. Das gebe ich zu, Jungs. Aber wenn ich Vorteile habe, hat auch die Farm Vorteile, und wenn die Farm Vorteile hat, dann habt auch ihr welche. Und weil das so ist, Jungs, habe ich beschlossen, jedem von euch 100 Dollar zu schenken, wenn im ganzen Farmbezirk alle Stimmen, hört ihr, alle Stimmen, für Brinks abgegeben werden. Also geht hin und wählt."

Die Farmarbeiter hörten zu. Die Farmarbei­ter kratzten sich die Köpfe. Brinks war ihr Feind. Johnson war ihr Freund. Aber 100 Dollar waren 100 Dollar. Und Mr. Fellows, der Far­mer, ein Mann, der sein Wort hielt. Und so beschlossen die Arbeiter, Brinks zu wählen, ihren Feind, und jeden zu vertrimmen, der es sich etwa einfallen liehe, den Geist über die Materie und die Politik über die Wirtschaft zu stellen.

Am nächsten Abend wurden die Stimmen im Farmbezirk gezählt. Aus zweihundert und vier Zetteln stand:Brinks." Auf einem aber Johnson". Und aus war es mit den 100 Dollar.

Da fingen die Farmarbeiter an, mit den Zäh­nen zu knirschen, warsen die letzten Cents zusam­men und bestellten einen Detektiv. Der Detektiv war ein tüchtiger Mann. Schon am nächsten Mittag hatte er heraus, wer den Zettel für Johnson abgegeben hatte. Es war Mr. Fellows, der Farmer, selbst.