Ausgabe 
6.9.1929
 
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Nr. 209 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

8reitag, 6. September 1929

Um Oesterreichs neue Verfassung.

Don unserem K.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Wien, Sept. 1929.

Die österreichische Bundesverfassung ist revi- fionsbedürfttg. Sie stammt aus einer Zeit, in der die Sozialdemokraten im 'Rationalrat wohl schon zur ziffernmäßigen Minderheit degradiert waren, in der jedoch die Wogen des Austro­marxismus noch immer hoch gingen, und in der die Wiener Rathauspartei mit Hilfe des Stra- sienterrors auch das Parlament beherrschte. Diese Verfassung gibt einer oppositionellen M i n- d e r h e i t die Mittel in die Hand, auch gegen den Willen der Mehrheit Vos Zustandekommen jedes Gesetzes zu verhindern, gibt der Ge­meinde Wien einen Machtbereich, der diese Insel des Austromarxismus als souve­ränen Staat im Staate erscheinen läßt und das Wiener Bürgertum der schrankenlosesten roten Partcihcrrschaft ausliefert. Diese Der- sassung ist eine stete Quelle peinlicher Diffe­renzen und Auseinandersetzungen zwischen Bund und Ländern, verlegt die gesamte Staats­gewalt in die Parteiklubs und entbehrt einer obersten Stelle, von der aus das rein« Staatsintercsse, losgelöst von den Partei- mteresscn, zur Geltung gelangen könnte. Diese Dersassung ist die Ursache, warum im österreichi­schen Parlament die einfachste Gesetzesvorlage auf Schwierigkeiten stößt und warum der parla­mentarische Apparat überhaupt nur mit fort­währenden Zugeständnissen an die Minderheit in Gang erhalten werden tonn, so daß eigentlich nicht die Mehrheit entscheidet, sondern das Diktat der Minderheit. Die Dersassung ist die Ursache der in der österreichischen Gesetz­gebung herrschenden Halbheit und der unge­sunden Kompromisse, die niemanden befriedigen und immer nur neue Unklarheiten Hervorrufen. Der Umstand, daß heute der Schwerpunkt für die Entscheidungen der Dolksvertretung nicht bei der Regierung und ihrer Mehrheit, sondern bei einer verantwortungslosen, nur auf reine De­magogie eingestellten Minderheit liegt, wider­spricht nicht nur den staatlichen Interessen, son­dern auch dem Abc der demokratischen Staats­form.

Bisher waren die bürgerlichen Parteien ziffern­mäßig zu schwach, um eine Verfassungsänderung im Parlament durchzusehen, die diesen unleid­lichen Zuständen ein Ende machen könnte. Dies­mal jedoch geht der Druck auf eine Aenderung der unzulänglichen Verfassung von den Heim- wehren aus. Selbstverständlich ist, daß eine Volksbewegung wie die Heimwchren, die bereits Hunderttausende von Anhängern zählt und deren Zweck darin besteht, den sozialdemokratischen Terror aus allen Gebieten des öffentlichen Le- | bcns zu brechen, ihren Schlußstein nur in einer P a r la m e n t^s r e f or m erblicken kann, die dem r bisher ausgeübten Diktat der sozialdemokratischen ; Minderheit ein Ende bereitet. Es ist heute schon j ganz klar, nach welcher Richtung sich bic, von der [ Heimwchr zu fordernden VersassungZän'erungen i bewegen werden. Es sind hauptsächlich vier Kar­dinalforderungen, die von den Heimwehrführern immer wieder erhoben werden: Aenderung des gegenwärtigen W ahlr echtes der starren Liste, Erweiterung des Machtbereiches des Bundespräsidenten. Umwa-dlurg des Bundesrates in eine Ständekammer und eine Aenderung des Verhältnisses zwischen Bund und Ländern, die es für die Zukunft ausschließt, daß sich in der Gemeinde Wien eine schrankenlose und unkontrollierbare Parteiherr­schaft etabliert, ohne daß der Bund das Recht hätte, wenigstens bei den ärgsten Derwaltungs- unb Steuermißbräuchen einzugreisen.

Die wichtigste von diesen vier Forderungen ist die nach Erweiterung der Machtbe­

Friedrich August Kekule.

$u seinem 100. Geburtstage.

Aon Or. Hildebrand, Gießen, Liebig-Museum.

Unter den großen Chemikern, die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts außerordentliche Leistun­gen schufen, welche für die Entwicklung der Chemie i bahnbrechend waren, nimmt Friedrich August K e - f u 1 e einen hervorragenden Platz ein. Seines hun­dertsten Geburtstages sich dankbar zu erinnern, hat das hessische Land Grund und Veranlassung, da Ke- kule von Geburt Hesse ist.

Friedrich Auglist Sictule wurde am 7. September 1S29 zu Darmstadt geboren, habilitierte sich 1856 in Heidelberg als Privatdozent, wurde 1858 in Gent Professor der Chemie und übernahm 1865 die Lei­tung des chemischen Instituts in Sonn.

Seine zahlreichen Untersuchungen beziehen sich in der Hauptsache auf die organische Chemie: bekannt ist seine Arbeit über die Vieratomigkeit des Kohlen­stosses (1858), die das Fundament zu neuen An­sichten über den Aufbau chemischer Verbindungen mürbe. Die Krönung dieser Arbeit war die 1865 veröffentlichte Benzoltheorie Benzolring, die der organischen Chemie eine völlig neue Richtung gab.

Schon vor (einem Tode, 13. Juli 1896, wurde Ke­kule dadurch, daß sein von A n g e l y gemaltes Bild der Berliner Nationalgalerie übergeben wurde, eine besondere Ehre zuteil, 1903 wurde ihm in Bonn ein Tenkmal errichtet.

Für Gießen hat die Gestalt Kekules besondere Sebeutung, denn er ist ein Schüler Liebigs, des großen Lehrmeisters der Chemie. Eigenartig ist der Umstand, der Kekule zu Liebig geführt hat. In Darm- f!adl war eines Morgens eine Gräfin Görlitz in > ifjrem Schlafzimmer tot aufa funden worden, der Der­brannte Oberkörper lag in dem unteren Teile des teils verbrannten Schreibtisches. In einer Schwur­gerichtsverhandlung 1850 in Darmstadt, die nebenbei bincrft die erste war, welche die Ereignisse des Jah­res 1848 als neue Einrichtung zuwege gebracht batten, war der Kammerdiener der Gräfin des Mor­des angeklagt worden. Die Verteidigung versuchte den Fall als Selbstverbrennung hinzustellen, die Gräfin Habe viel Alkohol getrunken, ihr Körper habe sich an einem Licht entzündet, derartige Fälle seien schon oft vorgekommen. Nun war Liebig zu diesem Prozeß als Sachverständiger geladen und widerlegte in einem ausführlichen Gutachten die Ansicht über Selbstver­brennung. Bei dieser Verhandlung war auch August Kekule, der damals in Gießen das Studium der Ar­chitektur begonnen hatte, als Zeuge, die Kekules wohnten neben dem Hause der Gräfin Görlitz, und August hatte als erster die Leiche gesehen. Die Klar-

fugnisse des Bundespräsidenten. Zum Unterschied von allen übrigen Staatsober­häuptern demokratischer Republiten ist heute der österreichische Bundespräsident der reinste Unter- schriftenautomat. Er wird vom Parlament ge­wählt und hat keine einzige selbständige Befugnis außer einem gewissen Begnadigungsrecht. Er ist im Grunde genommen eine reine Reprä­sentationsfigur, und nur dazu da, um alles, was ihm von der Rcgierrmg vorgelcgt wird, zu unterschreiben. Die Regierung wird ohne sein Zutun vom Rationalrat gewählt, die Auflösung des Rationalrates erfolgt ausschließlich über Be­schluß des Rattonalrates. Die Regierung ist vollkommen selbständig, von ihren Aktionen er­fährt der Bundespräsident zumeist aus den Zei­tungen. Schon bei der Wahl des gegenwärti­gen Bundespräsidenten hat kein geringerer als Dr. Seipel darauf hingewiesen, daß eine C r- Weiterung der Vollmachten des Bundesprä­sidenten nach einer dreifachen Richtung notwendig wäre: Wahl durch das gesamte Volk, Minister­ernennungsrecht und das Recht, den Rattonal­rat aufzulösen. Eine Wahl durch das Volk stellt den Bundespräsidenten, der heute nur ein Delegierter des Rationalrates ist, der Volksver­tretung gleich. Ein Ministerernennungs- und Auflosungsrecht verleiht der Regie­rung eine gewisse Unabhängigkeit vom Parlament und eine größere Stabilität, Hier ist der archi­medische Punkt, von dem aus der Terror der sozialdemokratischen Opposition aus den Angeln

gehoben werden kann. Zweifellos dürste die Heim­wehr diesen damals von Dr. Seipel vertretenen Standpunkt auf greifen. Dr. Seipel aber ist heute Obmann des Derfassungsausschusses.

Unter dem Druck der Heimwehren werden sich die bürgerlichen Parteien des Rationalrates um so eher zu einem Initiativantrag über die oben erwähnten Derfassungsreformen entschließen müssen, als eine solche Reform in ihrem eigenen Interesse gelegen ist und solche Forderungen des öfteren schon von den bürger­lichen Parteien selbst erhoben wurden. Ein solcher Initiativantrag würde naturgemäß von den So­zialdemokraten auf das heftigste bekämpft werden. Eine parlamentarische Erledigung eines solchen Antrages ist, da für Verfassungsänderungen eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist, welche die bürgerlichen Parteien allein nicht aufbringen, ausgeschlossen. Bleibt dann als ultima ratio d i e Volksabstimmung, die zweifellos eine an­sehnliche Mehrheit für die Derfassungsreform ergeben würde. Der Rationalrat hat heuer knapp vor den Sommerferien das Gesetz über Volks­abstimmungen, das bisher nicht existierte, obwohl der Volksentscheid in der Verfassung vorgesehen ist, beschlossen. Der Bundesrat hat es nicht er­ledigt. Infolgedessen wird es erst nach der gesetz­lich vorgeschriebenen Wartezeit von zwei Mo­naten, also voraussichtlich in der zweiten Hälfte September publiziert werden. Dann ist die Dahn frei.

Turnen, Spott und Spiel.

Gtadteachter GießenWetzlar

Zu dem Ruderwettkampf um den Städteachter Gießen Wetzlar auf der Lahn am Sonntag, 15. September, haben gemeldet: 1. Verein Rudersport 1913, Gießen, 2. Wetzlarer Ruderklub 1880, Wetzlar, 3. Gießener Ruder-GeM- schaft 1877 E. V., Gießen.

Die Mehrkampf meisterschasteu im Dolksturnen der D. T.

= Die D. T. trägt am kommenden Samstag und Sonntag ihre Meisterschaften im volks­tümlichen Mehrkampf in Verbindung mit dem Kaiserbergfest in Duisburg aus. JmZehn- k a m p f der 'Jbtänne. (100-Meter-, 400-Meter-, 1500= Meter-Lauf, 110-Mcter-Hür-denlauf, Hochsprung, Weitsprung, Stabhochsprung, Kugelstoß, Diskuswurf und Speerwurf), im Sechskampf der Männer (100-Meter-, 1500-Meter-Lauf, Hochsprung, Weit­sprung, Steinstoßen und Schleuderballwerfen und im Vierkarnpf der Frauen (100-Meter-Lauf, Hochsprung, Weitsprung und Kugelstoßen) sieht die D. T. die ideale turnerische und sportliche Ucbungs- form. Die M e l d e l i st e für die bedeutsame Ver­anstaltung nennt die besten Mehrkämpfe der Turner­schaft. Zum Zehnkampf treten 25, zum Sechskampf 33 Turner an. Die vorliegende Liste des Turne- rinnen-Vierkampfs weift 38 Teilnehmerinnen auf, darunter nach dem Pressedienst" der D. T. die be­kannten Gießener Meisterturnerinnen Else Bickel­haupt und Erna Alt haus vom hiesigen Män­nerturnverein.

Handball im Gau Hessen der D.T.

Das Ergebnis der Meldungen zur diesjäh­rigen Handballrunde liegt jetzt vor. Es bedeutet wieder einen kräftigen Auf­schwung: denn mit 25 Mannschaften begann der letztjährige Lauf um die Gaumeisterschaften der verschiedenen Klassen, während es diesmal 38 Mannschaften sind, die die Hand nach Meister­lorbeeren ausstrecken. Befremdend wirkt, daß der

Turn- und Sportverein Marburg, der satzungs­gemäß von der Meisterklasse zur A-Klasse absteigen mußte, es vorzog, überhaupt keine Meldung ab­zugeben. Neuling in der Meisterklasse ist die Turngemeinde Friedberg. Sechs Mann­schaften sind zur

Meisterklasse zusammengestellt: 1. Tv. Großen-Buseck, 2. Tv. Wetzlar, 3. Mto. Gießen, 4. Tv. 1846 Gießen, 5. Tv. Bad-Nauheim und 6. Tgd. Friedberg. Ob es dem Meister von 1929, Großen-Buseck, gelingen wird, sich wieder die Spitze zu erkämpfen, muß infolge der Verschiebung der Spielstärken einzelner Mann- fdjaften in Fkage gestellt werden; denn wie man hört, gibt man mehr als einer Mannschaft Aus­sicht auf Sieg. In der

A- und 6-klasse vollzog der Gauspielausschuß erstmalig eine Drei­teilung des Gaues in West-, Ost- und Nordbezirk, ein Schritt, der mit Freude begrüßt wird, da durch die Teilung die Reihenfolge eine wesentliche Ver­minderung erfahren hat. Viele neuerstandene Handballmannschaften treten vornehmlich in der 6-Klasse zum ersten Male auf den Plan. Die Teil­nehmer sind:

A - K l a s s e (W e st): Turn- u. Sportv. Butzbach, Tv. Wetzlar-Niedergirmes, Mtv. Gießen, Turnv. Wetzlar.

A-Klasse (Ost): Tv. Lauterbach, Tv. Als­feld, Tv. Gedern, Tv. Burggemünden.

A-Kl ässe (Nord): Tv. Wittelsberg, Turnv. Wetter, Tv. Cölbe, Tv. Sarnau.

6-Klasse (West): Tv. Bad-Nauheim II, T.- u. Sp. Butzbach II, Tv. Großen-Linden, Turnv. Großen-Buseck II.

6 - Klasse (Oft): Tv. Merkenfritz, Tv. Lauter­bach II.

6 - Klasse (Nord): Tv. Wittelsberg II, Tv. Wetter II, Tv. Cölbe II, To. Sterzhausen, Tv. Güdingen, Tv. Hartenrod, Tv. Wenkbach.

Jugend (West): Mtv. Gießen, Tv. 1846 Gie­ßen, To. Wetzlar, To. Bad-Nauheim, T.- u. Spo. Butzbach.

Jugend (Nord): To. Cölbe, To. Sterz- hausen.

heit und Bestimmtheit, mit der Kekule seine Aus­sagen machte, soll, so berichtet Volhard, auf Liebig Eindruck gemacht und sein Interesse für den jungen Mann geweckt haben, so daß Kekule sich veranlaßt sah, sein begonnenes Studium aufzu­geben und sich der Chemie zuzuwenden. Der Fall erinnert an A. W. Hofmann, von dem ja be­richtet wird, daß er auch auf Veranlassung Liebigs umgesattelt und Chemie studiert habe. Chronologisch stimmen diese Angaben Volhards allerdings nicht mit Kekules Aufzeichnungen:Experimentalchemie, vorgetragen von Prof. Dr. v. Liebig" überein; denn diese von der Agfa Wolfen als Faksimiledruck der Oefsentlichkeit übermittelten Aufzeichnungen das Liebig-Museum besitzt zwei Exemplare davon tragen den Vermerk:A. Kekule, stuck, ehern. 1848". Demnach hätte Kekule schon 1848 Chemie studiert, während die Schwurgerichtssitzung erst 1850 gewe­sen fein soll.

Das Liebig-Museum in Gießen besitzt als Erinnerungsstücke an Kekule zwei Medaillen, die Kekules Sohn dem Museum vermacht hat: die Huygens-Medaille (großer Preis der niederländi­schen Akademie der Wissenschaften) und die Capley- Medaille der königlichen Gesellschaft der Wissen­schaften in London. Beide Medaillen waren aus Gold, find aber in der Kriegszeit abgeliefert nach Herstellung eiserner Kopien. Zudem besitzt bas Mu­seum zwei Bilder Kekules aus den Jahren 1869 und 1890, Geschenke von Herrn Geheimrat An­schütz, Bonn.

Oer rote Kreis."

Lichtspielhaus Bahnhofstraße.

Das Geheimnis des großen Erfolges aller Ro­mane. Dramen und Filme, die von Edgar Wallace (oder nach feinen Intentionen) ge­schaffen wurden, beruht wahrscheinlich darin, daß sie sich nicht wiederholen oder nicht auf einen Renner zu bringen sind.

Man kann ein Experiment machen und sich verschiedene Romane, Dramen oder Filme hinter­einander daraufhin ansehen, ob sie nach demselben Rezept oder Schema gemacht sind,... ob man etwa den einmal entdeckten Schlüssel zur ver­blüffenden Lösung beliebig weiter verwenden kann.

Man kann es nicht.

*

Es ist nicht so, daß etwa unter einer großen Anzahl von Personen, welche mit einemFall" zu tun haben, immer die scheinbar harmlosesten, biedersten und offiziellsten Leute zuletzt als die

geheimnisvollsten Schufte entlarvt werden, nach denen man sich den ganzen Abend den Kopf zerbrach...

Und auch nicht umgekehrt so, daß jene, die von Anfang an als die verdächtigsten und am schwersten belasteten umhergehen, hernach in aller Unschuld oder gar als die wahren Helden des Abenteuers dastehen.

Die Leute aus dem Publikum, die bei Wallace hinterher sagen: das habe ich mir doch gleich gedacht, sind erstens selten, und zweitens weih man nie, ob sie ganz ehrlich sind. (Abgesehen davon, daß eshinterher" kein Kunststück mehr ist, das kriminalistischen Scharfsinn erfordert.)

Bei immer gleichem Themenkreis Wallace schreibt kaum etwas anderes als Kriminalfachen und mysteriöse Geschichten fällt ihm immer etwas Reues ein. Phantasie und Intelligenz sind bei ihm in einem Maße sowohl gesteigert als auch miteinander vereinigt, wie es für Kriminal­schriftsteller von Rang charakteristisch ist.

Der rote Kreis" heißt ein Film, den Friedrich Zelnik (Manuskript von Carlsen) nach einem Roman von Wallace inszeniert hat.

Zweifellos ist der Film an sich für die Schil­derung von Kriminalfällen ganz besonders ge­eignet; vor allem seiner fast unbegrenzten zeit­lichen und räumlichen Konzentrationsmöglichkciten wegen.

Auch dieser Film ist gut insofern, als das Pu­blikum und darauf kommt es ja wohl zunächst an von der ersten bis zur letzten Szene in Atem gehalten wird. Außerdem ist eine ganz großzügige Regie am Werke, sieht man eine raffinierte Photographie und eine Menge aus­gezeichneter Schauspieler.

Dennoch halten wir den Roman mindestens stellenweise für besser; hier hatte man des öfteren das Gefühl, daß der Film mit eben den angedeuteten, oft überlegenen Möglichkeiten sich übersteigert und überschlägt. Hier ist der feltene Fall: ein an sich guter Film mit zu we­nig Text. Ferner in manchen Szenen so schnell gedreht, überblendet und umspringend, daß man Mühe hat, den Zusammenhängen zu folgen und die Fäden nicht zu verlieren.

Außerdem hat der FilmLocher", die der Roman bei Wallace jedenfalls bestimmt nicht hat; dafür sind feine Romane zu gut gear­beitet. (Rebenbei: einmal ergab sich eine merk­bare Lücke in der Projektton, nicht im Strei-

lieber ein Dutzend Vereine haben das Handball­spiel neu in ihr Arbeitsfeld ausgenommen. Dies ist, um der Sache zu dienen, sehr erfreulich, daß aber Vereine wie T.° u. Ep. Marburg, Nidda, Schlitz, Treis a. d. Lda. den einmal erzielten Raum­gewinn kurzerhand wieder preisgeben, ist sehr zu bedauern.

Mögen die kommenden Spiele in schöner rich­tiger Weise verlaufen und mögen sie die Besten ohne Zwischenfall" an der verdienten Stelle fin­den.

Werbespieltag des Gaues Hessen.

Am kommenden Sonntag findet auf dem Uni» versitätsspielplah ein Werbespieltag des Gaues Hessen statt. Faustball und Handball sind die Angelpunkte der Veranstaltung. ®au- spielwart Seibert, sowie Faustball-Obmann Loh und Handball-Obmann Mohr teilen sich in die Leitung. Am Vormittag wird die Gau­meisterschaft in Faustball A-Klasse zur Durch­führung gebracht. Es nehmen teil Marburg (1. Bezirk), Wetzlar (2. Bezirk), Friedberg (5. Be­zirk), Halgershausen (6. Bezirk); wie gewöhnlich glänzen auch diesmal wieder 3. und 4. Bezirk durch Fehlanzeige.

Am Rachmittag treten die ersten Mannschaften, sowie die Iugendmannschaften der Gießener Turn­vereine auswärtigen Handball-Elfen entgegen. Am ersten Spieltag der Handballrunde des Gaues hat der Gauspielausschuh folgende Paarung der Teilnehmer getätigt: Jugend Tv. Wetzlar gegen Jugend Mtv. Gießen, Meisterklasse Tv. 1860 Dad-Rauheim I gegen Tv. 1846 Gießen I; Meister- klasse Tv. Wehlari gegen Mtv. GießenI; Jugend Tv. Bad-Rauheim gegen Jugend Turnv. 1846 Gießen.

Die Spiele der Jugend lassen infolge der vie­len Reueinstellungen einen Schluß auf die zu er­wartenden Sieger nicht zu; dennoch tonn gesagt werden, daß die Einheimischen alle Hände regen müssen, um auch nur einen Punkt hier zu be­halten.

In der Meisterklasse geben die Handballmann­schaften des Tv. Wetzlar und des Tv. 1846 Gießen letzthin eine Probe ihrer Stärke, leider stehen sie am kommenden Sonntag je einem anderen Gegner gegenüber. Tv. 1860 Bad-Rauheim soll gehörig an seiner Elf gearbeitet haben, um sie wohlgerüstet ins erste Treffen zu schicken. Don der ersten Elf des Mtv. Gießen horte man in letzter Zeit sehr wenig; da sie jedoch über sehr gute Spieler mit schönem Cinzelkönnen verfügt, kommt es bei ihr auf das Zusammenspiel an, um einen starken Gegner abzugeben. Wetzlar wird jedoch kaum leichten Ganges zu überraschen sein. Wer in beiden Spielen der Meisterklasse das bessere Ende für sich haben wird, ist eine vollkommen offene Frage.

Daß man den Werbespielen des Gaues Hessen die nötige Beachtung beimißt, beweist die Tat­sache, daß der große, volkstümliche Vereinswett­kampf zwischen Tv. 1860 Bad-Rauheim, Turnv. Wetzlar und Mtv. Gießen, der bereits für diesen Sonntag feststand, um eine Woche verlegte, um der Werbekraft der Gauveranstaltung keinen Ab­bruch zu tun.

Allg. Deutscher Turnerbund.

Am Samstag und Sonntag trafen sich die besten Turnerinnen und Turner des Allge­meinen Deutschen Turnerbundes in Rüsselsheim, um dort die Dundesmeister- schaften auszukämpfen. Am Samstag ver­einigte ein Degrühungsabend die Turner, die von K. Zöller (Hausen bei Gießen) imRamen des Südwestdeutschen Turnverbandes begrüßt wurden. In den Entscheidungskämpfen placier­ten sich die Turner aus unserer Gegend wie folgt: 5200-Meter-Lauf: 2. Sieger Adolf Ladner (Gettenau), 16:55,2 Minuten. Bundesmeister im Geräteturnen: Pferd-Zehnkampf: Wilh. Hof­

fen selbst; in der Vorschau war die Szene kom­plett.)

Aber der Film ist immer noch besser als ein Dutzend landläufiger Kriminalstücke. Schon der Besetzung wegen sollte man ihn gesehen haben.

Lha Mara, sehr anmutig, in der schillern­den Rolle einer weiblichen Mittelfigur, von der nach allen Richtungen Kombinationsfäden ge­sponnen werden können.

S t e i n r ü ck , der Unvergeßliche, in einer fei­nen Charaktercharge. Wallburg, Frankfurts berühmter Komiker, jetzt in Berlin; Albers, Döblin, die Grüning.

Und Steward Rome und John Castle, zwei bisher kaum bekannte Ausländer, in tra­genden Ro'len. Das ergibt ein tadellos ab» gestimmtes, routiniert zusammenfpielendes En­semble.

Tips werden, im Interesse aller späteren Be­sucher, nicht gegeben. Jeder muß selbst sehn, Rät­sel raten und sich aufregen. r

Zeck kaust ein.

Don Hans Rjebau.

Gehst du in die Stabt?" fragte Frau Lori.

Jawohl", sagt Zeck,ich gehe in bie Stabt."

Dann bringe mir boch", schlägt Frau Lori die Augen auf,einen neuen Babeanzug mit."

Babeanzug?" knurrt Zeck.Dein öfter ist boch noch sehr gut!"

Aber nachbem Frau Lori fünf Minuten mit Zeck verhanbelt hat, geht er in bas Warenhaus von Born & Sohn.Zeigen Sie mir Babeanzüge", sagt er zu der Verkäuferin.

Die Verkäuferin zeigt ihm Babeanzüge. Aber sei es nun, baß bie Anzüge nicht billig ober die Ver­käuferin nicht jung genug ist: Zech rümpft bie Nase unb geht.

Da sieht er in ber Abteilung für Seibenstrümpfe eine junge Dame stehen, eine junge Dame, bie hef­tigen Einbruck auf ihn macht. Unb wie Zeck nun einmal ist: Er geht auf bie junge Dame zu, guckt sie an, guckt unb guckt, fixiert sie wie ein Hypnoti. stur, räuspert sich. Aber bevor er bas erste Wort hervorbringt, packt die junge Dame ihn beim Arm. Nur keinen Skanbal", flüsterte sie, unb wirb sehr blaß,ich werbe es auch nie, nie roieber tun."

Zeck nickt,beruhigt bie Dame.

»Hör' mal", sagt er zu Frau Lori, als er wieder zu Hause ist,ich habe es mir überlegt: Was willst du mit einem neuen Badeanzug? Ich habe dir lie­ber sechs Paar Strümpfe, neun Meter Samtband unb vierzehn Pakete Sicherheitsnabeln mitgebrachl.