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Oie Jagd im August

Hier ist ertrunken Barbara Lentner, Sie wog mehr als dritthalb Zentner, Gott geb ihr in der Ewigkeit Rach ihrem Gewicht die Seligkeit."

Und der Bach plaudert und lächelt und blitzt silbern weiter, immer seinem Bater, dem großen Strome zu, der ihn mitnimmt, auf die weite Reise ins Meer und in die Unendlichkeit.

Das Marterl am Bach.

Don Max Zungnickel.

Unten, in Tirol, springt mit wahrer Katzen­flinkheit ein Dach vom Gebirge herunter. Ein wilder, tosender Dach.

Unten angekommen, hüpft er noch ein Weil­chen und geht dann mit zehentänzerlschen Fußen durch die fettgrünen Wiesen weiter. Er Plaudert vor sich hin als würfe ihm der frische Wind Einfälle und purzelnde Gedanken hu. Er besieht sich die Dlumen, die auf ihn zuschäumen, sich an ihn heranschlängeln. Er lacht sie herzlich an tote etwas Lustiges, lacht sie an wie alte Bruder, Tanzjungfern und Zechkumpane. Und sein Lä­cheln blinkt in die Wiesen. Ein wahrhaft seliger Dach.

Aber dort, wo sich über ihn eine kipplige, morsche Drücke biegt, dort steht ein Marterl. Fal­terumflattert steht es da, von schilpenden Bogel- rufen umsungen. Drüberhin die wonnige, leicht­bebende Himmelbläue. Eine armselige, blecherne Tafel an einen Baumstumpf genagelt. Und auf die Tafel hat mit schwerfälligem Pin­sel bäuerliche Einfalt diesen Ders gedichtet:

^lBad-Rauheim, 5. 2lug. Die Dad-Äau- heimer Turnorschaft hat das altüberlieferte Wald fest, das seit dem Kriege nicht mehr gefeiert worden ist, wieder aufleben lassen. Um der Veranstaltung aber einen zeitgemäßen Sinn zu geben, wurde damit die Austragung der Reichsjugendwettkämpfe für den Teil der Jugend verbunden, dem die Beteiligung an den Wettbewerben der Schulen nicht mehr mög­lich ist. Auch Jugendliche der Rachbarorte hatten sich zu den Wettkämpfen eingefunden, die nach den Bestimmungen des hessischen Kultusmintste- riums reibungslos durchgesührt wurden. Daß das alte Rauheimer Volksfest an idealer Fest­stätte unter den alten Eichen des Hochwaldes von seiner Volkstümlichkeit nichts eingebüht hat, bewies der überaus starke Besuch aus allen De° völkerungsschichten, besonders auch aus den Krei­sen der Kurgäste, die ihre Freude hatten an dem frohen Treiben eines deutschen Volksfestes. Auch mehrere Turnerführer aus der Ost- unZX West- mark, aus Schwaben und der Pfalz, aus Sach­sen und Thüringen, die zur Zeit der Kur hier weilen, hatten sich gestern zu dein Volksfest ein­gefunden, das durch abwechslungsreiches Schau­turnen und Gesangsvorträge des Gesangvereins Frohsinn" verschönt wurde. Der heutige Tag gehörte der Jugend, für die ein allgemeines Kinderfest bei starker Beteiligung veranstaltet wurde.

Kreis Büdingen.

Ridda, 5. Aug. Landwirtschastsrat Rau ist von dem hiesigen Landwirtschaftsamt an das gleiche Amt in Reichelsheim im Odenwald verseht worden. Die in den beiden letzten Winter-

recht unbeliebt.

Die Brunst des Rehwildes ist in vollem Gang. Ein ungestümer Liebhaber ist der rote Dock, der seine Ricke durch das hohe Holz, über Wiesen und Felder treibt. Run ist die Zeit, wo er auf dasBlatt" springt und wo sich dadurch auch die Möglichkeit des Dejagens von Docken gibt, die in schwer zugänglichen Reviertetlen stehen. Die Unruhe, die in der Dlattzett den ganzen Rehsland erfaßt, bietet aber bei häufigem Aufenthalt im Revier auch die beste Gelegenheck den Bestand kennenzulernen. Wo das Rehwtld an Salz gewöhnt ist, empfiehlt es sich, dte Lecken nachzusehen und bei Bedarf aufzufrtschen.

Dem Hafen dürfte die heiße und trockene Zeit gut bekommen sein. Wenn nicht aller Schein trügt, sind Aussichten auf ein zufriedenstellendes Hasenjahr da. Aber noch immer widmet sich Mümmelmann der Erhaltung der Sippe, und in Kartoffel- und Rübenschlägen errichtet die Hastn ihre Kinderstube.

Im Laufe des Monats oder mit seinem Ende pflegt die Hühnerjagd zu beginnen. Solange noch soviel Deckung auf den Feldern war wie seither, ließ sich über 'ihre Aussichten nichts sagen. Die Witterung war nicht ungünstig. Es dürfte daher von ausschlaggebender Bedeutung sein ob in den betreffenden Revieren im letzten harten Winter etwas für die Hühner geschah. Denn dort haben sie zum Teil den Winter er­staunlich gut überstanden. Bei kaum einer anderen Jagdart kommt die Verbundenheit von Jäger

auf ihnen ein.

Auch die Jagd auf die Ringeltaube kann sich jetzt lohnen. Denn gern sitzt sie jetzt oben auf den Getreidehaufen oder trippelt über dte Stoppeln. Auch bestimmte Tränkplätze am Dach oder in nassen Wiesen werden immer wieder aufgesucht.

Am Dachsbau herrscht Leben. Ueberall sind die alten Rohre freigelegt und gereinigt. In den Abendstunden aber zieht die ganze Sippschaft aus, und überall treffen wir die Spuren, wo sie gestochen haben. So wird der Dachs allmäh­lich feist.

Jung fuchsen, die selbständig ayf die Nah­rungssuche ausziehen, begegnet man des öfteren. Der Fuchs sieht sich noch recht ruppig an, und sein Dalg übt noch keine Anziehungskraft aus.

Der Jagdschutz muh sich vor allem wieder auf jagende Hunde und Katzen erstrecken. Wie viele Katzen sich draußen herumtreiben, wird einem meist bei der Hühnerjagd klar, wenn immer und immer wieder sich der brave Gebrauchshund fernab von Dorf und Gehöft eineharmlose" Mieze um die Dehänge schlägt. Eine Riedeyagd kann nur gedeihen, wo das Wild vor Diesen Geißeln geschützt wird. Hubertus.

Oer schamhafte Affe.

Der Mensch ist zwar in feinern^Hvchmut ge­neigt, gewisse Eigenschaften? sich allem zuzu­schreiben, und so bezeichnet er den-Affen ge­radezu als schamlos. Aber auch die Äere kennen jene geheimnisvolle Form des Selbstbewußt­seins, die von der Furcht streng zu unterscheiden ist und in der Fähigkeit besteht, sich selbst zu sehen, wie die andern uns sehen. Der englische Zoologe E. G. Doulenger hat Anzeichen der Scham öfters bei den höheren Affen beobachtet und erzählt als Deispiel ein Erlebstis mit einem jungen Schimpansen, der so gut abgerichtet war, daß er mit bei Tisch. Einmal aber verließen chn feine vortrefflichen Manieren, als eine große Schale mit Kirschen, seinem Lieblingsgericht, auf­getragen wurde. Er fiel in seine ursprünglichen Gewohnheiten zurück, fuhr wjld mit seinen Pfoten herum, stieß einen lustigen Schrei aus und griff hastig mit beiden Pfoten in die Schussel. Cs gibt eine Geschichte von dem rücksichtsvollen Wirt der sah. wie sein etwas weltfremder Gast das Wasser der Abwaschschale austrank, und der daraufhin das Gleiche tat. um dem Gast eine Beschämung zu ersparen. Die Tischgen^ien des Schimpansen aber waren nicht so rücksichts­voll sondern lachten laut über sein Benehmen. Zunächst stimmte der Affe in das Gelachter cm, aber plötzlich schien er zu begreifen, daß sich die Heiterkeit gegen ihn richtete: er bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen, machte einen ganz hilflosen Eindruck und kroch unter den Tisch. Ein Mensch hätte vielleicht einen Ausweg ge­funden. aber das Auffass ungs vermögen des Affen reichte nur soweit, die peinliche Situa­tion zu empfinden, m die er sich gebracht hatte.

die Polizei ein. Gerade ging die Szene mit dem Revolver vor sich, da öffnete sich die Tür und zwei Kriminalbeamte erschienen.

Vor Schreck entfiel dem Gauner die Waffe. Sie mar vorsichtigerweise noch nicht einmal geladen. Die Beamten machten kurzen Prozeß, nahmen den Selbstmörder in Empfang und brachten ihn auf die Polizeipräfektur.

Hier stellte sich heraus, daß der Schwindler wah­rend der beiden letzten Monate mehr als hundert­tausend Frank erbeutet hatte. Er führte das Le­ben eines Grandseigneurs, bewohnte ein Apparte­ment in einem Luxushotel, besaß ein Auto und natürlich auch eine anspruchsvolle Geliebte, mit der er die Abende in den teuersten Nachtlokalen des Montmartre verbrachte. Für einige Jahre wird er nun wohl schön seinen einträglichen Beruf auf­geben müssen. Aber für später hat er sicher schon etwas Besseres auf Lager. B. M. V.

Goldne Aehre, du mußt fallen." "Son früh i bis spät klingt die Sense, rattert die Maschine und stellen fleißige Hände die Garben auf. Men­schen und Unruhe überall, wo vorher in den zusammenhängenden Getreidefeldern das Wild sich wohl und sicher gefühlt hatte. Rur ungern weicht es daher und verläßt oft erst unmittelbar vor der Mähmaschine den schützenden Einstand, um zum Walde zurückzuwechseln.

Der Rothirsch tritt in die Feistzeit, und damit beginnt die Jagd, die an das Können und die Ausdauer des Weidmannes die höchsten An­forderungen stellt. Daher gilt das Weidwerk aus den heimlichen Feisthirsch,das Rachtge- spenst das du nur ahnst, das du nicht kennst als die Krone der Jagd. Starke Hirsche fuhren ein Cinsiedlerdasein voller Mißtrauen und treten erst gegen Ende des Monats zum Rudel. Das Wild bevorzugt für seinen Tagesstand Vor- hölzer und Dickungen in Feldesnähe. Denn reifen­der Hafer und Kartoffelfelder üben eine außer­ordentliche Anziehungskraft aus.

Das Schwarzwild äußert gleichen Ge­schmack und macht sich dadurch bei dem Landwirt

Rückblick gab auf das Werk Joh. Friedrich Ob er lins und seiner getreuen Helferin Luise Sch epp le r. auf die Entwicklung der evangeli­schen Kleinkinderpflege bis auf unsere Zeit, sowie auf die Bedeutung, welche die hiesige am 11. Juni 1899 durch den damaligen Pfarrer S c r i b a eröffnete Kleinkinderbewahranstalt in den drei Jahrzehnten ihres Bestehens für unsere Gc- meinde gehabt hat. Zum Schluß sprach er allen, die zu dem Gelingen des schönen Festes beige­tragen hatten, vorab den beiden Schwestern, dem Posaunenchor und allen anderen freund­lichen Helfern herzlichen Dank aus. Roch einem gemeinsamen Liede fand die festliche Veranstal­tung mit der Verteilung von Brezeln an die Kleinen ihren Abschluß. Die ganze Feier, von schönstem Wetter begünstigt, wird den jungen und alten Teilnehmern noch lange in bester Erinnerung bleiben.

Z W i r b e r a, 8. Aug. Das 8. W i r b e r g e r Missionsfest fand am Sonntag hier statt und nahm, begünstigt von einem wunderbaren Som­mertag, einen harmonischen Verlauf. Die zahlreiche Festgemeinde, die sich aus den Dörfern des Kirch­spiels und aus vielen Orten der Umgebung zusam- mensetzte, fand in unserem geräumigen Gottes­hause nicht Platz, so daß vor dem geöffneten Por­tal noch eine ganze Anzahl Gäste bleiben mußte. Die Festpredigt hatte Missionar W a l t h e r-Bcuern übernommen, er predigte über Psalm 119 Vers 72. Ein Posaunenchor, gebildet aus Bläsern der Chöre von Klein-Linden und Gießen unter Leitung von Pfarrer Lenz-Gießen hatte die Begleitun'g der Gemeindegesänge und den sonstigen musikalischen Teil der Feier übernommen. Nach dem Festgottes­dienst sand eine Kaffeepause statt, die Bewirtung Ser Gäste geschah wie immer durch die Bewohner des Wirbergs. Die Nachverfammlung war im Sandgarten, der Stelle, wo ehemals das Kloster stand. Nach der Eröffnung durch den Chor und Gemeindegesang sprach der Dekan des Dekanates Grünberg, Schmidt, Grünberg, über die Not­wendigkeit und Bedeutung der Mission und gab einige interessante Zahlen über das Weltmissions- werk. Der Festprediger schilderte daraus im An­schluß an Psalm 93 Vers 1 in Bildern aus der Mission und dem Leben die Siegeskraft des Evan­geliums. Das Schlußwort hatte der Ortspfarrer. Er stattete den Dank ab an alle, die zum Gelingen des Festes beigetragen hatten, forderte auf zur Mitarbeit am Missionswerk und lud ein zum 9. Missionsfest übers Jahr. Die Kirchen des Kirch­spiels Beltershain, Göbelnrod, Harbach, Remhards- hain und Saasen Übergaben dem Missionar die Kirchengabe, bestehend aus 360 Eiern, die Missionar Walther mit Dank für die Mission übernahm. Schlußgebet und Segen des Ortspfarrers, Gememde- gesang und einige Chöre des Posaunenchors schlos­sen die Feier. Die Kollekten ergaben mehr as 100 Mark ohne den Ertrag der Kirchengabe.

# Aus der nördlichen Wetterau, 5. August. Die Ernte reift ungeheuer schnell her­an. Während in der vergangenen Woche Korn und Gerste gleichzeitig geschnitten werden mußten, ist man jetzt daran, Hafer und Weizen abju- machen. Und wenn die trockene Witterung noch einige Tage anhält, ist das Abernten der Frucht in ungewöhnlich schneller Zeit beendet. Wohl am meisten hat der Hafer unter der langen Trockenheit gelitten, da sein Korn besonders in bergigen Lagen wenig Mehlgehalt bilden konnte. Auch ist der Halm verhältnismäßig kurz geblieben, so daß er stellen­weise nicht mit den Erntemaschinen bearbeitet wer­den rann. Der Weizen steht durchweg gut, und so geht sein Schnitt sehr schnell vorwärts. Bereits sind die Dreschmaschinen in Tätigkeit getreten. Mit dem Ertrag ist man hinsichtlich der Körner und des Strohes recht zufrieden. Wo der Getreide­blasenfuß Schaden angerichtet hat, ist das Drusch­ergebnis geringer. Sehr gut gibt die Gerste. Der Weizenertrag steht pro Morgen noch über der Gerste. Obwohl noch fein eigentlicher Handel be­steht, wird ein Preis von 24 bis 25 Mark von den Maklern genannt. Die Preise für F et t- schwein'e sind in weiterem Steigen begriffen. Gegenwärtig werden von den Händlern 86 bis 88 Pf. pro Pfund Lebendgewicht gezahlt. Die Fer­kelpreise halten sich auf der seitherigen Hohe. Das Stück 7 Wochen alter Jungtiere kostet 38 bis 42 Mk. Den Imkern kommt das trockene Sommerwetter sehr zugute. Obwohl wir zu ausgesprochenen Früh- trachtgegenden gehören, wo in erster Linie die Obstblüte und die Wiesenblumen einen guten Erfolg verbürgen, kann der Bienenvater jetzt noch schleu­dern, weil der rote Klee beflogen werden kann.

# Hungen, 5. Aug. Dem hiesigen Förster Sarnes gelang es dieser Tage, in dem Braunfels-

Der Herr, der feine ZriestasHe verloren halle.

In einer Stadt wie Paris gibt es genug Leute, die auf Kosten ihrer lieben Mitmenschen zu leben verstehen und nur schwer von den Gerichten zur Rechenschaft gezogen werden können. Es existiert eine Menge von Gaunern, die ihr lichtscheues Ge­werbe durchaus unter der Maske ber_ Ehrbarkeit ausüben und sich dabei noch völliger Straflosigkeit erfreuen. Die Polizei ist in solchen Fällen macht­los, und nur einem glücklichen Zufall ist es zu ver­danken, wenn sie bei ihrer Arbeit auf ein günstiges Resultat stößt und den Verbrecher der verdienten Sühne zuführen kann.

So war es auch der Fall bei einem Betrüger, der seit Monaten bereits die französische Hauptstadt und wahrscheinlich auch die Provinz unsicher machte. Mit Hilfe eines genial ausgeklügelten Tricks hat er sich beträchtliche Summen ergaunern können.

Bei wohlhabenden Geschäftsleuten stellte sich ein korrekt angezogener Herr von bürgerlich-unverdäch­tigem Aussehen zum Besuch ein. Er bat, den Chef unter vier Augen in einer wichtigen Angelegenheit sprechen zu dürfen. Meist willfahrte man feinem Wunsche, und dann brachte der Unbekannte nach einigen einleitenden Worten, mit Tränen in den Augen, folgende Jererniade vor:

Es ist mir etwas Schreckliches zugestoßen, mein Herr. Ich bin nur vorübergehend in Paris und habe gestern meine Brieftasche mit zweitausend Frank verloren... Mit dem Geld wollte ich heute einen fälligen Wechsel einlösen. Mein Gläubiger ist unnachsichtlich und wird ihn unter keinen Um­ständen prolongieren. Oh, die Schande! Und ich bin immer ein ehrlicher, zuverlässiger, Mensch ge­wesen! Darf ich es wagen, mein Herr, Sie um Ihre Hilfe anzuflehen? Leihen Sie mir die zwei­tausend Frank und ich will Ihnen ewig dank­bar sein...!"

Der Geschäftsmann runzelte die Brauen, stand auf und wollte den unliebsamen Bittsteller höflich, aber bestimmt vor die Tür setzen.

Doch der Unbekannte, der wohl wußte, was ihm bevorstand, weigerte sich, das Zimmer zu verlas­sen.

Don früh i und Hund so zur Geltung wie bei der Hühner­jagd. Für die meisten Hunde beginnt jetzt erst wieder die Arbeitszeit. Der Körper hat stärkere Anstrengungen verlernt, vielleicht hat das Tier auch die Zeit der Untätigkeit zum Fettansatz benutzt. Und kommt dann der erste Jagdtag, mög­lichst noch ein recht strahlender Augusttag, dann tritt nach kurzer Zeit -die Erschöpfung ein. Hechelnd und Schatten suchend, liegt der vier­beinige Jagdgenosse in einer Kartoffelfurche, und sein Herr wird ärgerlich. Aerger aber beein­trächtigt die Schußleistung. Aus dem mit viel Spannung erwarteten ersten Jagdtag wurde eine große Pleite. So geht es sehr oft. Man sollte deshalb vorher in der kühleren Tageszeit den Hund suchen lassen. Er -gewöhnt sich wiedev daran, mancher Herr kann es auch brauchen, man lernt seine Ketten kennen und man kann den Hund viel besser wieder in die Hand be­kommen, wenn nicht gleich auch ein Galgen voll Hühner mitgenommen werden soll.

Die Entenjagd scheint in diesem Jahr recht dürftig zu werden. Es ist ja bekannt, daß das Wassergeflügel am stärksten unter dem Winter gelitten hat. Seine Einbuße wird auf 50 Prozent veranschlagt. An vielen Tümpeln und Bächen unserer Gegend, wo sonst Enten zu brüten pfleg­ten, fehlen die Jungenten ganz. Während die Stoppelfelder noch draußen liegen, fallen die Enten in den Morgen- und Abendstunden gern

schen RevierHupp" ein Wildschwein (Bache) von 87 Pfund Gewicht zur Strecke zu bringen. Schon seit längerer Zeit war man hier einer Rotte Schwarz- wild, bestehend aus einem schweren Keiler und einer alten Bache mit Jungen, auf der Spur. Das erlegte junge Tier war davon ein Ueberläufer. Verschiedent­lich waren die Schwarzkittel im Gemeindewald ge- sichtigt worden.

Kreis Friedberg.

pb. Butzbach, 5. Aug. Der hiesige e v a n - gelischc Arbeiterverein blickt in diesem Jahre aus sein 30jähriges Bestehen zurück. Aus diesem Anlaß fand eine in einfachem Rahmen gehaltene Feier statt, die mit einer Familienfeier am Samstag abend im Saale des ..Gambrinus' begann. Hierbei sprach Derbandssekretär Läu­fer über das Thema: Was hat E.A.V.-Arbeit unserer Zeit zu bieten und zu sagen? Der Abend wurde verschönt durch gesangliche und musikalische Darbietungen. Am Sonntag vormittag sand zu­nächst auf dem Friedhof eine Totenehrung für die verstorbenen Mitglieder statt, worauf dann der Verbandsvorsitzende der evangelischen Ar­beiter-Vereine Hessens. Pfarrer Heß (Darm­stadt), den Festgottesdienst und die Festpredigt hielt. Rachmittags begab sich die Festgemeinde in einem stattlichen Zug unter Dorantritt des Posaunenchors Lang-Göns nach der Wckhelms- höhe, wo eine Rachfeier abgehalten wurde, die durch gesangliche und musikalische Darbietungen des evangelischen Kirchenchors Butzbach, des Mädchen-Chors des evangelischen Arbeitervereins Gießen und des evangelischen Mädchenvereins Butzbach, sowie des Posaunenchors Lang-Göns verschönt wurde.

Sie mollcn mir das Geld nicht leihen?" fragte er drohend.Nun, bann weiß ich, was ich zu tun habe."

Er zog einen Revolver aus der Tasche und rich­tete ihn auf seine Schläfe.

Ich schieße mir eine Kugel in den Kopf", schluchzte er,wenn sie mir nicht helfen."

Der Geschäftsmann sprang auf den Selbstmör­der zu und suche ihm die Waffe zu entwinden.

Machen Sie keine Dummheiten. Seien Sie doch vernünftig! Welchen Zweck hat es, wegen einer solchen Lappalie Selbstmord zu verüben?'

Aber der Unbetqnnte schien fest zum Tode ent­schlossen zu sein. Er brachte den Revolver von neuem auf sich in Anschlag.

Dem Geschäftsmann fuhr ein Schreck durch die Glieder. Welche Unannehmlichkeiten standen ihm bevor, wenn der Unglücksmensch sich hier in seinem Bureau erschoß. Konnte man ihn nicht als den vermutlichen Mörder verhaften? Aber wie den auf­dringlichen Todeskandidaten loswerden? Nur ein Mittel gab es da.

Also gut, hier haben Sie taufenb Frank: aber schießen Sie sich wo anders, als In meinen Ge­schäftsräumen, tot!"

Der Selbstmordkandidat schwankte noch einige Augenblicke: schließlich aber steckte er das Geld ein und zog sich unter einer Flut von Dankesworten gegenüber seinem Lebensretter zurück.

Tausend Frank waren verdient, gewiß ein hüb­sches Sümmchen, wenn man bedenkt, daß der Gau­ner das gleiche Manöver mehrmals am Tage wie­derholte.

Zu seinem Pech aber passierte ihm doch im Ver­lauf feinerArbeit" ein kleines Mißgeschick. Zwei Kaufleute, die sich gegenseitig kannten, waren beide auf den Trick hereingefallen und benachrichtigten die Polizei.

Alle Bankiers und Chefs größerer Firmen wur­den diskret in Kenntnis gesetzt und gebeten, sofort > die Polizei zu alarmieren, falls derSelbstmörder" , wieder auftauche.

Der Betrüger ging auch tatsächlich in die Falle, i Er erschien bei einem Bankier und leierte ihm sein Klagelied vor. Während ihn der Geschäftsmann durch längeres Ausfragen hinzuhalten suchte, traf

Halbjahren von ihm unterrichteten Schüler fce8 Landwirtschaftlichen Winterfchule und zahlreich- Landwirte des Bezirks bedauern den Weggang dieses beliebten Beamten, der sich während seiner zweijährigen hiesigen Amtstätigkeit viele Freunds in der Stadt und dem Bezirk Ridda erworben hat. Landwirtsaftsassessor Dr. Appel ist mit der wissenschaftlichen Untersuchung der ver­schiedenen Bodenarten des Vogelsbergs, der zum Teil zum hiesigen Bezirk gehört, beauftragt worden.

Usenborn, 5. August. In der letzten G e - meinderatssitzung beschloß der Gemeinde­rat die Brunnenfassung zur hiesigen Wasser­leitung dem wenigstnehmenden Unternehmer, ßetner t aus Birstein, zu übertragen. Hoffent­lich wird die Sache in den nächsten Tagen in Angriff genommen. Derselbe Unternehmer hat auch in unserer Rachbargemeinde Gelnhaar dir nun fertige Wasserleitung gebaut. Auch Berg­heim hielt dieser Tage eine Ortsbürgerversamm­lung ab, die sich für den Bau einer Wasserlei­tung aussprach.

Kreis Schotten. *

V Gedern, 5. Aug. Die diesjährige Gene­ralversammlung ches Turnvereins, die am Samstagabend im Bergwirtshaus statt­fand, war seht gut besucht. Der Musikvetein hatte sich in liebenswürdiger Weise beteitgefun- ,den, durch musikalische Vorträge der Versamm­lung ein festliches Gepräge zu verleihen. Der Vorsitzende Chr. Stöhr begrüßte die Erschiene­nen und erteilte dem Schriftführer Häusel daS Wort zum Verlesen des Protokolls der vor­jährigen Generalversammlung: er erstattete auch die Rechnungsablage. Die Rechnung schließt mit einer Einnahme von 1298,51 Mk. und einer Aus­gabe von 1184,75 Mk. ab, so daß ein Kassen- überschuß von 113,76 Mk. bleibt. Dem Rechner wurde für seine mustergültige Rechnungsführung der Dank des Vereins ausgesprochen und Ent­lastung erteilt. Den Turn- und Spielbericht er­stattete der erste Turnwart K. Carl. Der Verein nahm mit 18 Turnern am Bezirksturnfest in Langsdorf teil. Bei der Verfassungsfeier wur­den fünf Pyramiden gestellt. Am Hirnmelfahrt- tage unternahm der Verein eine Göhwanderung nach Glashütten und Steinberg. An unserem Bezirksturnfest traten 16 Wetturner des Vereins an. Samstagsabends und Sonntags wurden tur­nerische Vorführungen der Damenabteilung ge­zeigt. Zum ersten Male konnte ein Spielbericht erstattet werden. Im Juli vorigen Jahres wurde eine Handballabteilung gegründet, die sich außer­ordentlich gut entwickelte. Cs wurden von der ersten Mannschaft zusammen 25 Spiele ausge­tragen. Das Torverhältnis war 82 (Gedern) zu 97. Die zweite Mannschaft trug 5 Spiele mit einem Torverhältnis von 15 (Gedern) zu 13 aus. Der Vorsitzende dankte allen, die anläßlich des diesjährigen Bezirksturnfestes dazu beigetragen hatten, daß der Verein einen kleinen finanziellen Erfolg hatte. Anläßlich des Wintervergnügens konnten 12 Turner durch ihre 25jährige Mitglied­schaft zu Ehrenmitgliedern ernannt werden. Heute wurden ihnen die Ehrenurkunden überreicht. Im Ramen der Gefeierten dankte Ludwig Frey- mann. Der Toten des Weltkrieges wurde in der üblichen Weise gedacht. Zu Rechnungs­prüfern für 1929 wurden Krankenkassenrechner Anton Hoffmann und Gewerbelehrer Gustav L i m p e r t gewählt. An den sehr umfangreichen offiziellen Teil der Generalversammlung schloß sich ein gemütliches Beisammensein an.

Ulrichstein, 4. Aug. Am 8. d. M. sind 6 V2 Jahrhunderte verflossen, daß unser Städt­chen in das Licht der Geschichte tritt. EinBodo, scultetus de Ulrichsteine (Schultheis) wird in einer Vergleichsurkunde zwischen den Gdelherren von Merlau und Gerlach, gen. Reih von Breu­berg, genannt. Zu Ehren des Tages wird am 11. August ein Volksfest stattfinden. Zum Schlohberg wird sich um 3 Uhr mittags ein Festzug der hiesigen Vereine bewegen. Hier wird unser Ehrenbürger, Prof, Dr. R o e s ch e n, Lau­bach, dem wir die Ausgrabung unserer Vurg- ruine und den Wiederaufbau der Rordseite der Ringmauer und des nördlichen Turmes verdan­ken, die Festrede über die Geschichte unseres Bergstädtchens halten. Hierauf wird allgemeine Volksbelustigung stattfinden. Die Vorbereitungen lassen eine anziehende Feier erwarten.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. _________________________