Ausgabe 
5.11.1929
 
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hl für Isolde. Mchaflliche Dcib prehii heftig schlagende Herz. »J noch mein, bodj noch!" leberzeugung, dah er Käthe )t chwerstes Unrecht an- 1 ^iten ihn belogen hatte, nach der Reichshauptfiadt ' ?Uem in seinem Abteil, nichts zu lesen milgenom« Ns eine Art Sühne, unter« « mit Käthe beschäftigen, lerkivürdig! So sehr er sich ner wieder klang in ihm fragte: .Und wenn Isolde !? Wenn doch zwischen ihr mal mehr bestanden hätte imtschaftt" n sehr verdächtig gewesen, tonte Carlo gebeten hatte, äe anzutreten, nachdem sie tiefer Klausen zu ihm kom« Klausen, um deswillen sie itte kommen wollen.

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Nr. 260 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Dienstag, 5. November (929

Eriche in l täglich, außer Sonntags und Feiertag».

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Die Illustrierte Grehener Familienblätter

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Eichener Anzeiger

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Die Bayerische Volkspartei koalitionsmüde.

Prälat Leicht gegen die neue Straf» und Chcgcsctzgebnng.

Bamberg, 4. Rov. (TU.) 3n einer Ver­sammlung der katholischen Arbeiter- und Ar- beiterinnenvereine der Erzdiözese Bamberg hielt der Führer der Reichstagsfraktion der Baye­rischen Dolkspartei, Prälat Leicht, eine Rede über den Kampf gegen die Auflösung der Fa­milie. 2m Hinblick auf die letzten Vorgänge i m Strafrechtsausschuh des Reichstags er­klärte der Redner, dah sich die Anzeichen häuften, als ob jetzt ein Sturm erfolgen solle, um die christliche Familie in ihrer sittlichen Grundlage zu erschüttern und auszulöfen. Prälat Leicht er­klärte: »Ich kann cs nicht mehr schweigend mit ansehen, wie Strafgesetzbuch und Rechtsausschuh immer tiefer eingreifen, um die ganze Gesetz­gebung, vor allem die Familiengeseh- gebuna, aufs neue zu bedrohen und auszuhöhlen. 2n grundsätzlichen Dingen gibt es keine Kompromisse. Auch wenn wir in der Koalition verbleiben, verleugnen wir un­sere christlichen Grundsätze nicht. Ich sage es mit Rachdruck: Hier muh ein Halt kommen, sonst wird man uns nicht mehr lange in einer solchen Koalition sehenl Ich kann cs auch als Arbeiterpräses nicht verantworten, dah un­sere katholischen Arbeiter drauhen den Kampf gegen die Sozialdemokraten führen undhier mit diesen paktieren auf die Gefahr hin, dah die christlichen Belange mit Fühen getreten werden. Da gibt es ein Halt und wir werden es zur rechten Zeit auszusprechen wissen. Richt habe ich vor. noch länger tatenlos zuzusehen, wie mit unseren Belangen umgegangen wird. Wir sind mit dem Zentrum einig, dah eine Er­leichterung der Ehescheidung unter keinen Umständen eintreten und zugelassen werden darf. Man soll auf sozialdemokratischer oder anderer Seite nicht glauben, dah das Zen­trum und die Bayerische Volkspartei sich dazu gebrauchen lassen, etwa den Poungplan noch durchzuführen, um dann die Sozialdemokraten aus der Regierung ausscheiden zu lassen. Wir wollen vielmehr eine Sicherung dafür haben, dah mit uns nicht Schindluder getrieben wer­den kann.

Die Wirtschaftslage.

Tagung des Ncichsausschusses für Handel und Industrie der Deutschen Bolkspartei.

Bremen, 4. Rov. (WTB.) Im HauseSee­fahrt" zu Bremen fand eine aus dem ganzen Reich stark besuchte Tagung des Reichsausschusses für Handel und Industrie der Deutschen Volks­partei statt. Reichstagsabg. Dr. Hugo eröffnete die Sitzung mit einem Rachruf für den verstorbe­nen Dr. Stresemann. Das erste Referat hielt Georg M ü l le r , Oerbinghausen, zum Thema:Die wirtschaftliche Lage". Er wies die Behauptung zurück, als seien wir in Deutsch­land in einer Wirtschaftsdepressivn be­griffen. Don einem Rotjahr 1929 könne n i ch t gesprochen werden. Er sehe im Gegenteil in der Entwicklung eine Anpassung der deutschen Produktion an die Gleichge­wichtslage, wie sie durch die fortdauernden Ein­griffe des Staates geschaffen sei. Es sei ein Punkt erreicht, wo in sehr weiten Gebieten der Wirtschaft eine Verkleinerung der Produktion kapitalistisch vorteilhafter sei als die Erhöhung der Produktivität. Geheimer Rat Dr. Zapf. M. d.R., behandelt das Thema von der poli­tischen Seite aus. Zum ThemaWirtschaftssiche- rung durch gründliche Staatsreform" betonte Reichskanzler a. D. Dr. Luther die Rot­wendigkeit einer durchgreifenden Staatsreform und unterstrich besonders, dah jede wirksame Finanzreform neben der un­mittelbaren Entlastung der Wirtschaft vor allem den Glauben an die deutsche Zukunft stärken müsse. An die Referate schloß sich eine eingehende Aussprache.

Oie Rheinlandbahnen nach der Räumung.

Berlin, 4. Rov. (T.--L1.) In der Pariser Ausgabe derChicago Tribüne" ist die Nach­richt erschienen, dah eine großzügige Um­gestaltung der rheinischen Eisen­bahnen im Zusammenhang mit der Rheinlandräumung erfolgen solle und dah hierüber ein Vertrag abgeschlossen wor­den sei, dessen Durchführung lediglich durch die französische Kabinettskrise verhindert wurde. Hierzu wird von unterrichteter deutscher Seite mitgeteilt: Von einem derartigen Vertrag ist niemals die Rede gewesen. 2m Zusam­menhang mit der Rheinlandräumung und dem Freiwerden der militärischen Einrichtungen im ent­militarisierten Gebiet, die bisher den Be­ h u n g s tr u p p e n zur Verfügung st a n d e n und deren künftige Verwendung noch zu regeln war, haben Verhandlungen stattgefun­den, die sich auch auf Eifenbahnfragen beziehen. Auch die einzelnen Angaben derChicago Tri­büne" sind falsch, mit Ausnahme der Tatsache, dah Deutschland drei neue Rheinbrücken erbaut. Hierüber und über die Verhandlungen gewisser kleiner Streckenteile, die ursprünglich militärischen Zwecken dienten, haben sei­nerzeit Verhandlungen gefchwebt.

Der deutsch-polnische Liquidationsvertrag.

Abschluß um jeden Preis?

Don unserer Berliner Redaktion.

Rachdem jetzt in Warschau der Vorvertrag paraphiert worden ist, der die Grundlage für den Abschluh des sogenannten kleinen Handels­vertrages zwischen dem Reich und Poien bilden oll, muh man sich wohl fragen, was Deutschland nun hier wieder drauf gezahlt hat, um seine internationale Politik einigermaßen stabil.sieren zu können. Es ist leider keine Frage, dah der im Haag mit ziemlichem Rellamcgeschrei eingefetzte Ausschuh zur Liquidierung des Krieges" auf der ganzen Linie versagt hat. Er hat weder in den deutsch-englischen noch in den deutsch-polnischen Meinungsverschieden­heiten über die Liquidalionsfrage auszugleichen vermocht, er hat nicht einmal die Energie auf­gebracht, die feit Madrid schwebenden direkten Verhandlungen zwischen dem Reich und Polen wieder aufzunehmen und zu Ende zu führen. Die internationale Situation Deutschlands hat ich dabei in den letzten Monaten zusehends Der« ch lech tert, und es ist kaum verwunderlich, daß nun auch der eben zustande gekommene Vor­vertrag dem deutschen Rechtsgefühl und den deutschen Interessen keineswegs genügt. Derück- ichtigt man weiter, dah auf der jetzt gewon­nenen politischen Basis der vierjährige Wirt- ch af ts krieg mit unserem östlichen Rachbarn abgebaut werden soll, so wird man die s ch w e - ren Sorgen der deutschen Landwirt- ch a f t namentlich in Ostpreußen und der Grenz­mark sehr wohl verstehen.

Das grundsätzlich bedenklichste Opfer hat das Reich zweifellos auf dem Gebiete der Auf­rechnungen der gegenseitigen For­derungen aus dem Versailler Vertrag ge­bracht. Ramentlich in Ost-Oberschlesien werden dadurch erhebliche Werte preisgegeben, auf die das Reich einen wohlbegründeten und vom Haa­ger Gerichtshof auch mehrfach anerkannten Rechts­anspruch besitzt. Präzise Ziffern zu nennen, ist natürlich einigermaßen schwierig. Immerhin: von guten Kennern der Verhältnisse werden die niedergeschlagenen deutschen Forderungen allein aus Ost-Oberschlesien auf etwa zwei Milliarden Mark geschätzt, ein Objekt also, das wirtschaftlich und finanziell sehr stark zu Buche schlägt. Aehn- liches muh auch von der großen Zahl der Klagen gelten, die von reichsdeutschen Liquida­tionsgeschädigten bei dem dafür vor­gesehenen gemischten Schiedsgericht anhängig ge­macht worden sind. Die Rechtslage war bisher hier so, dah die polnische Regierung den Liqui­dationserlös unmittelbar an die Geschädigten selbst abzuführen hatte. Die Summen, die dabei hcrauSkamen, waren in der Mehrzahl so gering, dah die vertriebenen Reichsdeutschen durch sie nicht vor dem Bettelstab bewahrt wurden. Denn die polnische Liquidationsbehörde berechnete so­viel an Verwaltungskosten und anderen Auf- Wendungen, sie verschleuderte aus rein politi­schen Gründen wertvollsten deutschen Besitz zu so niedrigen Preisen, dah in der Regel für die Vertriebenen kaum mehr als ein Hungerpfennig herauskam. Auch unter diese Forderungen soll nun ein Strich gemacht werden, die Klagen beim Schiedsgericht sollen niedergeschlagen wer­den. Das seht selbstverständlich voraus, dah das Reich für die polnischen Liquidierten beson­dere Entschädigungs-Maßnahmen trifft. Man wird sich dabei, so schmerzlich das in mancher Hinsicht sein mag, nicht allzu eng an das vielumstrittene Kriegsschädenschluhgeseh hal­ten können. Denn schliehlich war die Rechtslage für das polnische Liquidationsverfahren beson­derer Ratur, und die Reichsregicrung wird sich darüber nicht mit dem unangebrachten Argument der notwendigen Parität hinwegsehen dürfen.

Die polnischen Gegenlei st ungen stehen zu diesen gewaltigen Opfern in keinem Verhältnis. Denn was will schon besagen, daß Warschau bereit ist, auf das sog. Wiederkaufsrecht bei den Siedler- und Rentenstellen im polnischen Slorribor zu verzichten. Gewiß, es handell sich dabei um etwa 12 000 Sied­lungen, und der Verzicht auf das staatliche Rück­kaufsrecht im ersten und zweiten Grade dürfte m a - teriellin der Regel einen hinreichenden Schutz für das Deutschtum im ftorribor bieten. Wir wissen aber, wie raffiniert bie Polen sich alle kulturellen Kampfwaffen zunutze gemacht haben unb wie sie leider zweifellos mit ziemlichem Erfolg das deutsche Schulwesen in den abgetrennten Gebieten, für bie kein besonderes Minberheitenregime eingerichtet würbe, zurückzubrängen wußten. Von ber Seite bes Volkstums her also, von ber Seite ber Sprache, ber Schule, ber Pflege deutschen Kultur­guts aus brohen bem Deutschtum in Westpreußen unb Posen nach wie vor bie s ch w e r st e n Gefahren.

Relativ am günstigsten sieht sich in deutschen Augen noch der polnische Verzicht auf weitere Liquidationsmahnahmen im Zusammenhang mit dem Boung-Plan an, wenn wir uns auch nicht verhehlen dürfen^ dah die besten Stücke deutschen Besitztums längst in polnische Hände übergegangen sind und dah unter Ülmständen im Laufe der nächsten Jahre weitere Güter aus wirtschaftlicher Rot heraus in polnische Hände übergehen werden. Alles in allem präsentiert sich so das Bild äußerst trübe. Unb es wird deshalb besonders be^mklich, weil die Reichsregierung offenkundig gar keinen Hehl mehr daraus macht, dah sie wie in diesem Falle so auch in der Handels­vertragsfrage mit Warschau unter allen

Umständen zum Abschluß kommen möchte. Wir hegen die ernste Befürchtung, daß dadurch auch noch die letzten bescheidenen Zu» kunfksmöglichkeiten, die Deutschland im Osten besitzt, gesährdet oder gar verschüttet werden. Scharfe Kritik am polenvertrag.

Eine unmöglicheGencralliquidation".

Berlin, 4. Rov. (Tel.-Un.) DieDeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt zum neuen deutsch- polnischen Vertrag u. a.: Es ist ein beinahe symbolisches Zusammentreffen, dah die Regie­rung, die im Volksbegehren mit dem schärfsten Geschütz, das politisch existiert, berannt und be­lagert wurde, sich. trotz dieses Angriffes so frei unb moralisch ungehemmt fühlt, daß sie i m Orunbc ohne jegliche Kritik der Oes- fentlichkeit diesen abnormen Vertrag abschloh. Die Abmachungen, die mit Polen paraphiert wur­den, wären zu normalen Zeiten unb unter normal funktionierenden parlamentarischen Verhältnissen zum sofortigen Sturz der Regie­rung ausreichend gewesen. Ein französi­sches Kabinett, das ohne Wissen des Par­laments und ohne Billigung der öffentlichen Meinung zu solchen Ver­pflichtungen geschritten wäre, hätte die läng st e

Zeit gelebt. Die Uebernahme der finanziel­len Entschädigung der aus Polen vertriebenen Deutschen bringt dem Reichsetat eine neue, ungeahnte Last von phantasti­scher Höhe unb wirb einen innerpolitischen Zündstoff ansammeln, der die bereits vo-hande- nen Explosionsmöglichkeiten nicht unerheblich ver­mehrt. Als das Schlimmste aber sehen wir die Gefahr, dah mit allem Ernste von einer® c - ncralliquibation im deutsch-polnischen Verhältnis gesprochen werden könnte, womit die feindliche Presse und eine teilweise völlig in­stinktlose eigene össentliche Meinung schon von Anfang gemacht hat. Es muh klar und deutlich ausgesprochen werden, dah die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes nicht im ent­ferntesten daran denkt, sich durch irgend­ein wirtschaftliches Abkommen mit Polen das Recht nehmen zu lassen, in der willkür­lichen Grenzziehung ein wiedergutzu­machendes, historisches Unrecht und ein po­litisches Verbrechen an der europäisch?n Gegenwart unb Zukunft zu sehen. Wir Haven nicht den geringsten Anlah zu verschweigen, bah dieser Unrechtszustand, möge unsere jeweilige Regieurng solche Verträge immer unterschreiben, von den Massen unseres Volkes niemals an­erkannt werden wird.

Die Parlamentskrisis in Warschau.

Oer Gejmmarschall

Warschau, 4. Rov. (TU.) Angesichts der noch völlig unllaren Lage werden in parlamentarischen Kreisen mit ziemlichem Rachdruck zwei Gerüchte verbreitet. Das eine ist das, daß das Schick­sal des Kabinetts Switalski bereits entschieden sei, und zwar in bem Sinne, dah für den entscheidenden Kampf mit der Oppo­sition ein noch stärkerer Mann (d.h. Wohl Marschall Pilsudski selber) an die Spitze der Regierung ti>ku solle. Spätestens am Dienstag werde über die Veränderungen innerhalb des Kabinetts, die von langer Hand vorbereitet seien und nichts mit dem angekündigten Mihtrauens- votum der Opposition zu tun hätten, völlige Klarheit herrschen. Das zweite Gerücht will wis­sen, dah das Parlament um einen Mo­nat vertagt werden solle. Ob in diesen von Mund zu Mund verbreiteten Rachrichten, deren Ausgangspunkt nicht zu ermitteln ist, ein wahrer Kern steckt, kann nur die Zeit lehren. Da sie aus einer außerordentlich erregten Atmosphäre stammen, sind die Gerüchte natürlich mit größter Vorsicht aufzunehmen.

Am Montagvormittag ist dem Sejmmarschall Daszynski ein Brief des Staatsprä­sidenten übermittelt worden, der anscheinend am Sonntagabend geschrieben wurde. Der Brief stellt eine Antwort auf die Weigerung Daszynskis dar, an einer Sitzung mit Marschall Pilsudski teilzunehmen. Der Staatspräsident stellt darin fest, daß er die Haltung des Sejmmarschalls als Ablehnung auf» falle, die Vorfälle vom 31. Oktober in der von ihm vorgeschlagenen Weise durch eine gemeinsame Besprechung zu flöten. Der Adjutant des Staats­präsidenten hat das Sejmgebäude verlassen, ohne auf diesen Brief eine Antwort zu erhalten.

Gegen 12 Uhr mittags begann die angekündigte Sitzung des Aeltestenrates, zu ber ber Vorsitzende des Regierungsblocks vom Sejmmarschall keine

gegen den Diktator.

Einladung erhalten hat. Die Uebergehung Oberst Slaweks steht im Zusammenhang mit dem vom Regierungsblock geplanten Mihtrauensvotum gegen Daszynski. Dieser teilte den Fraltlonsfüh- tern mit, daß er d i e nächste Sejrnsihung auf Dienstag^ 12 Uhr mittags an- gesetzt habe. Weiter gab er bekannt, daß verschiedene Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden sollten, um neue Zwischenfälle zu ver­meiden. Ohne besonderen Ausweis werde nie­mand das Parlamentsgebäude betreten dürfen.

Rach ber Sitzung richtete ber Sejmmarschall im Einverständnis mit dem Aeltestenrat an den Staatspräsidenten ein Antwortschreiben, in dem er u. a. erklärt, daß ihm infolge der beleidigenden Veröffentlichung feiner Unterredung mit Mar- fchall Pilsudski durch die amtliche Agentur Pat nicht möglich fei, die Widersprüche zwischen seiner Darstellung unb ber Darstellung Pilsudskis auf dem Wege einer gemeinsamen Besprechung zu klären. Mit Marschall Pilsudski würde er außerhalb des Sejms nicht reden. Den Beleidigungen begegne er mit ruhiger Verach­tung und freue sich, dem Staatspräsidenten mit­teilen zu können, daß Millionen ehrlicher Polen über diese Beleidigungen aus dem Munde eines Staatswürdenträgers ebenso dächten wie er selbst. Während der Unterredung im Schloß habe er dem Staatspräsidenten bereits dargelegt, daß das Land infolge feiner wirtschaftlichen Schwie­rigkeiten unbedingt Ruhe und Ordnung brauche. Angesichts der politischen Lage habe er gebeten, entweder den Sejm aufzu­lösen oder bie Regierung abzube­rufen. Es gehe nickt an, ben Sejm bestehen zu lassen und ihn gleichzeitig bis aufs äußerste zu verunglimpfen. Die Würde der Abgeordneten sowie ber ganzen Ration vertrage dieses Schau­spiel nicht.

Krisenstimmung in London.

Macdonalds Minderheitsregccrung und die indische Krage.

London, 4. Rov. (Pr.-Tel.) Ganz plötzlich hat sich in der inneren englischen Politik eine Kluft auf getan, die groß genug zu fein scheint, um das Kabinett Macdonald zu verschlingen, das eben noch nach den Erfolgen im Haag, in Genf unb nach ber Amerikareise bes Ministerpräsibenten bombenfest äu sitzen schien. Inbessen braucht man nach dem allgemeinen Lärm noch nicht zu glauben, daß die Krise wirklich so ernst ist, wie sie ge­macht wird, obwohl das soll nicht vergessen sein der Anlaß des Streites einen der emp­findlichsten Punkte des Ausbaues des eng­lischen Imperius berührt. Man hat es Herrn Macdonald verziehen, daß er in Aegypten neue Verhandlungsmethoden versucht, um bem Rationalismus entgegenzukommen. Das ließe sich tragen, well die militärische Stellung Englands und damit die Sicherung des Weges nach Indien nicht gefährdet war, weil aber außerdem durch die Entwicklung des Luftverkehrs Aegypten einen Teil seiner Bedeutung verloren hat. Indien aber ist unb bleibt das Gespenst im englischen Hause. SHe Goldftröme, die seit Jahrhunderten in das Mutterland fliehen, haben die Vormacht­stellung der englischen Weltpolitik begründen hel­fen, und wenn einmal ber Augenblick kommt, wo Indien sich lossagt, dann droht das ganze Gebäude zusammenzubrechen. Aber die Kunst der englischen Politik hat ja immer darin be­standen, unvermeidliche Entwicklungen rechtzeitig aufzufangen und so abzubiegen, dah sie schliehlich noch nützlich werden. Bei dem Unabhängigkeits­kampf der Vereinigten Staaten ist das versäumt worden, daraus haben aber die Engländer so

gründlich gelernt, dah sie aus den Kolo­nien gleichberechtigte Freunde zu machen begannen. Das ist ihnen in Kanada, in Australien unb in Südafrika gelungen.

InIndien liegt das Problem besonders schwie- rig, weil es bisher immer gelang, durch das Gegen­einander das Spiel der Raffen und Religionen die 400 Millionen dieses Reiches auszuschalten unb zum Objekt der englischen Politik zu machen. Erst lang- sam beginnt sich so etwas wie der Typus eines In­diers herauszukristallisieren und nach dem Vorbild Ghandis eine den Engländern gefährliche nationa­listische Propaganda zu entwickeln. Das konservative Kabinett hat 1917 durch eine Deklaration den Indern die Selbstverwaltung versprochen und die Simon-Kommission eingesetzt, die (eit Jahren an dem Studium dieses schwierigen Problems arbeitet. Ohne ihre Beratungen abzuwarten, hat nun jedoch der Vizekönig von Indien, Lord I r d i n, nach Be­sprechungen mit der Arbeiterregierung eine Prokla- mation erlassen, die zwar im wesentlichen nur das­selbe sagt, wie die von 1917, aber doch vielleicht etwas bestimmter die Hoffnung auf die E n t w i ck - lang zum Dominion ausspricht. Plötzlich aber schreien die englischen Konservativen Verrat, obwohl Baldwin zunächst mit diesem neuen Zugeständnis einverstanden erschien, und die Liberalen schließen sich ihnen an; finden sich die beiden Par- teien hier wirklich, dann wird Macdonald vlötzlich daran erinnert, daß ernureineMlnderyeits. regierung hinter sich hat und über ein Zu­sammengehen der anderen beiden Gruppen stolpern kann.