Nr. 79 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)
Zreitag, 5. Npnl (929
Turnen, Sport und Spiel.
Handballsiege desMänner-TurnvereinS
2Ktv. Gienen I. — Turngem. Frankfurt-Rödelheim I.
8:5 (3:4).
Am Ostersonntag war die 1. Handballmannschaft bei der Turngemeinde Frankfurt-Rödelheim 1847 zu Gast. Die Turngemeinde Rödelheim 1847, die seit zwei Jahren in der Gauverbands-Sonderklasse spielt und im vergangenen Jahre die Meisterschaft des 6 Gau-Verbandes erringen konnte, spielt jetzt in der Kreis-Sonderklasse. Die Gießener Männerturner, die die Reise in stärkster Aufstellung antreten konnten, haben bewiesen, daß ihre Siege in diesem Jahre keine Zufallsiege waren und daß ihre Spiel- stärkc in letzter Zeit stark zugenommen hat. Im allgemeinen hat die Mannschaft die auf sie gesetzten Hoffnungen nicht nur gut erfüllt, sondern noch weit Übertroffen, konnte sie doch gegen spielstärkste Großstadtvereine siegreich bestehen. Zum Spielverlauf sei folgendes ermähnt: Die Frankfurter, die in kompletter Aufstellung antraten, legten zunächst ein scharfes Tempo vor, dem die Gießener nur unter Aufwendung allerMräfte standhielten; die Gastgeber waren in der ersten Viertelstunde tonangebend und konnten durch blitzschnelle Angriffe zwei Tore erzielen. Allmählich fand sich auch die Gießener Mannschaft zusammen und konnte nach verwandeltem Strafwurf durch einen schön vorgetragenen Angriff gleichziehen. Bis Halbzeit war das Spiel ziemlich verteilt; während die Männerturner nur noch einen Treffer erzielten, konnten die Gastgeber noch zweimal erfolgreich sein und so wieder mit 4:3 in Führung gehen. In der zweiten Halbzeit hatten die Gießener zunächst mehr vom Spiel und konnten schon nach wenigen Minuten durch zwei unhaltbare Tore die Führung an sich reißen. Durch diesen Erfolg aufgemuntert, legten jetzt die Männerturner mächüg ein Tempo vor, dem die gegnerische Mannschaft nicht mehr gewachsen war. In regelmäßigen Abständen konnten die Männerturner durch schönes .Kombinationsspiel noch drei weitere Tore erzielen, denen die Rödelheimer Gastgeber nur einen Treffer entgegensetzen konnten. Das Treffen war ein sehr schönes Freundschaftsspiel, das nie seinen Charakter als Werbespiel verlor.
Mw. Gießen I. — To. 1817 Mainz I. 3:2 (2:2).
Am Ostermontag kamen die Männerturner einer Rückspielverpflichtung gegen den Mainzer Turnverein 1817 nach. Bei dem Vorspiel in Gießen konnten die Turner vom Rhein einen überlegenen Sieg gegen die damals gänzlich verkehrt aufgestellte und noch durch Ersatz geschwächte Gießener Mannschaft erzielen. Der Mainzer Turnverein stellte eine äußerst flinke Mannschaft, die im vergangenen Jahre die Gaumeisterschaft erringen konnte und jetzt in der Gauverbands- sonderklasse spielt; unter zwölf Mannschaften konnte sie bei dem reichsoffenen Spielfest im vergangenen Jahre den Jahnschild, der von der Emser Bade-- und Kurverwaltung gestiftet wurde, erringen. Lieber den Verlauf des Spieles ist folgendes zu sagen: Während die Mainzer ohne ihren früheren Mittelstürmer und Rechtsaußen antreten muhten, konnten die Gießener in kompletter Aufstellung, jedoch durch das Spiel am ersten Feiertag stark ermüdet, das Treffen beginnen. Erft nachdem die Gastgeber mit 2:0 in Führung gegangen waren, rafften sich die Männerturner auf und begannen eine rationellere Spielweise. Die blitzschnellen Angriffe der Mainzer wurden sämtlich unterbunden. Durch diese aufopfernde Arbeit der Gießener Hinter-
Oie Liebe
derBrigiitaHollermann
Vornan von Elisabeth Iley.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale).
22 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„3fa, schweig', du bist schlecht, namenlos schlecht oder unselig verblendet", verwies sie Ri von Salden scharf. „Besser wäre es, du hieltest dich die letzte Zeit mehr ans Haus und hortest mcht so viel auf Herrn Ferry, der dir in der Genugtuung, eine schone Frau trösten zu dürfen, all die Dummheiten in die Ohren bläst, die du ihm willig auf hält st." .
„Herr Ferry ist ein Gentleman. Llebrigens gibt er an einem der nächsten Abende in seinem Park ein Fest. Da werde ich nochmals tanzen, tanzen —“
„Tanzen? Isa, du bist nicht bei Sinnen! Cs kann dein Tod sein." , .
Besser in den Tod getanzt, als bis tn den Tod diese Sklavenketten tragen", stieß die junge Frau lachend hervor. „Ri, du änderst mich nicht, gib dir keine Mühe, sondern laß mich nach meiner Fasson selig werden."
Ri von Salden zog sich bald nach diesem Gespräch in ihr Zimmer zurück.
Als ihr Mann heimkam, suchte sie ihn trotz der späten Stunde auf und hatte mit ihm eine ernste Unterredung. .
Lange brannte dann noch die kleine rosa Schreib- tischlampe in ihrem Boudoir.
Ai von Salden schrieb an Doktor Hans-Jorg Eggenbrecht einen Brief, in dem sie ihn bat, sofort heimzukehren.
Einige Tage später. Es war gegen zehn Uhr abends. ~ , -
Die „Britania" legte im Hafen von Hong- fO*SoEtoc Hans-Jörg Eggenbrecht stand an dem Landungssteg und erwartete Herrn Amery, der auf acht Tage in Schanghai gewesen war und nun wieder zurückkehrte.
Gleich darauf schüttelten sich die Freunde die Hände. r. r , .,
„Run, lieber Doktor, haben Sie sich ohne mich sehr gelangweilt?" fragte Amery wohlgelaunt.
„Ich muß gestehen, daß Sie mir fehlen , gestand Eggenbrecht lächelnd.
„Ich habe immer gedacht, meine ^Wesenheit würde Sie nun endlich zur Heimkehr veranlassen."
„Gewiß, Herr Amery, einmal muß es ia geschehen. Sie können sich aber denken, daß mich nichts dazu treibt, denn ich weiß, daß mich niemand vermißt."
Mannschaft angespornt ging auch der Sturm mehr aus sich heraus, trug Angriff auf Angriff vor das gegnerische Tor und konnte bis Halbzeit gleichziehen. In der zweiten Halbzeit beherrschten die Männerturner das Feld, die Gastgeber konnten dem Tempo nicht mehr folgen. Während die Mainzer bis zum Schlüsse nichts zählbares mehr erreichten, konnten die Gießener außer zwei Abseitstoren, die nicht gewertet wurden, noch das Resultat auf 3: 2 erhöhen. Auch dieses Freundschaftsspiel, das durch einen Kesselstädter Schiedsrichter gut geleitet wurde, fand großen Anklang.
Fußball in Heuchelheim.
S. 13.20 I — Union Riederrad Ib 6:3.
Wider Erwarten konnten die Einheimischen ihr Osterspiel in Heuchelheim gegen die sehr spielstarke Frankfurter Mannschaft gewinnen. Gleich zu Beginn kam Heuchelheim vor das Frankfurter Tor, der Batt ging zur Ecke, und diese wurde in der ersten Minute eingeköpft. 1:0. Niederrad konnte in der zehnten Minute gleichziehen. Aber auch die Heuchelheimer zeigten jetzt, daß sie spielen und kämpfen können. Dreimal waren sie bis zilr Pause noch erfolgreich. Halbzeit 4:1. Niederrad versuchte dann, dem Spiel unbedingt eine andere Wendung zu geben; die Mannschaft spielte mit großem Eifer. Bald hatte sie auch ein Tor aufgeholt, doch kurze Zeit später stellte Heuchelheim den alten Unterschied wieder her. Niederrad konnte im Endspurt ein drittes Tor aufholen, doch durch ein Eigentor des linken Verteidigers, der in der Bedrängnis den Ball in die ungedeckte Ecke köpfte, wurde das Endresullat auf 6:3 gestellt. Beide Mannschaften lieferten ein flottes, faires Spiel, dem Busch (Butzbach) ein guter Leiter war.
Grabbe bezwingt Arne Borg.
In Honolulu gingen die beiden Meisterschwim- mer Arne Borg und Grabbe an den Start. Diesmal mußte sich der Schwede Borg dem
jungen Amerikaner beugen. Beide bestritten ein 400-Meter-Rennen, das der AmerikanerG r a b b e in 5:02,5 Min. siegreich vor Arne Berg in 5:07 beendete.
Neuer Weltrekord im Brustschwimmen.
Wie aus Reuhork gemeldet wird, stellte der Amerikaner Walter Spence einen neuen Weltrekord im Brustschwimmen über 220 Rsards auf, indepi er die Strecke in 2:47,6 Minuten zurücklegte.
Französische Schwimmer in Magdeburg
Taris schwimmt Rekord. — Hellas schlägt SLUF.
Paris im Wasserball 7:0 (1:0).
Der erste Start der Mannschaft des Sporting Club Universitaire de France Paris erfolgte am Mittwochabend in Magdeburg, wo die Franzosen in mehreren Wettkämpfen und auch in einem Wasserballspiel gegen Hellas Magdeburg antraten. Im Wasserballspiel lieferten die Pariser der Hellas- Sieben in der ersten Hälfte eine gleichwertige Partie. Nur ein Schuß von Amann fand den Weg in das gegnerische Tor, so daß zur Pause mit 1:0 für Hellas die Seiten gewechselt wurden. Nach dem Wechsel beherrschten die Magdeburger die Lage, und sechs weitere Tore, die von Amann (3), Schum- bürg (2) und I. Rademacher erzielt wurden, waren die 'Ausbeute bis zum Schlußpfiff. Die hohe Niederlage von 7:0 hatten die Franzosen nicht ganz verdient.
Auch in den Schwimmwettkämpsen gingen die Franzosen mit zwei Ausnahmen leer aus. Im 200- Meter-Freistil bewies der französische Meister und Rekordmann Taris sein gutes Können, verbesserte er doch mit 2:18,9 den von ihm gehaltenen Landesrekord und ließ Joachim Rademacher, der 2:27,4 benötigte, weit zurück. Die Zeit von Taris ist im Vergleich besser als der von Heinrich (Leipzig) mit 2:20,4 gehaltene deutsche Rekord.
Der Sport am nächsten Sonntag.
Handball im Turnverein 1846 Gießen.
Die erste Mannschaft spielt am kommenden Sonntag gegen die gleiche des Tv. „Vorwärts", Langen. Die Spielweise der Gäste ist hier zu wenig bekannt, um eine Voraussage zu treffen. 1846 wird aller Voraussicht nach in guter Aufstellung antreten.
Anschließend spielt die Jugendmannschaft gegen die Jugend des Butzbacher Turn- und Sportvereins. Das Vorspiel konnte Butzbach 4:2 gewinnen.
Handball d. Tv. 4899 Großen Buseck.
Zum ersten Meisterschaftsspiel der Gaugruppe Main-Lahn (D. T.) fährt der Tv. nach Riederrad, dem Meister des Gaues Frankfurt. Nachdem Grohen-Duseck gegen die stärkeren Vereine seines Heimatgaues seine Spielstärke beweisen konnte, Wird die Mannschaft in ihrer gegenwärtigen Form auch gegen Riederrad ein gleichwertiges Spiel bieten.
Die zweite Mannschaft und die Schüler sind in Wetzlar-Niedergirmes zu Gast.
Handball in Großen-Linden.
Kommenden Sonntag empfängt die Jugendmannschaft Tv. Großen-Linden die 2. Mannschaft des Tv. Wetzlar-Riedergirmes. Großen-
Linden wird gegen die Gäste einen schweren Stand haben.
Handball im Lahn-Oünsberg -Gau.
Kommenden Sonntag sind folgende Spiele angesetzt: Es treffen sich in Kinzenbach Londorf und Kinzenbach, in Wieseck Allendorf/Lda und Wieseck. Der Sieger ist in beiden Spielen nicht im Voraus zu bestimmen, er wird erst mit dem Schlußpfiff des Schiedsrichters feststehen. Durch das Austreten Kesselbachs aus der Handballrunde fallen sämtliche mit dieser Mannschaft angesetzten Spiele aus. Die Punkte werden daher jeder Mannschaft, die mit Kesselbach bereits gespielt hat, gut- bzw. abgeschrieben.
Sportverein 1928 Garbenteich.
Am kommenden Sonntag hat der Sportverein 1928 Garbenteich I. Großen-Busecks ll. Mannschaft zum fälligen Rückspiel zu Gast. In Grvßen- Buseck mußte sich Garbenteich mit 3:0 geschlagen bekennen. Ob es Großen-Duseck wiederum gelingt, am kommenden Sonntag den Sieg an sich zu । reißen, bleibe dahingestellt, zumal man in der Aufstellung Garbenteichs eine andere Befehung I findet.
Amery schwieg, und es hatte den Anschein, als I wenn für einen kurzen Moment ein Schatten über sein Gesicht gleite.
Er schob jetzt gewohnheitsmäßig seinen Arm in den des jungen Arztes und zog ihn aus dem Gewühl mit sich fort.
„Ich hätte Lust, noch irgendwo eine Tasse Kaffee zu trinken", sagte er. „Sind Sie mit bei der Partie?"
„Gern, lieber Amery; denn erstens ist es mir zum Schlafen noch zu früh, und dann ahne ich, daß Sie mir noch manches zu berichten haben."
„Run, ich wüßte nicht, was, bester Doktor", entgegnete Amery ausweichend.
Eggenbrecht antwortete nichts mehr.
Erst als sie zusammen in dem mit bunten Lampions geschmückten kleinen Cafegarten sahen und sich die Zigaretten in Brand gesteckt hatten, räusperte sich Amery einige Male verlegen, und sagte dann:
„Ja, also, lieber Freund, ich habe Ihre .^rau gesehen. Es geht ihr anscheinend sehr gut.“
„Haben Sie mit ihr gesprochen?"
„Rein. Sie ging einmal sehr schnell an mir vorüber. Cs war in Bubbling Well. Ich glaube, sie hat mich erkannt, wollte aber nicht von mir gegrüßt sein. Ich tat es dennoch und merkte ihr unwilliges Erröten."
„Es tut mir leid. Isa ist stets unhöflich, Herr Amery. Aber es ist noch nicht alles. Sie wissen mehr, ich sehe es Ihnen an. Wollen Sie es mir nicht mitteilen?"
„Cs ist nichts, Doktorchen, wirklich nichts.
„Verschleiern Sie nichts, um mich zu schonen; ich bitte Sie, Amery."
„Gott ja, lieber Eagenbrecht, Frau Isa ist jung, hübsch und so allein. Weshalb zum Teufel scheren Sie sich nun nicht endlich heim? Sieben Monate Trennung ist wahrlich genug . . .“
„Sie amüsiert sich also nach wie vor weiter; man hat ihr demnach den Skandal großmütig verziehen?"
„Vollkommen! Dafür verdammt man den grau- samen Ehemann, der es fertigbringt, eine so schöne Frau allein zu lassen."
Eggenbrecht lachte bitter auf.
„ Frau Isa meint es gewiß nicht so schlimm. Sie trotzt, sie will Ihnen zeigen, daß sie nicht traurig ist. Wer weiß, wie es dabei in ihrem Innern aussieht?"
„Hören Sie auf, Amery! Diese srau macht sich keine Skrupel über ihre Handlungsweise. Aber Sie hatten vorhin dennoch recht, ich werde nach Schanghai zurücksahren, um ein für allemal Ordnung zu schaffen. Sie soll mein Kommen nicht erfahren, damit ich sie überrasche."
„Apropos, ich bleibe auch nur noch vierzehn Tage in Hongkong, dann habe ich hier alles in Ordnung gebracht, und kehre wieder ga,iz nach Schanghai zurück. Fahren wir also zusammen.
Eggenbrecht nickte nur zustimmend.
Wenige Minuten später verliehen die Freunde das Ca,e, um sich nach ihrem Hotel zu begeben.
Als Hans-Jörg am nächsten Morgen an den Frühstückstisch trat, saß Amery bereits über die eingetroffene Post geneigt.
Sie begrüßten sich nur kurz, und Eggenbrecht nahm am Tisch Platz.
Plötzlich stutzte er.
Reben seinem Gedeck lag ein Brief.
Kein Zweifel, er kam von Ri von Salden aus Schanghai.
Sie hatte noch nie an ihn geschrieben.
Was mochte sie ihm mitzuteilen haben?
Was bedeutete dieser Brief?
Brachte er neue Hiobsbotschaft über Isa, seine Frau?
Unschlüssig drehte er das Schreiben zwischen seinen Fingern hin und her.
Er wußte nicht, ob er es sogleich öffnen oder dies lieber auf später verschieben sollte.
Rervös blickte er auf Amery, der aber vollständig mit sich selbst beschäftigt war.
Also ergriff er kurz entschlossen das Messer und schnitt den Brief auf.
Hastig überflog er die Zeilen.
Dabei überzog sich sein Gesicht mit jäher Röte, die dann ebenso blitzschnell mit fahler Blässe wechselte.
Seine Hände begannen zu zittern, und plötzlich entrang sich seiner Brust ein lautes Stöhnen.
Amery blickte erschrocken auf und stand im nächsten Augenblick neben dem Freund.
„Doktor, um Gottes willen, was haben Sie, was ist geschehen? So reden Sie doch. Der Brief ist aus Schanghai, nicht wahr? Er stammt von Frau von Salden? Ist Frau Isa etwas passiert?"
Eggenbrecht sah ihn mit rätselhaftem Gesichtsausdruck an.
„Amery". sagte er dann seltsam gepreßt, „ist das nun Glück zu nennen, oder ist es keins? Isa bekommt ein Kind."
„Ein Kind. Ihre Frau, unmöglich!" entfuhr es Amery unwillkürlich. „Dann müßte ich es doch
Er schwieg verlegen.
„And es ist doch an dem. Ri von Salden schreibt es mir. Sie will es nicht auf sich nehmen, daß mir diese Nachricht vorenthalten wird. Es sind noch zwei Monate bis dahin, und sie fürchtet Isas Leichtsinn; deshalb schreibt sie, ich solle nach Hause kommen."
„Menschenstind, Doktor, dann ist ja alles gut! Herr Gott, das Kind schickt Der Himmel! Kinder litten doch meistenteils wacklige Ehen wieder fest zusammen. Passen Sie auf, Frau Isa wird der Tollkopf vergehen, wenn sie erst so ein kleines Ding im Arme hält. Na also, wer sagt es denn; gratuliere, mein Bester. Nun wird ja noch alles recht und gut! — Wann reifen Sie ab?"
„Am liebsten sofort!" entgegnete Eggenbrecht, noch ganz benommen von dieser Nachricht.
Vorher trägt die erste Schülerelf Garbenteichs gegen die gleiche Großen-Busecks ein Gesellschaftsspiel aus. Hier Dürfte man den kleinen Gin- heimischen ein kleines Plus zusprechen, obwohl einer ihrer besten Spieler wegen Krankheit nicht antreten kann.
Am Vormittag tritt die erste Jugend gegen die gleiche des D. f. R. Lich auf dortigem Platze an. In Garbenteich verlor die Einheimische mit 2:0 Toren. Sie müssen alles daransehen, um einer Niederlage zu entgehen.
Fußbatttreffen Gau Gießen-Wetzlar — Gau Marburg.
Der kominende Sonntag ist vom Vorstand des Westdeutschen Spielverbandes als Ju- gcnDopfcrtag ausgewählt worden. Im ganzen Verbandsgebiet fallen aus diesem Anlaß sämtliche Meisterschafts- und Privatspiele aus. Statt dessen finden in allen Bezirken meist zwischen Den Auswahlmannschaften zweier Gaue, Spiele statt, deren Rein-Einnahmen für den Bau des Verbands- Jugendheimes in Duisburg bestimmt sind.
Die Gaue Gießcn-Wetzlar und Marburg haben sich auf den Waldsportplatz des Vereins für Bewegungsspiele 08 Gießen als Austrags- ort geeinigt, wo sich ihre Mannschaften am nächsten Sonntag gegenüberstehen werden. Die Elf von Gießen-Wetzlar steht aller Voraussicht nach in folgender Aufstellung: Tor: Bingel (V.f.B.), Verteidigung: Benneri. und Benner II. (Sportverein Wetzlar), Läuferreihe: Henrich, Henrichs und Haus- rath (sämtlich V.f.B.), Sturm: Kleinke, Fehling, Böttiger (sämtlich V.f.B.), Emmerich (Spv. Wetzlar) und Balser (V.f.B.). Der Gau Marburg hat seine Mannschaft aus Spielern Der Vereine D. f. B.- Kurhessen, Germania und Ockershausen zusammcn- gestellt. Das vorjährige Gauspiel fand in Marburg statt und endete mit 3:3. Welche von den beiden Gaumannschaften am nächsten Sonntag Sieger sein wird, kann nicht vorausgesagt werden. Für Gießen- Wetzlar spricht der Umstand, daß seine Vertretung zum größten Teil aus Spielern einer Vereinself besteht und die Mannschaft an Homogenität dadurch sicherlich gewinnt. Von den beiden Verteidigern, die der Sportverein Wetzlar stellt, kann man mit Bestimmtheit annehmen,' daß sie ihrer Aufgabe gerecht werden. Wie sich der Wetzlarer Halbrechte im V. f. B.-Sturrn zurechtfinden wird, ist dagegen eine offene Frage. Wenn er die nötige Schußkraft aufbringt, sollte er die richtige Ergänzung fein. Marburg hat insofern ein Plus für sich, als eine Anzahl seiner Spieler in Den schweren Punktkämpfen Der ersten Bezirks-Ligaklasse mitgewirkt und dadurch denen der Platzmannschaft an Härte und Routine einiges voraus hat.
Vor Dem Spiel Der Aktiven findet im Rahmen der Veranstaltung auch ein Jugendspiel statt. Vom Gau-Jugendausschuß sind die ersten (Jugend-) Mannschaften des V. f. B. - Gießen und von Dillenburg als Gegner bestimmt worden. Hier wird Gießen sich sehr anstrengen müssen, wenn es gewinnen will. Seine Leistungen müssen besser sein, als an den Vorsonntagen.
Arbeiter-Turn- und Gportbund.
Zum vorletzten Aufstiegspiel empfängt Wieseck am kommenDen Sonntag Den Spitzenführer der Tabelle, Die 1. Mannschaft Heusenstamms. Die Gäste, Die mit Diesem Spiel ihr letztes absolvieren, stehen bis jetzt ungeschlagen an der Spitze Der Tabelle, nur ihr Bezirksnachbar Ege^s-
„Das wird sich nicht gut machen lassen, Doktor. Die .Ozeancv fährt erst morgen früh, und heute ist der Anschluß verpaßt."
„Ich hatte nicht Daran gedacht", murmelte Eg- genbrecht wie abwesend.
Dann erhob er sich und sagte:
„Ich muß mir ein wenig Bewegung machen, Amery; entschuldigen Sie mich. Wir treffen uns beim Diner."
„Gehen Sie nur. Doktorchen, und verdauen Sic erst Ihre angehende Vaterwürde. Versuchen Sie dabei auch wieder etwas milder über Frau Isa zu urteilen. Frauen sind in solchem Zustand oft unberechenbar. Vielleicht ist damit überhaupt alles entschuldigt."
Eggenbrecht antwortete nicht, er nickte nur zerstreut, und verließ das Zimmer.
Er stürmte hinaus auf die Straße.
Ein Kind! Isa schenkte ihm ein Kind, und er hatte es all die Zeit nicht geahnt, hätte es nie erfahren, wenn nicht Ri von Salden es ihm in dem Brief verraten hätte.
Planlos, wie von Sinnen, lief er durch die Straßen der Stadt.
Trotz, Aerger und eine keimende weiche Regung für die Mutter feines Kindes kämpften in feinem Innern gegeneinander.
Um des Kindes willen wollte er der Mutter verzeihen.
Und plötzlich glomm eine furchtbare Angst in ihm hoch.
Hatte nicht Ri von Salden geschrieben, daß sie die Verantwortung nicht länger übernehmen könne, da Isa trotz ihres Zustands grenzenlos leichtsinnig mit ihrer Gesundheit umspränge?
Und wie ein Alp legte es sich ihm bei dem furchtbaren Gedanken, der jetzt in ihm aufzuckte, auf seine Brust.
Wenn Isa sich trotz ihres Zustands nicht schonte, tat sie das vielleicht aus dem Grunde, weil sie das Kind nicht wollte, und sich gegen die Mutterschaft sträubte?
Nein, nein, der Gedanke war absurd, unmöglich!
Jedes Tier liebt sein Junges; so schlecht war Isa nicht, daß sie sich unter das Tier stellte.
Er bat ihr in Gedanken diesen furchtbaren Verdacht ab. Er redete sich ein, daß sic nur aus Trotz so handelte, um ihn zur Rückkehr zu zwingen.
Nervös, im Innern zerrissen, kehrte er in das Hotel zurück, wo Amery ihn bereits erwartete.
Sie sprachen nicht viel zusammen, und mieden geflissentlich das Thema, das sie beide so stark beschäftigte.
„Fahren Sie am Nachmittag mit mir nach Canton, ich habe Dort einige Geschäfte zu erledigen. Hier zermartern Sie sich ja ohnedies nur unnötig Ihre Nerven," bat Amery.
Eggenbrecht kam diese Aufforderung gelegen. * Die Fahrt würde ihm etwas Zerstreuung bringen. I (Fortsetzung folgt.)


