starke Zurückhaltung von Selten der zuständigen Stellen zeigt.
Gegenüber 1926 sind die Gesamteinnahmen der Sozialversicherung im Jahr 1927 um rund eine halbe Milliarde Mark auf 3,6 Milliarden angestiegen. Für 1928 ist eine Schätzung noch nicht möglich. Die Gesamtausgaben sind ebenfalls von 2,5 Milliarden um eine halbe Milliarde angewach- । sen. Bei dem Ueberschlag für das Jahr 1928 ergibt ; sich, daß die Angestelltenoersicherung relativ am günstigsten dasteht, was zum Teil damit zu erklären ist, daß diese Versicherung erst relativ jung ist. Bei einer Gesamteinnahme von 392 Millionen dürften sich die Ausgaben auf ungefähr 135 Millionen stellen, so daß der Rücklage 250 Millionen Mark zugeführt werden können. Ein erstaunliches Ergebnis. Der Kampf um größere Leistungen der Angestelltenoersicherung wird sicherlich noch weiter gehen. Bei der Invalidenversicherung kommt man nach den vorläufigen Schätzungen, wobei allerdings auch Gelder
des Reiches eine gewisse Rolle spielen, zu einem Einnahmeüberschuß von mehr als 300 Millionen Mark. Aber trotz dieser teilweise recht günstigen Bilanzen ist der Kampf und die Diskussion um die Gestaltung der Sozialversicherung noch nicht abgeschlossen. Gerade in letzter Zeit tauchen verschiedentlich Gedanken auf, die auf die Bildung sogenannter Sozialsparkassen abzielen, die den Versicherten statt eines Rentenanspruches in festen Kapitalbesih setzen sollen. Eingehende Berechnungen liegen bereits vor. Man berechnet, daß auf Grund des Durchschnitts der jetzigen sozialen Abgaben des Arbeitnehmers dieser mit den gleichen Aufwendungen bei der Einrechnung von Zins und Zinseszins imstande wäre, ein Kapital zu bilden, das feine wirtschaftliche Eristenz nach einer gewißen Altersgrenze sicherte. Auf diesem Wege glaubt man über die Sozialsparkasse den vielfach kritisierten Weg der sozialen Rentenzahlung überwinden zu können.
LandwirtMastliches Semssellsthasiswesen.
Kursus beim Landwirtschaftlichen Institut der Landesuniversität in Gießen.
Erster Tag. (Schluß.)
Pros. Dr. M o m b e r t, Gießen, zeigte zuerst in einleitenden Worten zu seinem fesselnden Vorträge über:
„Oie Besonderheiten des Marktes für landwirtschaftliche Erzeugnisse"
die ‘Bedeutung be3 Marktes für jedes wirtschaftliche Unternehmen und ging dann dazu über, die Gegensätze zwischen Industrie und Landwirtschaft herauszuschälen. Bei der Industrie sind besonders wichtig die Beziehungen zum Markt von der Seite des Güterangebotes aus betrachtet: hier liegt Verringerung oder Vermehrung der Güter beim Unternehmer. Qi s weiteres wesentliches Merkmal für die Industrie zeigt sich eine dauernde Entwick.ung zum Großbetrieb im Gegensatz zur Landwirtscha t. Der Zusammenschluß in der Form der QI.»®., der Kartelle usw. gibt der Industrie ihre starke Stellung aus dem Markte. Ganz anders bei der Landwirtschaft, die von der Ernte abhängig ist. Die Anpassung der Industrie an die Marktlage geht leicht und schnell vonstatten, in der Landwirtschaft ist eine große Zeitspanne nötig zwischen Produktionsänderung und Qlbsatz der Produkte. Dazwischen liegt oft ein Zwischenraum von Monaten, in denen sich zudem noch große Veränderungen wirtscha tlicher Qlatur vollziehen können. Weiterhin wurde auf die Tatsache verwiesen, daß die Produkte in kurzer Frist geerntet und auch in solcher wieder abgeseht werden müssen. Das bedingt ungünstige Preise kurz nach der Ernte, die nur in der Weise zu vermeiden wären, wenn die Landwirtscha t Vorräte an- fammelt, sie vom Markte zurückhalten könnte, bis günstige Zeiten gekommen sind. Diese Tatsachen gaben Gelegenheit, näher auf die Einlagerung der Ernteprodukte, auf die Kreditierung landwirtschaftlicher Erzeugnisse einzugehen. Der Landwirt muh seine Produkte lagern können. Sn glücklicher Weise ist das schon im Qluslande, Qlmerita, Kanada usw., gehandhabt worden. Wenn man der Landwirtschaft dienen will, mutz man mit aller Deutlichkeit aussprechen, datz der Qlbsatz noch immer recht mangelhaft organisiert ist. Gerade die QIrt des Absatzes muh verbessert werden, und dabei ist den Gerwssenschaften be» sondere Bedeutung beizumessen. Zwar ist darin nicht das einzige Mittel zu einer Heilung zu' sehen, aber doch eine Hilfe, die nicht zu unter* schätzen ist. Alle staatliche Hilfe kann erst wirksam und dauerhaft werden, je mehr tatkräftige Selbsthil e vorhanden ist. llnö dazu tragen die Genossenschaften bei.
Zweiter Tag.
Zu Beginn des zweiten Tages referierte Verbandsdirektor Berg Darmstadt, über den
Stand des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens.
Gr hob hervor, daß für die Wirtschastsversas- sung der Gegenwart wenige Erscheinungen so charakteristisch seien, wie das Vordringen des kollektiven Betriebes gegenüber der Einzelunternehmung. Der gewaltigen Zentralisation des industriellen Lebens auf der einen Seite steht eine bis zum kleinsten Parzellenbetrieb herabgehende Dezentralisation der Landwirtschaft gegenüber.
Die landwirtschaftliche Gütererzeugung ist der Gefahr der Erdrückung durch die großen Wirt- schastsmächte ausgesetzt, wenn sie ni.bt auch ihrerseits zu festem wirtschaftlichen Zusammenschluß gelangt. Die beste Form i't die Genossenschaft. Sie hat bodenständigen Charafter und b.ingt nicht nur Kavital zum Zusammenschluß, so'dem wirtschaftliche Ära t?, und zwar solche fi*a -. I Iler, persönlicher und ethischer Art i n Rachbarschafts- verbande. Heber dm Aufbau des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens gab der Berichterstatter ein klares Bild. Von den 40 000 land- wirtschastlichen Genossenschaften gehören dem Reichsverband 25 800 (64 Prozent), dem Raiffeisen-Verband 8600 (21 Prozent) und der Rest mit 15 Prozent kleineren Organisationen an. Heber die Hälfte der deutschen landwirtschast- lichen GeTrossenschasten bilden die Spar- und Darlehenskassen (Dorsbanken). Dann folgt die große Gruppe der Bezugs» und Absatzienossenschaften mit 4500, Molkereien mit 4100 und sonstige Genossenschaften mit 11 400. Wesensunverschiede bei ben großen Gen'ssenschastsorganisati'>nen bestehen in sachlicher Hi isicht nicht mehr, vielleicht noch in der Art der Organisation (Zentralisatien und Dezentralisation). Sn wichtigen Fragen arbeiten die Spitzenperbände zusammen. Anschauliche Zahlen gab der Berichterstatter über die wirtschaftlichen Leistungen der Genossenschaften. Zum Schluffe hob der Vortragende die soziale Bedeutung des landwirtschaftlichen Ge-rossenscha tswe- sens hervor und kam zu dem Schlüsse, daß das Genossenschaftswesen in feiner Gesamtheit ein gewaltiges Gebäude darstellt, das bäuerlicher Gemeinfinn, geleitet durch ideelle Begeisterung und durch taktisches Geschick führender, geschästS- tüchtiger Männer binnen weniger Sahrzehnte errichtet hat.
Der zwecke Redner des Tages, Prof. Dr. H i l 1- ring Haus (Berlin), ging in seinem Vortrage über:
Oer finanzielle Ausbau der Genossenschaften von den Bestrebungen Friedrich Wilhelm Raiffeisens und Schulze-Delihschs aus, die einzelnen Kreditgenossenschaften zusammenzuschl'.eßen. Von weittragendster Bedeutung für die Entwickelung des gesamten Genofsenschastswes ms in Stadt uno Land war die im Jahre 1895 errichtete preußische Zentralgenofsenschaftskasse, die zunächst ihren Wirkungskreis auf Preußen beschränkte, seit einer Reihe von Jahren aber das genossenschaftliche Zentralkreditanstitut für die gesamte deutsche landwinschafGliche Genofsenschaftsorzanisation und den überwiegendsten Teil der städtischen Genossenschaften geworden ist. Sn anschaulicher Weise gab der Vortragende eine Charakterisierung der wirtschaftlichen Lage des städtischen und ländlichen Mittelstandes vor Gründung der Preußenkassse, sowie der Entstehung und der Entwickelung dieser Anstalt bis in die neueste Zeit. 3m zweiten Teile des Vortrages wurde ausführlich der finanzielle Ausbau des Genossenschaftswesens nach der Stabilisierung dargelegt. Es wurde gezeigt, wie im Jahre 1924 selbst tonte Kreise der Schulze-Delitzschen Genossenschaften sich zu Zentralkassen zusammenschlosfen und die Bedeutung dieser Selosthilfeeinrichtungen erkannt haben. 3n seinen Schluhausiührungen verbreitete
Lache Bajazzo!
Roman von J. Echneider-Foerstl.
Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. 6a.
37. Fortsetzung Nachdruck verboten.
„Wie komisch das Leben manchmal spielt. Run begreife ich alles! Auch ihr Verhalten während deiner Krankheit! Ich danke dir, mein Lieber, datz du dein und ihr Geheimnis nun auch zu dem meinen gemacht hast. Willst du jetzt mit mir herüberkommen und meine Frau begrüßen?"
„Rein, Hans! Sch habe das Gefühl, datz ich kein Recht besitze, jetzt schon wieder zwischen euch beiden zu sitzen. Wenn ich mir deine Liebe wieder voll und ganz verdient habe, werde ich kommen und fragen, ob du mich wieder haben willst!"
Feßmann hielt die Hand zurück, mit der Hettingen nach seinem Hut griff. „Komm, mein Lieber! Eine Stunde zum Abschied muht du mir noch schenken."
Er hatte schon die Türe zum Wohnzimmer geöffnet und trat zugleich mit ihm ein. Beide Hände hob Hilde in Schreck und Freude, fühlte sie zwischen die Hettingens genommen und an ein bebendes Lippenpaar gedrückt. „Hans hat verziehen, gnädige Frau! Run habe ich nur noch um 3hr Vergeben au bitten.“
Sie hielt statt aller Antwort seine Rechte fest und sah ihn an wie jemand, der lange fort- gewesen war und dem man in der ersten Freude des Wiedersehens nichts zu schenken hatte als eine Träne des Glückes.
Es ging schon gegen elf Uhr. als Joachim an der Seite der beiden geliebten Menschen die hell- erleuchtcte Ringstraße hinunterging. Sie hatten es sich nicht nehmen lassen, ihn bis zmn Schwar- zenberger-Plah zu bringen. Damit Feßmann den Freund noch länger haben konnte, machte man den Weg zu Zutz.
Und dann kam das letzte Lebewohl. Hettingen biß die Zähne krampfhaft aufeinander, ehe er den Mund zum Sprechen öffnete. „Darf ich meine Schuld als gelöscht betrachten, Hans?"
„Bis zmn letzten Rest!"
„Und wenn du auch anders gesagt hättest, mein Lieber! Sch trage ja dein Blut in mit!"
„Seien Sie tausendmal bedankt, Frau Hilde! Darf ich. Hans?" Et sah erst auf Fetzmann. und als dieser schweigend nickte, küßte er die zitternden Ftauenlippen. die sich ihm ohne Zögern boten. „Run habe ich noch eine Schwester! — — Hans wird dir alles erklären, Hilde!"
Ein letztes Winken Hetlingens — — dann klappte das Tor hinter ihm zu.
Mit einem leisen Weinen lehnte Brunhilde das Gesicht gegen die Schulter des ©alten.
Strahlender Soniienschimmer lag über dem bergumfriedeten Tal. als die elektrische Maschine in den Bahnhof von Bellinzona einfubr. ?Salmen schaukelten ihre Fächer in der stachl- laren Lust und dem erfrischenden Hauche, der von den schneebedeckten Höhen kam. Düfteschwer hingen die Gly i >ien von den Spalieren der Villen. Sn Rot und Gelb schillerten die weißbekiesten Wege vom ersten sollenden Blattwerk, das von den Bäumen rauschte.
Hettingen sprang in seinem Abteil auf die Füße und schüttelte gewaltsam den Schlaf aus den Augen.
„Bellinzona!" ruf draußen eine laute Stimme.
DaS Fenster eilig herablassend, hielt Soachim nach einem Träger Umschau! Statt eines solchen aber kam ein junger, elegant geneideter Mann aus ihn zugelaufen, sprang auf das Trittbrett und streckte ihm erfreut die Rechte entgegen. „Ra, also, Baron! Da find Sie ja! Scharbe bereits die Möglichkeit erwogen, daß Sie in Zürich den Anschluß versäumt Baben.“
Hettingens Gesicht war ein einziges ungläubiges Staunen. „Darf ich mir die Frage erlauben, mit wem ich di? Ehre habe? Soviel ich mich erinnere, hatte ich noch nie das Vergnügen!"
Sin herzliches Auslachen deS anderen ließ Soachim in aller Eile ein paar Dutzend Gesichter Revue passieren: aber dieses eine war nicht darunter. .Es tut mir leid," sagte er achsel-
sich der Vortragende über die gegenwärtige und tünflige Auf^ave der Kredttge.-.os.enschaften und betonte in eindringlicher Weise die Rotwendigleit der DurchfüchrO^ gesunder genossenschaft- licher Grundsätze, dabei insbesondere darauf hinweisend. daß die Tatsache, daß die deutschen Genossenschaften heute insgesamt schon über weit mehr als 2 Milliarden Mark Spareinlagen verfügen. ganz besonders die Schaffung genügender Kreditreserven erforderlich macht.
Der nächste Redner, Professor Dr. K l e b e r g e r (Gießen), referierte über:
Zitfragen aus dem Gebiete der Dünge- und Futtermitteldewertung und ihre Bedeutung für den genossen« schastlichen Warenverkehr.
Der genossenschaftliche Warenverkehr hat einen wesentlichen Anteil an der Gesundung der Markt- Verhältnisse des Dünge- und Futtermittelmarktes genommen. Die Genossenschaft muß gute Ware zu einwandfreien Preisen liefern: sie mutz daher vom Handel und von den Erzeugern einwandfreie Ware verlangen und möglichst unter Kontrolle einkaufen. Diese Kontrolle ift in der letzten Zeit wesentlich erschwert worden. Nicht nur, daß sich die Zahl der Düngemittel wesentlich vermehrt hat, sondern auch d:e Formen der verschiedenen Düngemittel find im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten einem starken Wechsel unterworfen. Noch am konstantesten sind die Verhältn.sse auf dem Kal.markt. Wesentlich anders liegen die Dinge hinsichtlich der Phospborsäure und des Stickstoffs. Bei diesen beiden Düngemittel- gruppen we.st der Markt grüßte Bielgestalt gkeit auf, die durch die verschiedenen Formen von Misch, hungern noch vergrößert wird. Ankauf von Misch, hunger ist hann am Platze, wenn die Gehalte garantiert und genau festgelegt sind und wenn der Preis dem Mischungsverhältnis entspricht. Die Bedeutung des Dolldüngers, meist Gern sche von Stickstoff, Kali, Phosphorsaure, oft auch Kalk, liegt darin, daß er ungebildeten Landwirten die Möglichkeit der Anwendung eines technisch richtig zusammengesetzten Düngers liefert. Da aber eine Anpassung an bie statischen Verhältnisse des Bodens nicht erfolgt, wird leicht auf her einen Seite Nährstoffverschwendung getrieben, während auf der anderen Seite Nährstoffmangel herrscht. So können die heutigen Volldünger weder nach ihrer Zusammensetzung, noch nach ihrer technischen Struktur als ideale Form be» zeichnet werden. Auch die Gehaltsgarantie ist kein absoluter Schutz gegen Erscheinungen wie Entmischung und Hygroskopizität. Deshalb muß von her Technik verlangt werden, daß sie den garantierten Gehalt in jedem Volumen sichert. Auf dem Futtermittelmarkte liegen die Verhältnisse noch schwieriger. Die landw.rtschaftlich wichtgen Futterstoffe, insbesondere Kleien und getrocknete Rück- stände der Bierbrauereien, sind im Laufe der letzten Zeit in ihrer Qualität vielfach stark zurückgegangen. Es sollte mit die Aufgabe der Genossenschaften sein, durch genau präzisierte Garantie und dauernde Nachkontrolle reinigend auf die Atmosphäre des Marktes zu wirken. Bei den neuerdings zahlreich angc- botenen Mischfuttermitteln versagt allerdings jede Gehaltsgarantie. Hier müssen eben die Genossenschaften Abschlüsse mit leistungsfähigen Handels- und sonstigen Lieferfirmen treffen und ihre Misch- futtermittel unter persönlicher Kontrolle ihres Bevollmächtigten direkt für ihre Zwecke Herstellen lassen.
Zum Schluß behandelte Prof. Dr. S e s s o u s (Gießen) die Frage der
Bedeutung der Gortenvereinheitlichung
für den genossenschaftlichen Absatz und führte etwa folgendes aus: . Zu einer Normung. Standardisierung landwirtschaftlichdr Massengüter gehört zunächst eine Vereinheitlichung der bisher noch außerordentlich zahlreich auf dem Markt vertretenen Sorten unserer landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Der Referent wies nach, daß eine Verminderung der Sorten bis auf ganz wenige niemals in ähnlichem Verhältnis möglich sein wird, wie bei anderen Waren. Geographische Lage, Bodenverhältnisse und Wirtschaftserfordernisse werden stets eine ganze Reihe von Pflanzensorten bedingen, welche den bei uns sehr wechselnden Verhältnissen an= gepaßt sein müssen, um jeweils unter den ihnen zusagenden Bedingungen Höchstleistungen hervorbringen zu können. Trotzdem sind viele Sorten vorhanden, die ein so geringes Anbaugebiet haben. daß sie ohne Schwierigkeiten - durch andere, in ihren Ansprüchen und Leistungen ganz ähnliche ältere erseht werden können. Dem an sie gerichteten Appell nach Vereinheitlichung der
zuckend und forschte wieder in den hübschen sympathischen Zügen. Es glückte nicht. „Sch muß Sie bitten, mk behilflich zu sein!" sprach er kopfschüttelnd, daß fein Gedächtnis ihn diesmal so im Stiche ließ.
„Lassen Sie's. Baron! Das Erinnern kommt schon noch! Setzt geben Sie mir vorderhand Shre Koffer heraus. Der Zug lauft in. drei Minuten nach Lugano weiter!" Er winkte einem betreßten Diener und zeigte auf die beiden fieber* kofjer. die er auf den Bahnsteig gestellt hatte,. Snzwischen war Hettingen aus dem 'Abteil gestiegen. Den Mantel über dem Arm und den Hut in der Hand, blickte er nach dem jungen Herrn, der jetzt mit dem Bedienten sprach.
Sn seinem Gehirn schlugen die Ramen wie in einer Trommel auf. Der seine war nicht darunter. Kein noch so kleines Erinnern an ihn, weder an sein Gesicht noch an seine Sprache oder sonst irgend etwas, das ihm auf dir Spur geholfen hätte. „Sie haben mich hoisentlich nicht verwechselt!" sagte er, als er mit seinem Begleiter dem Kraitwagen zuschritt, der vor dem Stationsgebäude auf sie toartete.
„Durchaus nicht, Herr Baron!" Wieder dieses herzliche Auflachen. „Sch habe nur ein etwas besseres Gedächtnis!"
Soachim gab da- Rennen auf. Es toar umsonst, fein Gehirn noch weiter anzustrengen, zum Schlüsse funttiDnirrte es möglicherweise überhaupt nicht mehr.
Das Auto durchschnitt eine Menge schattiger Straßenreihen, flitzte an grünen, olmnenüber- wucherten Villen vorüber, wandte sich i t scharfer Krümmung nach Süden, eine staubbedeckte Chaussee hinab, deren Bäume in dicke graue Wolken gehüllt zurückblieben.
„Roch ein paar Minuten, Baron!" jagte der junge Mann an Joachims Seite, der sih ganz in Resignation versenkte, bis die Aufklärung kommen würde.
„Sv!' Zwischen einer wundervoll geschnittenen manneshohen Hecke tat sich ein kunstvoll geschmiedetes Gittertor auf, von dem eine breite Aufsahrtsstraße nach dem schloßähnlichen Ge-
Dorten ist die Landwirtschaft bereit, nachzukom- men. Es arbeiten Registerkommisfionen daran, um die vielen Doppelgänger unter unseren Kultnr- forten zu erfassen, die dann den älteren erprobten Sorten, sofern die Abkömmlinge keinen besonderen wirtschaftlichen Wert aufweisen, Platz zu machen haben. So hat die Kartoffelregisterkommission berefts von rund 1000 identifizierten Sorten 444 Doppelgänger erkannt und festgestellt, daß von 335 selbständigen Sorten auf dem Markt nur 100 Sorten eine wirkliche Bedeutung zukommt. Ganz ähnlich wird es mit den Setreide- forten sein, nur 20 Prozent aller angebauten Sorten werden allein einen nennenswerten wirtschaftlichen Wert haben. Es muß dahin kommen, daß nicht mehr aus jeder Hofreite eine andere Sorte auf den Markt kommt, und nicht nur das.' 2lus jeder Ortschaft oder besser Gegend mit gleichen Anbaubedingungen dürfen in Zukunft nicht nur wenige Sorten angeboten werden, sondern diese müssen auch in einheitlicher, guter Qualität dem Markte zugeführt werden. Dies wird nur möglich fein, wenn ein», einheitliche Herrichtung = Reinigung zustande kommt, was wohl am ehesten auf genossenschaftlichem Wege möglich sein wird. Erst wenn dem Handel eine einheitlich hergerichtete Ware von guter Beschaffenheit in größeren Mengen angebeten wird, können auch bessere Preise erzielt werden. Der Müller, Bäcker. Brauer usw. kann eher mit einem großen Poften guter Ware, 2. Qualität, etwas anfangen, als wenn dieselbe Menge in Pöstchen verschiedenster Güte. 1. bis 10., angeboten wird. Rach Qualität gestaffelte Produkte verfeinern den Handel, es wird dadu-ch eine gerechtere Bezahlung herbeigeführt: f r wirklich gute Ware wird in der ganzen Welt mehr bezahlt, ftlnd zu dieser Standardisierung der Massengüter ist die Vereinheitlichung der Sorten unbedingtes Erfordernis, dann kann auch der Produzent geringerer Mengen, also der Kleinbesih. die Wohltat der Belechung der von ihm der Rorm entsprechend abgelieferten Waren genießen. Anleitung und Erziehung wird bet hem zu erstrebenden Ziel dem einzelnen Landwirt außer von landwirtschaftlichen Körperschaften auch von den Genossenschaften in erster Linie gegeben werden müssen. Für den genossen»' schastlichen Absatz bedeutet die Vereinheitlichung der Sorten den ersten Schritt zur Standardisierung. __________
Oberhefsen.
Landkreis Gictzen.
—Klein-Lin den, 4. San. Auf sein 20jähriges Bestehen fa:m in diesem 3ar xe der hiesige Schützen klub „Roland" zurück- blicken. Aus diesem Anlaß findet am 3. Februar im Jöaale des Turnerheims eine Feier nebst Schützenball statt. Gleichzeitig wird das neue Veveinsbanner eingeweiht werden.
* Alten-Duseck, 4. San. Aus unserem kirchlichen Gem.eindeleben ist für das Sahr 1928 folgendes zu berichten: Taufen fanbe-n 16 statt (im Vorjahr 33). Konfirmiert wurden 29 Kinder (44). Getraut wurden 19 Paare (10). 2lm hl. Abendmahl nahmen teil 1420 Gemeindeglieder (1426). Kirchlich beerdigt wurden 24 Gemeindegli 6t (20). Sn der Fi.ialgemei deTrvhe, die seit 30. Oktooer 1927 auch eigenen Gottesdienst hat, fanden 12 Gottesdienste statt.
I Daubr in gen, 4. Jan. Unter dem Vorsitz von Lehrer Ziegler, Kes.elbach, fand hier eine Sitzung des Gesamtvorstandes des Bezirks IV des Lahngaues im „Hessischen Sängerbund" (Lum^atal-Sängerbund) statt, die sich hauptsächlich mit Fragen des diesjährigen Bundesfestes, das am 9.Suli in Staufenberg statt,inden soll, befaßte. Zu Beginn stellte der Vorsitzende fest, daß, wenn auch ein Verein seinen Austritt erklärt hat, der Bund doch in seinem Bestände nicht zurückgeht, vielmehr an MitglleOerzahl im verflossenen Sabre wieder zugenommen hat und auch jetzt Beitritte wieder in Aussicht gestellt sind. Wegen Bestellung des Kritikers für das mit dem Dun- desfest verbundene Kritiksingen konnte der engere Vorstand noch zu keinem Resultate kommen, da der ursprünglich dazu vorgesehene Herr an dem betreffenden Tage verhindert ist, an- dererseits eine Verlegung des Dundesfestes nicht angeht. Der engere Vorstand soll sich mit anderen Herren wegen llebemabme des Pre'.s- richteramles in Verbindung setzen und besonders daraus bedacht sein, daß für den Bund keine allzu hohen Kosten entstehen. Als erster Wertungschor wird bestimmt „Schenkenbachs D.iter-
bäube führte, das tief i:n Hintergründe zwischen uralten Baumbeständen sich dem Blicke bot
Sn einer Zeitspanne von wenigen Sekunden hielt der Wagen vor dem Portal, dessen beide Flügeltüren Dfienftanben. „Willkommen zu Hause, Baron Hettingen."
Soachim sah geradeaus, von irgendwoher kam eine kühle Welle aus ihn zugeftutet, Dust von Rosen und Hyazinthen mit dem von Heliotrop gemengt, umschmeichelte ihn. Langsam setzte er den Fuß in die Halle, die sich in bämmembem HalbdunkÄ vor ihm auftat.
„Die Eltern freuen sich unendlich, Sie kennenzulernen!" hörte Soachim neben sich sagen. alS er den Riefenteppich entlangschritt. „Sch werde Sie sofort melden lassen."
„Helfen Sie mir, um Gottes willen! 'Mein Kopf ist am Zerspringen." Hettingen faßte mit beiden Händen nach dem Arm seines Begleiters.
Ein lachendes Augenpaar tauchte in d)s fci.ie. „Seb will Sie nicht länger quälen! Kommen Sie also!"
Aus dem Kirchendämmer der Halle, in welchem hohe Eichenjal^usirn dir draußen brütende Sonnenhitze abhielten, schimmerten prächttge Felle auf, Geweih an Geweih grüßte von deii Wänden, in einer Viftzahl und einer Seltenheit, daß Soachim keinen Blick mehr davon wandte.
Gegen den Aufgang zum Oberstock war ein Riesengobelin gespannt, der Siegfrieds Kampf mit dem Drachen zeigte. Hochausgerichtet dräute der schillernde Leib des UngetümeS dem Beschau r entgegen. Weit vorgestreckt, die Zähne fletschend, starrten die Augen eines kunstvoll präparierten Krokrdiles nach Hettingen, der für einen Moment den Schritt verhielt.
Ein schußartiges Erinnern!
„Diebow!" schttr er hi raus.
Von der Treppe her tarn ein helles, sroheS Lachen.
„Diebow!" rief Joachim noch einmal.
Oben neigte sich ein Gesicht über daS Gv- länder: »Sind sie nun im Bilde, 'Baron?*
(Fortsetzung folgt.)


