die gleiche Strecke bei 6en zuständigen Stellen beantragen zu wollen.
Ludwig Benner, Stationsschaffner auf Bahnhof Gießen, • Vertreter der Petition." Folgen 88 Unterschriften.
Diese Eingabe war Gegenstand der Beratung des Berbandsausschusses in seiner letzten Sitzung. Dieser brachte dabei einmütig zum Ausdruck, daß er die der Kraftverkehrsgesellschaft auf- gezwungene Verkehrsverschlechterung aufs lebhafteste bedauert. Der mit dem neuen Betriebsinhaber zustande gekommene Vertrag ist unter der Voraussetzung abgeschlossen worden, daß der seitherige Verkehr in seinem vollen Umfange aufrechterhalten bleibt, zumal er nach sorgfältiger Prüfung des Vcrkehrsbedürfnisses eingerichtet worden ist. Der Vcrbandsausschuß beschloß, die vorstehende Eingabe an alle in Frage kommenden Instanzen weiterzuleiten, um nach Möglichkeit eine alle Teile befriedigende Regelung der Angelegenheit wieder herzustellen.
Die Behandlung der Verkehrsinteressen der Gemeinden Wieseck und Alten-Buseck durch die Stadtverwaltung Gießen gibt dem Verbandsausschuß auch Anlaß zu folgender Feststellung: Entgegenkommenderweise erklärten sich die Vertreter Wiesecks bei den Verhandlungen aller beteiligten Kreise vor dem Ministerium des Innern in Darmstadt am 25. Ianuar 1929 mit dem Bau der elektrischen Straßenbahn nach Wieseck unter Zusicherung eines Bauzuschusses in Höhe von 40 000 Mk. einverstanden mit der Maßgabe, daß die Bahn nach Ablauf der Vertragsdauer mit der Kraftverkehrsgesellschaft gebaut wird. Diese Zusage erfolgte unter der selbstverständlichen Voraussetzung, daß der Verkehr in seinem seitherigen Rahmen aufrechterhalten bleibe. Einige Einschränkungen hätten, soweit sie mit den Derkehrsbedürfnissen in Einklang zu bringen sind, vorgenommen werden können.
Die Vertreter der Gemeinde Wieseck im Verbandsausschuß stehen auf dem Standpunkt, daß die von der Stadt Gießen vorgenommene rücksichtslose Drosselung des Verkehrs Anlaß genug ist, der Gemeinde Wieseck ihre volle Handlungsfreiheit wiederzugeben. Sie hoffen aber auch, daß die Stadtverwaltung Gießen ihren derzeitigen Standpunkt einer Korrektur unterzieht, um nicht die mühsam zustande- gekommene Einigung in einer lang umstrittenen Frage abermals zu gefährden.
Aus Der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 4. Iuli 1929.
Reklamenepp.
Äon Konrad Werther.
Um unserer darniederliegenden Wirtschaft wieder auf die Beine zu Helsen, sind viele Kräfte am Werke. In alle die Schlagworte der Zeit ist ein neues gekommen, das in allen möglichen Variationen abgehandelt wird: Wiederaufbau. Cs ist nicht zu verkennen, daß wir es sehr schwer haben, wieder hochzukommen, und daß sehr große Teile unseres Volkes ihre Kaufkraft eingebüßt haben. Es bedarf aller Anstrengungen, um den verringerten Markt für das einzelne Geschäft und das einzelne Erzeugnis zu gewinnen. Für jeden Geschäftsmann ist es daher unumgänglich notwendig geworden, sich eingehend mit der Kundenwerbung und dem" Kundendienst zu befassen. Wie kann denn sonst ein Mensch erfahren, was man zu verkaufen hat! Es geht nicht anders, als daß der einzelne planmäßig an Kundenwerbung herangeht und Reklame für sich wacht. Genau wie man seine Monatsausgaben für Miete, Licht, Heizung, Löhne und Steuern hat, Ausgaben, die notwendig sind, muh man auch einen Betrag für Re-
Roman von Edgar Wallace.
18. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Larry gab dem Mann ein Trinkgeld und verließ das Theater. In diesem Augenblick war er der Erklärung für Gordon Stuarts Verschwinden und Ermordung näher als er es jemals gewesen war. Und Larry fühlte das.
Abends halb elf war er im Bureau zurück und wartete ungeduldig auf das junge Mädchen. In angestrengter Selbstbetrachtung gab er sich die größte Mühe, herauszufinden, ob sein Eifer, Diana wiederzusehen, rein berufliches oder mehr persönliches Interesse an ihr selbst war.
Sie kam zehn Minuten vor elf, und Larry, der sie vorher nur in Alltagskleidung gesehen hatte, war beim Anblick dieser strahlenden Schönheit keines Wortes mächtig. Er konnte ja Nichtwissen, daß sie für ihr einfaches schwarzes Tüllkleid- chen noch nicht einmal fünf Pfund bezahlt hatte, daß 'das Stirnband aus schwarzen Blättern, das ihr goldenes Haar einrahmte, kaum zehn Schilling kostete. Ihm erschien sie prachtvoll gekleidet, ein Wesen, so göttlich und feenhaft, daß er kaum wagte, das Wort an sie zu richten.
„Herein, herein", sagte er. „Das ist beinah zuviel Glanz in meiner armen Hütte."
Sie lachte, ließ ihr Cape auf den Stuhl gleiten, und Larry vergah ganz und gar die offizielle und wichtige Veranlassung ihres Besuches und verschlang sie in sprachloser Versunkenheit mit den Augen. Aber mit einem triumphierenden. „Ich hab's herausgefunden!" brachte sie ihn in die rauhe Wirklichkeit zurück.
. Herausgesunden?" stammelte er. „Ach ja, Sie waren ja mit Ihrem Versicherungsfreund zusammen."
Sie öffnete ihre kleine, seidene Handtasche und nahm ein Blatt Papier heraus.
„Ich habe mir ein paar Rotizen gemacht", sagte sie. „Mein Bekannter ist durch Stuarts Tod sehr in Mitleidenschaft gezogen, und — es ist unser Stuart."
Larry pfiff leise.
„Wie ist das zugegangen?" fragte er.
„Mein Bekannter ist Inhaber einer Versicherungsagentur", setzte sie ihm auseinander. „Wenn jemand sein Leben sehr hoch versichert, trägt die Gesellschaft, die die Police ausgestellt hat, wie Sie wissen, nicht das ganze Risiko allein, sondern offeriert anderen Versicherungsgesellschaften Anteile an ihrer Haftpflicht. Cs hat sich nun herausgestellt, daß die Firma meines Bekannten Rückversicherung im Werte von dreitausend Pfund übernommen hat."
„Dreitausend Pfund?" wiederholte Larry überrascht. „Aber in Himmels Ramen, wie hoch war denn eigentlich Stuart versichert?"
flame bereitstellen, ja diesen Betrag sogar an erste Stelle bringen, denn der Kunde oder Kundenstamm ist das Wichtigste für das geschäftliche Unternehmen. Ohne Kunden hat kein Geschäft eine Lebensmöglichkeit.
Es sei aber hier die Mahnung ausgesprochen: Laßt euch von einem Reklamefachmann beraten, über den jeder angesehene Zeitungsverlag verfügt, und denkt nicht, daß ihr eure Reklame allein machen könnt. Wenn ihr einen Anzug braucht, geht ihr doch auch zum Schneider.
Die eindringlichste Reklame ist, wie unzählige Male festgestellt, die Anzeige in der Tageszeitung. Mit dieser, ihrer Wirkung und Verbreitung läßt sich kein anderes Werbemittel vergleichen. Man kann deshalb nur immer wieder empfehlen, die Tageszeitungen zu benutzen.
Und dann: Hütet euch vor gewissenlosen Reklameakquisiteuren! Das sind solche die mit dem Schlagwort des Wiederaufbaues reifen und ihre minderwertigen Produkte mit diesem Argument anbringen wollen. Es gibt eine ungeheuer große Anzahl von solchen Reklamemitteln, die nur dem betretenden Unternehmer Gewinn bringen nach der Devise, datz die Dummen nicht alle werden und daß man gern aus anderer Leute Leder seine Riemen schneidet. Also Augen auf bei Reklameangeboten, und den Fachmann fragen!
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** Der Familien tag der Markus- gemein de auf der Liebigshöhe hatte, wie in früheren Jahren, wieder so starken Besuch, daß der große Saal nicht alle Gäste fassen konnte. Es war ein wahrhaft frohes Bild, als man von der Terrasse der Liebigshöhe den großen, bunt geschmückten Zug der Kinder auf dem Wiesenweg Herkommen sah. Im Begrüßungswort wies Kirchenvorsteher Weller darauf hin, baß diese Gemeindetage, zuerst von der Markusgemeinde eingerichtet, aus der Feier der Kinderkirche entstanden seien und darum auch die Kinder dabei besonders zu ifjrem Recht kommen sollten. So war denn auch das reiche Programm hauptsächlich von Darbietungen der Kinder und der Iugend- bereinigungen zusammengestellt. Reigen der Mädchen und Turnübungen der Buben, von den treuen Helferinnen in langer Arbeit eingeübt, Volkstänze der Markus-Mädchenvereinigung unter Leitung von Fräulein Emmy Kühn und ein frisches Dolksspiel der Wartburgjugend folgten in bunter Reihe. Als besondere Gabe hörte man die Lieder der Sängerin Fräulein Käte Gärtner, die von der Pianistin Frau Buch - Wald feinsinnig begleitet wurden. Cs ist eine Freude, einem so wundervoll reichen, warm- klingenden Alt zu lauschen, so daß mehrfach der Wunsch laut wurde, die Künstlerin auch bei späteren kirchenmusikalischen Feiern wieder zu hören. Als Bekenntnis zur deutschen Rot und als Ausdruck unserer deutschen Hoffnung wurde von der großen Versammlung nach kurzen Worten von Pfarrer Becker, die auf den Erlaß der Reichsregierung zum 28. Juni Bezug nahmen, das Deutschlandlied stehend gesungen. Die Musik hatte für den Rachmittag der Posaunenchor des Wartburgvereins übernommen, der unter Leitung von Kaufmann W. Schmidt die gemeinsamen Lieder begleitete und mehrere schöne Motetten darbot. So bot der ganze Rachmittag viel Freude und war ein schönes Bild der Gemeinschaft der Markusgemeinde, so dah das Schlußwort als herzlicher Dank gewiß allen Teilnehmern aus dem Herzen gesprochen war.
** D ie Ortsgruppe Gießen des Zentral - Verbandes Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener feierte am Samstag im großen Saale des Kath. Vereinshauses ihr zehn- jähriLges Bestehen. Gelegentlich dieser Iubilä- umsfeier wurden dreißig Mitglieder, die seit Gründung der Ortsgruppe ununterbrochen Mitglied sind, mit dem Ehrenabzeichen des Verban-
„Ich habe mich sofort danach erkundigt", sagte das junge Mädchen und hob das Blatt hoch. „In der Police, die Mr. Gray mit unterzeichnete, war eine Summe von fünfzig tausend Pfund erwähnt, aber Mr. Gray erzählte mir, daß noch eine zweite Police über denselben Betrag ausgestellt war."
Larry setzte sich hin. Seine Augen funkelten.
„Das also war die geschäftliche Seite von Stuarts Tod? — So, so — Versichert für hunderttausend Pfund! — Hat Ihr Bekannter bezahlt?"
„Ratürlich hat er in dem Augenblick bezahlen müssen, wo die ausstellende Firma ihre Rückversicherungsansprüche geltend machte. Cs blieb ihm doch weiter nichts übrig, als das Geld aufzutreiben."
„Wie heißt denn die Versicherungsgesell- schaft?"
Sie zögerte einen Augenblick mit der Antwort und sah ihn bedeutungsvoll an.
„Die Greenwich-Versicherungsgesellschaft", sagte fte langsam, und Larry sprang auf die Füße.
„Dr. Iudd!" sagte er leise.
18.
Er begleitete Diana nach unten, und sie plauderten noch einige Augenblicke in der Halle. Vor der Tür wartete ein Privatauto auf sie, und sie erklärte ihm diesen anscheinenden Luxus. Die Familie Gray hatte ihr ihren Wagen zur Verfügung geftcflt, der den Versicherungsbeamten und Frau gegen zwei Uhr abholen sollte.
„Cs tut mir so leid, Ihrer freundlichen Einladung nicht Folge leisten zu können," sagte Larry, „aber ich mutz noch auf einen telephonischen Anruf warten. Ich habe Harvey weggeschickt, um verschiedene Erkundigungen für mich einzuziehen, und er hat mir versprochen, gegen Mitternacht anzurufen."
Sie sah ihn mit Teilnahme an.
„Wird das nicht ein bißchen zu viel für Sie?" fragte sie. „Sie schlafen, glaube ich, überhaupt nicht mehr."
Er lachte.
„Ich gehöre zu jenen Glücklichen, die ohne Schlaf auskommen können", sagte er in scherzender Prahlerei, „und —" In diesem Augenblick tarn ein Beamter aus einem der Erdgeschoß- räume auf ihn zu.
„Ferngespräch für Sie, Sir."
„Kommen Sie mit“, sagte Larry. „Vielleicht läßt sich die Sache gleich erledigen, und dann kann ich mich mal als Millionär fühlen."
Er ging dem Mädchen voran in sein Zimmer zurück. Es war aber nicht Sergeant Harvey, der chn anrief, sondern der Inspektor vom Polizei- bureau in Oxford Lane.
„Ist dort Inspektor Holt?" fragte er.
„Am Apparat", war Larrys Antwort.
des ausgezeichnet. Von der Stadtverwaltung und der städtischen Fürsorgestelle war Bürgermeister Dr. Seid erschienen, der die Ortsgruppe zu ihrem zehnten Geburtstage beglückwünschte und der Leitung der Ortsgruppe für ihre wertvolle Mitarbeit auf dem Gebiete der Versorgung und Fürsorge Anerkennung zollte, besonders dem Vorsitzenden, der ununterbrochen zehn Iahrc an der Spitze Der Ortsgruppe steht. Der Vorsitzende, Kamerad M ö l l, führte in feiner Ansprache aus, daß bei den aus den Lazaretten un'd Krankenhäusern entlassenen verwundeten und erkrankten Kriegsteilnehmern der Gedanke zu einem Zusammenschluß wachgerufen worden fei durch die damals ganz unzureichende Versorgung. So seien die Kriegsopferbewegungen, die heute nahezu alle Kriegsopfer umfassen, entstanden als Rotgemeinschaft der Leidcnsgenossen. Die Kriegs- opferbewegungen hätten bann auch ihren Einfluß bei der Gestaltung der Dersorgungsgesehgebung geltend gemacht und es sei in weitem Matze Verdienst der Kriegsopferorganisationen, datz die Versorgungsgesetzgebung wenn auch noch nicht ideal, so doch in weit verbessertem Matze wie vordem heute ausgestaltet sei. Unter den Kriegsopferbewegungen nehme der Zentralverband eine führende ©teile ein. Auf dem deutschen Gedanken aufgebaut, parteipolitisch und religiös neutral eingestellt, erblicke der Zentralverband seine Aufgabe nicht darin, aus den Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen ein Staatsrentner- tum zu bilden, sondern sein Wirken gehe dahin, die in den Kriegsopfern verbliebenen Arbeitskräfte für den Wiederaufbau nützlich zu machen und so dem einzelnen wieder Lebensfreude zu vermitteln. Das Ziel des Kämpfens der Kriegsopferbewegungen sei erreicht, wenn die wirtschaftliche Sicherstellung der Kriegsopfer gewährleistet fei. Es sei eine moralische Verpflichtung des gesamten deutschen Volkes, für die einzutreten, die ihr Leben, Blut und Gesundheit gelassen haben. Mitglieder des Orchestervereins sorgten für die musikalische Unterhaltung. Am Sonntag fand bann ber alljährliche Ausflug nach der Harbtterrasse statt, der Unterhaltung für jung und alt bot.
** Der Obst- ur.b (Sartenbauoerein Gießen führte am Sonntag feinen diesjährigen Sommerausflug nach dem Obstgut „Schwalbenstein" bei Balduinstein aus. Diese Anlage, hoch über der engen Talschlucht von Balduinstein, gegenüber der Schaumburg gelegen, war 1903 als Ruhesitz eines begüterten Privatmannes entstanden. Nachdem während der Kriegs- und Nachkriegszeit die Besitzer mehrfach gewechselt hatten, Erwarb sie im Jahre 1925 der Verein für landwirtschaftliche Frauenbildung und verlegte hierher seine bekannte Gärtnerinnen- und Haushaltungsschule von Kaiserswerth a. Rh. Ein wohlgepflegter Park mit prächtigem Baumbestand und überraschenden Fernblicken auf die waldbedeckten Täler und Höhen des Lahntales umgibt das im Villenstil errichtete Hauptgebäude und leitet über zu den Spalier- und Busch- obftanlagen, den Blumen- und Mustergärten, von denen jede Schülerin ein kleines persönlich zu pflegen hat. Besonders erwähnenswert sind die Mistbeet- und Treibhausanlagen, die erst vor einigen Jahren nach modernster Art erbaut worden sind. Sie dienen neben der Blumenzucht hauptsächlich dem Anbau von Frühgemüse, wie Gurken, Melonen, Tomaten, Salat, Blumenkohl usw. und frühem Edelobst, in erster Linie der Treiberei von Pfirsich, die hier auf dem warmen, kalkreichen Boden des Südabhanges vortrefflich gedeihen. Die Blütezeit der Pfirsichbäume unter Glas ist im Februar, Anfang Mai reifen die ersten Früchte. Ende Mai ist die Ernte, die im Durchschnitt 6000 Stück von über 100 Gramm Gewicht ergibt, zu Ende. Die Früchte wandern zum größten Teil zu hoben Preisen in die Großstädte. Nicht weniger lehrreich als die tropische Ueppigkeit ber Gewächshäuser, die eine Glasfläche von über 1200 Geviertmeter bedecken, waren die Gemüse- und Beerenobstanlagen, die Erfolge der Schädlingsbekämpfung
„Sie haben die Beschreibung eines Manschettenknopfes aus schwarzer Emaille mit Brillanten veröffentlicht!"
„Iawohl", sagte Larry schnell.
„Ein Mr. Emden, in Firma Emden & Smith, Pfandleihe, erwähnte ein Paar Manschettenknöpfe, die genau mit der Beschreibung in der amtlichen Diebstahlsliste übereinstimmen."
„Haben Sie sie bei sich?" fragte Larry eifrig.
„Rein, Sir", antwortete der Inspektor. „Aber Mr. Emden ist hier im Bureau, falls Sie ihn zu sprechen wünschen. Er kann Ihnen die Knöpfe morgen früh geben. Heute nach dem Abendessen las er die amtliche Liste und stieß auf die Beschreibung der Manschettenknöpfe. Er ist dann sofort hierher gekommen: er wohnt ganz in der Rähe/
„Gut. Ich komme sofort hin", sagte Larry.
„Was gibt es denn?" fragte Diana. „Sind die Manschettenknöpfe gefunden worden?"
Larry schüttelte den Kopf.
„Man hat ein Paar Manschettenknöpfe gefunden, die genau so sind wie der eine, den wir in Stuarts Hand gefunden haben", sagte er etwas verblüfft. „Das ist mir unverständlich. Ia, wenn es ein halber Knopf oder anderthalb Knöpfe gewesen wären, würde das sicherlich ein Beweisstück für unseren Fall bedeuten."
Er blickte zögernd auf den Mann, der die Telephonzentrale bediente.
„Wenn Sergeant Harvey anruft, sagen Sie ihm bitte, er möchte noch einmal anflingeln oder, falls er in der Rähe vom Präsidium ist, hierherkommen und auf mich warten. And bei dieser Gelegenheit", sagte er zu dem jungen Mädchen, als sie beide vor die Tür traten, „will ich mit Dank die Einladung für eine Fahrt in Ihrer fürstlichen Fahrgelegenheit akzeptieren."
Dor ihrer Harrstür lungerte ein Mensch herum, der Larry grüßte.
„Sie lassen mich doch nicht bewachen?" fragte das junge Mädchen überrascht. „Ich glaube, das ist wirklich nicht nötig, Mr. Holt."
„Meine eigenen Erfahrungen haben mich gelehrt, daß es sehr nötig ist", sagte Larry grimmig. „Dem l iebenswürdigen Herrn, der mich herumgeschlenkert hat, als ob ich eine Feder wäre, fehlt es weiß Gott nicht an Mut. Gibt es außer diesem hier noch einen anderen Eingang ins Haus?" fragte er den Detektiv.
„Rein, Sir, ich habe mich ganz genau um- gesehen und habe auch die Zimmer der jungen Dame untersucht."
„Wie ist denn das möglich?" sagte sie verdutzt.
„Ich habe mir einen Rachschlüssel machen lassen", sagte Larry. „Hoffentlich find Sie mir bashalb nicht böse. And, ba wir gerqdc von Schlüsseln sprechen," fügte er hinzu, „das Erscheinen des blinden Iake in dem Zimmer Fanny Weldons ist auch kein Rätsel mehr. Sie hatte ihm für den Fall, datz sie ihn mit ihrer Beute
mit Spritzmitteln und die einer rationellen Böden, bearbeitung auf einem gepachteten Obstgut in der Nähe, das — wie viele andere — in der Not der Kriegszeit verwahrloste und nun wieder ertragreich gestaltet werden soll. Den notwendigen Dünger, der dort oben ganz besonders schwer zu beschaffen wäre, liefert die Geflügelfarm der Anstalt, in welcher etwa 600 Tiere vom Schlage der weißen Leghorn, im geräumigen Aufenthalts-, Schlaf- und Legeräumen ihre Pflichten bei Tage und im Winter bei elektrischer Beleuchtung auch des Nachts erfüllen. Torfmull findet dabei in großem Umfange Verwendung. Ein gemütlicher Sonntagnachmittagskaffee vereinte die Teilnehmer der Fahrt bei strahlendem Sonnenschein auf der Schaumburg bis zum Abgang des Zuges.
** Lieder- und Arienabend des Kam- merfängers Heinrich Schlusnus in Bad-Nauheim. Am Montag, 8.Juli, gibt der Kammersänger Heinrich Schlusnus (erster Bariton der Staatsoper Berlin), einer Einladung der Hessischen Bad- und Kurverwaltung Bad-Nauheim folgend, im Kurhause (großes Haus) Bad-Nauheim einen Arien- und Liederabend. Begleitung am Flügel Franz Rupp. Für bas Konzert hat der beliebteste deutsche Gesangskünftler ein neues Programm vorgesehen. Man beachte die heutige Anzeige.
** Marburger S ch l o ß f e ft. Zu dem am nächsten Sonntag stattfindenden Schloßfest in Marburg haben sich zahlreiche Trachtengruppen angemeldet. Die hübschen Trachten der Marburger Gegend, Schwälmer und Schwälmerinnen, Erfurtshäuser Trachten u. a. m. werden sich zu einer großen hessischen Trachtenschau einen, die die Buntheit und Pracht der alten Hessentrachten spiegelt. Etwa 150 der ländlichen Gäste des Festes einen sich zu einem Volkstanz, wie er seit Jahrhunderten bei Kirchweih, Erntefest oder Hochzeit getanzt zu werden pflegt und ebenso seinen Rhythmus und seine Eigenart hat, wie die vielbewunderten Tänze der ungarischen Bauern ober die Nationaltänze der Russen und Polen. Die' Volkstänze der Hessischen Bauern und die am Abend stattfindende Schloßbeleuchtung mit Feuerwerk werden des Schloßfestes Höhepunkt sein. Zudem (et daran erinnert, daß mit dem Schloßfest die Marburger Festspiele Abschied nehmen, und zwar mit G o l d o n i s entzückendem Lustspiel „Diener zweier Herren". Man beachte die heutige Anzeige.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
0 Aus dem mittleren Lumdatal, 3. Juli. Die Heuernte, die sich durch die Niederschläge der letzten Woche und durch verspätete Heu- grasversteigerungen etwas hinausgezogen hatte, hat nun auch hier ihren Abschluß gefunden. Die feuchten Talwiesen haben durchweg gute Erträge abgeworfen, obwohl die Quantität nicht ganz die Höhe mancher Vorjahre erreicht: die höher gelegenen trockenen Wiesen dagegen sind im Ertrag zurückge- blieben. Jedoch ist die Güte des Heus hervorragend. Die Preise bei den Heugrasversteigerungen waren z. T. sehr hoch.
$ Göbelnrod, 3. Iuli. Seit einigen Tagen ist unser Dorf ohne Wasser, da das Pumpwerk der Wasserleitung am Fuße des WirbergÄ am Montag ohne Strom war. An diesem Tage war die Starkstromleitung oberhalb des Wirbergs nach Beltershain zu gebrochen. Rach Behebung dieses Schadens schlug am Montagabend der Blitz in eine der Pappeln beim Wasserwerk und beschädigte die Transformatorenanlage. Auch am heutigen Mittwoch sind wir noch ohne Wasser, waS eine schwere Rotlage für das Dorf bedeutet, das nur noch einen Brunnen hat, der aber nur minderwertiges Wasser liefert.
# Hungen, 3. Iuli. Das erste ober- hessische Preis-Sch afh Üt e n, veranstaltet vom Verein für deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Gießen und Umgebung, fand am Sonntag hier statt. Cs hatten sich im ganzen 14 Bewerber angemeldet, die im Gelände des Galgenbergs um
in der Samstagnacht verpassen sollte, ihren Hausschlüssel gegeben. Er sollte bann nach oben kommen. Sie hatte eine solche Angst vor ihm, datz sie nicht wagte, ihm den Schlüssel zu verweigern. Sie mußte das aber völlig vergessen haben, da sie sich sonst niemals zum Schlafen niedergelegt hätte."
Er wünschte ihr „Gute Rächt" und ging zu Fuß nach Oxford Lane.
Mr. Emden war ein kleiner, freundlicher Mann und trug einen Klemmer.
„Ich war dabei, die amtliche Diebstahlsliste durchzulesen und fand dann Ihre Beschreibung der Knöpfe, Mr. Holt."
Er zeigte ihm das Blatt Papier mit der Zeichnung des Knopfes, dessen Gegenstück gesucht wurde.
„Sie haben ein Paar Knöpfe, wie Sie sagen?"
„Ia, Sir", antwortete der Pfandleiher. „Heute morgen sind sie bei mir versetzt worden. Ich habe übrigens selbst das Versatzstück in Empfang genommen. Gewöhnlich stehe ich ja nicht hinter dem Ladentisch, aber einer meiner Angestellten muhte etwas besorgen, und als der Kunde hereinkam, nahm ich die Knöpfe an und gab ihm vier Pfund dafür."
„Kein gewöhnliches Muster!" sagte Larry, und Mr. Emden schüttelte den Kopf.
„Im Gegenteil. Ganz und gar ungewöhnlich", sagte er. „Ich erinnere mich nicht, jemals Man- schcttenknöpfe wie diese gesehen zu haben. Ich glaube, es ist französische Arbeit. Sie waren etwas beschädigt. Drei Diamanten fehlten, sonst hätte ich auch viel mehr wie vier Pfund dafür gegeben." ..
„Kennen Sie den Mann, der bte Knopfe verseht hat?"
„Rein, Sir. Er war ein sehr eleganter Herr, der mir erzählte, er hätte sich die Dinger uber- gesehen. Meiner Meinung nach aber war er—" Er zögerte.
„Run", fragte Larry. i
„Ia — trotz seines guten Aeußeren machte er mir den Eindruck c ines jener eleganten Hochstapler, tote sie im Westend zu Hunderten l>crumlaufen. Ich hatte das Gefühl, datz er die Knöpfe versetzte, nicht weil er das Geld brauchte, sondern weil er sie loswerden wollte. Die Diebe machen das oft genug und riskieren es eben, daß der Pfandleiher herausfindet, die Schmucksachen werden vermißt und von der Polizei gesucht."
Larry nickte.
„Elegant angezogen?" sagte er nachdenklich und fragte dann plötzlich: „Trug er irgendwelchen Schmuck? Diamanten?"
„Ia," sagte der Pfandleiher, „und aus dem Grunde habe ich ja angenommen, daß er die Sachen loswerden wollte. Vier Pfänd war ja nicht viel für so wertvolle Gegenstände, aber er verlor kein Wort darüber."
(Fortsetzung folgt.)


