„Mich tröstet nur eins ..." mit wehmütig traurigem Schritt trat die Mutter auf den Sohn zu, der von Sekunde zu Sekunde steinerner wurde, „daß der Peter zum Begräbnis zurechtkommt."
Beifällig nickte Vaters düsteres Haupt. „Hast wohl einen schwarzen Anzug mit?" fragte er gütig.
Aus erloschenen Augen schaute Peter ihn an. Und gepeitscht und gegeißelt und gefoltert und bespien, floh das göttliche Bild seiner göttlichen Welt aus den toten Pupillen in den Kerker des Herzens.
Hochfchulnachnchien.
Der a. o. Professor für systematische Religionswissenschaft an der Universität Kiel, Direktor der Pädagogischen Akademie in Erfurt D. theol. Wilhelm Bruhn ist zum Honorarprofessor in der theologischen Fakultät der Universität Kiel ernannt worden. Bruhn wirkte 1903 bis 1908 als Pastor in St. Anna in Dithmarschen, wurde später Oberlehrer und Anstaltsprediger am Gymnasium und Pädagogium in Züllichau, kam 1911 an das Luisen-Gymnasium in Berlin. 1915 bis 1918 stand Bruhn im Kriegsdienst als Lazarettgeistlicher in Brandenburg a. H., von wo er als Studienrat an das Gymnasium in Kiel übersiedelte. Er habilierte sich 1919 ebenda für systematische Religionswissenschaft und wurde 1929 Direktor der neuen Pädagogischen Akademie in Erfurt. Die Marburger theologische Fakultät ernannte ihn zum Ehrendoktor. — Professor Dr. Wolfgang Schadewaldt, Königsberg, hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der klassischen Philologie in Freiburg i. B- als Nachfolger des nach München gegangenen Rudolf Pfeiffer erhalten. Schadewaldt war feit 1924 wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an der Zentraldirektion des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches und habilitierte sich 1927 in Berlin. 1928 erfolgte seine Berufung zum ordentl. Prof, in Königsberg. — Prof. Dr. Adolf Hasenclever, Halle, hat den Ruf auf das Ordinariat der mittleren und neueren Geschichte an der Universität Göttingen als Nachfolger von Professor A. O. Meyer angenommen. — Amtlich wird die Ernennung des o. Professors Dr. Walther G e rl a ch von der Universität Tübingen zum ordentlichen Professor der Experimentalphysik in München bestätigt. Prof. Gerlach war Assistent am Tübinger physikalischen Jnstirut, erwirkte dort seine Zulassung als Privatdozent, kam später in gleicher Eigenschaft nach Göttingen, war 1918 bis 1920 bei den Farbenfabriken Bayer in Leverkusen- Elberfeld tätig, erhielt dann in Frankfurt den Lehrauftrag zur Vertretung der höheren Experimentalphysik und siedelte 1925 als Ordinarius nach Tübingen über. Berufungen nach Königsberg und Charlottenburg hat der Gelehrte abgelehnt.
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Donnerstag, 4- Zufi 1929
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. (54 Zweites Blatt
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nicht den geringsten Einfluß hat, nämlich in der, die sich durch den Kampf zwischen dem britischen und amerikanischen Imperialismus um dieSeele des Negers bildet. Solange die Vereinigten Staaten in Afrika nachdrücklich eine Politik der „offenen Tür und gleicher Gelegenheiten" verfolgen, verspricht jedenfalls deren Unterstützung mehr Erfolg, als ein bloßes Manöverieren auf dem schlüpfrigen Boden der Mandatskommission des Völkerbundes, die in entscheidenden Fragen doch der geheimen Regie des britischen Kolonialimperialismus gehorcht.
Daten für Freitag, 5. Zuli.
1853: der englische Kolonialpolitiker Cecil Rhodes in Hertfordshire geboren (gestorben 1902); 1908: der norwegische Dichter Jonas Lie in Särum gestorben (geboren 1833). ___________________________
Der Omnibusverkehr Alten-Vuseü-Wieseck-Gießen
Der Ausschuß des Gemeindeverbandes Wiese ck°A l t e n - B u s e ck bittet uns um die Aufnahme des Folgenden:
Die Llebernahme des Betriebes durch die Kraftverkehrsgesellschaft „Hessen" brachte als einzige unangenehme Degleiterscher- nung unter dem Drucke der Stadt Gießen eine wesentliche Verkehrsverschlechterung, da von diesem Zeitpunkt ab die Mehrzahl der Wagen nur noch bis zum Walltor fahren dürfen. Eine solche Maßnahme wird von den Fahrgästen als unbillige Härte empfunden, durch die sich vor allem die bei der Bahn und Post Beschäftigten betroffen fühlen, weshalb diese Leute an den Verbandsvorstand die nachstehende Eingabe richteten:
„Die Unterzeichneten waren Abonnenten des Omnibusverkehrs des Gemeindeverbandes Wie- seck-Alten-Buseck, und erlauben sich als solche dem Verbandsausschuh folgendes zu unterbreiten:
Durch die mit der Hebergabe des Omnibusbetriebes an die Kraftverkehrsgesellschaft „Hessen" verbundene Verkehrsbeschränkung ist den Unterzeichneten die Möglichkeit genommen, sich der Omnibuslinie zu bedienen.
Da der Schichtwechsel, dem wir dienstlich unterworfen sind, nicht nur in die Zeit vor 8 llfjr bzw. in die Zeit zwischen 17 und 18.30 Ufjr fällt, ist uns die Möglichkeit — wie sie während der 3l/2 Zahrebe st and — genommen, auf Zeitkarten den Omnibusverkehr zu benutzen. Durch die Tatsache, daß die elektrische Dahn der Stadt Gießen Zeitkarten nicht ausgibt, ist es nicht einmal möglich, den Omnibus zum Walltor zu benutzen. Denn mit Benutzung der elektrischen Bahn würden die Beförderungskosten von Wieseck 3,90 Mk. und von Alten-Buseck 4,90 Mk. pro Abonnement und Woche betragen. Eine so hohe Ausgabe für unsere Beförderung ist aber weder tragbar, noch gerecht gegenüber den Abonnenten, deren Dienstbeginn regelmäßig so liegt, daß sie die durchgehenden Fahrten benutzen können. Falls diese tief bedauerliche Verkehrsverschlechterung Dauerzustand werden soUte, sind die Unterzeichneten leider gezwungen, im Sommer zum Fahrrad zurückzukehren und im Winter zu laufen.
Die Unterzeichneten glauben, daß der Gemeindeverband bei Abschluß des Vertrages mit der Kraftverkehrsgesellschaft bzw. der Umgestaltung des seitherigen Verkehrsverhältnisses diese Auswirkung übersehen hat, und erlauben sich daher, wie vorstehend geschehen, auf die eingetretene Verkehrsverschlechterung mit ihren Folgen hinzuweisen.
Besonders gedenken wollen wir hierbei der Kriegsbeschädigten, die zum Teil trotz schwerer Deinschäden wieder aufs Fahrrad klettern müssen.
Schließlich bitten die Unterzeichneten den Ausschuß des Gemeindeverbandes, Schritte unternehmen zu woUen, damit die Verkehrs» beschränkung beseitigt und die frühere Verbindungsmöglichkeit wieder hergestellt werde. Vom verkehrspolitischen Standpunkt aus beurteilt, darf Wohl erwartet werden, daß der Herstellung des früheren Zustandes keine Schwierigkeiten entgegengestellt werden können.
Sollte sich trotzdem diese Selbstverständlichkeit vielleicht aus uns unbekannten Gründen nicht erreichen lassen, dann bitten wir die Einführung von Abonnements für Omnibus und elektrische Bahn zum seitherigen Fahrpreis für
Grenzen keine starken Hemmungen mehr bedeuten. Daher auch das schwungvolle Tempo in der Entwicklung der Rachkriegsverhältnisse Afrikas. Rach einer soeben vom Völkerbünde herausgegebenen Denkschrift über „Weltproduktion und Welthandel" stieg seit 1913 der Anteil Afrikas an der Gesamterzeugung der wichtigsten Welthandelsgüter um 2 0 Proz., während derjenige Europas um 9 Proz. zurückging.
Diese rasche Verflechtung der afrikanischen Gütererzeugung in das Gesamtgewebe der Weltwirtschaft erflärt jedoch auch die wachsenden Gegensätze zwischen örtlichen Interessen und den von außen her eingreifenden Kräften und Mächten. An den industriellen Mittelpunkten, wo immer größere Massen schwarzer Arbeiter aus allen Teilen Afrikas zusammengefegt werden, marschieren moderne proletarische Organisationen, auf, während sich unzufriedene weiße Farmer, Kaufleute, Handwerker, Arbeiter usw. zu einer Fronde gegen die Kolonialbureaukratie, im besonderen ihre europäischen Zentralstellen zusammenschließen. Außer der Losung: „Afrika den 2Ifrifeine rn!“ gibt es heute, nicht nur in Südafrika, auch eine allgemeine Losung: „Afrika den Afrikandern!", b. h. den ansässigen Weißen Kolonisten.
3n Südafrika hat bei den letzten Wahlen dieses „Asrikandertum", das schon seit einigen Jahren am Ruder war, einen neuen entscheidenden Sieg erfochten. Und gerade diese südafrikanische Afrikanderfront ist es hauptsächlich, gegen die sich der von der Hilton-Voung-Kommission ausgebrütete Plan, eine Verwaltungszentrale für Englands „ostafrikanische Provinz" zu schaffen, richtet. Der britisch Kolonialimperialismus handelt nach dem Wahlspruch „Teile und herrsche!" Wenn ihm das Asrikandertum zu widerspenstig wird, nimmt er sich gern mal als Anwalt des Völkerbundes der Interessen der Eingeborenen an, und wenn diesen der Kamm schwillt, dann macht er irgendwelche Scheinkonzessionen gegenüber den Selbstverwaltungsbestrebungen weißer Frondeure. Es ist bezeichnend für die Gesamttendenz des britischen Kolonialimperialismus in Afrika, daß General Hertzog, der Sieger im südafrikanischen Wahlkampfe, seinem Rivalen, General S m u t s, vorwarf, er wolle „Südafrika mit den schwarzen Staaten des Rordens zusammen in einem großen Kaffernftaat aufgehen lassen." Die Hilton-Poung-Kommission bezeichnet es in ihrer Denkschrift über eine „engere Vereinigung der „Dependenzen" in Ost- und Zentralafrika" als das Zentralproblem für diese Gebiete, „eine Basis zu finden, auf welcher Weiße und Schwarze, sowie Asiaten, unter den Bedingungen raschen wirtschaftlichen Wandels und unter Sicherung angemessener Gelegenheiten für ihre politische Entwicklung zusammenleben könnten."Durch eine solche Verwaltungszentrale könnte die Londoner Regierung immer einen gewissen Druck auf örtliche „Afrikander"-Gruppen ausüben, indem fie gegen deren auf Aufrechterhaltung einer starren „Farbenschranke" gerichteten Bemühungen Rücksichten auf die Mandatspolitik des. Völkerbundes vorschützte. Zugleich liehe sich für Südafrika, dessen Unabhängigkeitsbestrebungen gewisse Züge mit denen der ehemaligen Sklavenstaaten in der Union gemeinsam haben, eine gefährliche isolierte Lage schaffen.
Alle diese Zusammenhänge lehren jedenfalls, daß die Mandatskommission des Völkerbundes kein archimedischer Punkt ist, von dem aus sich die panafrikanische Politik des britischen Kolonialimperialismus aus den Angeln heben liehe. Richt als ob die deutsche Außenpolitik irgendetwas unterlassen sollte, Taschenspielerkunststücke des britischen Kolonialimperialismus vor dem Forum des Völkerbundes nach Möglichkeit zu entlarven Die entscheidenden Wandlungen in Afrika vollziehen sich aber in einer Atmosphäre, auf die der Völkerbund
Jahren in derselben Amtsstube derselben Stadt über verhältnismäßig denselben Akten saß ... „der Kaffee von meinem Freund Birnbaum weckt einen toten Juden auf."
Peter beeilte sich zu trinken, obwohl ihm der Kaffee nicht besonders schmeckte. Denn nun würden sie ihn wohl gleich fragen, was er in der Fremde draußen alles gesehen hatte?
Aber der Vater, mit einem fast bedeutenden Feuerblick, sagte: „Du hast wohl gelesen, daß der Wein in der Gegend da heuer so gut wie vernichtet ist!" „Nein," sagte Peter artig teilnahmsvoll, „das habe ich nicht gelesen."
„Peronospora!" erklärte die Mutter mit plötzlich schwer bekümmerter Miene.
„Nicht Peronospora." Vater langte, genau zur selben Sekunde wie seit urdenklichen Zeiten, ... nämlich, nachdem er die dritte Tasse zur Hälfte leer- getrunfen hatte ... nach der Pfeife und nach dem Fidibusse. „Etwas viel Aergeres: Reblaus!"
„Richtig! Reblaus!"
„Dem Greghammer seine Weingärten", fuhr der Vater ernsthaft fort, „find vollkommen hin. Der Thanner roimmt höchstens sechzig Hekto, wo er früher das Zehnfache gewimmt hat. Und beim Riesthaler fchaut's auch bös aus!"
„Sie find alle miteinander ganz trostlos."
„Und wo man jetzt feinen Wein für den nächsten Winter herkriegen soll: Wie über einer verlorenen Schlacht, die Weltreiche umkrempelt, dampfte Vaters Pfeifenrauch. „Welschen trink ich keinen! Den ungarischen mag ich auch nicht. Der Dalmatiner ist ein trübes Gsüfs. Weiß wirklich nicht, was man machen soll."
„Die Heimerischen" ... eifrig beugte sich die Mutter über das blühweiße Tischtuch hinüber ... „wollen Bier trinken."
„Hör mir mit dem Biertrinken auf!"
„Nicht das vom Gartner in Blumau! Das Fin- kifche von Schrems."
Aber der Vater hott: sich schon, mit einem entschiedenen Ruck, zum Sohne gewendet, dem, ohne daß er es wußte, eine unwiderstehliche Trauer in der starrenttäuschten Brust aufwuchs. Das sah der Vater natürlich nicht. ..Der Peter ist ja in Amerika gewesen", sagte er, ganz und gar stolzer Vater. „Sie behaupten nämlich, amerikanische Reben seien immer gegen die Reblaus, und denken deshalb daran, die verseuchten Gärten zu roden und mit solchen amerikanischen Reben zu besetzen. Die Frage ist nur, ob die in unserer Erde überhaupt aufgehen, und wenn, ob fie bann unsere Trauben ansetzen, mit unserem Geschmack ober ..."
„Ich verstehe", sagte Peter heiser.
„Hast bu also nichts gehört, barüber?"
Nun! Das getraute er sich noch zustande zu bringen: von ben amerikanischen Reben, die er nie ge=
Die Angestellten stellen kein besonderes günstiges Risiko durch die zahlreichen älteren, stellenlosen De- rufsangehörigen dar. Trotzbem werden, wie die Erfahrung auf dem Krankenoersicherungsgebiet lehrt, die beruflichen Ersatzkassen durch ihre besondere Selbstverwaltung in der Lage sein, den beruflichen Eigenarten besser Rechnung zu tragen, als das in der allgemeinen Versicherung möglich ist. Der D.H.V. erwartet, daß von der bei der Schaffung der Arbeitslosenversicherung vorgesehenen Nachprüfung der Möglichkeit zur Schaffung von Ersatzkassen Gebrauch gemacht wird. Dadurch braucht keine ander« Berufsgruppe benachteiligt zu werden, da die allgemeinen Lasten in der Form von Ueberweisungen aus der Ersatzkasse an das Reich anteilig von der Ersatzkasse mitgetragen werden können..
Die geäußerten Bedenken, in einer Ersah- kasse wäre die Prüfung des Versicherungsfalles, des Arbeitswillens, der Arbeitsfähigkeit usw. nicht so gut möglich, wie in einer Einheitsklasse, sind nicht haltbar. Inzwischen hat die Vereinigung der deutschen Arbeitgeber - Verbände selbst vorgeschlagen, baß versicherungsfrei die Arbeitnehmer sein sollen, die einer mit Rechten einer ö f - f entliehen Körperschaft ausgestatteten Pensionskasse angehören, sofern der Arbeitgeber der Pensionskasie beigetreten ist usw. Damit entscheiden sich auch die Arbeitgeber grundsätzlich für die Ersatzkassen.
Die Kaufmannsgehilfen erwarten also von der Gesetzgebung Berücksichtigung ihrer berechtigten Forderungen in der Arbeitslosenversicherung, besondere die Möglichkeit durch Schaffung ei ner beruflichen Ersatzkassen eine bessere und billigere Versicherungseinrichtung für die Zeit der Arbeitslosigkeit schaffen zu können; sie lehnen eine Beitragserhöhung als untragbar ab,
Ersatzkaffen in -erArbeitslosenversicherung
Gegen eine Beitragserhöhung!
In einer Gauvorstandssitzung des Gaues Main-Weser im Deutschnationalen Handlungsgehilsen-Derband, die in Mainz stattfand, wurde nach eingehender Aussprache folgende Entschließung e i n ft i m m i g angenommen:
„Ein« Beitragserhöhung in der Arbeit s l o s e n v« r s i ch« r u n g ist für die Kaufmannsgehilfen nicht t r a g b a r.Di« Kaufmannsgehilfen tragen bei einem 3prozentiaen Beitrag in einem Maße zu ben allgemeinen Lasten bei, das nicht mehr überschritten werden darf. Von der Gesetzgebung muß erwartet werden, daß sie die Be- rufsnotwendigkeiten für die Kaufmannsgehilfen durch eine berufsmäßige Gliederu"ng der Arbeitslosenversicherung in E r- s a tz k a s s e n , mindestens für die Angestellten, anerkennt.
sehen hatte, auf Amerika zu kommen und von Amerika auf die Welt überhaupt. Endlich mußte die Bombe doch platzen! Er kam ja nicht von Klausen zurück, sondern um den Atlantischen. „.. .In Amerika ..." begann er, mit dem ganzen Gesicht erglühend, „... in Amerika ..." Aber weiter kam er nicht. Denn die alte Thres stand jetzt da. Mit allen Zeichen des jüngsten Gerichts stand sie da, den blauen Schürzenzipfel zwischen ben ringenden Händen, und stieß heulend hervor: „Wissen Sie ’s Neueste: Der Dechant ist gestorben!"
Wie geschleudert von ihren Sitzen fuhren die zwei Alten auf. „Was denn? An was denn? Wieso denn?"
„Die Neuhuber Katt . ..", es schüttelte die Thres wie im Fieberschauer, „ . hat's gebracht: heut in der Früh um dreiviertel fünfe. Er ist grad aufgeftande.n gewesen, auf dem Bctt gsessen, daß er sich die Strümpf anzieht ... "chlag! Schleimschlag!"
Steinerweichendes schluchzen!
„Das war wohl ein Gehirnschlag", stellte, vollkommen vernichtet, der Vater fest; er hielt die plötzlich weißgewordenen Hände zittrig über dem Schlafrock gefaltet.
„Der Dechant!" Es war gar keine Stimme mehr, mit der die Mutter zum Fenster hinausstöhnte. „Und gestern in der Sechsuyrandacht hat er noch so kräftig den Rosenkranz rgebetet."
„Er hat gestern auf d’ Nacht, sagt die Katt," ... in den platschnassen Schürzenzipfel hinein tobte die Thres, ... „ein Rindsbratt mit Kartoffelsalat gessen. Mit dem größten Appetit. Lina, hat er zur Häuserin gesagt, so gut geschmeckt wie heute hat's mir selten."
Das ganze Zimmer weinte ietzt!
Endlich, nach einer grabschweren Pause, sagte der Vater: „Das ist ein furchtbares Unglück für unsere Stadt."
„Und wer nachkommen wird!" schneuzte sich erschaudernd die Mutter.
„Er hat dich aus der Taufe gehoben!" Schmerzgebeugt legte der Vater die Hand auf Peters Schulter. „Ist dein erster Beichtvater gewesen!"
„Mein Gott! Wenn uns bang gewesen ist," klagte rettungslos gefangen die Mutter weiter, „wie du zurückkommen wirst, ob du nicht alles vergessen haben wirst, in schlechte Hände gekommen sein wirst, oder ob es dich nicht bitter reut, daß du weggegangen bist, daß du’s zu spät einsiehst, wie gut es zu Haus ist Papperpapapp, hat er immer getagt, der Peter hat einen guten Grund und durch Schaden wird man klug."
„Dreiundfünfzig Jahr!" Wie eine höllische Anklage gegen den Himmel hob sich bas verheulte Gesicht ber Thres aus dem Schürzenzipfel. „Und Leute, um die kein Schaden nit wär, wenn fie fterbeten, leben achtzig und neunzig."
Kleine Gtadt.
Von Albert Trentini.
Auf diesen Augenblick: wenn er nach dreijähriger Reise um die Welt und durch die Welt zum erstenmal wieder im alten Wohnzimmer im Vaterhaus zwischen den strahlenden Eltern beim Frühstück sitzen und ihnen mit Aug und Gesicht und Hand und Wort und srohatmender Brust die Welt zeigen würde, die er mitgebracht hatte und nie mehr verlieren konnte — auf diesen Augenblick hatte sich Peter schon vor drei Jahren in Holland, dann vor zwei Jahren in China, und seither in Sidney, in Buenos Aires, in San Franzisko und auf dm Azoren immer heißer gefreut. Donnerwetter! Sie mußten ja nicht nur mit zitternden Herzen auf diese Stunde warten, die ihnen bas einzige Kind roiedergab, sondern wie Segelboote auf ben Wind, ber sie endlich ins offene Meer treiben wird, mit jeder Fiber ihrer hungrigen Geister auf ben Hauch bes unerschöpflichen Lebens, bas er eingefangen hinter ber glückseligen Stirn trug.
Unb nun war ber Augenblick ba! Er war um sechs Uhr morgens auf dem Bahnhöfchen anaekommen. Der Vater hatte ihn erwartet; ber ewige Packträger Christian die Koffer aufgepackt; an der Haustür die ewige Köchin das zahnlose Maul grinsend aufgesperrt; oben, auf ber letzten Stufe ber Stiege, end- lich die Mutter uie Arme ausgebreitet. Und nun saß er zwischen den Eltern, die nicht nur strahlten, sondern wahrhaftig leuchteten, beim Frühstück. Der Vater war gar nicht gealtert. Die Mutter auch nicht. Das Kaffeegeschirr bas gleiche weiße mit ben schmalen Goldrändern, aus bem sie vor brei Jahren den Abschiedskaffee getrunken hatten. Alles über» uipt war unverändert. Es war geradezu lächerlich, denken, daß draußen, hinter den Bergen, die diese randvoll Häuschen um den spitzen Kirchturm herum ummauerten, die große Kugel sich in unausgesetzter Wandlung drehte, und hier, in dem altmodischen Zimmer, durch dessen Fenster diese Handvoll Häuser mit dem Kirchturm und den Bergen vollkommen gleichgeblieben hereinschaute, ber Oelbruck ber Lo- fotenlanbschaft ganz genau wie vor brei und vor zehn und vor zwanzig Jahren über Vaters Pfeifen hing! Und nun würden sie ihn in diesen zeitlosen vier Wänben ba fragen, wie es braußen in ber Welt zuging?
Aber bie Mutter sagte überselig: „Trink noch eine Tasse, Peter. So einen Kaffee haft bu lange nicht mehr gehabt!"
„Ja, ba kann man sagen, was man will", gab ber Vater bazu ... er war immer noch ein schöner Mann, bie sorgsam gesteckte Plastronkrawatte, bie etwas roten, aber rücksichtslos geputzten Hände, bie ganz oben ein bißchen gebeugte Gestalt zeigten unfehlbar immer noch an, baß er feit breiunbbreifjig
Mische MndalspoM.
Von Otto Corbach, Äerlin.
Es war vorauszusehen, daß der britische Ko- lonialimperialismus die verfolgte 11 nschuld spielen würde, als der deutsche Außenminister Strese- marm eine Zusammenlegung des ehemaligen deutschen Schutzgebietes Ostafrika, des heutigen Mandatsgebietes Tanganhika, mit verschiedenen unmittelbaren Be- sitzunaen des brittschen Kolonialamtes z u e i n e r Art ostafrikanischem .Dominion tm Reichstage für unvereinbar mit dem Mandatcharakter Tanganhikas erklärt hatte. Die Londoner .Times" finden die Verpflichtungen Englands gegenüber dem Völkerbunde im Bericht der Hilton-Voung-Kommission .vollkommen berücksichtigt". Dieser komme zu dem Schluß, „daß dem Lose der Eingeborenen und dem allgemeinen Wohlstand der ostafrikanischen Provinz besser gedient wäre, wenn irgendwelche Maßnahmen für eine administrative Vereinheitlichung angewandt würden". Dabei handelt es sich bekanntlich um die Schaffung einer Verwaltungszentrale für Uganda, Kenya, Tanganhika, Zansibar, Rhassaland und Rord- Rhvdesia. Das sei, so betonen die .Times", schon in dem Artikel 10 des Tanganhika-Sta- tuts vorgesehen.
Wundern kann sich über diese sophistische Ausflucht nur, wer die Kultur-Mission der Mandatskommission des Völkerbundes im Sinne einer internationalen Ueberwachung bestimmter kolonialer Gebiete, im besonderen ehemaliger deutscher Kolonien, ernst nimmt. Wie der Völkerbund überhaupt für den britischen Imperialismus nur ein den Rachkriegsverhältnissen angemessenes Machtinstrument bedeutet, so auch die Mandatskommission im besonderen für den britischen Kolonialimperialismus. Man täuscht sich bafjer auch auf deutscher Seite, wenn man annimmt, der Vorschlag der Hilton-Voung- Kommission ziele lediglich darauf ab, ein Mandatsgebiet in unbeschränktes britisches koloniales Territorium zu verwandeln. Brittsche Kolonialpolitiker können sogar mit einem gewissen Schein der Berechtigung behaupten, daß es gälte, echten und reinen englischen Kolonien in Ostafrika die Segnungen einer Kontrolle durch die Mandatskommission des Völkerbundes teilhafttg werden zu lassen. Und in der Tat lehnen sich die Hauptwidersacher des Hilton-Voungschen Vorschlages im brittschen Lager, vor aNem die Farmerschaft Kenyas, gegen jede Interessengemeinschaft mit Tanganhika auf, weil fie fürchten, daß ihre selbstherrliche Eingeborenenpolittk durch Völker bundseinflüsse beeinträchtigt werden könnte. .
Hm zu verstehen, was in Wirklichkeit vor sich geht, mutz man vor allem aufhören, afrikanische Angelegenheiten unter rein regionalen Gesichtspunkten zu betrachten. Die verschiedenen kolonialen Gebiete AHnkas führen nicht mehr wie vor dem Weltkriege ein Sonderleben in fast völliger Abgeschlossenheit voneinander. Während trotz alles Geflunkers paneuropäischer Schwärmer die polittsche Wirklichkeit Europas heute zerklüfteter ist als je, kann man mit einer gewissen Berechtigung von einer panafrikanischen Rachkrie^entwicklung sprechen. Das geht soweit, dah selbst die schüchternen Anfänge paneuropäischer Politik nirgends kräftiger Wurzel schlagen, als auf dem Gebiete afrikanischer Kolonialpolitik. Polittsche Grenzen spielen kaum mehr eine Roll«. Menschen und Güter werden ziemlich frei ausgetauscht. Reue Dahnen werden vorwiegend nach panafrikanischen planwirtschaftlichen Gesichtspunkten gebaut. AlF kämpfende Parteien stehen sich nicht Kolonialverwaltungen, sondern Finanzgruppen gegenüber mit panafrikanischen Fronten, für die polittsche


