Ausgabe 
4.6.1929
 
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nis auch für die Organisation eines Menschen­staates nutzbringend verwertet werden kann. Wer ferner mit der Tätigkeit seiner Organe vertraut ist, wird zu einer rationellen Lebensweise gelangen und mit einem Minimum von Nahrungsmitteln und Kraftaufwand ein Maximum von Leistungen erzielen. Er wird weiterhin, wenn ihm die nor­malen Lebensvorgänge bekannt sind, die krank­haften Abweichungen um so früher erkennen und um so erfolgreicher bekämpfen können: wieviel Sammer und Elend kann so der Menschheit er­spart bleiben.

Die Gefahr, es möchte der Mensch bei der Be­schäftigung mit dem Menschlichen, oft allzu Menschlichen in krassen Realismus verfallen, be­steht in Wahrheit nicht. Wer tiefer in die Natur und besonders in die belebte blickt und die Wunder sieht, dem muh sich der Glaube an ein höheres Geschehen geradezu aufdrängen. Wohl aber besteht eine Gefahr dann, wenn der mit den Lebensvorgängen etwas vertraute Laie glaubt, nun sein eigener Arzt fein zu können: nur jahrelanges eingehendes Studium und vielseitige Erfahrung befähigen dazu, den so schweren und verantwortungsreichen Beruf des Arztes auszu­üben.

Die Beschäftigung mit den Lebensvorgängen des Menschen soll aber schliehlich auch das Ziel haben, Mittel und Wege für die Weiter-, die Höherentwicklung des Menschengeschlechts zu fin­den, aus dem Menschen den Hebermenschen im guten Sinn des Wortes zu machen, denn nicht nur fortpflanzen soll sich der Mensch, sondern auch hinaufpflanzen.

Mögen alle diese guten Wirkungen von dieser Ausstellung ausgehen, das ist der herzliche Wunsch von Universität und Medizinischer Fakultät.

Medizinalrat Or. Außer

als nächster Redner führte nach Dankesworten an das Deutsche Hygienemuseum und den Volkshalle­verein für die Herrichtung dieser Ausstellung in Gießen u. a. aus: Wenn es auch in den letzten Jah­ren zweifellos aufwärts gegangen ist mit der deut­schen Volksgesundheit, so bleibt doch hier noch viel zu bessern und zu streben übrig. Man stelle sich nur vor, daß im Deutschen Reich jährlich rund 160 000 Menschen an ansteckenden Krankheiten sterben, und daß die Tuberkulose allein rund 60 000 Opfer for­dert. Für Krebs und bösartige Neubildungen be­trägt die Zahl der Todesfälle gar 65 000, und es hat den Anschein, daß diese Krankheiten in den letz­ten Jahren zugenommen haben. Bedenklich hoch ist die Sterblichkeit der Säuglinge: zwar haben hier, wenn man Vergleiche zieht mit den Verhältnissen vor 20 und 30 Jahren, Forschung, Fürsorgetätig­keit, Aufklärung und Belehrung erhebliche Fort­schritte gezeitigt, so daß zur Zeit im Deutschen Reich nicht mehr 15 bis 20 v. H. der Lebendgeborenen im ersten Lebensjahr hinsterben, sondern durchschnitt­lich 10. Aber auch diese Ziffer muß noch als viel zu hoch erscheinen, wenn wir sehen, daß z. B. die skandinavischen Länder nur 6 bis 7 v. H. Säug­lingssterblichkeit haben, und ganz besonders dann, wenn wir uns den Ernst dieser Sache im Hinblick guf den erschreckenden Geburtenrückgang in Deutschland klarmachen. Andeuten will ich nur noch, was Alkoholismus und Geschlechtskrankheiten dn Krankheitsclend und Siechtum, sozialer Not und wirtschaftlicher Bedrängnis unserem Volke zufügen.

Mit aller Kraft arbeitet die soziale Fürsorge Durch die Versicherungsträger und die kommunalen Fürsorgeorganisationen im Kampf gegen soviel Feinde unserer Volkskraft und Gesundheit. Ihr muß aber die hygienische Volksbelehrung zur Seite tre­ten, weil von diesem Elend vieles auf Unkenntnis der Ursachen beruht, manches auf ungeeigneter Le­bensweise, auf leidenschaftlicher Genußsucht, auf schädlichen Gewohnheiten in Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Wohnen, Arbeit, Ruhe und Er­holung, auf Aberglaube und kurpfuscherischem Halbwissen oder Nichtswissen, auch auf falschen Vorstellungen von den Grenzen der Leistungsfähig-

Wettlauf um Minor.

Roman von Genta Neckel.

Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6.

13 Fortsetzung Nachdruck verboten.

Smith griff nach dem Hut und ging. Er biß sich auf die Zunge vor Wut, Erniedrigung und Elend. Er haßte Weekly, er haßte ihn so sehr, daß er das Blut auf der Zunge spürte. Aber schuld an allem hatte diese Ellinor. Nun, deren Stunde würde noch kommen I Langsam, wie ein alter Mann ging er die Treppe herunter. Ver­wundert schaute ihn der Portier an.

3n wenigen Minuten hatte sich im Berlags- haus die Kunde verbreitet:

Jules Smith ist geflogen!"

XHI.

Chung Li schloß die Haustür der kleinen Billa sorgfältig ab. Er überzählte noch einmal alle Schlüssel und verglich sie mit seiner Liste.

Er nickte zufrieden. Sein Dienst war beendet. Ellinor hatte gestern das Haus verlassen und hatte sich ein anderes Quartier gesucht. Sie fühlte sich seit ihrer Begegnung mit Jules Smith nicht mehr sicher, sie wollte ganz woanders hin. Keiner sollte wissen, wo, selbst Chung Li durfte sie nicht begleiten. Ellinor hatte den Plan gefaßt, in dem unendlichen Heer der Angestellten und Arbeiter unterzutauchen, einmal das Leben derer zu führen, die morgens in aller Frühe aufstehen, um zur Arbeit zu gehen.

Ellinor hatte nur einen kleinen Koffer mitge­nommen, ein paar einfache Kleidchen, etwas Wäsch«, ein bißchen bares Geld.

Noch hatte sie vierzehn Tage Zeit, bis die Frist des Preisausschreibens abgelaufen war, und Ellinor hatte sich vorgenommen, sich nicht einen Tag früher finden zu lassen. Aber deshalb mußte die Umgebung gewechselt werden. Man wußte nun in Neuyork, daß sie unnachahmlich einen Frack tragen konnte, aber ob sie als das verwöhnte Millionärskind sich in die einfachsten Verhältnisse schicken konnte, das war noch nicht erprobt. Wahrscheinlich würde man sie auch in dieser Gegend Neuhorks nicht suchen.

Ellinor bewohnte ein kleines Zimmer bei Mrs. Buttler in der 118. Street draußen in Hoboken. Mrs. Buttler hatte ein Boardinghaus, so wie es Tausende von Frauen in Neuyork be­sitzen. 3n dem Treppenhaus roch es immer nach Kohl und schalem Bier. Wenn die Hochbahnzüge in unmittelbarer Nähe vorübersausten, dann zit­terten die dünnen Wände.

Als Ellinor am ersten Abend in ihrem kleinen schmalen Bett lag und zu den Moderflecken an

keit des Körpers, sei es, daß diese aus Aengstlichkeit unterschätzt oder daß, z. B. aus sportlichem Ehrgeiz, übertriebene Anforderungen an sie gestellt werden. Vermittelt aber wird die Belehrung am besten durch die An s ch a u u n g, zu der das erläuternde Wort, sei es in Schrift, fei es gesprochen, hinzukommen mag.

Von solchen Gedanken ist Karl August L i n g- ner in Dresden ausgegangen, als er dort im Jahre 1911 die Internationale Hygieneausstel­lung ins Leben rief. Er war ihr Schöpfer. Seine Gedanken waren grundlegend, seine geniale orga­nisatorische und technisch-erfinderische Begabung sicherten das Gelingen. In seinem warmherzigen Streben für die Volksgesundheit suchte er nach dem besten Mittel für die Volksbelehrung und entschied sich für eine Ausstellung. Neu an der Ausstellung war, daß sie nicht, wie andere Aus­stellungen, einen repräsentativ wirtschaftlichen Charakter hatte, oder Handels- und gewerblichen oder ähnlichen Interessen gewidmet war, sondern daß sie nur der Belehrung dienen sollte, und zwar der Belehrung für jedermann.

Von jener Ausstellung, in Sonderheit von ihrem monumentalen MittelstückDer Mensch" mit dem klassisch anmutenden Wort über dem EingangKein Neichkum gleicht dir, o Gesund­heit" führt eine gerade Linie zu dem, was jetzt in dieser Ausstellung in Gießen geboten werden soll. Heber den Stoff will ich mich nicht im einzelnen verbreiten. Die Ausstellung will beschaut sein und dabei spricht fie am besten für sich selbst. Nur über die Anordnung und Einteilung sei bemerkt, daß auf der Seite nach der Stadt zu die Abteilung der gesunde Mensch sich befindet, in der Mitte werden die Krankheiten gezeigt, und an der Längsseite nach dem Trieb zu sind die Gegenstände aufgestellt, die die Gesundheitspflege behandeln.

Wenn ich eine Ditte aussprechen darf, so ist es die, Sie möchten jeder in seinem Kreise für den Besuch der Ausstellung werben, denn nie­mand, der für das Volkswohl guten Willens ist, wird sie ohne Gewinn, auch für die eigene Person, verlassen. Insbesondere möge ein reger Besuch von den Schulen aus Stadt und Land veranstaltet

werden, die Anhänger jeglicher Art von Leibes­übungen werden auf ihre Rechnung kommen, dem geistigen wie dem körperlichen Arbeiter wird Anregung und Belehrung geboten zur Erkenntnis und Vermeidung der Schäden, die der Gesund­heit von seinem Tagewerk drohen, und er sieht Mittel und Wege gewiesen, wie er seine Freizeit zum Ausgleich solcher Schäden verwenden fann; der Detriebsuntemehmer bekommt Einblick in die Notwendigkeit des Gesundheitsschutzes seiner Arbeitnehmer und in die Möglichkeiten, durch Verhütung von Schäden die Leistungsfähigkeit der Belegschaft zu steigern.

Gesundheit ist nicht das höchste Lebensgut, und nicht einmal durchaus Voraussetzung für das Lebens glück. Auch Kranke und Schwache, ja Krüppelhafte, sollen sich glücklich fühlen dürfen im Besitze dessen, was unversehrt an ihrem Leibe geblieben ist. Aber Gesundheit ist nötig zum Lebenskampf, für den einzelnen Menschen und besonders für das ganse Volk. Hnb mehr als je muß das deutsche Volk heute nach gesundheitlicher Ertüchtigung streben. Zu einer Zeit, in der die Folgen des Verlustes des Weltkrieges auf uns lasten, in der zwar längst die Waffen ruhen, wir es aber täglich neu er­leben, daß unsere Feinde uns nicht zu Atem kommen lassen wollen, müssen wir als Volk jede Möglichkeit ausschöpfen, unsere gesundheit­liche Kraft an Leib und Seele zu stählen, wenn wir befähigt bleiben wollen, mit äußerster Wil­lensanstrengung die schwere Arbeit zu voll­bringen, die nötig ist, um die lichte Hohe des Wiederaufstiegs zu Freiheit und Weltgeltung zu erklimmen, die wir alle ersehnen, weil sie uns gehören.

Ein Rundgang durch die Ausstellung unter der Führung von Obermedizinalrat Dr. Z i n ß e r folgte der Eröffnungsfeier. Mit großem Interesse wurden dabei die vielseitigen und lehr­reichen Ausstellungsgegenstände besichtigt, und mit Aufmerksamkeit lauschte man den fachlichen und dankenswerten Erklärungen des Führers.

Die Ausstellung fei der Bevölkerung von Stadt und Land zu regem Besuche empfohlen.

Turnen, Sport und Spiel.

WdÄÄ-uWmd-SchoNlmd

Der Fußball-Länderkampf Deutsch­land Schottland am Samstag im Deut­schen Stadion in Grünewald bei Berlin endete unentschieden 1:1, nachdem bis zur Pause noch kein Tor gefallen war. Nach dem Seitenwechsel schoß in der vierten Minute der Rechtsaußen Ruch das erste Tor für Deutschland, jedoch konn­ten die Gäste bald daraus wieder gleichziehen, als Mac C r a e nach einem Freistoß das Leder ins deutsche Tor köpfte. Beide Mannschaften versuchten bis zum Schluß noch das entscheidende Tor zu erzielen, es blieb jedoch bei einem Re­sultat 1:1.

Westdeutschland noch ohne Kußball-Meister.

Schalke 04 und Meidericher Spielverein Vertreter.

In Westdeutschland wurde am Sonntag die Runde der Vier" abgeschlossen. Das letzte Spiel des Favoriten Schalke 04 brachte eine Heber- raschung, da sich der Ruhrbezirksmeister vom Meide richer Spv. 2:4 (0:2) schlagen ließ. Schalke hätte ein Punkt genügt, um Meister zu werden. Nun stehen M e i d e r i ch und Schalke 0 4 mit je 4:2 Punkten gleich, ein besonderes Entscheidungsspiel um die Westdeutsche Fußball­meisterschaft zwischen den beiden Mannschaften ist notwendig geworden. Immerhin können aber

beide schon als Vertreter des Westdeutschen Spielverbandes genannt werden. Den dritten Platz der Tabelle besetzte Fortuna Düssel­dorf, die in M.-Gladbach gegen Borussia M. -Gladbach in einem 0:0°Spiel einen Punkt herausholte. Die Düsseldorfer müssen nun gegen den Gewinner der Trostrunde zum Entschei­dungsspiel um die dritte westdeutsche Vertreter- steile antreten. Diesmal qualifizierten sich die KurhessenKassel durch einen 3:1-Sieg über Arminia Bielefeld für das Endspiel, bei dem sie am nächsten Sonntag mit Schwarz- Weiß Essen zusammentreffen.

Süddeutsche Fußballmeisterschaft

Spieldereinigung Fürth

Süddeutschlands 3. Vertreter.

2m Entscheidungsspiel um den dritten Platz in der Süddeutschen Fußball-Meisterschaft gelang es am letzten Sonntag der Spielvereinigung Fürth im Frankfurter Stadion, den Fußball- Sport-Verein Frankfurt mit 2:0 (0:0) zu schlagen. Das auf technisch besonders hoher Stufe stehende Spiel sah die Fürther bereits in der ersten Halbzeit im Vorteil, doch vermochten sie ihre Heberlegenheit nicht zahlenmäßig aus­zudrücken. Nach der Pause fiel dann durch den Linksaußen Kießling in der 3. Minute das erste Tor, dem später Frank den zweiten Erfolg anreihen konnte. Die schnelle und gute Hinter­mannschaft der Fürther vermochte dieses Ergebnis

der Decke heraufstarrte, da kam ihr zum ersten- mal im Geben der Gedanke, daß es eigentlich auch andere Menschen auf der Welt gäbe, als die, die sie bis jetzt kennengelernt hatte, Men­schen, die um das tägliche Brot arbeiteten. Früher hatte sie immer gedacht, der Ausdruckum das tägliche Brot arbeiten, käm nur in Romanen vor. Jetzt auf einmal war sie mitten drin in dieser Atmosphäre.

Mrs. Buttler hatte sich nicht im Geringsten gewundert, als Ellinor ohne irgendeine An­meldung gekommen war, nur mit einem kleinen Koffer, um ein Zimmer zu mieten. Was ging es sie an, wer das Mädchen war. Wenn sie ihre Miete pünktlich bezahlte und auch sonst ordent­lich war, dann konnte bei ihr wohnen, wer wollte. Haben Sie denn eine Stellung, Fräulein?" hatte sie gefragt, als Ellinor ihren kleinen Koffer aus­packte. Sie ließ sich gnädig zu einem Gespräch herab, weil Ellinor die Miete für eine ganze Woche im Voraus bezahlt hatte, was sonst fast nie vorkam.

Warum denn eine Stellung?" fragte Ellinor verwundert, dann aber fiel ihr ein, daß sie ja jetzt nicht die Tochter des Zeitungskönigs Mac Stanley sei, sondern irgendeine kleine Ange­stellte.

Ja, ich habe noch keine Stellung, aber ich soll eine bekommen, in einem Modesalon!"

Ihr fiel im Moment nichts anderes ein.

Aber Mrs. Buttler war nicht weiter neu­gierig. Die Einzelschicksale ihrer Pensionäre in­teressierten sie nicht.

Wann wollen Sie denn morgen geweckt wer­den?" fragte sie im Hinausgehen.

Ach bitte, um ein halb zehn!"

Ach so, weil Sie noch keine Stellung haben, spielen Sie die feine Dame und schlafen bis in die Puppen? Nun ja, ich kann es verstehen, für unfereinen ist der Schlaf sogar ein Geschenk, denn wenn Sie erst eine Stellung haben, dann müssen Sie ja auch immer schon früh heraus."

Ja, ja, natürlich!" -

Cs ist nicht so einfach, sich in meine Rolle zu finden, dachte Ellinor.

Zum erstenmal in ihrem Geben fuhr Ellinor in der Hintergrund, zum erstenmal in ihrem Ge­ben sie mittags in den Freilunchstuben, zum erstenmal in ihrem Geben wußte sie, was es heißt: die Zeit kostet Geld.

Sie wußte, daß sechs Hhr abends die kost­barste Zeit des Tages war, weil da die Bureaus schlossen. Sie wußte, wenn die Sonne hinter Ho- boken rot leuchtete, dann war der Abend da, dann war es Feiertag!

Dann klappten die Kästen über den Schreib­maschinen, die Rollpulte schließen sich, Gifts fahren leer in die Hohe und sammeln in allen Etagen die Leute, die ins Freie streben. Gaben» und bureaumüöe Gesichter quetschen sich In die

Trambahn, langsam ebbt der Verkehr im Zen­trumsgebiet ab und ergießt sich in die Vor­städte.

Ellinor lernt das arbeitende, werktätige Neu­york kennen. Sie ging durch die Straßen, die dunkel und stickig von Ruß waren. Sie lernte Mrs. Buttlers Speisen essen,, die alle gleich schmeckten, die immer dieselben Saucen hatten. Täglich sagte sie fich, du kannst ja jederzeit zurück in dein altes Geben, und doch blieb sie in dem Haus, das nach Kohl und nach schalem Bier roch.

Auch in den östlichen Straßen von Hoboken hingen die Plalate mit der Aufschrift: Wo ist Ellinor? Hunderttausend Dollar für Ellinor! Aber niemand schien hier daraus zu achten.

Neben Ellinor wohnte Jimmy. Jimmy war achtzehn Jahre alt und war Statist bei einem kleinen Vorstadttheater, die es zu Hunderten in Neuyork gibt.

Jimmy hatte immer Hunger. Er nahm mit seligem Gächeln Cllinors Teller entgegen, wenn sie ihre Speisen nicht mehr aufessen konnte.

Jimmys Traum war, einmal nach Hollywood als Filmschauspieler zu kommen. Aber er glaubte nicht so recht daran, denn dazu gehörte Geld, und wie sollte man heutzutage so schnell Geld ver­dienen und sparen, wo alles so erbärmlich teuer war.

Gehen Sie," pflegte er zu sagen,man müßte ein paar tausend Dollar haben, nur so viel, daß man sich anständig kleiden kann und den Fahr­preis für den Expreß bezahlen kann, dann ist man ein gemachter Mann! Aber so viel Geld wird man nie haben!"

Vielleicht doch, man muß nur die Augen aufmachen! Man kann gar nicht wissen, vielleicht steht auf einmal irgend jemand neben einem, der feine 100 000 Dollar wert ist, ohne, daß man es weiß!"

Ach nee," lachte Jimmy dann,nee, an so etwas glaub ich nicht!"

Niemand wußte, wo Ellinor war. Die tollsten Gerüchte gingen um. Nun war nur noch eine Woche Zett, Dann war die Frist abgelaufen und die 100 000 Dollar zum Teufel!

Das durfte unter feinen Hmständen fein. Man sprach alle möglichen Vermutungen aus. Die einen behaupteten, Ellinor sei gar nicht mehr in Neuyork, vielleicht kreuze sie irgendwo mit ihrer Dacht auf dem Meer, so daß man sie nicht fin­den konnte. Andere schimpften auf die Cvening Revicw und hielten alles für einen Trick, ja fie gingen sogar so weit zu sagen, daß Ellinor in Wirklichkeit gar nicht existiere und daß man sie am Narrenseil herumführe.

Aber Ellinor kümmerte sich nicht um die Ge­rüchte, sie kümmerte sich nicht um zufriedene oder unzufriedene Geute. Leden Morgen sprach

gegen zahlreiche Angriffe der Frankfurter bi- zum Schluß zu halten.

Im letzten Meisterschaftsspiel mußte sich D. f. G. Neckarau von Bayern (M ü n ch e n) mit 1:2 (0:0) geschlagen bekennen, trotzdem Bayern mit Ersatz für Pöttinger und Heidkamp antraten.

V. f. B.

D. f. B. hat Das Treffen gegen die Spieloereini­gung trotz stärkster Aufstellung und Des Vorteils, auf eigenem Platz zu spielen, verloren, obwohl man mit einem Sieg Der Platzmannschaft gerechnet hatte. Der Sieg war insofern verDient, als er mit einem bcrounDcrnsroerten Elan und zäher Energie im wahren Sinne Des Wortes erkämpft rourDe. Trotz Des wenig einlaDenDen Wetters hatten sich rund 1000 Zuschauer eingcfunDen. lieber Den Spielver­lauf ist zu sagen: Anfangs ist 23. f. B., Den Wind im Rücken, im Vorteil unD beDrängt einige Zeit Das ©äftetor. 1900 gestaltet Das Spiel balD offener und versucht in Durchbruchartigen Angriffen sein Heil, ohne zum Erfolg zu kommen. Der viel zu weiche Sturm Der Platzelf hat eine ganze Anzahl von Tor­gelegenheiten, Die aber sämtlich vergeben werben. Etwa in Der Mitte Der ersten Spielhälfte geht Sp. Vgg. überraschenD in Führung. Der (Saftgeber forciert Das Tempo unD kämpft um Den Ausgleich, läßt aber Dabei Die nötige Ruhe unD Uebertegung fehlen unD bringt sich Damit um Den Erfolg. Bis zur Pause hat 23. f. B. etwas mehr vom Spiel, ver­paßt Dabei aber alle sich ihm bietenDen Chancen. Nicht unerwähnt soll allerDings bleiben, Daß Der 1900er Tormann ein kaum zu überroinDenDes Hin- Dcrnis war. Nach Dem Wechsel vorerst Dasselbe BilD. BalD jeDoch kommt Sp. Vgg. mehr auf unD versucht unter. Aufbietung aller Kraft Das Resultat noch zu erhöhen, was ihm auch nach einiger Zeit gelingt 23. f. 23. kämpft stark um Verbesserung Des Resul­tats, hat Dabei aber sehr viel Pech unD ist, beson- Ders Der Sturm, in Der Ausführung feiner Aktionen viel zu unbefonnen und nervös. Bis zum Schlußpfiff Des Schiedsrichters WingenfelD (FulDa), Der eine ganz vorzügliche Leistung bot, unD Das ruhige unD Durchweg faire Treffen korrekt leitete, änDerU sich nichts mehr an Dem Resultat, so Daß Sp. Vgg. mit 2:0 Sieger blieb unD Damit nach fünf Jahren unD sieben Niederlagen Den ersten Sieg roieDer übet; Den Lokalgegner errang.

Die 3. Mannschaft beteiligte sich an den Po­kalspielen Des F. C. Großen-Buseck unD gewann Durch ihre beiDen Siege über Leihgestern I (2:1) unD Dreihausen bei Marburg II (1:0) Den Pokal Der 8-Klasse.

Die Alte-Herren-Elf hatte sich die gleiche Lichs nach hier verpflichtet und fertigte diese mit 6:1 ab.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

ö. Die Gigareferven unterlagen gegen Wom­melshausen auf eigenem Platze 1:2. Die mangel­haften Leistungen der Stürmer trugen die Haupt­schuld an dieser Niederlage. Ein Hnentschieden hätte eher dem Spielverlauf entsprochen. Aus­gesprochenes Pech verfolgte die 1900er, als det böige Wind einen haltbaren Ball zum Sieges­treffer der Gäste werden ließ.

Die erste Jugend konnte das Propagandafpiel in Gladenbach anläßlich des zehnjährigen Stif­tungsfestes des dortigen Vereins mit 4:1 über­legen siegreich gestalten, obwohl drei der Besten bei den Gießenern fehlten.

Die zweite Jugend verlor durch schlechte Lei­stungen das Rückspiel gegen Werdorfs erste Jugend 0:1.

Hmgekehrt konnte die dritte Jugend ihren Gegner, Nieder-Ohmens erste Jugend, 1:0 ab­artigen.

Eine recht schwache Vertretung der ersten Schülerelf 1900s konnte gegen eine aus Jugend und Schülern kombinierte Mannschaft Heuchel­heims in Heuchelheim ein beachtenswertes Hn­entschieden (1:1) erzielen.

sie auf einer Geheimleitung mit ihrem Vater. Diese Gespräche amüsierten ganz Neuyork, dtznn sie wurden selbstverständlich veröffentlicht.

Guten Morgen Pa, wie geht es dir? Mir geht es ausgezeichnet, rauchst du auch nicht zu viel?" . . . und ähnliche Dinge mehr.

Jimmy hatte sich in Ellinor verliebt. Er sparte sich von seinen paar Dollars ab, was er nur konnte und lud Ellinor dann in ein Kino ein.

Ellinor lachte sich tot über die kleinen Dorstadt­kinos, in denen man nur rührende (Sentimental* stücke spielte. Sie saß neben schwitzenden Dienst­mädchen, die vor Rührung tropften, wenn das arme Bureaumädel seinen Grafen heiratet. Sie fand die Menschen wundervoll unkompliziert und beneidenswert zufrieden.

Ich mochte Sie so gern mal in ein große- Theater führen, Sie würden staunen, wieviel schone und elegante Menschen es da gibt, wirklich, man glaubt es nicht, wenn man es nicht schon einmal gesehen hat," pflegte Jimmy meistens zu sagen, wenn er Ellinor vorsichtig durch die dunk­len Straßen zu Mrs. Buttlers Logierhaus zu­rückbrachte.

Sie werden es noch einmal sehen," tröstete Ellinor Dann.Sie müssen nur an das große Wunder glauben, daß zu jedem einmal kommt."

Aber Jimmy pfiff dann nur immer den schonen Schlager:

Ich glaub' nicht an das große Wunder, trallala.

Von dem man immer spricht.

In Wirklichkeit ist alles anders, trallala.

Hnd Wunder gibt es nicht!"

Haben Sie übrigens schon mal so eingroße- Wunder" kennengelernt, Miß Betty?"

Ellinor nannte sich nach dem Paß, den sie dem Erpresser für 3000 Dollar abgekauft hatte: Betty Glynn.

Ob ich schon mal das große Wunder kennen­gelernt habe, kleiner Jimmy? Ja, ich habe das schönste und größte Wunder kennengelernt," sagte Ellinor, sie dachte an ihre erste Begegnung mit George Wellton. Das war ein Wunder gewesen, ein unglaublich schönes Wunder!

Ach nee, Miß Betty, erzählen Sie doch mal, baö finde ich ja rasend interessant!"

Rein, Jimmy, da gibt es nichts zu erzählen, das ist eine Sache mit viel Liebe und lauter solchen Sachen, von denen Sie noch nichts wissen dürfen!"

Jimmy tat gekränkt.

Ich dachte, Sie liebten mich, und nun erzählen Sie mir auf einmal, daß Sie einen anderen lieben, das ist doch haarsträubend! Hat er denn wenigstens was, und ist er was? Warum ist et denn noch nie in Erscheinung getreten?

(Fortsetzung folgt)