darüber war aus den Verlautbarungen britischer Regierungskreise schwer Authentisches zu entnehmen, während man in Paris natürlich keine Gelegenheit oorübergehen ließ, England auf diesen Verzicht festzunogeln.
Einen neuen Anstoß bekam die Abrüstunasfrage durch den Präsidentenwechsel in Amerika. Bald nach den amerikanischen Wahlen haben offenbar in Paris vertraulicl)e Besprechungen statt- gesunden, deren Motor der soeben verstorbene anie- rikanische Botschafter in Paris, Myron T. H e r r i ck war, der „treueste Freund Frankreichs", wie ihm Poincarö an seinem Sarge bescheinigen konnte. Präsident Hoover wünscht nach den häufigen ernsten Konflikten der letzten Jahre das Verhältnis zu England von Grund auf zu bereinigen. Er denkt dabei anscheinend an eine Art Locarnopakt der beiden angelsächsischen Seemächte, der neben der Flottenfrage auch die beiderseitigen, bisher allzuoft sich widerstreitenden Interessen in Sowjetrußlond, in China, in Südamerika umfassen würde. Die Rolle des Vermittlers hatte Herrick Frankreich zugedacht und man ist in Paris wenigstens in der Flottenfrage anscheinend schon zu einem für alle drei Mächte akzeptablem Kompromiß gekommen, das mit der Zustimmung Englands und nun auch Amerika s zu einer Beschränkung der Rüstungsverminde- rung auf die stehenden Heere unter Beiseitelassung der ausgebildeten Reserven Frankreichs Militärherrschaft in Europa stabilisiert. Frankreich wird sich seinerseits vermutlich im Voraus mit jeder Ueberein- kunst einverstanden erklärt haben, die die beiden Seemächte über die Beschränkung der Flotten treffen werden. Auch in diesem Punkt hat Amerika sich zu Konzessionen bereit gefunden. Es verzichtet darauf, die einzelnen Schiffskategorien spezialisiert nach Zahl und Tonnage festzulegen, statt dessen soll ein kombinierter Generalnenner gefunden werden, der flotten von grundverschiedener Zusammensetzung auf eine und dieselbe rechnerische Ebene bringt, ein Index, der neben der Tonnage auch das Alter der Schiffe und die Art ihrer Bestückung in sich faßt. Auch die Zahl der Flottenstationen und die der be- wafsnungsfähigen Handelsdampfer (Hilfskreuzer nannte man |ie im Kriege) sollen berücksichtigt werden. Mit den ersten drei Faktoren könnte England einverstanden sein, sie würden zugunsten der britischen Kreuzerflotte ins Gewicht fallen, anders allerdings die beiden letzteren, auf die gerade England mit Rücksicht auf den Schutz der Verbindungswege des sich über alle fünf Erdteile ausdehnenden britischen Weltreiches besonderen Wert legen muß. Ob man auch über diese Fragen zwischen Amerika und England hinter den Kulissen schon ganz ins reine gekommen ist, ist nicht klar ersichtlich, jedenfalls sind doch aber die Verhandlungen soweit gediehen, daß man es sich gestatten konnte, nun in Genf den Vorhang aufzuziehen, um der erstaunten Welt eine Ab- rüstungskomödie vorzuspielen, bei der Inszenierung und Verteilung der Rollen vorher in Paris schon sorgfältig geprobt waren. Amerika und England, Frankreichs Gläubiger aus dem Weltkriege, verzichten endgültig darauf, durch einen sehr wohl möglichen finanziellen Druck die Franzosen zu einer vernünftigen Einschränkung ihrer Rüstungen zu zwingen. Die Vereinigten Staaten erklären ihre völlige Uninteressiertheit an der Rüstungslage Europas, ja, sie geben der Militärhegemonie Frankreichs auf diesem Kontinent ihre Zustimmung. Wie England sich mit der so geschaffenen Situation abfinden kann und wird, ist schon schwieriger. Wenn auch eine Aussöhnung mit Amerika für England eine Befreiung aus der unangenehm empfundenen Abhängigkeit von dem französischen Alliierten bedeutet, so ist es trok seiner Insellage und den weltumspannenden Interessen des Empire doch viel zu sehr mit dem europäischen Kontinent verwachsen, als daß es der Verschiebung des europäischen Gleichgewichts zugunsten einer Alleinherrschaft Frankreichs teilnahmlos zusehen könnte.
Und Deutschland? Der Versailler Vertrag hat ihm unter Verzicht.auf die allgemeine Wehrpflicht die völlige Abrüstung auferlegt. Deutschland ist unter der brutalen Kontrolle der Sieger seinen Verpflichtungen restlos nachgekommen. Wie lange noch soll es warten, bis auch die Vertragspartner nun ihrerseits ihrer eigenen in Versailles feierlich übernommenen Verpflichtung zur allgemeinen Abrüstung, deren Beginn lediglich die deutsche Entwaffnung darstellen sollte, nachkommen? Jahr um Jahr bemühen deutsche Delegierte sich in Genf in heiligem Ernst und zäher Arbeit um das Zustandekommen einer Abrüstungskonvention. W i e lange noch soll Deutschland geduldig zusehen, wie man seine Anstrengungen mit kaum noch verborgenem Hohn bagatellisiert, über feine sorgfältig erwogenen Anträge zur Tagesordnung übergeht? Ein über das andere Mal wird die vorbereitende Abriistungs^ kommifsion vertagt, ohne daß die wochenlangen Beratungen irgendwelchen greifbaren Erfolg aufzuwei- sen hätten. Wie lange n o ch soll Deutschland warten, bis man sich endlich zur Einberufung der Abrüstungskonferenz selber entschließt? Die gegenwärtige Zusammenkunft der Abrüstuhgskommission hat für Deutschland so schwere, offensichtliche Brüskierungen gebracht, daß man sich ernsthaft fragen muß, ob die deutsche Delegation nicht besser daran getan hätte, die Koffer zu packen und Genf mit Eklat zu verlassen, zumal man ja an dem russischen Beispiel sieht, daß die Taktik des Mitratens unter Protest gar keine Wirkung hat. Aber vielleicht ist es klüger, sich diesen lauten Appell an das Welt- gewissen, den Deutschlands Fernbleiben von den Abrüstungsverhandlungen bedeuten würde, für die eigentliche Abrüstungskonferenz aufzusparen, mit deren Scheitern Deutschland die ihm in Versailles aufs äußerst? beschnittene Freiheit des Handelns in der Wehrpolitik wiedergewönne. Englische Blätter haben schon auf diese selbstverständliche Konsequenz hingewiesen. Man wird sich also nicht weiter wundern, wenn Deutschland, nach dem ihm von alliierter Seite so oft gepredigten Grundsatz der nationalen Sidjerfjeit, rings von waffenstarrenden Rachbarn bedroht, nach einem Machtausgleich sucht. Wir stehen vor schwerwiegenden Entscheidungen und Reichsregierung wie Genfer Delegation sollten ernstlich überlegen, w i e lange noch Deutschland in der Abrüstungspolitik imaginären Zielen nachjagen kann, ohne dem Abrüstungsgedanken selber unheilbaren Schaden anzutun.
Amerika
und die Landrüstungen.
Die U. S. A ziehen sich als uninteressiert aus der Diskussion zurück.
Washington, 3. Mai. (WTB. Funkspruch. Sn amtlichen Kreisen wurde gegenüber Kritiken in inländischen und ausländischen Blättern wegen der Aeuherung Gibsons über die Landreser- Den heute betont, daß es sich in Genf nicht um eine Abrüstungskonferenz handele, sondern daß dort nur eine vorbereitende
DerLandwiMastseiaivordemReichsiag.
Berlin, 3. Mai. (D. D. Z.) Aul der Tages- ordnung steht die zweite Beratung des Haushalts des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Der Ausschuß ersucht in_ einer Entschließung um Hilfeleistung für die bedrängten Grenzgebiete im Osten und Westen.
Abg. Treviranus (DU.) fordert die planmäßige Fortsetzung der von Minister Schiele zugunsten der Landwirtschaft eingeleiteten Aktion. Eine wirkliche und dauerhafte Rentabilität der Landwirtschaft könne nur gesichert werden, wenn die Tributfrage gelöst und die Ausschaltung des Landvolkes im politischen Leben beseitigt ist. Bor allem sei eine bodenständige Zollpolitik notwendig. Die ausländische Einfuhr von Agrarerzeugnissen müsse bis auf ein Minimum gedrosselt werden. Bon einer Verhetzung des Landvolkes könne keine Rede sein. Es bedürfe erheblicher Anstrengungen der Führer, um Verzweiflungsakte zu verhindern.
Abg. Schmidt-Köpenick (Soz.) begrüßt den versöhnlichen Ton des deutschnationalen Redners. Riemais sei tatsächlich soviel Geld aus Reichsund Staatsmitteln für die Landwirtschaft hergegeben worden als in der Zeit der deutschen Republik. Die Landbundführer sollten die Landwirte zu einer besseren Absahregelung bringen. Die groben Unrichtigkeiten der vom Landbund aufgemachten Rentabilitäts- und Ver- chuldungsberechnungen seien vom Enquete-Aus- chuß nachgewiesen worden. Gerade weil wir n der Arbeiterschaft Verständnis für die tat- ächliche Rotlage der Landwirtschaft wecken wollen, warnen wir vor Llebertreibungen.
Neichsernährungsminister Dietrich bedauert, daß gerade die für die Produktion ausgegebenen Mittel unter der Rot der Finanzen vermindert würden. Das Gesamtprogramm bleibe aber bestehen. Die Landwirt- chaft müsse selber gewisse Voraussetzungen für die Durchführung der Hilfsmaßnahmen des Reiches schaffen. Auf einigen Gebieten hätten leider die Beihilfen des Reiches nicht die Verwendung gesunden, für die sie vorgesehen waren. Die Ernte sei gut ausgefallen. Bei den nicht zu tark überschulärten Betrieben sei deshalb eine gewisse Entlastung eingetreten. Vor allem mache ich die gute Ernte insofern bemerkbar, als in den Monaten September bis März zwei Mil-
Kommission tage, die die technischen Vorarbeiten erledigen solle. Sn der Frage der Stärke der Landheere sei Amerika desinteressiert, da seine Armee sehr klein sei und nicht noch weiter vermindert werden könne. Snfolgc- dessen habe Amerika sich entschlossen, sich aus der Diskussion hierüber zurückzuziehen und die Debatte über diese Angelegenheit Europa zu überlassen. Dies bedeute weder direkt noch indirekt ein Aufgeben der amerikanischen Politik zur Verminderung der Rüstungen und gegenteilige Meldungen konnten nur in böswilliger Absicht in der Welt verbreitet werden. Amerika hoffe, daß die technischen Verhandlungen in Genf zur Einigung über einen gemeinsamen Renner in den Rüstungsfragen führen, und habe seine Bedenken wegen der Landreserven lediglich deshalb zurückgestellt, um diese Einigung zu erleichtern.
Völkerbund und Minderheiten
„Latzt alle Hoffnung fahren!"
London, 4. Mai. (WTB. Funkspruch.) «Times" berichtet: Die Arbeit des Unterausschusses des Völkerbundsrates, dessen Mitglieder Chamberlain, Adatschi und Quinones de Leon sind, der in London tagt, um das Volle r b u n d s v e r f a h r e n bezüglich der europäischen Minderheiten zu prüfen und darüber Bericht zu erstatten, ist, wie verlautet, so gut wie beendet. Der Bericht in seiner endgültigen Gestalt wird zuerst dem Ausschuß des Rates v^d danach dem Ratsplenum auf seiner Sunitagung erstattet werden. Erst dann wird der Snhalt des Berichtes bekanntgegeben werden. Es wird nicht erwartet, daß irgendwelche sehr fühlbaren Veränderungen im Verfahren empfohlen werden.
Die pariser Besprechungen.
Der Gewinn
der internationalen Reparationsbank.
Paris, 3. Mai. (WB.) Reichsbankpräsident D r. Schacht hat heute die gestern nach seiner Rückkehr begonnenen Verhandlungen fortgesetzt. Er verhandelte vormittags und nachmittags sowohl mit Owen QJoung als auch mit den beiden französischen Delegierten P arme n t i e r und Quesnay. Havas berichtet, daß diese Besprechungen in den nächsten Tagen fortgesetzt würden, und daß man über ihr Ergebnis frühestens am Dienstag nach der Rückkehr des ersten französischen Delegierten Moreau unterrichtet sein werde. — Das „Petit Sournal* sagt, man könne zwar nicht behaupten, daß Reichsbankpräsident D r. Schacht neue Vorschläge unterbreitet habe, aber er habe Anregungen gegeben, die man gegenwärtig prüfe. Es habe den Anschein, daß der Abstand zwischen den in dem Memorandum der Alliierten enthaltenen Ziffern und den im deutschen Memorandum genannten Zahlen nicht mehr so groß sei, als daß man nicht schließlich eine Verständigung für möglich ansehen sollte. „Petit Parisien" und andere Morgenblätter erklären, man operiere sowohl auf der Seite der Schuldner, als auch auf der Seite der Gläubiger mit dem möglichen Gewinn, dendieBankfür internationale Zahlungen abtoer- f en werde und zwar sagten die Gläubiger zum Schuldner: Weshalb fürchtet ihr euch, Verpflichtungen zu übernehmen? Wenn eure Zahlungsfähigkeit eines Tages zurückgehen wird, dann wird ja der Gewinn der Bank für internationale Zahlungen das ausgleichen können. Der Schuldner antwortet darauf: Weshalb fordert ihr soviel, da ja die Bank für internationale Zahlungen durch ihren Gewinn leicht die Summe auf bringen kann, die wir nicht in der Lage find zu bezahlen? Pertinax drahtet: Die neuen jetzt erörterten Vorschläge Owen D. QJoungS sehen 3 7 Annuitäten von einem Durchschnittswert von etwas weniger als 2 Milliarden Mark vor. Sie betragen daher etwa 200 Millionen Mark weniger als die von den Alliierten geforderten Annuitäten.
lionen Doppelzentner Weizen mehr ausgeführt wurden als im Vorjahre. Auch zwei Millionen Doppelzentner Roggen konnten mehr ausgeführt werden, was eine fühlbare Entlastung der Handelsbilanz bedeute. Der Minister kündigt die baldige Vorlegung eines Gesetzentwurfes zur endgültigen Regelung der Pachtrechtsfrage an. Zur Zollfrage erklärt der Minister, daß, wenn man den Ablauf der gegenwärtigen Periode abwarte, für eine Menge Artikel überhaupt keine Zollsätze mehr bestehen würden, darunter für Gemüse, Obst, Schmalz, Automobile usw. Für Roggen und Weizen würde ein verschiedener Zoll eintreten gegenüber Ländern, denen die Meistbegünstigung zugesichert ist, und solchen, die diesen Anspruch nicht haben. Daraus ergebe sich die -unbedingte Rotwendigkeit, noch vor der Sommerpause diese Dinge zu klären und die großen Streitfragen auszutragen, die bezüglich des Schuhes für Vieh, Fleisch und Getreide bestehen. Die ungleichen Lebens- und Produkt! ansbedingungen und die überspannte Zollpolitik in fast allen Ländern hätten einen Zustand geschaffen, bei dem in jedem Lande manche Produktionszweige erliegen müßten, wenn sie nicht mehr zollgeschüht sind. Man müsse sich überlegen, was das Erliegen der landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland bedeuten würde. Die Stärkung der landwirtschaftlichen Produktion sei deshalb tatsächlich die umfassendste und wirkungsvollste Konsumentenpolitik.
Abg. Beck-Oppeln (Zentr.) erklärt, das Zentrum stehe auf dem Standpunkt, daß die Rentabilität der Landwirtschaft gesichert werden müsse. Diese Rotlage beruhe weniger auf der Höhe der landwirtschaftlichen Verschuldung als auf der Art dieser Schulden mit ihrer unerträglich hohen Zinslast. Die tatsächliche Schuldenlast der Landwirtschaft werde durch die Statistik gar nicht erfaßt, weil ja der Bauer seinen Söhnen und Töchtern nicht den verdienten Lohn zahle, aber ihn auch nicht mehr wie früher in kapitalisierter Form aufheben könne. Rur infolge dieser versteckten inneren Verschuldung könnten sich viele Bauernwirtschaften überhaupt über Wasser halten. Diese Familienangehörigen müßten aber bei Steuerabzügen ebenso behandelt werden wie andere Arbeiter.
Außerdem decken sie nicht die 25 Millionen Mark, die die Belgier jährlich noch erhalten sollten als Entschädigung für die von dem deutschen Be- sahungsheere zurückgelassenen Markbeträge und auch nicht die jährlich der amerikanischen Regierung zugewiesenen Markbeträge. Es ist nicht bekannt geworden, welche Vorsorge für die Kommerzialisierung der Schuld getroffen wird.
Das neue österreichische Kabinett.
Wien, 3. Mai. (Amtliche Nachrichtenstelle.) Der heute nachmittag um 5.45 Uhr zusammengetretene Hauptausschuß des Nationalrates beschloß, dem Nationalrat folgendes Ministerium zur Wahl vorzulegen:
Bundeskanzler: Streeruwitz, Vizekanzler: S ch u m y (Landbund), Finanzen: Dr. M i 11 e I b e r g c r, Unterricht: Dr. Czcrmak, Handel: Dr. S ch ü r f f (Groß Deutsch), Justiz: Dr. Slama (Groß-Deutsch), Landwirtschaft: Födermayr, Soziale Verwaltung: Dr. N e s ch, Heerwesen: Vaugoin
Dem neuen Kabinett gehören sechs Christlich-Soziale, zwei Groß-Deutsche und ein Landbündler an. Die Wahl des neuen Kabinetts durch den Nationalrat findet morgen vormittag statt. Der zum Vizekanzler ausersehene Schumy war bisher Finanz- unb Landwirtfchaftsrefernt für Kärnten, Dr. Mitte l b e r g e r war Finanzreferent für Vorarlberg, Dr. Czermak war Unterrichtsreferent für Niederösterreich und Födermayr war Obmann des Reichsbauernbundes.
Kleine politische Nachrichten.
Die Rheinlandkommission hat dem Antrag des Reichskommissars für die besetzten Gebiete entsprechend die Veranstaltung eines Flugtages in Pirmasens für Sonntag, 5.d.M., genehmigt. Einigen deutschen Fliegern wurde die Erlaubnis erteilt, das besetzte Gebiet zu überfliegen, um an dem Flugtag der Saarbrücker Flughafengesellschaft, der ebenfalls am 5. d. M. in Saarbrücken stattfinden soll, teilzunehmen. Außerdem wurde verschiedenen Firmen die Herstellung von Luftbildaufnahmen im besetzten Gebiet gestattet.
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Zahlreich sind die Glückwünsche, die Reichskanzler Fürst von Bülow am Freitag zu seinem 80. Geburtstag in Rom erhalten hat. Der Hamburger Senat ließ Bülow eine große Blumenspende überreichen. Außer den Botschaftern beim Quirinal und beim Vatikan sprachen der Minister des italienischen königlichen Hauses, der Kammerherr der Königin von Schweden, der italienische Admiral Acton, Vertreter der deutschen Vereinigungen in Rom sowie zahlreiche andere Persönlichkeiten als Glückwünschende in der „Villa Malta" vor. Der Klub der deutschen Pressevertreter in Rom hat an den Reichskanzler gleichfalls ein Glückwunschschreiben gerichtet.
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Königin Wilhelmine von Holland hat sich zu einem Kuraufenthalt nach Montana in der Schweiz begeben. Die Königin wird am Fceitagnachmittag in Bern dem Bundesrat einen amtlichen Besuch abstatten. Sie hat sich aber ausdrücklich ausgebeten, daß dieser Besuch im einfachsten Rahmen gehalten werden möge. Am Rachmittag wird die Königin im Dundesratszimmer vom Gesamtbundesrat empfangen werden. Die vierzig ausländischen Gesandtschaften in Bem haben zu Ehren der Königin Flaggenschmuck angelegt.
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Sn Tokio fand am Freitag die feierliche Ueber- reichung des englischen Hosenband-Ordens an den Kaiser von Sapan durch den Herzog von Glocefter statt. Der japanische Kaiser erwiderte auf die Worte des Herzogs, daß er die Überreichung dieses hohen Ordens als ein eindrucksvolles Zeichen der tiefen und unwandelbaren Freundschaft ansehe, die der König von
England ihm und seinem Hause stets gezeigt habe. Später erstattete der Kaiser dem Herzog von Glocester einen Gegenbesuch ab und verlieh ihm den Chrysantemum-Orden.
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General Suan Gomez wurde vom Kongreß einstimmig wieder zum Präsidenten von Venezuela gewählt. Seine Amtsdauer reicht bis zum Sahre 1936. Gomez, der länger als irgendein anderer Präsident von Venezuela Präsident ist, trat sein Amt im Sahre 1909 an, als Präsident Castro zum Rücktritt gezwungen wurde. Trotz seiner 72 Lebensjahre ist er noch außerordentlich rüstig.
Aus aller Welt.
Erdbebenkatastrophe in Turkmenien.
In Turkmenien erfolgte am Mittwochabend ein starkes Erdbeben, von dem fast alle Ortschaften betroffen wurden. In Aschabad stürzten 100 Gebäude ein, wobei eine Prson getötet und 26 verletzt wurden. Hermab ist völlig zerstört: hier wurden zehn Personen getötet und 15 verletzt. Besonders starke Erdstöße mit unterirdischem Getöse machten sich i m G e b i r g e an der persischen Grenze fühlbar, wo auch die Zerstörungen von besonders großem Umfange sind. Nach unkontrollierten Nachrichten sollen in drei persischen Dörfern 10 0 0 Personen umgekommen sein. Viele Ortschaften seien völlig zerstört worden. Auf Ersuchen der persischen Lokalbehörden beschloß die turkmenische Negierung, die persische Bevölkerung umgehend mit medizinischen Hilfsmitteln und Lebensrnitteln zu unterstützen.
Die Slurmverheerungen in Amerika.
Bei den Wirbelstürmen in den Südstaaten der Union, ist das Städtchen Morgantown in Westvirginia besonders schwer heimgesucht worden. Hier wurden 40 Häuser zerstört und 50 Einwohner verletzt. In Jacksonoille (Florida) sind zwei Personen bei dem Sturm getötet worden. Die Katastrophe in Ryecove, wo, wie berichtet, ein Schulhaus mit 225 Kindern von dem Sturm hochgehoben, zum Einsturz gebracht und schließlich durch Feuer zerstört wurde, hat, nach den letzten Meldungen, doch weniger Todesopfer gefordert, als man zunächst befürchten mußte. Biele der Kinder, die burd) die Gewalt des Sturmes auf die Felder hinausgetragen wurden, sind offenbar in der Panik geflüchtet und konnten bisher noch nicht gefunden werden. Nach den letzten Feststellungen beträgt die Zahl der Todesopfer des Tornados in den sieben Südstaaten insgesamt 50. Bei dem Einsturz der Schule in Ryecove wurden 13 Schulkinder und eine Lehrerin getötet. Fünf Kinder werden noch vermißt. Die Stürme im mittleren Westen forderten fünf Todesopfer. Im Obstgebiet von Südmichigan ist Schnee gefallen. In den Oststaaten haben die Stürme der letzten Tage verhältnismäßig wenig Schäden verursacht. In der Nähe von Osoego verunglückte ein Güter- 3ug infolge Unterspülung des Bahndammes. Zwei Personen kamen dabei ums Leben. Auf dem Erie- und dem Michigan-See ist der Schiffsverkehr eingestellt worden.
Das Europahaus in Berlin wird roeUergebauL
Die Baukrise, die das Stadtbild am Anhalter Bahnhof verschandelte, soll endlich verschwinden. Das preußische Wohlfahrtsministerium hat den Entwurf für das Europa-Hochhaus-Hotel genehmigt, nach dem die Stockwerkzahl des Gebäudes auf zehn Obergeschosse verringert und der baupolizeilich beanstandete Hof so gestaltet worden ist, daß er allen Forderungen der Behörden entspricht. Das Hotel soll 7 00 Betten enthalten und damit das größte und modernste Hotel Deutschlands werden.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage
Der Einfluß hohen Druckes hat bereits zu Bewölkungsabnahme geführt. Unter seiner Vorherrschaft hält zunächst noch das vielfach heitere Wetter an, jedoch wird mit dem Vordringen der atlantischen Störung durch seine Südseite unter südlichen bis südwestlichen Winden später wieder Bewölkung zu- geführt. Die Temperaturen steigen dabei vorläufig weiter an; zu Niederschlägen dürste es morgen noch nicht kommen, aber die Neigung dazu im Laufe des Tages zunehm'en.
Wettervoraussage für Sonntag: Zunächst noch vielfach heiter bis wolkig, später wolkig, Neigung zu Niederschlägen, wärmer.
Wettervoraussage sürMontag: Wechselnde Bewölkung, nach anfänglich wenig veränderten Temperaturen wieder etwas kühler, vereinzelte Niederschläge wahrscheinlich.
Lufttemperaturen am 3. Mai. mittags 13,4 Grad Celsius, abends 9,4 Grad: am 4. Mai: morgens 8,6 Grad. Maximum 13,9 Grad, Minimum 4,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. Mai: abends 11,6 Grad; am 4. Mai: morgens 8,6 Grad Celsius. — Niederschlag 1,8 mm. — Sonnenscheindauer eine Stunde.


