Einweihung eines neuen LlniveMs-Znstiiuts.
Eine schlichte, würdige Feierstunde vereinigte dm Samstagnachmittag eine stat.liche F-est- gcmeinde zur Einweihung des Neuen Geologischen undPalävntolog e s ch e n Insticuts der Universität im Horsaal ?et> ncuerstandenen Gebäudes. das sich bekanntlich auf dem Grundstück des früheren Garmsonlaza- retls in der Braugasse befindet.
Die hessische Staatsregierung war durch Ml- n'.sterialdirektor Urstadt vertreten, als Abge- sandte Des Landtages waren die Abg. srl. Birnbaum. Kelter und Mann zugegen, die Stadt Gießen vertrat Oberbürgermeister Tr Keller, in Vertretung Sr. Magnifizeiiz des Rektors war Prof. Dr. Rosenberg erschienen ferner die Dekane mehrerer Fakultäten, -.ahlreich: Professoren, der Vorsitzende der choch- schnlgcscllschait Provinzialdirektor Graes, Vertreter der Studentenschaft. Oberbaurat Kuhlmann für das Hess. Hochbauamt, Obcrbergrat Köbrich sür die Hess, obere Bergbehörde. Rbteilungsdirektor Bros. Dr. Weißerinel als Vertreter der Preußischen Geologischen Landes- anstalt in Berlin. Prof. Dr. Diehl als Ver- tretet der Hess. Geologischen Landesanstalt in Darmstadt, sowie zahlreiche weitere Gäste aus Handel und Industrie, insbesondere aus dem Bergbau usw.
VerInflituts-irektor Pros. Dr.Sarraffowih leitete die Einweihungsfeier mit einer Ansprache ein. in der er dem Wunsche Ausdruck gab. daß diesem schönen Hause eine ewige Jugend im Dienste der Wissenschaft und ihrer Lehre zur Heranbildung eines tüchtigen Nachwuchses beschieden sein möge. Aach der Begrüßung der Festversammlung führte der Redner in seiner Ansprache u. a. noch folgendes aus:
Die Geologie gehört zu denjenigen Wissenschaften. die in besonders enget Berührung mit Oer Praxis stehen und in dauernder gegenseitiger Befruchtung mit dieser arbeiten. Die WifsenschaftderGeologiehatsich gegen Ende des 18. Jahrhunderts aus dem Bergbau entwickelt. So bilden den Ausgang geologischer Vorlesungen in Gießen solche über Bergbau. Don 1768 bis 1775 war sogar ein regelrechtes Bergkollegrum an Der Universität vertreten. Von 1790 bis 1810 las Ludwig Emmerling über Vergweriswissenschaften. Die Mineralogie wurde in dieser Feit meistens von Medizinern gelesen. Nachdem 1818 Zimmermann als a. o. Professor Der Chemie und Mineralogie auch Geologie und Gevgnosie gelesen hat, wurden regelrechte Vorlesungen von August v. Klip st ein abgehalten. der von 1836 bis 1867 ordentlicher Pro- sesfvr für Mineralogie und Geologie war. Neben Klipstein wirkten noch andere Dozenten, wie Ettling. Dieffenbach. Knop, so daß besonders in Den Jahren 1852 bis 1862 eine reiche Vorlesungstätigkeit stattfand und Themen behandelt wurden, wie: Flora der Dorwelt, Petre- saktentunde. Mineralquellen. Bodenkunde, die erst sehr viel später wieder Dertretung fanden.
Schon damals herrschte dauernde Raumnot. Die ursprünglich im alten Schloß untergebrach- icn Sammlungen waren in Der alten Klinik, in Dem alten Ilniverfitätsgebäude am Brand und die Schausammlungen im ehemaligen Kanzleigebäude unteracbracht. Dazu kamen die Privatsammlungen Klipsteins, die leider nach seinem Tode trotz .Befürwortung der Universität von Der Regierung nicht angekauft wurden.
Unter August Streng, der von 1867—1894 als o. Professor für Mineralogie und Geologie tätig war, wurde ein Mineralogisches Institut zur Pflege beider Wissenschaften begründet. das 1879 in dem damals neuen Vorlesungsgebäude untergebracht wurde. Bis 1928 blieben Die Jnstitutsräume im Dorlesungsgebäude. Ursprünglich aus einem Sammlungssaal, einem Hörsaal. Laboratorium. Dozenten- und Praktikantenzimmer bestehend. Während Streng, der seiner HaMürichtung nach Mineraloge war, besonders in seinen letzten Jahren sich mehr geologi- schen Arbeiten zuwandte, stand unter Reinhard Brauns 189-* -1906 die Mineralogie im Vordergrund. Crß unter Erich Kaiser 1906 bis 1920 trat Geologie wieder mehr hervor.
Streng. Brauns und Kaiser waren die einzigen Fachvertreter für Mineralogie und Geologie seit der Feit Ktippsteins. Don 1910 an traten allmählich Prwatdozenten hinzu.
1919 wurde eine außerordentliche Professur für Stratigraphie und Paläontologie gegründet, und
1920 trat bei dem Weggang Erich Kaisers nach München eine neuartige Trennung ein, wobei eine ordentliche Professur für Geologie und Paläontologie und eine ordentliche Professur für Mineralogie und Petrographie gegründet wurde. 1926 wurde das bisherige Mineralogische Institut in zwei selbständige Institute getrennt, doch konnte die Trennung sich erst 1628 auswirken, als das Geologische und Paläontologische Institut seine jetzigen neuen Räume bezog.
Schon von jeher waren die Räumlichkeiten, die Der Mineralogie und Geologie zur Verfügung standen, knapp. Aber erst Reinhard Brauns versuchte nachdrücklich einen Neubau zu erreichen. 1897 wurde Der erste Antrag gestellt, der in drn folgenden 27 Jahren immer wiederholt, schließlich ein dickes Altenbündel ergab. Im Frühjahr 1914 war die Regierung bereit. Der Krieg hatte Di» Ausführung Der Pläne unmöglich gemacht. Trotz- Dem wurde nach dem Kriege Die Notwendigkeit einer Beschaffung neuer Räume immer wieder betont, und im Frühjahr 1925 machte Herr Ministerialrat Löh le in den Vorschlag einer Unterbringung im alten Garnison-Lazarett, das durch das Entgegenkommen Der Stadt Gießen in den Besitz Der Universität übergeganqen war.
5m Anschluß an Die Einführungs-Ansprache des Institutsdirektors hörte man den
Festvorirag von Prof. Dr.
Orevermann-Zrankfurt am Main über das Thema „Universität und Mu (e u m a l s Bildungsstätte". Der Vortragende, dem das Senckenberg-Museum in Frankfurt seine internationale Berühmtheit zu verdanken hat und der als Fachmann auf dem Gebiete des Museumswesens weithin bekannt ist, konnte aus reichsten Erfahrungen als Museumsleiter und als Unioersitätsprofessor sprechen. Er fordert eine innige Verbindung zwischen den Universitäten und den breiten, bildungshungrigen Volksschichten, Beseitigung der bisher zwangsläufig sich in dieser Hinsicht ergebenden Isolierung der Universitäten; Um- und Neugestaltung der grundlegenden Gesichtspunkte bei der Veranstaltung der Schauen in den Museen, mit dem Ziele, auch hier dem echten Bildungsbedürfnis des Volkes und dem Streben nach voller Erkenntnis der Dinge gerecht zu werden. Das Volk in weitestem Umfange soll alle Möglichkeiten erhal- tcü, aus allen guten Quellen sich selbst das Wissen und eine gediegene Fachbildung zu holen. Daraus ift nicht nur für das Volk, sondern auch für die Universitäten und Museen guter Nutzen zu ermatten, da beide durch ihre neugestaltete belehrende Tätigkeit Dann populärer werden. Die Sorge um unser Volk, um unsere Bildung und um die Zukunft der Menschheit muß bei dieser Umgestaltung als treibender Faktor wirken. (Lebhafter Beifall.)
Eine Ehrenpromotion.
Nach dem Dortrage sand durch den Dekan der Philosophischen Gesamtfakultät, Prof. Dr. M o m - bert, die Ehrenpromotion des Oberbergrats Carl Köbrich (Darmstadt), „des bewährten Leiters der hessischen Oberen Bergbehörde, der die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Praxis seit langen Jahren erfolgreich förderte, der sich durch eigene wissenschaftliche Arbeiten um die Erforschung der Geologie Hessens und der Geschichte des hessischen Bergbaues in vorbildlicher Weise verdient ge macht hat ', zum Dr. phil. statt.
Der ZnstitiMSIreklor Prof.9r.6«rraff owitz erläuterte hierauf den Instituts-Neubau, wobei er auch Dem Hessischen Hochbauamt in Gießen und insbesondere dem Oberbaurat Kuhlmann für die großen Mühewaltungen bei diesem Bau herzlich dankte. In seiner Erläuterung sagte der Redner u. a.: Das Geologisch-Paläontologiscl)e Institut ist in einem Flügel an das alle Garnisonlazarett untergebracht. In Dem Hauptgedäude befindet sich Das Forstinstitut. Der Grundriß für den Bau war Dadurch gegeben, Daß in einiger Entfernung von Dem Hauptgebäude eine gut ausgebaute Baracke stand und der Flügel in Den DazwischenliegenDen Raum gesetzt mürbe., Im ErDgeschoß Des Flügelanbaues befindet sich durchgehenD Das Agrikulturchemische Institut. Aus dem Grundriß ergab sich, Daß Das Geologisch-Paläontologische Institut in vier Stockwerken untergebracht werden mußte; Da der Raum aber nickt ausreichte, wurden Teile Des alten Gebäudes zu Hilfe genommen. Die Schwierigkeit der Verteilung über mehrere Stockwerke konnte Durch glückliches Zusammenarbeiten mit Regie-
rungsdaurat von der Leyen unter Oberleitung von Oberbaurat Kuhlmann überwunden werden. Freilich muß hervorgehoben merben. Daß Die Mittel nicht sehr groß waren. Trotzdem ist es infolge intensivster Durcharbeitung der Pläne und aller Einrichtungen gelungen, ein ansprechendes und ausreichendes Heim zu schaffen. Freilich ist die Einrichtung aller Räume noch nicht erfolgt und wird noch manche Mittel erfordern.
Im Keller befinden sich außer Abstellräum- Uchkeiten die Werkstatt, Die Dunkelkammer und ein großer Präparierraum.
Das erste Obergeschoß
ist wesentlich dem Unterricht gewidmet. Hier befindet sich der Hörsaal mit 92 Sitzen, der dank einer (Stiftung Der Mannesmann-Röhren-Werke mit einer elektrischen Verdunklung ausgerüstet werden konnte. Ein großer Heller Uebungsraum ist vorhanden, in Dem Die zahlreichen Lehrsammlungen für Formationskunde und die allgemeine Geologie, für Paläontologie und Verwitterungslehre untergebracht sind. Der mit Sammlungsgegenständen geschmückte Gang ist so gehalten, daß er für Uebungszwecke mitbenutzt werden kann. Außerdem befindet sich in diesem Stockwerk noch ein Dozentenzimmer.
Das zweite Obergeschoß ist hauptsächlich der Verwaltung gewidmet. Hier befindet sich das Direktorzimmer, dessen Möbel zum Teil durch Frau Thoms entworfen worden sind. Zu dem Direktorzimmer gehört ein Laboratorium und ein auch für die allgemeine Benutzung dienender Zeichen- und Ardeitsraum. Außerdem befinden sich hier das Geschäftszimmer, die Bücherei, das Zimmer des ersten Assistenten und ein Dienstzimmer. In mehreren Räumlichkeiten ist hier mit Erfolg von indirekter Beleuchtung Gebrauch gemacht.
3m dritten Obergeschoß befinden sich das chemische Laboratorium mit dem Waagenzimmer, ein Zimmer für Doktoranden und Das Zimmer Des zweiten Assistenten. In den Zwischenstockwerken sinD noch ein Schleif- und Schneideraum und ein Präparierraum untergebracht.
Die Sammlungen des Instituts erstrecken sich über einen großen Teil Der ehemaligen Speicherräume De 8 alten Garnisonlazarettes. Bei Der Aufstellung Der Sammlungen sind neue GrunDsätze $ur AnwenDung gebracht. Da Die Raumverhältnrsse nur Nein sind, war es von vornherein ausgeschlossen. in Der Schausammlung einen vollstem- Digen ilcbctblid über Das Gesamtgebiet Der Geologie unD Paläontologie zu geben. Die Paläontologie ist. wie sich aus Der früheren Desetzuirg Der Professuren ergibt, bisher nur wenig gepflegt worben, infolgedessen ist auch nut wenig Sammlungsmaterial vorhanden, unD einen vollständigen Uefcer&lid zu geben, ist in absehbarer Feit ganz ausgeschlossen. Aber ganz abgesehen Davon ist es, wie sich aus zahlreichen anDeren Instituten ergibt, fast immer unmöglich, einen vollstänDigen ilcberblld über Das Gebiet zu geben. Jnfolge- Dessen Ist in den Sammlungen ein anDerer Grundsatz verfolgt worden. In Dem ersten Raum, für den Die Schränke noch fehlen, soll eine geologische Heimatsammlung untergebracht werben. Die für einen großen Kreis Interesse bietet. In Dem Hauptraum gelangen Diejenigen SammlungsgegenstänDe zur Dauernden Schaustellung, die im Institut genau bearbeitet worden sind. Auf diese Weise enthalten die Sammlungen Material, das an anderen Stellen nicht zu sehen ist. Da Die o. Professur für Geologie unD Paläontologie wohl als einzige in Deutschland Die frefonDere Pflege Der chemischen Geologie zur Aufgabe bekommen hat, ist ein großer Teil Der Sammlungen Diesem GegenstanD gewid- met. Mit ausgewählten Profilen wirD Die Verwitterung erläutert. Weiter ist, wie man wohl sagen kann, in einzigartiger Vollständigkeit das Gebiet der Aluminiumerze zur Ausstellung gelangt. Fahlreiche graphische Analysendarstellungen erläutern Das ausgestellte Material. Daneben sind die in der Nachbarschaft von Gießen so reich vertretenen E i s e n Manganerze und die Roteisensteine ausführlicher dargestellt. Der mittlere Teil des Raumes ?jt hauptsächlich Den schönen Floren der Tertiärzeit gewidmet. Schließlich sind die bekannten Ausgrabungspunkte der Höhle von Treis und Der älteren Steinzeit, sowie Werkzeuge des altsteinzeitlichen Menschen aus Südfrcmlreich ausgestellt worden. 3m wesentlichen hat die Sammlung schon jetzt die Form, die sie beibehalten soll, wenn auch im einzelnen manche Verschiebung noch eintreten wird und Icine vollständige Durcharbeitung in der bisher zur Verfügung stehenden Feit noch nicht möglich war. Es ist aber nach Möglichkeit versucht tuor«
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LES VMmZv!
Vornan von J. Schneiber-Foerstl.
Urbeberrechtsschiitz Oskar Meister, Werdau i Sa
62. Fortsetzung 'Nachdruck verboten
Es war immer wundervoll gemütlich, wenn .f\urt Hettingen besuchen kam, sogar Schwester Elisabeüi wurde etwas lebhafter und beteiligte ich rege m Gespräch.
Cr saß auf Ioachims Betteanb und hielt die Knic getreuz., während seine Hände sich darüber Detfd)r.irftcn. Sogen 0;c, Schwester Elisabeth, würden S'e mich auch pflegen, wenn ich das Gl ick hätte, so hilflos zu sein, 'wie jetzt Achim es ist. zu fein?"
..Gewiß, Herr Diebow!"
„Allen Ernstes?"
„Aber ja!"
. Es müßte wundervoll sein! Ich werde mich nach einer möglichst langwierigen, aber ganz- 'id? schmerzlosen Krankheit umsehen, Schwester! Dann werde ich Sie vorn Arzte als Pflegerin verlangen." *
Ein flüchtiges Lackeln glitt über ihr Gesicht. .Wir wissen es besser, Herr Baron! Richt?" faßte sie gütig und rückte ihm das Kissen bequeme zurecht. „Man soll nie mit Dem Schicksal spielen. Herr Diebow."
Ohne sich umzusehen, ging sie aus dein Zimmer. ..Was hat sie?" verwunderte sich Kurt.
Nichts, mein Lieber! Aber wenn jemanD so viel an .Krankenbetten zu tun hat, nimmt er icDce leichtsinnige Wort ernster, als ein an- Derer?"
..War das leichtsinnig, was ich gesagt habe?"
Ja, Kurt! UnD wäre cö ein Engel, der dich pflegen ichncf, wenn du traut bist. Du segnest die Stunde, in der du dich wieder gesund fühlst'"
„Ich will mir die Lehre marken, Achim!"
Als Schwester Elisabeth ihrem Patienten am nächsten Tage die Kleider aus dem Schranke
holte und sie fürsorglich über Den Stuhl legte, sah er fie verzweifelt an. Die Baronin kam unD strich zärtlich über seine abgemagerten HänDe. „Gott segne Deinen ersten Schritt, mein Junge." Durch einen Besuch, der eben eintraf, wurde sie aus dem Zimmer gerufen.
Die Schwester half Hettingen sich anzickleiden, kniete nieder und streifte ihm Socken und Schuhe über. Sich erhebend, reichte sie ihm den Arm. Schwer, mit zitternden Füßen hing er daran, machte einige Schritte, schüttelte den Kopf und lieh sich wieder in das Bett zurückbringen.
„Haben Sie Geduld, Herr Baron!" Er sah, wie ihr die Tränen in die Augen schossen.
„Ja. nicht wahr, Schwester, solch eine Ohnmacht ist wirklich zum 'Deinen!" Ohne Den Körper zu regen. Drehte cr DaS Gesicht zur Seite.
UnD wieder gingen die Tage. Vier weitere Wochen gleiten vorüber. Weihnachten verbrachte cr bereits außer Bett. Dann tarn der ccste Ausgang ins Freie! Jankes hatte den geschlo!- feneu Wagen geschickt. Am Fenster stehend, sah ihm die Schwester nach, bis er nicht mehr zu sehen war.
Ihre Finger lagen ineinandergefaltet. „Herrgott, ich danle dir! Nun will ich jedes Opfer bringen, was du mir noch im Leben auferlegft"
An einem strahlenden hellen Waczmorgen trat Hettingen Das erstemal wieder in das Arbeitszimmer des Kommerzienrates. „Lieber Baron! Nun sind Sie uns also wieder geschenkt!" Jankes Rechte umfing Die feine mit festem Drucke. „Ich gehe morgen nach Capri. Die Leitung Der Werke lege ich vertrauensvoll in Ihre HänDe. Lasse« Sie Kurt Die Zügel nicht zu locker. Er muh endlich arbeiten lernen. Ich habe ihm befohlen, Die Arbeitsstunden mit Ihnen zu teilen, aber er hat sich geweigert mit Der Begründung, Dann käme er nie vor nachts elf Uhr aus dem Bureau. Sie würden bis Mitternacht nicht Feierabend machen. Damit nun kein Streit entsteht, mochte
ich Sie bitten, rechtzeitig aus Dem Bureau zu gehen, damit mein Sohn nicht streikt."
Hettingen versprach es mit einem stillen Lächeln.
Und dann lief alles wieder den gewohnten Gang. Schwester Elisabeth weilte noch immer in der Villa, sie war unentbehrlich geworden. Kam Ioachim vom Dienste, so nahm sie ihm schon im Flur Hut und Mantel ab. Bei schlechtem Wetter lag alles in seinem Zimmer bereit, um jeder Erkältung vorzubsugen, sein Organismus war noch immer sehr empfindlich.
Er empfand es beschämend, daß sie jedesmal vor ihm kniend die Bänder seiner Schuhe löste, ihm die Socken abnahm und neue überstreifte. Einmal kam er ihr zuvor, lieh ein Auf stöhnen hören unD vermochte sich kaum mehr znrückzu- bcugen.
Eie erschrak über Die Maßen. Cs war eine momentane Verrenkung des verletzten Hüftknochens. Zwei Tage Massage von ihren Händen, dann war es vorüber.
„Ich werde zeitlebens ein Kindermädchen brauchen!" sagte er mit etwas Aerger in bee Stimme.
Sie sah ihni mit einem stillen Vorwurf ins> Gesicht. Er schwieg beschämt. — „Können Sie es noch aushalten bei mir unleidlichen Menschen?" trug cr eines Abends, als sie ihm ein Glas Wasser ans Bett brachte.
Ihre Lippen zuckten kaum merklich. Wit einem leisen „Gute Nacht. Herr Baron", ging sie nach ihrem Zimmer, Das neben dem seinen lag nur eine Tür trennte sie von ihm.
Er faß noch wach, sühlte keinen Schlaf isttD nahm eines Der Bucher zur Hand, Die auf feinem Nachttisch lagen Der Inhalt interessierte ihn nicht. Gelangweilt klappte er es wieder zu. Draußen schien ein Gewitter über Dem Tal zu, stehen, denn ab und zu glitt ein fahler Lichtreflex durch das Zimmer.
Er fühlte eine unerklärliche Depression, stand auf und ging nach dem Fenster, es zu offnen. Ein leichter Windhauch strich herein und gab
dm, nicht durch die Fülle der Objekte zu wirk«.' sondern durch lodere Ausstellung auf farbigem UntergrunD einen lleberblick zu ermöglichen.
(Ein guter Gesamte.«druck.
In allen Räumen des Instituts ist versucht worden, die Nüchternheit fernzuhalten. Die farbigen Wände und Einrichtungsgegenstände erwecken einen freundlichen und anheimelnden Eindruck.
Zur Durchführung des über mehrere Stockwerke verteilten Betriebes ist ein elektrischer Lastcn- aufzug vorhanden, der alle Geschosse verbindet. Ebenso befindet sich in jedem Stockwerk ein Fern- sprechanschluß. der die Verbindung der Räume untereinander, sowie mit dem Amt ermöglicht.
Insgesamt ist ein Institut geschaffen worden, das den modernen, vielseitigen Ansprüchen an ein geologisch-paläontologisches Arbeiten mit Erfolg gerecht wird.
Rach einer Besichtigung der Räum - lichkeiten des Instituts fand fttt Gasthaus Hindenburg ein gemeinsames Abendessen der Festteilnehmer statt. Insgesamt hatten sich zu Der Feier rund 100 Personen eingebunden.
Industrie- und Handeiskammer Friedberg.
WSN. Friedberg, 2. Febr. Die erste Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Friedberg im Iahre 1929 stand unter Dein Vorsitz von Kommerzienrat Langsdorf. Die Ergänzungswahlen im Dezember 1928 haben Die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder gezeitigt. Neu eingeführt wurde Herr Gg. Friedr. Schwörer, Laubach.
Der erste Punkt der Tagesordnung — Neubildung der Kammer und Wahl der Ausschüsse — ergab die Wiederwahl desPräsidiumS. das sich wie folgt zusammen setzt: Vorsitzender Kommerzienrat Langsdorf, Friedberg; stellvertretender Vorsitzender Kaufmann Philipp Müller, Bad-Nauheim; stellvertretender zweiter Vorsitzender Kaufmann Louis Hirsch, Friedberg; Rechner ist wiederum Kaufmann <3mit Rothschild, Friedberg; Beisitzer Die Herren Krauß unD Hartkopf, Bad-Nauheim. Di« einzelnen Ausschüsse der Kammer erhalten die gleiche Zusammensetzung wie im Vorjahre. Der Syndikus der Kammer, Notar Stahl, erstattete einen allgemeinen Bericht über Die wirtschaftliche Lage im Iahre 1 928 und bemerkte abschließend, daß die Reparationsverpflichtungen in der gegenwärtigen Höhe auf die Dauer nicht geleistet werden konnten. Syndikus Dr. Goebel verbreitete sich in eingehenden Ausführungen über die Tätigkeit der Karniner im besonderen. berichtete über die VertrcKrbesprechung der hessischen Industrie- und Handelskammern und hielt einen langen Vortrag über den Entwurf eines Steuervereinheitlichungsge- fetzes nach feiner Neufassung durch den Reichs- rat. Der Rescrcnt kam zu dem Schluß, daß die sofortige Furückführung der Realsteuerbelastung auf ein erträgliches Maß eine vordringliche Aufgabe der deutschen Steuerpolitik sei, die gleichzeitig mit der Vereinheitlichung des materiellen und formalen Rechts der Rcalstenern gelöst werden müßte. Syndikus Notar Stahl erörterte die neuerdings zutage getretenen Bestrebungen, die auf eine Beeinträchtigung des freien Spiels der Kräfte in der Entwicklung deS Kraftwagenverkehrs abzielen. Die Vollversammlung war einstimmig der Ansicht, daß Eingriffe in die bestehenden Wettbewerbs- Verhältnisse unter keinen Umständen stattfinden dürfen und daß die Uebcrtragung einer monopol- artigen Stellung int Krastwagenverkehr auf bestehende Verlehrsunternehmungm k.inesw g? zu billigen sei. Das Plenum war fernerhin der Auffassung, daß der Einzelhandel auf die Umsätze in den letzten zwei Stunden am heiligen Abend müsse verzichten können. Die seitherige Regelung müsse beibeyalten werden. Auch beschäftigte sich die Vollversammlung mit dem Plan der Reichsbahn, D»3üge in Fern-O-Füge umzuwandeln. Die Kammer müsse sich gegen derartige Pläne wenden.
Taten für Dienstag, 5. Februar.
Sonnenaufgang 7.33 Uhr, Sonnenuntergang 16.56 Uhr, — Mondaufgang 5.04 Uhr, Monduntergang 12.20 Uhr.
1808: der Maler Karl pitzweg in München geboren; — 1861: der Luftschiffer August Parseval in Frankenthal (Pfalz) geboren; — 1881: der englische Sozialethiker und Geschick 'chreiber Thomas Carlyle in London gestorben. _________
seinen Nerven eine gew.sse Beruhigung. Dann schloß er cs plötzlich wieder.
Ein momentan ein sehender Sturm riß Die Gar- Dinen halb vom Gestänge, ein Gußregen prallte gegen Die Scheiben. Blitz auf Blitz züngelte hernieder, und Die Schläge, Die Darauf folgten, oer- schwammen ineinander.
Ob Schwester Elisabeth sich fürchtete bei dem grauenhaften Wüten der Elemente draußen?
Er lehnte die Stirne an Die Scheiben und sah in den Garten hinab, in welchem sich Die schlanken Leiber Der Bäume in Zittern und Entsetzen bogen.
Ein Lichtbündel. gleich einer Leuchtrakete, rann erbentoärtS. In der scharfen Helle, in welche eS Das ganze Gelände tauchte, erblicke er auf Drm Kieswege eine Gestalt, welche dem Tovr zuging.
„Schwester Elisabeth!" Das Fenster klirrte, so heftig hatte er cs aufgerissen. Klatschend fuhr ihm der Regen ins Gesicht.
Ein jähes Zusammenschrecken! Steheirbleibrnd sah sie zu ihm auf und ging Dann nach de.t Haus zurück.
A.s sie in triefen Den Kleidern, mit nassem Haar und regendurchweichten Schuhen in den Flur trat, stand er schon vor ihr. Eine Türe öffnend, bat er sie einzutreten. Die matte Hölle der seiden- beschirmten Schreibtischlampe gab ihrem ohnedies bleichen Gesichte eine Totenfarbe.
„Wollen Sie mir erklären, Schwester, was Sie bet diesem Unwetter in den Garten trieb?"
Sie lehnte unweit deS Einganges gegen Die Wand und senkte das Haupt vor ihm.
„Was muh ich tun, Schwester Elisabeth, um mir Ihr Vertrauen au erwerben?" Er stand ein paar Schritte von ihr entfernt imD umfaßte si- mit einem mitleidigen Blicke.
Ohne ihn anzusehen, gab sie Antwort. „Ich habe gewartet, ob (Stott nicht Barmherzigkeit an mir übt--"
„Unb Ihnen einen Blitzstrahl schick!"
Ihr Schweigen war Bejahung.
(Fortsetzung folgt)


