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Nr. 29 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vverheßen)

Montag. 4. §e4rvar (929

Das KrießSschädenschlußgefetz.

Don unjerer Berliner Redariion.

Wie wir hören, setzt man in einigen Kreisen der Kriegsbeschädigten die Hoffnung auf das Llebrigbleiben eines sehr wesentlichen Restbe - t r a g e S aus dem Kriegsschadenschluszgesetz, der »um Ausgleich für besonders ungenügende Ent­schädigungen verwendet werden könnte. Diese Erwartung begründet sich auf die bisherigen Rechnungscrgebnisse und auf Schätzungen an Hand der vorläufigen Zahlen. Man nimmt an, daß für die sogenannten Sachschäden im ganzen nur ein Betrag von 900 Mill. Mk. aus- fieworfen werden muh, wozu noch 100 Millionen ür die Wertpapierschäden kommen. Aach diesen Schätzungen wäre also am Ende der Durch­führung des Kriegsschädenschluhgesehes, das eine Summe von 1,3 Milliarden vorsah, noch ein Restbetrag von ungefähr 300 Mil­lionen, immerhin eine recht beträchtliche Summe, übrig. Es werden auch bereits schon Erwägungen angestellt, in welcher Weise diese Summe verwendet werden soll. Dabei spielen in erster Linie die sogenannten Ausgleichs­gläubiger eine gewisse Rolle, da diese im Rahmen des Entschädigungsgesetzes weitaus a m ungünstigsten abgeschnitten haben. Wie wir hören, ist in diesem Zusammenhang bereits im Sommer eine Vereinigung der Ausgleichs­gläubiger entstanden, die sich kürzlich in einen eingetragenen Verein umgewandelt hat. Diese Vereinigung präsentiert Forderungen in der Höhe von rund 15 Millionen Mark. Sollte also die Schätzung einiger KriegsgeschLdigtenkreise auf einen lleberschuh von 300 Millionen Mark zu- tressen, so würden für andere Entschädigungs- zwecke, wie z. B. Verbesserung der Wiederauf- vauzuschläge usw. noch beträchtliche Summen übrigbleiben.

Von unterrichteter, zuständiger Seite wird da­gegen die Lage heute noch wesentlich an« der S beurteilt. Dort ist man der Ansicht, daß Wohl kaum mit einem so grohen lleberschuh zu rechnen ist, und daß vor allem zur Zeit noch Schätzungen über die Höhe der aufzuwendenden GntschäLiaungsmittel praktisch unmöglih sind. Erst im Laufe der nächsten zwei Monate werde sich diese Frage klarer übersehen lassen, und schon aus diesem Grunde müsse von den verant­wortlichen amtlichen Stellen vor irgendwelchen übertriebenen Hoffnungen gewarnt werden.

Krisis der Justiz.

Krisis der Justiz ein Schlagwort, das dem ein. Seinen »war meist nur bei Einzelfällen immer wie- der in Die Ohren klingt, das oft deutlich dazu dient, die Kritik an der Justiz auf das Gebiet des Politi- schen hinüberzuzichen, das aber in feiner Gesamt- heil heute schon ein wachsendes Gefühl der Un- sichecheit und Unruhe heroorgerufen hat, um so mehr, als die übergroße Masse des Volkes in allen Schichten und Berufen mit dem Schlagwort von der Krisis der Justiz keine irgendwie feste Gesamt­vorstellung verbinden tarnt. Ts ist deshalb ein Verdienst der Süddeutschen Monatshefte (Münchens, daß sie in ihrem neuesten Heft ,Krisis der Justiz ehte umfassende Betrachtung der Haupt- fragen aus der Feder hervorragender Juristen und Laien geben. Schon die Einführung von Ministe- rinlbireflor Gustav Muller zeigt die Tiefe des Pro­blem», die weltanschaulichen Ursprünge. Heber die Wertgrundlage der Rechtserneuerung spricht Edgar I. Jung, der Verfasser des bekannten BuchesDie Herrschaft der Minderwertigen". Die große Reform deutschen Rechts muß mit der Grundfrage begin» neu: Was ist des Staates und was ist der Gesell- schäft? Der Aberglaube, Recht entstünde einfach durch Mehrheitsbeschluß einer Volksvertretung, muß entschieden bekämpft werden. In seinem Aufsätze über statisches und dynamisches Recht berührt der Berner Rechtsgelehrte Professor Fehr auch die be- kannte Klage, wie sehr das Recht hinter der Wirt-

Ein Mann im besten Alter.

Groteske von Rudolf Blümner.

Die Meinung, daß alle Menschen sterben müs­sen, ist immer noch so verbreitet, daß der Leser selbst das Alter eines Mannes abschähen mag, dem ich einst in einem Kaffeehaus begegnet bin. Obgleich ich seinen wahren Flamen vergessen habe, nenne ich ihn nicht Herrn Michael Geist oder Gabriel Schuster, auch nicht Raphael Ewig, Sig­nor Methusalem oder gar Mister Ahasver. Ich sage auch nicht, daß er von auffallend großer Gestalt war, und daß er einen altertümlichen Rock aus Dein Leibe hatte. Sogar den weißen Vart würde ich verschweigen, wenn ich gleich­zeitig von seiner ungewöhnlichen Länge sowie von einem verwitterten Gesicht sprechen mühte. Die Toren glauben sonst, sie hätten es mit einem fliegenden Holländer comme il faut zu tun, wäh­rend ich den Mann in Wahrheit beschäftigt fand, wie er gerade eine Partie Domino mit sich selbst spielle und gleichzeitig der feurigen Kaffeehaus­kapelle mit dem Kopf den Takt schlug.

68 dürfte von Brahms fein. sagte er und versicherte mir bald, daß er eines Tages im Wiener Prater spazieren gegangen fei:20er aber kommt des Weges? Mein Johannes."

Da er mir gleichzeitig einen zornigen Blick zu- warf und einige Tone des Mißbehagens äußerte, fragte ich ihn:Der Brahms, wer sonst! Wir gehen also im Prater spazieren. Indessen steigt mir eine Melodie in den Kopf, die ich eine Weile dahinpfeife. Rämlich so: tati, tati tati, tata usw. usw. Mein Johannes sagt nichts und spitzt die Ohren. Ein Jahr später führt er seine vierte Symphonie auf. Was höre ich? Meinen Pfiff. Seitdem bin ich ihm aus dem Weg gelau­fen, und eine Fünfte ist ihm nicht mehr ein­gefallen."

Er griff zu einem Dominostein:Da heißt es Obacht geben, sonst könnte es mir gehen, wie seinerzeit dem Franz." Wieder ein Blick des Zornes und grämliches Knurren, bis ich beschei­den frage:UnD wer wäre dieser Franz?" Der Grillparzer versteht sich. Dann und wann spielten wir eine Partie Domino. Einmal, da ich mir noch überlege, was ich ansehe, und der Grill­parzer trommelt mit der linken Hand fünffüßige Jamben auf den Marmortisch kurz und gut, da nimmt mein Franz seinen letzten Stein, der gerade paßt, seht ihn an und sagt:So!" Dar­auf schnelle ich, schau'n Sie her. mit dem Dau­men und dem Mittelfinger seinen Stein weg,

fdjaft nachhinke, und zeigt, daß wohl Me Tatsache richtig, dcr Vorwurf dagegen nur halb berechtigt fti. 5)ie llederwindung de» römischen Rechts in sinn­gemäßer Angleichung an unsere heutigen Lebens­formen ist, wie Professor Merk (Marburg) aus- führt, eine der nötigen Maßnahmen zur Heber» Windung der heutigen Rechtsfremdheit des Volkes. Die Heberwindung des Scholastizismus, das heißt der Meinung, daß alle erforderlichen Rechtsbescheide durch Ableitung aus den vorhandenen Begriffen und Regeln des überlieferten Rechts zu gewinnen seien, zeigt Professor Jung (Marburg). Daß das Strafrecht und seine Krisis ebenfalls weltanschaulich bedingt ist, führt der Münchner Strafrechtler v. Ealker aus. Heber das Problem der AusbUdung der Juristen schreibt Senatspräsident Reichert oom

Reichsgericht. Er fordert vor allemMänner, nicht Maßnahmen", eine weitgehende praktische Vorbil­dung und rechtzeitige wirtfä)aftliche Sicherstellung der Staatsanwärter. Das Heft aeigt, daß der Ruf nach Reformen berechtigt ist. Aber grundlegende Reformen können, wie es dort selbst heißt,nur dann ersprießlich fein, wenn sie die Hrsachen der Krisis erfassen, wenn rechtsschöpferische Kräfte und rechtsvollziehende Organe nur der Allgemeinheit und dem Rechte um der Allgemeinheit und des Rechtes willen dienen und nicht Werkzeuge indivi­dualistischer Tendenzen sind. Ohne solche Reform der Einstellung zum Recht ist auch eine Verreich- lichung der Justiz, man mag sie erstreben oder ab- lehnen, kein Mittel, die Krisis der Justiz zu be­heben."

Zehn Lahre deutscher Luftverkehr.

Von Dr. Heinz Orlovius, Letter der Presseabteilung der Deutschen Luft-Hansa.

Am 5. Februar 1929 kann der deutsche Luft­verkehr auf ein zehnjähriges Bestehen zurück­blicken. Wenige Monate nach Beendigung des Krieges bereits ergriff die von führenden deut­schen Wirtschaftskreisen ins Leben gerufene Deutsche Luft-Reederei die Initia­tive und stellte das sporllich und militärisch be­währte Flugzeug in den Dienst des friedlichen Verkehrs. Aus jener Keimzelle, der kleinen Flug­linie B e r l i n W e i m a r, auf der in der Hauptsache im Lustpostkurierdienst zwischen der Reichshauptstadt und dem Tagungsort der Ra- tionalversammlunb unterhalten wurde, ist im Verlauf von einem Jahrzehnt ein dichtes Streckennetz entstanden, dessen Adern nicht nur sämtliche Industrie- und Wlltschaftszentrcn inner­halb Deutschlands miteinander verbinden, sondern vor allem über Ditz deutschen Grenzen hinaus zu fast allen europäischen Hauptstädten führen.

Im Sommer 1928 hatte auf dem Höhepunkt des Verkehrs das Flugnetz der Deutschen Lust-Hansa eine Ausdehnung von rund 33 000 Kilometer. Es i ist wohl interessant, die Entwicklung eines anderen ; Verkehrszweiges dem gegenüberzustellen. 1835 dampfte die erste Eisenbahn durch deut­sches Land, zehn Jahre später hatte das Eisen­bahnnetz eine Gesamtlänge von 2800 Kilometer, ilnö ein Blick auf die damalige Eisenbahnkarte geigt, daß die Fahrstrecken durchaus nicht alle inemandergriffen, sondern daß vielmehr fünf ver­schiedene Kristallisationspunkte der werdenden Reichsbahnen bestanden, die völlig voneinander getrennt waren. Man darf also ruhig behaupten, die Entwicklung des Luftverkehrs in Deutschland um ebensovielmal schneller gegen­über der Eisenbahn vor sich ging wie das Flug­zeug dem erdgebundcnen Zug an Geschwindigkeit überlegen ist. Lind dies, trotzdem das Flugwesen gewiß noch weit mehr Widerstände ver­schiedenartigster, nicht zuletzt psychologischer Aatur zu überwinden hatte als die Eisenbahn, der man freilich auch in der damaligen Zeit mit Miß­trauen und Skepsis begegnete. Ein Vergleich der Flugnetzlarte von 1929 mit derjenigen der Eisen­bahn von 1845 laßt insbesondere erkennen, daß internationale Eisenbahnstrecken noch nicht exi­stierten, während die Handelsluftfahrt gerade in den Verbindungen von Land zu Land ihr Haupt­betätigungsfeld mit Recht erblickt. Der Grund für die rasche Expansion des Flugwesens ist nicht zuletzt darin zu suchen, daß baß Flugzeug keine nur langsam anzulegenden Schienenstränge braucht, sondern sich seinen Weg im freien Aether- meer ungebunden suchen kann.

Dieser Vorteil birgt, wie überall, auch einen Rachteil in sich, denn der natürliche Halt, den die Eisenbahn in der Schieirenanlage findet, muß bei dem Flugzeug künstlich durch die Kraft der Motore ersetzt werden und diese ist sehr kostspielig. So ist es aus diesem und man­cherlei anderen Gründen nicht verwunderlich,

setzte meinen hin und sage: Du, Franz, kommst nachher. Du bist ein Epigone, E Pi go ne! Hab ich ihm das gut gegeben oder nicht? In der Art habe ich manches Stückchen geliefert und dabei fällt mir ein Spaß ein, den ich mit dem guten Robert gehabt habe. Weil mir aber Ihre historischen Kenntnisse nicht ohne Lücken zu sein scheinen, sehe ich hinzu, daß es vom Schumann handelt. Ich habe viel sechsbändig gespielt mit ihm und der Klara. Lind so spielten wir seine Erste in B-Sur: ti-tim-ti-tim-tim-ta-ta-ta? Kaum haben wir den ersten Sah hinter uns. da sagt der Robert: Es hört sich an wie ein Orchester. Worauf ich ihm repliziere: Lind Wenns das Or­chester spielt, könnte mans für sechsbändig halten. Sie sehen, ich war nicht auf den Kopf gefallen.

Um mir das recht eindringlich zu beweisen, stand der Mann auf und schmetterte eine italie­nische Arie solange vor sich, bis ich ihn mit meinem Beifall unterbrach;Wann sind Sie zum letztenmal als Don Juan aufgetreten?"Sagen Sie nicht Don Juan. Es ist eher aus einer ita­lienischen Oper. Ich sang sie zum letztenmal, als Goethe starb. Kein geringer Schreck war das. Es verschlug mir vollends die Stimme, so daß ich mich alsdann mehr aufs Dirigieren geschmissen habe. Rehmen Sie sich ein Beispiel daran. Stu­dieren Sie nicht unter vierzig bis fünfzig Jahren. Richt fingen, bevor die Stimme sitzt."

Ich finge gar nicht," sagte ich und rechnete mir schnell aus. daß er eben im Jahre 1832 Hall gemacht hat. Sollte da nicht noch mehr zu holen sein?Sie haben gewiß Beethoven den Ludwig meine ich gut gekannt. Waren Sie um ihn, als er starb?"

Starb? Starb? Glauben Sie das Ammen­märchen auch? Mir ist nichts davon bekannt."

Dann ist es wohl auch gar nicht wahr, daß der Rousseau seinen Sohn ins Findelhaus ge­bracht hat?"

Den Emil? Viel zu faul war er dazu. Ich habe den Schlingel hinbringen müssen, sonst hätte er ihn heute noch auf dem Hals. So. Röthel, sag ich zu ihm ich habe ihn nämlich Röthel genannt, um ihn zu ärgern, so, Hansjacob Röthel, das wäre auch besorgt. Wenn Sie aber gesehen hätten, wie der alle Fritz von seinem Vater behandelt worden ist! Mir hat sich das Herz im Leibe umgedreht. Friedrich Wil­helm, habe ich zu ihm gesagt, du sollst dich was schämen! Aber rein in den Wind gesprochen. Da war mein Freund Leibnitz ein anderer Kerl. Grundgelehrtes Haus. ..Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen", lautete seine große These 2n einigen Bagatellpunkten freilich Di»

wenn der Luftverkehr heule noch nicht ren­tabel arbeitet die anderen Verkehrszweige, wie Eisenbahn und Schiffahrt, waren hierzu nach dem ersten Jahrzehnt ihres Bestehens auch noch nicht in der Lage. Aber die 130 Kilometer Stundengeschwindigkeit des Flugzeuges, die ohne weiteres noch beträchtlich zu steigern ist, wird aller Voraussicht nach das allgemeine Verkehrs­tempo immer mehr zum Nutzen der gesamten Wirtschaft beschleunigen. So ist verständlich, daß die verantworllichen Stellen das neue Verkehrs­mittel, das im höheren Sinne heule ja schon wirtschaftlich" ist, in seiner Anlaufszeit sinanz'.ell unterstützen. Diese Aufwendungen dürften aufjer* dem, auch rein kaufmännisch gedacht, in heute schon absehbarer Zeit reichen Ruhen tragen, denn immer mehr nähern sich die Einnahmen den Betriebskosten. Hier hat die Technik das entscheidende Wort zu sprechen, neben vielen anderen insbesondere durch Verbesserung des Verhältnisses von toter Last zur Ruhlast. Aber die deutschen Flugzeugkonstrukteure haben in den vergangenen zehn Jahren unter schwierigsten Verhältnissen so Hervorragendes geleistet, daß man auch die Lösung des Rentabili- tätsprvblems von ihnen erhoffen darf. Die schweren Fesseln, die dem deutschen Flugzeugbau von der Eillente aus Konkurrenzneid unter dem Mantel der Friedenssicherung aufgezwungen wurden. - bis zum Jahre 1926 waren für Deutschland in der Praxis mehrmotorige Groh- fhigdeuge verboten auch diese Baubeschrän­kungen konnten den deutschen Erfindergeist nicht lähmen. Seitdem die weltwirtschaftliche Rotwen­digkeit die Aufhebung dieser Baubeschränkungen erwirkt hat, braucht die deutsche Industrie einen Qualitätsvergleich mit dem Ausland keineswegs zu scheuen.

Auch die Organif ation der deutschen Handelslustfahrt berechtigt zu Hoffnungsfreudig­keit. In mannigfacher Llmgestaltung entstand schließlich eine einheitliche deutsche Luftverkehrs­gesellschaft. die Deutsche Luft-Hansa, in der die gesamte deutsche Handelsluftsahrt-Jnitta- tive bereinigt ist. Die Zusammenfassung aller Kräfte erwies sich aus wirtschaftlichen Gründen als unbedingt notwendig, da die anfänglich ent­standenen vielen kleinen Gesellschaften wegen des erwähnten politischen Druckes von außen und ferner wegen der finanziellen allgemeinen stdot- lage (Inflation) nicht weiter bestehen konnte«, und da sich auch ein innerstaatlicher Wettbewerb zwischen zwei Konzernen (Aerollohd und Jirnk- kers), die beide öffentliche Unterstützungen er­hielten und diese zum Äül gegeneinander ver­wendeten, als völlig unfruchtbar erwies. Vor allem aber ist die Konzentration der Kräfte notwendig im Hinblick auf die beginnende Kon­kurrenz im Weltluftverkehr. War das erste Jahrzehnt überall dem Ausbau kontinen­taler Liniennetze gewidmet, so gilt es nun, die

bergierten wird, vom pourquoi du pourquoi ganz zu schweigen. UnD wollen Sie wissen, wie ich das brennende Magdeburg verlassen habe? Ich spielle in aller Ruhe ein geistliches Stück von Palestrina. Da brennts auch schon an allen Ecken. Beim Dom treff ich den Tilly:Du", sag ich,das ist eine Gemeinheit!" Die Achseln hat er gezuckt:Er wisse selbst nicht, wies ausgekom­men ist."A propos. dieser Palestrina, war das ein netter Mensch?"

Sie haben ihm ja keine Ruhe gelassen. Wirst du gehn und komponieren! so hab ichs Tag und Rächt gehört. Immerhin ein kreuzbraver Mensch. Unb wenn Sie nicht zu müd' sind, gebe ich Ihnen jetzt ein Stückchen von meinem alten Thomas zum besten. Jahrelang habe ich mich mit ihm über die Kunsteinrichtungen gerauft. Er ist übrigens später als Heiliger Thomas von Aquino noch zu Ansehen gäommen. Ich bin aber trotzdem nicht sanft mit ihm umgesprungen: Kruzi Turki! was hat der liebe Gott mit der Malerei zu tun? Dann zog er sein Gesicht in geheimnisvolle Falten:Die einen haben ihr Lebenlang von der Well nichts als abgedroschene Impressionen. Well sie Teufel sind und sündige Kreaturen. Aber den Engeln und den Sünden­reinen sind die Expressionen beschieden. Dumm war der Thomas nicht. Aber da hat et sich tüchtig verhauen.

Jetzt hatte ich ihn erwischt. Sein Wort in Ehren. Wenn er mir aber weis machen wollte, daß Thomas den faulen im- und expressionisti­schen Zauber mitgemacht habe, dann war ich entschlossen, ihm bet nächster Gelegenheit Mauth- ners philosophisches Wörterbuch bis zum Wider­ruf um die Ohren zu schlagen oder kurzerhand ihm das Lügenmaul zu stopfen, älnd Gott weiß, was sich zugetragen hatte, wäre der Mann nicht plötzlich mit den Worten aufgesprungen:Jetzt sollen Eie mal sehen, wie Kaiser Heinrich der Erste er wird Ihnen als Finkler nicht mehr unbekannt fein gegangen ist. So ist er ge­gangen. Der Abend war wirklich nicht verloren. Hören Sie auf, hören Sie auf, ich bekomme Seitenstechen. UnD so etwas nennt sich Städte­gründer!"Ist ihm gar nicht eingefallen. Das habe ich ihm gleich ausgeredet. 2lber wissen Sie, was schade ist: Daß Sie Ludwig das Kind nie gesehen haben. Ein Würmchen, sag ich Ihnen, ein Blld des Jammers." UnD ohne mein Be­dauern abzuwarten, fing er an, in den un­flätigsten Ausdrücken über die Ostgvten herzu­ziehen.Diese Bagage! Dieses Pack! Ich laufe hinunter nach Ravenna, da sind sie eben weg.

Erdteile miteinander zu verbinden und hierbei wird der Wettbewerb zwischen Den Rationen, welche die große Bedeutung der Handelsluftfahrt klar erkannt haben, ein sehr intensiver fein. Die unstreitig erzielten Erfolge des deutschen Luft­verkehrs in den ersten zehn Jahren seines Be­stehens und das Reuaufblühen des deutschen Luftschiffbaus lassen uns aber getrost in die Zukunst schauen.

Deutsche und Llngmn im Habsburger Iterch.

Man schreibt uns:

Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Her,, Berichterstatter A. v. K. ein echter Ungar ist und seine Ausführungen mit der in Österreich bekannten älnzufriedenyeit und ilnbambarteit der Ungarn gegenüber dem Haufe Habsburg über» einslimmen, es könnte aber rrrtümllch der Schltlß gezogen werden, daß wir Deutsche in Oesterreich Lievkind" im Hause Habsburg gewesen sind und darum ersuche ich um freundliche Ausnahme dieser Zeilen:

Es ist typisch für die kleinstaatlichen, nicht- deutschen Völker der ehemaligen österretch-ungari- scheu Monarchie, daß sie sich alle als Stief­kinder Der österreicchichen Regierung ausgaoeu uitD bemitleiden ließen, trotzdem sie ausschließlich nur auf Kosten der Deutschen in Oefterreich lebten, ihre ganze Existenz diesen zu verdanken haben, an bereu hohen Kulturemwicklung sie nach Geistesvermögen teilnehmen konnten uni) von Den Habsburgem mit ausgesuchter Höflichleit. Gute und Lieoe unterstützt wurden allerdings zum Rachteil der Deutschen!

Siels waren es die Habsburger. Die mit aus­schließlicher Hilfe der Deutschen, die Ungarn vor ihrer völligen Vernichtung beschuhten, zum Danle hierfür enthrouten diese im Jahre 1848 Die Habsburger. Mit Hilfe dec in Ungarn lebenden Deutschen war die Revolution imterbrüdt, den Deutschen wurde vom Kaiser Franz Loses unver- gangitajer Dank zugesichert, doch schon im Jahre 16U7 wurde ein Vergleich mit Unf' rn geschürften, der in Dec Zöche eine gewaltsame Madzarifierung der Deutschen in Ungarn unter den dunloaren Augen Dec Habsburger zeitigte! Die Habs> bürget hatten den Ungarn jede Selbständigkeit gegeben, sie konnten sich frei entwickln und wenn trotz alledem die kulturelle Entwicklung hinter den madjarischen Wünschen zurückblieb, so war es gewiß nicht Schuld Der Könige! Ganz gewiß war es nicht nur Kaiser Karl, der für Ungarn eine ausgesuchte Liebe empfand, es waren dies fast alle Habsburger, insbesondere Kaiser Franz Josef, dessen Gemahlin und Kronprinz Rudolf (Der Preuhenfeind) aus letzterer 3cü 1 Mit Aus­nahme Der staatserhältenden Deutschen trugen alle anderen Völker wenig oder nichts bei zunij Staatshaushalt, desto mehr verlangten sie unD' wurde ihrem nationalen Sonderinteresse, stets zum Rachteil der Deutschen, mit besonderem Ver­ständnis und väterlicher Huld, von feiten der Krone Rechnung getragen. Daß seinerzeit Kaiser Franz Josef Deut ganz unvernünftigen Verlangen der Madjaren, die ungarische Armeesprache nr Ungarn einzuführen, im Interesse Der Schlag- fertigfeit nicht entsprach, empörte das nationale Empfinden dieser Ungarn sehr und aus solchem Richtigkeiten leiteten sie geringes Verständnis und Mangel an Liebe zum ungarischen Volk« von feiten Der Habsburger ab. Em« einzige Wahrheit ergibt sich aus der Geschichte Der Habsburger, daß sie mit Ausnahme Josef II. für ine Deutschen fein besonderes Verständnis hatten, wohl aber für Die übrigen Völker, ins­besondere aber für die Ungarn!

Sprechstunden der Redaktion.

12 bis 1 Ahr mittags, 5 bis 1 Ahr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen.

rnramwibtt»mm»m Ich im Eilmarsch nach Rom. Wieder weg. Schließlich ist mirs zu Dumm geworden und ich bin umgekehrt."

Ich wollte ihn trösten:Anderen ists wohl auch nicht besser gegangen, und auf Regen folgt Sonnenschein.

»Oder umgekehrt, wie ich allerdings kurz vor­her eine rechte Freude hatte, daß ich Don Hanni- balü Zug über Die Alpen noch einen faftigert Fetzen erwischen konnte. Ich machte einen Aus­flug m Den Bergen und sitze behaglich am WalÄ- vand und frühstückte. Da kommen Sie. Ein Elefant nach dem anderen. .Wie ist der Weg?' frage ich Hanniball .Passabel,' kommt es zurück, .nur immer links halten, sonst verlaufen Sie sich.

Und dieser Rebukadnezar, mein Herr, hat er wirklich Gvas gefressen?" .Richts als Gras, mein Ehrenwort! Lieber Junge,' so sprach ich zu chm, ,es mag ja gesund sein. Aber wenn Du so auf allen Vieren herumkriechst, ists ein gtn^ abscheulicher Anblick. Da war der Roah ein anderer Familienvater, das dürfen Sie glauben^ Rührend als Gatte, zärtlich noch als Uraroh- vaier. Dabei viel Sinn fürs Praktische. Richt vergessen, grandioser Erzähler von Anekdoten.

Bon Adam wußte er wohl manche Schnurre?" Von Dem brauchte er mir nichts zu erzählen. Da wußte ich selber Bescheid."

Im Eden gingS wohl toll zu?"

Drunter und Drüber. Am schlimmsten haben es mein Freund Adam und die Person getrieben. Alles mit Maßen, hab ich ihm oft gesagt. Hätten Die Leutchen auf mich gehört, wäre das ganze Trara nicht entftanDen."

Gewiß hat Sie auch mit manchem Affen ein schönes Freundschaftsband verknüpft."

Darum tuts mir leid, daß wir jetzt Abschied nehmen müssen. Morgen geht es nach der ewigen Stadt. Weilte ganze Zukunft steht auf Dem Spiel. Wenn wir uns Wiedersehen, erinnern Sie mich, wo wir stehengeblieben sind. Leben Sie lang."

Rach diesen Worten entfernte er sich Ich mühte aber lügen, wenn ich behaupten wollte, daß er durch einen Rauchfang oder in einer Ver­senkung verschwand oder auch nur einen mäßigen Geruch von Pech und Schwefel zurücklieh. Und wenn ich chm wieder begegne, werde ich ihm nichts um Die Ohren schlagen, ihm auch das Maul mit Nichten stopfen. Denn ich Habs später beim Mauthner bestätigt gefunden, was er mir vom Helligen Thomas erzählt hatte. Sapperlot, ich will die Ohren spitzen, wenn er mir «us der Zell erzähll, Da er auf allen Vieren ging und sich kreischend und behend von Ast zu Ast schwang.