m. 29 Erster Matt
179. Jahrgang
Montag, 4- Februar 1929
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. DerantwoNlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil .start Hillmann, sämtlich in Gießen.
DieMinderheitenfragemGenf Der deutsche Antrag auf die Tagesordnung des Rats gefetzt.
Gens. 2.£cbt. (2DB.) Zur Minderheitenftage verösfentlicht da» Generalsekretariat des völker- bunbc» soeben folgende Mitteilung: Der Generalsekretär des Völkerbundes hat einen Bries de» deutschen Ratsmllgllede» Dr. Strese- m a n n erhalten, in dem in Uebereinstimmung mit der von Herrn Dr. Stresemann in der Ratssitzung vom 15. Dezember in Lugano abgegebenen Erklärung darum ersucht wird, folgende Frage auf bie Tagesordnung des Rat» zu sehen:
»Die Garantie de» Völkerbünde» für He Bestimmungen zum Schuhe der Minderheiten."
Infolgedessen hat der Generalsekretär diese Frage aus die vorläufige Tagesordnung der nächsten Rats- sitzung. die am 4. März in Genf beginnt, gefetzt. Wie man weih, st and.rerscits auf Antrag des kana- dif'ben Ratsmikgliedes Dandurand „die Frage des bei Minderheitenpetitionen anzugebenden Verfahrens" auf die Tagesordnung der 54. Ratstagung gesetzt worden.
Ae Mürztagung des Rates wird also diesmal besonders bedeutungsvoll sein. Fast alle europäischen Staaten werden an ihr ein stärkeres Interesse nehmen müssen, als das bisher der Fall war, weil sämtliche in ihren Grenzen nationale Minderheiten beherbergen und weil' fast alle wieder eigene Volkssplitter inmitten anderer Völkergruppen wissen. Wir sind nicht optimistisch genug, um schon jetzt damit zu rechnen. daß unser Antrag das von uns gewünschte Ergebnis herbeiführen wird. Der Völkerbund muh aber endlich einmal dem Problem der nationalen Minderheiten ein größeres Interesse ent gegenbringen, und baS deswegen, weil er feine Aufgabe darin erblickt, die Aufrechterhaltung und Durchführung der Friedensverträge zu überwachen, eine Ausgabe, die er nur dann rcstloS lösen kann, wenn er sich auch mit jenen Vereinbarungen dauernd und eingehend befaßt, die auS diesen FriedenSverträgen hervoraegangen sind. Lind dazu gehören in erster Linie die Minderheitenkonventionen. um die ftch die Siegerstaaten bisher so gut wie gar nicht gekümmert haben, so dast fortgesetzt die nationalen Minderheiten in allen Ländern, namentlich aber die vom Reich los- getrennten deutschen Volksteile, sich über ihre Entrechtung und Bedrückung beklagen mußten, Es ist wohl auch nicht zu viel vom Völkerbund verlangt, sich endlich einmal energisch dem Schutze der Minderheiten zuzuwenden.
Was sagt Paris dazu?
Unbegründete Erregung. — Antwort auf Elsatzdeüattc.
Paris, 4. Febr. (TU.) Die französische Dbendpresse kommentiert teilweise sehrerregt das Vergangen Stresemanns, die Minderheitenfrage vor den Völkerbund zu bringen und behauptet foflar, daß die Initiative des deutschen Außenministers eine direkte und drohende Antwort auf die Elsatz-De- batte in der französischen Kammer darstelle. Der „Intransigeant" ist der Ansicht, daß Stvese- mamt die Minderheitenfrage zu ungeeignete r.Zeit aufrolle. Stresemann aber habe seine Pläne. Die Verhandlungen der Sachverständigen würden schwierig sein. Deutschland beging damit eine drohende Haltung einzunehmen, die seiner Meinung nach die Alliierten nur veranlassen könnte, ihren deutschen Schuldner zu schonen. — Der „Temp s" ist mit der Vertrauenskundgebung Stresemanns zum Kellogg-Patt im Reichstag, die er als lobenswert bezeichnet, zufrieden, bedauert aber, daß der Außenminister die Minderheitenfrage in einem Augenblick an- schneidet, in dem diese 3u heftigen Streitigkeiten führen werde. Deutschland hoffe, ans dem Vorgehen der deutschen Minderheiten die größten Vorteile für die Entwicklung seiner Politik in Europa zu ziehen.
Der ungekrönte König von Flandern.
(trotze Autonomistcukundgebung i» Antwerpen.
Antwerpen. 3. Febr. (SU.) Am Sonntag land in Antwerpen zu Ehren des kürzlich aus >em Zuchthaus entlassenen Flamen- f ü b r c r s B 0 rms eine große Kundgebung taff. Es ist bemerkenswert, daß genau am gleichen Tage vor elf Jahren, nämlich am 3. Februar 1918, während der deutschen ‘Belegung eine Kundgebung der Autonomisten in Antwerpen (tätigetunben hat. die zu lebhaften 'degenkundge'öungen führte. Die Kundgebung am heutigen Sonntag verlief ohne Zwischenfälle. Am ‘Somittag fand im Rubens-Palast eine große Versammlung statt, an der etwa 5300 Personen tei(nahmen. Aus dem Podium batten der rlämenfüh-rer Borins und seine Frau sowie lbO Aktivisten, die in Belgien verurtci t nach ■ Holland flüchteten und am Sonntag zum c r ft e n -Haie wieder auf belgischem Boden iwaren, Platz genomrrci. Bonns wurden große lHuldigungen dargebpachi, er wurde von den be- nciitcrte i Zuhörern mit B:umen überschüttet.
Deutschlands Propaganda im Ausland.
Stresemann antwortet auf poincares Zahlenphantasien.
Berlin. 2. Febr. (Privatmeldung.) Deichs- minifter des Aeuhern Dr. Stresemann äußerte sich heute vor Vertvetern der Preise zu den Ausführungen, die der französische Ministerpräsident in der Kammer über die angebliche Höhe deutscher Propagandafonds gemacht hat. Aach dem hier vorliegenden Wortlaut hat Poincare erklärt, daß diese Fonds 91 548 720 Marl g e ch 660 Millionen Franken betrügen. Gr hat hinzugefügt, daß die Arbeitsvereinigung für die Ausrech er Haltung d s Deutschtums bei der Verteilung dieser Amds selbstverständlich nicht vergessen werden würde. Da aus diesen Ausführungen der Eindruck entstehen konnte, daß eine solche oder auch nur eine ähnliche Summe für — wie Herr Poincare sich , ausgebrückt hat — Zwecke des Panger- , manismus ausgegeben werde, gab Minister j Stresemann die ® tat titel bekannt, die über- j Haupt für Propaganda in Frage kommen, in denen aber nicht Mehrausgaben für das Ausland eingeschlvssen sind. Diese Etatspositioneni sind:
Bei der Reichskanzlei 822 000 Mark, wovon aber nur 300 000 Mark der Reichskanzlei zur Verfügung stehen, während die übrigen 522000 Mark den Etat der Reichszentrale für Heimatdienst ausmachen. Auswärtiges Amt: Der geheime Fonds von 6 Millionen, ferner 2,4 Millionen für die Förderung des Aachrichten- wesens im Ausland, im Inland 416 000 Mark und 6 Millionen für die Pflege humanitärer und kultureller Beziehungen im Ausland. Don diesen 6 Millionen sind aber von Dornigerem 4,5 Millionen für Schul-Wecke festgelegt. Reichsministerium des Innern: 2 Millionen zur Unterstützung besonderer kultureller Aufgaben im Interesse des Deutschtums, Reichsminifterium der besetzten Gebiete insgesamt 4 Millionen, davon 3 Millionen für kulturelle Fürsorge in den besetzten Gebieten und eine Mn- lion für besondere Zwecke.
Im ganzen beträgt die Summe, die für- Propagandazwecke in Frage kommt, 21638 000 Mk. Dabei ist zu beachten, daß die aufgeführten Titel in den Etats der Reichskanzlei, des Reichs- ministeriums des Innern und des Ministeriums für v!>ic besetzten Gebiete nur für Inland- zwecke in Frage kommen. Außerdem ist bei den Fonds des Auswärtigen Amtes $u beachten, daß die 41/, Millionen, die für Schulzwecke festgelegt sind, kaum als Propaganda mittel angesehen werden können. Diese 41/» Millionen sind übrigens eine Summe, die wesentlich geringer ift als das, was andere Länder für diese Zwecke ausgeben. Schließlich kann man auch die Gelder für d i e besetzten Gebiete kaum als Propaganda auffassen; denn schließlich sind die besetzten Gebiete Teile des Deutschen Reiches, die besonderer Pflege bedürfen. — In Berlin ist nicht bekannt, worauf Herr Poincarb seine Berechnungen gestützt hat. Es wäre wünschenswert, wenn er darüber noch Aufschluß geben würde. Da zumal befürchtet werden muß, daß die Angaben Poincares bei den Märzverhandlungen des Völkerbundes über die Minderheit en- srage eine Rolle spielen, ist es notwendig, sofort Klarheit zu schaffen.
Borms umarmte alsdann die flämischen, holländischen und südafrikanischen Aktivisten.
Aach der Eröffnungsrede des Präsidenten der Aktivistenbewegung erklärte Borms: Ich habe mit der Besatzungsmacht zusammen- gearbeitet, habe aber nichts unternommen, waH zugunsten dieser Macht ausgelegt werden könnte. Die Aktivistenbewegung wollte lediglich die sich darbietende historische Gelegenheit für die Befreiung Flanderns ans- n ü tzen. Nachdem Borms darauf hingewiesen hatte, daß der König sein Versprechen, den Flamen ihre Rechte zu geben, nicht gehalten habe und nachdem er insbesondere an dem Verhalten der sogenannten „passiven" Aktivisten Kritik geübt hat.e. entwickelte er sein Progrannn. das in der Forderung gipfelte, Flandern e i n e p 0 l i t i s ch e A u 10 n 0 m i e i n n e r- halb einer ..G r 0ß -AiederIa nde" zu geben. Das sei indessen ein noch in der Ferne liegendes Ideal, aber während man auf die Verwirklichung dieses Ideals warte, mühten die Flamen auf eine vollständige politi - s ch e Autonomie hin arbeiten.
Aach dieser Versammlung veranstalteten die Flamen einen großen 11 m 5 n g durch die Stadt, an deni schätzungsweise 15 000 Personen mit Hunderten von zahnen und zahlreichen Musikkapellen teilnahmen. Die flämischen Studenten der älniversität Löwen bildeten eine besondere Gruppe, die etwa 600 Personen umfaßte. Die Studenten beteiligten sich trotz des Verbotes, nicht mehr an den Kundgebungen zugunsten des Aktivismus teilzunehmen. da sie der Auffassung find, daß ihnen diese Dcrvflich- tung nur unter besonderem Druck a b - genommen worden ist. An der Spitze des Zuges marschierte Borms. In seinem unmittelbaren Gefolge befanden sich zahlreiche alte F l a m e n k ä m p f e r. Die Teilnehmer versammelten sich später auf dem Platz, an dem das Versammlungslokal der Flamen liegt. Borms
Ein mißlungener
Rechtfertigungsversuch.
Paris, 3. Febr. (Tel.) Die Kanzlei des französischen Ministerpräsidenten veröffentlicht eine Rote, in der die angeblich von deutscher Seite falschverstandenen Stellen der Rede Poincares noch einmal wiedergegeben werden. Die ungeheuerliche Ziffer von 94 Millionen Goldmark. die von deutscher Seite für Propagandazwecke im Jahre 1927 ausgegeben sein soll, sucht Poincare aus einer wahllos zusammc n- gestellten und teilweise unverständlichen Aufzählung der verschiedensten Budgetposten des Jahres 192? zusammenzurechnen. Es erscheinen u. a.: Heimatdienst, Informationsdienst rn Deutschland, Sachverständigenreisen ins Ausland, Pressedienst, dem scher Informationsdienst im Auslände, wirtschaftlicher Informationsdienst im Aus lande, deutsche Werke im Ausland?, Hilfe für Auslanddeutsche, ferner dasH i l f s k v m i t e e für die deutsche Wissenschaft allein 28
Millionen Mark, Arbeit im Interesse des Drutsch- tums (Innenministerium), Hilfe für die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesenen innerdeutschen Gebieten (37.5 Mill.), Ausgaben zur Verteidigung der Kultur der besetzten Gebiete, vorübergehende Hilfe für Grenzbewohner. Zum Schluß muh auch noch die Technische Aot- Hilfe herhalten, um die phantastischen Errech- nungen des Herrn Poincares als berechtigt erscheinen zu lassen.
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Diese Rote Poincares ist nicht im geringsten geeignet, die Erklärungen Dr. ©trefemannß in Beantwortung der Ausfälle des französischen Ministerpräsidenten in der Kammer am vergangenen Freitag abzuschwächen. Im deutschen Reichs haus < halt ist genau umschrieben, für welche Zwecke die für Propaganda angewendeteu Posten verwendet werden. In kinem einzige, Fall kann von Auslandpropagnnda tm Sinn der Ausführungen Poincares gesprochen werde. . Der Hinweis auf den Posten zur Verwendung i m innerdeutschen Gebiet muß gcra&egü lächerlich wirken.
Reue Allfstandsdeweguug in Spanien. Truppen meutern in Valencia. — Reue Verhaftungen.
pari», 3.Jebr. (prio.-Tel.) Reisende, die von der spanischen Grenze kommen, berichten, daß ein leit der Garnison von Valencia sich erhoben habe und daß die Lage im allgemeinen al» ernst angesehen werde. Infolge dieser Nachrichten fand vergangene Rächt Im Kriegsministerium in Madrid ein eiligst zusammen- berufener Kabinettsrat statt mährend der 1 Innenminister eine Beratung mit den Direktoren der Sicherheitspolizei abyielt. Der „3onrncrtM- Korrefpondent in Madrid will in der Lage sein, über die Ereignisse in Valencia folgende Gerüchte wiedergeben zu können:
Lin Offizier im Generalsrang habe an der Spitze eines Teiles der Truppen der Garnison Valencia versucht. Sanchez Guerra zu befreien. Aber Streitkräfte'benachbarter Garnisonen hätten eingegriffen und seien der Aufständischen Herr geworden. Es sei jedoch Blut geflossen. Um zehn Ahr gestern abend seien die Führer der Armeekorps der Garnison Madrid zusammenberufen worden, um die Mitteilung neuer Nachrichten aus Valencia enlgegenzunehmen, und hätten dem König Treue geschworen. Angesichts der gegenwärtigen Lage werde der frühe« Ministerpräsident Sanchez Guerra von dem Obersten Gerichtshof abgeurleilt werden. Die Lage sei in feiner IBeife geklärt. Die Truppen aller Garnisonen würden in Kasernen in Bereitschaft gehalten; die Zensur werde strenger denn je durchgesührt, und dies erscheine um so nohven- d'iger, als auch innerhalb der Marine eine gewisse Erregung sich seslslellen lasse. Die Regierung habe deshalb, um tatkräftig in den Gang
der Ereignisse einzugreifen, beschlössen, den Generalleutnant Sanjurjo mit der Ermächtigung nach Valencia zu entsenden, alle Zivil- und MiK-- tärbehörden, die nicht unbedingt zirverlöffig seien, abzusehen und neue Ernennungen vorzunehmen
Der Generalkapiän non Valencia, General Castro Girona ist von General Sanjurjo a b g e s e h t worden. Er wurde im Auto nach Madrid geschafft und ins Militärgefängnis von San Franzisko gebrollht. Gestern wurden noch andere höhere Offiziere feffgerommen, darunter bH Generäle Agailera und Eabanellas, dergleichen wird die Verhaftung des ehemallgen Prfl-I fidenten des Rationalkongresses, v l l l a n u e 0 a. gemeldet. Bei seiner Ankunft in Valencia nahm General Sanjurjo Kenntnis von den Erklärungen Sanchez Guerra s. Er setzte den Zivilgouverneur und den Bürgermeister von Valencia wieder in ihre Aemker ein. Den Journaliffen von Valencia erklärte ec gestern nachmittag, daß die Ordnung wieder hergestellt fei. Es scheint, daß ein Generalstreik wegen der vom General ergriffenen energischen Maßnahmen nicht 5 am Ausbruch kommen wird.
Selbstmord der Verurteilten von Ciudad Real.
Paris, 3. Febr. (WB.) Dem „3ournal" wird aus Hendahe gemeldet: Aus verlässigen Quelle verlautet, daß die in Ciudad Real wegen Teilnahme an der Aufstands- 0ewequng zum Tode verurteilten höheres Offiziere Selbstmord begangen haben;
selbst zeigte sich auf dem Balkon des Lokales und war Gegenstand endloser Huldigungen. Während des ganzen Zuges begleitete eine zahllose und sich sympathisch verhaltendeMenge dieTeilnehmer. Unter den zahlreichen Plakaten, die tm Zuge getragen wurden, ist besonders eins mit folgender Inschrift bemerkenswert: „©em Flamenführer Borms, dem ungekrönten König von F l a n d e r n.“
Die Deutschen in der Tschechoslowakei.
Nach Svehlas Rücktritt.
Berlin. 4. Febr. (Priv.-Tel.) In derTschschv- slowakei hat sich ein Personenwechsel vollzogen. Der bisherige Ministerpräsident Dr. Svehla ist zurückgetreten und durch den Minister für nationale Verteidigung, til drez al, ersetzt toorbeit Ob das mehr als ein Personenwechsel. ob das auch ein Sy st em wechsel ist, fann erst die Zukunft lehveit. An sich würde sich Svehlas Ausscheiden aus der politischen Laufbahn ganz natürlich erklären. Er ist seit länger als anderthalb Jahren krank und praktisch schon aus seinem Amt seit dieser Zeit ausgesch-altet. Wenn man ihn trotzdem so lange Frielt. dann ge* sch<ch das, weil er zweifellos der klügste Kopf in allen tschechischen Parteien ist, weil er zudem einer der wenigen Männer in Prag ist, der eine saubere Weste hat, und wenn ihm seine Krankheit nicht dazwischengekomitren wäre, dann föimfe er damit rechnen, daß er der gegebene Aachsolger Masaryks als Präsident der Republik wäre. Er selbst scheint die Hoffnung auf eine Rückkehr ins politische Leben in absehbarer Zeit noch nicht aufgegeben zu haben. So erklärt sich wohl die feine Auance, daß fein Aachfolger nicht zum Ministerpräsident ernannt, sondern nur mit dem Vorsitz int QUini ft errat betraut worden ist, um wobl
damit auch zu bofumerctieren, daß Herrn Svehla der Platz einstweilen offengehalten werden soll.
Für uns Deutsche wäre der Fall an sich nicht von so aufregender Bedeutung, wenn nicht in der von Svehla gebildeten Regierung zum ersten Mal ein Teil der deutschen Parteien die Mitverantwortung für den Staat übernommen hätten und das gefährliche Experiment, das sie damit begannen, jetzt vielleicht vor feinem Abschluß steht. Man wird mit Bedauern feststellen müssen, daß die Hoffnungen, mit denen die Deutschen in die Regierung Fingen, sich nicht erfüllt haben. Es ist ihnen nur in sehr bescheidenem Maße gelungen, ihre Ansprüche durchzusehen. Die Deutschen sind auch heute noch in der Tschechoslowakei Staatsbürger zweiter Klasse, und von einer Anerkennung ihrer kulturellen Rechte, von einer Berücksichtigung ihrer finanziellen Q|n- sprüche ist sehr wenig die Rede, älnd das kann sich jetzt nur verschlimmern.
Svehla ist klug genug gewesen, eine Annäherung zu den Slowaken einzuleiten, die zunächst neben den Deutschen in schroffer Opposition zum Staate standen. Dadurch, daß sich die Slowaken zur Mitarbeit bereit erklärten, ist die Aotwendigkeit für die tschechischen bürgerlichen Parteien, mit den Deutschen zusammenzuarbeiten, weiter gesunken, plnd der Verdacht ist nicht gan,; ausgeschlossen, daß bei nächster Gelegenheit die Deutschen wieder ausgebootet werden. Das Kabinett unter seiner neuen Leitung ist vermutlich nur ein lieber- gangsfabincit, das die Wahlen vorbereitcn soll. Die Wahlen aber werden aller Voraussicht nach einen Ruck nach links zugunsten der Sozialdemokraten bringen, und die tschechischen Sozialdemokraten sind den Deutschen gegenüber noch sehr viel weniger entqcgenlommcnö als die Agrarier Svehlas. Wie sich zeigt, eine recht un glückliche Konstellation, die sehr leicht da,zu b


