SassozlalistisOeWehrprogramm
Erste Diskussionsstimmen.
Berlin. 4. 3an. (Priv.-Tel.) In der sozialdemokratischen Presse haben jetzt die Auscin- andersetzungen über das zunächst noch im Ent- wurf vorliegende Wehrprogramm der Partei begonnen. Es wäre eigentlich wichtiger, erst einige Wochen ins Land gehen zu lassen, und dann aus den inzwischen veröffentlichten Betrachtungen Rückschlüsse auf die im sozialdemokratischen Lager herrscheirde Stimmung zu ziehen. Aber bereits der erste Tag hat aus der Feder des Gewerkschaftlers Furtwängler eine Stellungnahme gebracht, die es verdient, hervorgeho- ben zu werden, einmal, weil der Verfasser zu den geistigen Führern der sozialdemokratischen Ar- , beiterschaft gehört und zum anderen, weil er sich rückhaltlos für die Wehrhaftigkeit unterer Ration ausspricht und jeden Pazifismus überhaupt zurückweist. Furtwängler stützt sich dabei auf Aeuherungen namhafter sozialdemokratischer Führer der Vergangenheit und lehnt die im Wehrprogramm niedergelegte These, daß die Partei die völlige Ausschöpfung der uns in Versailles zugestandenen Derteidigungsmittel zurückweist, restlos ab. Zur Begründung seiner Haltung zitiert er namentlich den französischen Sozialistenführer 3 aures. der jede Partei eine verächtliche Partei nennt, wenn ihr der Mut fehlt, vom Volke alle die Opfer zu verlangen, die für feine Existenz und Freiheit notwendig sind, und der ein Land, das in kritischen Tagen, in denen selbst sein Leben auf »dem Spiele steht, nicht auf die nationale Ergebenheit der arbeitenden Klasse rechnen könnte, als einen elenden Fetzen bezeichnet. Man darf einigermaßen gespannt sein, welches Echo dieser Artikel des Gewerkschaftlers Furtwängler in der Sozialdemokratischen Partei finden wird. Erfreulich ist es jedenfalls, das; ein sozialdemokratischer Arbeiterführer den Mut gefunden hat, sich offen und rückhaltlos zur Pflicht der Wehrhaftigkeit zu bekennen.
Orden und Titel.
Vorläufig keine Vorlage des Reichsinnen- mmisteriums.
Berlin, 3. 3an. (Priv.-Tel.) 3n der Oeffent- lichkeit wird jetzt eine Rachricht bekannt, nach der der Reichsinnenministcr S e v e r i n g einen Entwurf zur Abänderung des Artikels 109 der Reichsverfassung fertiggestellt habe, nach dem die Verleihung und Annahme von Titeln, Orden und Ehrenzeichen wieder eingeführt werden soll. Es heißt dabei, daß dieser neue Entwurf auf dem früheren Entwurf des Reichsministers Dr. Külz basiere, und daß das Kabinett bereits diesem Plane zugestimmt habe. Diese Rachricht kennzeichnet sich schon nach Lage der Dinge selbst j « ein ausgesprochener Wunsch gedanke, denn es erscheint doch völlig unmöglich, daß der jetzige Reichsinnenminister Severing sich mit einem derartigen Plane belasten dürfte. An und für sich ist nur zu sagen, daß schon mit Rücksicht auf Bayern endgültig einmal die Ordens- und Titelfrage geklärt werden muß, denn es geht doch nicht an, daß deutsche Staatsbürger, nur weil sie in München leben oder dort zufällig wohnen, von der bayerischen Regierung einen Titel erhalten können, was den übrigen deutschen Staatsbürgern, die doch in der reichlichen Mehrheit sind, untersagt ist. Entweder muß Bayern mit seiner Verleihung aufhören oder das Reich nimmt für sich daS Recht in Anspruch, auch seinerseits wieder wie früher Orden und Titel zu verleihen. Diese Frage ist aber, wie uns zuverlässig erllärt wird, bis jetzt wenigstens auch noch nach keiner Richtung hin im Reichsinnenministerium ventiliert worden, zumal dieses Reichsministerium zunächst eine ganze Reihe viel wichtigerer innerpolitischer Fragen, wie die Reichsreform, die Wahlrechtsreform, die alle einer dringenden Lösung bedürfen, zu bearbeiten hat.
Diplomaten-Revirement im Osten?
Moskau — Kowno — HelsingforS.
Berlin, 4. 3an. (Priv.-Tel.) Der neue deutsche Botschafter in Moskau, Dr. v. Dirk- s e n , begibt sich am 5. d. W. nach Rußland, um seinen Posten anzutreten. Der Aufgaben, die seiner harren, sind es in der Zeit des 3n- terregnurns außerordentlich viele geworden. Einmal ist es die Fortführung der Wirtschaftsberatungen, die ja nach ihrem Abschluß im Dezember v. 3. noch eine ganze Menge von wichtigen Fragen offen gelassen haben. Weiter bedarf es selbstverständlich der Auf- fiärung, welche Bewandtnis es mit den Russen-Roten an Kowno und Warschau hat. Der neue Botschaftsrat für die Moskauer Botschaft, v. Twardowski, wird sich erst in ungefähr 6 Wochen nach Moskau begeben. Bis dahin wird der bisherige Botschaftsrat, Hey, noch auf seinem Posten verbleiben.
3n diesem Zusammenhänge werden jetzt tyieder eine ganze Reihe von Gerüchten über ein bevorstehendes Revirement der deutschen D i - plomatenim Osten bekannt, die aber, soweit wir unterrichtet sind, den Tatsachen vorauseilen dürften. Cs heißt dabei, daß Botschaftsrat Hey nach Kowno kommen solle und daß der bisherige deutsche Gesandte in Kowno, Dr. M o r a t h , auf einen anderen Posten als Gesandter erster Klasse versetzt werden würde. Weiter wird verlautbart, daß an Stelle des verstorbenen deutschen Gesandten in Helsingfors, H a u f ch i l d, der bisherige Chef des Protokolls, Gesandter Köster, treten solle. Diese letztere Rachricht scheint jedoch, wie uns aus gut unterrichteten Kreisen versichert wird, lediglich Kombination zu sein. Selbstverständlich wird sich ein Revirement notwendig machen, da ja für den bisherigen Moskauer Botschaftsrat Hey ein Posten freigemacht werden muß. Die endgültige Entscheidung darüber wird aber erst in einiger Zeit fallen.
Die oeutsche Sprache in Südafrika
Berlin, 4. 3an. (Priv.-Tel.) Die deutsche Kultur hot sich auch nach dem Kriege nach allen von dort kommenden Berichten in bei südafrikanischen Untan behaupten können. Besonders verbreitet und geschätzt ist nach wie vor noch die deutsche Sprache, die durch die vielen ansässigen deutschen Geschäftsleute, Wissenschaftler und Missionare bewußt und unbewußt verbreitet wird. Prof. Dr. Mein- hoff, der ausgezeichnete Südafrika-Kenner be- 1
Die LnffchaMngssorderungen der Länder.
Für Abtretung der Eisenbahnen und der post. — Schuldner und Gläubiger eine Person: der Steuerzahler. - Notwendigkeit eines vernünftigen Ausgleichs.
Der Staatsgerichtshof, der im Zusam- merthang mit der Besetzung der Verrvaltungsrats- posten bei der Reichsbahn in jüngster Zeit erheblich von sich reden machte, ist keineswegs nur mit dieser Angelegenheit aus dem Bereich der Beziehungen zwischen Reich und Ländern befaßt. Er hat eine ganze Menge Anträge zu behandeln, die seitens verschiedener Länder gestellt worden sind, um Ansprüche gegen das Reich durchzusetzen.
Unter diesen Ansprüchen spielen eine besondere Rolle die Entschädigungsforderungen für den Uebergang Der Eisenbahnen an das Reich und für die Vereinheitlichung des Post wese ns. Die Uebertragung der Bahnen beruht auf dem Vertrag vorn 31. März 1920. Auf Grund dieses Vertrages hat Bayern eine Feststellungsklage eingeleitet, wonach ihm das Reich als vorläufige Vergütung jährlich 5,13 Millionen in vierteljährlichen Raten zahlen soll, das ist der Rest, der sich nach bayerischer Rechnung au Gunsten Münchens ergibt, nachdem das Reich die Schulden Bayerns für feine Bahnen übernommen hat. Württemberg, Baden und Sachsen verlangen ihrerseits eine Auswertung der Ansprüche, die aus diesem Vertrag in Papierwäh- rung bestehen. In Württemberg wird die Summe auf 250 Millionen Goldmark aeschätzt, die sich aus dem Uebergang von Post und -Telegraphen an das Reich zugunsten des Landes ergeben soll und mit 4,5 o. $). verzinst werden sollte. Die Zinszahlung ist seit 1. Oktober 1923 eingestellt und nach einer (Srflänmg von Württemberg gischer Amtsseite seien die bisherigen Bemühungen um eine angemessene Neuregelung vergeblich geblieben. In Baden handelt es sich um die E i ° s e n b a h n a b f i n d u n g, für die ein errechneter Goldwert von 18,4 Millionen mit Zinsen seit 1924 angegeben wird. Bayern hat außer feinem oben erwähnten Anspruch aus der Abtretung der Bahnen ebenfalls eine Abfindung für die Abtretung des Postregals, und zwar in Höhe von 152 Millionen geltend gemacht, woraus es vorläufig 4,5 Millionen Mark jährlicher Zinsen seit 1. Oktober 1923 beansprucht. Sachsen hat sich mit einem allgemeinen Aufwertungsanspruch für die Forderungen aus dem Vertrage von 1920 angeschlossen.
Es handelt sich also um ein ganz nettes Sümmchen, gegen dessen Anforderung das Reich vor allem geltend macyt, daß die völlig veränderten Verhältnisse, die durch den A b s ch l nß des D a w e s Vertrags eingetreten sind und die Verschiebuna der Finanzgrundlagen einerseits hierdurch und andererseits durch die Währungsstadili- sierung eine Durchführung des Vertrages von 1920 in der ursprünglichen Form und somit auch die vorerwähnten Ansprüche nicht zuläßt. In der Tat handelt es sich hier um ein sehr heikles Problem.
Denn die Länder, die in ihrer Gesamtheit ja wiederum das Reich ausmachen, find nicht als einfache Gläubiger im Sinne des einzelnen Bürgers zu betrachten, dessen Aufwertungsansprüche inzwischen einigermaßen geregelt worden sind. Würde das Reich zur Zahlung solcher Summen verurteilt, so wäre das notwendige Ergebnis die Aufbringung Der erforderlichen Gelder aus D e n Taschen Der Steuerzahler, Die wie- Derum mit Den Rechtspersönlichkeiten Der Klagesüh- renDen, also eben Der ßänber, weitgehenD zusam- men fallen. Es scheint also ein Gebot Der Vernunft und Der Notwendigkeit, diese Angelegenheit nicht nach juristischen, sondern nach staatspolitischen Gesichtspunkten zu regeln, wie das sich vielleicht bei einsichtigerer Behandlung schon früher hätte ermöglichen lassen. Die Ausführungen im Bericht Des Reparationsagenten, Der mit besonderem Nachdruck ein für Das Reich ungünstiges 93er« hältnis zu Den Ländern betont, ermahnen gleichfalls hierzu.
Wie verhält sich Preußen?
Der Wille zur gütlichen Einigung.
Berlin. 3. 3an. (TU.) Die „Vossische Zeitung" schreibt: Rachdem jetzt die Mehrzahl der in Frage kommenden Länder ihre Klagen beim Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich im Hinblick auf die Eisenbahn- und P o st - abfindungen eingereicht hat, ist von politischer Bedeutung die Haltung, die die Preu - ßische Staatsregierung gegenüber der Reichsregierung einnehmen wird, und zwar besonders deshalb, weil die preußischen Forderungen an das Reich ungleich höher sind als die der übrigen Länder zusammengenommen.
Wie der „Demokratische Zeitungsdienst" von unterrichteter preußischer Seite erfährt, wird immer noch gehofft, daß sich in absehbarer Zeit eine Einigung über die strittigen Punkte erzielen läßt. Es ist das im besonderen nötig, nachdem die Biersteuerklage zugunsten des preußischen Staates entschieden worden ist. Da die jetzigen Regierungen im Reich und in Preußen die gleiche politische Grundlage haben, und da auf beiden Seiten der Wille zur Einigung vorausgesetzt werden kann, so wird ein Liebereinkommen durchaus für möglich gehalten. OB aß die Eisenbahn- und Postforderungen an* langt, so steht allerdings die Reichsregierung auf dem Standpunkt, daß die Ansprüche der Länder der rechtlichen Grundlage ent- b e h r e n. Das ganze Problem der Länderforöe- rungen an die Re chsregierung wird im Zusammenhang mit dem Reichshaushalt und dem Finanzausgleichsgesetz noch einmal aufgerollt werden.
natsgehalt regelmäßig auf die Dchwl^uf^r Bank überwiesen wurde. Als die (Beamten wegen des Neujahrsfestes erst jetzt ihre Monatsgehälter abheben wollten, wurde ihnen erklärt, daß vorläufig keine Zahlungen mehr geleistet werden könnten. Die Schwiebuser Mmk will dadurch in Zahlungsschwierigkeiten geraten fein, daß die Dresdner Bank, mit der sie bisher in engster Verbindung stand, sich geweigert habe, einen Wechsel in Höhe von 80000 Mark einzulösen.
Ein schlimmer Betrüger.
Ein gewisser 3akob Reumark, der seit einigen 3ahren in der Potsdamer Straße in Berlin ein großes Bureau hatte, ist aus Berlin geflüchtet und Hai sich in ein Sanatorium in Bernau zurückgezogen, um sich der Verhaftung durch die Kriminalpolizei zu entziehen. Reumaick war der Rechtsbeistand des „3nteressenver- bandes gewerblicher Pächter" und hat sich in der Hauptsache mit S a ch v e r in i 11 l u n- gen beschäftigt. Von den Stellungsuchenden Pächtern erhob er entweder eine Kaution oder einen Vorschuß für ein Viertel- oder Halbjahr. 3n zahlreichen Fällen hat er nun das eingezogeno Geld nicht rechtmäßig verwandt, sondern einfach für sich behalten und ausgegeben. Richt weniger als 5-0 bis 60 Leute sind auf Dierc Art von Reumark um fast ihr ganzes Hab und Gut gebracht worden. Der Schaden, der noch gar nicht abzuschähen ist, dürfte 100 030 Mark weit übersteigen.
Die Vertrustung im Zeitungswesen.
Aach bisher noch unoerbürgten Mitteilungen soll es dem Verlage 01 liste in geglückt sein, die Mehrheit des großen Wiener Blattes „Die Reue Freie Presse" an sich gebracht zu haben. Bereits vor längerer Zeit tauchten die ersten Gerüchte über eine solche Transaft on auf, und es ist bekannt, daß Allstein in Wien auf Grund seiner besonderen 3nteressen für Oesterreich und den Balkan ein groß aufgezogenes Bureau besitzt.
streik der Krankenkassenarzte in pommerellen.
Mit Rücksicht Darauf, baß die Krankenkassen ein zentrales Ambulatorium für ihre Mitglieder in Pommerellen errichten und im Zusammenhang hiermit Das ärztliche Honorar herabsetzen wollen, sind die Krankenkassenärzte Pommerellens in den Streik getreten. Sie weigern sich, Krankenkassenmitglieder ohne Bezahlung des üblichen Honorars für Privatpatienten zu behandeln. Verhandlungen zwischen den Vertretern der Aerzteschast und Der Kcankenkassenoorftände haben zu keinem Ergebnis geführt.
Eine ganze 5)ammeiherde das Opfer eines tollwütigen Hundes.
Auf einer Der Stabt Colmar benachbarten Weide ist eine große Hammelherde von einem tollwütigen Hund angefallen worDen. WährenD zwei Tiere Der Herde totgebissen rourDen, mußten 125 Schafe a b - geschlachtet werben. Da bas Fleisch Dieser Tiere unbrauchbar ist, wirD Der Schoben auf mehr als 60 000 Franken beziffert.
richtet darüber, daß er alle seine Vorlesungen im Februar 1928 an den dortigen Schulen in deutscher Sprache halten konnte und iym die meisten seiner einheimischen Zuhörer folgen konnten,. Diese erfreuliche Feststellung wird übrigens auch von vielen anderen deutschen Südafrika-Reisenden bestätigt unb zwar trifft sie nicht nur auf einzelne Gebietsteile, sondern, wie aus den vorliegenden zahlreichen Berichten hervorgeht, auf die ganze Union zu.
Ein deutsches Bravourstück in Kabul.
Derltn, 3. 3aru (TH.) 3n London wird ein Bericht aus Kabul über die Tapferkeit zweier Deutscher veröffentlicht, die sich während der Belagerung Kabuls zur britischen Gesandtschaft durchschlugen, um festzu- stellen, ob dort Hilfe notwendig sei. Die verschiedenen fremden diplomatischen Vertretungen in Kabul waren, mehrere Tage ohne Rachricht über das Schicksal der britischen Gesandtschaft, die fünf Kilometer außerhalb Kabuls in den Bergen liegt. Zwei junge Mitglieder der deutschen Gesandtschaft erboten sich, bis zur englischen Gesandtschaft vorzudringen. Sie nahmen die deutsche Fahne mit und, auf allen Vieren kriechend, gelangten sie unter ständiger Lebensgefahr durch die Feuerzone. 3m Gesandtschaftsgebäude war aber niemand in Rot. außer einer Amerikanerin. Die Lage war aber so ernst, daß der britische Geschäftsträger die beiden bewog, vorläufig den Rückweg nicht anzutreten. 3n- zwifchen kamen die englischen Militärflugzeuge an und brachten einen Lebensmittelvorrat, der im Rotfall sechs Monate ausgereicht
Die russischen Geheimagenten in Frankreich.
Paris, 3. 3an. (WTB.) Drr „Gaulois" will aus sehr gut unterrichteter Quelle erfahren haben, Daß der wegen Wechselfälschung in Paris verhaftete Bruder des russischen Volkskommissars Litwinow der französischen Regierung die Llst-edersowjetisti schen Geheimagen- ten in Frankreich ausgeliefert habe, so daß es möglich werde, auf diese Propa- ganbaorganifation der 3.3nternationale Hand zu legen. Ein Kommissar der französischen Kriminalpolizei sei geftem aus Berlin mit einem Lltwmow stark belastenden Aktenmaterial zurück- gekehrt. Das Blatt glaubt, das durch dieses Material auch Klarheit geschaffen werde über die Roll-r Der mit Litwinow zugleich verhafteten angeblichen Deutschen Liborius und 3offe.
Aus aller Wett.
Starker Schneefall in Thüringen.
Der starke Schneefall, der auf den Höhen um Erfurt einsehte und die Rächt über andauerte, führte auf einigen Landstraßen zu Schneeverwehungen. So war z. D. die von Erfurt nach Gotha führende Chauftee hoch mit Schnee bedeckt, so daß viele Autos und ein Postkraft- toagen stecken blieben und die Postboten mit Schlitten zur Beförderung der Brie, fachen entsandt werden mußten. Auf einer Klcinbahnstrecke vermochte Der Triebwagen den Zug nicht mehr vorwärtszubringen, so Daß die Verwaltung sich genötigt sah, eine Hilfslokomotive zu stellen. Aus den Strecken der Reichsbahn kam Der Verkehr durch das Schneetreiben nicht ins Stocken.
Beim Rodeln tödlich verunglückt.
3n Liebcsdorf in Schlesien fuhr ein Schlitten, auf dem drei junge Leute rodelten, gegen einen
Straßenstein und wurde dabei in den Dorfbach geschleudert. Der 17jährige Erich Emmerich starb bald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus. Seine Schwester und eine Tochter fceä Fuhrwerksbesitzers Baumert trugen schwere Verletzungen am Hnterschenkel und Verstauchungen davon.
von ber Eisscholle gerettet.
Sämtliche auf einer Eisscholle in Den Peipu »- f e e getriebenen estnischen Fischer sind gerettet worden. Sie haben nur durch Die Einwirkungen ber Kälte gelitten.
Die falsche Flaschenpost.
Das norwegische Telegraphenbureau hat eine kurze Meldung ausgegeben, in ber die angebliche Flaschenpost von Arnundsen als falsch b e = zeichnet wird. Nach Dem Eintreffen ber Flaschenpost in Hammerfest stellte es sich heraus, baß Die Schrift, in der Die Mitteilung geschrieben ist, keiner leiAehnlichkeitmitberAmunb- s e n s zeigt und auch Die Unterschrift nicht Dem Namenszug AmunDsens gleicht. Die angebliche Botschaft Amunbsens wirb nach Oslo zur näheren Untersuchung durch Sachoerstänbige gebracht werben. Der Bruder RoalbAmunbsens, GustafAmunb» Jen, hat das Justizministerium ersucht, auch eine gerichtliche Untersuchung vorzunehmen. Sollte man ben Mann finben, ber Die Nachricht geschrieben Hot, roirD er des Betruges angeklagt werben, ber bis zu brei Jahren Gefängnis bestraft wirb. Möglicherweise wirb auch ber Mann, ber mit ber Flaschenpost ein „Geschäft" gemacht hat, bestraft werben.
Ein Aulomobil in ben Jfuß gestürzt.
Oluf der Straße Lüttich—-Comblain hat ein Automobil, in dem eine größere Anzahl Arb-ri ter nach Hause fuhr, an der Ourthe das Brückengeländer durchbrochen und ist i n d?n Fluß gestürzt. Heber die näheren Hm- stände ist noch nichts bekannt, da die wenigen Zeugen des Hnfalls sich in ziemlicher Entfernung befanden. Die Zahl der Opfer soll 18 betragen.
Beim Autounglück verbrannt.
Auf ber Straße zwischen Dreis unb Wittlich bei Trier fuhr ein Trierer Auto gegen einen Daum, wobei Der Benzinbehälter explodierte, so daß das Auto vollständig in Flammen aufging. Von Den vier Insassen verbrannte Die etwa 20 Jahre alte Tochter Des Gastwirts Ranaletta aus Ehrang. Zwei weitere Personen rourDen schwer, eine vierte leicht verletzt.
Drei Personen durch ausströmendes Gas gelötet.
Die Besitzerin einer kleinen Waschanstalt in Alt-Ofen CUngarn), ihre 16jährige Tochter und eine zu Gast geladene Frau wurden in der Silvesternacht durch Gas, das einem aus Versehen offen gelassenen Hahn entströmte, getötet. Der Hnglücksfall wurde erst heute bemerkt, nachdem es der Rachbarschaft ausgefallen war, daß das Geschäft noch immer nicht geöffnet wurde.
Bankkrach in der Grenzmark.
Die Schwiebuser Vereinsbank hat zugleich mit sämtlichen Riederlassungen der Dank in Züllichau, Stentsch, Boms, Hnruhstadt, Tirfchliegel und Reu-Tent.'chen ihre Zahlungen eingestellt. Gleichzeitig hat sie leim Amtsgericht in Schwiebus das Zweckverglrichs- versahren zur Abwendung des Konkur'es beantragt. Durch diesen Zusammenbruch der Dank sind alle Teile der grenzmärkischen Bevölkerung aufs schwerste geschädigt worden. Reben der Landwirtschaft bringt der Zusammenbruch der Dank vor allem die Grenz- und Zollbeamten in große Schwier.gk.i en, denen von ihrer vorgesetzten Dienstbehörde das Mo
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Wettervoraussage.
Weitere Nordwestluftzufuhr führte eine Verschär- jung des Frostes herbei. In München lagen die Temperaturen heute morgen noch über fünf Grab tiefer als vor 24 Stunden. Noch immer schneidet bas Hochdruckgebiet mit seinen Kaltluftmassen die Warmluft Der im Norden vorüberziehenden Störungen ab, so baß wir zunäckst noch mit Fortdauer des Frostes zu rechnen haben. Die Neigung zu mehr verbreiteten Schneefällen nimmt jeboch zu.
Wettervoraussage für Sa iws.t a g: Weiterbin Froftwetter, meist wolkig und zeitweise Schneefälle.
Witterungsaussichten für Sonntag: Temperaturen noch unter Null, weiterhin wollig und vereinzelte Schneefälle.
Lufttemperaturen am 3. Januar: mittags —3,5 Grad Celsius, abends — 4,5 Grad Celsius: am 4. Januar: morgens —3,3 Grad Celsius. Maximum — 0,4 Grad Celsius: Minimum —5,1 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 3. Januar: abends —0,1 Grad Celsius: am 4. Jan.: morgens — 0,2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 4)4 Stunden.
Vintersportnachrichten ber Hess. Vetierbienstslelle.
Vogelsberg (Hoherodskops): Wetter: heiter, Temperaturen: —8 Grad Celsius, Schneehöhe 25 bis 30 cm, Beschaffenheit: gekörnt, Ski sehr gut.
Schwarzwald (Horninggründe): Wetter: Nebel, — 9 Grad Celsius, 45 cm Schnee (Pulverschnee), Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut. —
Fur 1 wangen: Wetter: heiter, Temperaturen — 8 Grad Celsius, 30 cm Schnee (Pulverschnee), Sportmöglichkett für Ski unb Rodel: sehr gut.
Alpen (Garmisch-Partenkirchen): Wetter: heiter, Temperaturen — 7 Grad Cel;us, 38 cm Schnee unb 1 bis 2 em Neuschnee (Pulverschnee), Sportmöglich- teit für Ski und Rodel: sehr gut.


