Dienstag, 3. Dezember 1929
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 283 Zweites Blatt
einen Kopf und Tag. 5 Gramm Mc Gerstenkaffee und 5 Gramm Zichorie,
Ge
walt neun
Ich bin begierig, was 2(n-
150 Gramm frisches oder gefrorenes Fleisch für einen Kops und Woche an alle Personen über
ständige Dauern waren, was man Übersah oder gering bewertete.
Auch heute ist eine solche Umsiedlung ein außerordentlich schwieriges Problem: wir leiden ja z. D. in unseren Breiten ausgesprochen unter einem Mangel an deutschen Landarbeitern. Dasür will sich aber der deutsche Kolonist Rußlands höchstens vorübergehend zur Dersügung stellen, und (wenn man es recht aussaht), man kann ihn auch anderswo besser auswerten: etwa als Glied einer großzügigen Siedlungspolitik im Osten des Reiches. Da wirkt nun freilich die völlige Verarmung dieser Deutschen äußerst hemmend. Aber trotz alledem: wo Kanada seine Türen zuschlägt.
plötzlich sein Rame fiel und ihn gespannt aushorchen lieh:
„Was sagst du zu Anstetten? — Das indische Klima scheint im gut bekommen zu sein."
„Die Ehe soll ja wieder zusammengekittet fein,“ sagte ein klingender Bah, „ich habe so etwas verlauten hören, als ob der junge Baron den Vermittler zwischen den' Eltern mache. Ra — wenn man so einen Sohn hat: dem zu Liebe, meine ich. kann man schon etwas nachgiebig
12 Jahre, an Fett 50 Gramm Marmelade für 5 Gramm Malz- oder
„Rein! — Deswegen krieche ich nicht schon um sechs Uhr morgens aus den Federn. Das kann ich im Dorfe unten bequemer haben. Aber ich werde korpulent!"
Er mußte wegsehen, um das Lachen zu verbergen, das in seinem Gesichte stand. „Also deshalb! Der schlanken Linie wegen! Ich finde, du warst noch nie so herrlich proportioniert, wie eben jetzt," gestand er und lieh den Blick über sie hingehen.
Sie biß sich in die Lippen. Er glaubte jedem Worte, das sie sprach. Eine unbezähmbare Lust überkam sie plötzlich, ihm ins Gesicht zu sagen: Ich war bei Oertzen — aber die Rixa, das dumme Vieh, hat unser Zusammensein gestört und mich in die Flucht gejagt. Was er wohl tun würde?
Sie konnte ein Gefühl des Schauders kaum unterdrücken. Wie er so neben ihr ging, sie um Haupteslänge überragend, abgehärtet und gestählt bis in die kleinste Muskel, das tiefgebräunte Gesicht kühl und ruhig, empfand sie unbewußt. daß sie in seiner Gewalt stand, wenn er auch nie die Rechte des Gatten an sie geltend machte.
Mit einem Aufatmen begrüßte sie das Erscheinen Bernds, der im Laufschritt näherkam. Ein rasches Forschen von Gesicht zu Gesicht — dann ein Aufleuchten in den Knabenaugen: „Ich habe überall nach euch gesucht. — Riemand wuhte. wo du bist, Vater! Rur, dah die Mama nach der Stadt ging, hat mir die Zofe gesagt."
Er ging in der Mitte der Eltern den Weg zum Schlosse, wo man nach einer halben Stunde einträchtig wieder am Frühstückstisch zusammentraf.
Für den Rachmittag hatte Drunhilde einen Tee mit Freundinnen vereinbart. Bernd war auf ein Rachbargut geladen. Anstetten holte nach kurzer Mittagsruhe eines der Gewehre aus dem Schrank, pfiff nach Rixa und ging durch den Park dem Hochwald zu. Er hatte eigentlich nicht im Sinne zu pirschen, aber schon das Steigen zwischen den Stämmen war ihm ein Genuß.
Das gegen sechs Uhr aussteigende Gewitter, welches schon nach einer Viertelstunde losbrach, zwang Üjn, Schutz in einer Hütte zu suchen, die halb mit Heu gefüllt war. das im Winter zur Fütterung der Rehe diente.
Er lehnte die Türe zu und hörte fünf Minuten später einen Trupp Ausflügler von der Höhe abwärts laufen. Sie blieben draußen an der Südwand stehen, wo das Dach, weit vorspringend. Schrch gewährte. Er konnte das Gespräch bis herein vernehmen.
Aus der Unterhaltung, die geführt wurde, schloß er, daß es Offiziere der Reichswehr sein mußten. Sie sprachen von Rennen nd Pferdematerial. von Manövern und Beförderungen, bis
die Sowjetregierung so satanisch-brutal vorgehk. — sollten die, die aus Rußland herauskommen, wirklich keine tatbereite Hilfe in Deutschland finden?!
Es ist die Schicksalsstunde von Tausenden unterer Brüder und Schwestern, die vor den Toren des verschneiten Moskau liegen. Wieder einmal ist es an der Zeit, ollen, die es angeht, einzu- hämmern: „tua res agitur!“ Möchte gerade die oben einsehende Adventszeit jenen Entrechteten zeigen, daß auch für sie noch Liebe lebt, die dann ihre stärkste Kraft entfaltet, wenn die Rot am größten ist.
würze „in mäßigem Umfange nach Bedarf". Immerhin: für die damalige Zeit war die Lage dieser Tiefbedauernswerten im allgemeinen erträglich. Wenn freilich damals der Versuch gemacht wurde, eine Anzahl dieser Deutschen in Deutschland selbst anzusiedeln, so ist, soweit ich es verfolgen konnte, dieser Versuch mißglückt. Das lag entscheidend mit daran, dah die deutschen Kolonisten so gut wie ausnahmslos selb-
Von Kriminalkommissar Ernst Engelbrecht.
Copyright bh Greiner & Co.. Berlin NW 6.
oder Derbrechersprache. Es gibt zwei Arten von geheimer Verständigung der Verbrecherwelt, die Gaunersprache und die Gaunerzinken. Zinken heißt Zeichen und dürfte entweder aus dem lateinischen „Signum“, das Zeichen herzuleiten oder aber eine Ableitung aus dem deutschen Worte „Zeichen" sein. Im Mittelalter nannte man den Henker auch „Zinker", weil es zu seinen Obliegenheiten gehörte, die verurteilten Verbrecher durch Oluf brennen von Brandmarken oder durch Verstümmelung zu zeichnen.
Während die Gaunersprache eine Verständigung durch Worte, durch die Sprache, ist, stellen die Gaunerzinlen eine kurzgefaßte Bildschrift dar. mittels welcher der Gauner seine Genossen über bestimmte Vorgänge unterrichten will. Unter „Gauner" waren früher kurzweg alle Verbrecher zu verstehen. Das Wort „Gauner" stammt mit zahlreichen anderen Ausdrücken der Verbrechersprache aus dem Hebräischen und ist eine Ableitung des hebräischen Gannev, der Dieb.
Während in der Verbrecherwelt die Gaunersprache auch heute noch eine große Rolle spielt und im Verkehr der Verbrecher untereinander zur Geltung kommt, ist der Gebrauch der Gauner- zinken schon seit vielen Jahrzehnten im Schwinden. Der moderne gewerbsmäßige Verbrecher kennt kaum noch die Bedeutung der einzelnen Zinken, höchstens Landstreicher und Bettler bedienen sich noch einzelner Zinken, um sich Rach- richten über ihren Verbleib zukommen zu lassen oder durch Empfehlungen und Warnungen sich in ihrem Dettelberuf gegenseitig zu unterstützen. Früher, als die Kunst des Lesens und Schreibens noch nicht so allgemein war und zu den Vorrechten des Gebildeten gehörte, hatten die Zinken eine andere Bedeutung, als in der heutigen verkehrsreichen Zeit, wo selbst jeder Landstreicher und Verbrecher schreiben und lesen kann und sich der Zinken nur dann zu bedienen braucht, wenn seine Mitteilungen nur bestimmten Genossen zugänglich sein, allen außerhalb seines engeren Genosscnkreises Stehenden aber geheim bleiben sollen. Aus diesem Grunde haben heute die Gaunerzinken für den Kriminalprakllker auch kaum noch eine Bedeutung, und nur wenige von ihnen unterziehen sich der äußerst mühevollen Arbeit ihrer Entzifferung und Erklärung.
Wenn man berücksichtigt, daß die Gaunerzinken ja nur in ganz vereinzelten Fällen wirklich allgemein gebräuchliche und bekannte Zeichen dar- stellten, die weitaus meisten Zinken dagegen auf freier Erfindung der betreffenden Gauner beruhten und ihre Bedeutung auch nur dem eng-
Dem fchwarzen Mantel, der über die Wiesen hinflatterte, folgte ein dunkler Punkt, der in langen Sätzen vorwärtsjagte.
„Aixa!" Die Hündin hörte nicht mehr, stürzte auf die Herrin zu und warf die Vorderste um deren Hüften, daß diese stehen bleiben mußte, um nicht zu Fall zu kommen.
Anstetten keuchte, als er jetzt dicht vor beiden stand und das Tier zum Gehorsam zwang.
„Wir wollten einen Morgenspazlergang zusammen machen, aber sie hat gerade im Villenviertel solchen Krakehl geschlagen, daß wir schleunigst umkehren mußten," erklärte er Brunhilde.
Er weiß nicht, daß ich bei Oertzen war. dachte sie aufatmend unö fühlte, wie ihre Erregung verebbte. Es erschien ihr mit einemmal lächerlich, sich so kindisch benommen zu haben. Immerhin war es eine gewisse Erleichterung, auf diese Weise den Armen des Grafen für diesmal entschlüpft zu sein.
Annetten bückte sich nach dem Tuch, das ihr entgalten war und hing es sich über den Arm. Keines von ihnen suchte ein Gespräch in Gang zu bringen, nur der Baron erwähnte so nebenbei: „In drei Wochen ist die ganze Ernte unter Dach. Da will ich dann für acht Tage nach Ungarn zur Jagd." Er gewahrte das spöttische Aufzucken in ihrem Gesichte. „Es ist keine nennenswerte Auslage für mich, ich bin bei Zschccho eingeladen."
„Er soll sehr schöne Töchter haben!' Ihre Stimme schlug mit Peitschen.
„Man sagt es! Ich habe sie nicht mehr gesehen, seit ich nach Indien ging."
Sie blickte ihn von der Seite an und verzog den Mund. „3n drei Jahren bist du ja frei! — Eigentlich sind es nur noch zwei. Vielleicht versuchst du dann dein Glück." _
Er blieb ganz ruhig. „Für mich nicht! Mog- licherweise für Bernd." .
„Du selbst also machst keinerlei Ansprüche?
".Rein! — Vorläufig habe ich ja noch eine
Frau." . -
Sie bückte sich und riß zornig an dem Saum des Spitzenkleides, in welches sich einige Halme verwickelt hatten. Er sah die häßlich nassen Flecken an ihren Hellen Schuhen und die feuchten Ränder ihres Gewandes.
Was mochte sie wohl bewogen haben, so sruh schon nach der Stadt zu laufen?
„Wollen wir nicht besser auf die Chaussee gehen?" Er zeigte nach dem Hellen Streifen der Landstraße, die etwa zehn Meter oberhalb her- überschimmerke.
Ohne etwas zu erwidern, schlug sie die Richtung dahin ein.
„Um was hast du gebetet?" fragte er, als fic auf dem weißen Schotter standen und den Schatten der Bäume über sich fühlten.
„Gebetet?"
„Warst du nicht in der Kirche?"
treffen.“
„Aber der Oertzen auch," fiel eine junge Stimme ein. „Uebrigens muß da vor Tagen etwas vorgefallen fein. Ich habe es nur durch die Indiskretion eines Bedienten erfahren. Der junge Anstetten soll nämlich bei dem Grafen Vorgesprächen und ihm gedroht haben, er werde ihn über den Hausen schießen, wenn er ihn noch einmal in Begleitung feiner Mutter treffe.“
„Dunnerkeil! — Das Kerlchen hat Raffe! Aber dem Anstetten gönn ich's, daß wenigstens fein eigen Fleisch und Blut auf feiner Seite steht. Der Oertzen soll sich schämen, sich von einem Knaben von sechzehn Jahren so etwas sagen lassen zu müssen. — Wollen wir jetzt gehen? — Ich glaube, es hat zu regnen aufgehört."
Die Stimmen verloren sich in der Ferne. Ab und zu klang noch ein Steinfchlag auf, den einer der Schuhe losgelöst haben mochte.
Anstetten lag aus dem Rücken, die Hände in das Heu gewühlt und regte kein Glied. Also so standen die Dinge! Oertzen war der Mann, für -den Brunhilde frei fein wollte. Blitzschnell erinnerte er sich des Gespräches mit Schultze und an dessen Frage, ob Oertzen der Bürge fei, den er im Auge habe.
Und heute morgen — er sah so klar, als ob er es im Film zu schauen vermöchte: Ihr Frühspaziergang halte den Vorwand für ihren Besuch bei Oertzen geben müssen — — und Rixa? — Rixa. du klügstes aller "Siere! Er zog die Wölfin zu sich heran und drückte ihren Kopf gegen feine Brust: „Was bin ich für ein blinder Rarr gewesen, daß ich über dein Klössen schalt. Hinter dem Gitter« wußtest du die Frau, die deinen Herrn betrog.“
(Fortsetzung folgt.)
Ein Auflachen. „
stellen tun wird, wenn er einmal Wind von der Sache bekommt. Ich glaube, da gibt es Fetzen. Er sieht mir nicht gerade aus, als ob et Spaß verstünde, wenn es sich um feine Frau handelt.“ „Sie sollen getrennte Schlafzimmer haben." „Golt, ja! — Was ist da schließlich dabei! Deswegen bleibt sie doch feine Frau. Ich mochte der Oertzen nicht sein, wenn er sich ihm einmal gegenüberstellen muh. — Er soll verteufelt gut
fein! — Ein liebes Kerlchen, dieser Berndl Der Oertzen soll es sich sehr angelegen fein lassen, ihn zu ködern."
XII.
Wie es in der Unterwelt in Wirklichkeit zugeht.
Zinken- und Gaunersprache.
Auch das Jahr 1925 verlief ohne bemerkenswerte kriminelle Vorfälle. Abgesehen von den immer häufiger werdenden Einbrüchen, einem gelegentlichen Raubüberfall, einigen Sittlichkeits- delikten und anderen kleineren Straftaten, geschah im Bereiche meines Zehlendorfer Kriminalbezirks nichts besonderes, ich hatte deshalb gute Gelegenheit, häufiger in der Verbrecherwelt Berlins Umschau zu halten.
Im Derbrecherleben spielt der Spitzname eine große Rolle. Wohl jeder Verbrecher, jeder „Gan- nove" und jede „Schickse“ bekommt, wenn sie Anschluß an die Verbrecherwelt gefunden haben, einen besonderen Romen, unter dem sie dann in ihren Kreisen bekannter werden als unter ihrem bürgerlichen Romen, der dann für sie nur von ganz untergeordneter Bedeutung ist. Solche Spitznamen beziehen sich meistens auf den früheren Tcruf, auf besondere Angewohnheiten, den bürgerlichen Vornamen oder auf die äußere Erscheinung des Verbrechers. Eine kurze Blüten- Icfe solcher Spitznamen, die in Berliner oder Hamburger Derbrecherkreisen eine mehr oder weniger große Rolle spielen, dürste vielleicht interefiieren: „Hundejustov“, „Kutscher-Paul", „Apachen-Adols", „Klamotten-Ede", „Koteletten- Willi", „Bohnenstange", „Säbelbein", „Leichen- Robert", „Mücken - Paul", „Rutten - Max“, „Schnapsjule", .,Tanzule", „Koks-Frieda," „Iu- den-CIse", „Soldaten-Walter", „Doktor", ^Apotheker", „Margot mit der kalten Hand", „Räuber- Fritz' „Kieler Trude", „Düsseldorfer", „Bäcker- Carl", „Leichengift". Wie im bürgerlichen Leben, so gibt es auch im Derbrecherleben Standes- unterschiede, der elegante Hochstapler wird sich niemals mit einem gewöhnlichen Gauner und der Geldschrankknacker niemals mit einem kleinen Dieb auf eine Stufe stellen lassen. Vielfach haben die einzelnen Spezialitäten des Verbrechens auch ihre besonderen Stommlola.e, in denen sie mit Argusaugen darüber wachen, dah sich keine unzünftigen Kollegen eindrängen. Der Fremde, der so kühn war, sich gelegentlich in solch einen Verbrecherkeller hineii.zuwagen, wird die Unterhaltung der Verbrecher unter sich wohl kaum verstanden haben, denn meistens bedienen sich die Verbrecher za ihrer Verständigung untereinander einer besonderen Sprachart, der sog. Gauner-
„Hände hoch - Kriminalpolizei!"
Was ich in ck5 jährigem Kampf gegen das internationale Verbrechertum erlebte
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Das Erbe des Herrn von Anstetten.
Vornan von J. Schneider-Foerstl.
Urheber-Rechtsschuh durch
Verlag Oskar Meister, Werdau t. Sa.
16. Fortsetzung. Nachdruck oerboten.
„Er hat mir geschworen, mich Ederzuknallen, wenn er mich noch einmal mit Ihnen tr s. .
Ia! Zwei Jahre hat er mir Aufschub gewährt. weil man sich doch mit Kindern nicht duellieren kann."
„Groher Gott!" ~ rr,,n
Unten verstummte das Klassen und Dellen. Anstetten schritt das Gitter entlang, und sah nach dem Hause zurück.
„Oertzen, wenn Ihnen je etwas an mir gelegen war, machen Sie, dah ich ungesehen von hier wegkomme!" .
„Sie sind doch kaum fünf Minuten bei mir, Brunhilde." Er wollte sie In die Arme nehmen und sie in die Mitte des Zimmers tragen, aber fic stieh ihn zurück und griff nach dem schwarzen Mantel, der auf einem der Lederstühle lag.
„Machen Sie jetzt nicht lange Geschichten, Gras, sonst versperren Sie mir den Rückweg. Ich finde cs ehrlos, eine Frau unter solchen Umständen noch halten zu wollen."
„Ich habe noch mein Losegeld zu fordern,
- Sie sind glattweg verrückt!" Sie riß ihm das Spitzentuch, welches er um ihr Blondhaar schlingen toofitc, aus den Händen und lief an ihm vorüber nach der Treppe, die in die Halle führte. , , ._
Oertzen hatte dos Personal geschickt aus dem Hause beordert und rannte ihr nach, als fw jetzt die Parkwege entlang nach der kleinen Ture hetzte, die zu den Wiesen führte. _
„Bleiben Sie!" rief fic ihm verängstigt zu und war im nächsten Augenblick zwischen Strauchwerk und Gebüsch verschwunden. ..
Er stand ratlos betäubt und klinkte gerausch os das kleine Pf Örtchen ein. Erst nach spürte er, wie ihm die Knie zitterten. Wahrend er nach der Villa zurückging, überlegte er: Vielleicht war es doch nur ein Zufall gewesen, der Anstetten vor fein Haus geführt hatte. Dann wäre es eine Dummheit sondergleichen gewesen, wenn er sich diese Stunde mit der gebebten Zrau durch einen blinden Schrecken hätte rauben lassen. Aber nun lieh sich vorderhand nichts mehr daran ändern.
Es blieb nur zu wünschen, dah sie gut nach Hause tarn.
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ften Familienkreise der Sippe oder Bande bekannt wurde, kann man verstehen, wie zahlreich und verschiedenartig die Gaunerzinken fein müssen. Hanns Groh berichtet in seinem „Archiv sür Kriminalanthropologie" über eine Sammlung solcher Gaunerzinken aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts, die fast zweitausend verschiedene Bilder umfaßt.
Rach Hanns Groh gibt es drei große Gruppen von Zinken: Wappen- oder Personenzinlen. Mitteilungszinken, Hauszinken. Wappenzinlen sind Haus- oder Familienzeichen des betreffenden Gauners. Wie Ritter und Patrizier ihr Wappen. Bürger ihre Hausmarke, der Handwerker fein Werkzeichen und der Handelsherr seine Ballenmarke führten, hatte der Gauner seine Zinken. Rur wenige konnten in den früheren Jahrhunderten lesen und schreiben, man begnügte sich deshalb allgemein mit der bildlichen Darstellung des Ramens. So entstanden Wappen, Hausmarken, Merkzeichen, Dall.mmarken und Gauner- Wappenzinken. Die Wappenzinken bezogen sich meistens auf den früheren Beruf oder auf eine körperliche Eigentümlichkeit des Gauners. Ein verkommener Lehrer, oder Student, der Aufnahme in der Gaunerzunft gefunden hatte, führte z. D als Wappenzinken eine Schreibfeder, ein alter Soldat den Säbel, der Einäugige ein Auge und ein rothaariger den Fuchs. Mitteilungszinken sind Zinken, die über Zeit der Anwesenheit, Richtung der Wanderung usw. Aufschluß gaben oder auch größere Mitteilungen, Antworten, Aufforderungen ober Warnungen enthielten.
Die Hauszinken sind die ältesten und auch am längst bekannten Zinken und tauchten zuerst als Mordbrennerzeichen auf, durch die das betreffende Haus gekennzeichnet und die näheren Einzelheiten für die Brandstiftung und den Mordüberfall angegeben wurden. Erst später nahmen diese Hauszinken eine harmlosere Bedeutung an, z. D. hier wohnen leichtgläubige Leute, hier hält der Wirt zu den Gaunern, hier bekommt der Bettler nichts, hier kann Diebesbeute verlaust werden, hier ist Verrat zu befürchten. hier gibt es für den Bettler nur Essen usw. Heutzutage kommen wohl noch nur die letztgenannten, harmloseren Zinken vor. die sich vorwiegend auf Betteln, Unterkunft und Verkauf der Diebesbeute beziehen. Man sieht gelegentlich an einem Hauseingang zwei überein- anbergelcgte Säbel gezeichnet ober eingeritzt. Das Zeichen soll Bettler warnen, weil in diesem Hause ein Polizeibeamter wohnt. Ein Hund mit einigen Strichen bedeutet Achtung vor dem bissi-
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Son den Deutschen in Rußland.
Von Wilhelm Kornmann,
Pfarrer in Rodheim a. d. Horloff.
Menschen, uns durch Bande des Blutes verbunden, die solches Geschick über sich ergehen lassen müssen, wie jetzt die Deutschen vor Moskau, dürfen unser herzlich st es Mitfühlen erwarten. Doch nicht dies allein: auch Taten! Es muh etwas geschehen, wertvollste deutsche Menschen zu retten und dem Untergang zu entreißen! Jeder einzelne sollte sich hier verantwortlich fühlen.
Fast alle Deutschstämmigen in Rußland wissen von schwerem Erleben zu berichten, — nicht nur jetzt die, die der Sowjetgewalt weichen, sondern auch alle die anderen, die ihre Wohnsitze in Rußland gewählt hatten. Es darf wohl gerade in diesen Tagen einmal darauf aufmerksam gemacht werden, was die Deutschen der Ukraine alles erlebt haben, seitdem sie russischen Boden bevölkern. Sie waren einst, vor den polnischen Revolutionen von 1830/31 und 1863 aus der weiteren Umgebung von Warschau, wo sie zuerst saßen, ausweichend, in die ukrainischen Urwälder gezogen, hatten diese Sümpse und Unwälder in langem, zähem Ringen urbar gemacht und sich eine neue Existenz geschaffen. Wohnten sie zuerst in Erdhütten, so wurden aus diesen im Laufe der Jahre Dlockhäufer und schließlich massive Gebäude. Rachdem einmal Wurzel gefaßt war, folgte ein Schub Deutscher dem anderen, und schließlich, in der Vorkriegszeit, waren es mehrere Hunderttausende Deutscher, die dort lebten: Sitte, Sprache und Glauben bewahrend. Die alte Heimat wußte wenig von ihnen: der in der Ukraine vormarschierende Soldat sah es mit Staunen, — horte dann auch von den allzu biclcn, die die russische Faust vertrieben hatte: eine Folge der panslawistischen Politik, die besonders im Jahre 1915 sich ganz einseitig und satanisch- zerstörend an den deutschen Kolonien der Ukraine auswirkte. Diele Tausende wurden damals von Haus und Hof vertrieben, dem ungewissen Osten entgegen, — auf jener Wanderung in das Innere Rußlands hinein fanden nicht wenige den Tod. Andere, die „glücklicher" waren, warteten irgendwo ab. Und als der deutsche Dormarsch in der Ukraine einsehte, setzten sich jene ihrer Heimat beraubten Stammesbrüder sofort wieder in Bewegung und versuchten, zurückzukehren. Was für Menschenmassen waren das, die da heimfluteten! Zuerst standen wir ein wenig ratlos, dann aber siegte deutscher Organisationsgeist: Lager entstanden, Quarantänestationen wuchsen aus dem Boden, — deutsche Ordnung zog ein. Im Juni und Juli 1918 z. D. kehrten über die Sperrlinie am Rand der Ukraine an deren Überwachung der Schreiber dieser Zeilen als Adjutant mitbeteiligt war, je etwa 45 000 Mann zurück, wovon je 14000 bzw. 17 030 deutsche Rückwanderer waren. Bis Ende Oktober 1918 waren es rund 288 000 Menschen, die diesen Teil der Sperrlinie passierten, und davon waren über 77 000 Deutsche, die in die Ukraine -urückkehrten, wo ihre Höfe zum großen Teil in Schutt und Asche lagen. Abgesehen von letzteren waren es meist Deutsche und Oesterreicher, die aus russischer Kriegsgefangenschaft entronnen waren und Weiterbeförderung erbaten.
Was für Verhältnisse waren es. unter denen da zu arbeiten war! Im Iuli streikten die ukrainischen Eisenbahner, — im Oktober fehlte es an Eisenbahnwagen, — das Schlimmste aber wie damals ja leider überall, war: die Verpflegung. „Wie sucht ihr mich heim, ipr Bilder, die längst ich vergessen geglaubt!" Da gab es also 225 Gramm Brot für einen Kopf und Tag,
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