Ausgabe 
3.12.1929
 
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Kleine politische Nachrichten. Aus der Provinzialhauptstadt

Der i)err Reichspräs-ident empfing heute den Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Genf, Professor Max Huber. Präsident Huber war von dem Präsidenten des deutschen Roten Kreuzes, Herrn o. Winterfeld, begleitet.

Die Großdeutsche Dolkspartei von Tirol sandte anläßlich der Rheinlandräumung an Reichspräsident vonHindcnburg ein Telegramm, in dem der Reichspräsident und das ganze deutsche Volk zur Befreiung des deutschen Rheinlandes als weiterer Etappe aus dem Wege zu Deutschlands Freiheit beg.uawunscht. Der Deutschen Bolkspartei wur­den gleichfalls herzliche Glückwünsche zur Be­freiung des Rheinlandes als Frucht der erfolg­reichen Politik ihres toten Führers übermittelt.

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In dem Streitverfahren der preußischen Landtags- fraktion der Deutschnationalen Bolkspartei gegen das Land Preußen, betr. das Volksbegehren, bqt der Vorsitzende des Staatsgcrichtshofes für das Deutsche Reich Verhandlungstermin zur Hauptsache auf Dienstag, den 17. Dezember, 10.30 Uhr, anberaumt.

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Gegenüber Pressemeldungen, wonach der Ge­neraldirektor der Reichsbahn, Dr. D o r p m ü l l e r , ein Gehalt von 250 000 Mk. beziehen soll, hören wir aus Kreisen der Reichs- bahnhaichtverwaltung, daß das Gehalt Dr. Dorp­müllers nicht, wie schon wiederholt dementiert worden ist, 250000 Mk., sondern etwa 1 00 000 Mark beträgt.

Der 6. Zivilsenat des Reichsgerichtes hat durch Schiedsspruch vom 30. Rovember die Jahres- rente von 708 000 Friedensmark, die Preußen im Anschluß an die Ereignisse von 1866 dem früheren hessischen Fürstenhaus für den Verzicht auf Throngut zugesagt hatte, auf 85 Prozent ihres Rominalbctrages, d. h. auf rund 602 000 Mk. jährlich aufgewertet. Zu diesem Betrag tritt noch ein Tilgungs­zuschlag von rund 253 000 Mk. jährlich. Der Schiedsspruch tritt mit Rückwirkung ab 1. Januar 1924 in Kraft.

Die Universität Heidelberg hat den frühe­ren Botschafter in Japan, Dr. Wilhelm S o l f, in Anerkennung seiner Verdienste um die Wieder­herstellung und Ausgestaltung der deutsch-japani­schen Beziehungen zum Ehrendoktor der Staats Wissenschaften ernannt. Die feier­liche Aushändigung der Ehrenurkunde wurde in Anwesenheit der staatswissenschaftlichen Fakul­tät, des Rektors und des japanischen Botschafts­rats Toko vollzogen.

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Premierminister Macdonald gab im Hinter­haus bekannt, daß der Zusammentritt der Eeemächtekonserenz nunmehr endgültig auf den 21. Januar festgelegt sei. Die englische Delegation seht sich zusammen aus dem Minister­präsidenten, dem Staatssekretär des Auswär­tigen, Henderson, dem Ersten Lord der Ad­miralität und dem Staatssekretär für Indien.

Die Ursache der Explosion in Essen.

Die Untersuchung der Explosionskatastrophe am Weber-Platz in Essen hat ergeben, daß das in­zwischen frcigelegte Hauptgasrohr in der Kirch- strahe vor der Mitte des zerstörten Ladenbaues g e - brachen ist.

Oie Wetterlage.

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Mit Barometergefälle bis unter 715 Millimeter lügt der Kern des weit ausgedehnten Fallgebietes über Island. Bereits in der vergangenen Nacht über­querte das Regengebiet unseren Bezirk und ver­ursachte erneut verbreitete Niederschläge. Wenn mit der mehr nördlichen Verlagerung der Störung an ihrer Südseite eine Abflachung des Luftdruckes ein- fetzt, so läßt die Nicderschlagstätigkeit nach, aber wolkiges, vielfach nebeliges Wetter herrscht vor, das auch, bei ansteigendem Luftdruck, durch Aufheiterung unterbrochen wird.

Wettervoraussage für Mittwoch: Nebelig-wolkig mit Ausheiterung, etwas kühler, nur vereinzelt geringe Niederschläge.

Witterungsaussichten für Donners­tag: Kein beständiges Wetter wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 2. Dezember: mittags 9,6 Grad Celsius, abends 6,5 Grad: am 3. Dezember: morgens 7 Grad, Maximum 10,1 Grad, Minimum 6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2 Dezember: abends 7,1 Grad: am 3. Dezember: morgens 6,2 Grad Celsius. Niederschlag 7,3 mm. Sonnenscheindauer 3X Stunden.

Gießen, den 3. Dezember 1929.

Mehr Naturschutz in Oberhessen.

In der letzten Sitzung der Oberhessischen Gesellschaft für Ratur- und Heil­kunde, Raturwissenschaftliche Ab­teilung, sprach Prof. Dr. Mei gen unter Kurze Mitteilungen" über die pflanzen­geographische Durchforschung von H e s se n. Ausgehend von dem heutigen Stande der Kenntnis unserer heimischen Flora wies der Vortragende darauf hin, daß in Hessen bezüglich der pflanzengeographischen Erforschung zwar schon viel geleistet worden sei, daß aber für die Zukunft besonders auf dem Gebiete des Pflanzen­schutzes noch ein weites Arbeitsfeld vorhanden ist Unter Bezugnahme auf die von dem Vor­tragenden im Verein mit Prof. Dr. S p i l g e r (Darmstadt) ausgestellten, in den Berichten der Oberhessischen Gesellschaft veröffentlichten Listen der in Hessen seltener vorkommenden Pflanzen, welche an Interessenten kostenlos abgegeben wer­den können, lud er alle Pflanzenfreunde zur tätigen Mitarbeit auf dem Gebiete des Pflanzenschutzes ein.

Darauf hielt Prof. Dr. F u n k einen längeren Vortrag überBotanische Raturdenk- mäler der Heima t. Es wurden einleitend die verschiedenen Gründe besprochen, die uns ver­anlassen, unseren besonderen Schuh gerade den botanischen Raturdenkmälern angedeihen zu lassen. Die Gründe dafür liegen auf historischem, wissenschaftlichem und heimatku..dlichem Gebiete. Im ersten Teil des Vortrages machte der Vor­tragende unter Vorführung von Lichtbildern mit den botanischen Raturdenkmälern der weiteren Heimat bekannt. Der zweite Teil des Vortrages war insbesondere der Pflanzenwelt Hessens ge­widmet. Ebenfalls durch zahlreiches Lichtbilder­material wurden den Zuhörern die in Hessen seltener auftretenden Pflanzen und Pflanzen­assoziationen vor Augen geführt. Besonders ver­dienen in dieser Hinsicht genannt zu werden: die Flora der Auewälder der hessischen Rheinebene, die Kalkflora der Lötzhänge an der Bergstratze, das Offenbacher Moor, die Orchideen des Gau­algesheimer Kopfes, die pontische Flora der Dasaltkegel in der Wetterau, ferner die Salz­pflanzen von Ridda, Rauheim und Salzhausen, die Pflanzenassoziationen des Hochmoores im Oberwalde, die montane Flora des Lollarer Kopfes und die Enzianwiesen bei Rödgen. Die eben genannten, in der Provinz Oberhessen vor­handenen, wissenschaftlich und heimatkundlich wertvollen Raturdenkmäler entbehren im Gegen­sätze zu anderen deutschen Staaten bis heute noch des gesetzlichen Schuhes. Unkenntnis, Sam- melsport, Kulturmaßnahmen der Landwirtschaft und die Ausdehnung der Industrie drohen un­serer Heimat durch Vernichtung bemerkenswerter Pflanzenarten unersetzlichen Verlust zu bereiten. So wurde hingewiesen, daß die Enzianwiese bei Rödgen durch die nach der Feldbereini­gung einsetzende intensivere Bewirtschaftung in größtem Matze gefährdet ist. Ebenso ist die schon erwähnte montane Flora des Lollarer Kop- f e s durch den neuerdings wieder stärker auf- lebenden Steinbruchbetrieb bedroht. Ferner wurde bekanntgegeben, daß das einzige Hochmoor Oberhessens, das Ziel zahlreicher botanischer Exkursionen, Gefahr läuft, durch bereits ausge­führte und geplante Entwässerung vernichtet zu werden. Hier muß unbedingt der R a t u r s ch u h einsehen. Ob und wann in Hessen das Ratur­schuhgesetz, das bereits vorbereitet ist, in Kraft tritt, ist noch ungewiß. Der Vortragende appel­lierte dringend an die naturkundlichen Vereine und alle interessierten Privatpersonen, doch in jeder Beziehung die Bestrebungen des Pflanzen­schutzes in unserer Heimat zu unterskützen, auf daß nicht weitere botanische Raturdenkmäler un­wiederbringlich verlorengehen.

An das Hessische Ministerium des Innern zu Darmstadt wurde, wie gestern schon kurz berichtet, eine Entschließung gesandt mit der dringenden Bitte, dem von der Regierung ausgearbeiteten Entwurf eines Raturschuhgesehcs baldigst Gesetzeskraft zu verleihen und unabhängig davon besondere Maßnahmen zu treffen, die in dec Umgebung bedrohten Pflanzen vor der Aus­rottung zu schützen. Dr. F. K.

Ein denkwürdiger Tag.

Am heutigen 3. Dezember werden im Hessen­lande Erinnerungen an den nun 15 Jahre zurück­liegenden 3. Dezember 1914 wach. An jenem Tage, als die blutigen Kämpfe bei Lodz gegen die gewaltige russische Heeresmacht tob­ten, vollzog sich ein welthistorisches Ereignis, bei dem hessische Truppen der ausschlaggebende Faktor waren. Die hessische 4 8. Reserve­division unter der Führung von Exzelleirz von Hahn war damals in den Kämpfen um Lodz das Zünglein an der Waage, und ihr rechtzeitiges, schneidiges und kraftvolles Ein­greifen brachte die Entscheidung in der Lodzer Schlacht. In außerordentlich fesselnder und ein­drucksvoller Weise berichtet über diese glanz­volle Wasfentat hessischer Truppen der Oberst­leutnant a. D. Lucke in einem ArtikelDas Gefecht der 48. Reserve-Division am 3. Dezbr. 1914", den er in demBlatt der 222er, herausgegeben von Oberleutnant d. L. a. D. Grießbauer in Gießen, erscheinen läßt. In lebendiger Weise erstehen beim Lesen dieser Zeilen jene Großtaten der deutschen Waffen vor unseren Augen. Reben dem genannten Aussatz wird in der gleichen Ausgabe desBlattes der 222er noch eine Reihe weiterer interessanter Beiträge veröffentlicht, die packend von den Kämpfen der hessischen Truppen auf den ver­schiedensten Kriegsschauplätzen berichten. Die Zeitschrift, der man beste Unterstützung durch die alten Kameraden wünschen muh. damit sie auch in Zukunft ihrer hohen Mission der Pflege alter Kameradschaft und guten deutschen Soldatengeistes dienen kann, sei der Beachtung aller ehemaligen Feldsoldaten angelegentlichst empfohlen.

Oie Durchführung des Volksentscheids.

Der gestrigeReich-anzllger veröffentlicht die angekünd.gte Verordnung zur Durchführung des zweiten Volksentscheides, in der u. a. verordnet wird:

Rachdem der Reichstag in seiner Sitzung vom 30. Rovember 1929 den im Volksbegehren ver­langten Entwurf einesGesetzes gegen die Ver­sklavung des deutschen Dolles" abgelehnt hat, wird dieser Gesetzentwurf zum Dolksentschlld ge­stellt. Der Stimmzettel enthält folgenden Ausdruck:Soll der im Volksbegehren verlangte Entwurf eines »Gesetzes gegen die Versklavung

des deutschen Volkes" Gesetz werden?" Darunter besindet sich unter den Ueberschri ckenI a" und Rein" je ein in einem Viereck eingeschlosse­ner Kreis. Die Stimmabgabe erfolgt zweck­mäßig in der Weise, daß der Stimmberechtigte, der die zur Abstimmung gestellte Frage be­jahen will, das mitJa", der Stimmberechtigte, der sie verneinen will, das mitRein" bezeichnete Viereck durchkreuzt, möglichst in der Weise, daß er ein Kreuz in den vorgezeichneten Kreis seht. Die Stimmlisten und Stimmkarteien sind auszulegen vom 8. bis einschliehlich 15. De­zember, in Bayern und in Thüringen vom 12. bis einschließlich 15. Dezember. Die Gemeindebehörde kann die Auslegung schon früher beginnen lassen.

Das hessisch? G.samtministerium hat zum Ab- ftimmungäleiter für den Stimmlreis 33 (Hessen- Darmstadt) den Ministerialrat Borne mann und zu seinem Stellvertreter Legationsrat Dr. Heinemann in Darmstadt bestellt und gleich­zeitig zur Durchführung des zweiten Volksent­scheides die entsprechenden 'Bekanntmachungen erlassen.

Vrisehung des Kaufmanns Lari Zrensdors

Gestern nachmittag fand auf dem neuen Israeli­tischen Friedhof die Beisetzung der sterblichen Hülle des Kaufmanns C a r l F r e n s d o r f statt. Eine außerordentlich zahlreiche Trauergemeinde erwies dem Verewigten die letzte Ehre. Provinzialrabbiner Dr. Sander zeichnete in feiner eindrucksvollen Trauerrede ein lebenswahres Bild von dem Schaffen und Wirken des Heimgegangenen, von feiner großen Güte, feiner Treue und feiner Liebe zu allen, die ihm nähertraten. Den Dank und die Verehrung der Angestellten und Arbeiter für den verstorbenen Chef brachte Herr Haus von der Firma Frensdorf in warmen Worten zum Ausdruck. Hierauf sprach der 1. Vorsitzende des Verkehrs-Vereins, Stadtratsmit- glieb Schwieder, herzliche Worte des Dankes und des Gedenkens für den Verblichenen. Einen herzlichen Nachruf im Auftrage der Altersvereinigung widmete Jnstallationsmeister Rüdiger dem Heim­gegangenen, anschließend sprach Schneidermeister H a n o r i ch für den Arbeitgeber-Verband für das Schneiderhandwerk, sodann ein Vertreter des Herren- Konfektionsverbandes, und zum Schluß Professor W e i ß g e r b e r für den Schachklub Gießen. , Der GesangvereinHeiterkeit, dessen treues Mitglied der Verstorbene war, hatte eine Fahnendeputation ent­sandt. Die Beisetzungsfeicr offenbarte noch einmal in eindrucksvoller Weife, weich' hoher Wertschätzung und großer Liebe sich Carl Frensdorf in weiten Be­völkerungskreisen zu erfreuen hatte.

Gictzencr Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 60 bis 1.40: Butter Pfund 2,10 bis 2,20: Matte 30 bis 35; Wirsing 15 bis 20; Weißkraut 10 bis 15; Rotkraut 15 bis 20; gelbe Rüben 12 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinat 25 bis 35; Unter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 40 bis 45; Feldsalat 1,00 bis 1,20; Tomaten 50 bis 80; Zwiebeln 10 bis 15: Meerrettich 50 bis 80; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 4*/2 bis 5; Aepfel 10 bis 15; Dirnen 10 bis 15; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,20 bis 1,30; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Gänse 1,10 bis 1,30; Nüsse 50 bis 80; Tauben Stück 70 bis 90; Kisten­eier 17; frische Landeier 18 bis 19; Blumenkohl 50 bis 1,00; Endivien 10 bis 40; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 40; Kartoffeln Zentner 3,50 bis 4,00; Wirsing 10,00 bis 12,00; Weißkraut 5,00 bis 6,00; Rotkraut 10,00 bis 12,00; Aepfel 10,00 bis 12,00; Dirnen 8,00 bis 10,00.

Bornotizen.

TageskalenderfürDienstag. Stadt­theater:Paganini", 19.30 bis 22.15 Uhr. Verein Uferkritik 1922 E. V.: Generalversammlung, 20.30 Uhr, im Vereinslokal. Lichtspielhaus, Bahnbof- straße:Piz Palü". Astoria-Lichtfpiele:Gären­des Blut" undIm Taumel von Paris".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige OperettePa- ganini" beginnt um 19,30 Ußr; Operettengast­spiele Frankfurt. Direktor D a a r s hat einmalig für diese Aufführung das Dallett vorn Casino de Paris, das zur Zeit in Frankfurt gastiert, verpflichtet. Freitag, 6. Dezember, wird um 20 Ufjr Derstls LustspielSlribbys Suppen sind die besten gegeben. In Vorbereitung ist für eine Morgenveranstaltung (2. Kammerspiel­tag)Ein Spiel vom Schmetterlingstraum" aus dem Chinesischen überseht von Prof. Wilhelm. Die Regie hat Dr. Karl Ritter. Die Ver­anstaltung beginnt um 11,30 Uhr. Vorher wird Wen Man Ting, der erste Assistent des China- Institutes in Frankfurt, einen einführenden Vor­trag halten. Die Intendanz hat als dies­jähriges WeihnachtsmärchenDas tapfere Schnei- derlein" von Alois Prasch zur Aufführung er­worben. Die Premiere ist am Mittwoch, 11. De­zember, 15,30 Uhr. Morgen, Mittwoch, 4. De­zember, zum letztenmalRobert Guiskard" und Demetrius". Beginn 20 Uhr.

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** 3 u ft i 3 p e r f o n a I i e n. Ernannt wurden der Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht in Ulrichstein Karl Bachmann zum Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht in Gießen mit Wirkung vom 1. Dezem­ber 1929; der Gerichtsöfsefsor Dr. Hans Kowar- z i k in Alsfeld zum Staatsanwalt bei dem Amtsge­richt in Gießen; der Gerichtsassessor Walter Eber­hard in Butzbach zum Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht in Ulrichstein mit Wirkung vom 4. De­zember 1929.

** Haussammlung für das Jugend- herbergswerk. Die Ortsgruppe Gießen des Rcichsverbandes für Deutsche Jugendherbergen ver­anstalten in der Zeit vom 1. bis 15. Dezember eine Haussammlung, deren Ertrag dem Ausbau des Ju- gcndherbergsnetzes zugute kommen soll. Es ist wohl kaum nötig, an dieser Stelle noch einmal auf die Be­deutung des Iugendherbergswerks hinzuweifen, denn die Erkenntnis von seiner Notwendigkeit für Volks- aesundung und Volksgemeinschaft ist wohl allgemein. Die Ortsgruppe Gießen darf also wohl hoffen, daß ihre Sammler überall offene Türen, offene Herzen und offene Geldbeutel finden werden. Man beachte die heutige Anzeige.

** Literarischer Abend in Darm­stadt. Im Darmstädter Journalisten- und Schriftstellerverein trug der junge Dichter Karl Curt Wagner aus Gießen, ein Sohn des verstorbenen Medizinalrals Wagner, ein Kapitel aus seinem RomanPrometheus", Szenen aus seinem DramaDon Juans Heimkehr" und zu­letzt eine NovelleDer König" vor. eine Episode aus dem Leben Friedrichs des Großen. Die zahl­reich erschienene Zuhörerschaft spendete reichen Beifall.

** Preußisch-Süddeutsche Klasse n - lotterte. Die Erneuerung der Lose zur 3.Klasse muß planmäßig spätestens bis 311m 6. Dezember, 18 Uhr, bei Verlust des Anrechts in der zuständigen Lotterieeinahme geschehen.

** Große ober hessische Sanitäts - kolonnen-Uebung R ichsten Sonntag findet auf dem Gelände des Scywelwerks in Wöl­fersheim eine große Hebung der Freiwilligen Sanitätskolonnen von Gießen, Butzbach. Dad- Rauheim und Friedberg unter Leitung des Ko- lonneninfpekteurs für Oberhessen. Sanitätsrat Dr. Hahn (Dad-Rauheim) statt. Der Uebung wer­den beiwohnen der Vorsitzende des hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz, Geheimrat von Hahn (Darmstadt), außerdem Vertreter staat­licher und städtischer Behörden.

* Feuerwehrtagung in Frankfurt. Eine Abgeordnetenversammlung des Landesver­bandes Hess, freito. Feuerwehren findet am Sonn­tag, 8. Dezember, in Frankfurt a. M statt. Reben der Erstattung des Geschäftsberichts liegt eine umfangreiche Tagesordnung vor. Zur Zeit be­stehen in Hessen 390 freito. Feuerwehren. Unter diesen ist die ältesten die 1845 in Offenbach a. M. gegründete Wehr, die jüngste 1929 gegründete, besteht in Alten-Duseck.

** Wintersportreisen der Hapag. Wie uns vorn Reisebureau der Hamburg-Ame- rika°Linie in Gießen, Seltersweg 93, mitgeteilt wird, finden folgende Winterreifen der Hapag statt: nach Engelberg in der Schweiz über Weih­nachten vorn 5. Dezember bis 5. Januar, St. Moritz 5. Januar bis 18. Januar, Zugfpihgebiet vom 12. bis 26. Januar, Kandersteg vom 18. bis 31. Januar, Engelberg vom 18. bis 29. Januar. Es wird um rechtzeitige Anmeldung gebeten. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.

*' Familienabend der Lukasge- meinöc. Der Familienabcnd, den der Ge­meindeverein der Lukasgemeinde am Sonntag veranstaltete, war so gut besucht, daß ein Teil der Erschienenen sich mit Stehplätzen begnügen muhte. Der Vorsitzende des Vereins, Juwelier Roll, begrüßte die Versammlung und gab seiner Freude über den guten Besuch Ausdruck. Fräulein Anni Dörr Heck einen Vortrag über Goethes Mutter. Die Rdnerin hatte mit Sorg­falt alles zusammengestellt, was über die Mutter des großen Dichters befannt ist. schilderte in an­ziehender Weise ihre Erziehung im Eltern- Hause, ihre Che an der Seite eines weit älteren Mannes und besonders die Beziehungen zu ihren beiden Kindern. Fräulein Dörr vermied es, Unbeglaubigtes mitzuteilen, so vermied sie es. was oft geschieht, von Frau Goethe als von Frau Aja" zu sprechen, also eine Bezeichnung anzuwenden, die phantasievo le Menschen erdacht haben und die kaum große Verbreitung gefunden hat. Dor und nach dem Dortrage fang Fräulein M. von der Heydt mit klangvoller Stimme Lieder von Schubert, wobei Pianist Julius Hahn sie begleitete. Fräulein Dörr und Pfarrvikar Müller spielten vierhändig zwei Musikstücke von Beethoven.

** Oeffen11 iche DücherhaUe. Im Ro­vember wurden 1408 Bände verliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 932, Zeit­schriften 48, Jugendschriften 96, Gedichte und Dramen 10, Länder- und Völkerkunde 102, Kul­turgeschichte 5, Geschichte und Biographien 108, Kunstgeschichte 28, Raturwissenschaft und Tech­nologie 37, Heer- und Seewesen 9, Haus- und Landwirtschaft 2, Gesundheitslehre 1, Religion und Philosophie 9. Staatswissenschaft 13, Sport 1, Fremdsprachliches 7 Bände. Rach auswärts kamen 6 Bände.

Vorsicht bei unbewachten Bahn­übergängen. Der amtliche Hessische Presse­dienst teilt mit: Die Unfälle an unbewachten Bahnübergängen haben im letzten Jahre wie­derum 3ugen0mm.cn. Gefährlich sind nicht nur die Rebenbahnen, sondern auch die Straßen* und Vorortbahnen, deren Reh mit der wachsen­den Elektrifizierung des Vorortverkehrs sich in ständiger Ausdehnung befindet. Wie aus den statistischen Erhebungen hervorgeht, sind die Ur­sachen dieser Unfälle zu einem sehr erheblichen Teil auf Fahrlässigkeit und Unaufmerksamkeit der Kraftwagen- und Kraftradführer, oder der Fuhr­leute zurückzuführen. Alle Fahrzeugführer, ins­besondere alle Automobilisten, werden deshalb erneut zur schärfsten Einhaltung der bestehenden Vorschriften ermahnt. Rach § 18 der Kraftfahr­zeug-Verkehrsverordnung und nach § 8 der All­gemeinen Straßen-Verkehrsverordnung sind alle Fahrzeugführer verpflichtet, ihre Geschwindigkeit vor der Kreuzung unbewachter Bahnübergänge so zu verlangsamen, daß sie auf kürzeste Entfer­nung halten können.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

* Wieseck, 3. Dez. Am vergangenen Sonn­tag sand im Saalbau Hormann das diesjährige Konzert des Mandolinen-Orchesters statt. Zur Vervollständigung des Pr ramms hatte man das Union-Quartett (Mi gliche: des DollschorsUnion" Feani,urt a. M.) verreichtet, das durch den meisterhaften Vortrag seiner Chöre und Vol.stieder wohlverdienten Beifall erntete. Auch die Darbietungen des Mandolinen-Orche­sters zeigten, daß der Verein seine Aufgabe, die Zupfmusik zu pflegen, ernst nimmt. Die zahl­reich erschienenen Zuhörer dürften auf ihre Rech­nung gekommen sein.

4- Kes selb ach, 2. Dez. Heute abend gegen 19 Uhr wurde Lehrer Ziegler von hier durch ein Auto am Ortseingang nach Londorf über- fahren. Der sofort herbeigerufene Arzt, Dr. Kunz (Allendorf), ordnete die Ueberführung in die Klinik nach Gießen an, wo bei dem Verunglückten ein Beinbruch feftgefteUt wurde.

* Lich. 2. Dez. Am vergangenen Freitag fand die gesetzliche Revision der L i ch e r B an k e. G. m. b. H. statt. In der anschließenden Sitzung teilte der Revisor das Ergebnis mit und bezeich­nete sowohl die Buch- und Aktenführung des Rechners, wie die Kontrolltätigkeit des Vor­standes und Aufsichtsrates als mustergültig. Bei der Prüfung der Bestände, Bücher und Sicher­heiten haben sich keinerlei Beanstandun­gen ergeben. Der Geschäftsgang ist auch in 1929 ein recht guter.