'mast zu flaggen. — Der Partei,tag der Deutschen Volkspartei- fällt aus. — Der Empfang des „Graf Zeppeli.n" in Berlin ist abgesagt.
Stresemanns Lebensgang.
Gustav Strefemann wurde am 10. Mai 1878 in Berlin geboren, wo fein Vater ein Restaurant an der Weidendammerbrücke innehatte. Rach dem Besuch des Andreas-Gymnasiums studierte er in Berlin und Leipzig Rechts- und Staats- Wissenschaften und war dann zunächst von 1901 bis 1903 Assistent des Verbandes deutscher Schokoladenfabrikanten. Dann wurde er Syndikus des Verbandes sächsischer Industrieller. Von dieser Stellung aus schuf er sich auch das Feld für seine politische Betätigung als Mi tglied der Ratronalliberalen Partei
3m Jahre 1907 wurde er erstmals in den Reichstag gewählt und trat dort im Laufe der 3ahre mehr und mehr als Redner seiner Partei hervor, in deren Zentralvorstand er auch Mitglied wurde. Bei den Wahlen von 1912 unterlag er zunächst, fand aber durch eine Rachwahl doch wieder den Weg in den Reichstag, wo er während des Krieges eine cmnerionistische Politik vertrat. 2lls es nach der Rovember-Revo- lution im Winter 1918—19 zu einer Vereinigung der Fortschrittlichen Volkspartei mit einem Teil der Rationalliberalen kam, hielt er sich abseits und begründete die Deutsche Volkspartei, der die rechtsstehenden Rationalliberalen, namentlich in Westfalen und Sachsen zufielen. Strefemann selbst wurde im Wahlkreis 15 (Osnabrück, Oldenburg, Aurich) in die Rationalversammlung gewählt, außer ihm 22 andere Abgeordnete seiner Partei. Während der Ruhrkrise wurde offenbar, daß er andere Wege gehen wollte, als das Kabinett Cuno sie für richtig hielt, namentlich innerpolitisch, indem er für ein Kabinett auf breitester Grundlage, die sogenannte „große Koalition", eintrat.
Als dann am 12. August 1923 das Kabinett Cuno zurücktrat, wurde er mit der Kabinettsbildung beauftragt und zum Reichskanzler ernannt. Anfang Oktober sah er sich zum Rücktritt genötigt, als trotz Aufhörens des Ruhrwiderstandes die Franzosen nicht aufhörten, die rheinische Bevölkerung zu bedrücken. Doch kam es nochmal zu einem zweiten Kabinett Strefemann, das aber Ende November wieder zurücktreten mußte.
In dem folgenden KabinettMarx übernahm Strefemann das Portefeuille des Auswärtigen. Hier hat er im wesentlichen in Ueber- einstimmung mit Marx eine Politik der Verständigung mit den ehemaligen Feinden Deutschlands befolgt. In der inneren Politik hielt er an der Koalition mit dem Zentrum fest, auch als es über der Frage der Beiziehung der Deutschnationalen zur Regierung, die er an sich wünschte, im Oktober 1924 zur Reichstagsauflösung kam.
3n dem neuen Kabinett Luther vom 15. Januar 1925 blieb er Außenminister. 3m Februar 1925 leitete er mit dem Vorschlag eines Sicherheitspaktes an Frankreich die Politik ein, die im Oktober 1925 zu den Konferenz von Locarno und am 1. Dezember 1925 zur Unterzeichnung des Sicherheitspaktes und der mit ihm verbundenen Schiedsverträge in London führte. Am 5. Dezember 1925 trat er mit dem gesamten Kabinett Luther zurück. 3m zweiten Kabinett Luther übernahm er abermals das Auswärtige Ministerium, ebenso in den beiden folgenden Kabinetten Marx vom 17. Mai 1926 und vom 28. 3anuar 1927. Folgerichtig betrieb er inzwischen seine Politik der Versöhnung, insbesondere mit Frankreich, die am 8. September 1926 zum Eintritt Deutschlands in den Völkerbund führte. Die folgende, vielerörterte Besprechung Stresemanns mit Driand in Thoirh (17. September 1926) hatte keine greifbaren Ergebnisse. Dagegen hatte er die Genugtuung, daß ihm am 10. Dezember 1926 zusammen mit Briand und Chamberlain der Friedens-Robelpreis zuerkannt wurde. Anfang März 1927 führte er als erster Deutscher den Vorsitz einer Sitzung des Völkerbundsrates in Genf.
Am 25. 3anuar 1928 wurde Strefemann von der Universität Heidelberg zum Ehrendoktor ernannt und dort am 18. April 1928 zugleich mit dem amerikanischen Botschafter Schurmann feierlich promoviert. Bald darauf erkrankte er nicht unbedenklich, so daß er den Sommer 1928 zu seiner Erholung verwenden mußte. Inzwischen war er im Mai wieder in den Reichstag gewählt und am 28. 3uni 1928 in seinem Amt auch in dem neuen Reichskabinett Müller bestätigt worden. Am 5. August 1928 beging er das fünfjährige 3ubiläum als Außenminister. Bald darauf übernahm er auch die Geschäfte wieder unk begab sich dann zur Unterzeichnung des Kellogg-Pak- teg am 27. August 1928 persönlich nach Paris, wo er längere Unterredungen mit Driand und Poincare hatte. 3m Sommer dieses 3ahres vertrat er dann mit drei Ministerkollegen Deutschland auf der Haager Repara tionskon- f e r e n z , die zu einer Verständigung über den Boungplan und die Termine der Rheinlandräumung führte. Nachdem der Außenminister dann noch an der Völkerbundsversammlung in Genf teilgenommen hatte, hatte er sich, der seit seiner schweren Erkrankung im vergangenen 3ahre immer noch leidend war, eine kurze Erholung gegönnt, von der er vor wenigen Tagen erst nach Berlin zurückgekchrt war, wo ihn eine um die Reform der Arbeitslosenversicherung entstandene bedenkliche Krisenstimmung erwartete. Der Behebung dieser innerpolitischen Schwierigkeiten hatte der Außenminister trotz erneuten Unwohlseins seine letzten Kräfte gewidmet.
Strefemann war seit 1903 mit Käte Kleefeld verheiratet, einer Schwester des Fürstlich Hvhen- lohe-Oehringschen Kammerpräsidenten Dr. Kurt von Kleefeld. Der Ehe waren zwei Söhne entsprossen, von denen der älteste als Musiker von sich reden machte.
Oie Pläne der Lufthansa.
3n der Generalversammlung der Deutschen Lufthansa sprach Direktor Milch über die im laufenden 3ahre durchgeführten Rationalisierungsmaßnahmen. Die Leitung des Betriebes war um 10 Prozent geringer als im Vorjahre, das Programm von 9,3 Millionen Betriebskilometer konnte im wesentlichen durchgeführt werden. Die Sicherheitsfrage wurde in personeller und materieller Hinsicht energisch bearbeitet, so daß die Zahl der Unfälle fortlaufend gesunken ist. Technisch wird daran gearbeitet, künftig den „Flug bei jedem Wetter, bei Tag und bei Rächt" zu ermöglichen. Der Verkehr mit grvßen Flugzeugen hat wesentlich zugenom
men. 1071 Rachtflüge mit einer halben Million Betriebskilometer wurden zurückgelegt. Mit den vom Reich zur Verfügung gestellten Anleihemitteln sollen der Transozean - und der Asienverkehr, sobald es die politischen Verhältnisse gestatten, ausgenommen werden. Der Flugeisenbahnfrachtverkehr wird weiter ausgebaut. 3m Personenverkehr hofft man eine Tarifsenkung durchführen zu können, wenn die Frequenz entsprechend steigt.
Oas Arbeiislosenversicherungsgeseh angenommen.
Berlin, 3.0(1 (DTV.-Drahlbericht.) Das Ar- beilslosenversicherungsgeseh wurde in der Schlußab- sllmmung im Reichstag heule nachmittag mit 238 gegen 155 bei 40 Stimmenenthaltungen angenommen.
Oie deutsche Bauernschaft beim Reichsernährungsminifier.
Dringlichste Forderungen zur Bekämpfung der Agrarkrisis.
Berlin, 2. Oft. (WB.) Der Vorstand und die Geschäftsführer der Deutschen Bauernschaft nahmen heute Gelegenheit, zu Beginn der parlamentarischen Winterarbeit dem Reichsernährungsminister ihre Wünsche und Vorschläge zur Behebung der landwirtschaftlichen Rotlage vorzutragen. 3m Vordergrund der Verhandlungen stand die Frage der Viehwirtschaft. Verlangt wurde hier in erster Linie eine Anpassung der Lebendviehzölle an die Fleischzölle und eine beschleunigte Durchführung der bereits eingeleiteten planmäßigen Reuorganisation der Milchwirtschaft. Auf dem Gebiete der Getreidebewirtschaftung wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Durchführung des Dermahlungszwanges gesichert und notwendigerweise die Quote erhöht werden müsse. Weiter wurde der Minister gebeten, den sogenannten Beimahlungszwang erneut auf seine Wirkung und Durchführbarkeit zu prüfen.
3n bezug auf die guttermittelfrage wurde betont, daß die Deutsche Bauernschaft einer Erhöhung der starren Zölle mit Rücksicht auf die Schweinezucht nicht zustimmen könne. Dagegen sei sie bereit, an einer Regelung mit* zuwirken, die dahin gehe, die Roggenüber- schuhmengen aus dem Osten zu Futterzwecken zu verbilligten Preisen im Westen unterzubringen. Eine Voraussetzung hierfür mürfe aber die Sicherheit der staatlichen Verbilligung des Futerroggens bleiben. Zur Verbesserung der Kartoffelpreise fordert die Deutsche Bauernschaft einmal die Verstärkung derindu st riellenVerarbeitung von Kartoffeln und zum anderen die Unterstützung der Standardisierungsbestrebungen für Speisekartoffeln. Weiterhin fordert die Bauernschaft eine verstärkte Förderung der
bäuerlichen Geflügelhaltung und Eierverwertung auf der Basis der vom Reiche im Laufe dxs letzten 3ahres eingeleiteten Reuorganisation auf diesen Gebieten.
Besprochen werden ferner die Frage der grundlegenden landwirtschaftlichen Steuerreform mit dem Ziele der alsbaldigen Verabschiedung des neuen Finanzausgleiches, der den Ländern die Möglichkeit der Senkung der Real steuern bieten müsse. Ebenso wurde die Erwartung ausgesprochen, daß bei der Annahme des Voungplanes die Rentenbankzinsen im Sinne der bereits vom Reichsernährungsminister gemachten Vorschläge beseitigt werden.
Der Reichsernährungsminister betonte in seiner Erwiderung, daß er im großen und ganzen sein Ein verständ nis mit diesen Forderungen erklären könne nicht zuletzt mit Rücksicht darauf, daß diese Forderungen erfreulicherweise sich i n realen Grenzen hielten. Bezüglich der V i e h z ö l l e halte er nach wie vor seinen alten Standpunkt aufrecht, wonach die Frage der Angleichung an die Fleifchzölle noch im Laufe dieses Herbstes entschieden werden müsse. Wegen des Vermahlungszwanges für Weizen verwies der Minister auf die bereits veröffentlichte Feststellung und erklärte, daß er sich für die Erhöhung der Vermahlungsquote auf 50 Prrozent für die nächsten Monate einsetzen werde: auch die Frage des Beimah- lungszwanges werde bereits eingehend in seinem Ministerium geprüft. Ueber die Frage der Senkung der Agrar steuern und die Beseitigung der Rentenbanklasten habe er sich auf der Versammlung des deutschen Landwirtschaftsrats in Münster ausführlich geäußert. Die Reuregelung des Pachtrechtes liege ihm sehr am Herzen und sein Ministerium werde alles aufbieten, diese Angelegenheit zur baldigen Entscheidung im Reichstag zu bringen.
Die Verträge der Gebrüder Sktarek.
Schwere Korruptionserscheinungen in der Berliner Stadtverwaltung.
Berlin, 3. Oft. (Priv.-Tel.) Die „Voss. Ztg." ist in der Lage, Mitteilungen über die Verträge zu machen, die zwischen den Brüdern Sklarek und der Stadt Berlin sowie zwischen den Sklareks und der Berliner Anschaffungsgesellschaft, einer städtischen Gesellschaft, abgeschlossen wurden, und die auf eine Weise zustande gekommen sind, die eine beispiellose Mißwirtschaft voraussetzt. Rachdem die Sklareks die frühere Städtische Kleidervertriebsgesellschaft übernommen hatten, schlossen sie im Mai 1926 mit der Stadt Berlin einen Vertrag ab, in dem es u. a. heißt: Um der Firma Sklarek Gelegenheit zu geben, die übernommenen Waren abzustoßen, erteilt die Stadt der Firma die Erlaubnis, die städtischen Fürsorge st eilen und Wohlfahrtsämter zunächst auf die Dauer von zwei 3ahren zu beliefern. Dieser Vertrag bezog sich lediglich auf nichttypisierte Konfektion, während der Berliner Anschaffungsgesellschaft der Vertrieb der typisierten Konfektion (Schlafdecken und ähnliches) überlassen blieb. Als im April 1926 bei der Berliner Anschaffungsgesellschaft für das Geschäftsjahr 1925 Bilanz gemacht wurde, ergab sich ein Fehlbetrag von 2 2 5 0 0 0 Mark. Diese Summe wurde widerrechtlich auf das Debet- saldo der Brüder Sklarek verbucht. Als die Brüder Sklarek im Rovernber 1926 davon erfuhren, forderten sie den Aufsichtsrats- vorsihenden der Anschaffungsgesellschaft, den kommunistischen Stadtrat G a e b e l, auf, sie schleunigst zu entschädigen. So kam unter dem 10. Rovember 1926 ein Vertrag zwischen den Sklareks und der Berliner Anschaffungsgesellschaft zustande, in dem sich die städtische Gesellschaft verpflichtete, der Firma Gebrüder Sklarek laufend Aufträge pro Monat von etwa 5 0000 Mark auf die Dauer von drei 3a hren, d. h. bis zum 1. Dezember 1929, zu erteilen. Dieser Vertrag wurde von Stadtrat Gaebel ohne Kenntnis des Magistrats unterzeichnet, erwies sich jedoch bald als undurchführbar, da das Anschaffungsamt der Stadt Berlin weiße Schlafdecken eingelagert hatte, die einen Bedarf von vielen 3ahren deckten. Der ungeheuerliche Vertrag wurde deshalb im März 1927 durch einen neuen Vertrag erseht, der zwar den Brüdern Sklarek immer noch erhebliche Vorteile brachte, aber für den Magistrat nicht ganz so ungünstig war. Trotzdem wird die Anschaffungsgesellschaft auch durch diesen Vertrag in ihren Rechten stark eingeschränkt. Sie mußte eben den Sklareks ein Olequibalent bieten, da sonst die Befürchtung bestand, daß die Sklareks die ungeheuerliche Bilanzverschleierung au f gebed t haben würden.
Der am 10. Oktober 1926 zwischen der An- schasfungsgesellschaft und den Gebrüdern Sklarek abgeschlossene Geheimvertrag war sowohl dem Kämmerer wie auch dem Bürgermeister Scholz bis zum gestrigen Tage vollkommen unbekannt. Der Älagistrat versuchte heute den Stadtrat Gaebel, der an dem Zustandekommen dieses Geheimvertrages beteiligt war, zu erreichen, doch wurde Gaebel in seiner Wohnung nicht angetroffen. Der Magistrat wird Gaebel- sehr ausführlich hören, da dieser für sein Vorgehen nach jeder Richtung hin verantwortlich ist und ebenso wie der frühere Direktor Dieburg auch darüber wird Aus- kunft geben müssen, wer zuerst den Gedanken gehabt hat, die Bilanz der Gesellschaft im 3af)te 1926 in so geschickter Weise zu frisieren. Bereits seinerzeit hatte der Magistrat den Verdacht, daß die Geschäftsführung der B. A. G.
unter Kieburg nicht ganz einwandfrei gewesen ist, doch bot sich damals keine juristische Handhabe, gegen ihn vorzugehen.
3m übrigen erfährt man, daß auch nach anderer Richtung hin Untersuchungen durch die Stadt angestellt werden, da dem Magistrat bekannt geworden ist, daß ein Beamter der Stadtbank im vorigen Sommer mit seiner ganzen Familie sechs Wochen lang Gast der Gebrüder Sklarek in deren Iagdhaus gewesen ist.
Haussuchungen bei den Sklareks.
Berlin, 2.Okt. (Prio.) Die Untersuchung gegen die Brüder Sklarek hat soviel neues Material ergeben, daß sich die Kriminalpolizei dazu entschloß, heute nachmittag eine umfangreiche Haussuchung in der Kommandantenstraße vorzunehmen. Es war mitgeteilt worden, daß sich in dem Bureau einige Geheimtresors befänden, zu denen angeblich kein Schlüssel vorhanden war. In diesen Geheimtresors sollen sich die Bücher befinden, die fft verschiedener Hinsicht Aufschluß über die Geschäfte der Sklareks geben könnten. Kriminalkommissar Seifert vom Berliner Polizeipräsidium nahm daraufhin eine Durchsuchung der Räume vor und ließ die Geheimtresors öffnen. Es wurden wichtige Dokumente vorgefunden, die Aufschluß über die geschäftlichen Beziehungen der Gebrüder Sklarek geben. Ferner wurde ein Schriftwechsel beschlagnahmt, der möglicherweise über die Anlage des Kapitals der Sklareks in anderen Unternehmungen Aufschluß geben wird.
Heute werden in der Sklarekaffäre zum ersten Male die wichtigsten Zeugen verhört. Der Sklareksche Geheimsekretär Lehmann belastet in seinen Aussagen vor der Staatsanwaltschaft seine Chefs, die Gebrüder Sklarek, in noch erheblicherem Maße, als es durch das erste Geständnis vor der Polizei geschehen ist.
Bei der Haussuchung ist auch der Geheim- bertrag mit der städtischen Anschaffungsgesellschaft gefunden worden. Diese Entdeckung ist nicht von ungefähr geschehen, sie ist vielmehr auf die Mitteilung der Verhafteten selbst zurückzuführen, die jetzt offenbar zur Offensive übergehen und in Moabit die vielsagende Aeuherung getan haben: Wir sind es satt, als Sündenbocke einer korrup te n und verwahrlosten Verwaltung dazustehen. Die Sklareks haben auch angedeutet, daß von den Geldern, die sie durch ihre Manöver von der Stadtbank erhalten haben, erhebliche Summen »Außenstehenden" zugeflossen sind.
Verdiki gegen die Goslarer Schulen.
Ein seltsamer Erlaß des Preußischen Kultusministers.
Berlin, 2. Oft. (VDZ.) Bei der diesjährigen Verfass ungsfeier wurden, wie in anderen Städten, auch in Goslar am Harz 3 ugend - Wettkämpfe veranstaltet, deren Sieger mit schwarz-rot-gold bebänderten Kränzen bedacht wurden. Einige Schüler und Schülerinnen, die die Bänder entfernt hatten, wurden mit der Androhung der Verweisung von der Anstalt verwarnt. 3m Auftrage des Preußischen Kultusministers wurde ferner eine Untersu
chung der Angelegenheit eingelettet, die Nach einem Bericht der Deutschen Zeitung zu einem Erlaß an das Provinz ialschulkolle- gium in Hannover geführt hat. 3n dem Erlaß heißt es u. a.: Die Einzigartigkeit der unerhörten Vorfälle zwingt mich, gegen die Möglichkeit einer Wiederholung und dafür Gewähr zu schaffen, daß die Schulen die ihnen ofi genug eingeschärfte Pflicht pof itiver staatsbürgerlicher Erziehung nun endlich erfüllen. Für die Zeit, bis das gesichert ist, entziehe ich hierdurch dem städtischen Realgymnasium und Gymnasium in Goslar das Recht, die Reifeprüfung in der Schule selbst durch den eigenen Lehrkörper vorzuneh- men, und dem städtischen Lyzeum das gleiche Recht für die Abschlußprüfung. 3ch bitte, dafür Sorge zu tragen, daß der Prüfungsausschuß, vor dem die Goslarer Schüler ihre Prüfung nunmehr abzulegen haben, gerade die Ergebnisse staatsbürgerlichen Unterrichts und staatsbürgerlicher Erziehung besonders sorgfältig feststeNt. 3ch bin ferner zu einer wirksamen Umgestaltung der beiden Lehrkörper gezwungen, deren Einzelheiten ich in kurzem bekanntgeben werde.— Der Landtagsabgeordnete der Wirtschaftspartei Schellknecht hat die Angelegenheit zum Gegenstand einer Anfrage an die preußische Staatsregierung gemacht.
Oer Reichskanzler
an den Reichspräsidenten.
Der Glückwunsch zum 82. Geburtstag.
Berlin, 2. Okt. (WB.) Dem Herrn Reichs- Präsidenten hat Reichskanzler Müller im Namen der Reichsregierung zum 82. Geburtstage nachstehendes Glückwunschschreiben übermittelt:
„Hochverehrter Herr Reichspräsident!
Den heutigen Tag möchte ich nicht vorübergehen lassen, ohne Ihnen als Reichskanzler und zugleich im Namen der Reichsregierung die aufrichtig st en Glückwünsche darzubringem Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß Sie in alter Rüstigkeit das neue Jahr Ihres gesegneten Lebens beginnen. Das deutsche Bolk gedenkt an diesem Tage Ihrer in Verehrung und wünscht, daß Sie ihm noch lange Jahre als ein Vorbild treuer Pflichterfüllung gesunder halte n bleiben mögen.
Nach schweren politischen Verhandlungen steht d i e endgültige Befreiung des besetzten Gebietes bevor. Wenn jetzt nach und nach die besetzten Städte und Gaue frei werden, dann wird das deutsche Bolk vor allem auch daran denken, daß Ihr Streben von Erster Stunde Ihres Amtsantritts an a u f d i e Wiedererlangung der deutschen Staatshoheit gerichtet gewesen ist.
Mit verehrungsvollsten Empfehlungen verbleibe ich, hochgeehrter Herr Reichspräsident, Ihr stets ganz ergebener
(gez.) Müller."
Mandatsniederlegung.
Dieburg, 27. Sept. (Wolff.) Der hessische Landtagsabgeordnete Lautenbacher (Dieburg) hat mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. ab sein Mandat für die Zentrumspartei wegen Wechsels seines Wohnsitzes und Arbeitsüberlastung n i e berge l e g t. Lautenbacher gehörte dem Hessischen Landtag seit 8. Dezewber 1925 an und erfreute sich als bedachtsamer, urteilssicherer und fleißiger Vertreter des Handwerks bei allen Parteien größter Wertschätzung, so daß sein Ausscheiden allgemein bedauert werden dürfte. Als sein Nachfolger tritt Syndikus Dr. Fritz Burgbacher (Mainz) in den Landtag ein.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Die Unbeständigkeit der Wetterlage, verursacht durch die Nordmeerstörung, ist noch nicht beendet. Weiterhin bleibt das Wetter veränderlich und Niederschläge treten noch auf. Die Temperaturen ändern sich zunächst wenia, werden aber mit dem Eindringen kühler Luftmassen an der Rückseite der Störung später zurückgehen, dabei kommt es zum Aufreißen der Wolkendecke, so daß Aufheiterung eintritt und die Niederschlagstätigkeit mehr und mehr abnimmt, so daß nur noch vereinzelte Schauer auftreten.
Wettervoraussage für Freitag: Weiterhin unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter mit zeitweisen Niederschlägen, Temperaturen schwankend, um West drehende Winde.
Lufttemperaturen am 2. Oktober: mittags 18 Grad Celsius, abends 13,7 Grad: am 3. Oktober: morgens 14,8 Grad. Maximum 19,7 Grad, Minimum 12,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Oktober: abends 14,6 Grad: am 3. Oktober: morgens 13,6 Grad Celsius. — Niederschlag 18,4 mm. —- Sonnenscheindauer V\ Stunde.


