Ausgabe 
3.10.1929
 
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'mast zu flaggen. Der Partei,tag der Deutschen Volkspartei- fällt aus. Der Empfang desGraf Zeppeli.n" in Berlin ist abgesagt.

Stresemanns Lebensgang.

Gustav Strefemann wurde am 10. Mai 1878 in Berlin geboren, wo fein Vater ein Restaurant an der Weidendammerbrücke innehatte. Rach dem Besuch des Andreas-Gymnasiums studierte er in Berlin und Leipzig Rechts- und Staats- Wissenschaften und war dann zunächst von 1901 bis 1903 Assistent des Verbandes deutscher Scho­koladenfabrikanten. Dann wurde er Syndikus des Verbandes sächsischer Indu­strieller. Von dieser Stellung aus schuf er sich auch das Feld für seine politische Betätigung als Mi tglied der Ratronalliberalen Partei

3m Jahre 1907 wurde er erstmals in den Reichstag gewählt und trat dort im Laufe der 3ahre mehr und mehr als Redner seiner Partei hervor, in deren Zentralvorstand er auch Mitglied wurde. Bei den Wahlen von 1912 unterlag er zunächst, fand aber durch eine Rach­wahl doch wieder den Weg in den Reichstag, wo er während des Krieges eine cmnerionistische Politik vertrat. 2lls es nach der Rovember-Revo- lution im Winter 191819 zu einer Vereinigung der Fortschrittlichen Volkspartei mit einem Teil der Rationalliberalen kam, hielt er sich abseits und begründete die Deutsche Volkspar­tei, der die rechtsstehenden Rationalliberalen, namentlich in Westfalen und Sachsen zufielen. Strefemann selbst wurde im Wahlkreis 15 (Os­nabrück, Oldenburg, Aurich) in die Rational­versammlung gewählt, außer ihm 22 andere Ab­geordnete seiner Partei. Während der Ruhrkrise wurde offenbar, daß er andere Wege gehen wollte, als das Kabinett Cuno sie für richtig hielt, namentlich innerpolitisch, indem er für ein Kabinett auf breitester Grundlage, die sogenannte große Koalition", eintrat.

Als dann am 12. August 1923 das Kabinett Cuno zurücktrat, wurde er mit der Kabinettsbildung be­auftragt und zum Reichskanzler ernannt. An­fang Oktober sah er sich zum Rücktritt genötigt, als trotz Aufhörens des Ruhrwiderstandes die Fran­zosen nicht aufhörten, die rheinische Bevölkerung zu bedrücken. Doch kam es nochmal zu einem zwei­ten Kabinett Strefemann, das aber Ende November wieder zurücktreten mußte.

In dem folgenden KabinettMarx übernahm Strefemann das Portefeuille des Aus­wärtigen. Hier hat er im wesentlichen in Ueber- einstimmung mit Marx eine Politik der Verständi­gung mit den ehemaligen Feinden Deutschlands be­folgt. In der inneren Politik hielt er an der Koali­tion mit dem Zentrum fest, auch als es über der Frage der Beiziehung der Deutschnationalen zur Regierung, die er an sich wünschte, im Oktober 1924 zur Reichstagsauflösung kam.

3n dem neuen Kabinett Luther vom 15. Januar 1925 blieb er Außenminister. 3m Februar 1925 leitete er mit dem Vorschlag eines Sicherheitspaktes an Frankreich die Politik ein, die im Oktober 1925 zu den Konferenz von Lo­carno und am 1. Dezember 1925 zur Unter­zeichnung des Sicherheitspaktes und der mit ihm verbundenen Schiedsverträge in Lon­don führte. Am 5. Dezember 1925 trat er mit dem gesamten Kabinett Luther zurück. 3m zwei­ten Kabinett Luther übernahm er abermals das Auswärtige Ministerium, ebenso in den beiden folgenden Kabinetten Marx vom 17. Mai 1926 und vom 28. 3anuar 1927. Folgerichtig betrieb er inzwischen seine Politik der Versöh­nung, insbesondere mit Frankreich, die am 8. September 1926 zum Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund führte. Die folgende, vielerörterte Besprechung Stresemanns mit Driand in Thoirh (17. September 1926) hatte keine greifbaren Ergebnisse. Dagegen hatte er die Genugtuung, daß ihm am 10. Dezember 1926 zusammen mit Briand und Chamberlain der Friedens-Robelpreis zuerkannt wurde. Anfang März 1927 führte er als erster Deutscher den Vorsitz einer Sitzung des Völker­bundsrates in Genf.

Am 25. 3anuar 1928 wurde Strefemann von der Universität Heidelberg zum Ehren­doktor ernannt und dort am 18. April 1928 zugleich mit dem amerikanischen Botschafter Schurmann feierlich promoviert. Bald darauf er­krankte er nicht unbedenklich, so daß er den Sommer 1928 zu seiner Erholung verwenden mußte. Inzwischen war er im Mai wieder in den Reichstag gewählt und am 28. 3uni 1928 in seinem Amt auch in dem neuen Reichskabinett Müller bestätigt worden. Am 5. August 1928 be­ging er das fünfjährige 3ubiläum als Außen­minister. Bald darauf übernahm er auch die Geschäfte wieder unk begab sich dann zur Unterzeichnung des Kellogg-Pak- teg am 27. August 1928 persönlich nach Paris, wo er längere Unterredungen mit Driand und Poincare hatte. 3m Sommer dieses 3ahres ver­trat er dann mit drei Ministerkollegen Deutsch­land auf der Haager Repara tionskon- f e r e n z , die zu einer Verständigung über den Boungplan und die Termine der Rheinlandräu­mung führte. Nachdem der Außenminister dann noch an der Völkerbundsversammlung in Genf teilgenommen hatte, hatte er sich, der seit seiner schweren Erkrankung im vergangenen 3ahre im­mer noch leidend war, eine kurze Erholung ge­gönnt, von der er vor wenigen Tagen erst nach Berlin zurückgekchrt war, wo ihn eine um die Reform der Arbeitslosenversicherung entstandene bedenkliche Krisenstimmung erwartete. Der Be­hebung dieser innerpolitischen Schwierigkeiten hatte der Außenminister trotz erneuten Unwohl­seins seine letzten Kräfte gewidmet.

Strefemann war seit 1903 mit Käte Kleefeld verheiratet, einer Schwester des Fürstlich Hvhen- lohe-Oehringschen Kammerpräsidenten Dr. Kurt von Kleefeld. Der Ehe waren zwei Söhne ent­sprossen, von denen der älteste als Musiker von sich reden machte.

Oie Pläne der Lufthansa.

3n der Generalversammlung der Deutschen Lufthansa sprach Direktor Milch über die im laufenden 3ahre durchgeführten Rationalisie­rungsmaßnahmen. Die Leitung des Betriebes war um 10 Prozent geringer als im Vorjahre, das Programm von 9,3 Millionen Betriebskilo­meter konnte im wesentlichen durchgeführt werden. Die Sicherheitsfrage wurde in personeller und materieller Hinsicht energisch bearbeitet, so daß die Zahl der Unfälle fortlaufend gesunken ist. Technisch wird daran gearbeitet, künftig den Flug bei jedem Wetter, bei Tag und bei Rächt" zu ermöglichen. Der Verkehr mit grvßen Flugzeugen hat wesentlich zugenom­

men. 1071 Rachtflüge mit einer halben Million Betriebskilometer wurden zurückgelegt. Mit den vom Reich zur Verfügung gestellten Anleihe­mitteln sollen der Transozean - und der Asienverkehr, sobald es die politischen Ver­hältnisse gestatten, ausgenommen werden. Der Flugeisenbahnfrachtverkehr wird wei­ter ausgebaut. 3m Personenverkehr hofft man eine Tarifsenkung durchführen zu können, wenn die Frequenz entsprechend steigt.

Oas Arbeiislosenversicherungsgeseh angenommen.

Berlin, 3.0(1 (DTV.-Drahlbericht.) Das Ar- beilslosenversicherungsgeseh wurde in der Schlußab- sllmmung im Reichstag heule nachmittag mit 238 gegen 155 bei 40 Stimmenenthaltungen angenom­men.

Oie deutsche Bauernschaft beim Reichsernährungsminifier.

Dringlichste Forderungen zur Bekämpfung der Agrarkrisis.

Berlin, 2. Oft. (WB.) Der Vorstand und die Geschäftsführer der Deutschen Bauern­schaft nahmen heute Gelegenheit, zu Beginn der parlamentarischen Winterarbeit dem Reichs­ernährungsminister ihre Wünsche und Vorschläge zur Behebung der landwirtschaft­lichen Rotlage vorzutragen. 3m Vorder­grund der Verhandlungen stand die Frage der Viehwirtschaft. Verlangt wurde hier in erster Linie eine Anpassung der Lebend­viehzölle an die Fleischzölle und eine beschleunigte Durchführung der bereits einge­leiteten planmäßigen Reuorganisation der Milchwirtschaft. Auf dem Gebiete der Getreidebewirtschaftung wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Durchführung des Dermahlungszwanges gesichert und notwendigerweise die Quote erhöht werden müsse. Weiter wurde der Minister gebeten, den sogenannten Beimahlungszwang er­neut auf seine Wirkung und Durchführbarkeit zu prüfen.

3n bezug auf die guttermittelfrage wurde betont, daß die Deutsche Bauernschaft einer Erhöhung der starren Zölle mit Rücksicht auf die Schweinezucht nicht zustimmen könne. Dagegen sei sie bereit, an einer Regelung mit* zuwirken, die dahin gehe, die Roggenüber- schuhmengen aus dem Osten zu Futter­zwecken zu verbilligten Preisen im Westen unterzubringen. Eine Voraussetzung hier­für mürfe aber die Sicherheit der staatlichen Verbilligung des Futerroggens bleiben. Zur Ver­besserung der Kartoffelpreise fordert die Deutsche Bauernschaft einmal die Verstär­kung derindu st riellenVerarbeitung von Kartoffeln und zum anderen die Unter­stützung der Standardisierungsbestrebungen für Speisekartoffeln. Weiterhin fordert die Bauern­schaft eine verstärkte Förderung der

bäuerlichen Geflügelhaltung und Eierverwertung auf der Basis der vom Reiche im Laufe dxs letzten 3ahres eingeleiteten Reuorganisation auf diesen Gebieten.

Besprochen werden ferner die Frage der grund­legenden landwirtschaftlichen Steuerreform mit dem Ziele der alsbaldigen Verabschiedung des neuen Finanzausgleiches, der den Ländern die Möglichkeit der Senkung der Real steuern bieten müsse. Ebenso wurde die Erwartung ausgesprochen, daß bei der Annahme des Voungplanes die Rentenbankzinsen im Sinne der bereits vom Reichsernährungs­minister gemachten Vorschläge beseitigt werden.

Der Reichsernährungsminister betonte in seiner Erwiderung, daß er im großen und ganzen sein Ein verständ nis mit diesen Forderungen er­klären könne nicht zuletzt mit Rücksicht darauf, daß diese Forderungen erfreulicherweise sich i n realen Grenzen hielten. Bezüglich der V i e h z ö l l e halte er nach wie vor seinen alten Standpunkt aufrecht, wonach die Frage der An­gleichung an die Fleifchzölle noch im Laufe dieses Herbstes entschieden werden müsse. Wegen des Vermahlungszwanges für Weizen verwies der Minister auf die bereits veröffentlichte Feststellung und erklärte, daß er sich für die Erhöhung der Vermahlungs­quote auf 50 Prrozent für die nächsten Monate einsetzen werde: auch die Frage des Beimah- lungszwanges werde bereits eingehend in seinem Ministerium geprüft. Ueber die Frage der Senkung der Agrar steuern und die Beseitigung der Rentenbanklasten habe er sich auf der Versammlung des deutschen Landwirt­schaftsrats in Münster ausführlich geäußert. Die Reuregelung des Pachtrechtes liege ihm sehr am Herzen und sein Ministerium werde alles aufbieten, diese Angelegenheit zur baldigen Entscheidung im Reichstag zu bringen.

Die Verträge der Gebrüder Sktarek.

Schwere Korruptionserscheinungen in der Berliner Stadtverwaltung.

Berlin, 3. Oft. (Priv.-Tel.) DieVoss. Ztg." ist in der Lage, Mitteilungen über die Verträge zu machen, die zwischen den Brüdern Sklarek und der Stadt Berlin sowie zwischen den Sklareks und der Berliner Anschaffungsgesellschaft, einer städtischen Gesellschaft, abgeschlossen wurden, und die auf eine Weise zustande gekommen sind, die eine beispiellose Mißwirtschaft vor­aussetzt. Rachdem die Sklareks die frühere Städti­sche Kleidervertriebsgesellschaft übernommen hat­ten, schlossen sie im Mai 1926 mit der Stadt Ber­lin einen Vertrag ab, in dem es u. a. heißt: Um der Firma Sklarek Gelegenheit zu geben, die übernommenen Waren abzustoßen, erteilt die Stadt der Firma die Erlaubnis, die städti­schen Fürsorge st eilen und Wohl­fahrtsämter zunächst auf die Dauer von zwei 3ahren zu beliefern. Dieser Vertrag bezog sich lediglich auf nichttypisierte Konfektion, während der Berliner Anschaffungs­gesellschaft der Vertrieb der typisierten Kon­fektion (Schlafdecken und ähnliches) überlassen blieb. Als im April 1926 bei der Berliner An­schaffungsgesellschaft für das Geschäftsjahr 1925 Bilanz gemacht wurde, ergab sich ein Fehl­betrag von 2 2 5 0 0 0 Mark. Diese Summe wurde widerrechtlich auf das Debet- saldo der Brüder Sklarek verbucht. Als die Brüder Sklarek im Rovernber 1926 da­von erfuhren, forderten sie den Aufsichtsrats- vorsihenden der Anschaffungsgesellschaft, den kommunistischen Stadtrat G a e b e l, auf, sie schleunigst zu entschädigen. So kam unter dem 10. Rovember 1926 ein Vertrag zwischen den Sklareks und der Berliner Anschaffungs­gesellschaft zustande, in dem sich die städtische Gesellschaft verpflichtete, der Firma Gebrüder Sklarek laufend Aufträge pro Monat von etwa 5 0000 Mark auf die Dauer von drei 3a hren, d. h. bis zum 1. Dezember 1929, zu erteilen. Dieser Vertrag wurde von Stadtrat Gaebel ohne Kenntnis des Ma­gistrats unterzeichnet, erwies sich jedoch bald als undurchführbar, da das Anschaf­fungsamt der Stadt Berlin weiße Schlafdecken eingelagert hatte, die einen Bedarf von vielen 3ahren deckten. Der ungeheuerliche Vertrag wurde deshalb im März 1927 durch einen neuen Vertrag erseht, der zwar den Brüdern Sklarek immer noch erhebliche Vorteile brachte, aber für den Magistrat nicht ganz so ungünstig war. Trotzdem wird die Anschaffungs­gesellschaft auch durch diesen Vertrag in ihren Rechten stark eingeschränkt. Sie mußte eben den Sklareks ein Olequibalent bieten, da sonst die Befürchtung bestand, daß die Sklareks die ungeheuerliche Bilanzverschleierung au f gebed t haben würden.

Der am 10. Oktober 1926 zwischen der An- schasfungsgesellschaft und den Gebrüdern Sklarek abgeschlossene Geheimvertrag war sowohl dem Kämmerer wie auch dem Bürgermeister Scholz bis zum gestrigen Tage vollkommen unbe­kannt. Der Älagistrat versuchte heute den Stadtrat Gaebel, der an dem Zustandekom­men dieses Geheimvertrages beteiligt war, zu erreichen, doch wurde Gaebel in seiner Woh­nung nicht angetroffen. Der Magistrat wird Gaebel- sehr ausführlich hören, da dieser für sein Vorgehen nach jeder Richtung hin verantwortlich ist und ebenso wie der frühere Direktor Dieburg auch darüber wird Aus- kunft geben müssen, wer zuerst den Gedanken gehabt hat, die Bilanz der Gesellschaft im 3af)te 1926 in so geschickter Weise zu frisie­ren. Bereits seinerzeit hatte der Magistrat den Verdacht, daß die Geschäftsführung der B. A. G.

unter Kieburg nicht ganz einwandfrei gewesen ist, doch bot sich damals keine juristische Hand­habe, gegen ihn vorzugehen.

3m übrigen erfährt man, daß auch nach an­derer Richtung hin Untersuchungen durch die Stadt angestellt werden, da dem Magistrat be­kannt geworden ist, daß ein Beamter der Stadtbank im vorigen Sommer mit seiner ganzen Familie sechs Wochen lang Gast der Gebrüder Sklarek in deren Iagdhaus ge­wesen ist.

Haussuchungen bei den Sklareks.

Berlin, 2.Okt. (Prio.) Die Untersuchung gegen die Brüder Sklarek hat soviel neues Material er­geben, daß sich die Kriminalpolizei dazu entschloß, heute nachmittag eine umfangreiche Haus­suchung in der Kommandantenstraße vorzuneh­men. Es war mitgeteilt worden, daß sich in dem Bureau einige Geheimtresors befänden, zu denen angeblich kein Schlüssel vorhanden war. In diesen Geheimtresors sollen sich die Bücher be­finden, die fft verschiedener Hinsicht Aufschluß über die Geschäfte der Sklareks geben könnten. Kriminalkommissar Seifert vom Ber­liner Polizeipräsidium nahm daraufhin eine Durch­suchung der Räume vor und ließ die Geheimtresors öffnen. Es wurden wichtige Dokumente vorgefunden, die Aufschluß über die geschäft­lichen Beziehungen der Gebrüder Sklarek geben. Ferner wurde ein Schriftwechsel beschlag­nahmt, der möglicherweise über die Anlage des Kapitals der Sklareks in anderen Unterneh­mungen Aufschluß geben wird.

Heute werden in der Sklarekaffäre zum ersten Male die wichtigsten Zeugen verhört. Der Sklareksche Geheimsekretär Lehmann belastet in seinen Aussagen vor der Staatsanwaltschaft seine Chefs, die Gebrüder Sklarek, in noch erhebliche­rem Maße, als es durch das erste Geständnis vor der Polizei geschehen ist.

Bei der Haussuchung ist auch der Geheim- bertrag mit der städtischen Anschaf­fungsgesellschaft gefunden worden. Diese Entdeckung ist nicht von ungefähr geschehen, sie ist vielmehr auf die Mitteilung der Verhafteten selbst zurückzuführen, die jetzt offenbar zur Offensive übergehen und in Moabit die vielsagende Aeuherung getan ha­ben: Wir sind es satt, als Sündenbocke einer korrup te n und verwahrlosten Verwaltung dazustehen. Die Sklareks haben auch angedeutet, daß von den Geldern, die sie durch ihre Manöver von der Stadtbank erhalten haben, erhebliche Summen »Außen­stehenden" zugeflossen sind.

Verdiki gegen die Goslarer Schulen.

Ein seltsamer Erlaß des Preußischen Kultusministers.

Berlin, 2. Oft. (VDZ.) Bei der diesjährigen Verfass ungsfeier wurden, wie in anderen Städten, auch in Goslar am Harz 3 ugend - Wettkämpfe veranstaltet, deren Sieger mit schwarz-rot-gold bebänderten Kränzen bedacht wurden. Einige Schüler und Schülerinnen, die die Bänder entfernt hatten, wurden mit der Androhung der Verweisung von der Anstalt verwarnt. 3m Auftrage des Preußischen Kul­tusministers wurde ferner eine Untersu­

chung der Angelegenheit eingelettet, die Nach einem Bericht der Deutschen Zeitung zu einem Erlaß an das Provinz ialschulkolle- gium in Hannover geführt hat. 3n dem Erlaß heißt es u. a.: Die Einzigartigkeit der unerhörten Vorfälle zwingt mich, gegen die Möglichkeit einer Wiederholung und dafür Gewähr zu schaffen, daß die Schulen die ihnen ofi genug eingeschärfte Pflicht pof itiver staatsbürgerlicher Erziehung nun endlich erfüllen. Für die Zeit, bis das gesichert ist, entziehe ich hierdurch dem städtischen Realgymnasium und Gym­nasium in Goslar das Recht, die Reife­prüfung in der Schule selbst durch den eigenen Lehrkörper vorzuneh- men, und dem städtischen Lyzeum das gleiche Recht für die Abschlußprüfung. 3ch bitte, dafür Sorge zu tragen, daß der Prüfungsausschuß, vor dem die Goslarer Schüler ihre Prüfung nun­mehr abzulegen haben, gerade die Ergebnisse staatsbürgerlichen Unterrichts und staatsbürgerlicher Erziehung beson­ders sorgfältig feststeNt. 3ch bin ferner zu einer wirksamen Umgestaltung der bei­den Lehrkörper gezwungen, deren Einzel­heiten ich in kurzem bekanntgeben werde. Der Landtagsabgeordnete der Wirtschaftspartei Schellknecht hat die Angelegenheit zum Gegenstand einer Anfrage an die preußische Staatsregierung gemacht.

Oer Reichskanzler

an den Reichspräsidenten.

Der Glückwunsch zum 82. Geburtstag.

Berlin, 2. Okt. (WB.) Dem Herrn Reichs- Präsidenten hat Reichskanzler Müller im Namen der Reichsregierung zum 82. Geburtstage nachstehendes Glückwunschschreiben übermittelt:

Hochverehrter Herr Reichspräsident!

Den heutigen Tag möchte ich nicht vorübergehen lassen, ohne Ihnen als Reichskanzler und zugleich im Namen der Reichsregierung die aufrichtig st en Glückwünsche darzubringem Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß Sie in alter Rüstigkeit das neue Jahr Ihres gesegneten Le­bens beginnen. Das deutsche Bolk gedenkt an diesem Tage Ihrer in Verehrung und wünscht, daß Sie ihm noch lange Jahre als ein Vorbild treuer Pflichterfüllung gesunder hal­te n bleiben mögen.

Nach schweren politischen Verhandlungen steht d i e endgültige Befreiung des besetzten Ge­bietes bevor. Wenn jetzt nach und nach die besetz­ten Städte und Gaue frei werden, dann wird das deutsche Bolk vor allem auch daran denken, daß Ihr Streben von Erster Stunde Ihres Amtsantritts an a u f d i e Wiedererlangung der deut­schen Staatshoheit gerichtet gewesen ist.

Mit verehrungsvollsten Empfehlungen verbleibe ich, hochgeehrter Herr Reichspräsident, Ihr stets ganz ergebener

(gez.) Müller."

Mandatsniederlegung.

Dieburg, 27. Sept. (Wolff.) Der hessische Land­tagsabgeordnete Lautenbacher (Dieburg) hat mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. ab sein Mandat für die Zentrumspartei wegen Wechsels seines Wohnsitzes und Arbeitsüberlastung n i e ber­ge l e g t. Lautenbacher gehörte dem Hessischen Land­tag seit 8. Dezewber 1925 an und erfreute sich als bedachtsamer, urteilssicherer und fleißiger Ver­treter des Handwerks bei allen Parteien größter Wertschätzung, so daß sein Ausscheiden all­gemein bedauert werden dürfte. Als sein Nachfolger tritt Syndikus Dr. Fritz Burgbacher (Mainz) in den Landtag ein.

Oie Wetterlage.

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* Sehnet a Graupeln. e MeDei K Oewitter.(g)wind$tilie.«o-> sehr cicnter Ost -nissiger Südsüdwest. q stürmischer nordwest Oie Pfeile fliegen mit dem winde Pie oei den Stationen stehenden Zah» len gehen die Temperatur an. Pie Linien verhindeo orte mit gleichen^ Mi rteeresniveau umoertchneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Die Unbeständigkeit der Wetterlage, verursacht durch die Nordmeerstörung, ist noch nicht beendet. Weiterhin bleibt das Wetter veränderlich und Nie­derschläge treten noch auf. Die Temperaturen ändern sich zunächst wenia, werden aber mit dem Eindringen kühler Luftmassen an der Rückseite der Störung später zurückgehen, dabei kommt es zum Aufreißen der Wolkendecke, so daß Aufheiterung eintritt und die Niederschlagstätigkeit mehr und mehr abnimmt, so daß nur noch vereinzelte Schauer auftreten.

Wettervoraussage für Freitag: Wei­terhin unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter mit zeitweisen Niederschlägen, Temperaturen schwankend, um West drehende Winde.

Lufttemperaturen am 2. Oktober: mittags 18 Grad Celsius, abends 13,7 Grad: am 3. Oktober: morgens 14,8 Grad. Maximum 19,7 Grad, Minimum 12,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Oktober: abends 14,6 Grad: am 3. Oktober: mor­gens 13,6 Grad Celsius. Niederschlag 18,4 mm.- Sonnenscheindauer V\ Stunde.