Ä. Kämpf, war bezüglich der Schwierigkeit vvn den Preisrichtern mit 8 Punkten gewertet worden, ebenso der von Lich selbstgewählte Chor „Hoch empor" von F. Curti. Hiergegen erhob Lich Widerspruch und zeigte aus einem Verzeichnis einer Fachzeitung, daß der Geisenheimer Chor nur mit 7 Punkten Schwierigkeit zu bewerten sei und demzufolge Geisenheim nur 167,5 P., Lich 168 P. errungen habe und ihm der 2. Preis gehöre. Schließlich kamen die beiden Vereine überein, daß eine maßgebende Stelle in Köln den Fall endgültig entscheiden soll.) 2. Stadtklasse: Sängerchor des Turnvereins 1860 Ffm.»Fechenheim 171 P., Liederkranz-Ffm.- Ginnhetm 164 P., Eintracht-Offenbach 157,5 P., Gemütlichkeit-Wiesbaden-Erbenheim 153 Punkte. 3. Stadtklasse: Männerquartett Hain- Gründau 150,5 P., Liederlust 166,5 P., Sängerlust-Bleichenbach 155,5 P., Äordend-Wiesbaden- Diebrich 162,5 P. 2. Landklasse: Eintracht- Cichelsdorf 153 P., Eintracht-Klein-Linden 154,5 Punkte, Teutonia-Vordeck 149 P., Männeraesangverein Ober-Schmitten 152,5 P. 3. Landklasse: Liederkranz-Kalbach a. Taunus 150 P., Germania-Vilbel 142,5 P., Fidelio-Ober-Widdersheim 160,5 P., Sängerlust-Meerholz 160,5 P., Eintracht-Ober-Wöllstadt 147,5 P. Vichtpreisgekrönte Vereine: Männergesangverein Llnter-Schrnitten 135,5 P., Sängerkranz- Vodheim a. d. Horloff 142 P., Cintracht-Ober- Widdersheim 130 P. Der Hindenburgpreis fiel durch das Los zwischen Liederkranz-Büdin- gen und Sängerchor des Turnvereins Fechenheim dem letzteren zu. 2lm Vachmittag bewegte sich ein farbenprächtiger Festzug durch die reichgeschmückten Straßen der Stadt, an dem 58 Vereine mit ihren Fahnen, drei Musikkapellen und zahlreiche originell aufgeputzte Festwagen und Autos teilnahmen. Der hiesige Reiterverein mit etwa 50 Reitern eröffnete den Zug. Auf dem Festplahe hielten der Vorsitzende des Iubel- vereins, Philipp V e ch t h o l d , Bankvorstand Hermann S e u m und der Vorsitzende des Ridda- talsängerbundes, Sägewerksbesiher Schäfer (Eichelsdorf), herzliche Begrüßungs- und Glückwunschansprachen. Der Viddatalsängerbund verehrte dem Qubelvcrein einen wertvollen Fahnennagel. Bei Gesangs- und Musikvorträgen und Tanz entwickelte sich hierauf ein außerordentlich stark besuchtes Volksfest. Gestern abend fand dieses seine Fortsetzung und eine besondere Bedeutung durch Verbindung mit einem Kinde r- f e st der hiesigen Schuljugend, die vormittags das diesjährige Iugendfest der Real- und Volksschule im Harbwald auf einer großen Wiesenfläche, dem ehemaligen Paradeplatz der Viddaer Dürgergarde 1848, in herkömmlicher Weise gefeiert hatte. Die Ansprache an die Schuljugend hielt Studienrat W ö r th von hier. Der Fremdenverkehr am Hauptfesttage war so groß, daß nicht nur die sehr geräumige Turnhalle und das große Festzelt auf dem Festplatz, sondern auch alle ßolale in der Stadt überfüllt waren.
Bundesfest des Schwalmtal-Längerbundes.
H1 Alsfeld, 2. 3uli. Am Samstag und Sonntag fand hier, von schönem Wetter begünstigt, das 2 8. Bundesfest des Schwalmtal-Sängerbundes statt, mit dem die 90. Jubelfeier des Gesangvereins „Liede r k r a n z" in Alsfeld verbunden war. Zur Eröffnung des Festes fanden am Samstagabend auf dem Festplah Begrüßungsansprachen, Konzert, Gesangsvorträge und turnerische Vorführungen unter Mitwirkung des Turnvereins Alsfeld statt. Das Fest am Sonntag begann mit einem sehr stimmungsvollen Festgottesdienst auf dem Friedhöfe um 7 Uhr. Hm 8.30 Llhr begann das Wertungssingen der Vereine im großen Saale des „Deutschen Hauses", an dem sich 15 Vereine beteiligten. Zeder Verein hatte einen Pflichtchor und einen selbstgewählten Chor zu singen. Die durch einen Musiksachverständigen aus Darmstadt vorgenommene Wertung
Vornan von Edgar Wallace.
17 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Aber der Vachmittag brachte ernsthafte Arbeit, und all sein Vachforschen nach urkundlichen Beweisen, daß Dianas Annahme richtig wäre und Mrs. Stuart Zwillingstöchter gehabt hätte, war erfolglos. Trotzdem sie die Register in Somerset House mit größter Sorgfalt prüften, fanden sie keine Anzeige über die Geburt der Kinder.
„Reinfall Rümmer zwei", sagte Larry.
„Den wir autmachen werden", sagte das Mädchen, „obwohl es mir sehr merkwürdig vorkommt, daß eine Dame wie Mrs. Stuart versäumt haben sollte, die Geburt ihrer Kinder anzuzeigen."
Sie sagte dies lächelnd, und Larry fragte nach dem Grunde.
„Mrs. Ward hatte ihre ganz besonderen Ansichten über derartige Sachen. Meine Tante, deren Vamen ich führe, haßte behördliche Anmeldungen und Impfen und hatte für Bildung nichts übrig."
„Was ist denn aus Ihrer Tante geworden? — Ist sie gestorben?" fragte Larry.
Das junge Mädchen schwieg eine Zeitlang.
„Vein — sie ist nicht tot."
Sie sagte das so eigenartig, daß Larry aufblickte, und sie wurde blutrot.
„Man sollte nicht anfangen, über etwas zu sprechen, wenn man nicht zu Ende reden toilr, sagte sie leise. „Ich — ich stamme aus keiner guten Familie, Mr. Holt. Meine Tante hat ihren Chef bestohlen, und sie muß das andauernd getan haben, denn eines Tages, ich war gerade zwölf Jahre alt, ging sie für lange Zeit fort, und ich habe sie nie wieder gesehen."
Larry ging auf sie zu und legte die Hand auf ihre Schultern.
„Liebes Kind," sagte er, „Sie haben es fertig bekommen, sich von all diesem frei zu machen und sich in geradezu bewundernswerter Weise eine Position im Leben zu schaffen. Ich bin sehr stolz auf Sie."
Als sie zu ihm aufblickte, hatten sich ihre Augen mit Tränen gefüllt.
„Ich glaube, sie trank: aber ich weiß es nicht ganz sicher. Wenn ich sie sehr, sehr nötig hatte, war sie wirklich gut zu mir. Ich würde so gern wissen, was aus ihr geworden ist, aber ich wage gar nicht, mich zu erkundigen."
„Ist sie ins Gefängnis gekommen?"
DaS junge Mädchen schüttelte den Kopf.
„Ich glaube in eine Trinker-Heilanstalt. — Lind was liegt für heut nachmittag vor?" fragte sie lebhaft. Larry legte ihr sein Programm vor, diktierte einige Briefe und ging fort, während sie ihre Arbeit beendigte.
der einzelnen Gesänge wird den beteiligten Vereinen später bekannt gegeben, da man davon abgesehen hatte, die Resultate alsbald nach dem Wettsingen mitzuteilen. Es konnte festgestellt werden, daß die Leistungen der einzelnen Vereine wesentlich besser geworden sind und daß auch in der Auswahl der Chöre eine Besserung zu verzeichnen ist. Gegen 13.30 Hfjr bewegte sich ein stattlicher: F e st z u g durch die Straßen der Stadt Alsfeld, an dem fast alle Alsfelder Vereine und 26 Oaft«* und Dundesgesangvereine teilnahmen, der von mehreren Musikkapellen begleitet wurde. Auf dem geräumigen Festplahe angekommen, begrüßte der Vorsitzende des Gesangvereins „Liederkranz" die Festgäste. Vach einem von dem Bundesdürigenten Rektor Falk, Ziegenhain, dirigierten Massenchor des Schwalmtal-Sängerbundes „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" hielt Bürgermeister Dr. V o l s i n g die Festrede, in welcher er zunächst den Gesangverein „Liederkvanz" zu seiner 90. Jubelfeier beglückwünschte und dem Verein den Dank der Stadt Alsfeld anssprach für die Leistungen des Vereins auf dem Gebiete der Pflege des Gemeinschaftssinns und der Erhaltung alter Volkssitten. Im zweiten Teil seiner Ansprache würdigte der Redner den hohen geistigen Wert des deutschen Liedes unter besonderer Berücksichtigung der Aufgaben, welche die deutschen Männergesangvereine mit der Pflege des deutschen Liedes zu erfüllen hätten. Die Deutschen Sängerbundfeste sollen ein Wegweiser, ein Markstein auf dem Wege zur Volksgemeinschaft sein, und ein Mahnzeichen zur Einigkeit, sie sollen auch zur Lieberbrückung der sozialen und politischen Gegensätze dienen, wozu das deutsche Lied mit seiner einigenden Kraft besonders geeignet sei. Am Schlüsse der Rede gedachte Bürgermeister Dr. V ö l s i n g in schwungvollen Worten der allgemeinen deutschen Kundgebungen gegen die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Weltkriege, die auch aus dem Schwalmtal-Sängerbundesfest einen mächtigen Widerhall finden sollen. Die Rede schloß mit einem chrausend aufgenommenen Hoch auf das deutsche Vaterland, worauf die Musik das Deutschlandlied spielte. Alsdann folgten noch verschiedene Begrüßungsansprachen und Beglückwünschungen des Gesangvereins „Liederkranz" zu seinem 90. Jubiläum, wobei der Bundesdirigent dem Iubiläumsverein einen Fahnennagel und der benachbarte Gesangverein „Erheiterung" von Altenburg eine Fahnenschleife überreichte. Hierauf begannen die Gesangsvorträge der einzelnen Vereine am Festplah, die bis zum Schluffe ein interessiert lauschendes Festpublikum fanden und die teilweise recht beachtliche Leistungen von ländlichen Gesangvereinen aufwiesen. Abends fand Konzert und Tanz statt. Am Montagvormittag wurde in der Festhalle der Bundestag des Schwalmtal-Sängerbundes abgehalten. Am Vachmittag fanden nach einem Festzug durch die Stadt nach dem Festplah dortselbst Konzert, Volksbelustigungen und Iugendspiele statt, abends Gesangsvorträge, Konzert und Tanz.
Die Anleiheablösung der Stadt Friedberg.
WSV. D a r m st a d t, 2. Juli. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof beschäftigte sich in seiner* letzten Sitzung mit der Anleiheablösung der Stadt Friedberg. Die Stadt Friedberg hatte gegen den ministeriell genehmigten Satz von 15 Prozent Beschwerde erhoben, wähnend von dem Treuhänder Berufung nicht verfolgt war. Vachdem früher im Einvernehmen mit der Stadt Bad-Rauheim der Auf- wertungssatz auf 15 Prozent festgesetzt war, kam die SpruchbeHärde in ihrer Mehrheit zu der Ansicht, daß die Verhältnisse von Friedberg und Bad-Vauheim im Hinblick auf die Belastung des Grundes uni» Bodens, wie auch die (Steuerung Dermögensverhciltnisse ziemlich gleichliegend anzusetzen seien, und daß der Aufwertungssatz von 15 Prozent gerechtfertigt sei.
Mit jedem weiteren Schritt wurde das Rätsel, das den Fall Stuart umgab, mehr und mehr verwickelt. Lleberall stieß er gegen unübersteig- bare Mauern, verlor sich in Sackgassen, und nicht einmal die Tatsache, daß Stuart ermordet worden war, war in Wirklichkeit erwiesen. Es war ja nur eine Theorie, basiert auf dem ungewöhnlichen Verhalten der Strömung, die den Körper auf den (Stufen der Llfertreppe zurückgelassen batte, und auf einem Stück Papier in Brailleschrift, das ihm jetzt wieder gestohlen war.
Mitten in Jber Rorthumberland Avenue blieb er plötzlich stehen, zog sein Votizbuch heraus und las noch einmal kopfschüttelnd die rätselhaften Worte:
„Gemordet... dear... See..."
Warum „decrr"? überlegte er. Der Mann, der sich die Mühe gab, die Vamen seiner Mörder anzugeben, würde wohl kaum „dear Sir" geschrieben haben. Außerdem stand dann auch das „dear" an einem ganz falschen Platze, denn das junge Mädchen hatte ihm die betreffenden Zeichen am Ende der zweiten Linie gezeigt.
„Dear, dear, dear", wiederholte er langsam weiterschlendenL, und auf einmal kam ihm ohne irgendwelche Veranlassung ein Vame ins Gedächtnis. Dearborn! Er lachte vor sich hin. Diese gute Seele von einem Geistlichen, der für jene Bedauernswertem wirkte und arbeitete, die in ständiger Dunkelheit ihr Leben verbrachten! Er schüttelte von neuem den Kopf.
Es ist eine eigenartige Tatsache, die fast alle Menschen bezeugen können: Hört oder sieht man zum erstenmal einen ganz ungewöhnlichen Vamen, so kann man sicher fein, innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden noch einmal auf einen solchen zu stoßen. Sein Weg führte ihn durch die- Shastesbury Avenue, und als er an einem Theater vorbeikam, fiel ihm ein Vame ins Auge. Er blieb stehen und beugte sich vor, um die The ater anzeige zu lesen.
„John Dearborn", las er.
Dearborn tixKr augenscheinlich der Verfasser des Stückes, das hier aufgeführt wurde. Welches Theater war denn das? Er trat ein paar Schritte auf die Straße zurück und blickte nach dem farbigen Glasschild oberhalb des Einganges. Das „Macready-Theater". Lind aus dem Macready-Theater war Gordon Stuart verschwunden!
Ohne Zögern betrat er das Vestibül und ging nach der Kasse, wo seine Augen auf den Theater- plan fielen, der vor dem Kassierer ausgebreitet lag. Rur wenige blaue Striche zeigten an, daß Plätze für den Abend verkauft worden waren.
„Können Sie mir bitte sagen, wo ich Mr. Dearborn finden kann?" fragte er den Mann hinter dem Schalter.
Der Angestellte sah ihn mit einem Ausdruck schmerzlicher Resignation ins Gesicht.
Aus der pwvmzialhaupistadi.
Gießen, den 3. Juli 1929.
Geheimrat Professor Or. Haupt.
Am Samstagmittag fand für Geheimrat Prof. Dr. Haupt, dem aus Anlaß seines 75. Geburtstages etwa vierhundert Glückwunschbriefe und -telegramme zugingen, im Hause des Gesellschaftsvereins ein akademischer Festakt statt, zu dem die „Gesellschaft für bur- schenschaftliche Geschichtsforschung", früher „Bur- schenschaftliche Historische Kommission" eingeladen hatte. Dor etwa 40 Teilnehmern — darunter neben der Familie Haupt die Vertreter verschiedener burschenschaftlicher Behörden, Se. Magnifizenz der Rektor, der Direktor der Gießener Uni* versitätsbibliothek u. a. — hielt der Direktor der Kasseler Landesbibliothek, Dr. Hopf, die Festrede. Er schilderte die wissenschastliche Tätigkeit Haupts, die sich anfänglich der alten Geschichte, bann der Kirchengeschichte des Mittelalters zugewandt hatte, seit Jahrzehnten aber in der Geschichte der deutschen Einheitsbewegung und vornehmlich der Burschenschaft aufgegangen ist. Durch die Arbeiten der Burschenschaftlichen Historischen Kommission, deren Vorsitz Haupt bei ihrer Gründung im Jahre 1909 übernahm, wurde die burschenfchaftliche Geschichtsschreibung auf eine ganz neue Grundlage gestellt. Besondere Verdienste um das innere Leben der jungen Burschenschaft in den Jahren nach dem Zusammenbruch erwarb sich Haupt bei dem Zusammenschluß der drei burschenschaftlichen Verbände und bei der Schaffung einer neuen burschenschaftlichen Verfassung. Zur dauernden Ehrung Haupts hat die Deutsche Burschenschaft eine Plakette mit seinen Zügen schaffen lassen, die für Verdienste um die burschenfchaftliche Geschichtsforschung und -schreibung verliehen werden soll. Hierauf folgten die Glückwunfchansprachen Sr. Magnifizenz des Rektors, Prof. Dr. Herzog, des Direktors der Llniversitätsbibliothek, Prof. Dr. Ebel, der dem Ehrenmitglied auch die Grüße des Oberhesslschen Gefchichtsvereins überbrachte, und des Äniverfi- tätsprofessors Dr. Stengel, Marburg, im Vamen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck, deren Mitbegründer der Jubilar ist. In längeren Ausführungen brachte der Gefeierte seinen Dank zum Ausdruck. Ein gemeinsames Essen bereinigte sodann die Teilnehmer des Festaktes.
Am Abend veranstaltete die Vereinigung der alten Burschenschafter von Gießen und Umgegend einen Fackelzug, an dem sich auch die jungen Burschenschafter von Gießen, Marburg und Frankfurt, Vertreter des Vororts und benachbarter Ortsgruppen der V. a. B. usw. beteiligten. Der etwa 600 Mann starke Zug bewegte sich unter flotter Marschmusik vom Oswaldsgarten zur Wohnung von Geheimrat Haupt, wo auf dem Platze vor der Llniversitätsbibliothek der Jubilar mit dem Liede „Burschen heraus!" begrüßt und von dem Vorsitzenden der Burschenschafter Vereinigung, Dr. Walbrach, ein Hoch auf ihn ausgebracht wurde. In einem geschmückten Wagen fuhr dann Geheimrat H a u p t an der Spitze des Fackelzuges zur Liebigshöhe, um an dem ihm zu Ehren veranstalteten Festkommers teilzunehmen.
Vach der Eröffnung des Kommerses hielt Dr. Walbrach eine Rede auf den Jubilar, in der er einen kurzen Lieberblick über Haupts Leben gab und sodann in eindrucksvollen Worten das Wirken des hochverdienten Mannes würdigte, der durch seine 36jährige Tätigkeit als Direktor unserer Llniversitätsbibliothek und durch seine Arbeit für die burschenfchaftliche Geschichte untrennbar mit der Geschichte der Burschenschaft und damit der Llniversität verbunden sei. Im Vamen der Gießener Ortsgruppe überreichte Dr. W a l b r a ch eine Adresse, durch die Geheimrat Haupt der Verehrung der alten Burschenschafter versichert wird, und lieh einen Salamander
„Sind Sie. vielleicht ein Freund der Direktion?"
„Ganz und gar nicht", erwiderte Larry.
„Aber vielleicht zufällig ein Freund Mr. Dear- borns?" fragte der Mann leichthin, und als Larry den.Kopf schüttelte: „Sehen Sie, da kann ich Ihnen ja meine Meinung sagen. Ich wollte Sie nämlich nicht kränken. Ich habe keine Ah-- nung, wo Mr. Dearborn zu finden ist, und ich wünschte, die Direktion wüßte es ebensowenig! Ende der Woche höre ich auf, und da macht es nicht mehr viel aus, was ich sage. Dearborn ist so ungefähr der schlechteste Theaterschriftsteller, den die Welt jemals gesehen hat. Hoffentlich schrecke ich Sie damit nicht ab, falls Sie ein Billett kaufen wollten?" fügte er gutgelaunt hinzu.
„Durchaus nicht", lächelte Larry.
„Lind wissen Sie, ich möchte Ihnen auch nicht zureden, eins zu kaufen", sagte der Kassierer. „In der Samstagnachmittag-Vorstellung hatten wir ganze fünf Zuschauer, und es scheint so, als ob wir heut abend bis auf drei kommen. Die einzigen, die ein gewisses Interesse an unferm Stück haben, sind die Vervenärzte, die hierherkommen und das Publikum beobachten: und wenn ein Irrsinniger aus Hanwelll) ausbricht, werden die Wärter erst nach unserem Theater geschickt, um den Entsprungenen zu suchen."
„Sie haben aber meine Frage noch nicht beantwortet. Wissen Sie, wo ich den Verfasser dieses unglückseligen Stückes finden kann?"
„Er ist Vorsteher einer Mission für, ich weiß nicht was, im West-End. Armer Teufel, er ist blind, und ich sollte eigentlich nicht so über ihn reden. Aber er schreibt furchtbare Stücke."
„Schreibt er denn schon lange?“ fragte Larry überrascht.
„Schon lange? ...Er schreibt ununterbrochen," sagte der andere mit hohler Stimme. „Ich glaube, er schreibt auch im Schlaf."
„Lind alle seine Stücke werden aufgeführt?" Der Mann nickte.
„Lind alle fallen durch?"
Der Mann nickte von neuem.
„Aber wie ist denn das möglich? Keine Theaterdirektion wird doch immer wieder von neuem Stücke desselben Verfassers bringen, wenn sie regelmäßig durchfallen."
„Aber unsere macht's," sagte der Kassierer verzweifelt, „darum ist ja auch der Vame .Macready' gleichbedeutend mit —"
„Wie lange schreibt denn John Dearborn schon?"
„So ungefähr zehn Jahre. Stellenweise ist es manchmal gar nicht so schlecht. Mehr verrückt als schlecht."
„Kommt er manchmal hierher?"
*) Hanwell: bekannte Irrenanstalt.
auf den Jubilar reiben. Dr. Reh mann dankte im Auftrage der Würzburger Burschenschaft „Arminia" Geheimrat Haupt für die Treue, die er seinem alten Bunde bewahrt hat, und überreichte ihm zur Erinnerung ein großes Bild von Würzburg. Als Dritter sprach Res. Kümmel für die drei Burschenschaften, deren Ehrenband Haupt verliehen worden ist, und versicherte ihm, er werde das Bestreben dieser Burschenschaften sein, in der Idee und Lebenszielrichtung des Jubilars zu wirken und so Treue mit Treue zu vergelten. Kand. phll. Kraus (Alemannia, Gießen) entwickelte als Sprecher der gesamten burschenschaftlichen Jugend ein Bekenntnis zum Leben und seinen Aufgaben und entbot es als Gruß der Jugend Haupt, der „stets ein Förderer und treuer Helfer" der Jugend gewesen ist. In bewegten Worten und — wie er betonte — erschüttert von so viel Freundschaft und Liebe dankte Geheimrat Haupt für die Ansprachen. Was er im Laufe feiner 115 Semester für die Burschenschaft habe tun können, sei ihm immer als selbstverständlich erschienen, da seine ganze Lebensauffassung vorn Vaterhaus her nach burschenschaftlichen Zielen gerichtet gewesen sei. Die Zugehörigkeit zur Burschenschaft sei ihm für sein ganzes Leben eine Quelle inneren Glückes 'geworden, der enge Verkehr mit der studierenden Jugend und die Mitarbeit an ihren Aufgaben fei ihm noch heute ein Bedürfnis. In hoffnungsvollem Ausblick auf die Zukunft lieh der Jubilar feine Rede in einen Salamander auf die Deutsche Burschenschaft ausklingen.
Betonstraßenbau in Oberheffen.
In Rr. 118 des „Gieß. Anz." vom 21. Mai 1927 veröffentlichten wir einen ausführlichen, allgemein gehaltenen Artikel über „Detonstraßen- bau in Deutschland".
Gegenwärtig läßt nun die Provinzialstraßen- Verwaltung auf der Hauptdurchgangs- straße Gießen — Frankfurt zwischen Friedberg und Ober-Wöllstadt durch die Firma Ioh. Georg Müller, G. m. b. H, in Wetzlar eine neuzeitliche Betonstraße ausführen, wie diese Firma schon eine solche im Jahre 1927 zwischen Wetzlar und Garbenheim erbaut hat.
Mit dieser 1200 Meter langen und 6 Meter breiten Versuchs st recke erhält Oberhes- s e n seine e r ft e Betonstraße, die nach Art der Herstellung den besten Straßendecken ebenbürtig zur Seite gestellt werden darf. Für die Güte der Ausführung bürgen die zur Verfügung stehenden vorzüglichen Baustoffe (insbesondere erstllassiger Odenwaldgranit und Cisenportland- zement „Marke Buderus"). Man wird deshalb mit ziemlicher Sicherheit annehmen können, dah die sonst im Betonstrahenbau so gefürchteten Rissebildungen nicht eintreten werden. Peinliche Sorgfalt wird besonders der Ausbildung der sogenannten Dehnungsfugen gewidmet.
Die Betondecke wird auf alter festgefahrenev Chaussierung in anschließenden Feldern (im Gegensatz zur Wetzlarer Ausführung, wo in abwechselnden Feldern gebaut wurde) ohne Eiseneinlagen hergestellt, Sie besteht aus zwei Schichten, und zwar einer 10 Zentimeter starken an den Rändern infolge starker Wölbung der alten Chaussierung auf 20 Zentimeter und mehr verstärkten T r a g s ch i ch t (Mischung 1:7) und einer 5 Zentimeter starken Verschleihschicht aus Granitsplittbeton (Mischung 1:3). Das Längs- gefälle der Straße beträgt bis zu 4 Prozent und die Querneigung der Fahrbahn 3 Prozent. Die Mischung des Betons erfolgt in einer Sonthofener Mischmaschine, das Einstampfen mit Preßluftstampfern und die Fertigstellung der Deckschicht mit einem Dinglerschen Strahensertiger ohne Glättband, um der Fahrbahn eine rauhere Oberfläche zu geben. Eine seitliche Einfassung der Decke mit Randsteinen ist nur in der überhöhten Kurve vorgesehen, im übrigen werden die Bankette mit Erde lagenweise gut beigestampft
„Viemals," sagte der Mann kopfschüttelnd. „Warum, weiß ich nicht: aber er kommt nicht mal zu den Proben."
„Roch eine Frage, bitte. Wem gehört das Theater?"
„Einer Gesellschaft," erwiderte der Beamte, dem die Fragen anscheinend au viel wurden. „Darf ich wissen, warum Sie all diese Auskünfte wünschen?"
„Aus keinem besonderen Grunde," sagte Larry lächelnd. Er fühlte, daß er nichts weiter erfahren könnte und verlieh das Theater.
Die ganze Sache war unbegreiflich. Aber noch abgeschmackter würde es fein, das eine Wort „dear" mit dem Verfasser der schlechten Theaterstücke in Verbindung oder gar Mr. Dearborn, einen bekannten Philanthropisten, in falschen Verdacht bringen zu wollen. Als er vor dem Theater stand, kam ihm plötzlich ein Gedanke, und er kehrte noch einmal um.
„Würden Sie mir eventuell einen großen, persönlichen Gefallen erweisen," fragte er, „und mir das Theater zeigen?"
Der Kassierer machte erst einige Einwendungen, ließ aber schließlich einen der Theaterdiener rufen.
„Sie werden es ziemlich dunkel finden," sagte er, „die Beleuchtung ist noch nicht eingeschaltet."
Larry folgte dem Diener in den ersten Rang und betrachtete von dort aus das kleine Theater. Der Saal lag im Dunkel. Der Vorhang war herunter, und die Sitze steckten noch in den weihen Lieberzügen.
„Wo ist Loge A?“ fragte Larry, der nur aus diesem Grunde zurückgekehrt war.
Der Mann führte ihn einen Gang entlang, durch einen schweren Vorhang hindurch und dann in einen schmaleren Gang, der sich hinter den Logen befand. An seinem äußeren Ende blieb er stehen und öffnete eine Tür zu seiner Rechten. Larry trat in. die Loge, die in völliger Dunkelheit lag und steckte ein Streichholz an. Ein schwerer, kostbarer Teppich bedeckte den Boden, die drei Sessel waren wundervoll geschnitzt, aber sonst hatte Loge A nichts Llngewöhnliches an sich.
„Sind denn die anderen Logen auch so kostbar ausgestattet?" fragte Larry.
„Rein, Sir. Rur Loge A."
Larry ging wieder hinaus und sah sich den Gang an. Gegenüber der Loge A hing ein großer, roter Teppich an der Wand. Er schob ihn etwas zur Seite und fand eine eiserne Tür, auf der in roten Buchstaben geschrieben stand: „Ausgang bei Feuersgefahr."
„Wo führt denn die Tür hin?" fragte er.
„In eine Seitenstraße, Sir. Cowleh Street. Es ist keine richtige Straße, sondern nur ein Privatgang, der zum Theater gehört und am anderen Ende abgeschlossen ist."
(Fortsetzung folgt.)


