Ausgabe 
3.7.1929
 
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Baldwin nähere Mitteilungen sowohl über den Zweck dieses Besuches, wie über die formale Frage, ob Macdonald die Zustimmung des Königs hierzu nachzusuchen gedenke. Er sei überzeugt, daß ein solcher Besuch in den Ber­einigten Staaten begrüßt würde, hoffe aber gleichzeitig, daß weder der Ministerpräsident noch das Land von ihm zuviel erwarte. Baldwin schloß mit dem Ersuchen an die Regierung, dem Hause mitzuteilen, welche Politik sie in der Schutzzollfrage zu verfolgen gedenke und welcher Art die Vorlagen seien, die sie dem Hause hinsichtlich der angekündigten Maßnah­men im Bergbau unterbreiten wolle.

Macdonald

begann seine Antwort mit der Zusicherung, daß die Regierung es sich angelegen sein lassen werde, bei allen Fragen von Bedeutung dem Hinter­haus Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Die brittsche Regierung sei bestrebt, auf dem nun praktisch von allen Rationen der Welt rattfizierten Kellogg-Pakt ihre Ab­rüstungspolitik aufzubauen, die diesen Pakt als einen lebendigen und entscheidenden Einfluß auf die internationale Politik anerkennen würde. Die amerikanische wie die brittsche Regierung suche die sofortige Zusammenarbeit mit den an­deren großen Flottenmächten, sobald eine wirk­liche Verhandlungsgrundlage erreicht sei. Zur Reparationsfrage sagte Macdonald, Großbritannien habe Lasten übernommen, die es im Verhältnis zu der Leistungsfähigkeit der anderen Mächte nicht hätte über­nehmensollen. Es solle in keinem Falle, in dem bereits Verträge bestünden, wieder rückwärts gehen. Die russische Frage streifte Macdonald nur kurz. Der innerpolitische Teil seiner Rede begann mit der bedeutsamen Ankündigung, daß die Regierung nicht bereit fei, die in Kraft befindlichen Schutzmaßnahmen für die Industrie nach Ablauf der Lauffristen zu verlängern, sondern sich das Recht Vor­behalte, bis zu einem früheren Zeitpunkt auf­zugeben, wenn das zweckmäßig erscheinen sollte.

Oie Truppeuverschiebuugeu am Rhein.

Keine Anzeichen für Räumungsvor- bereitungen in Rheinhessen.

Darmstadt, 2. 3uIL (Wolff.) Zu den Mel­dungen von Truppenabtransporten im besetzten rheinischen Gebiet, und zwar in der hessischen Zone, erfahren wir von zuständiger Stette, daß in den letzten Tagen von den französischen Militärbehörden zwar wie­derholt Meldungen über Quartiernehmen in Groß-Gerau, Rauheim, Büttelborn. Klein-Gerau, sowie in Rierstein, Alsheim, Oppenheim und Guntersblum eingegangen sind. Diese Truppen sind aber in Richtung auf das Gries­heimer Lager weitergegangen, wo sie auch eingetroffen sind. Da in einigen der letztgenannten Orte Festlichkeiten angeseht waren, war von den hessischen Stellen versucht worden, die Einquartierungen zu verschieben. Das ist nicht gelungen im Gegensatz zum Vorjahre, wo die Truppen aus Mainz usw. direkt nach dem Truppenübungsplatz Griesheim gingen. Es wurde angegeben, daß es sich um junge Soldaten han­delt, denen man den Marsch nach Griesheim bei dem heißen Wetter nicht ohne weiteres zu- muten könne. Diese sommerlichen Truppenver­schiebungen sind nichts R e u e s , da sie im Zusammenhang mit den alljährlichen größeren Scharfschiehübungen der Infante­rie, Kavallerie und Fliegertruppen auf dem Griesheimer Truppenübungsplatz stehen. Bei den amtlichen hessischen Stellen liegen auch keinerlei Rachrichten vor, die eine De- stättgung für eine vermutete Rückwärts­bewegung der französischen Truppen nach Frankreich bieten könnten. Wie bekannt, sind auch beim Reichskommissar in Koblenz keine der­artigen Mitteilungen der Besatzungsbehörden eingegangen. 3m besetzten hessischen Gebiet be­finden sich nach den letzten Feststellungen ins­gesamt beinahe 27 Prozent der gesamten De­satzungsarmee. während das hessische Gebiet nur 13 Prozent des gesamten besetzten Gebiets aus­macht.

Bauernvereine und Landbund

Die Zusamruenfchlußbestrebungen im Rheinland.

Berlin. 3.3uli. Die Vereinigung der deutschen Bauernvereine, die von dem Reichsminister a. D. Dr. Hermes geführt wird, befindet sich in einer schwierigen Situation. Wäh­rend die Berliner Spitze nur mit gemischten Ge­fühlen der ständig fortschreitenden Tendenz eines organischen Zusammenschlusses der Bauernvereine mit den anderen landwirt­schaftlichen Organisationen, wie dem Landbund und der Bauernschaft, gegenübersteht, seht sich diese Bewegung in der Provinz gleichsam von unten heraus in der letzten Zeit immer mehr durch. Symtomatisch ist in dieser Richtung der Zusammenschluß des Rheinischen Bauernvereins und des Rheinischen Landbundes, der nüt einen kleinen Aus­schnitt aus dieser breit angelegten Bewegung darstellt. Di« Führung der Vereinigung der deuttchen Bauernvereine ist über den Zusarn- merrschluh im Rheinland schon vor einiger Zeit unterrichtet worden, sie muhte aber der pro­vinziellen Organisation freie Hand lassen. Sie hat zwar das vor rund vier Monaten von dem Westfälischen Bauernverein gestellte Ultima* tum auf Zusammenschluß der Berliner Spitzen- organisatton mit dem Landbund abgelehnt, aber es wird immer unübersichtlicher, ob die Ver­einigung bei dieser Haltung auch in Zukunft bleiben kann. Unter diesen Umständen ist an­zunehmen, daß vor allem die kommenden Herbst­monate für die Vereinigung wichtige Entschei­dungen bringen werden.

Ein nachahmenswertes Beispiel.

Berlin, 3. Juli. (Priv.-Tel.) Wie verlautet, hat sich das thüringische Staatsmini st e- r i u m entschlossen, zu den üblichen Tagungen, Ver­anstaltungen usw. in Zukunft keine Mini st e - rialbeamten mehr zu entsenden. Dieser Beschluß der thüringischen Regierung wird mit der dringend notwendigen Sparsamkeit begründet. Hoffentlich wirkt dieses Beispiel Thürin­gens sich auch weiterhin aus, denn abgesehen von der damit verbundenen Einsparung an Spe­sen und Reisegeldern, aber auch an Ur-

DieReparationskonferenzderRegiemngen.

Paris, 2. Juli. (TU. Funkspruch.) Durch eine halbstündige Besprechung des deutschen Botschafters v. H ö s ch mit dem französischen Außenminister B r i a n d am Montagabend ist die deutsche Regie­rung in einen amtlichen Gedankenaus­tausch über Ort, Zeit und Inhalt der bevorstehen­den diplomatischenKonferenz eingetreten. Da es sich hierbei um eine Fühlungnahme nur zwi­schen zwei Partnern dem französischen und dem deutschen handelte, konnte eine Entscheidung natürlich nicht gefällt werden. Dagegen verstärkte sich der Eindruck, daß noch manche Aussprache not­wendig sein wird, bevor eine Einigung aller betei­ligten Mächte erzielt werden kann.

Die Reichsregierung hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß sie die Wahl des Konferenz- ortes d en anderen Regierungen über­lasse, doch hat sie die französische Regierung wissen lassen, daß wichtige Gesichtspunkte für London sprechen. Eine Hinausschiebung der Konferenz über das Datum vom 5. August hält die deutsche Regierung für unerträglich, dagegen wird ein Zeitpunkt für wünschenswert gehalten, der zwi­schen dem 15. Juli und dem 5. August liegt. So wird man erwarten können, daß die Konferenz in ben er ft en Augu st tagen vermutlich in Lon­don ftattfinben kann.

Wichtiger ist naturgemäß in den deutsch-franzö­sischen Verhandlungen Wesen und Inhalt der zukünftigen Konferenz. Auch hier ist der deutsche Standpunkt in der Unterredung vom Montagabend sehr deutlich zum Ausdruck gekommen, der es ad­le h n t, die Konferenz über Monate hinaus aus­zudehnen, um sie womöglich noft in drei De­bet t e n ju zerlegen. Eine Vorkonferenz, die Genfer Besprechungen und eine Nachkonferenz. Die Reichs­regierung legt vielmehr das stärkste Gewicht darauf nach dem Vorbild der Londoner Konferenz von 1924 in einem Zuge alle zur Erörte­rung stehenden Fragen endgültig zu entscheiden. Zahl und Umfang dieser Fragen ist nicht so groß, daß sie nicht mit gutem Willen von

den Staatsmännern, unterstützt. Die durch die Ar­beit von gleichzeitig tagenden Sonderausschüssen, in einem Zuge erledigt werden könnten.

Französischerseits wünscht man bekanntlich eine Bindung der Rheinlandräumung an den Erfolg der Mobilisierung der deutschen Schuld. Deutscherseits wird man dem gegenüberhalten müssen, daß uns der Versailler Friedensvertrag nach Artikel 431 rechtlich völ­lig einwandfreie Unterlagen für d i e ForderungnachsofortigerRheinland- räumung gibt. Weiterhin wäre es nicht nur un- logisch, sondern widersinnig, den Erfolg der Mobili­sierung, auf den ja Deutschland keinerlei Ein­fluß besitzt, in ein Geschenk an Deutschland in Form der Rheinlandräumung umwandeln zu wollen und, falls der Erfolg zu wünschen übrig ließe, das Rhein­land weiterhin besetzt zu halten.

Aehnlich liegt es mit der Saarfrage. Wenn hier der Standpunkt Deutschlands auch rechtlich anders ist als in der Rheinlandfrage, so ist § 38 der Anlage zu Artikel 50 des Versailler Vertrages eine durchaus wirksame Ver­handlungsunterlage. Mindestens so wichtig schei­nen aber auch die Beschlüsse vom Dezember 1928 zu sein, die die drei Außenminister Deutschlands, Englands und Frankreichs in Lugano gefaßt haben, und die besagen, daß nun endlich die Zeit gekommen sei, alle diejenigen Meinungs­verschiedenheiten und Streitigkeiten zu beseitigen, die die Rachkriegszeit trüben.

Rur das eine möchte man noch zur Klar­legung des deutschen Regierungsstandpunktes hin- zusügen, daß sich die Deichsregierung unter der Formel der Ablehnung einerKontrolle im Rheinlande" nicht nur auf die Ablehnung einer ständigen Kontrolle beschränken, sondern klar zum Ausdruck bringen möge, daß sie unter keinen Umständen einer auch noch so kurz befristeten Kontrolle oder gar einer Kontrolle über das 3ahr 1 9 35 hinaus zustimmen werde.

Reue Phase im Siiuues-Prozeß.

Regierungsrai Steiger vom Meinministerium wird als Zeuge vernommen.

Berlin, 2. 3uli. (WB.) Bankier Kunert bekundet als Zeuge mit Dorregger, Dunkelblum und dem Angeklagten Schneid nach 3talien ge­fahren zu sein, um Aufwertungsansprüche zusam­menzufassen und zu finanzieren. Das Geschäft sollte auf Grund des Paragraphen 10 des An- leiheablösungsgesehes in durchaus legaler Weise gemacht werden. Ein ehemaliger Angestellter des Angeklagten Dela Grosz, Hausmann, bekundet, Grosz habe ihm in Berlin mitgeteilt, er sei an einigen rumänischen Banken interessiert, die deutsche Kriegsanleihe zur Aufwertung angemeldet hätten. Bela Grosz habe ihn gebeten, Dr. Steiger zu veranlassen, die Abwickelung zu beschleunigen. Vorsitzen­der:Sind Sie bei Dr. Steiger im Ministerium für die besetzten Gebiete gewesen?" Zeuge:3a- wohl, ich habe mit ihm über die Sache gespro­chen und Dela Grosz mit ihm bekannt gemacht." Rechtsanwalt Dr. Gollnick:Haben Sie nicht auch von Regierungsrat Steiger Geld bekom­men?" Zeuge:3awohl, ich habe mir han­der t M a r k von ihm geborg t." Rechts­anwalt Dr. Gollnick:Haben Sie nicht auch ein­mal von Dr. Steiger 2500 Mark im Auftrage von Dela Grosz erhalten?" Zeuge:3a, das stimmt auch." Vorsitzender:Wie kamen Sie dazu, ausgerechnet Dr. Steiger anzupumpen? Sie legten doch Wert darauf, zu betonen, daß Sie Dr. Steiger für eine vornehme Bekannt­schaft hielten, mit der Sie imponieren konnten." Zeuge:3ch pflege immer bei höherge- steilten Personen zu borgen." Dors.: Angeklagter Bela Groß, wieviel Geld haben Sie Dr. Steiger gezahlt?" Bela Groß:Ungefähr 8000 bis 10 000 Mk."

Der Zeuge, Regierungsrat Dr. Steiger, schildert, wie Hausmann ihn um seine Unter­stützung in einem Anleihegeschäft gebeten habe. Er sei dann mit Groß zusammengekommen, der ihm versichert habe, daß es sich um ein v o l l - kommen korrektes Geschäft handele. Das sei ja auch die selbstverständliche Voraussetzung gewesen, unter der er sich überhaupt mit der Angelegenheit befaßt habe. Er habe zugesagt, auf die Beschleunigung der Angelegenheit hin- zuwirken. Der Zeuge betont weiter, er fei nicht direkt bei der Reichsschuldenverwaltung gewesen, sondern habe mit einem Vertrauensmann, einem gewissen 3akob, gesprochen, der die Be­

schleunigung des Aufwertungsverfahrens habe durchführen wollen, aber erhebliche Provi­sionsforderungen stellte. Bela Groß, dem er diese Forderungen des 3akob unterbreitet hätte, habe die verlangte Provision in Höhe von 10 000 Mark gezahlt.

Vorsitzender:Haben Sie das Geld in voller Höhe an Jakob weitergegeben ober haben Sie etwas für sich behalten?" Zeuge:Ich habe nichts davon behalten, aber die Eheleute Hausmann haben davon einen Betrag bekom­men." Vorsitzender:Haben Sie einmal an Haus­mann einen größeren Betrag gezahlt?" Zeuge: Ja, auf Veranlässung von Groß von dem Betrage für Jakob." Vorsitzender:Fiel es Ihnen nicht auf, daß jemand mit einem Anliegen zu Ihnen kam, das mit Ihrer Stellung im Ministerium für die besetzten Gebiete nichts zu tun hatte?" Zeuge: Jetzt würde es mir allerdings auffallen, aber da­mals sind täglich viele Leute mit allen möglichen Angelegenheiten zu mir ge« kommen, die mit meinem Amt auch nichts zu tun hatten. Einmal tarnen sogar zwei höhere preußische Justizbeamte, die in Moabit tätig sind, deren Namen ich aber nicht nennen möchte, in Beförderungsangelegenheiten zu mir." R.-A. Dr. Gollnick:Sie haben mir gesagt, Sie hätten keine materiellen Vorteile von dem Ge­schäft gehabt. Früher haben Sie anders gesagt. Es war die Rede von einem Ostergeschenk." Zeuge: Das halte ich auch jetzt noch aufrecht. Ich habe zu Ostern 1927 von Jakob ein Geldgeschenk von drei neuen Tausendmarkscheinen erhalten. Es ist möglich, daß das Geld aus dem Anleihegeschäft stammte." R.-A. Dr. Gollnick:Haben Sie nicht auch mit dem Finanzministerium in dem Anleihegeschäft Fühlung genommen?" Zeuge:Es ist möglich, daß ich mit dem früheren Reichsfinanzminister Köhler, der mein Landsmann und Parteifreund ist, darüber gesprochen habe, daß hier der deutschen Wirtschaft Geld zugeführt werden würde. Ich kann mich aber darauf nicht mehr besinnen."

Nach längerer Beratung verkündet der Vorsitzende den Beschluß, daß das Gericht von einer Vereidi­gung der Zeugen Dr. Steiger und Hausmann A b - stand nimmt, da angesichts der Tätigkeit, die beide zur Förderung der Anleihegeschäfte entfaltet haben, der Verdacht der Teilnahme an der den Angeklagten zur Last gelegten Tat bei beiden Zeu­gen besteht.

beitstraft, haben die zahlreichen Veranstaltun­gen oftmals wichtige Beamte von wertvoller Arbeit abgehalten.

Der Versafsungstag in Preußen.

Berlin, 2. 3uli. (WB.) Amtlich. Das preu­ßische Staatsministerium hat zur Feier des Ver­fassungstages für den 11. August 1929 angeord­net, daß wegen der Beflaggung der Ge­bäude des Staates, der Gemeinden und Ge­meindeverbände, der übrigen Körperschaften des öffentlichen Rechts und der öffentlichen Schulen die Bestimmungen der Verordnung vom 29. 3uni 1929 zu gelten haben. Allenthalben sollen die ver­schiedenen Behörden sich vorher in der Richtung ins Benehmen sehen, daß die Veranstaltung möglichst gemeinsamer Feiern zustande kommt Und deren würdige äußere Gestaltung herbeigeführt werden kann. 3n bezug auf die Einzelheiten der Feiern (Ansprachen, musikalische oder sonstige Darbietungen) wird den Behörden weitestgehende Handlungsfreiheit gelassen. Zu den Feiern sollen Vertreter aller Kreise der Bevölkerung hinzugezogen und sie sol­len möglich st volkstümlich zustande ge­bracht werden. Von den Staatsbeamten wird erwartet, daß sie sich an den Festakten beteiligen.

Oas neue sächsische Kabinett.

Eine Regierung von Fachleuten.

Dresden, 2. Juli. (WB.) Ministerpräsident Dr. Bünger hat am Dienstagnachmittag sein Ka­binett gebildet, das als Kabinett von Fach­leuten angesprochen werden muß, dessen Bil­dung auf parteipolitische Schwierig- ketten zurückzuführen ist, die insbesondere von den kleinen Parteien der bisherigen

Koalition gemacht wurden, und die eine an­dere Lösung vorerst nicht gestatteten. In dem neuen Kabinett sind neben Dr. Sänger, der außer der Ministerpräsidentschaft das Volks- bildungsminifterium beibehält, von der alten Regierung der deutschnationale Wirtschafts­minister Dr. Krug v. Nidda und der Finanz­minister Weber (Wirtschaftspartei) vertreten. Neu in das Kabinett treten ein als Justizminister Ober- landesgerichtspräsident Dr. Mannsfeld und als Minister des Innern der Landeshauptmann von Bautzen Dr. Richter, die beide keiner Partei an­gehören. Dr. Richter gilt als einer der fähigsten Verwaltungsbeamten Sachsens. Das Arbeits- und Wohlfahrtsministerium bleibt bis auf weiteres u n ° besetzt.

Aus aller Wett.

Der Pankower Primanermord vor dem Schwur­gericht.

Die Bluttat, der der Primaner Herbert Kley er am 22. Februar am Klausthaler Platz in Pankow zum Opfer gefallen ist, hatte ihr ge­richtliches Rachspiel vor dem Schwurgericht des Landgerichts III Berlin. Wegen gemeinschaft­lichen Totschlags und Beteiligung an einem Rauf­handel, der ein Menschenleben zum Opfer ge­habt hat, sind der Arbeiter Karl Schultz und der Bäckergeselle Gerhard R ö b e r angeklagt. Die beiden Angeklagten kannten sich aus der kommunistischen Bewegung und wohn­ten zusammen. Am Abend des 22. Februar waren sie in dem Jugendheim bei der Pankower Kirche gewesen. Auf dem Heimweg fuhren sie mit ihren Rädern durch die Straßen in Pankow und be­gegneten einem Trupp von vier jungen Leuten, die durch ihre Abzeichen als Angehörige des Stahlhelms kenntlich waren. Unter ihnen befand sich Kleher, der von Schultz mit

einem Revolver erschossen wurde. Der Hauptangeklagte Schultz zeigte sich vor Gericht sehr zerknirscht: er weinte dauernd. 3nfolge einer unglücklichen Veranlagung habe er immer aus der Arbeit Weglaufen müs­sen. Der Angeklagte behauptet, sich an die Tat nicht mehr erinnern zu können, wie ihm dies schon bei anderen Vorfällen passiert sei. Er wurde wegen Totschlags vom Schwurgericht zu fünf 3 ahren Gefängnis verurteilt, während der Mitangeklagte Röber freigesprochen wurde.

Der Weltrundflug desGraf Zeppelin".

Dr. Eckener, der in Begleitung des Kapitän- Lehmann zur Besprechung einiger mit dem Welt­rundflug desGraf Zeppelin" zusammenhän­gender Fragen in Berlin eingetroffen ist, erflärte: 3ch hoffe zuversichtlich, etwa am 10. Aug. die Weltfahrt antreten zu können. 3ch muh allerdings hinzufügen, daß das genaue Datum des Abfluges noch von dem Ergebnis der Untersuchung der Motoren und der darauf folgenden Probefahrten abhängen wird. Das Programm des Weltfluges bleibt unverändert. Wir landen in Tokio, in Kali­fornien und in L a k e h u r st. Don da flie­gen wir nach Friedrichshafen zurück. Ueberall ist alles für die Landung vorbereitet. Das Pro­gramm ist bis auf das letzte Detail :durch­beraten."

Sturz In die Tiefe.

Ein Wanderbursche ist von dem etwa 100 Meter steil abfallenden FelsenSchöne Aussicht" b e i Hönningen am Rhein in die Tiefe gestürzt. Er hatte sich mit einem anderen Wanderburschen unmittelbar am Rande des Felsens niedergelassen. Dabei war ihm ein Ausrüstungs­stück entglitten und über den Rand des Felsens gefallen, wo es am Gestrüpp hängen blieb. Bei dem Dersuch, den Gegenstand wieder zu er­greifen, stürzte er, von Klippe zu Klippe auf- schlagend, ab und blieb mit schweren Kopf­verletzungen und gebrochenen Gliedmaßen l e - b en s g es äh r l ich verletzt liegen. Der Der- unglückte, ein 22jähriger Anstreichergehilfe, stammt aus Diersen.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Während im Laufe des gestrigen Tages durch den ansteigenden Luftdruck eine Beruhigung der Wetterlage einsetzte, wurde bereits durch die neuen Störungen der veränderliche Witterungs­charakter wieder eingeleitet. Die Unbeständigkeit hält vorläufig an. Dabei treten strichweise Rie- derschläge und auch Gewitterstörungen auf. Die Temperaturen halten sich weiter, nur später dürfte eine leichte Abkühlung eintreten.

Wettervoraussage für Donnerstag: Unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter, vorüber- aehend auch aufheiternd, warm, strichweise Nieder­schläge, teilweise gewitterhaster Art.

Wettervoraussage für Freitag: We- nig Aenderung der Wetterlage, jedoch etwas kühler.

Lufttemperaturen am 2. Juli: mittags 18,8 Grad Celsius, abends 15,3 Grad: am 3. Juli: morgens 19,9 Grad. Maximum 20,4 Grad, Minimum 14,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Juli: abends 19,9 Grad: am 3. Juli: morgens 16,6 Grad Celsius. Niederschlag 1,5 mm. Sonnenscheindauer 3% Stunden .

Reisewetterdienst

der amtlichen Wetterdienststelle Oberhessen.

Bayern (Garmisch - Partenkirchen): Gestern warmer Tag, meist heiter: heute morgen 18 Grad, Südwind, heiter. (Berchtesgaden): Warmer Tag, meist heiter; heute morgen 16 Grad, West­wind, heiter.

Küste (Westerland auf Sylt): Gestern vor­herrschend kühl, meist trübe; heute morgen 14 Grad, Südostwind, wolkig. (Swmemünde): Gestern kühle Rächt, meist trübe; heute morgen 15 Grad, Südostwind, wolkig. (Borkum): Ge­stern vorherrschend kühl, regnerisch; heute mor­gen 13 Grad, Südostwind, Regen.

Baden (Baden-Baden): Gestern der 3ahres- zeit angemessene Temperatur, teils heiter, teils wollig; heute morgen 20 Grad, Südwestwind, wolkig.

(Tribera): Gestern warmer Tag, teils Hecker, teils wollig; heute morgen 16 Grad, Windstille, Regen.

(Freiburg): Gestern der 3ahreszeck angemes­sene Temperatur, teils heiter, teils wolkig; heute morgen 20 Grad, Südostwind, Regen.

Rheingebiet (Köln): Gestern milbe Rächt, teils heiter, tells wolkig; heute morgen 19 Grad. Südwestwind, wolkig.

Thüringer Wald (Eisenach): Gestern milde Rächt, Wetter besser geworden; heute morgen 17 Grad, Rordwestwind, heiter.

Schlesien (Schreiberhau): Gestern milde Nacht, Wetter besser geworden; heute morgen 14 Grad, Nordostwind, wolkig.