Ausgabe 
3.5.1929
 
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zreitag, 3. Mai \929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

llr. (03 Zweites Blatt

Die Diktatur in Jugoslawien

L. ^.-Berichterstatter.

Das Meerwasser

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Bon unserem

Bachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Agram. April 1929.

Am schmerzlichsten aber berührt die gegen­wärtige Regierung nicht die bcschäftigungsll^ ge­wordenen Politikers sondern die Wirtschaft und die Finanzwelt. Lind das ist schon ernster als der Unmut einiger Mißvergnügter! Es fehlt der gegenwärtigen Regierung ein großes Aufbauprogramm, wie es ihr überhaupt an schöp­ferischen Ideen mangelt. Man sorgt politisch unb wirtschaftlich für heute und morgen, aber man denkt nicht an übermorgen. Die wirtschaft­liche Lage Jugoslawiens ist schlecht, und finan­ziell ist es noch trüber bestellt. Jede Hoffnung auf die so bitter nottvendigc Anleihe ist vor­läufig geschwunden. Llngeachtct der allgemeinen Verarmung wurden die Steuern und Abgaben daß sie schon wieder langsam aussieht. Wirft man einen Blick hinaus, so kann man sämtliche Rippen des Aluminiumflügels zählen, genau so, als stände bas Flugzeug still. Manchmal schien es als ginge es rückwärts. Mein Bewußtsein würde schaukelnd. Plötzlich tanzte ein weißer Faden durch die Kabine. Seine Herkunft war rätselhaft. Ich starrte seiner bedeutenden Er­scheinung nach, bis er langsam ins Llnkontrollier- bare versunken war. Mit ihm war die Magie der Gegenstände ausgebrochen. Der fremde Mantel dort auf dem Fauteuil war doch eigentlich sehr interessant, es ließe sich etwas in ihn hinein-

fabulieren. , . , ,.

Es gab nun überhaupt sehr viel zu sehen hier, dort ber glänzende Rickclschlund. aus dem man die Ohrenwatte zupfen kann, daß Rauchen ver­boten ist, kann man in drei Sprachen lesen. Ich verfolgte die Linien der Riemen, ihren Weg durch die Schnallen, ihre Krümmungen. Die Simplizität der Gegenstände erhob sich zu einer lächerlichen Intimität. Retorten. Gläser, Riemen, Llhrcn, Schnallen. Rohre, Ziffern, Griffe. Schilder, Thermometer, alles erschien mir nun kamerad­schaftlich. Ich suchte den Propeller, der natürlich nicht zu sehen war, doch hatte ich das merkwür­dige Gefühl, daß ich, wenn ich die Augen bei­nahe ganz schloß, also nur ganz dünn unter dem Lid hervorschielte, daß ich dann den sich irrsinnig schnell drehenden Schatten des Propellers sah. Je mehr ich den Spalt verringern konnte, ohne ihn völlig zu schließen, desto deutlicher und schar- ser sah ich den Schatten. Ich trieb dieses Spiel eine Zeitlang, währenddem der unsichtbare Pilot vorn getreu seinen schweren Dienst vollbrachte. Inzwischen war die Zeit der Dämmerung ge­kommen. Sie sank an mir vorüber zur Erde. Mit Gewalt entriß ich mich der frechen Vertrau­lichkeit dieser toten Welt um mich herum und starrte hinaus, just im rechten Augenblick. Da gab es etwas zu sehen. Sonnenuntergang mit Gewitter. Den Donner schluckte der Aeroplan natürlich sofort auf, ich bekam ihn nicht zu hören. Die Sonne bewegte sich, wurde dicker, kam naher, entfernte sich wieder, versank, stieg auf, ver­änderte sich fortwährend, erhielt schwammige Um­ritte, strahlte plötzlich in weißer Glut auf, er­schien, wie ein bleich-brennendes Gesicht hinter den dunklen, durchsichtigen Vorhängen des Re­gens, schließlich wurde sie ganz breit, verlor jede Form, versank, ging unter, ertrank total wie ein aufgedunsener Säufer, der unter den Tisch gefallen ist. Ich holte einen Moment tief Atem und sah durch das andere Fenster. Da glitzerte rot, grün und gelb, wie ein türkischer Halb­mond. in zartem Bunt ein Regenbogen. Er lebte nicht länger als ein Lächeln. Die besorgten Men­schen der Erde schossen rote Signalroketen in die Luft, damit der Pilot den der Atmosphäre angepahten Landungsplatz benutze. Das Feuer der Raketen zerriß das zarte Wundergebilde der

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Fürst Bülow.

Zum 80. Geburtstag des Reichskanzlers am 3. Mai.

Von Di. Theodor Heust.

Ein paar Wochen nach seinem sechzigsten Ge­burtstag schied Bülow 1909 aus dem Reichs­kanzleramt. Er hatte sein Schicksal mit dem Be- stand desBlocks" verbunden, jener seit dem Januar 1907 wirksamen parlamentarischen Kom­bination der Konservativen und Liberalen. Die sollten eine gemeinsame Finanzreform verabschie­den, deren Kernstück die Reichserbschaftssteuer darstellte. Die Konservativen versagten sich und Bülow nahm seinen Abschied. Der Vorgang hatte eine symptomatische Bedeutung, die von seinen Zeugen nicht unmittelbar und im ganzen Maß verstanden wurde. Die Dinge der staatlichen Ent­wicklung lieben in Deutschland Umwege. Bülow ist der c r st e deutscheParlaments- kanzler" gewesen nicht in feiner Berufung, aber doch in seinem Abgang, und hier nicht in

Allein im Flugzeug.

Von Hermann Linden.

Schließlich war mir auf meinen vielen Flügen einmal das passiert, was ich gebe es zu - eigentlich nur einem der übriggebliebenen Könige oder einem der überhand genommenen Millio­näre zusteht ich saß solo in einem Aeroplan wobei ich jedoch die kleine Tatsache keineswegs übersah, daß das Flugzeug durchaus nicht einen sinnlosen Flug ausführte, um mich von einer Stadt in die andere zu befördern, es bediente einfach sklavisch seinen Fahrplan. Die größere Tatsache war jedoch die, daß ich allein in dem Kasten saß. Ich kam bald dahinter, daß das durchaus kein reines Vergnügen war. Es war ein dunstiger Rachmittag, eigentlich Morgen­wetter. Ein Rebel, der nicht dick genug war, um den Piloten ernsthaft zu beschweren, war jebod) ausgedehnt genug, mir den Anblick der Land­schaft zu verwehren. Allmählich begriff ich, was die so oft gelästerte menschliche Gesellschaft be­deutet, wenn sie einem fehlt, selbst wenn sie unangenehm oder geschwätzig ist. Das Slugc dürstet immerzu nach Bewegung. In einem Flug- zug aber sind die einzelnen Bewegungen die­jenigen, die von den Gästen vollführt werden, obwohl' von einer Dewegungsmöglichkeit in den heutigen Flugzeugen mit der Eisenbahn ver- glichen nicht die Rede fein kann. Was da draußen vorbeizieht, geschieht so langsam, daß man es fast kaum Bewegung nennen barf. m Wirklichkeit ist die Bewegung so rasend schnell,

Mehr als vier Monate herrscht in Jugoslawien nun schon die Diktatur oder vielmehr die abiolutc Regierung des Königs Alexander. Das ist noch nicht gerade sehr lange, aber die Zeit genügte doch, um die öffent­liche Meinung nach dem ersten Erstaunen über die Proklamation der Diktatur wieder zu Worte kommen zu lassen. Man beginnt heute in Jugo­slawien sich ein Urteil darüber zu bilden, ob die Ziele, die der Staatsstreich verfolgte, erreicht sind oder ob wenigstens Aussicht für ihre Ver­wirklichung besteht.

Ich habe bei einer Umfrage in allen Teilen des Landes und bei allen Bevölkerungsschichten also nicht nur bei den Politikern trotz vieler entgegengesetzter Meinungsäußerungen doch den Eindruck bekommen, daß der königliche Absolutismus kaum noch Aussicht auf die wirklich gründliche Sanierung des Staates hat weil schon jetzt die Unzufriedenheit mit den Methoden der Regierung weit verbreitet ist, und weil diese Unzufriedenheit noch immer weiter wächst. Wobei man übrigens nicht vergessen darf, daß alle Kritik nicht gegen den König selbst ge­richtet ist, sondern nur gegen seine Regierung, die zweifellos eigene Wege wandelt. In den ersten Tagen des neuen Regimes waren die Ziele und Absichten des Königs nicht klar zu erkennen, wie ja auch fein Manifest in recht allgemeinen Ausdrücken gehalten war. Rur so läßt es sich erklären, daß diese Kundgebung in Belgrad und in Agram grundverschieden ausgelegt wurde. In Belgrad gab man ihr ben Sinn brtft König Alexander nun mit ganz besonders energischen Maßnahmen gegen di e a u t o - n o m i st i s ch e n D e st r e b u n g e n b e r K r o a - t e n vorgehen würde, und in Agram glaubte man daß der König den bisher mißhandelten Kroaten Zugeständnisse machen toolltc. Heute, nach vier Monaten, weiß man, daß Die neue Regierung (nicht etwa der König) an solche Zugeständnisse nicht im entferntesten denkt und daß ihr vornehmstes Ziel tatsächlich der^Kampfs unserem Blute, und sie gehen auch auf die Zu­sammensetzung des Meerwassers in früheren geo­logischen Zeiten zurück. Blut und Zellsafte der Landwirbeltiere haben besonders einen hohen Ratrium-. Kalium- und Kalziumgehalt, der mit jenem des Meerwassers übereinstimmt, dagegen von der gewöhnlichen chemischen Umgebung ber Landtiere und der Menschen stark abweicht Seit der ersten Kondensierung des Wassers auf der Oberfläche der Erde haben die Meere dauernd Salze aufgenommen, und immer mehr Salze blie­ben zurück, wenn Derbunstung stattfand, so daß also wohl heute die Ozeane salziger sind als in früheren Zeiten ber Geschichte bet Erbe. Wav die Salze in unserem Blut anbelangt, so geht ihr Mengenverhältnis auf Zeiten zurück, da bas Meer noch weniger salzig war als heute Die Mengen von Kalzium und Ratrium des Meer- Wassers haben sich offenbar im Laufe der geologi­schen Zeiten nicht sehr erheblich geändert, doch das Magnesium nahm bedeutender zu. und seine geringe Menge im Blute dürfte beweisen, daß es in Urzeiten auch im Meerwasser nur in Spuren vorkam. Dr. H. Kr.

mit allen Mitteln gegen bie kr o a 11 s ch e Autonomie in jeder Form ist. Die herrschende Gewalt wird ob mit ober ohne Einverständnis des Königs zur endgültigen Verschmel - zung des jugoslawischen Staates unter serbischer Hegemonie angesetzt. '

Man sollte glauben, daß bann die jetzige Re­gierung wenigstens die Sympathien des serbischen Bevölkerungsteiles ober wenigstens ber serbischen Rationalisten besäße. Aber bie Unzufriedenheit mit ber Diktatur beschränkt sich nicht nur auf Kroatien unb Bosnien, sie wächst auch bei b e n Serben von Tag zu Tag. Die Politiker vieler Lager sind mißvergnügt, daß sie nichts mehr zu sagen haben, daß die großen Probleme ohne sie zu lösen versucht werden und daß man an Plänen für die zukünftige Gestaltung des Staates arbeitet, ohne sie um ihre Meinung zu befragen. Ein Teil ber Serben macht überbies die übertriebene Forderung nach serbischer Vor­herrschaft nicht mit. Diese und sogar ein Teil ber serbischen Rationalisten sagen, em Staats­streich sei für bie Schaffung eines Ausgleichs mit den Kroaten nicht nötig gewesen man hätte auch auf dem gewöhnlichen Wege em viele Wünsche befriedigendes Kompromiß finden können. Schließlich sind sich Serben tme Kroaten darüber einig, daß das neue Regime in der Zeit seines Bestehens den Beweis dafür schuldig ge­blieben ist, daß es überhaupt fähig ist, eine Lösung des kroatischen Problems zu finden.

fingen. 3n Rom begegnete der Botschafter auf gleichen Wegen seinem früheren Widersacher Crzberger sie verstanden sich damals und Erzberger war in der Kanzlerkrisis 1917 bemüht, Bülow als Rachfolger Bethmanns zu lancieren. Aber auch dies scheiterte. Roch einige Male tauchte der Rame des Fürsten in allerhand Kom­binationen auf es blieb an ihm der Rachklang eines diplomatischen Hexenmeisters hängen. Aber bann tarnen die Aktenpublikationen, die ein wenig Staub alter Schränke auf bie schimmernde Poli­tur legten. Lind Bülow begann, seine Memoiren zu schreiben.

Wann werden diese kommen? Sie können ein wichtiges Dokument sein, wenn sie nicht bloß der zitatengeschmückten Apologetik dienen wie sein vor anderthalb Jahrzehnten geschriebenes Buch überDeutsche Politik". dessen literarischer Vortrag, in halben Tönen, etwas enttäuschend ist. Was Bülow in seiner Haltung zu der innerbeut- chen Politik fehlte, war der Instinkt für die geschichtliche Bedeutung des industriellen Massen­volkes ihm genügten muntere Redesiege über sozialdemokratische Parlamentarier. Die außen­politische Beurteilung ist schwankend geblieben: , hat er 1909 wie er glaubt, eine eindeutig klare |

den Motiven, so doch in ber Wirkung.

Dem Fürsten lag es fern, ein solches Gewohn­heitsrecht einleiten zu wollen, das bann 1918 seine juristische Bestätigung finben sollte. Er war in befonberem Ausmaße ber Vertrauensmann, ja ber Liebling bes Kaisers gewesen: dessen Gunst stand über feiner glänzenden Laufbahn unb unb er hatte es verstauben, ben Monarchen mit bei" künstle rischen Schmiegsamkeit bes Virtuosen zubehandeln". Es hatte immer gut geklappt, besser als bei seinen drei Vorgängern: es fehlte der Druck der genialen Lleberlegenheit, unter der Bismarck den jungen kaiserlichen Ehrgeiz ließ, cs fehlte die herbe, nüchterne Sachlichkeit, die Eaprivi isolierte, oder die inaktive, etwas greisenhafte Skepsis Hohenlohes, dieihre Aufgabe im Verhindern von Torheiten erfüllt sah unb im übrigen wehrlos blieb. Das hatte sich mit dem beweglichen, gebilbeten unb witzigen Mann geänbert ber eine so ausgezeichnete Figur machte, der es in Jovialität und Polemik mit dem Par­lament gleichgut verstand: die Erinnerung an Bismarck wurde gerne gepflegt, so daß das böse ^Zerwürfnis von 1890 dem Gedächtnis entsank und Kaiser wie Ration sich ein wenig daran ge- tvohnten, zu glauben, daß jetzt ber richtige und eigentliche Rach folger des Reichsgrunders gesunden sei. War nicht auch sein bedeutender Vater in den siebziger Jahren einer von Dis- marcks vertrautesten und verdienstvollsten Mit­arbeitern gewesen? Alle Beteiligten hatten sich daraus eingerichtet, daß dies Kanzleramt Jahr­zehnte dauern würde.

Da kam derRovember 19 0 8 derDaily Telegraph" hatte jenes die Ration empörende und beunruhigende Interview des Kaisers gebracht, das Parlament forderte einhellig Rechenschaft und der Kanzler konnte den Kaiser nicht decken. Der Inhalt jenes kaiserlichen Ge­sprächs mit englischen Freunden war töricht und verhängnisvoll gewesen aber in der tfrage der Veröfsentlichung hatte der Kaiser formal korrekt. Der Kanzler und sein Amt aber zum mindesten fahrlässig gehandelt. Wilhelm II. fühlte sich nicht ohne Grund preisgegeben: er entschloß sich zwar nicht, sich äußerlich von Bülow zu trennen, aber er hatte das Vertrauen verloren. Lind da die Fäden am Hof locker geworden, verband der Kanzler sein Schicksal mit dem Willen des Reichs­tags unb wurdeparlamentarisch", wenn man so will, mit umgekehrten Vorzeichen

Rur ungern entschloß sich ber Kaiser, 1915 Bu­low nach Rom zu senden jbm wurde cs vielleicht gelingen, war die Rechnung. Italien Lern Kriege fernzuhalten. Es konnte nicht ge-

' Unter benGeschichten aus aller Welt im Gießener Anzeiger stand am 29. April die Auf­forderung:Trinkt Meerwasser!" R uz ick a. em tschechischer Gelehrter, habe dessen gesundheits­fördernde Wirkung auch bei innerlichem Gebrauche festgesteltt. Folgen einige sehr nette Scherze über das eßlöffelweise Cinnehmen konzentrierten Meer- wafsers vor der Mahlzeit. Wenn aber auch viele einen leichten Mosel vorziehen wurden, so ist der Gedanke Ruzickas doch nicht so übel. Denn wie bas organische Leben sich wohl zuerst an ben Ufern des Meeres geregt hat unb bann durch bie Ströme unb Flüsse in bie Ebenen unbauf Die Berge gedrungen ist, fo gingen bie Wasser ben Landtieren voraus, und die fische sind Ne ältesten Wirbeltiere. Deshalb ist es vielleicht auch berechtigt, bie Abstammung ber Land» von ben Wassertieren in besondere Beziehung ou: ber Lage der Mineralsalze des Meeres in ihrer Bedeutung für die Gesundheit von Tieren und Menschen zu sehen. Vielleicht würden Badekuren am Meeresstrand noch *mel besser bekommen, unb es würde uns so wohl wie ben Fachen im Wasser, wenn wir dieses .auch

anwenden wollten. So gut wie Nie, L9h.--2tic(jkerl Vrfmn 1914 in seinem Lehrbuche der pyysikam^en

liierenden Organe aus ben Salzen bei -Maurung »ent 2Ke6ium feiner Zellen «>* ** Salzzusammensehilng. Hober uieint f dürfe ruhig bie Dinge so auffassen baß Ne Organe der Wirbeltiere von einer Art Meer wasser konserviert würden, daß Ae^lNm^ogar während ihres Lebens von ^ner Art von Meer wasser umspült sind. Dann aber wurden wir um so besser verstehen, toaruni beispielswette bie Sodenthaler. die Suderoder und ähnliche Kalziumgucllen sich so besonders gut bewahren. Die mineralische Zusammensetzung dieser Watte ist nämlich der des Meerwasser- sehr ba das Verhältnis der einzelnen ^onenkonscntra Honen dem Verhältnis ber entsprec^nden Ionen im Meerwasser am meisten entspricht. Wir ya ben allen Grund, seht Höber hinzu, anzunehmen, baß irgendein zunächst unbekannter Zustand ode Vorgang, der mit dem Leben des Protoplasmas der nöberen Tiere unb der niederen Meerestiere aufs engste verknüpft ist, an bas 3ufammentoirfen einer ganz bestimmten Kombination von Sal­zen gebunden ist.

Uralte Erinnerungen an den Ursprung ber höheren Wirbeltiere leben also noch heute in

Loge hinterlassen, hat Bethmann, wie dicker klagt, ein unmögliches Erbe von Mißtrauen und un­erwünschten Abhängigkeiten übernommen? Un­zweifelhaft hat er die Verschlechterung der Be­ziehungen zu London mit eingeleitet, indem er der ressortmäßig verständlichen, aber politisch allzu primitiven These des Admirals von Tirpitz keine Gesamtansicht des machtpolitischen Werdens entgegenzustellen verstand, und bieRibelungen- treue an die Habsburger Diplomatie mußte deren Ehrgeiz über das Bekömmliche steigern -- Kiderlens Versuche, das Verhältnis- Berlin-Wien neu zu ordnen, kamen zu spät. An Einsichten hat es dem geistreichen unb gebildeten Mann nie gefehlt: der Reiz feiner Persönlichkeit, Ne etwas spielerische Skepsis, Ne Anmut ferner Erzähler­gabe mochten ein Aktivum darstellen. Aber um all dies zu nutzen, bedurfte es des frei gestalten­den Willens, der nicht bloß von der Geschicklich­keit in mancherlei Auskunftsmitteln lebt.

Hinter der einnehmenden Oberfläche einer Vor­dergrundfigur aber bleibt sichtbar das ungelöste Rätsel des Barons Holstein, des eigentlichen Leiters ber deutschen Außenpolitik durch fast zwei Jahrzehnte. Wird Bülows Memoirenwerk dies lösen?

jeder Art nicht vermindert, sondern vermehrt - im Gegensatz zu dem im königlichen MamfeN gegebenen Versprechen. Das Budget sollte nach dem Manifest vermindert werden, es ist statt betten um 900 Millionen Dinar er - höht worden. In Bosnien und Herzegowina herrscht Hungersnot. Der alte Feind Der JKufcl- manen, Irkschtsch, wurde auf ben Posten des Iustizministers berufen was in "^snien eine solche Erregung hervorrief, daß ber bosnische Muselman Spaho zweimal das ihm ungebetene Ministerportefeuille abgelehnt hat. Der Kamps gegen bie Korruption wurde nur aus Dem Papier geführt. Lind da jetzt jede Kontrolle fehlt, hat die Bestechlichkeit der Beamten eher zu- als abgenommen. Die Presse, bic burch Ver­öffentlichungen ben einen ober ben anderen hotte abschrecken können, darf nichts sagen und es ist z B auch verboten, über bic Hungersnot m Bosnien etwas zu schreiben. Während meiner Anwesenheit in QIgram wurde auf den Straßen für die Hungerr-.den in Bosnien und der Herze­gowina gesammelt, aber diese Sammlung durste in den Zeitungen nicht erwähnt werden. Die will- kürlichen Verhaftungen werden immer zahlreicher. Im Zusammenhang mit ber Mordaffäre eines kroatischen Journalisten wurden 300 Menschen festgesetzt. Unter diesen befand sich ein Anwalt den man einfach zwei Wochen fefthielt, obwohl er schon beim ersten Verhör nachzuweisen in der Lage war, daß er von Amts wegen an ben Mordplatz gekommen war, und zwar mit Dem Automobil des Polizeichefs und in dessen Be­gleitung. Es ist schon verständlich, daß diese Zu­stände Llnzufriedenheit Hervorrusen.

Im ersten Monat der königlichen Diktatur hatten sich in Kroatien die Bank- unb Finanz­kreise ebenfo wie die Intellektuellen von der serbo-kroatischen Koalition ferngehalten und hatten klar und deutlich für ben König Stellung genommen. Aus diesen Kreisen nahm der König denn auch die drei kroatischen Rii- nister ein Bantdirektor wurde Finanzmimster. ein Rechtsanwalt wurde Handelsminister unb em Industrieller übernahm das Gesundheitsministe­rium Die drei einflußreichsten Agramer Zeitun­gen traten ebenfalls für bie Diktatur ein Diese Haltung gründete sich auf der Hoffnung, daß die neue Regierung wenigstens bie Jul tu reiten Interessen ber Kroaten schuhen wurde, wenn sic auch bie politischen Wünsche ber Kroaten nicht voll erfüllte. Aber selbst über Ne Frage ber kroatischen Autonomie innerhalb eines )ugo- slawischen Königreiches glaubten sich Nele Kreise noch! am besten mit einer Diktatur auSeinanber- setzen zu können. Heute, nach vier Monaten, ist bic Stimmung vollständig umgeschlag e n Die Hoffnung auf friedliche Verständigung ist gc- schwunden. Die kroatischen Finanzleute. Indu­striellen und Intellektuellen sind z u r s ch r o s - fen Opposition gegen Ne neue Regierung : umgeschwenkt unb selbst bas eine ber zunächst : diltaturfreundlichcn Agramer Blätter ist schvn wegen eines oppositionellen Artikels be $lag- nahmt worden Derzeit gründet sich Ne Diktatur in Kroatien nicht mehr auf diesen ober jenen Bevölkerungsteil, sondern nur noch auf Beamte

Frankfurter Theater.

Die Spielzeit neigt sich dem Ende zu. In der Oper reiht man sich um die Rachfolge Clemens Krau h'. der - endlich aus Amerika zuruck­gekehrt eine sehr matteMeistcrsingcr' -Auf- führung applausurndonnert dirigierte. Wenn man den in Krisenzeiten besonders heftig auftretenben Gerüchten glauben darf, soll Walter Stein­berg. ber eine ..Carmen"- unb eineFidelio - Aufführung mit bemerkenswertem Können diri­gierte verpflichtet sein. Wenn sich Steinberg Der Tragweite der Aufgabe, bic seiner harrt, be- teufet ist, wirb er seine ganze Arbeitskraft dem Institut restlos zur Verfügung stellen: die erste Voraussetzung, die der Rachsolger des auslands- hungrigen Herrn Krauß unbedingt erfüllen muß

Das Schauspielhaus wendet sich, schon sommerlich gestimmt, ber leichten Muse zu. und unterhält durch eine bauhausstilisierte Reu- inszenierung des S h a k c s p e a r e scheu Lustspiels Was ihr wollt", in der Richard Weichert das Schwergewicht auf bie Rüpelszenen gelegt hat. denen Impekoven, Danegger. S ch n e i b c r unb Herta Schwarz saftiges Pro­fil geben, und eine saubere Reuinizenicrung bet doch recht verstaubt wirkenben SatireHelden von Shaw.

Hellmer kommt dagegen im Reu e n Theater mit schwer literarischem Geschütz auf­gefahren und bringt Leonhard Franks schon fast psychiatrische AngelegenheitDie Llrsache : ein Einzelfall. der hier auf der Bühne noch singulärer erscheint als in der bekannten Ro- velle. Franz M a s s a r e ck s erschütternde -&?r- körperung des zum Tode Verurteilten hastet unaiislöschlich in der Erinnerung. Arnold Zweigs ScelenbramaDie Llmkehr' konnte sowohl als Stück als auch als Aufführung Nicht fesseln Zweig weigert dem Theater fein Llrrecht auf Handlung, auf Geschehen er mußte an dieser Richterfüllung einer ästhetischen ®runb- foröetung scheitern. Hellmer aber hat nicht bie Schauspieler, bie bie Figuren des Spiels fordern. Zwischen diesen beiden Abenden amüsierte uns die grazile Kunst Eurt Goehes und Valeria von Ri artens' in dem ganz netten Konversa­tionsstückTrio" von Leo Lenz. Allerdings sollte Goetz eigentlich nur eigene Stücke spielen er schreibt sich und ihr bic Rollen so hübschauf ben Leib".

ilnb das Reue Operettentheater? Es schließt die Wintersaison mit KollosIettchen ©ebert" und beginnt bie Sommerspiclzeit mit GrünsMiß Ehocolate", um am 1. September der Lisa bas Felb zu räumen.

und Polizei.

Wieder erheben die Kroaten ihre alte Forde­rung nach völliger innenpolitischer Trennung von Serbien, nach völliger A u t o n o m i e. Rur die gemeinsame Dynastie soll Ne beiden Lan­der verbinden, vielleicht noch die Armee (wenn dort verschiedene kroatenfeindliche Bestimmungen fallen) und die Vertretung nach außen. Ne äußere Politik. Im übrigen will Kroatien sich selbst verwalten und will sein eigenes Par­lament. Es ist nicht zu erwarten, daß Ne Dik­tatur mit ober gegen Den Willen des Königs - - erzürnten^atur.Uis Gewitter hatte sich ver­flüchtigt. der Aeroplan ging herab, er war fahr­planmäßig angekommen. Llnvergeßlicher Zlug.

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