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.Jetzt fahre ich nach Paris, V>v ich in troTTer Ruhe lebe. Die F.anzofen haben kein Interesse für daS Schachspiel uno wissen kaum, daß ich Weltmeister bin. Ich besuche philosophische Vor­lesungen und arbeite an einem Buch, das2tuf dem Wege zur Weltmeisterschaft" heilen und in einem deutschen Derlag erscheinen soll. Ich schreibe das Buch in deutscher Sprache, die ich schätze uAd fließend beherrsche. Man fragt mich ost, cch ich nicht nach Rußland zurückkehren möchte, aber dort werde ich als konterrevolutionär angesehen. Ich habe vor kurzem aus einem Bankett kn Poris eine Rede gehaltert, in der ich den Gedanken äußerte, daß daZ Schachspiel be­sonders in Ländern blühe, in denen der freie Geist unterdrückt wird, und in denen die Intel­lektuellen sich in Geduld fassen müffcn. So war es in Deutschland vor BiSmorck, in Frankreich zur Zeit drs dritten Kaiserreichs und im moder­nen Rußland, wo das Schachspiel sehr gepflegt wird. Dafür hat mich Kry len ko in einem Zeitung -a.tikel mit einem Wort genannt, das ich nicht wiederholen nröchte. Trotzdem Hai mein Sieg seinerzeit auch in Rußland großen Eindruck gemacht. Eine Moskauer Zeitung schrieb, man könne sich freuen, daß ein wirklich guter Schach­spieler, gleichgültig welcher Ratio.ralllät, gewon­nen hat: Zrte Sowjetschachspicler, so hieß es weiter, können mich faxt ich nicht zu den ihrigen zählen, solange ich nicht meine Flucht bereue, alnter diesen Umständen bleibt mir nichts ande­res übrig, als In Paris zu bleiben."

Bahnhofsbeschwer-en in Großen-Lin-en.

Aus Großen-Linden wird uns non gut unterrichteter Seite geschrieben:

Die Reichsbahnverwaltung beabsich­tigt, am Bahnhof Großen-Linden die Bahnsteigsperre zu dem Gießener (öst­lichen) Bahnsteig zu verlegen. Seither konnten die Reisenden vom Stationsgebäude auS auf kürzestem Wege durch Heberschreiten der Gleise an einer besonders h^rgerichteten Stelle diesen Bahnsteig erreichen Runm.hr sollen die Reisenden den Bahnkörper an der Schranken- Überführung Großen-LindenLeih estern über­schreiten, um dann den Gießener Bahnsteig von der Lcihgesterner Seite her durch eine dort ein­zurichtende neue Bahnsteigsperre zu erreichen.

Wclche Mißstände ergeben sich auS der Durch­führung dieser Maßnahme? 51m der Reichsbahn Recht angedeihen zu lassen, sei in diesem Zu­sammenhalt vorauSgeschickt, daß auf der Leih- gefterner Seite ein Automat zum Lösen von Fahrkarten der Holz klasse nach Gießen aufgestellt und auch auf dem östlichen Bahnsteig eine yeizbare Wartehalle er­stellt werden soll. Zunächst wird die Benutzung eines Fahrkartenautomaten durch die h.estgr Landbevölkerung zu .Vlnzutraglichkeiten führen, weil der Reisende gewohnt ist. seine Karte am Fahrkartenschalter und nicht zwangsweise an einem Automat zu lösen. Dieser Mißstand wird verstärkt, wenn eine mehrköpfi^ Familie, wie dies besonders an Sonntagen häufig geschieht, nod) Gießen fährt. Dann muh der Familienvater besorgt sein, sovielmal 3 Zehnpfennig- stucke zu bellhen, als er für die Fahrt seiner Familienangehörigen aufzuwenden hat. Ist nun gar erst infolge besonderer, in Gießrn stattfinden- der Ereignisse der Airdrang besonders stark, dann wird der Automat, wie auch die eine Bahnsteig­sperre zur Bewältigung des Verkehrs nicht rm entferntesten ausreichen. Bll solchen Gelegenheiten wurden s.ither schon zwei Schalter und zwei 'Bahnsteigsperren geöffnet Für die Benutzung von zwei Bahnsteigsperren ist aber dann keinerlei Rlöglichkeil mehr vorhanden.

Wäre aber normalerweise für die Reisenden der H o l z k l a s s e di« Möglichkeit gesichert, den östlichen Dahn st eia zu erreichen, ohne vor­her das Bahnhossgebäude betreten zu müssen, so sind doch dir Reisenden der Polsterklasse, als auch alle übrigen Verkehrsgäste, welche über Gießen hinausreisen, gezwungen, sich im Sta­tionsgebäude ihre Fahrkarte zu lösen. Dann aber müssen sie zu diesem Zwecke von der Straße einen Weg von 100 Meter zum Stations­gebäude machen, nach dem Lösen der Fahrkarte 100 Meter zurückgehen, den Bahnkörper an der Schranke überschreiten, auf der Leihgesterner Seite die Dahnsteigsperve passieren und dann wiederum einen Weg von 100 Meter in der ersten Richtung zurücklegen, um zum Gießener Bahn­steig zu gelangen. Bei dieser Betrachtung wirst sich schon die Frage aus, toarum gerade die

!

Vornan von 3* Schneider-Foerstl. llrbeberrechteschutz Oskar Msifter. Werdau i. So.

35 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Richthosen stand g^gen die Wand zugekehrt und sah. wie hinter Hetti.lgens Rücken die Portieven leih schwankten. Arme Mi^zerl! Aber es war besser, sie erfuhr jetzl aus feinem eigenen Munde, daß sie nichts mehr zu hofien hatte, als dieses Warten von einem Tag zum andern, oas sie beide noch völlig ausrieb.

Ich hab ghocl, man bars dir gratulieren!" sagte er, um Der Schwester auch noch die letzte Gewißheit zu verschaffen.

Gratulieren? Wozu?" Joachim sah halb be­lustigt zu Leopold hinüber.

«Zu deinen Erfolgen, mit denen du dich um die IeÄa bemühst!"

Ach so!" Hettingen lachte.Diesen Gedanken darfst du ruhig fallen lassen, mein Alter! Dir Isa wlll nichts von mir! Die hat ganz andere Pläne. Sie weiß nur. daß i)rc selbstlose Liebe mir armem Schlucker unendlich Wohl tat das ist alles!"

Aber küssn laßt dich zur rechten Zeit von ihr! Muß doch ein süßes Goscherl haben, die Frau Kammersängerin?"

Auch davon bist du unterrichtet?" sagte Het­tingen ruhig.Seit wann interessierst du dich für Kla.schereien?"

Mein Gott, Joachim, wan-nst mittn drinnen sitzt, zwUchn di? Ratschwllber! Wien ist in dec Weis' ein Rest! Das sollst doch wissen! Wannst a Maderl am Prater druntn kn die Wadln zwickst, dann wissn'S a Biertclstund später schon Die Händler am Raschmarkt und behauptn. du hast ihr den ganzn Fuß auSgrissn!"

Poldl, du hast recht." saate Irachim lachend. Gleich darauf war sein Gefacht wieder vollkom­men ernst,DaS Hot jo nun ein Ende bei mir

Reisenden der Polsterklasse, welche doch für ihre Beförderung ein höheres Fahrgeld bezahlen, gegenüber denen der Holzklasse schlechter gestellt sein und einen Almtoeg von 200 Meter machen sollen.

Ganz abaesrehcn davon, ist aber beim besten Willen nicht einzusehen, wie durch die geplante Aenderung die Betriebssicherheit erhöht werden soll. Rach wie vor überschreiten die Reisenden den Bahnkörper. Wenn nun­mehr her Schrankenwärter beim Herannahen des Zuges rechtzeitig die Schranke schließt, warum soll nicht genau so gut der Bahnsteigschaffner im Stationsgebäude Die Türe schließen und sie nach Einlaufen des Zuges wieder öffnen können, als dies auch der Schrankenwärter mit den Schran­ken tut?

Seither muhten die Reisenden von Leih­gestern den Schrankenübergang Überqueren, konnten aber bann den Bahnsteig ohne den oben beschriebenen llmmeg von 200 Meter er­reichen. Warum soll nunmehr eine Aenderung zugunsten der wenigen, aus hem 1600 Einwoh^ ncr großen Leihgestern kommenden Reisen­den herbeigeführt werden, wenn dies die be­sagten Rachteile für die aus Großen-Lin- den und feinem Hinterland mit etwa 6000 Ein­wohnern fahrenden Gäste, die auch bestimmt 4/. der Dahnhofsfrequenz darstellen, im Gefolge hat?

Bei dieser Sachlage leuchtet es ein. daß die Reichsbahn dem Mißstand des äleberschreitens der Gleise, wenn dies wirklich ein Mißstand sein sollte, nur durch den Dan einer Unter* führung ahhellen kann. Cs erscheint wenig angängig, die Reisenden auf den am Schranken- Übergang errichteten Steg für den Fall der geschlossenen Schranke zu verweisen, wenn man bedenkt, daß dieser Steg bereits vor 25 Jahren für diesen Zweck vor dem Bahnhofsgebäude er­richtet werden sollle. man aber damals schon seine lllnzulänglichkeit erkannte und ihn dann mehr als Zierde, als der Benutzung hal­ber an der Straße Großen°LindenLeihgestern aufstellte.

Rach alledem steht die Bahn im Begriff, einen Mißstand durch ein weit größe­res Liebel zu beseitigen. Ist der Verkehr am Bahnhof Grohen-Linden wirklich in einem der­artigen Grade gestiegen, daß die Betriebssicher­heit gefährdet ist, dann darf die Bahn nicht zögern, diese Gefahr durch den Dau einer Ü1 n» terfüh rung zu beseitigen. Es erscheinen auch die Kosten für die geplanten Aenderungen durchaus nicht niedriger, als für eine solche Un­terführung. Die Rerchsbahnverwaltung soll sich überlegen, ob es nicht zweckmäßiger ist, durch den Bau einer Unterführung einen dauern­den und die Gefahr re st los beseiti­genden Zu st and KU schassen. Dann ist die Ausgabe nur eine einmalige, im Gegensatz zu den ständigen Kosten der Heizung der Halle, und es wird nicht nur ein unzulängliches Provisorium geschaffen, tote es das jetzige Projekt doch nur barste llt. Bedauerlich bleibt nur. daß es erst der Anstrengungen dritter Sei­ten bedarf, um die Reichsbahndirektion Frank­furt auf die Abwegigkeit ihres Vorhaben- hin­zuweisen.

Die Freiwillige GanitäiS-Kolorrne Gießen im Jahre 1928.

Dom 1. Januar biS 31. Dezember 1928 wurden von der Freiwilligen Sanitäts-Ko­lonne vom Roten Kreuz in G ießen 1510 Krankentransporte ausgeführt.

ES handelt sich bei diesen Transporten um folgende Fälle: Knochenbrüche 126. sonstige Verletzungen 307, innere Krankheiten 561, Frauenletden 179, Infektionskrankheiten 30, Ver­ven- und Geisteskranke 111, Dlinddarmsntzün- dungen 196.

Von diesen Transporten wurden in der Stadt Gießen ausgeführt 741, Kreis Gießen 383, Provinz Oberhefsen 205, außerhalb der Pro­vinz 181.

Das Auto der Sanitätskolonne wurde ins­gesamt 1081 mal in Anspruch genommen; davon in der Stadt 197mal, Privatauto 19mal, fahr­bare Trage 143mal Fahrstuhl 70mal.

Am I. September konnte die Kolonne ihr 25jähriges Bestehen feiern. Drr Rück­blick auf die bisher geleistete Artest beweist am besten die Rollvendigtell des Sanitätsdienstes in unserer Stadt. Der gesteigerte Verkehr der Jetzt­zeit der eine Häufung von Unfällen bewirkt, stellt die Kolonm* vor erneute Aufgaben, denen sie durch Beschaffung weiterer Materialien ge­recht zu werden sucht. Um weitere Krllse für

das Küssen! Wenn ich morgen weggereist bin, Met et sich mir sobald kein Frauemnund mehr!"

Schad, nicht wahr?" spottete Richthosen gut­mütig und fetzte sich wieder. Er konnte sich kaum mehr beherrsche.

Ja. schade," gab Hettingen ehrlich zu.Wcißt du, Poldl, so oft Isabella ihre Lippen auf die meinen drückt, ist mir's"

Wie ist es nachher da, Achims

Wie damals Poldl. du fanitfl es ja Nicht wissen!"

Ich weiß eh! Wie damals, als du die erste Rächt in meiner Wohnung gschlafn hast!"

Hat dir deine Schwester davon erzählt?" Ja!

Von mir hättest du es nie erfahren!"

Das hab ich mir eh nicht erwart, da kenn ich dich zu gut. mein Lieber! und schau, die Mizzlk Joachim, laß mich doch ausredn, des- toegn brauchst doch nicht gl.ich davonlaufeu! Also die Mizzi ist drauf und dran, baß s' zu dir fahrt uno die Händ vor dir aufhebt und. wann's fein muß. vor dir nuderknist und bitt du möch­test ihr verzeihen urrb alles wieder werdn lassn tote früher!"

Richthosen sah, wie mühsam Hellingen seine Er­regung unterdrückte und wie schwer der Atem aus feiner Brust kam. Rach Sekunden gab er Ant­wortPoldl! sag ihr, daß sie nicht kommen soll! ES wäre zwecklos! Ich kann nicht! Rie Wieder! Ich müßte ihr nur wehe tun. Denn das. was ich dir anvertraue, würde ich ihr nie ge­stehen: daß ich sie noch immer liebe! Ich habe mich ja mit Händen und Fußen gesträubt, in einer Zeit um ne zu werben, in der mein Baler mir etopiete, daß ihr Geld die Firma retten könnte. Llber mit meiner Liebe hat das nichts au tun gehabt Ich hätte sie auch als mein Weib heimgeholt, wenn du ihr nicht einmal ein Hemd, sie zu bekleiden, geben konntest In mztnen Rock gehüllt, wurde ich sie in mein Haus getragen haben I Poldl, du ahnst nicht, was das heißt, den Glauben an die Frau verlieren zu müssen, die dir der Inbegriff alle- Heiligen war und an der dein ganzes Herz gehangen hat und noch

den Hilfsdienst bei Unfällen zu interessieren, wurde auch im Berichtsjahre ein (Betriebs- helserkursus abgehalten. Das Rote Kreuz sucht damit das Ziel zu erreichen, möglichst in jedem (Betriebe wenigstens eine Person in der Hilfeleistung bei Unfällen auszubllden und so den Verunglückten bis zur Aickunft des A^tes vor Schlimmerem zu bewahren. An diesem Kur­sus beteiligten sich im abgelausenen Jahre 80 Personen.

Eheschließungen, Geburten und Sterbe- sülte in Seffen-Aaffau und Hessen.

Die Zahl der E h e s ch l i e ß u n g e n im zweiten Vierteljahr 1928 betrug in Hessen-Nassau 6240, die der Lebendgeborenen 10 857, der Totgeborenen 379. Gestorben sind insgesamt 7060 Personen. Der Ge­burtenüberschuß betrug 3797. Auf 1000 Einwohner entfielen bet den Eheschließungen 1926 10,2 gegen 9/) 1927 und 8,6 1913, bei Den Geburten (ohne Tot­geborene) 1928 17,8, 1927 18,1 und 1913 23,9, bei den Sterbefällen 1928 11,6, 1927 11,1 und 1913 13,2. Der Geburtenüberschuß betrug auf 1000 Einwohner 1028 6,2, 1927 7,0 und 1913 10,7. Auf 100 Lebend- geborene kamen im ersten Lebensjahre Gestorbene 1928 5,8, 1027 6,5 und 1913 9,2.

Im Volksstaat Hessen betrug die Zahl der Ehe­schließungen im zweiten Vierteljahr 1928 3728, die der Lebendgeborcncn 6548 und die der Totgeborenen 169. Gestorben sind insgesamt 4095. Der Geburten- Uberschuß betrug 2453. Auf 1000 Einwohner ent­fielen bei den Eheschließungen 1928 10,8 gegen 9,3 1927 und 8,0 1913, bei den Geburten 1928 19,0, 1927 19,0 und 1913 24,8, bei den Sterbesällen 1928 11,9, 1927 10,8 und 1913 13,7. Der Gebürtem Überschuß betrug 1928 auf 1000 Einwohner 7,1, 1927 8,2 und 1913 11,2. Aus 100 Lsbendgeborene kamen im ersten Lebensjahr Gestorbene 1928 6,1, 1927 6,4 und 1913 9,0.

Trotz der Zunahme der Eheschließungen ist also auch in Hessen-Nassau und Hessen ein nicht unerhete kicher Rückgan der Geburten festzustellen, dem allerdings eine Abnahme der Sterblichkeit, be­sonders der Säuglingssterblichkeit, gegenübersteht.

Oberheffen.

Landkreis Gietzen.

X Wieseck, 2. Jan. Der letzte Sonntag brachte v. nferem Frauenverein eine stim­mungsvolle Weihnachtsfeier. Lichtbilder. Deklamationen, gemeinsame Lieder und Einzel- gesänge umrahmten die auf das letzte Vereins- jahr zurückblickende Ansprache des Ortsgeistlichen. Rach einer Kasseepause brachte die amerikanrsche Versteigerung mehrerer gestifteter Gegenstände, dabei solcher aus der hiesigen Kunsttbpferei. viel Freude und einen ansehnlichen Betrag in die Reisekasse für das neue Jahr. Diele der zu Weihnachten mit Päckchen erfreuten Gerneinde- glieder hatten mündlich oder schriftlich Dankes- grühe und Wünsche für den Verein geschickt. -** Der Silvestergottesdienst findet erfreu­licherweise immer mehr Anllang; es bedarf wohl nur größerer gegenseitiger Rücksichtnahme, aus feiten der Vereine und der Kirche, damit tinem immer größeren KreiL von Gemeindegliedern eine stille gesegnete Stunde am Iahresschluh zugute kommen kann. Beim Reujahrsgvttes- dienst wurden in üblicher Weise, verbunden mit Schristvwrten. folgende Zahl«: bekanntge­geben: getauft wurden 57 Kinder (1927 : 59), konfirmiert 68 (67); am Heiligen Abendmahl nahmen 824 Gemeindeglieder t.il (980); getraut wurden 41 Paare (34); kirchlich beerdigt 30 Per­sonen (44). In Gießener Anstalten wurden 7 Kin­der getauft (7). Von den hier Beerdigten öer- starben 9 auswärts, davon 7 in Gießen (6). -* Wie hier feinerfeit mitgeteilt, hatte der Kircherr- vorstand auf Wunsch vieler Interessenten be­schlossen. versuchsweise die Wiesen der Pfarrei, deren Gras seither versteigert wor­den war, zu verpachten. Rur^ vereinzelt wurde bei der Verpachtung das Taxatum te« Kirchen­vorstandes erreicht. Runmehr ist die Entschlte- hung des LandeZkirchenamtes eingetroffen, wo­nach die Genehmigung nicht erteilt werden konnte, da das Gesamtergebnis hinter der Taxa­tion erheblich zurückblieb.

KJ Lollar, 2. Jan. Der seither im Besitz des Bauunternehmens Lemmer (Lollar) befindliche Steinbruch am Lollar« r Kopf mit Klopf, werk üing mit Wirkung vom 1. Januar käuflich in dis Hände der Firma Gottlob Stahl, Stein> bruchbetriebe, in Meinesheim (Württemberg), über. Der Betrieb wird von der neuen Besitzerin von Lollar aus, wo eine Geschäftsstelle eingerichtet wird, geführt. Das vorhandene Personal geht auf die neue Firma über. Der neue Besitzer hat bereits

immer hängt Und wissen, daß es fein Zu- fantmen;taten mehr gibt! Rio wieder! Daß man verdammt ist. als Einsiedler durch die Welt zu gehen, um immer, wo sie am schönsten ist, an das erinnert zu werden, was einmal grwesen ist."

So wenig 03eLitauen hast du zu meiner Schwe­ster, trotz aLer deinrr Lieb, Achim I"

»Ja, so wenig Vertrauen! Es geht mir tote beim Feßrnann. Ich bring s nicht fertig, zu ihm zu grherr! Selbst jetzt nicht wo es Abschied zu nehmen gilt! "

Und hast eS doch nur ihm zu verbauten, daß d' nicht schon feit Wochen im Gottesacker draußen verfaulst!"

Dem Feßmaun?" Hettingr»u8 Blick tourte drohend.

Ja, dem Fehmann! Wann dir's noch nie» niemand gsagt hat. dann sollst es von mir jetzt hören: drei Liter von seinem Blut trägst du in dir! Die hat er sich wegnehmen lassen zu einer TranSsufion, weil dich nur daS hat retten können!"

Der Feßrnann!" HettingrnS Blick wurde ver­schwommen.

Schau Joachim, und daS andere, das du ihm so als Schuld anrechnest, das war ein Zufall ein gr^nz unseliges MihverstLndnis! Rix weiter! Suchn L8 er dich gangen an tem Abend dort, und damit er ja nicht zu spät an Südbahnhof naus kommt, hat er {eben Patienten fortgeschickt zu einem Kollegen. Unglückticyerweise bist au selber auch kommen. 3m Gang war s finster. Gr hat dich nicht erkannt fein Herz hat nicht daran denkt, daß er dich auf die Straß stellt, wie er tem Arbeiter g,agt hat, er soll zwei Häuser Weller gehn!- Grad, damit er dich ja nicht verfehlt! - Wo ist da nach ein Hünkerl Schuld, Achim! Und wenn du trohd'm meinst, er hat dich beleidigt, wann einer mit seinem Blul was wettmacht, das soll man dann vergessn sein lassn, mein ich! Und so kenn ich dich doch net, daß du nicht verzeichn könntest, um keinen Preis!"

Helling-ns Kopf war ganz hrrc>chg?sunken. Mit beiten Händen zog er sich nach einet langen

mit etwa zwei Dritte! bet seicherlgen teMht« bestand es die Arbeiten im Bruch aufgenommen.

6 Allendors o. d. Lda., 2. 9an. Dies« Tage vollendete unser Bürgermeister Christian Rein sein 75. Lebensjahr. AuS diesem Anlaß brachte ihm der hiesige Männergesang- verein, dessen Mitglied ter Jubilar seit Grün­dung des Vereins ist. ein wohlgelungenes Ständ­chen. In einer kurzen Ansprache würdigte tret Ehrenvorsitzende die Verdienste des Bürgermei­sters um den Mannergesangverein fotote um die hirsige Stadt, und überreichte tem Geburts- tagdkinte eine Urkunde über die Grnrnnung zum Ghrenmitgli te te« Ver.llis. Dürgerm ister Rein dankte tem Vereine für dir Ehrung in tetoegtm Worten. Bürgermeister Rein steht fast 39 Jahre an ter Spitze unserer Stadtverwaltung und ver­sieht sein verantwortungsvolles Amt noch in bester körperlicher und geistiger Frische. Der hiesige Mannergesangverein, unter ter bewährten Leitung des Lehrers Schmidt aus Kefsell-ach stehend, beabsichtiZt, am 26. Oamrar 1929 sein diesjähriges Wmterkonzekk im Saale ter Gastwirtschaft Ranft abzuchalten. Da hierzu auch Fräulein Freia Schmidt ihre Mitwirkung zugesagt hat, durste Gesangessreunten ein genuß­reicher Abend öevorstehen.

Dg. Großen-Buseck, 2. Jan. Wie all­jährlich in der S llvestemacht. versammelten sich auch diesmal wieder Hunderte von Gemeindr- gliedern auf hem Anger vor unsrer alten Kirche, um daS neue Jahr zu begrüßen. Rach mehrfach obwechfelndem Glockengeläute wrd Dant- und Bittchorälen deS PosaunenchoreS bs- alückwünschten sich Rachdarn, Verwandte und Freunde. Doch vermißt man einen schönen, vor dem Kriege noch geübten alten Brauch. Damals wurde nach Beendigung deS Glockenlautens von den Anwefenten gemeinsam das Lied ..Run ist das alte Jahr entflohn" gesungen. Vieleicht fahl eine Spinnstute den Entschluß, wenn dem Jahre 1929 zu Grabe geläutet ist, diese Sitte wieder aufzunehmen <

! Beuern, 2. Ian Dieser Tage hiell ter GesangvereinPolihymnia^ seine Ge­neralversammlung im Saale terGer­mania" ab. Die Rechnungsablage und ter Jah­resbericht zeigten, daß der Verein wirtschaftlich und gesanglich recht günstig dasteht. So erhielt er im abgelaufenen Jahr unter Leitung feine# Dirigenten H. Schomder in Homberg auf tem WerllrngSsingen unter 26 Vereine die beste Wer­tung. Bei der Vorstandswahl tourte tem seit­herigen, jetzt freiwillig zurücktretenten Vorsitze>v ten W. Hermann ter Dank der Versammlung ausgesprochen und an seine Stelle Reinhold Ranft zum L, H. Volk zum 2. Vorsitzenden gewählt. Im neuen Iabr wird sich der Verein an den beiten Bundessesten, die auch mit js einem Wertungssingen verbunden sind, und an einigen Sängerfesten ter Umgegend beteiligen.

I Bersrod. 2. Ian. Im vollbesetzten Saale von Hofmann fand am Svnntagvoend das dies­jährige Wintervergnügen des Gesangver­einsFrisch aus" statt. Rach einer An- prachc des 1. Vorsitzenden wurde ein abend» rillendes Theaterstück aufgeführt. Reicher Bei» all belohnte das flotte Spiel. Sowohl die Mu- ik. als auch die Sängerschar unter Leitung te# Dirigenten Volk, Beuern, leisteten Vorzüg­liches. Feinen Geschmack in der LiederauSwahl und gute Schulung in dem Vortrag verrieten be­sonder« die verhältnismäßig schwierigen Ghore: Schön Rothtraut" von Veit undILgerchoc" au« der OperCalypso". Rach Erledigung des Pro­grammes dankte ter 1. Vorsitzende allen Mit- wirkenden. besonders tem verdienstvollen Diri­genten. tem er als Geschenk einen Klavlerstuhl überreichte. Die schöne Musik hielt dann jung und alt bei flottem Tanz noch lange zufammen.

j) Lich, 2. Ian. Aus der jüngsten Sitzung des St^dtvorstandes ist folgendes zu berich­ten: Das Mitglieo Ludwig Fifcbcr ist durch Rücktritt aus dem Stadtvorstand ausgeschieden. Das an seiner Stolle in den Stadtvorstund neu ern­tende Mitglied Landwirt Christian Eise wurde von dem Bürgermeister in sein Amt eingeführt und durch Handschlag verpflichtet. Sodann fchrllt man zur Ersatzwahl Der durch das ausgcschiedene Mit­glied bedingten Lücken in den verschiedensten Kom­missionen und Deputationen. In den städtifchen Wohlfahrtsausschuß wurde Beiz. Ludwia 3b rin g, und in alle sonstigen Kommissionen und Deputationen das neu eingeirdene Mitglied Christian Eise ge­wählt. Der in einer der letzten Sitzungen ab» ;elehnte Tarif über die Erhebung eines W a s « ergeldes in hiesiger Stadt für das Rechnung«» cchr 1929 fand, nachdem der Bürgermeister in aus» uhrlicher Weise Stelluna genommen hotte, nunmehr die Zustimmung des Stadtoorstande«. In den her«

Weite Schweigen« im Stuble hoch, .Ich hatte keine Ahnung, daß ich e« bin, ter um Verzeihung zu bitten haü"

Brauchst ihm ja nicht nenaln, wer dir s gsagt hat. Der ist fähig und macht mit die schönsten Grobheiten. Rtcht einmal deiner Mutter hat man's milieUn dürsn. Du wirst schaun. Altar., tomn du ihn siehst! Ganz grau und verbittert und wortkarg! Geht alles auf dein Konto!"

, Alles auf mein Konto!" sagte Hstttngrnr nach.

Als Richttzofen ifan die Treppe hinabbeglei­tete. machte er sich Vorwürfe, so weih und ber» ändert stand Helling ms Gesicht vor ihm. /Kimm rnir'S nicht übel, Joachim, daß ich so öffn grebt hab!"

Rein! Rur da«: daß du so lange ae!chwie- gen hast!"

Da« hab ich ja jetzt gutgemacht i Es gibt; vieles im Leben, das man wieder zurech-richtn farm, wann man die geeignete Stund dafür nicht versäumt."

Als er zurückkau:. stand Maria an den Schreib­tisch g.lchnt und sah ihn auS glairzlosen Augen an. »Ich möchte hellngrhsn, Poldl.'

^Ia, Mizzerl! Und ich geh mit! Wachn wir erst zu Fuß eins kleine Pvomenad, bU die Rervon ein bisferl austobt habn. Dann fahrn wir da« letzte Stuckerl! Du und ich. schau müssn wir halt wieder beisammcnblei)N. wir zwei! Ghört hast alleS, was «-t gsagt hat!'

Sie nickte und druckte den Seinen Hut fest auf ihr Blondhaar. Dann lehnte sie den Kopf etwas ÄUriki und starrte ins Leere,Bit'-en kömlle ich ihn jetzt nicht mehr! Auch «Immer vor ihm knien! Aber sterben für ihn - das könnte ich noch!"

Wizzerl! So a?rn hast ihn!" Gc nahm sie wie ein verlas'enes Kind in die Arme und wiegte sie hin und her. Ä.-tn Wort kam aus seinem Munde, al« v<t die Tr.mrn ununterbrochen über tu Wana^r lte.en. Eine nach der anderen rvllien sie t!>m über die Finger.

(Fortsetzung folgt)