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Nr. 2 Erster Blatt
179. Jahrgang
Donnerstag, 5. Januar 1929
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Gilberts Jahresbericht und das Neparationskomitee.
Durch die blaue Brille des Generalagenten. — Keine gute Vorarbeit für die Sachverständigen. — Unverhohlene Befriedigung in Frankreich.
Gilberts Optimismus.
Der vierte Jahresbericht des Reparations- agenten hat aus zwei Gründen eine ganz be- sondere Bedeutung: erstens schließt er die ganze Uebergangsperiode ab, während deren die deutschen Leistungen noch nicht die Summe des Aormaljahres erreicht hatten und zweckens erfolgt er unmittelbar vor dem Zusammentritt der zweiten „D a w e s k o n f e r e n z".
Daß auf die letztere Tatsache von dem Verfasser Rücksicht genommen worden ist, bemerkt man an mehr als einer Stelle des Berichtes. Denn dieser unterstreicht mit einer auffälligen Geflissentlichkeit die Wiederher stellung normaler Zu stände, eine gewisse kon° stante Blüte der deutschen Wirtschaft und die Behauptung, Deutschland, oder mindestens das Reichsbudget sei auch zur Bewältigung der vollen vorgesehenen Dawesleistungen, also zur Zahlung von 2'/r Goldmilliarden im Jahr, nach Ansicht Parker Gilberts sogar auf die Dauer, i m st a n d e.
Aber der Bericht vermeidet es dabei, den springenden Punkt zu berühren: nämlich die im Dawesplan aufgestellte Forderung, daß diese Leistungen aus Hebers chüssen der deutschen Wirtschaft vollbracht werden sollten. Davon ist nach Lage der Dinge nicht die Bede, und auch die sehr iorgsältigen, durch ein gewaltiges Zahlenmaterial gestützten Ausführungen des Repara- tionsagenten vermögen das 'Bewußtsein dieser Tatsache nicht zu trüben Bei genauer Rachprü- sung konstatiert man im Gegenteil, daß auch Parker Gilbert selbst in bezug auf die bisherigen Leistungen nichts anderes feststellen kann, als daß sie rein budgetmäßig und im Rahmen der Steuerleistungen des deutschen Boltes aufgebracht und mit Hilfe der in den abgelaufenen vier Jahren hereingeströmten fremden Anleihevalutcn auch übertragen werden konnten. Richt aber, daß die deutsche Wirtschaft in der Berichtspcriode entsprechende Aktivüberschüsse erbracht hätte, die eine solche Zahlungsleistung und Transferierung aus eigenen Mitteln gestaten würd.n, wie sie mindestens für eine Dauerleistung dne selbstverständliche Voraussetzung wären
Parker Gilbert scheint selbst diesen Mangel zu empfinden. Deshalb führt er in fernem iZag- lenmaterial einen sehr umfassenden Rachwers darüber, daß die inneren Vermögenswerte, also die Sparguthaben, die Investitionen in verbesserten Betriebsanlagen usw. gewachsen sind. Das soll auch gar nicht bestockten werden, zumal es nach der vollkommenen Auspowerung des deutschen Volkes und der deutschen Wirtschaft am Endpunkte der Inflation eine selbstverständliche Rotwendigkeit ist, um über- Haupt wieder ein „going concern“ (so nennt Parker Gilbert die funktionierende deutsche Staatswirtschait) zu werben. Außerdem darf dabei nicht vergessen werben, daß viele scheinbar vernich' e'.e Vermögenswert e besonders auf dem Grundstücks- und Hypolhrtenmarkt, mit gesetzgeberischer Hilfe automatisch wieder in Erscheinung getreten sind.
Der Reparationsagent, der mit Bezug auf die Festsetzung der deutschen Endschuld, auf die Transfersrage und auf das Problem der alliierten Schuldenregelung eine ganz bestimmte Politik verfolgt , hat bei aller unbestreitbaren Neigung zur Objektivität seiner zahlenmäßigen und symptomatischen Feststellungen dein Bericht eine Tendenz gegeben, die nach unserer Kenntnis der Dinge in vieler Hinsicht optimistisch erscheint. Möge er recht behalten und mögen die neuen Sachverständigen auch die Gegenseite nicht übersehen, die Schatten genug auf dieses Bild wirft!
Berliner Echo.
Ein falsches Bild.
Berlin, 3. Jan. (Prio.-Tel.) Die Kommentare aller Berliner Blätter wenden sich gegen den im Jahresbericht des Reparationsagenten zum Ausdruck kommenden Optimismus unter Hinweis auf die besondere Bedeutung des Berichtes tm Hinbl.ck auf das bevorstehende Zusammentreten der Reparattonssachoerstänoigen-Konferenz. /v
Die agrarische „Deutsche Tageszeitung , die von schwerer Enttäuschung spricht, erklärt, man muß bei dem Bericht Parker Gilberts schon geradezu von einem ausgesprochenen W i l l e n zum Optimismus sprechen, wenn man sieht, daß er auf der Zufälligkeit der gebesserten Handelbilanz eines einzigen Monats irgendein wirtschaftliches Urteil glaubt aufbauen zu können. — Die oolksparteiliche „Deutsche Allg. Zeitung" sogt: Deutschland hat, um sich auf die Beine zu bringen, 4 I a hr e lang vom Borgen gelebt. Es ist dadurch nicht so gekräftigt worden, daß es für die Zukunft auf eigenen Füßen stehen kann Sein volkswirtschaftliches Kapital ist nicht einmal vermehrt worden. Deutschland hat von feinen Krediten nur sein Dasein fristen und seine Reparationen zahlen können. Versiegen diese Kredite, dann ist es auch mit seiner Leistungsfähigkeit zu Ende. — In der „Germani a", dem Berliner
Zentrumsorgan, heißt es: Parker Gilbert schießt doch wohl ganz beträchtlich überdasZielhin- a u s, wenn er behauptet, daß Deutschland nur unter denselben Schwierigkeiten leide, wie alle ehemals am Kriege beteiligten Nationen. Wenn man die heutige Wirtschaftslage Deutschlands und den Lebensstandard des deutschen Volkes mit den Zeiten des größten Elends und des völligen wirtschaftlichen, Zusammenbruches vergleicht, so muß man natürlich den Eindruck eines großen Aufschwunges gewinnen. Aber man gewinnt ein völlig falsches Bild, wenn man diesen Aufschwung zur Grundlage der Beurteilung unserer Wirtschaftsentwicklung in der Zukunft machen will und wenn man das Passiv-Konto unserer Wirtschaftsbilanz ganz außer acht läßt. — Aehnlich äußert sich die demokratische „Voss. Zeitung": Mit ein paar Indexziffern allein kommt man nicht aus. Man muß auch eine leibhaftige Vorstellung davon haben, wie cs einem Volk ergeht, in dem die Masse der Bevölkerung sich mit einem Einkommen von 2000 Mark jährlich einrichtcn muß. Das Blatt hofft, daß die Sachoer- ständigenkommiffion sorgfältiger, als es in dem Bericht des Reparationsagenten geschehen ist, die soziale Lage des deutschen Volkes prüft,
Paris, 2. Jan. (WTD.) Das Leitmotiv der Blätter, die den Bericht Parker Gilberts über das abgelaufene Reparationsjahr besprechen, ist das gleiche. Sie schreiben etwa wie der „Matin", der erklärt: Die Bemerkungen des Reparationsagenten beweisen, daß die Gläubiger Deutschlands keinen Grund haben, ihm eine Verringerung der Jahres- be träge zu gewähren; es fei denn, daß es seinerseits gewisse Anstrengungen unternimmt. Aber in Wirklichkeit konzentrieren sich alle Konzessionen in einer einzigen, die darin bestehen würde, zu erreichen, die Periode abzukürzen, auf die sich die Zahlungen erstrecken würden. Aus diesem Grunde, und nur einzig und allein darum, könnten die Sachverständigen dazu gebracht werden, eine Herabsetzung des Betrages vorzuschlazen, denn wenn man dem Berichte Parker Gilberts Glauben schenken wolle, sei es nicht die Prüfung der wirtschaftlichen und finanziellen Lage des Reiches, die sie zu einem ähnlichen Entschluß führen könnten. — Das „Echo d e Paris" seinerseits erklärt, die Deutschen werden plädieren, daß sie die geforderten Zah- hingen des Dawesplanes nur infolge der ihnen von Amerika geliehenen Summe von 9 Milliarden in den letzten vier Jahren hätten bezahlen können und daß es darum klug sei, die Zahlungsfähigkeit zu prüfen. Darauf kann man antworten, daß der Kredit eines Staates wie der Kredit einer Industrie oder irgendeines Warenhauses ein integrierender Bestandteil seiner normalen Hilfsauellen ist, und daß man das nicht außer acht lassen darf.
Die Abendpresse sucht den Bericht Parker Gilberts in der gleichen Weise auszunutzen wie die Morgenblätter. So schreibt der „Temps": Es wäre eine wirkliche Herausforderung des gesunden Menschenverstandes und des einfachsten Gcrechtigkci.sge'ühls, wenn man den Rationen neue Opfer aufzwingen würde, die die schwergeprüften Opfer des Krieges gerne en sind, während diejenigen, die für den Weltkonflikt verantwortlich waren, gerade dadurch eine Vorzugsbehandlung erleiden würden, dir d:e normalen Dedür:n'.s,e ihrer nationalen Wirtschaft nicht rechtfer.igen können. Wenn Deutschland, wie dies jetzt zu sein scheint, die neuen Annuitäten des Dawes-Planes bezahlen kann, ohne seine eigenen Existenzmittel zu gefährden oder die Entwicklung seiner Prosperität zu paralysieren, liegt keinerlei Gruno vor. von ihm nicht zu fordern, daß es loyal feine Pflichten erfülle. Jedenfalls muß unsere These auch darauf abzielen, eine Regelung zu erreichen, die die Schulden deckt, die wir während des Krieges bei Amerika und Großbritannien übernehmen mußten, um den Kampf bis zum Siege durchzuhalten, und die uns eine gerechte Entschädigung für die Wiedergutmachung der Schäden ermöglicht, die wir mit unseren eigenen Mitteln haben durchführen müssen.
Das „Journal des Debats schreibt: Die Aera der Bluffs ist vorbei. Die deutschen Minister würden gut tun, endlich darauf zu verzichten. Wenn sie auch in diesem Jahre noch die Armut Deutschlands, die Störung seines ftnanziellen Gleichgewichts, die Gefährdung des Transfers und das Schreckensgespenst der amen» kanifchen Anleihen plädieren, werden sie weiterhin ihre Verhandlungspartner reizen und die öffentliche Ordnung stören. Wenn sie aufrichtig den Frieden, den Ausgleich und vor allem die Aussöhnung wünschen, müssen sie sich endlich auf den Boden der gegebenen Tatsachen stellen und zur Verhandlungsgrundlage
bevor sie ihr Urteil fällt. — Das ebenfalls demokratische „Berliner Tageblatt" schreibt: Wer Deutschlands wirtschaftlichen Zustand und finanzielle Leistungsfähigkeit gerecht würdigen will, muß mindestens auch das Deutschland von heute mit dem Deutschland von 1912/13 v e r- gleichen. Damals exportierte Deutschland Kapital, damals erfreute es sich eines mäßigen Zinssatzes, damals deckten die Auslandgutbaben überreichlich die Passivität unserer Handelsbilanz. In der Wirtschaft ist zu vieles zwangsläufia, als daß die Tatsache des heutigen hohen deutschen Zinssatzes nicht zeigen würde, daß Deutschland noch immer an den Krücken des fremden Kapitals geht und die Kraft feiner eigenen Kapitalbildung gering ist. Wäre es anders, so hätte der deutsche Diskontsatz dem Diskontsatz feiner westlichen Nachbarn und der Vereinigten Staaten längst angeglichen werden müssen. — Das „T e m p o" vermißt, daß Parker Gilbert trotz seiner Vorliebe für Vergleiche einen Vergleich mit Frankreich heran- zieht, das bereits ein Jahr nach seiner Inflation nicht nur seinen eigenen Kapitalbedarf voll deckt, sondern bereits Geld in umfangreichem Maße i n s Ausland abfließen läßt.
die Elemente annehmen, die Parker Gilbert ge- fammell hat. — Die „Libertö" schreibt. Es ist offenbar, daß Paüker Gilbert durch seinen Bericht dem Ausschuß der unabhängigen Finanzsachverständigen, der in Paris zusammen- treten soll, eine vollständige, zweckentsprechende Dokumentierung zu übergebm wünscht, namentlich hinsichtlich der Frage einer neuen Abschätzung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands.
Geteilte Meinung m England.
Den Sachverständigen wird ihre Aufgabe erschwert.
London, 2. Jan. (TU.) Der zusammen- fassende Bericht Gilberts hat in allen Kreisen Englands größte Beachtung gesunden. Die darin gezogenen Schlußfolgerungen werden nicht überall geteilt und es fehlt nicht an Stimmen, die die Veröffentlichung des Berichtes im gegenwärtigen Augenblick für inopportun halten, weil er zu einer Erschwerung der Aufgaben des Reparakionsausschusses führen müsse. Es ist ziemlich sicher, daß es in England eine Reihe von Wirtschaftlern und Finanzleuten gibt, die den Optimismus des Reparations-Agenten nicht teilen und die Leistungsfähigkeit Deutschlands ziemlich richtig einschähen. Da aber Englands stimme für die Endregelung der Repacattonen nicht von diesen Kreisen, sondern von der zahlenmäßig und dem Einfluß nach weitaus stärkeren Gruppe geführt wird, die der Theorie huldigt, daß die deutsche Leistungs ähigkeit kaum zu hoch an- gesetzt werden kann, so ist der schädliche Einfluß des Berichtes auch in England nicht von der Hand zu weisen.
Englands Haltung bei der Reparations-Endregelung ist bis zu einem gewissen Grade von vornherein gegeben. Es strebt auf eine Lösung hin, die ihm bei der Beibehallung des bisherigen Verteilungsschlüssels aus den Reparationen jährliche Einnahmen verschafft, die zusammen mit den ©infünften aus den vev- »schiedenen Schuldenaokommen ausveichen, u m Amerika zu befriedigen. Es ist beachtenswert, daß eine einmalige Kapi- talsumme in der Höhe, daß sie zusammen mit den Eingängen aus den Schuldenabkommen für die Erfüllung des Schuldendienstes an Amerika ausreichen würde, in London nicht als annehmbar gilt. Die englische Forderung birgt daher nicht in ihrer Höhe, sondern in ihrer Laufzeit von 62 Jahren die Hauptgefahr in sich. 3m übrigen war man in Londoner diplomatischen Kreisen schon seit langem darüber unterrichtet, in welchem Ausmaß der Reparationsagent den Argumenten Poincaräs nachkommen zu müssen glaubte, und nimmt wohl an, daß noch einige andere Gründe den Reparationsagenten zu einer Haltung veranlaßten, die Deutschland schwerlich Vorteile bringen kann.
Auf Heller und Pfennig.
Keine Herabsetzung der amerikanischen Kriegsschulden.
Paris. 2. Jan. (WB.) Dem Rew Pork Herold wird aus Washington gemeldet: Trotz der großen Hoffnungen, die Europa auf die Mission Parker Gilberts, der nach Washington abgereift fei, setzt, müsse erklärt werden, daß Präsident Coolidge und der künftige Präsident Hoover unabänderlich gegen jede Streichung oder Herabsetzung der Kriegsschulden seien, auf die Europa anscheinend
hoffe. Außerdem feien Coolidge und Hoover fest entschlossen, keine offizielle Teilnahme der Vereinigten Staaten an den Beratungen zur Lösung des Reparationsproblems zu gestatten. Sie seien nicht der Ansicht, daß die Reparationen und die alliierten Kriegsschulden zwei miteinanderver- b u n ö c n e Probleme seien. Don hochstehenden Persönlichkeiten erfahre man, daß die Alliierten etwas Endgültiges von den Vereinigten Staaten wünschten und hofften, daß Parker Gilbert in der Lage fein werde, trotzdem Coolidge und Hoover dagegen seien, dies zu erreichen. Sie wünschten eine klare Auskunft Darüber, daß Amerika bereit sei, an den Kriegsschulden nachzulas sen , wenn die Alliierten hierfür als Entschädigung die alsdann zu vereinbarende Summe sofort in Gold bezah- l e n würden. In diesem Falle könnte auch mit Deutschland die Frage geregelt werden, inwieweit ein Nachlassen an den von Deutschland zu zahlenden Reparationen möglich fein werde, unter der Voraussetzung, daß Deutschland seinerseits sofort in Gold bezahlt.
Eins Reparationsregierung gefordert.
Ein stabiles Koalilionskabinett.
Berlin, 3. Ian. (I1L) Mit Rücksicht darauf, daß die Reparationssrage, deren Lösung das Schicksal des deutschen Volkes für den Zeile au m mindestens einer Generation bestimmen wird, in das Stadium ernster Entscheidungen getreten ist, stellt die „9.21.3“ die Forderung auf, daß die Behandlung der Reparationsfrage, wie das in Frankreich bereits bestehe, auch in Deutschland offiziell zentralisiert wird. Seit der Annahme des Dawesplanes liege die Federführung in der Reparationsfrage beim Reichssinanzministerinm. Rach Lage der Dinge habe bereits in den letzten Monaten das Auswärtige Amt entscheidende Verhmidlun- gen zu führen gehabt. Es seien Entscheidungen zu fallen, die weder rein finanziell noch rein außenpolitisch getroffen werden könnten, sondern auch für wirlschosts- und Sozialpolitik auf Iahre hinaus maßgebende Tatsachen schassen würden. Man könne daran denken, die bestehende „Arbeitsgemeinschaft“ der an der Reparationsfrage beteiligten Ministerien weiter auszubauen. Das würde ober einen zu schwerfälligen Apparat in Gang sehen, wenn nicht eine autoritäre Persönlichkeit in die Lage verseht wäre, die Linzelmeinungen jeweils sofort zu vereinheitlichen.
Weiter weist das Blatt darauf hin, daß im jetzigen Stadium die Reparationsftage im eng ff en Zusammenhang zur Frage der Regierungsbildung getreten fei. Das Blatt fordert, daß noch im Ianuar eine stabile Reparationsregierung gebildet werde, da, was man wohl bedauern aber nicht entbehren könne, bekanntlich nur eine Regierung der Großen Koalition in diesem Reichstag in Frage komme, sollte der Reichskanzler sofort nach Rückkehr Verhandlungen einleiten und beschleunigt znm Abschluß bringen. Für eine Regierung der Großen Koalition spreche außerdem noch eine weitere Erwägung: Es handele sich in der Reparationsfrage nm Verhandlungen, die dec Gegenleistung der deutschen Wirtschaft bedürfen und es sei im Anstande bekannt, daß Deutschland diesmal ent- schloßen sei, nach den Worten des Prälaten Kaas: „Lieber ein klares Rein, als ein fal- s ch e s Ja“ zu sprechen. Für eine geschäftsmäßige und nüchterne Lösung scheine daher eine Regierung notwendig, in der die D i r t s ch a f t ein entscheidendes Wort mitzusprechen habe.
Eine seltsame Aktion.
Rußland verlangt in Warschau und Kownv sofortiges Inkrafttreten des .Kelloggpaktcs.
Berlin, 3. Jan. (Prio.-Tel.) Die Moskauer Regierung hat zur nicht geringen ^leberraschung Polens dem Kabinett in Warschau die beschleunigte Annahme des von beiden Staaten unterzeichneten Kellogg-Paktes vorgeschlagen: und zwar wünscht Rußland, daß der Vertrag schon bindende Kraft erhält, bevor er vom Parlament ratifiziert worden ist. Die gleiche Anregung ist der l i t a u i f ch e n Regierung in Kowno zugegangen. Es ist gewiß erfreulich, daß die Russen sich um die Herstellung eines „ewigen Friedens" bemühen, wir glauben aber nicht, daß sie damit Erfolg hoben werden. Polen behauptet fortgesetzt, es werde durch Sowjetrußland bedroht, die Russen behaupten dasselbe von den Polen, so daß eigentlich schon ein guter Grund für die beschleunigte Annahme des Kellogg-Paktes vorhanden wäre. Polens politische Ziele sind aber zur Zeit so ge-
Genugtuung in Maris.
Französische Blätterstimmen znm Bericht Parker Gilberts.


