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Nr. 282 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, 2. Dezember 1929

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Verträge im Wortlaut zur Stellungnahme unter,

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die von der Derwaltungsreform geschaffene Stim­mung. so muh man Befürchtungen hegen. Hof­fentlich täuschen sich die Ratgeber des könig­lichen Diktators nicht über den zähen Lebens­willen dessen, was auf dem Boden des jetzigen Königreichs Südslawien historisch gewachsen ist.

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Die Ausstellung wurde gestern, Sonntagvor- rnittag, der Oeffenllichkctt übergeben. Der 1. Vor-

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die anderen Gaswerke betrifft, so stehl es einzelnen Gemeinden frei, über deren Weiterbetrieb zu entscheiden.

Aufsichtsratssihung der Hekoga, der die

sitzende des Kunstoereins, Landgerichtsdirektor a. D. Bücking, hieß die Erschienenen willkommen, er­läuterte den Sinn und die Notwendigkeit der Künst­lerhilfe und forderte die Besucher zu eingehender Besichtigung und zu reger Beteiligung an der Ver­losung auf. Die Weihnachtsausstellung dauert bis zum 23. Dezember und ist nn folgenden Tagen zu­gänglich: Sonntags 11 bis 13, 15 bis 18 Uhr, Montags 11 bis 13 Uhr, Mittwochs 11 bis 13, 15 bis 19 Uhr, und Freitags 11 bis 13 Uhr. Ein recht leb­

ten bis zum offenen Ausbruch des 11 n Millens steigern und die Bevölkerung der übri­gen Provinzen ebenfalls dem gegenwärtigen Regime entfremden werden.

Man muß andererseits anerkennen, daß die Dik-

Gelegenheit zu einer längeren Rede, in der er dle Ziele des Stahlhelms darlegte und sich er­neut für den Volksentscheid aussprach. Am Sonntagvormittag fand ein Platzkonzert der Stahlhelmkapellen auf dem Para de platz statt,^wäh­rend sich am Nachmittag etwa 400 bis 500 Stahl- hclmcr zu einem Stahlhelm-Appell aus dem Parade­platz und anschließend zu einem Vorbeimarsch an dem Bundesführer auf dem Marienplatz zusammen­gefunden hatten. Am Abend fand dann erneut eine vaterländische Kundgebung in der Woogs-Turnhalle statt, bei der der Bundessührer und der Führer des Hessischen Landesverbandes über den Stahlhelm und feine Aufgaben im heutigen Staat sprachen.

Bei der Abfahrt des etwa 250 Mann starken Frankfurter Stahlhel mtrupps kam es heute abend auf dem Darmstädter Hauptbahnhof zu Schlägereien zwischen Zivilisten und Stahl­helmleuten. Auf telephonisch 'Verständigung der Frankfurter Schutzpolizei wurden die Stahlhelmer au? dem Frankfurter Hauptbahnhof von der Polizei in Empfang genommen und nach Waffen durchsucht, doch wurde nichts gefunden. Sämtliche Teilnehmer wurden feftgenoinmen.

mager die Slowenen und Kroaten zwingen, Ser­be n zu werden.

Aber bedenklicher noch als die Ramensände- rung des südslawischen Staates wirkt auf die Kroaten und Slowenen die Verwaltungs- ref orm, die 33 bestehende De-artemrnts durch neun Banate erseht. Bisher fielen die Grenzen dieser 33 Departements mit den Derwaltungs- grenzen jener Gebiete zusammen, aus denen das südslawische Königreich gebildet worden war. Cs handelt sich in der Hauptsache um sechs historische Staaten, nämlich um Serbien. Makedonien (Süd- Serbien), Montenegro, Bosnien und Herzego­wina, Kroatien und Slowenien. Die verschiedenen Dölkerschaften Südslawiens hielten starr an den Barnen und Grenzen ihrer Länder fest, denn diese Barnen und diese Grenzen waren unver­brüchlich mit allen Traditionen und mit jeder nationalen Kultur verbunden, die diese Bölker- schaften an ihre Jahrhunderte alte Geschichte er­innerte. Weder die Türken, noch die Madjaren, noch die Oesterreicher sind auf den Gedanken verfallen, die Bamen dieser Länder auszulöschen. Und es ist eine Ironie der Geschichte, daß ein solcher Versuch gerade durch eine slawische Regierung erfolgen mußte.

Die Reform hat in merkwürdiger Uebereinstim- inung mit der großen französischen Revolutions­reform von 1790 alle historischen Bamen der Länder ausgelöscht und erseht sie, ganz wie bei den französischen Departements, durch Fluß- bezirke: Drau, Save, Drin, Donau und Var­dar. Die vier restlichen Banate bekommen einen Bamen, der geschichtlich kaum begründet ist. Aber nicht allein die Bamen der Länder, aus denen Südslawien gebildet wurde, werden ausgelöscht, auch die Länder selb st werden zwischen die einzelnen Banate aufgeteilt. So geschieht es mit Kroatien, dem widerspenstigsten Lande, das unter vier Banaten aufgeteilt wird, mit Bosnien, das an zwei fällt und so fort. Länder, die wie Kroatien Jahrhundert lang eine unteilbare nationale Einheit bildeten, werden in Stücke zerschlagen und diese Stücke mit anderen Gebieten vereint, die eine andere Reli­gion, eine andere Kultur, oft selbst eine fremde Sprache haben. Die neuen ©ouDerneure erhalten den BamenBann s". Die Belgrader Regie­rung wollte wohl mit diesem Titel eine Ver­beugung vor den Kroaten machen, denen der Bame und das Amt eines Danus teuer ist. Aber entweder kennen die Ratgeber des Königs nicht die kroatische Geschichte oder sie haben die Kroa­ten unterschätzt: denn für Kroatien bedeutet der Titel Danus einen Dizekönig, wie er einst in Vertretung des Königs von Ungarn und Kroatien in Agram selbständig residierte, Land­tage eröffnete und kroatische Minister ernannte. Was hat dieser noch dazu aus dem kroatischen Volk selbst entnommene Vizekönig mit dem ser­bischen Funktionär zu tun, den man in Kroatien an der Spitze jedes Banats zu finden fürchtet?

In der Begründung der Reform heißt es, daß für sie der Wunsch nach Dezentralisation maßgebend gewesen sei. Aber es ist doch keine Dezentralisation, wenn man alle Macht auf Gou­verneure und ihre Polizei überträgt, die von Belgrad dirigiert werden! Es ist deshalb gar nicht verwunderlich, daß diese Reform eine tiefe Verstimmung in ganz Jugoslawien ausgelöst hat. Es hat sich weder in Agram, noch in Laibach oder Serajewo auch nur eine einzige bedeutendere Zeitung gefunden, die die Derwaltungsreform gebilligt hätte. So ist tat­sächlich zu befürchten, baß sie statt zu einen, nur neue Unzufriedenheit schafft, und die separatistischen Ideen, vor allem der Kroa­ten, stärkt. In Paris und in Prag glaubt man, daß die Diktatur in Jugoslawien unerschütterlich feststünde. Untersucht man an Ort und Stelle

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Existenz MriiiMn meiiiubcresjuDeei icher Anstellung für ins nachgewiesenen ait Lebensmitteln, cb.l Vorkenntnisse a Anlernung durch notwendigen Uten- ,el usw. werden nr Bedingung: Bewer- Ihlen, luftigen Raum oster zur Lage« ne kleineSicherheit n stellen. Angebote m Bewerbern, wehr »n unter H. N. 6/ti ner Anzeiger.

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einen Einheitsstaat, mit zentralisierter, ein- heitlid) von Belgrad geleiteter Perwaltung, ferner Beseitigung aller nationalen und kulturellen Eigen­arten, die bisher die verschiedenen Nationen als inlche kennzeichneten, aus denen nach dem Kriege mit mehr oder weniger Gewalt der jugoslawische claat geschaffen morden war. Diese Vereinheitlichung hat man in Belgrad als Voraussetzung für die Exi­stenz Südslawiens erkannt, und man sucht sie nun ialgcrichtig zu erkämpfen, da man den anderen Weg, her möglich märe, nämlich die Gleichberech­tigung aller Stämme in einem Bun- b c 5 ft a a t, vermorfen hat. Wird es gelingen? Bis­her besagte der NameKönigreich der Serben, Kroa­tien und Slomenen" auch offiziell, daß sich dieser Staat abgesehen von den deutschen, madjarischen, rumänischen, albanischen und anderen Minderheiten aus drei flämischen Völkern zusammensetzte, die . wenigstens in der Theorie dieselben Rechte besaßen, rnibererfeits aber auch ihre nationale Eigenart be­wahren durften.

Zudem Belgrad den Namen des Königreichs SHS biird) den des Königreichs Südflamien ersetzt, doku- mentiert es feinen Willen, diese drei Völker i n I j eine einzige Nation, nämlich in eine fer» ' bische, umzuwandeln und die Kroaten und die Slo-

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WSB. Darmstadt 30. Bov. Dom Vor­stand der Hekoga wird über den Stand der Gasversorgungsfrage in Hes - s e n und die bevorstehenden Verhandlungen des Aufsichtsrates der Hekoga folgendes mitgeteilt:

Gemäß dem Beschluß der letzten Generalver­sammlung vom 4. Juli d. I. hat der Vorstand die Verhandlungen über die Möglichkeiten der Gasbeschaffung für die in der Hekoga zusammen- geschlossenen kommunalen Verbände fortgeführt. Als Ergebnis wird vom Vorstand nunmehr dem Aufsichtsrat eine Reihe von Verträgen vorge- legt, deren Kern

ein 30jäfjriger ©aslieferungsoerfrag zwischen der hekoga einerseits und der Ruhrgas A.-G. in Essen sowie der Ferngasgesellschafl Saar m. b. h.

andererseits

bildet. Damit ist es also gelungen, eine der Hauptforderungen der in der erwähnten Gene­ralversammlung gefaßten Entschließung zur Durchführung zu bringen, wonach den be­rechtigten Interessen des Saarge- bietes Rechnung getragen werden sollte. Die Saar-Gasgesellschaft ist nunmehr bei der in Aussicht genommenen Ferngasbelieferung von Südwestdeutschland in vollem Umfang als gleich­berechtigter Vertragspartner an die Seite der Ruhrgas A G. getreten. Bei der ersten größeren in Frage stehenden Ferngaslieferung in Süd­westdeutschland sind also die Wünsche des Saar­gebiets berücksichtigt worden. Einem wichtigen volkswirtschaftlichen und nationalpolitischen In­teresse, dem im Hinblick auf die Rückgliederung des Saargebietes besondere Bedeutung zukommt, wurde damit unter Wahrung der Inter­essen der Hekoga-Kommunen zugleich Genüge geleistet.

Der Vorstand hat auch die von der General­versammlung gewünschte Prüfung des Vorschla­ges über die Herbeiführung einer gemein­samen Produktionsbasis zwischen der Hekoga und der SüdwestdeutschenGas A. G. vorgenommen. Die in Verfolg dessen fort­geführten Verhandlungen haben aber k e i n E r - gebnis gezeitigt, so daß zur Lösung der Gas­frage, die für viele hessische Gemeinden nach­gerade zu einem brennenden Problem geworden ist, nach Lage der Dinge nunmehr die Fertig­stellung der Vertragsentwürfe über den Fern­gasbezug geboten war.

Bei diesen Verhandlungen über die Gestaltung der Ferngasbezüge hat der Vorstand entsprechend seiner Einstellung, nicht bloß ausschließlich auf

die Versorgung des Hekoga-Gebiets bedacht zu sein, seine Bemühungen darauf gerichtet, daß möglichst alle von der Entscheidung der Hekoga tangierten Interessen berücksichtigt werden. Ra- mentlich find zu diesem Zweck die Verträge so ge­staltet worden, daß

auch den Kommunen im Bachbargebiel der hekoga der Ferngasbezug unter loyalen ve> dingungen ermöglicht

wird. Dieser Gesichtspunkt war auch bei dem Auf­bau der von der Ruhrgas, Eaargas und Hekoga zu gründenden Fernleitungsgefell- s ch a s t maßgebend, die den Dau der Haupt- durchgangsleitung vonSiegen (W e st- falen) durch Oberhessen b i s zur Süd- grenze des Volks st aates Hessen durch­fuhren soll. In dieser Südwestdeutschen Fern- leitungsgesellschaft m. b. H. (S. F. G.) soll das 6 Mill. Mk. betragende Stammkapi­tal je zur Hälfte von der Gruppe Ruhr- gas-Saargas als Gaslieferanten und der He- koga als Gasbezieherin übernommen werden, wo­bei vorgesehen ist, daß den im Bachbargebiet der Hekoga noch hinzutretenden kommunalen Abneh­mern unter gewissen Voraussetzungen ebenfalls Geschäftsanteile an der Fernleitungsgesellschaft übertragen werden können, so daß auch sie an dem Gastransportgeschäft teilnehmen können.

Diese Destimmungen über die Fernleitungs- gesellschaft sind, wie einige andere, vornehmlich deshalb in das Vertragswerk eingebaut worden, um eine möglichst einheitliche Lösung des Gasversorgungsproblems im Rhein-Maingebiet zu ermöglichen. Die Aussichten auf eine solche einheitliche Lösung sind gewachsen, seitdem aus den Kreisen der Süd - westdeutschen Gas - A. - G. im Lause der letzten Zeit offizielle Verlautbarungen erfolgt sind, die besagen, daß einem zusätzlichen Ferngasbezug in gewissem Umfange dort keinerlei grundsätzliche Bedenken entgegenstehen.

Die Zukunft des Mainzer Gaswerks soll in einem besonderen Vertrag geregelt wer­den. Danach soll das Mainzer Gaswerk von der Ruhrgas - A. - G. weiter betrieben und als Stützpunkt und Hauptreserve für das Hekogagebiet aufrechterhalten werden.

Südwestdeutsche Stahlhelmtagung in Darmstadt.

WSN. Darmstadt, 1. Dez. Gestern und heute hielt der vor kurzem gegründete Landesver­band Hessens des Stahlhelm. Bundder Frontsoldaten seine südwestdeutsche Taaung ab. Da in Hessen selbst verhältnismäßig wenig Mit­glieder wohnen, war der größte Teil der Tagungs­teilnehmer aus Frankfurt a. M., Baden, Bayern und Württemberg hierhergekommen. Die Samstag- tagung begann mit einer Rede des Bundesführers Seldte vor den Akademikern. Abends schloß sich ein Fackelzug von etwa 200 Stahlhelmern durch die Straßen der Stadt an. Ein Deutscher Abend in der überfüllten Turnhalle gab dem Bundesführer Seldte

Die Ferngasversorgung Hessens

Eine Erklärung des Hekoga-Vorstandes.

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MW? Oberhessischer Kunstverein

laiur folgerichtig handelt. Die jüngsten Maß­nahmen sollen nämlich dazu dienen, das Ziel errci- äsen zu helfen, das sich der König Alexander bei der Proklamation der Diktatur gesetzt f)at. Nämlich: Umwandlung des 8rl8-Staates in

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Hafter Besuch ist im Interesse der hessischen Künst­lerschaft dringend zu wünschen.

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Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Agram, November 1929.

Die Umbenennung desKönigreichs der Serben, Kroaten und Slowenen" in »Königreich Süd - i lawie n", sowie die neue Derwaltungsreform dieses Staates Maßnahmen, die beide vor einiger Seit mit so starkem, von einer gewissen Propaganda nicht ganz freiem Lärm verkündet worden sind, stel­len vielleicht die kühnsten Handlungen dar, die die Äelgrader Negierung bisher unternommen hat. An­dererseits ist es jedoch mehr als zweifelhaft, ob diese Maßnahmen gerade besonders klug und erfolg- versprechend sind. Es ist vielmehr vorauszusehen, daß diese Refonnen den stummen Protest der Kroa-

Alles in Ordnung!

Von Hans Franck.

Das Theater einer großen deutschen Stadt wollte anläßlich einer Morgenfeier, in der ich vorlesen sollte, eine Szene aus einem meiner Dramen spie­len. Man bat mich um Vorschlag von Geeignetem. Ich nannte zur Auswahl mehrere Szenen aus mei­nemStaus Michel" und wies daraufhin, daß in diesem besonderen Falle die Loslösung möglich sei, ohne daß dadurch das Ganze gefährdet werde und die herausgerissene Szene unverständlich bleibe, was bekanntlich im allgemeinen, also bei Dramen mit einer geschloffenen Einzelhandlung, durchaus nicht der Fall wäre. Man war entzückt von diesem Vor­schlag und stimmte meinem Hinweis als Hervor­hebung einer allbekannten Tatsache zu.

Wenige Tage vor der Aufführung erhielt ich einen Eilbrief, daß man austechnischen" Gründen keine der wundervollen Szenen aus meinem herrlichen Klaus Michel" spielen könne: man habe sich ent­schließen müssen, die fünfte und die siebente Szene aus meinem Friedrich-DramaGeschlagen!" zu spie­len und bäte um meine Einwilligung. Ich war wü­tend. Ich dachte gar nicht daran, meine Einwilli­gung zu geben. Ich war des festen Willens zu schrei­ben: Wenn manGeschlagen!" nicht ganz spielen könne oder wolle, dann solle man es ganz ungespielt lassen: denn gerade bei diesem geschlossensten aller meiner Stücke sei die Loslösung grober Unfug. Aber es ging mir wie Hofmannsthal. Den fragte einmal jemand: Was ihm lieber wäre, von einem ausge­zeichneten Kritiker getadelt ober von einem schlechten Kritiker gelobt zu werden: worauf er antwortete: Loben sollen sie!" Der deutsche Dramatiker in mir, vor die Wahl gestellt, ob Unsinniges von ihm ge­spielt werden solle oder nichts, antwortete:Spie­len sollen sie!" Ich schrieb also zurück, daß ich die Programmänderung zwar lebhaft bedauere, aber in

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frische Aquarelle aus lockerem Handgelenk: von Lotz farbkräftige, dekorative Blumenstücke: von List außerdem eine große, pastös gemalte Schwarzwald- Landschaft, eine tüchtige Arbeit. Ganz ornamental stilisiert sind die Blumenstücke von Kranz (schon früher hier gezeigt): zwei Freilichtstudien von G eist und eine sonnige hessische Herbstlandschaft von Eimer sind weiterhin zu erwähnen.

Steinbach (Gießen) hat wieder eine größere Gruppe von Arbeiten ausgestellt, die in ihrer Ge­samtheit einen gediegenen und sympathischen Ein­druck hinterlassen. Die sehr energische Malweife, die man von früheren Ausstellungen her kennt, ist ruhiger und reifer geworden: die schweren, unge­brochenen Farben, Kraft und Charakter im Bild- ausdruck bestechen allenthalben das Auge des Be­schauers: auf zwei sehr getonnte Aquarellporträts (in der Vitrine) fei außerdem nachdrücklich hinge- wiefen.

Ein schönes Bild, leuchtkräftig und pastös gemalt, ist das Chrysantemen-Stilleben von Langebar - tels: außerdem wäre eine Helle, ein wenig ver­schwommene Frühlingslandschaft zu notieren. Von Seite: eine KompositionDächer" und ein Still­leben mit Rittersporn. Will zeigt außer mehre­ren Bildnissen und einem aparten Stilleben mit Nelken eine große, dekorativ wirkende Lahnland­schaft, welche die Rückwand des Saales beherrscht.

Barnas ist ebenfalls ein guter Bekannter im Kunstverein:Am Fuße des Dorfes" undReifen­des Obst" heißen Heuer feine hessischen Motive. Einen feinen Landschaftsausschnitt, alte Ruine in Königsberg, bringt Stegmayer (Darmstadt): Landschaften sieht man ferner von 0 n ck e n und F e 1 ch n e r. Rohrbach hat sich, seit wir ihn zu­erst sahen, merklich verbessert: am reifsten erscheinen uns von seinen diesjährigen Arbeiten die fügend im Freien" und ein Stilleben.

Graphiken von Posch, Bode, Klip st ein, Veite, Will, Barnas, Kranz und Küchel. Das Kunstgewerbe ist mit Arbeiten von Küchel Gebrauchskunst in Silber; Schmuck in Form von Anhängern, Broschen u. bgl., und von Thea Schenck (Darmstadt) vertreten, welche allerlei nütz­liche Dinge wie Mappen, Bucheinbände, Kästchen und Papierkörbe in gefälliger Ausführung zur Schau stellt. Eine Anzahl von Arbeiten, die aus Raumgründen nicht gehängt oder ausgelegt werden konnten und in Mappen vereinigt find, feien eben­falls dem Interesse der Besucher empfohlen.

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v cihnachtö-Ausstcllnng Künstlerhilfc 1929

Die Künstlerhilfe ist ein mit staallick)en Mitteln ein» «nchtetes Unternehmen, das der mit der wirtfchaft- iidyn Not schwer ringenden Künstlerschast einen be- Mibenen Ertrag für ihr künstlerisches Schaffen idjern will. Die Preise find so gehalten, daß jeder- nann in der Lage ist, ein originales Kunstwerk zu iröcrben. Ausgestellt sind Delgemälbe, Aquarelle, . ha adzeichnungen, Kunstgewerbe und Graphik.

An der diesjährigen Weihnachtsausstellung sind nsgesamt 26 hessische Künstler und Künstlerinnen lefciligt. Der folgende Ueberblick erhebt aus nahe- li egenden Gründen keinen Anspruch auf Vollstän- kajicit, er will zum Besuch der Ausstellung, zur Be- fijeftigung mit den vorgeführten Arbeiten und lon allen Dingen und nach Möglichkeit zum ' taufen anregen.

5m Einzelnen seien etwa die folgenden Hinweise ie[itattet. Carl Fries, hier feit langem bekannt IO geschätzt, ist mit einer Serie ansprechender adschaftsvildsr und Stilleben vertreten, von denen lit meisten gleich am Eingang zusammengehängt (n_b. Don dem Darmstädter « cheld findet man ibenfalls bekannte Motive: elegante, schnittig hin- rschte Reiter- und Pferde-Jmpressionen: seinem riclftil kommt die leichte, fließende Aquarellmanier sh.c zustatten. Don Toller, Darmstadt, sei eine taffrühlingslandschaft der Beachtung empfohlen.

3er Gießener Stephan bringt außer seinen leEannten Federzeichnungen (Greifenstein, Runkel) lit smal auch malerische Arbeiten, ebenfalls nach hes- jicijen Motiven: auf eine Landschaft mit Gleiberg mit Vetzberg sei besonders hingewiesen. E,n Blu- nMftüd und Landschaften sieht man von Reute r.

Äach längerer Pause ist auch K i e h l (Lang-Göns) lieber mit einigen neuen Bilder vertreten, die jiint Wertvollsten gehören, was die Ausstellung lie iet; eigenartig und durchaus selbständig in der !lu ifassung, kultiviert in der Farbe, ganz modern in kr Technik, aber nirgends ohne Ausdruck, ohne .Stimmung", ohne Gefühl: wir nennen eine Win- Illmdschaft, ein Stilleben und ganz besonders den üchmittag im Spätherbst", eine ausgezeichnete lei itung.

Weiterhin sieht man hübsche Aquarelle von L ist, cn< große Kollektion von Gemälden und Federzeich­nungen des verstorbenen Barthel, Landschaften iom B a h n e r, und ein gemütvolles Interieur von Mit h. Maus (Bad-Nauheim) zeigt ein sehr wo- L'rn aufgefaßtes Stilleben und daneben ein paar

Anbetracht dertechnischen" Gründe, die ich als langjähriger Dramaturg aus eigener Erfahrung kenne, mit der Aufführung der fünften und her siebenten Szene vonGeschlagen!" einverstanden sei.

Bei meiner Ankunft in der obgedachten Stadt fragte ich die Theaterleute:Wie in aller West seid Ihr nur auf die blöde Idee gekommen, statt einer in sich selbst ruhenden Szene meinesKlaus Michel", zwei unselbständige Szenen, noch dazu zwei ge­trennte Szenen ausGeschlagen!" herauszureißen ?" Man blieb hartnäckig bei dentechnischen" Grün­den. Am Abend lernte ich eine Dame der Gesellschaft kennen. Die bekannte sich freudestrahlend dazu, daß die sicherlich auch von mir als ausgezeichnet an­gesehene Idee, zwei Szenen aus meinem Friedrich- Drama zu spielen, im Grunde genommen auf sie zu­rückginge. Natürlich fand ich die Idee ausgezeich­net, war aber neugierig genug zu erfahren, auf welche Weise sie zu ihrer ganz ausgezeichneten Idee gekommen fei. Die Antwort lautete:Ich liebe Ihre .Tage des Königs' über alles." Worauf ich erwi­derte:Das freut mich ungemein, gnädige Frau! Freut mich um so mehr, als die .Tage des .Königs* nicht von mir, sondern von Bruno Frank sind."

Am andern Tag mußte ich zu Beginn meiner Vorlesung eine Ansprache halten, durch welche den Zuhörern das Verständnis der beiden herausgeris­senen Szenen ermöglicht wurde. Ich wies zur Ver­meidung weiterer Mißverständnisse darauf hin, baß ich nicht der Frank wäre, der dieTage des Königs" und dieZwölftaufend" geschrieben hätte, aber auch nicht der Frank, von welchem dieRäu­berbande" sowieKarl und Anna" stammten. Die wären von meinen beiden literarischen Vettern, und .zwar jene von Bruno Frank, diese von Leonhard Frank. Ich aber wäre Hans Franck, der Franck also, welcher dieGodiva" und dieSüdseeinsel", das Pentagramm der Liebe" und denRegenbogen" geschaffen hätte.

Nach meiner Morgenfeier kam die Dame, auf welche die Wahl der Szenen ausGeschlagen!" zu­rückging, auf mich zu: Sie hätte noch gar nicht gewußt, daß ich mit Bruno Frank und Leonhard jjranf verwandt fei. Aber wenn dasselbe Blut in unfern Adern rolle, sei die kleine Verwechslung, die ihr am Tage vorher unterlaufen wäre, doch nicht so schlimm: dann fei eigentlich alles in Ordnung. Um mein Zähnefletschen zu verbergen, verbeugte ich mich zustimmend, schob meine Gesichtszüge beim Abwärtssehen wieder zurecht und sagte, nachdem ich mich aufgerichtet hatte:Alles in schönster Ordnung, gnädige Frau!"

menen zu zwingen, ihre geschichtliche Tradition und ihre nationale Kultur aiifjugeben und sich in Zu- Irnft (wie diese Völker jetzt befürchten), als Serben

zweiter Klasse zu empfinden. Dieses Ziel der Re- lorm verbirgt sich nach Ansicht der Kroaten und Slo­wenen nun hinter einem ziemlich naiven Vorwand.

der Begründung, die die Proklamation der Na- mensummandlung begleitete, hieß es nämlich, diese - Umwandlung wäre die Erfüllung des Traumes und bie Erreichung des Zieles des berühmten kroatischen Pi schoss von Agram, Straß mayer, eines ch'ihenden Patrioten, der sich als erster für die Ver­fügung aller slawischen Völker des Südens ein- qeftftt habe. Aber für jeden Serben, Kroaten und Slowenen, der die Lehren Straßmayers auch nur ?!) erflächlich kennt, ist es sonnenklar, baß das Jugo­slawien des Bischofs von Agram und das jetzige Iu- )i) flaroien nur den Ncynen gemeinsam haben. Straß- naijer wollte eine politische Bereinigung der süd- lawischen Völker, die sich im Verbände der Miiste rreichisch -ungarischen Monarchie b-fanben, um gegenüber den Ungarn und den Oester- . :i-cchern eine einheitliche slawische Front zu schaffen, ' - Damit die Regierungen von Wien und Budapest ge- lionngen würden, die nationalen Rechte der slawi­sch en Völker in verstärktem Maße wahrzunehmen, kicser Gedanke wurde aus der sogenannten tria- isii scheu Idee geboren, nach der bie öfterrei- i)i1d)-ungari|d)c Doppelmonarchie in eine österrei- -hlsch.ungarisch-slawische Triplemonarchie umgewan- bfCt werden sollte. Niemals wollte jedoch Straß-

Güdffawiens Derwaltungsreform

Von unserem l. bl.-Berichterstatter.

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