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Samstag-,^. November 1929

Nr. 258 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Das neue Schalthaus des Gießener Elektrizitätswerks

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zessin Aschenputtel mit güldenem Schuh und goldener Krone hätte herausgehen sehen.

auch mit den endgültigen Projektierungsarbeiten begonnen werden. Um mit den neuesten Erfah­rungen für die Errichtung des vorgesehenen Schalthauses ausgerüstet zu sein, erfolgten Be­sichtigungen von verschiedenen Elektrizitätswerken. Daneben muhten die Arbeiten zur Vorbereitung des großen Unternehmens so gefördert werden, dah noch in diesem Jahre mit den Dauarbeiten begonnen werden kann. Ende September wurden dann die gesamten Baupläne in der Weise end­gültig festgelegt, wie unsere hier abgedruckte Skizze des Erweiterungsbaues es zeigt. Der linke, gröbere Bau mit dem Schorn­stein stellt das jetzt vorhandene Betriebsgebäude dar, der auf der rechten Seite sichtbare Teil des Baues ist der Erweiterungsbau, der nunmehr in Angriff genommen wird. Die Bauarbeiten sollen so gefördert werden, daß am l.März 19 30 mit der Montagearbeit der elektri­schen Einrichtungen begonnen werden kann. Die Durchführung der Erd» und Maurer-

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Herzen verfallen der Schwermut. Aber manches ist da, das erfreut: der junge Wein gärt in den Fässern. Die Obstkammcr liegt voller Müsse. Die Birnen quellen in den Schalen zu wunderbarer und saftiger Süße auf. Die Aepfel bekommen Weichheit und Aroma ins Fleisch. Die Jahres- brut der Gänse setzt das erste lodere Fett an. ihre Scheniel werden reif für die Pfanne.

Was soll man tun? Man schlappt von Zim­mer zu Zimmer, von Siege zu Stiege, von Gang zu Gang. Der Geruch des Sommers und der Septemberreife liegt in den Bäumen. Bon den Scheunen her kommt der wilde Wiesengeruch des Heus, die Katzen bringen ihn in ihrem Fell mitten ins Zimmer. Aus den Kellerlöchern steigt der berauschende und schwere Geruch des rumo­renden und gärenden Mostes. 3n einem Zimmer hängen Büschel von Arnika, Pfefferminz und Schafgarbe. Das ist das Zimmer der Großmutter. Das ist das geheimnisvollste Zimmer: wenn die sieben Zwerge aus der Türe hu' :n würden, es wäre- nicht verwunderlich: und die Magd er­zählt den Kindern, daß sie am Abend die Prin-

Zu den Tieren des Aovembers g h-ren noch die Katze, der Waldkauz und die in den Larnperien und Wänden nagende und unermüdlich lebendige Maus. Immer ist sie da. 3n den unbekannten, schmalen Irrgängen der ousgehähllen Wände und Dielen wispert ihr dünner gespenstischer

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Psisf. Ihre Jagd geht immer ins Dunkel. Es gibt schlaflose, peinigende Rächte, in denen ihre Stim­men immerfort durch die Wände jagen und in denen das Vagen und Klappern ihrer Unsicht­barkeit zur Tortur und Verzweiflung wird. Ich erinnere mich, daß es mich als Knaben unter die Decke meines Bettes gejagt hat, wo ich im Schweiß und in klopfender Angst auf den furcht­baren Anblick des uralten Mäusckönigs wartete, der mir mit phosphorgrünen und zersetzenden Zähnen an das Herz wollte. Immer ist auch die Katze da. Frühling und Sommer war sie kaum zu sehen, da lauerte sie hinter einem Gartengebüjch auf der Dogeljagd oder sie trieb sich auf den Böden umher, wo das Rest ihrer Jungen war. Wind, Kühle und Regen haben auch sie in das Haus gejagt, da ist nun, gravi­tätisch und schnurr \ am Fuße des ' auen S achelo ens n.i; zwi k rüden un) (.alb^e.chi s e :en Augen, aus denen manchmal tou ein 31 uj ein grünes Feuer schießt. An ihrem Bewußtsein rinnen die dunklen Tage spurlos ab, sie kennt nur den Zwang ihres Hungers und ihrer Rot- dürft. Das feurige, glühende Ochfenmaul ist ihr zur Sonne geworden: die Philosophie ihres Da­seins ist Ruhe, Wärme, der Qlapf mit Milch und ein Spiel mit den Woliknäueln der Großmutter.

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Mit dem neuen Schalthause fei ten gleichzeit g auch eine Zähler-Eich st ation und ein Aufenthaltsraum für die Arbeiter­schaft hergestellt werden. Bei der c.igcrcn Be­arbeitung des umfangreichen Projektes hat sich jedoch herausgestellt, daß eine Verbindung des Schalthausbaues mit den eben erwähnten Einrich­tungen nicht ratsam erscheint. Die Zähler-Eich- ftation und die Schaffung eines Aufenthalts- raumes für die Arceit.rschaft werden daher im kommenden Frühjahr gesondert zur Ausführung gelangen.

Dis Kosten für die Errichtung der Gesamt­anlage belaufen sich auf insgesamt 494 000 Mk. Die Mittel sind durch allmähliche Ansammlung in dem Erneuerungsstock des Werkes vorhanden, so daß die Finanzierung des großen Dauuntemehmens g'att und ohne Reu- belastung der Stadt möglich ist.

Mit Genugtuung kann es begrüßt werden, daß durch diesen Erweiterungsbau eine ganze

arbeiten im Laufe des Winters ist unbedingt erforderlich, damit die Frühjahrs- und Sommer­monate mit der geringeren Inanspruchnahme der Stromlieferung für die Montagearbeiten verfüg­bar bleiben.

In dem jetzt bestehenden Schalt- Hause, in dem wie schon oben erwähnt die Gleichstrom- und Drehstromanlagen unter un­zulänglichen Raumverhältnis'en besteh.n, werden künftig nur die Einrichtungen für die Gleich- strom Versorgung enthalten fein. In der Mitte dieses Schalthauses wird eine sog. Warte errichtet, von der aus die Bedienung der Hoch­spannungsapparate ufw. erfolgen wir), ilmöie'e Warte herum im Halbkreis wird, die Gleichstrom- Schaltanlage angeor'-Dnet werden. Der Raum, in dem jetzt die 20 000-Dolt-Schallanlage u. ter- gebracht ist, wird künftig als Kabelkeller benutzt: in ihm werden auch die Schalter und Sicherungen für die Gleichstromspeisckabel des Stadtgebietes untergebracht.

Das Erdgeschoß des neuen Schalthauses wird die Oelschalter für die 5 0 0 0- und die 20 000-Volt-Anlage, sowie den 0el° schalter-Dedienungsgang aufnh.nen. Der Fahr­damm im Erdgeschoß wird in Schotten unter­teilt werden, so daß im Falle etwaiger Gefahr unbedingt wirlsame Siche rungsmiig ichk iten ge­geben sind. Der Transport der Oelschalter kann dann aus Sicherheitsgründen direkt ins Freie erfolgen. Unter d:r 5020 Volt-Anlage wird sich auch hier ein Kabclkeller befinden, ebenso unter dem Oelschalterbedienungsgang ein Raum für die Führung der Maß- und ©t^ucrlcitungen. Aus Sicherungsgründen werden die Trans­formatoren in einem besonderen Ge­bäude untergebracht.

Reihe neuer Arbeitsmöglichkeiten für einheimische Firmen geschaffen werden und unser Elektrizi­tätswert nach der Fertigstellung des Baues in der Lage sein wird, allen Anforderungen des stark gesteigerten Clektrizitiitsverbrauches gerecht werden zu können.

1. Vorsitzenden, der aus gesundheitlichen Rück­sichten von seinem arbeitsreichen Amte zurück­trat, Mchgermeister K. Bender (Hungen) ge­wählt. Die Wahl der übrigen Dorstandsmit­glieder brachte folgendes Ergebnis: Bundes­dirigent: Lehrer Dietrich (Rodheim an der Horloff), der dieses Amt seither schon bekleidete: 2. Vorsitzender: I. Böcher (Ruppertsburg), Schristführer: H. Sommer (Hungen), Rechner: W i n g e s e l d (Wetterseld); Beisitzer Högel (Laubach). Gerhard (Langd), Junker (In­heiden), Roeder (Hungen), Schmidt (Röth­ges) und Merz (Gonterskirchen). Die Veranstal­tung des nächstjährigen Bundesfestes wurde dem GesangvereinLiederkranz" in Hungen übertragen, der das Dundesfest mit einem Re- sormwettstreit verbinden will, bei dem nur Di­plome zur Ausgabe kommen sollen, so dah sich die Beteiligung daran wesentlich billiger stellt als bei den üblichen Wettstreiten. Der Bund wird bei diesem Fest einen Massenchor vortragen, dessen Auswahl durch die demnächst zusammen- tretcnde Dirigcntenkonferenz g troffen wird. Die Beteiligung am eigentlichen Wettstreit, der am Vormittag stattfindet, ist den Dundesvereinen sreigestellt, während die Teilnahme am Fest Pflicht ist. Zu dem am 19. Juli in Rodheim a. d. Horloff statt finde-den Sängerfest, verbun-

Kein Höhenlust-Zorschungs-Instiiui in Darmstadt.

WSR. Darrnstadt, 31. Oft. Den beiden an der Technischen Hoch'chule Darmstadt bestehenden Lehrstühlen für Luftfahrt sollte ein Höhen­luft-Forschungs-Institut angegliedert werden, das erste dieser Art überhaupt. Die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt in Derlin- Adlershof sollte dazu ihren 9500 Kubikmeter fassenden FreiballonBartsch von Sigsfeld", den größten Freiballon der Welt, zur Verfügung ftelien, der in Höhen bis zu 10 000 Meter auf­steigen und dem Studium meteorologischer, motor- technischer und medizinischer Fragen in diesen für die Zukunft der Luftfahrt wichtigen Regionen dienen sollte. Wie wir von amtlicher Stelle erfahren, hat sich die Verwendung des Frei­ballonsBartsch von Sigsfeld" 'inzwischen als zu kostspielig und schwierig herausgestellt, und der Versuchsanstalt für Luftfahrt wurde mit» geteilt, dah für den Vallon in Darmstadt keine Verwendung mehr bestehe. Ein Höhenluft» Forschungs-Institut gibt es in Darm­stadt also nicht. Den Lehrstuhl für Luftfahrt hat Professor Eberhardt inne.

Oie Eingemeindungen in Mainz.

WSR. Mainz, 31. Oft. Dem Mainzer Stadt­rat lagen gestern die Verträge zwischen der

Die Stromabgabe des (Siebener Elektri­zitätswerkes hat in den letzten Jahren eine so erhebliche Steigerung erfahren, daß die jetzt vorhandenen Schaltanlagen zu klein ge­worden sind und infolgedessen nicht mehr den Sicherheitsvorschriften für eine einwandfreie Stromlieferung genügen. Mit den hierdurch be­dingten Erweiterungsarbeiten hat sich die Direktion des Elektrizitätswerkes schon seit zwei Jahren eingehend beschäftigt. Runmehr sind die Vorarbeiten so weit gediehen, dah mit der Er­richtung eines neuen großen Schalt- Hauses in etwa acht Tagen begonnen werden kann.

Das jetzige Schalthaus war bei der Errichtung des neuen Maschinenhauses im Jahre 1909 nur für Gleich st rornversorgung vorgesehen. Jrn Jahre 1909 wurde von dem Leiter des Elek­trizitätswerkes, Direktor S t o 11 e, bereits die Rotwendigleit betont, das Schalt- und Maschinen­baus derartig zu gestalten, dah auch die künftige Versorgung des Äeberlandgebietes ohne beson­dere bauliche Erweiterungen durchgeführt werden könne. Diese Anregung kam damals aber nicht zur Durchführung. Ein Jahr später trat die Ge­meinde Krofdorf-Gleiberg mit dem Ersuchen um Elektrizitätsversorgung an das Gießener Elek­trizitätswerk heran. Da diese Stromlieferung mit dem vorhandenen Gleichstrom nicht möglich war, konnte nur die Versorgung mittels hoch­gespannten Stromes erfolgen. Hierfür mußte eine besondere Maschine aufgestellt werden, die in ihrer Leistungsstärke so groß gewählt wurde, daß sie gerade nur für die Versorgung der Ge­meinde Krofdorf-Gleiberg ausreichend war. Cs wurde damals die Ansicht vertreten, man solle zunächst einmal einen Versuch machen und nicht gleich zu viel Geld in die Anlage hineinstecken, obwohl die Lieberlandversorgung damals schon nichts Reues war. Die Elektrizitätsversorgung einer weiteren ilmgegenö von Gießen wurde da­mals von den zuständigen Körperschaften ab­gelebt. Im Jahre 1911 beschloß dann die Pro­vinzialverwaltung Oberhessen, die Elektrifi­zierung Ober Hessens durchzuführen. Zum Glück gelang es seinerzeit der Stadt Gießen noch in letzter Stunde, die Zuweisung der Elektrizitäts- Versorgung eines Teiles des Kreises Gießen zu erlangen. Für die Versorgung dieses Gebietes mußten seinerzeit neue Maschinen und neue Schaltanlagen errichtet werden, welche aber in Räumen untergebracht werden mußten, die nur für Gleichstrom vorgesehen waren. Infolge der erfreulichen Zunahme des Stromverbrauches waren dann von Jahr zu Jahr neue Erweiterun­gen der Schaltanlagen erforderlich, und jetzt ist in dem großen Schaltraum jeder Winkel und jede Ecke bis zum äußersten Maße ausgenuht. Hier­durch ist leider die Liebersichtlichkeit der Schaltanlagen, die für einen gesicherten Be­trieb unbedingt erforderlich ist, außerordent­lich beeinträchtigt, ja zum Teil sogar ver­loren gegangen. Auch die Gleichstrom-Schalt­anlage des Werkes entspricht nicht mehr den Anforderungen nach dem neuesten Stande der Technik und ist den Erfordernissen des Strom­konsums nicht mehr ausreichend gewach'en. Schon im vorigen Winter bekanntlich tritt der Haupt­konsum an elektrischem Strom ja immer in den Wintermonaten ein wurden die Hauptsammel­schienen derartig warm, daß zur Sicherung des Betriebes eine besondere Ventilation eingesetzt werden mußte.

Den hier geschilderten Linzulänglichkeiten in der Einrichtung unseres Elektrizitätswerkes soll nun durch den Vau eines neuen großen Schalthauses abgehoben werden. Heber die Bedingungen für die Ausführung dieses Vor­habens wurde bei sieben größeren Elektrizitäts­firmen angefragt. Die Prüfung des daraufhin eingegangenen umfangreichen Materials nahm längere Zeit in Anspruch, so daß erst Anfang Juli d. I. an die Vergebung der elektrischen Ar­beiten herangetreten werden konnte. Dann konnte

g Klck'ÄdiN

Der Baum des Rovembers ist die Cypresse. Alle Bäume sind leblos geworden und haben den tiefsten Schlaf hinter ihren Rinden. Sie allein steht in der grauen, bedrückenden Luft grün und wachsam. Hinter ihr ist die Pforte dcs Todes. Aus dem Süden brach sie in den Rorden ein, der sie zum Totenbaum machte. Sie ist der gotische Daum des Südens, hineinragend wie eine strenge, unbewegte Flamme in die- blen­dende Tiefe der großen Bläue. Aber hier vor der Stätte des ewigen Schlafes und der unaufhaltsamen Vermoderung wird sie zu einem schwermütigen Engel, dessen Feierlichkeit und Fremdheit erschreckt und an deren Stamm ich mir immer einen geneigten und trauernden Jüng­ling denke, der mit einem Arm eine Urne um­klammert, die die süße und schmerzlrche Asche der Geliebten enthält.

Rovember.

Von Anton Schnack.

Er ist der Monat der Dunkelheit. Die Rächt hängt tief in den Morgen und tief in den Rach­mittag herein.

Womit soll ich die langen, unbeweglichen Abende aussüllen? Die unendlichen und ein­tönigen Rächte? Immer die kleine schmerzliche Suite von Chopin spielen? Immer die müden und stillen Rovellen von Jens Peter Jakobsen lesen. Verfallen ist man der Magie der Träume, die wie funkelnde Arabesken den schmalen Strei­fen des Tages umglühen. Verfallen ist man den Erinnerungen an den Sommer und an den Aufruhr der Reisen.

Ach, das Traumbild wandert immer nach Süden, wo die Meeresbucht unter Silber und Azur liegt und der rote Vogel im breiten Feigen­bäume schläft. Der Wind kommt warm und duftschwer aus den Gärten der ewigen Rosen, die lächelnde und melusinenhafte Frauen mit schmalen Händen pflücken.

Ein Erwachen aus deinen Träumereien und du hörst den unermüdlichen Regen an die Fen­ster rauschen. Er rauschte gestern, er wird auch morgen rauschen. Ein Blick aus den erblindeten Scheiben und du siehst den Wald schweigam und erstarrt im weißen Dampf der Regengüsse und der Rebel versinken.

Mark, so daß ein Liederschatz von 126,15 Mk. zu verzeichnen war. Dem Rechner wurde Ent­lastung erteilt. In der dann folgenden Dor-

nach unserem^ vom 4 November an

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Cs gibt Bücher, die Rovember heißen. Alle erzählen von Qual, Trauer, Düsternis und tiefer Lähmung. Sv gcteallig ergreift die Ratur dieser Zeit das menschliche Herz, daß es sich ein Symbol aus feinem Ramen für die große Rieder geschla- genheit macht.

Verse klingen in meinem Ohr auf, gehäufte Worte aus Verfall und Dämmerung, hinge- flüfterte, zitternde Verse, bekrönt von Trauer und Gealtertsein: in allen Stirnen der Dichter hatte der Rovember gelebt und mit seiner hölli­schen Farbe die Erinnerungen an die Lust, die Blumen und die Liebe verdunkelt und aus­gelöscht. Es gibt Musik, die Rovember ist, Rachtmusik aus der unteren Seele, die vor Irr­sinn und Schmerz schwankend geworden ist, in die ein unterirdischer, Herbstlichei: Hauch ge­kommen ist, so daß der Klang wie ein Wei­nen wurde, daß die Läufe eines bebenden und gequälten Herzschlag bekamen und die Melodie zu einem furchtbaren trostlosen Gelächter wurde.

Es gibt Frauen, die Rovember genannt fein könnten, da alles an ihnen Schwermut, Kühle und Schweigen ist. Ihr Blick geht an dir vor­bei in ein Geheimnis, ihr Gesicht ist eip zer­rissenes Lächeln, ihre Mienen sind Verzicht, Schmerzbeladenhllt und Kummer. Sie zu lieben ist nicht gut. denn unter den glühenden Küssen wird ein eis ger fein, der dich wie Verachtung und Abscheu bis in die Herzgrube trifft.

Es gibt Vögel, die Rovember sind: plötzlich rauschen Geschwader aus den Waldstrichen in die Fahlheit der Rachmittage. Schwer und wild ist ihr Geruder, ßerunt.rgedrückt an den Horizont schwimmen sie ins Ziellose auf der Flucht vor dem Winterwind, der schon an ihre Schwingen ge­rührt hat: es sind die Raben, die Wotansvögel, die Rächt- und Waldvögel, Krähen mit finsterem Blick und grausamem Schnabel, von ihrem kräch­zenden Geschrei erzittert der Himmel, den sie erb langst reisen und in den sie verlorengehen. Ihr schneidendes, träges Geschrei erfüllt die lichtlose Luft wie eine erbarmungslose und hohle Fan­fare: Rovember, Rovember...

LermMny«« ,n fayn wir atkn n Wichsten Dank btvig geb. linf

Stadt Mainz und den einzugemeindenden Ort­schaften zur Genehmigung vor. Rachdem die in Frage kommenden Gemeinden ihre Zustimmung zur Eingemeindung gegeben haben, hat der Stadt­rat von Mainz gegen vier Stimmen die Ein­gemeindungsverträge mit Bretzenheim, Weisenau, Bischofsheim und Gustavsburg-Gins- heim angenommen und die Durchführung der in diesen Verträgen beschlossenen Zusicherungen genehmigt. Damit ist Groh-Mainz Wirk' lichkeit geworden. Die Verträge treten am 1. Januar 1930 in Kraft. Sie bedürfen nur noch der formalen Genehmigung des hessischen Mi­nisteriums. Ebenso hat der Stadtrat von Mainz den Vertrag mit der Gemeinde Laubenheim genehmigt, vorausgesetzt, dah dieser Vertrag von Der Gemeinde Laubenheim, wie mit Sicherheit zu erwarten ist, in dieser Woche angenommen wird. Der Antrag auf eine Zwangseingemein­dung Hechtheims wurde gegen vier Stimmen und mit Stimmenthaltung des Zentrums an­genommen. Einschließlich Laubenheims wird das neue Mainz eine Einwohnerzahl von 140000 haben.

Säiigertag des Horloff-Wettertal Sängerbundes.

I Ruppertsburg, 30. Oft. Am vorigen Sonntag fand im Saale des Gastwirts W a g * ner der diesjährige Sängertag des Hor- losf-Wettertal-Sängerbundes st tt, der nunmehr nach Wiedereintritt von Gont.rs- firchen ausLiederkranz" Hungen, Männer- gesangverein Ruppertsburg, ..Harmonie" Lau­bach,Eintracht" Laubach, Männergesangverein Inheiden,Sängerkranz" Rodheim a. d. Horloff, Männergcsangverein Dillingen, Männergesang- verein Röthges,Eintracht" Langd, Gesangverein Gonterskirchen, Männergsangvcrrin W.tterfeld undGemischter Chor" Altenhain besteht. Der Dundesvorsitzende I. Bücher (Ruppertsburg) begrüßte die Versammlung, die aus 45 Vertretern (einschließlich Vorstandsmitgliedern) und einer großen Anzahl von Gästen bestand. Aus dem Jahresbericht, der von dem Schriftführer Sommer (Hungen) vorgetragen wurde, war zu entnehmen, daß der Bund im letzten Jahre hinsichtlich seines Mitgliederbestandes er zählt gegenwärtig 407 Mitglieder und seiner gesang­lichen Leistungen '.das Wertungssingen in Laubach legte beredtes Zeugnis davon ab sich weiter günstig entwickelt hat. Auch die Rech» n u n g s a b l a g c, die von dem Bundesrechner W i n g e f e l d (Wetterfeld) vorgelegt wurde, zeigte ein befriedigendes Ergebnis. Die Gesamt­einnahme betrug 271,55 Mk., die Ausgabe 145,40

Der Monat des Todes ist der Rovember. Er ist den Gräbern geweiht, die unter Cypressen, Lorbeer, Efeu, Stein und Bronze der ewigen Verwesung verfallen sind.

Auch ich muh es tun, das Grab des Vaters und der Geliebten zu schmücken. Ihre engelhaften siebzehnjährigen Schultern hat der Tod geknickt. Wie ein scheuer Vogel vor einer dunklen, un­bekannten Erscheinung verschwand sie unter einem Blumenrain. Der Vater lächelte weise und mit Müdigkeit ihm entgegen. Wo gingen sie hin? Sind es Inseln, auf denen sie ruhen? Sind es Gestade voll Perlmutter und Liliengehölzen? Sind sie hinübergegangen zu Sternen, die wir nachts über den Wäldern fegen? Ach, die Phan­tasie ist unentwegt und voll poetischer Einfalt. Wenn nun die mystische Seelen- und Lebenskraft der Dahingesch'e enen erloschen ist, wenn es nun ihr einziges Geheimnis war, nur da zu sein kurze siebzehn oder sechzig Jahre, wenn sie nun nichts mehr sind, als nur Erinnerung in uns, nichts mehr sind, als nur ein verschwommenes und fremdes Traumbild? Wird die Geliebte ein­mal noch aA meinem Wege stehen, der ins Ziel­lose und Unbekannte führt? Wird der Vater mit mir über die Wolken in ein herrliches Himmels­licht wandern?

Dunkel ist das Geheimnis und für den Rorden ist es recht, die Totenfeier und die Totenerinne­rung in den dunkelsten Monat zu legen. Aus meinen Kindertagen weiß ich es: am Aller­seelentage zündeten wir viele kleine Kerzen und Lampen an auf dem Grabe, in dem die Schwester begraben lag. Aus der Ferne schien es wie lebendiges Feuer, das aus dem Grabes- innern in den niederen Rovemberhimmel zu steigen schien. Woher kam diese Sitte? Sollte es heißen, steige auf, uns nun fremdgewordene Seele wie dieses Licht? Ich will es auch dies­mal tun: mit Kränzen und Lichtern wlll ich die Erinnerung an die Toten beschwören.

Aber wer wird es für mich. in meiner Ro- vemberzeit tun? Die Geliebte liebte das tiefe Rot der Reifen. Der Vater verehrte das strenge und herbe Grün der Waldbäume. Wer wird über meinem Grab ein Licht anzünden? Lind wer wird wissen, dah ich über alles die roten Vogel­beeren liebte?

November, in der er Universität1 intsrals Dr. SeittoDl