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Storm-Hendschel-Llohd-Kursbücher berücksichtigt sein. Diese Kursbücher zeichnen klarer Druck, übersichtliche Gruppierung und zuverlässige Voll­ständigkeit aller Angaben besonders aus. Alle Ausgaben besitzen aus langjähriger Praxis ent­standene Einrichtungen, die ihren Gebrauch ver­einfachen und es selbst dem ungeübteren Fahr­planleser ermöglichen, sich mit wenigen Blicken aus einer Storm-Ausgabe zu orientieren. Be­sonders erwähnenswert ist der sehr umfangreiche, auf farbiges Papier gedruckte TeilFernverbin­dungen", in denen nur die Ausgangs- und An­kunftsbahnhöfe des Schnellverkehrs mit den da­zwischen liegenden Llmsteigestationen der betref­fenden Route genannt sind. Die Reichsausgabe des Stormschen Kürsbuches und Hendschels Tele­graph enthalten außerdem ganzseitige Ueber- sichtskarten mit tabellarischen Angaben über Fahr- und Bettkartenpreise und Schlafwagen­möglichkeiten.

Storm-Kursbücher gibt es in sieben verschie­denen Ausgaben. Für unser Verkehrsgebiet kommt neben der großen Stormschen Ausgabe für das gesamte Reichsgebiet noch die kleine, billige Teilausgabe für Westdeutschland in Frage.

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** Aus dem Gießener Standesamts- re gift er. Es verstorben in der Zeit vom 15. bis 30. September: 16.: Ida Emma Marx, geb. Menh, 45 Jahre alt, Wolkengasse 18; 22.: Karl Ernst Wilhelm Finke, Klaviermacher, 62 Jahre alt, Westanlage 31; 24.: Auguste Marie Roese, geb. Wilhelm, 74 Jahre alt, Goethestraße 34; 25.: Levi Stern, Rentner, 74 Jahre alt, Ludwig- straße 29; 28.: Elisabeth Meyer, geb. Uhl, 62 Jahre alt, Westanlage 6; 30.: Karl Reuter 11., Steuerbote L R., 74 Jahre alt, Kaplaneigasse 9.

* Geburt, Ehe und Tod in Hessen. Rach den Mitteilungen des hessischen Landes­statistischen Amts waren im Jahre 1928 in Hessen zu verzeichnen: Eheschließungen 12 982 (1927: 11 753-, Ehescheidungen 471 (515), Lebendgebo­rene 25 376 (24 673), Totgeborene 717 (790), Ge­storbene (ohne Totgeborene) 15 223 (15 305), Säuglinge 1646 (1695). Im Jahre 1928 betrug die Säuglingssterblichkeit männlich 7.4, weiblich 5,5, ehelich 6,1, unehelich 9,9. Die größte Sterb­lichkeitsziffer bei Säuglingen weisen die Win­ter- und Frühjahrsmonate auf.

** Der Krankenstand im Monat A u g u st. Die Zahl der erwerbsunfähig Er­krankten im Hauptverband deutscher Kranken­kassen (Sitz Berlin) betrug am Stichtag (1. Sep­tember) bei einer Mitgliederzahl von 5 781 112 (3111 784 männlich, 2 669 328 weiblich) 3.79 v.H. männlich, 3,87 V.H. weiblich). Die Krankenziffer ist also gegen den Vormonat um 0,10 v. H. ge­fallen, denn am 1. August wurden 3,89V.H. Er­krankte gezählt. Dieses an und für sich günstige Ergebnis erfuhr bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Gießen (Stadt) im Berichtsmonat noch eine wesentliche Besserung, als hier bei einer Mitgliederzahl von 10812 (6095 männlich 4717 weiblich) 2,91 v. H. (2,59 v. H. männlich, 3,33 v. H. weiblich) gezählt wur­den; das bedeutet nach dem Stande vom 1. Aug. (3,79 v. H.) eine Besserung von 0,88 v. H. Richt ganz so günstig lauten die Ziffern bei der Allge­meinen Ortskrankenkasse Gießen (Land). Dort betrug die Zahl der Mitglieder 8272 (5776 männ­lich, 2496' weiblich), davon waren krank 3,40 v. H. (3,45 v. H. männlich, 3,29 v. H. weiblich). Da am 1. August 3,63 v. H. Kranke vorhanden waren, so beträgt die Besserung hier nur 0,23 v. H.

** Dünsbergfeier. Unter Beteiligung aus allen Schichten der Bevölkerung beging der Düns- bergverein am Sonntag in einfacher Weise die Feier des 30jährigen Bestehens seines Turmes auf dem Dünsberg. Das größte Aufgebot der Besucher hatten naturgemäß die um den Berg liegenden Dörfer ge­stellt, deren Bewohner, angelockt von dem prächtigen Herbstwetter, in großen Scharen zur Höhe geeilt waren. Doch guch von Gießen und Heuchelheim waren die Freunde des Berges in großer Zahl er­

schienen, hatten doch allein die beiden Zweigvereine des V.H.C. nahezu 100 Personen an Ort und Stelle aufzuweisen; ja selbst Marburg hatte seine Vertre­tung entsandt. Die Begrüßungsansprache hielt der Schriftführer des Dünsbergvereins, C. Faber, für den durch einen Unfall am Erscheinen verhinderten Vorsitzenden Geh. Rat M i t t e r m e i e r. Der Red­ner schilderte u. a. die Entstehung des Turmbaues und gedachte dankbar der damaligen Männer, die es durch reiche Zuwendungen erst ermöglichten, den Bau zustande zu bringen. Auch die beiden Männer, die voll Liebe an dem Berg hingen und viele Jahre lang nichts schöneres kannten, als für den Turm und die Hütte zu sorgen, Fritz Kühn und Ph. Zehner, wurden mit Dankbarkeit erwähnt. Rach der mit einem begeistert aufgenomenem Hoch auf das deutsche Vaterland endeten Ansprache brachten die Vertreter der Wandervereine, Walter (Mar-

D Lich, 30. Sept. Gestern vormittag wurde, wie am Montag schon kurz berichtet, im Rathause zu Lich die von dem hiesigen O b st - und Gartenbauverein mit Unterstützung des Landwirtschaftskammer-Aus­schusses für die Provinz Oberhessen und der Stadtverwaltung Lich veranstalteteObst- ausstellung mit Prämiierung eröffnet. Als Ausstellungslokal diente ein größerer Saal im unteren Stock des Rathauses. Hier war der Aufbau der reich beschickten Ausstellung in fach­männischer Weise unter der Leitung des Obst­bauinspektors En kl er von dem Landwirtschafts­kammer-Ausschuh für die Provinz Oberhessen vorgenommen worden. Im Verein mit wirkungs­vollen Blumen- und Papierdekorationen bot die Ausstellung ein farbenfrohes Bild und hinter­ließ bei den Besuchern der Veranstaltung einen nachhaltigen Eindruck. Reben der großen Menge der Einzelausstellungen üahmen die von der fürstlichen Gutsverwaltung Lich, der fürstlichen Gärtnerei Lich und dem städtischen Krankenhaus gestellten Sammlungen einen breiten Raum ein. Den

Auftakt der Veranstaltung bildete eine kurze Begrüßungsansprache des Vor­sitzenden des Lokalvereins Konrad Schöne, in Anwesenheit eines größeren Interessentenkreises. Als Vertreter der Behörden und Vereine waren anwesend und überbrachten Glückwünsche ihrer Körperschaften für den Landwirtschaftskammer- Ausschuh Landtagsabgeordneter Fenchel, für den Kreis-Obst- und Gartenbauverrin Gießen Garteninspektor L R. Rehnelt, für die Stadt Lich Bürgermeister Geil. Sodann erläuterte Obstbauinfpektor Enkler Zweck und Ziele der Ausstellung. Besonders lehrreich war die an­schließende Besichtigung der Ausstellung in den einzelnen Klassen unter seiner Führung. Das Preisgericht, bestehend aus Gartenmeister R e n t s ch (Friedberg) und Oekonom Fischer (Hof-Zwiefalten) hatte bei der Fülle und Güte des ausgestellten Materials keinen leichten Stand. Es hat sich jedoch in sachverständiger Weise der schweren Aufgabe gut entledigen können.

Vom Landwirtschaftskammer-Ausschuh für die Provinz Oberhcssen standen für die Ausstellung in der Hauptsache folgende

Aufgaben zur Lösung.

Aufgabe 2: Drei Sorten Tafeläpfel (je zehn Früchte) die für die hiesige Gegend be­sonders anbauwürdig sind.

Aufgabe 3: T^ei Sorten Wirtschaftsäpfel unter gleichen Voraussetzungen.

Aufgabe 4: Drei Sorten Tafelbirnen des­gleichen.

Aufgabe 5: Zwei Sorten Wirtschaftsbirnen desgleichen.

Aufgabe 6: Hervorragende Lokalsorten von Aepfeln und Dirnen je zehn Früchte.

bürg) für den Oberhesstschen Gebirgsverein, L. K i n - zenbach für den V.H.C. Gießen und G. Ber­gen für den V.H.C. Heuchelheim, die Glückwünsche ihrer Vereine dar. Aus allen Reden klang die tiefe Liebe zu dem Dünsberg und seiner herrlichen Um­gebung. In den Dienst der guten Sach« hatten sich in dankenswerter Weise der Gesangverein Concordia und der Mandolinenchor aus Fellingshausen gestellt, und erfreuten die Anwesenden durch den Vortrag einiger Männerchöre bzw. Musikstücken, die lebhaf­ten und wohlverdienten Beifall ernteten. So gingen rasch die Stunden in froher Stimmung dahin, und nach einigen Dankesworten des Schriftführers, die in einemFrisch auf!" auf den hochverdienten Vor­sitzenden, mit dem Wunsch seiner baldigen Genesung ausklangen, verließen die Gießener die gastliche Stätte.

Aufgabe 7: Drei Sorten Tafeläpfel, die für den Großhandel besonders geeignet sind, sonst wie vor, und als erste Sortierung in Ein­heitskisten verpackt.

Aufgabe 9: Je drei der ertragreichsten Apfel- und Dirnsorten von Riederstämmen je zehn Früchte.

Aufgabe 10: Eine grohfrüchtige Apfel- und Dirnsorte von Niederstämmen je 10 Früchte.

Aufgabe 11: Eine Sammlung von Kern- und Steinobstfrüchten, Trauben, Quitten, Rüsse und so weiter.

Aufgabe 13: Obst- und Deerenwein im Haushalt hergestellt.

Aufgabe 14: Eine Sammlung von Ob st­und Gemüsekonserven.

In der Aufgabe 2 (Tafeläpfel) erschienen die von dem Landwirtschaftskammerausschuh und dem Kreisobstbauverein als Standardsvrten empfoh­lenen Aepfel häufig und in sehr guter Qualität. Die Sorten Doskoop, Goldreinette von Blen­heim, Landsberger Reinette, Harbarts Reinette, Baumanns Reinette, sind bei den hiesigen Züch­tern in größerem Umfange verbreitet.

Die Aufgabe 3 (Wirkschaftsäpfel) wies gleich­falls eine überaus reichliche Beschickung auf. Sorten Wie Jakob Lebei, Geflammter Kardinal, Doikenapfel und gute anbauwürdige Lokalsvrten, Wie Anhalter und Eckapfel, wurden hier gezeigt.

Die Aufgabe 4 und 5 (Dirnen) brachten we­niger, aber gutes Material. Dies kann darauf zurückgeführt werden, daß die Dirnen diesmal eine schlechte Ernte lieferten. Dirnen find all­gemein schlecht gefragt und daher auch im Preise niedrig.

Die Aufgabe 7 (Tafeläpfel, in Einheitskisten verpackt) wurde von mehreren Ausstellern in guter Form gelöst.

Viel und gut ausgebildetes Obst war für die Aufgaben 9 und 10 (Riederstammobst) vor­handen.

Für die Aufgabe 11 (Sammlung von Kern- und Steinobstfrüchten) hatten besonders die fürstliche Gärtnerei Lich, die Gutsverwaltung Lich, das städtische Krankenhaus Lich und Stifts­dechant Kahn schöne belehrende Gruppen ge-

Aufgabe 13 (Obst- und Beerenweine) wurde von verschiedenen Züchtern ausgestellt.

Schöne Konserven stellte die fürstliche Guts­verwaltung Lich und das städtische Krankenhaus Lich für die Aufgabe 14 aus.

In sehr anschaulicher Weise wurde von Ober­gärtner Heinrich Schmidt der Werdegang des Baumes durch eine Sammelausstellung dargestellt. Die Sammlung zeigte den okulierten Wildling bis zur Vollendung des Hochstammes. Auch die Urväter unseres heutigen Apfelbaumes waren vertreten durch die Mispel und den Holz­apfel.

Die Prämiierung.

Es konnten nach dem Urteil des Preisgericht- folgende Preise zuerkanrck werden:

Aufgabe 2 (Tafeläpfel): 1. Preise: Fürstliche Gutsverwaltung Lich. Stadt Lich. Konrad Schöne, Obergärtner Heinrich Schmidt. 2. Preise: Ernst Pein, Rieder-Dessingen; Dernhard Lind, Stadt Lich, Fürstliche Gutsverwaltung Lick. 3. Preise: Ehr. PH. Herm. Albohn, Franz Müller, Karl Ludwig Zimmer III., Heinrich Heller III. Witwe, Schuhmann Heinrich Kempf, Karl Vogt!., Jakob Eise, Heinrich Schmidt IX. Weiterhin drei An­erkennungen für gute Leistungen.

Aufgabe 3 (Wirtschaftsäpfel): 1. Preise: Ernst Pein, Rieder-Dessingen: Karl Ludwig Zim­mer III., Stadt Lich, Fürstliche Gutsverwaltung Lich, Obergärtner Heinrich Schmidt. 2. Preise: Konrad Schöne, Richard Radehki, Heinrich Wal- *er: .3. Preise: Heinrich Phil. Stengler, Joh. Heinrich Groh. Weiterhin drei Ane^ennungcn für gute Leistungen.

Aufgabe 4 (Tafelbirnen): 1.Preis: Ober- gärtner Heinrich Schmidt. 2. Preise: Heinrich Phil. Stengler, Konrad Schöne. Ein weiterer Aussteller erhielt eine Anerkennung.

Aufgäbe 5 (Wirtschaftsbirnen) und Auf­gabe 6 (Lokalsorten): Hier wurden für gute Leistungen vier Anerkennungen ausgegeben.

Aufgabe 7 (Verpackung in Einheitslisten): 1. Preise: Fürstliche Gutsverwaltung Lich, Kon­rad Schöne und Stadt Lich. Ein weiterer Aus­steller erhielt eine Anerkennung.

Aufgabe 9 (ertragreichstes Riederstamm­obst) : 1. Preis: Obergärtner Heinr. Schmidt, 2. Preise: Ernst Drechsler II. und Wilh. Giebel.

Aufgabe 10 (grohfrüchkiges Riederstcunm- vbst): 2. Preis: Ernst Pein in Rieder-Dessingen, 3. Preise: Wilh. Giebel, Heinr. Loh, Konrad Schöne und Ludwig Vogt.

Aufgabe 11 (Sammlung von Kern- un6 Steinobstfrüchten usw.): 1. Preis: Obergärtner Heinr. Schmidt, 2. Preis: Stiftsdechant Kcchn, 3. Preise: Hch. Phil. Stengler, Christoph Roll­haus und Fürstliche Gutsverwaltung Lich.

Aufgabe 13 (Obst- und Deerenwein): 1. Pr.» Beigeordneter Ihring und Fürstl. Gutsverwal­tung Lich.

Aufgabe 14 (Obst- und Gemüsekonserven)! 1. Preis: Fürstl. Gutsverwaltung Lich, 2. Preis: Städt. Krankenhaus Lich.

Für beste Gesamtleistung in Erzeugnissen des! Obstbaues in wirkungsvoller Ausstattung wurde der Fürspl. Gutsverwaltung Lich und dem Obergärtner Hch. Schmidt je ein Ehren- preis zuerkannt. Das Stadt. Krankenhaus erhielt ein Ehrendiplom. Weiterhin wurde für vorzüglich ausgestelltes Daummaterial in ver­schiedenen Formen und Arten aus der Fürstlichen Obstbaumschule Lich an Obergärtner Heinrich Schmidt ein Ehrendiplom verteilt.

Um das Zustandekommen und den Aufbau der Obstausstellung, der ersten dieser Art in Lich nach dem Kriege, haben sich neben eines ganzen Reihe von Herren namentlich Obstbau­inspektor Enkler vom Landwirtschaftskammer­ausschuh, der Vorsitzende des Lokalvereins, Konrad Schöne, der fürstliche Obergärtner Schmidt und Dürgermeister Geil besondere Verdienste erworben, die allgemein dankbare An­erkennung verdienen.

rs Jahre Bürgermeister in Darmstadt.

WSN. Darmstadt, 1. Ott. Bürgermeister August Buxbaum feiert am heutigen Tage kein 2 5. Bürgermeisterjubiläum in ifen Sten ft en derStadt Darm ft ab t. Die Stadt­verwaltung und die Bürgerschaft schulden ihm für seine baukünstlerischen und organisatorischen Leistun­gen im letzten Vierteljahrhundert Dank und Aner­kennung. Daß er sich auch für unpopuläre Bau­projekte einsetzte, was in manchen Kreisen bei der immer noch herrschenden Wohnungsnot nicht recht verstanden wurde, dafür zeugen seine Beinamen im

Obst-Ausstellung in Lich.

Liebe in Ketten.

Vornan von Hans Mitteweider.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale). 1 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Käthe, ich war lange in England drüben in meinem Derufe tätig. Dorthin werde ich mit dir reisen, dort können wir ohne weiteres getraut werden. Wir brauchen nur zwei Zeugen, und die habe ich schnell genug zur Hand. Dann sind wir Mann und Frau, bann kann deine Tante ums nichts mehr anhaben, niemand kann es.

Käthe, dann wirst du mit mir gehen, und ich will dir geben, was du entbehren mußtest! Alle Freuden sollst du nachholen dürfen, du sollst lachen und fröhlich sein, und ich will dir alle Tage von neuem dafür danken, daß du mir dein Herz und deine Liebe schenktest!

Käthe, sa^e ein Wort! Sag' ja, Käthe! Und morgen abend schon hole ich dich! Morgen schon fahren wir beide dem Glück entgegen!"

Doch so heiß er auch bat, Käthe Fernau ant­wortete ihm nicht, sprach das ersehnte Ia nicht aus. Er spürte, daß sie vor Angst zitterte, und in tiefem Erbarmen lenkte er das Doot dem Ufer zu, legte an und half ihr an das Land.

Sorgsam führte er sie nach dem Hause ihrer Tante, aber unterwegs sprach er immer wieder auf sie ein, und zuletzt rief er noch:

Ueberlege dir alles, was ich gesagt habe, Lieb­ling! Rur zweifle nicht an meiner Liebe und an meiner Aufrichtigkeit. Ich kann nicht verstehen, daß die Wahl dir schwerfallen kann zwischen dem Leben, das du jetzt führst,' und dem, was ich dir bereiten will! Ich will dich heiraten, Käthe, du sollst meine Frau werden! Und wie du dich auch entschließt, ich werde morgen abend wieder auf dich warten, an derselben Stelle. Kommst du, Käthe?"

Sie nickte stumm, dann riß sie sich los, und bald war sie seinen Dlicken entschwunden.

Derndt Klausen ahnte nicht, welche Stürme er in dem Herzen der armen kleinen Käthe ent­fesselt hatte! Schlaflos lag sie im Bett und hörte immer wieder seine Worte, die so berückend klan­gen, so wunderbar süß.

Einen Menschen gab es auf der Erde, der sie liebte! Den ersten! Ihr Herz war so froh, es klopfte so laut, wenn sie dachte, daß sie nun endlich jemand haben sollte, zu dem sie sich flüch. ten. dem sie vertrauen konnte.

Liebe! Was war das doch nur?

War es Liebe, was ihr Herz erzittern machte? War das die Liebe, durch welche Gatten an- einandergebunden wurden? Und wollte er sie nicht heiraten?

Frei, sollte sie werden von der Zucht der Tante, die Welt sehen, lachen und fröhlich fein

dürfen! Welch ein unbeschreibliches Glück das sein mußte!!

Aber die Tante?

Die atme blonde Käthe fand keine Antwort auf all diese Fragen. Blaß und übernächtig erhob sie sich am nächsten Morgen, zitternd vor Angst, daß die Tante eine Frage an sie richten möchte. Aber die alte Frau dachte nicht daran. Sie schien nicht zu sehen, wie blaß und verstört ihre Richte aussah, nicht zu merken, wie sie von Zeit zu Zeit zusammenschauerte.

Der Tag verging wie jeder andere, nur, daß Käthe heute nicht fortgeschickt wurde, um irgend­eine fertige Arbeit abzuliefern. Und sie wat froh darüber, setzte sich auch nicht hinaus unter die alten Bäume, sondern blieb in dem Stübchen und stichelte emsig. Und dabei waren immer wieder die Frügen in ihr lebendig, die er an sie gerichtet hatte, sah sie d«as Leben locken, das drauhen war mit all seinen Freuden,, und das sie nicht kannte. Immer heißer wurde in ihr das Verlangen, sich ihm in die Arme zu werfen.

Ach, nur ein ganz wenig Sonnenschein wollte sie haben! Rur einmal fröhlich sein mit anderen Menschen!

Und als der Abend kam, als die Tante sich niederlegte, da wußte Käthe, daß sie zu Berndt gehen würde. Aber sie wußte noch immer nicht, ob das, was sie für ihn empfand, jene Liebe war, von der er so wunderbar geredet hatte.

Sie trafen sich wieder an dem versteckten Plätz­chen, und noch heller als am Abend zuvor jubelte Berndt Klausen, als er die zarte Gestalt in seine Arme schloß. Roch heißere, beredtere Worte als gestern fand sein Mund. Und als er sie fragte, ob sie mit ihm gehen wollte, da da nickte Käthe Femau unmerklich.

Aber er sah es und er wollte sie an sich reißen.

Wiederum besann er sich. Er durfte sie nicht einschüchtern. Sie war so scheu wie ein Vögel­chen, das noch nie das Rest verlassen hatte und das beim ersten Ausflug von einem Menschen gefangen wurde dessen lleines Herz stür­misch gegen die Hand pochte, die es doch nur zärtlich umschloß, das sich fürchtete vor dem, der helfen wollte aus großem, reinem Er­barmen!

Du willst mit mir gehen, Käthelein?" fragte Berndt Klausen.Morgen nacht schon können wir fort! Ich habe einen Schraubendampfer ge­mietet, der uns...

Doch wozu das alles! Du hast dich entschlossen, mit mir zu gehen und mich dadurch unbeschreiblich glücklich gemacht und dieses Glück soll mir niemand entreißen können, auch sie' nicht...

Sfcin. zittere nicht wieder, Liebling! Traue nur! Ich bin stark und werde dich schirmen ««Sen allez. ^3 yXT drohen kann! Du sollst glücklich werden durch mich. Käthe, wenn du wußtest, tote sehr ich dich liebe! Und du?"

Wieder wußte sie nicht, was sie erwidern sollte. Sie konnte nicht Iüg$n, sie ahnte nicht, ob Liebe oder sonst etwas ihr Herz so heftig schlagen ließ.

Er drang nicht in sie, er küßte sie auch nicht. Er drückte nur ihre schlanken, weißen Hände an seine Brust; und als sie schieden, stand fest, daß sie am nächsten Abend fliehen wollten.

Als er sie nach Hause begleiten wollte, bat sie ihn, es nicht zu tun. Eine schlimme Ahnung preßte ihr das Herz zusammen. Und er ließ sie gehen, beseligt durch die Gewißheit, daß sie nun sein werden würde.

Käthe schlich sich an das Haus und wollte das Fenster aufdrücken, das sie angelehnt hatte, als sie hinausstieg.

Sie erschrak, als es sich nicht offnen ließ! Zitternd stand sie da und mußte beide Hände auf das Herz pressen, dessen stürmisches Schla­gen ihr den Atem raubte. Lange war sie nicht imstande, den Versuch zu wiederholen.

Das Fenster mußte sich doch öffnen. lassen! Endlich drückte fi «wieder auf den Rahmen.

Vergebens! Das Fenster war zu.

Dielleickt hatte sie sich getäuscht? Sie eilte zum nächsten Fenster und drückte dagegen. Auch dieses war fest geschlossen.

Was war denn geschehen? Hatte die Tante etwas gemerkt? Schauer der Angst durch­rannen das arme Mädchen, das nicht wußte, was es beginnen sollte.

Klopfen, bis die Tante erwachte? Rur das nicht! Rur das nicht! Aber was sonst?

Sie sollte sich nicht lange mit dieser Frage quälen müssen, denn schon wurde oben ein Fenster geöffnet und eine hart klingende Stimme sagte:

Gib dir keine Mühe! In mein Haus kommst du nicht wieder! Ich kann nicht mit einem Geschöpf zusammenleben, das nachts heimlich aus dem Fenster steigt, um sich mit einem fremden Manne zu treffen. Geh' zu ihm! Immer geh'! Ich habe belauscht, was er dir sagte! Fahr' nur mit ihm über das Meer! Ich habe nichts dagegen. Ich will den Tag segnen, da ich dich nicht mehr sehen muß. Fort mit dir, fort!"

Da wankte Käthe Fernau lautlos davon.

Sie kam aus dem tiefen Schatten der Kastanien­bäume in das gleißende Licht des Mondes, sie wußte nicht, wohin sie ging, bis die Arme Berndt Klausens sie umfingen und stützten. Sie lieh sich von ihm in den Wirtshausgarten führen, und dort saßen die beiden fast regungs­los die ganze Rächt, schweigend. KätA vor Angst zitternd, Berndt vor Glück. Als die Sonne aus dem Meere aufstieg, da geleitete er die Geliebte zu dem Dampfer und übergab sie dem alten Jansen, bis er fein Gepäck geholt hatte.

Bald war er wieder bei ihr. Dann fuhren sie fort von Käthes Heimat, nach der Hafen­stadt, wo der Dampfer sie aufnehmen sollte.

Berndt Klausen hatte in der Hafenstadt für seine kleine Braut viel, viel kaufen müssen, denn sie hatte ja nichts mitgebracht als das, was sie auf dem Leibe trug.

Ommer noch hatte er sich gehütet, sie durch Zärtlichkeiten zu erschrecken. Sie war ihm un­beschreiblich banfbar dafür, obwohl sie nicht wußte, was ihr hätte geschehen können. Sie war ganz und gar unerfahren, und sie fürchtete sich säst vor den vielen Menschen, die sie nun alle Tage sah. Sie formte sich nicht freuen, wenn er sie in der Stadt umherführte, und sie bat ihn flehentlich, sie daheim zu lassen, als er sie mit in ein Theater nehmen wollte.

Er hatte zwei Zimmer gemietet. Und nie betrat er das ihre,, nie kam er zu ihr. ohne daß sie es erlaubte. Immer wieder versicherte er ihr, daß sie sich nicht vor ihm zu fürchten brauchte.

Sie glaubte ihm, sie sah, wie er sich zurück- hielt, aber sie konnte die Furcht doch nicht aus dem Herzen bannen, in dem immer und immer wieder die Frage war:

Ist das die Liebe, die herrliche, göttliche Liebe?

Und bangen Herzens fuhr sie mit Berndt Klausen auf dem großen Schiffe über das Meer, bangen Herzens betrat sie die Riesenstadt an der Themse. Riesengroß war ihre Furcht, als sie durch diese Straßen fuhren, in denen das Leben brandete wie ein sturmgepeitschtes Meer.

Fremde Laute schlugen an ihr Ohr. Sie ver­stand nicht, was Berndt Klausen zu den Men­schen sprach. Sie lieh sich von ihm wieder in ein Gasthaus bringen, das freilich ganz anders war als das drüben in der Heimat so kahl, so öde, so fremd, wie alles hier!

Und nur, wenn Berndt Klausen zärtlich und liebevoll zu ihr sprach, atmete sie auf. Sie konnte sich an ihn schmiegen, das Köpfchen an seine Schulter pressen und seiner Stimme lauschen stundenlang!

Und dann führte er sie eines Tages in ein anderes Haus, das noch öder und fremder war als das Gasthaus, in eine Stube, wo ein Mann hinter einem tintenbeklecksten Tische sah und zwei andere an der einen Wand Platz genommen hatten. Und sie hörte wieder Worte, von denen sie nicht eines verstand.

Dann raunte Berndt ihr zu:

SageYes, Liebste! Es heiht3a, denn er fragt dich, ob du meine Frau werden willst. Er traut uns, Kätherle!"

Da schaute sie ihn an, dah er diesen Blick fein Leben lang nicht vergessen konnte. In tiefem Erbarmen zog er sie an sich.

Liebste, willst du mich denn nicht glückllch machen?" fragte er.

(Fortsetzung folgt)