Ausgabe 
2.10.1929
 
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entschiedenste verbitten, daß man unS wegen unserer Antragstellung den Vorwurf der Illoy­alität machen will. Bei der vom Abg. Esser er­rechneten Wochen Unterstützung von 13 Mart handelt es sich um di« Ausnahmefälle mit ganz geringer Anwartschaft. (Rufe links: »Die Aus­nahmen können verhungern!"Gemüts­mensch!") Es ist eine maßlose Heber trei- jung, wenn Kommunalverbände behaupten, die Kürzung der Dersicherungsleistungen würde hun­dertprozentig durch Mehraufwendungen an Wohlfahrtsunterstützungen erseht. Es ist eine liebertreibung, wenn gesagt wird, unser Antrag gehe mit seinen Leistungssätzen unter das Exi­stenzminimum herunter. Wenn manche Gemein­den ihre übertrieben hohen Wohlfahrtsleistun­gen etwas abbauen, so wäre das eine Wirkung unseres Vorgehens, die im ganzen deutschen Volk freudig begrüßt werden würde. (Pfui­rufe links.) , ,

Abg. Graf Westarp (Dntl.): Rach biefer erfrischenden Auseinandersetzung haben wir end­lich Klarheit darüber, was die Regierungs­parteien wollen.

Abg. Rädel (Komm.) bezeichnet die Rede des Abg. Hueck als unerhörte Frechheit gegen die deutsche. Arbeiterschaft, was Präsident Esser rügt. (Lärm bei den Kommunisten und Rufe:

war eine unverschämte Rede." Abg. Torg- ler (Komm.) wird zur Ordnung gerufen. Die deutsche Arbeiterschaft werde dafür sorgen, daß Hueck und seine kapitalistischen Freunde selbst einmal auf Fürsorgeunterstützung gesetzt wür­den. (Lebhafte Zustimmung bei den Kommunisten und Rufe:Aushängen!")

Abg. Dr. Brauns (Ztr.) betont, der vom Abg. Hueck vorgetragene volksparteiliche Stand­punkt verrate einen ungeheuren Mangel an so­zialpolitischem Verständnis. Die Rede Huecks sei «ht scharfmacherisch gewesen. (Sehr wahr! links und im Zentrum.) Er habe im Auftrage seiner Parteifreunde den Ton, den die Rede Huecks zeigte, aufs tiefste zu bedauern, zumal dadurch auch das nationale Interesse gefährdet werde, das eine Verschärfung der Kluft zwi­schen Arbeitgebern und Arbeitnehmern nicht ver­trage. (Beifall im Zentrum.)

Nachdem noch Abg. S t ö h r (Nok.-Soz./ erklärt hatte, daß seine Freunde die Anträge der Rumpf­koalition ablehnen würden, war d i e " A u s - spräche geschlossen.

Bei der Abstimmung wird auf Antrag der Regierungsparteien mit Ausnahme der Deutschen Dolkspar- tei die vom Reichsrat gestrichene Bestimmung wieder hergestellt, daß der Reichsarbeitsminister den Meldezwang für besetzte S teilen anordnen kann. § 89 a, der die Definition der Arbeitslosigkeit enthält, wird ih namentlicher Abstimmung mit 376 gegen 48 kommunistische Stimmen bei 10 Enthaltungen der National­sozialisten angenommen. Angenommen wird gegen die Stimmen der Kommunisten ein ge­meinsamer Antrag der Kompromihparteien (So­zialdemokraten, Demokraten, Zentrum und Baye­rische Volkspartei), wonach bei der ersten Er­werbslosigkeit Unterstützung nur gewährt wird, wenn innerhalb der letzten zwei Iahre ein Iahr Arbeit geleistet worden ist (Anwartschafts- zeit) oder bei weiteren Arbeitslosmeldungen innerhalb des letzten Jahres ein halbes Iahr Arbeit geleistet ist. Der volksparteiliche Antrag über die gestaffelte Leistungsminde- rung, gegen den sich Abg. Esser (Zentr.) aus­gesprochen hatte, wird gegen die Dolkspartei, die Deutschnationalen und die Wirtschaftspartei abgelehnt.

Der Teil des Kompromißantrages, der aus der befristeten Vorlage die Sonderrege­lung für die Saisonar beiter in die Hauptvorlage übernehmen will, wird abgelehnt. Dagegen stimmt auch das Zentrum. Das Zen­trum hat zwar den Kompromißantrag unter- zeichnet, hatte aber zur Bedingung gemacht, daß die Dolkspartei auf eigene Änderungs­anträge verzichte. Der Teil der Kompromiß- Vorlage, der sich auf die Wartegelder, Renten usw. bezieht, wird angenommen. Danach wird in diesen Punkten die Regierungsvorlage wie­der hergestellt, mit der Aenderung, daß von den Sozial- und Zusatzrenten nicht 20, sondern 30 Mk. im Monat anrechnungsfrei bleiben. Nach dem Kompromihantrag wird ferner die Warte­zeitbestimmung dahin geändert, daß die Warte- ^eitoeriängerung beschränkt wird auf solche Ar­beitslose, die das 21. Lebensjahr noch nicht vol­lendet haben.

Die Sond erregelung für die Saison­arbeiter (Sähe der Krifenfürforge), die nach llebernabme des Antrags ßemmer auf die Hauptvorlage der einzige Rest der bis zum 31. März 1931 befristeten zweiten Vorlage ge­blieben ist, wird mit 229 gegen 115 Stimmen bei 11 Enthaltungen angenommen.

Dritte Beratung der Arbeitslosenversicherung Donnerstag

Krisenstimmung.

Das Echo der Reichstagssitzung.

Berlin, 2. Oft. (£-11.) Die Berliner Blät­ter nehmen zu der durch die Abstimmung über di« Arbeitslosenversicherung im Reichstag ge­schaffenen Lage eingehend Stellung. DieGer­mania" schreibt, die Lage sei verworrener als je. Die Einigung, die in den Mittagsstun­den am Dienstag erreicht war, sei durch die llnnachgiebigkeit der Deutschen Vollspartei wie­der unmöglich gemacht worden. DerVor­wärts" spricht von einem Konflikt in der Koalition und sagt, politisch habe die Volks- Partei am Dienstag die bestehende Regierungs­koalition bis hart an die Grenze der Kris« herangeführt. Die Auseinandersetzungen zwischen ihr und dem Zentrum seien noch nicht abgeschlossen. Der Kampf um die Arbeitslosen­versicherung sei nur ein Vorspiel der gro­ßen Auseinandersetzungen, die sich um die F i - nanzrefvrm entspinnen würden. Bestehe die Regierungskoalition die gegenwärtige Be­lastungsprobe, so würde ihr eine noch schwerere folgen. DieD. A. Z." weist darauf hin, daß die Volkspartei fest bleibe. DieBörsen- zeitung" betont, daß sich der Arbeitslosen­versicherungskonflikt trotz Vertagung der Dei- tragssrage verschärft habe und die Koalition schwer erschüttert sei. DieVossische Zeitung" meint, der Volkspartei werde in der Fraktionsführerbesprechung am Mittwoch die Frage vorgelegt werden, ob fte für die Gesamt­heit der Regierungsvorlage stimmen oder aus der Regierungsmehrheit und dem Reichskabinett auSscheiden wolle. DasBerliner Tageblatt" meint, toerni viÄleicht auch im

Fünfzig Lahre Reichsgericht.

Ein Festakt in Leipzig. - ©erReichspräsident an den höchsten deutschen Gerichtshof

Leipzig, 1. Oft. (TU.) Die 50jährige Iu- belfeier des Reichsgerichtes wurde am Diens­tagmittag durch einen Festakt eingeleitet. Die große Halle des Reichsgerichtes stand in fest­lichem Schmuck. Unter den Anwesenden bemerkte man u. a. die früheren Reichsjustizminister Emminger, Dr. Radbruch und Koch- Weser, den Staatssekretär Dr. I o e I, die rüheren Präsidenten des Reichsgerichtes und den Präsidenten des Obersten Gerichtshofes in Wien, Dr. Dinghofer. Nach einer vom Ge- wandhausguartett vorgetragenen stimmungsvol­len musikalischen Einleitung überbrachte Reichs­justizminister Dr. v. Guerard die Grüße und Wünsche des Reichspräsidenten, der Reichsregie­rung und des Reichskanzlers. Er feierte den Jubilar als den berufenen Hüter der Rechts­einheit und den Kämpfer der deutschen Rechts- enttoidlung und verlas dann einen

Erlaß des Reichspräsidenten v. Hindenburg:

An dem Tage, an dem das Reichsgericht auf ein ünfzigjähriges Bestehen zurückblickt, gedenke ich m i t ) e m Gefühl des Dankes und der Aner­kennung alles dessen, was es für das Vaterland geleistet hat. Das deutsche Recht in seiner Einheit zu wahren und lebendig fortzuentwickeln, ist die hohe Aufgabe des Obersten Gerichtshofs. Unter diesem Leitstern hat die Tätigkeit des Reichsgerichts allzeit gestanden, in den Jahrzehnten einer ruhigen, glück­lichen Entwicklung wie in den Zeiten der Not und Wirrnis, die die Rechtspflege vor Aufgaben von nie geahnter Größe und Schwierigkeit gestellt haben.

Die Wünsche, die ich am heutigen Tage dem Reichsgericht für sein weiteres Wirken darbiete, sind getragen von der Sorge um die Zu­kunft unseres Volkes. An der Festigung des Staatsgedankens und des Geistes einer wahren Volksgemeinschaft mit­zuwirken, ist die Rechtsprechung des höchsten Ge­richtshofs in besonderem Maße berufen. Ihr fallt die große Aufgabe zu, den Glguben an das Recht und bas. Gefühl innerster Ver­bundenheit mit der staatlichen Rechts­ordnung in unserem Volke neu zu beleben und wach zu erhalten. Möge es dem Reichsgericht be- schieden sein, diese Mission zu erfüllen zum Wohle unseres Vaterlandes!

gez. von Hindenburg.

©er Präsident des Reichsgerichtes ©r. ©r. h. c. Dutnke

dankte dem Herrn Reichspräsidenten und dem Reichsjustizminister, gedachte der Opfer des Welt­krieges und der dahingeschiedenen Kollegen, und führte dann u. a. aus: Die deutsche Geschichte lehrt, daß Rechtseinheit und Staatseinheit un­trennbar sind. Darum gebührt den Männern Dank, die nach dem Zerfall des Heiligen Rö­mischen Reiches deutscher Nation den Gedanken der deutschen Einheit wachgehalten, schon für ihn gestritten und gelitten und für Deutschland ihr Blut vergossen haben. Nicht minder aber ge­bührt den Männern Dank, die unter der Führung des ersten Präsidenten des Deutschen Reiches, Friedrich Ebert, im Zusammenbruch nach dem Weltkriege der Reichseinheit und dem Reichs- gsdanken Treue gehalten und in der neuen Reichsverfassung wieder einen festen Rechtsboden geschaffen haben.

Dem Zeichen, das uns an den heutigen Tag er­innern soll, sind die Worte auf geprägt:Gin Reich ein Recht!" Lassen Sie uns hoffen und dahin wirken, daß dieser Spruch in nicht allzu ferner Zeit dahin ergänzt werden kann:Ein Reich ein Recht; ein Volk ein Geist!" Fin­den wir Deutsche uns im Gedanken sozialer Lebensgemeinschaft auf dem Boden des Rechts zusammen, so dürfen wir hoffen, daß auf der­selben Ideengrundlage in absehbarer Zukunft die Volker der Menschheit sich verbinden und damit das Rechtsgefühl, das höchste Ziel des Rechts, verwirklichen werden.

Im Namen des Reichsrats sprach dann der preußische Staatssekretär Dr. W e i s m a n n. Die Glückwünsche der deutschen Landesjustizverwal­tungen und der sächsischen Staatsregierung über- brachte Iustizminister Dr. Dünger. Für Oester­reich, für die Freie Stadt Danzig, für das übrige Deutschtum im Ausland überbrachte, von der Versammlung besonders lebhaft begrüßt, der Präsident des Obersten Gerichtshofes in Wien, Dr. Dinghofer, die herzlichsten Grüße. Geh. Hofrat Prof. Dr. R i ch a rd Schmidt, Dekan der juristischen Fakultät Leipzig, übermittelte die Glückwünsche aller juristischen Fakultäten Deutsch­lands und Oesterreichs und teilte mit, daß die deutschen Juristen aus Anlaß der Jubelfeier des Reichsgerichtes ein sechsbändiges Werk überDie Reichsgerichtspraxis im deutschen Rechtsleben" mit Beiträgen der bedeutendsten deutschen Hoch­schullehrer herausgegeben haben. Im Namen des Deutschen Reichstages sprach dann der Senior der deutschen Juristen und Vorsitzender der Rechtsausschüsse Des Reichstages,

Geh. Rat Prof. D. ©r. Wilhelm Kahl dem Reichsgericht die Dankbarkeit und hohe Ver­ehrung des Parlamentes aus. Was in diesen 50 Jahren das Reichsgericht geleistet hat, liegt in den Hunderten von Bänden seiner Entscher- düngen nur äußerlich erkennbar und meßbar vor dem Auge. Unsichtbar im Hintergründe steht das Riesenmaß von geistiger Arbeitslei­stung seiner gewesenen und lebenden Richter, ihre Hingebung, ihre Pflichttreue, ihr WiUe zur Ge­rechtigkeit. Es ist keine Schmälerung dieses Ruh­mes, daß auch sie der Kritik oft scharfer Kri­tik aus Wissenschaft und Praxis nicht entbehrt. Diese .Kritik ist unentbehrlich auf dem Wege zur Wahrheit. Eine allgemeinste Ursache für solche Konflikte und Spannungen liegt selbstver­ständlich und offensichtlich in dem gegenwärti­gen Kurstiefstand des Rechtes überhaupt. Kaum ein kulturelles Gut hat durch die Nöte der Zeit so gelitten wie das Recht. Der Glaube, der Re­spekt vor dem Recht ist vielfach gesunken. Die besonderen und engeren Ursachen aber liegen in Bestandteilen des heute noch geltenden ma­teriellen Rechtes selbst, in Mängeln und Rück­ständigkeiten und unzeitgemäßen Normen der bestehenden Gesetzgebung. Pflicht des Reichs­tages wird es sein, ein aus der Tiefe der Volks­seele geschöpftes, dem Dollsbewußtsein verständ­liches und harmonisches, ein wahrhaft volks­tümliches"' neues Recht zu prägen. Das Ziel ist eine Rechtsprechung in aller Freiheit. Frei im Geiste, frei von Formalismus und Gebun­denheit an den Buchstaben. In diesem vaterlän­dischen Vertrauen grüßt der Deutsche Reichstag den höchsten Gerichtshof des Deutschen Reiches.

Verlaufe der Mittwochbesprechungen eine Eini­gung erzielt werden sollte, so sei doch sicher, daß die Festigkeit der Regierungsmehrheit durch die Vorgänge am Dienstag stark erschüt­tert worden sei. DerLokalanzei- ge r" ist der Auffassung, daß trotz der Zusam­menstöße zwischen den Regierungsparteien der Reichstag diesmal ohne weitere Krisenerschei­nungen auseinandergehen werde. Die Krise komme erst im (Sinter.

Shearer enthüllt weiter.

Washington, 1. Okt. (WB.) Bei der Verneh­mung des Agenten Shearer vor dem Untersuchungs^ ausschuß des Bundessenats stellte Senator Allen an Shearer die Frage, wer ihn bezahle, seit er nicht mehr für die Schiffbaufirmen tätig sei. Shearer antwortete, der Zeitunasverleger William Randolph Hearst habe ihm 2000 Dollar monatlich für die Arbeit gezahlt, die er im Interesse des neuen Kreuzerprogramms und zur Auf­wiegelung der öffentlichen Meinung gegen den Bei­tritt der Vereinigten Staaten zum Internationalen Gerichtshof leistete. Shearer fügte hinzu, Hearst habe ihm noch kurz vor dem Beginn der Enquete des Bundessenats seinen Dank ausgesp ro­ch e n. Shearer wurde nach dem britischen Geheim­dokument gefragt, das er angeblich im vorigen Jahre vorgezeigt habe. Shearer antwortete:Hier ist es. Cs ist unterzeichnet von Sir William Weisman, der, wie jedermann weiß, der Leiter der bri­tischen Spionage und des britischen Geheim­dienstes in Amerika war und der jetzt bei der Kuhn-Loeb-Gesellschaft angestellt ist. Ich erhielt das Dokument von einem Richter Summers; es wurde von der Marinebehörde photographiert. Ich zeigte es auch dem Senator Reed; was Reed damit ge­macht hat, weih ich nicht."

Verdun fordert Grenzschutz.

Drei Milliarden Franken für dieBefestigung der Nordostgrenze.

Paris, 1. Oft. (WD.) An den Innenminister T a r d i e u richtete der Bürgermeister der Stadt Verdun eine Ansprache, in der er ausführte: Wir haben zu sehr unter dem Kriege gelitten, um nicht den Tag herbeizusehnen, an dem eine Wiederholung des Krieges unmöglich wird. Ver­dun liegt aber in derselben Entfernung von der belgischen, französischen und rheinischen Grenze wie 1914. Von Nordosten her Pflegen die Einfälle auszugehen, und ihnen steht nichts im Wege, weil die Forts Daux, Douaumont, Souvilles undFroideterre, die früher den Weg versperrten, nicht wieder instand- gesetzt worden sind. Wenn Verdun auch im Osten durch die Befestigungen von Metz und Diedenhofen geschützt ist, so ist es doch nach Norden hin frei, in erster Linie längs der Grenze. Also braucht Verdun eine starke Garnison, und die Verteidigung der Stadt

muß entweder durch Wiederinstandsetzen der früheren Befestigung Verduns oder durch Anlegung neuer Befestigungen ge­sichert werden.

Auf eine Anfrage des Abgeordneten Rollin über den Stand der Arbeiten zum Schutze gegen Angriffe an der französischen Nordgrenze er­widerte Kriegsminister Painleve, daß das Verteidigungssystem folgende Maßnahmen ent­hält:

1. Dau von Straßen, Eisenbahnen, Kabeltele­graphenleitungen und die LagerungvonAr- tiUeriemunition längs der Grenze;

2. die eigentlichen Arbeiten zur Organisierung der Abwehr, d. h. die Ausrüstung der be­festigten Plätze mit dem modernsten Verteidigungsmittel, so daß der erste Abschnitt, und zwar der besonders empfindliche, vor allem der Abschnitt der neuen französischen Grenze, verteidigt werden kann. Diese Arbeiten werden zur Zeit durchge­führt in der Gegend von Metz längs der Lauter, längs der Vogesen, längs des elsässischen Ab­schnitts des Rheins und der Alpen. Sie umfassen besonders die Verbesserung der noch bestehenden verwendbaren Festungswerke und nament­lich die Anlage neuer Defestigungs- werke und sotten unter Beschleunigung der­jenigen, die schneller durchgeführt werden können, in ein bis fünf Iahren abgeschlossen sein. Die gesamten dafür erforderlichen Kredite, einschließ­lich der bereits bewilligten, Werden sich auf 2,5 bis 3 Milliarden belaufen.

Aus aller Welt.

Hindenburgs Geburtstag.

Der Reichspräsident verbringt seinen 8 2. Geburtstag fern von der Hauptstadt auf dem Lande. Von besonderen Feierlichkeiten ist des­halb abgesehen worden. Die Hindenburg- Spende schüttet wiederum an 2200 bedürftige Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene und Vete­ranen 425 000 Mark aus. Die Hindenburg-Spende, die der Herr Reichspräsident aus den ihm zu feinem 80. Geburtstag dargebrachten Mitteln errichtete, konnte u. a. bisher insgesamt 2 3 0 0 000 M k. an notleidende Kriegsopfer überweisen.

Graf Zeppelins" Polarfahrt.

Diplomingenieur Lehmann, dem die Füh­rung desGraf Zeppelin" auf der für den kommenden April vorgesehenen Nordpolfahrt übertragen worden ist, erklärte über den Stand und die Aussichten der Expedition, daß die Polarfahrt desGraf Zeppelin" ganz und gar keinen Bezug auf Derkehrspläne Der Zeppelin- Gesellschaft hat. Ein regelmäßiger Luftschiffs­betrieb in der Arktis erscheine schon durch den bis auf die Monate April und Mai fast immer­währenden Nebel ausgeschlossen.Graf Zeppe­lin" wird über Tromsö und Leningrad nach Mur- man fahren, wo von den Russen ein Ankermast

errichtet wird. Von Murman aus wird er In mehrtägiger ununterbrochener Fahrt längs der grönländisch-kanadischen Polseite Fairbanks in Alaska anfteuem. Von Fairbanks wird der mehrtägige Vorstoß in das unbekannte Pol­gebiet unternommen und nach abermaliger kurzer Erholungspause über das Behringsmeer und die sibirische Seite des Pols die Rückfahrt angetreten. Eine Zwischenlandung auf dem Treibeis ist nicht beabsichtigt: die Polarausrüstung einschließlich der Schlittenhunde ist lediglich als Rettungsmah- nahme bei einem Unfall des Luftschiffes gedacht. Es wird eine Heizung eingebaut. Gegen die Ver­eisung der Ballonhülle gibt es allerdings kein anderes Mittel, als der Schlechtwetterzone recht­zeitig auszuweichen. 3m übrigen istGraf Zep­pelin" ja viel leistungs- und widerstandsfähiger als Nobiles nur 19 000 Kubikmeter großeIta­lia", von der, nebenbei bemerkt, noch gar nicht eststeht, ob sie wirklich durch Vereisung zugrunde gegangen ist.

Hungertod dreier englischer Forscher.

Die Leichen von drei englischen Forschern, die im Jahre 1925 d i e Nordwestküste der Hud- onbai zur Durchquerung der öden Landstrecken Nord-Albertas verließen, sind in einer einsa­men Hütte entdeckt worden. Ein Tagebuch, das in der Hütte gefunden wurde, enthält einen tragischen Bericht über den Kampf der drei For- chungsreisenden gegen den herannahenden Hunger- od. Die letzte Mitteilung war auf dem Ofen ge- chrieben und aab bekannt, daß das Tagebuch im Ofen selbst zu finden sei. Neben dem Tagebuch be- anb sich das Testament, das einer der Forscher hin­terlassen hatte. In der Hütte wurde nichts Eß­bares aufgefunden.

Eine Vrandftifierbande im Spreewald.

Dem Untersuchungsrichter des Kottbuser Landge­richtes ist es zusammen mit Beamten des Brand­dezernats der Berliner Kriminalpolizei gelungen, ein^ regelrechte Brandstifterorganisation festzustellen, die in der letzten Zeit etwa 10 0 Feuer in G e - Höften der Umgegend angelegt hat. Bei der Staatsanwaltschaft schweben zur Zeit Verfahren gegen 30 Personen aus dem Spreewaldgebiet. Meh­rere von ihnen sind bereits festgenommen. Die Or­ganisation der Brandstifter verfolgte in erster Linie den Zweck, die ihr angehörenden Besitzer, die auf ihren eigenen Höfen Brandstiftungen be­gingen, durch einen Alibibeweis zu decken. In zahlreichen Fällen haben nicht die Besitzer selbst, sondern Fremde den Brand gelegt. Ein junger Bursche aus der Umgebung von Kottbus war dafür bekannt, daß er für 50 Mark jederzeit be­reit war, Feuer anzulegen. Weiter wurde ermit­telt, daß auch ein Bauunternehmer feine Hand im Spiele hatte. Bei einigen Besitzern, die unter dem dringenden Verdacht der Brandstiftung festgenommen wurden, fand man wenige Tage nach dem Brande bereits d i e Baupläne für neue Gebäude.

Todesopfer eines Wohnungsbrandes.

In Berlin entstand in einer Wohnung in der No­valisstraße aus ungeklärter Ursache ein Brand. Die Flammen ergriffen einen allem in der Wohnung anwesenden gelähmten alten Mann, der in einem Korbstuhl saß. Als einer der Mitbewohner kurz darauf nach Hause kam, standen der Korbstuhl und die Kleidung des Unglücklichen in hellen Flammen. Obwohl es gelang, das Feuer noch vor Eintreffen der Feuerwehr zu löschen, war der Gelähmte den furchtbaren Verletzungen bereits er­legen.

vandilenüberfall in Mexiko.

Banditen hielten in Amozec einen Omnibus an und gaben Schüsse auf die Reisenden ab. Eine Person wurde getötet, eine verwundet. Alle Reisenden wurden vollständig ausge - plündert und, nachdem man ihnen auch die Kleider fortgenommen hatte, in unbeklei­detem Zustand auf der Landstraße zurück­gelassen.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die fortgesetzte Störungstätigkeit im Norden wirkt sich weiter auf unseren Witterungscharakter aus. Die neue Störung hat sich zu einer Sturm- zyklone entwickelt, die heute morgen schon über dem Nordmeer lag. Infolgedessen bleibt das Wetter durch sie zunächst unbeständig und Nieder­schläge treten auf.

Wettervoraussage für Donnerstag: Unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter, zeitweise Niederschläge, mehr in Schauer übergehend, Tem­peraturen schwankend, lebhafte, um West drehende Winde.

Lufttemperaturen am 1. Oktober: mittags 17,7 Grad Celsius, abends 10,1 Grad; am 2. Oktober: morgens 14 Grad. Maximum 18 Grad, Minimum 9,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. Oktober: abends 15,6 Grad; am 2. Oktober: mor­gens 12,4 Grad Celsius. Niederschlag: 5,2 mm, Sonnenscheindauer Ya Stunde.