Mittwoch, 2. Oktober m
179. Jahrgang
Nr. 251 Erstes Blatt
Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Buch. und Zteindruckerei R. Lange in Glesien. Zchriftleltung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.
Schwere Zusammenstöße im Reichstag
Volkspartei und Zentrum in der Arbeitslosendebatte
nicht bieten.
1611
l.cliobrr
1
setzt, glauben deren Teilen weil in dem des Staates hineingespielt einer Waffe
3 » iS f> *
aber auch nicht, daß er mit an* seiner Vorlage Glück haben wird. Wunsch eines erhöhten Schutzes die Nebenabsicht sehr stark mit
Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher»
Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20% mehr.
Chefredakteur:
Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.
wurde er aufgefordert, sofort sein Amt als besoldeter Stadtrat und sein Stadtverordnetenmandat niederz ulegen. Aach einer Korrespondenzmeldung wird Degner dieses Verlangen seiner Partei ablehnen.
Preußens Staaisvertrag mit der Evangelischen Kirche.
Berlin, 2. Oft. (Priv.-Tel.) Die Verhandlungen mit dem Evangelischen Oberkirchenrat wegen des Abschlusses eines dem Konkordat analogen TlebereinZommens sind soweit gediehen, daß etwa am 15. Oktober die erste Formulierung des Vertrages dem Ministerpräsidenten Dr. Braun unterbreitet werden kann. Hauptsächlich ist noch über die unabhängig von den Zuschüssen zur Pfarrerbesoldung zu gewährende Erhöhung der Dotationen zu verhandeln. Bisher bekamen die evangelischen
Lösung so, daßd ie Hälfte des Defizits durch die Einsparungen, die andere durch die einhalbprozentige Beitragserhöhung gedeckt werden sollte. Dieser Antrag wurde im Ausschuß abgelehnt, auch mit den Stimmen der Deutschen Dolkspartei, der er nicht weit genug ging. Wir haben uns weiter ehrlich um einen Ausgleich bemüht und glaubten heute nachmittag schon den Weg frei, da überraschte uns die Dolkspartei mit ihrem Antrag, der das an sich gesunde Prinzip unseres Antrages Aie- sener so verzerrt, daß die Arbeitslosen bei solchen Tlnterstühungssätzen zum langsamen Hungertod verurteilt wären. (Hört! hört!) Wie soll ein Ehepaar von 13 Mark wöchentlich leben können? Wir würden Anträge, die zweimal im Ausschuß abgelehnt sind, nicht noch einmal im Plenum einbringen. Solche Parteipolitik läßt sich nicht rechtfertigen. (Tlnruhe bei der Deutschen Dolkspartei.) Die Folge einer solchen Regelung wäre eine große Mehrbelastung der W oh l f a h r t s a u s g a be n der Gemeinden und damit eine Erhöhung der Real- steuern. Außerdem würde der volksparteiliche
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte
Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.
monats--Be$ugsprei$:
2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt.
Hernfprechanschlüsse untcrSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686.
168,M 22,07 11132 59,« 2,«
112-J 11,01 62,07 12,615 73,27
ten, er hat sich zu den wesentlichen Einzelheiten des Entwurfs, die zunächst amtlich dementiert wurden, nachträglich bekannt.
Da ist vor allem der Sibirien-Paragraph, der dem Gericht das Recht geben will, den Verurteilten einen Zwangs aufenthalt in bestimmten Teilen oder an bestimmten Orten des Reichs anzuweisen. Die Sozialdemokraten berufen sich darauf, daß eine ähnliche Bestimmung auch imaltenSchuhgeseh schon enthalten gewesen sei. Das ist richtig. Soweit wir wissen, ist sie aber niemals zur Anwendung gekommen, älnd außerdem, das erste Republikschutzgesetz war ein Ausnahmegesetz, oder wenigstens ein Sondergesetz, daS von Anfang an nur beschränkte Gültigkeit hatte. Jetzt aber will Herr Severing ein Dauer- g e s e h im Reichstag durchbringen. Er hat alle verfalsungsändernden Paragraphen gestrichen, um mit einer einfachen Mehrheit auszukommen. Diesen Verbannungsparagraphen aber läßt er bestehen.
Merkwürdig genug, das ein sozialdemokratischer Minister ein Verfahren übernimmt, das früher nur im zaristischen Rußland und seither im fa- szistischen Italien in Schwung war. Wir glauben nicht, daß er sich im Reichstag damit durch-
Die sozialen Folgen der Bankenfusion.
Berlin, l.Okt. (WTB.) Der Deutsche Bankbeamtenverein teilt mit: Wegen der durch die bevorstehende Derschmelzung der Deutschen Bank und der Disconto- Gesellschaft für die Angestellten der beteiligten Institute zu befürchtenden R ü ck Wirkungen fand heute im Reichsarbeitsmini st e r i u m auf Wunsch des Deutschen Bankbeamtenvereins eine Konferenz der zuständigen Referenten mit dein Dorsitzenden Fürstenberg der genannten Organisation statt. In dieser Besprechung wurde u. a. das Eingreifen des Ministeriums erbeten und zugesagt. Don der Behörde wurde zunächst eine Besprechung mit den beteiligten Arbeitnehmerverbänden für Anfang der nächsten Woche in Aussicht gestellt. Mit den angeschlossenen Instituten haben die beiden Großbanken gegenwärtig rund 24 000 kaufmännische und gewerbliche Angestellte.
Antrag gar nicht die Deckung des Defizits der Arbeitslosenversicherung bringen. Die Zentrumsfraktion wird darum die Anträge der DolkS Partei a b l e h n e n. (Beifall im Zentrum.)
Abg. Hueck (D.D.P.):
Unsere Fraktion nimmt für sich in Anspruch, daß sie das vorliegende Problem durchaus sachlich auch im Interesse der Arbeitnehmer behandelt hat. (Lachen links.) Wir stimmen dem Abg. Esser darin zu, daß bei Schaffung des Arbeitslosenversicherung die wirtschaftliche Entwicklung nicht richtig vorausgesehen wurde. Wir ziehen daraus aber andere Konsequenzen. Wir haben von vornherein Anträge gestellt, die daS Mindestmaß dessen darstellen, w a s e i n- gespart werden muhte, um die Reichsanstalt ohne Reubelastung der Wirtschaft zu sanieren. Wir berechnen aus der jetzt von unSl beantragten Derlängerung der Wartezeit nebst gestaffetter Leistungsminderung eine Einsparung von 2 7 9 Millionen, die neben den stillen Reserven zur Sanierung der Reichsanstalt genügen würden. Wir müssen es uns auf daS
Nie Gteuerabbaupläne.
Noch im Ltadium der Erwägung.
Berlin, 2. Off. (Priv.-Tel.) Die Berliner Abendblätter beschäftigen sich eingehend mit Angaben der „kölnischen Zeitung" über den im Rahmen der Fi- nanzreform geplanten Steuerabbau. Danach sei zunächst eine Senkung der Einkommensteuer und der Realsleuern geplant, und zwar stufenweise im Laufe von fünf Jahren, von der vermögens st euer fallen vermögen bis zu 20000 21lt. frei bleiben. Bei den Realsteuern sei eine Senkung von 10 Prozent geplant. Bei der Einkommen st euer soll das steuerfreie Minimum heraufgefeht werden. Ledige Personen sollen bis zu einem Einkommen von 1800 Mark steuerfrei bleiben. Für verheiratete sollen d i e Familien- und k i n d e r a b s ch l ä g e erhöht werden. Ein verheirateter Mann mit zwei Kindern würde danach bis zu einem Einkommen von 3000 Mark steuerfrei bleiben. Als Ersah für die Senkung der Realsteuern soll den Gemeinden die Erhebung einer Kopf st euer, die jeder Gemeindeeinwohner in gleicher höhe zu zahlen hätte, gestattet werden. Die Kapitalertragssteuer soll bei fest verzinslichen Papieren beseitigt werden, jedoch nur mit Geltung für Reuausgaben.
3m Gegensatz zu diesen Steuerermäßigungen soll die Bier st euer erhöht werden, und zwar im Betrage von etwa 180 Millionen Mark. An dieser Erhöhung sollen die Länder beteiligt werden. Für die Abtragung der Rentenbankschulden soll die Frist erheblich verlängert werden. Die Verzinsung der Industrie- Obligationen soll schrittweise beseitigt werden, und zwar sei vorgesehen, im Laufe von fünf Jahren diese Belastung der Wirtschaft abzubauen.
Rach der „D. A. Z." erklärt das R e i ch s f i n a n z- IN i n i ft e r i u m , daß die erwähnten Mitteilungen in wesentlichen Teilen richtig seien. Die Pläne befänden sich jedoch noch im Stadium der Erwägung, vor allem mit Rücksicht auf die noch schwebenden Po ung-plan - Verhandlungen. — Aehnlich äußerl sich die „G e r m a n i a“, die erklärt, daß die oben skizzierten Pläne des Reichssinanz- ministeriums er st in groben Umrissen fest ständen, endgültige Beschlüsse aber noch nicht gesoßt seien. Insbesondere habe sich auch das Reichs- kabinelt noch nicht damit befaßt.
Oos Zündholzmonopol.
Berlin, 2. Oft. (Priv.-Tel.) Die etwas undeutlich formulierte Erklärung der Reichsregierung zu den Derhandlungen mit dem schwedischen Industriellen Ivar K r e u - g c r, hat Anlaß zu einer Reihe von Vermutungen und Gerüchten gegeben, die wohl nicht ganz den Tatsachen entsprechen. Wie uns von gutunterrichteter Seite versichert wird, hat die Regierung tatsächlich nicht daran gedacht, das zu schaffende Zündholzmonopol einfach den Schweden vollkommen auszuliefern. Man wollte vielmehr das private Zündholzsyndikat, in dem die Schweden schon heute maßgebend beteiligt sind, in ein Reichsmonopol umwandeln, womit die russische Zündholzeinfuhr abgestoppt worden wäre. Da Ivar Kreuzer -aut diese Weise immerhin eine ihm lästige Konkurrenz losgeworben wäre, war der Schwede an der Schaffung eines Reichsmonopols interessiert und schien bereit zu sein, seinerseits alsGegenleistung eine Anleihe in der Höhe von 500 Millionen, also geringer als ursprünglich berichtet wurde, anzubieten. Tlebrigens verlautet, daß die Bedingungen dieser Schwedenanlekhe für das Reich recht günstig gewesen wären und wesentlich besser als alle anderen ausländischen Angebote. Ob der Plan nunmehr vollkommen fallen gelassen wird, ist noch nicht zu übersehen.
Oer Gklarekskandal.
Der Berliner Magistrat schon vor zwei Jahren vor dem Geschäftsgebahren der
Sklareks gewarnt.
Berlin, 1. Oft. (WTB.) Schon vor zwei Iahrcn war aus Kreisen der Wirtschaftspartei der Nachweis geführt worden, daß der Magistrat durch die Kleider-Vertriebs-Gesell- fchaft ganz erheblich überteuert wurde, und daß beispielsweise für Mäntel, die int Berliner Großhandel für 14,75 Mk. zu kaufen waren, von der städtischen Verwaltung 31,50 Mk. bezahlt werden mußten. Auf Veranlassung des Bezirks- vcrordncten Perl hatte der Cinzelhandelsaus- schuß der Berliner Handelskammer ein Gutachten abgegeben, in dem diese Angaben erhärtet wurden. Der Magistrat hat sich allerdings über dieses Gutachten der Berliner Sachverständigen des Konfektionsgewerbes hinweg- gesetzt und ist einem Gutachten gefolgt, das von einem Görliher Handelskammermitglied erstattet wurde und das sich auf den Standpunkt stellte, daß die von den Sklareks geforderten Preise angemessen seien. Die Handelskammer Berlin hatte übrigens auch dem Magistrat angebot^l, ihm ehrenamtliche Sachverständige zur Nach- vrüfunq der Preise zur Verfügung zu stellen. Der Magistrat bedankte sich in höflichen Worten für dieses Anerbieten und teilte mit, daß er davon gelegentlich Gebrauch machen
Das Republikschutzgesetz.
Schwere Bedenken gegen den Entwurf Geverings
hat, das Republikschuhgeseh zu gegendie Parteipoltische Opposition auszubauen, und dazu wird, so hoffen wir wenigstens, der Reichstag seine Hand
werde. In Wirklichkeit hat der Magistrat aber niemals die ihm zur Verfügung gestellten Sachverständigen gehört.
Im Berliner Stadtparlament erklärte Bürgermeister Scholz: Bedauerlicherweise ist die Kontrolle der Geschäfte der Sklareks nicht genügend scharf gewesen, so daß Fälschungen vorkommen konnten. Außerdem haben die Sklareks für die Stadt Berlin besondere gefälschte Bücher geführt. Eine Schuld von 7000 Mark war in 700 000 Mark umgefälscht worden. Der Magistrat beschloß darauf, schleunigst mit Hilfe der Polizei die Betrüger festzunehmen und deren Vermögen sicherzustellen. Beim Magistrat hat sich inzwischen die Anschauung verdichtet, daß städtische Beamte etwas strafrechtlich Verfolgbares nicht getan haben. Die Höhe der Sklarekschen Verpflichtungen kann kein Mensch genau angeben. Die Passiven mögen rund 10,5 Millionen betragen, denen etwa zwei Millionen Aktiven aus dem Warenlager und den Außenständen gegenüberstehen. Der Verbleib der fehlenden Millionen ist ganz unklar. Vielleicht sind sie ins Ausland ver- sch o ben.
Oie Sklareks und die K. p. O.
Berlin, 1. Oft. (WTB.) Die Bezirksleitung Berlin-Brandenburg der K. P. D. teilt mit, daß die beiden Stadträte Gäbel und Degner an den Betrügereien der Sklareks nicht das mindeste Verschulden treffe. Gäbel habe aber als Dezernent des Magistrats im April d. I. die Verlängerung des L i eferungsVertrages mit den Slareks bis zum Iahre 1935 abgeschlossen, ohne die Fraktion, und die Partei vorher zu befragen. Dieses Verhalten werde von der Bezirksleitung auf das schärfste verurteilt. Bezüglich des Stadtrats Degner wird festgestellt, daß er nach seinen Angaben feit Iuli 1929 gesellschaftlichen Verkehr mit einem der Gebrüder Sklarek unterhalten habe. Wegen dieses die Partei schädigenden und „unproletarischen" Verhaltens
P 1,7* 1'1'8 112'j s 16,# 80,92 62,18 2,003 0>5 5135 ■I:SS 73,11 ,037 II-’’ 81-# Ä
6,51
8örse.
»ebener Anzeigers'.
Tendenz: unsicher. - usllosigkeit, dis igen Abendbvrje war, i Lormittaasverkehrs stillem Geschäft :rwiegenb Abgabenei. weiter zur Schwäche, nicht einheitlich, dach
Märkten überwiegend gange. Dan außen jn Särfenfreijen war auf bet gestrigen . Anderseits konnten lute RWE-Abschluß, ch! anregend wirken, berwiegenb 1 bis 1,5 Glanzstosf, die 4v.h. >n war das Angebot nicht unerheblich. Am erfäufe in Reichsbank n Ausmaße fort. Ban Sank etwas schwächer, ert Glettrowerie lagen pte 4 Mark. Man- vernachlässigt. Mans- nach den ersten Kursen t ausgehend, an dem den, eine leichte or- ntcn etwa 1 pj). anbei, weiter leid) nach, m bestand für Ungarn turie etwas lebhafteres je kannte sich die etwas erhalten, und die Kurse ^aben wieder °b- chtungen hinsichtlich de i Zusammenhang mit -efonn. Angeboten und aren Farben und vie- lag-n Eaenska. g
। 11035 gegen Bfnnd ' gegen 3ZA
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
j i et f,-
115<» mV SfefiS
RÜB
»Ln®* Ü6tt ,,Dezember d 1
^ngen gesehen.
lagen genaue ht vor. , Gießen.
'bmarkt war mit 921 205 Kälbern beschickt. - daß der Markt 1 wurden für Kühe W., zweiter Qualität °t 200 bis 355 Mark, bis 350 Mk., Rinder, Mk-, Kälber 55 big )t. Bessere Tiere er-
Der Sibirien-Paragraph.
Von unserer Berliner Redaktion.
Die Reichsregierung hat wirklich eine sehr unglückliche Hand. Wenn sie einmal eine Idee hat, dann kommt sie nicht dazu, sie auf ordnungsmäßigem Wege weiter zu entwickeln, sie wird jedes Mal durch eine der mit Recht so beliebten Indiskretionen gezwungen, sich mit Halbheiten herumzuschlagen. So ist es Herrn Dr. Htlferding mit seinem Zündholzmonopol gegangen, so geht es Herrn Severing jetzt auch mit der Neuauflage des Republikschutzgesetzes: hier noch mit der besondern Nuance, daß der Entwurf vielleicht aus einer anderen Regierungsstelle heraus vorzeitig in das Rampenlicht der Kritik gerückt worden ist, um ihn dadurch kaputt zu machen. Das wird vermutlich auch gelingen, denn was dort im Ressort des Herrn Severing zusammengekocht ist, schmeckt nicht gut; schmeckt auch einem überzeugten Demokraten nicht gut
Gegen die Neuauflage des Republikschutzgesetzes an sich läßt sich ja schwer mehr etwas sagen. Die törichten Bombenattentäter haben dafür gesorgt, daß alle Gründe, die dagegen sprechen können, entwertet sind. Niemand wird es dem Staat verübeln können, wenn er gegen derartigen organisierten Wahnsinn seine Machtmittel schärfen will. Wir müssen uns also wohl oder übel damit abfinden, daß in irgendeiner Form das Schuhgesetz wieder ausblüht. Um so wichtiger aber ist es, von Anfang an dafür Sorge zu treffen, daß nur das Notwendigste geschieht, daß der Staat alle Angriffe abwehren kann. Aber weiter auch keinen Schritt. Und diese Grenze will Herr Severing doch offenbar überschrei-
Kirchen an solchen besonderen Zuschüssen 1,8 Millionen. Man dürfte sich auf der Basis einer Erhöhung um eine Million einigen. England und dieSowjeiunion
Einigung über die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen.
London, 1. Oft. (WB.) Auf der heutigen Zusammenkunft zwischen Henderson und Dowgalewski, dem nach England entsandten Pariser Botschafter der Sowjetunion, wurde eine Vereinbarung über das Verfahren erzielt, „das bei Wiederaufnahme der vollen diplomatischen Beziehungen einschließlich des Austausches von Botschaftern zur Regelung der zwischen den beiden Regierungen schwebenden Fragen befolgt werden soll", sowie -eine Vereinbarung über die Frage der Propaganda. Die Zusammenkunft sand bei Lewes, sieben Meilen von Brighton, dem Tagungsort der diesjährigen Konferenz der Arbeiterpartei, statt. Bei der Zusammenkunft waren nur der Leiter der Nordabteilung des Foreign Office, Seymour, ferner Mc. Cave vom Foreign Office und Hendersons Privatsekretär S e l b y zugegen. Die erörterten Fragen betrafen, wie Henderson mitteilte, 1. die Feststellung der Haltung beider Regierungen gegenüber den Verträgen vom Jahre 1924; 2. den Handelsvertrag und die damit zusammenhängenden Fragen; 3. Regierungsforderungen und private Forderungen und Gegenforderungen sowie Finanzfragen, die mit diesen Forderungen und Gegenforderungen verknüpft sind; 4. Fischerei und 5. Anwendung früherer Verträge und Konventionen. Das Schriftstück, das den beiden Regierungen unterbreitet werden soll und jetzt vorbereitet wird, wird von Henderson für die britische Regierung und von Dowgalewski für die Sowjetregierung unterzeichnet werden. Henderson erklärte: Ich wage es, zu glauben, daß das schließliche Ergebnis der ganzen Angelegenheit sein wird, daß die Beziehungen zwischen diesen beiden großen Völkern auf einer befriedigenden und nach meiner Ansicht dauernden Grundlage hergestellt werden:
1,763 58,« 112- 112,11 1'2-8 10358
21 ts
62,30 2,012 0,4995
58,07 'iS % 11-2 84 tS
, «3*
Sie gefährdete Koalition.
Berlin, 1. Oft. Vizepräsident Gräf gedenkt bei der Eröffnung der Sitzung des 50. Jubiläums des Reichsgerichts, das eine Säule der Reichseinheit sei. Er übermittelt dem Reichsgericht die Glückwünsche des Reichstags. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Vorlagen zur Reform der Arbeitslosenversicherung.
Abg. I ä ck e r (S.) weist die Behauptung zurück, daß die Arbeitslosen in größerem Umfang arbeitscheu seien. Es sei bedauerlich, daß die Landwirt- chaft nicht vollständig in die Arbeitslosenversicherung einbezogen sei.
Abg. S t ö h r (Nat.-Soz.) bezeichnet die Vorlagen als einen schamlosen Raub an den Rechten der Erwerbslosen. Die Deutsche Volkspartei habe kein Recht, über gesunkene Arbeitsmoral zu klagen. (Rufe: „Warum wenden Sie sich nicht an die Deutschnationalen? — Hugenberg kommandiert Euch.")
Abg. Behrens (Dnl.) betont, die Lage der Landarbeit in der Arbeitslosenversicherung sei in der neuen Vorlage verschlechtert worden durch Be- chlüsse, die auch mit sozialdemokratischen Stimmen gefaßt wurden. Das Gesetz bringe keine klare Begriffsbestimmungen der landwirtschaftlichen Facharbeiter.
Abg. Litke (Soz.) äußert Bedenken gegen ver- chiedene Bestimmungen des Entwurfes, vor allem legen die darin vorgesehene Regelung für die Sai- onarbeiter. Er beantragt mehrere Aenderungen. Die Kommunisten seien im Sozialpolitischen Ausschuß viel sachlicher und vernünftiger vorgegangen als jetzt im Plenum.
Abg. Graf Westarp protestiert gegen die Art der Verhandlungen. Minister Wissell habe sich noch nicht einmal zu den Ausschußbeschlüssen geäußert, durch die seine Vorlage durchlöchert worben fei. Der Reichsfinanzminister müsse er- ftäten, ob er das Millionendefizit der Arbeits- losenversicherung auf die Reichsfasse übernehmen wolle. ,
Vizepräsident v. Kordorfs verliest einige inzwischen handschriftlich eingegangene Aende- rungsanträge.
Die Abg. Graf Westarp (Dntl.) und Rädel (Komm.) erklären, sie könnten zu den Anträgen erst Stellung nehmen, wenn sie gedruckt vorliegen. Die Beratung müsse bis dahin ausgesetzt werden. Auf Antrag des Abg. Esser (Ztr.) wird um 17.30 Uhr die Sitzung um eine Stunde ver tagt. Nach Wiedereröffnung der Sitzung betont
Abg. Esser (3 )
die Entwicklung der letzten Stunden müsse jeden zum Nachdenken bringen. Die Arbeitslosenfrage sollte hier und da mit etwas mehr Ernst behandelt werden. (Sehr wahr! — Rufe bei den Kommunisten: „Mit weniger Heucheln!") Die wirtschaftliche Entwicklung werfe als Folge der Rationalisierung jeden Tag neue Massen von Arbeitern auf die Straße. Diese Entwicklung konnte bei der Schaffung des Arbeits- losenversicherungsgesehes nicht vorausge- sehen werden. Wir halten noch immer den Grundgedanken unseres Antrags für richtig, wonach d i e Leistungen den Beiträgen an« gepaßt werden sollen. Die Berechnungen ergeben aber, daß dabei in Einzelfällen zu niedrige Leistungen herausfärnen. Wir suchten dann die
167,86 21'A 111.48 58,78 2,475 112.13
Stic!


