Ausgabe 
2.9.1929
 
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Auch die Schweiz geschlagen.

Deutschlandgewinnt denLänderkamPf83:54

3n Zürich fand am Sonntag ein großes Dlu- menfest statt, das auch dem auf dem Platze des F.C. Zürich ausgetragenen neunten Leicht­athletik-Länderkampf Deutschland Schweiz Abbruch tat. Es kamen nur 2000 Zuschauer, und das war sehr bedauerlich, denn der Kampf nahm einen spannenderen Verlauf, als man erwartet hatte. Die eidgenössischen Leicht­athleten kämpften sehr tapfer und entrissen der zweiten deutschen Garnitur einige sicher erwartete Erfolge. 3m Gesamtklassement blieben unsere Vertreter, zwischen denen sich einige Versager befanden, aber doch mit 83:54 Punkten ganz klar Sieger.

Die Ergebnisse.

100 m: 1. Körnig°D. 10.6 Sek. 2. Schlößke-D. 11 SÄk. 3. Vogel-Sch. 4. Enderle-Sch. 7:3 Punkte für Deutschland.

2 0 0 m: 1. Körnig-D. 22 Sek. 2. Schlößke-D. 22.6 Sek. 3. Vogel-Sch., dichtguf. 4. Goldsmith- Sch. 7:3 Punkte für Deutschland.

4 0 0 m: 1. Schneider-Sch. 50.1 Sek. 2. Krebs- D., Brustbr. 3. Single-D. 4. Goldfarb-Sch. 5:5 Punkte.

8 0 0 m: 1. Kausmann-D. 2:06.3 Min. 2. Dec- Sch. 3. Tarnogrocki-D. 2:07,1 Min. 4. Rarnrnel- meyer-Sch. 6:4 Punkte für Schweiz.

1 5 0 0 m: Schilgen-D. 4:06.5 Min. 2. Osch- Wald-Sch. 4:08.2 Min. 3. Walpert^D. 4. Rydeg- ger-Sch. 6:4 Punkte für Deutschland.

5000 m: 1. Petri-D. 15:30.8 Min. 2. Kohn-D. 15:43.8 Min. 3. Marthe-Sch. 15.48 Mim Dernez- Sch. 7:3 Punkte für Deutschland.

110 m Hürden: 1. Schneider-Sch. 15.5 Sek. (Schweizer Rekord). 2. Steinhard-D. 16,1 Sek. 3. Stauber-Sch. 4. Weih-D. 6:4 Punkte für Schweiz.

4mal 10 0 m: 1. Deutschland (Körnig, Na­than, Großer, Schlöhke) 42.1 Sek. 2. Schweiz (Vogel, Enderle, Straub, Sutter) 43.6 Sek. 3:1 Punkte für Deutschland.

4mal 4 0 0 m: 1. Deutschland (Tarnogrocki, Weiß, Krebs, Single) 3:20.8 Min. 2. Schweiz (Rarnmelmeher, Goldfarb, Vec, Schneider) 3:25 Win. 3:1 für Deutschland.

Stabhochsprung: 1. Meier-Sch. 3.60 m. 2. und 3. Kiesow und Stechemesser-D. je 3.50 m. 4. Kirchhoffer-Sch. 3,40 m. 5:5 Punkte.

Weitsprung: 1. Mölle°D. 7.11 m. 2. Meier- Sch. 7.01 m. 3. Sutter-Sch. 6.75 m. 4. Darth.-D, 6.70 m. 5:5 Punkte.

Hochsprung: 1. Donneder und Schwarz- fischer-D. je 1.80 m. 3. Stauber-Sch. 1.75 m. 4. Lamberts-Sch. 1.70 m. 7:3 Punkte für Deutsch­land.

Diskus: 1. Hirschfeld-D. 44.53 m. 2. Weih- D. 38.83 m. 3. Vogler-Sch. 37.62 m. 4. Vachmann- Ech. 35.18 m. 7:3 Punkte für Deutschland.

Kugelstoßen: 1. Hirschfeld-D. 15.90 m. 2. Vogler-Sch. 13.29 m. 3. Weih°D. 13.16 m. 4. Zeli-Sch. 12.68 m. 6:4 für Deutschland.

Speerwerfen: 1. Weimann-D. 62.93 m. 2. Schumacher-Sch. 56.06 m. 3. Darth°D. 54.34 m. 4. Meier-Sch. 54.32 m. 6:4 Punkte für Deutsch­land.

Gesamtergebnis: 83:54 Punkte für Deutschland.

Oie Fußball-Derbandsspiele in Güddeutschland.

Auch der diesmalige Verbandsspielsonntag war nicht frei von den üblichen Lleber- raschungen, wenn auch die weitaus meisten Kämpfe mit dem Siege der favorisierten Mann­schaften endeten.

2m Bezirk Wain-Hessen holte sich in der Gruppe Main der F.Sp.V. Frank­furt seine ersten Punkte gegen Germania Bürgel, die 0:3 geschlagen zurückkehrte.

Kickers Offenbach war gegen Eintracht Frankfurt sichtlich unterlegen, erzielte aber doch mit 1:1 Toren den Gewinn eines Punktes. F. C. 1 893 Hanau gewann gegen Rvtweiß Frankfurt durch einen vom Frankfurter Tor­wächter gröblich verschuldeten Elfmeter mit 2:1 Toren. Sp. Dgg. 02 Griesheim und Union N iederrad lieferten sich einen sehr harten Kampf, der 3:3 endete.

Die Gruppe Hessen sah in Worms den harten Kampf der beiden Ortsrivalen, der von Wormatia gegen Alemannia 4:1 ge­wonnen wurde, trotzdem die Alemannen den Platz stellten. Der Liganeuling, S. V. 9 8 D armstadt, bereitete dem F. S p. D. 0 5 Mai n z, der nicht recht in Schwung kommen will, mit 3:1 eine bittere Niederlage. S. V. Wiesbaden zeigte sich dem V. f. L. Neu-Isenburg mit 3:1 überlegen, und Hassia Dingen nutzte den eigenen Platz zu einem 5:1 gegen den F. C. 0 3 Langen aus.

Im Bezirk Bayern stellte sich erneut her­aus, daß die Gruppe Nordbahern zur Zeit in der Sp.Vgg. Fürth ihre beste Mannschaft hat. Der Deutsche Meister schlug auf fremdem Platze den V. f.N. Fürth mit 8:1 Toren. Der 1. F. C. Nürnberg dagegen scheint weiterhin völlig außer Form, denn er holte sich beim A.S.D. Nürnberg nur ein mageres 3:2. Der Gruppennculing, die Sp. Dgg. Hof unterlag dem älteren Ortsbruder, Bayern Hof, mit 0: 4 Toren. Der 1. F. .C. Dahreut h hatte dem F.V. 04 Würzburg mit einem knappen 1:2 erwartungsgemäß die Punkte mit­zugeben.

Aus der Gruppe Südbahern werden zwei normale Ergebnisse gemeldet: D. S. V. München gegen Bayern München 1:3, und F. D. 9 4 Ulm gegen S. V. 1860 Mün­chen 2:4. Dagegen überrascht das 5:4 der Teutonia Münch en gegen Schwaben Augsburg, und noch mehr der 3:0 Sieg, den

Iahn Regensburg über Wacker Mün­chen erfocht.

In der Gruppe Württemberg gelang dem V. f. B. Stuttgart nur ein 1:0 gegen V. f. R. Heilbronn. Der F. C. Pforzheim bewies seine ansteigende Form durch ein 4:1 ge­gen Sportfreunde Stuttgart. Der F.C. Birkenfeld rang Germania Brötzin­gen mit 1:1 einen Punkt ab, aber die größte Ueberraschung zeitigte UnionBedingen, die die Stuttgarter Kickers 2:1 schlugen.

Noch toller ging es in der Gruppe Ba­den zu, wo der Liganeuling, F. V. Schram­berg. den berühmten K. F. D. Karlsruhe 4:2 abfertigte. Der F.C. Villingen hielt sich mit seinem 2:2 gegen Phönix Karls­ruhe ebenfalls sehr gut, aber der S. C. Frei­burg mußte dem F. D. Rastatt mit 1:2 beide Punkte mitgeben.

Vom Bezirk Rhein Saar blieb die Gruppe Rhein von allen Ueberraschungen verschont. S. V. Waldhof Mannheim schlug Lindenthal 08 Mannheim ganz glatt mit 5:2 Toren, V. f. L. Neckarau be­hauptete sich mit 2:1 gegen Phönix Lud­wigshafen. In den beiden restlichen Treffen verloren die Platzherren. Sp. Vgg. Mün­tz e n h e i rn gegen V. f. R. Mannheim 1:4, F.Vgg. Rohrbach gegen Sp. Vgg. Sand­hofen 1:3.

Die Gruppe Saar hatte nur ganz knappe Ergebnisse zu melden, darunter zwei Unentschie­den. 6 a ar 05 Saarbrücken gegen Sport­freunde Saarbrücken 1:1, und V. f. R. Pirmasens gegen V.f.R. Kaiserslau­tern 3:3. Borussia Neunkirchen kam mit 3:1 Toren gegen den 1. F. C. 07 Idar zu zwei Punkten, aber F. V. Saarbrücken nützte gegen den F. C. Pirmasens nicht einmal den Vorteil des eigenen Platzes etwas. Er ver­lor mit 2:3 Toren.

9. Herbst-Regatta des Lahn-Regatta-Lerbaades.

Veranstaltet vom Verein Rudersport Gießen 1913.

Erster Tag.

Am Samstag waren die ersten Dorrennen fällig, die nachfolgende Ergebnisse zeitigten:

Iungmann-Vierer. 1. Lauf: 1. Coche­mer Rudergesellschaft 6:41; 2. Verein Ruder­sport Gießen 1913 6:58. 2. Lauf: 1. Wetzlarer Ruderclub 1880 6:35,4; 2. Mainz-Kasteler Ru­dergesellschaft 1880 6:43. Es qualifizieren sich demnach für das Hauptrennen die Cochemer Rudergesellschaft und der Wetzlarer Ruder­club 1880.

Iungmann-Vierer. 1. Lauf: 1. Lim­burger Rudergesellschaft 1920 6:23,4 ; 2. Offen­bacher Ruderverein 1874 6:29,8. 2. Lauf: 1. Gie­ßener Rudergesellschaft 1877 6:23,8; 2. Limburger Ruderclub 1907 6:30,4. Infolge Eingangs eines Protestes wird am Sonntagvormittag das Vor­rennen für den 1. Lauf dieses Wettkampfes wie­derholt.

Zweiter Tag.

Die Dorrennen nahmen am Sonntagvormittag ihren Fortgang und wiesen folgende Resultate auf:

Anfänger-Vierer. 1. Lauf: 1. Wetzlarer Ruderclub 1880 6:31; 2. Mainz-Kasteler Ruder­gesellschaft 1880 6:35,6. 2. Lauf: 1. Verein Ru­dersport Gießen 1913 6:31,6; 2. Limburger Ru­derclub 1907 6:33. 3. Lauf: 1. Cochemer Ruder- Gesellschaft 6:34,2; 2. Marburger Ruderverein von 1911 6:40,2. Das Hauptrennen wird bestritten von dem Wetzlarer Ruderclub 1880, dem Verein Rudersport Gießen 1913 und der Cochemer Ruder-Gesellschaft.

Erster Lahn-Vierer. 1. Lauf: 1. Lim­burger Ruderclub 1907 6:14,4; 2. Limburger

Ruderverein 1895 6:19,6. 2. Lauf: 1. Verein Rudersport Gießen 1913 6:27,6; 2. Marburger Ruder-Verein von 1911 6:31. In das Haupt­rennen kommen der Limburger Ruderclub 1907 und der Verein Rudersport Gießen 1913.

Lahn-Iungmann-Vierer. 1. Lauf: 1. Limburger Ruderclub 1907 6:26,4; 2. Limbur­ger Ruderverein 1895 6:34,4. 2. Lauf: 1. Gieße­ner Ruder-Gesellschaft 1877 6:22,2; 2. Limburger Rudergesellschaft 1920 6:22,6. Im Endkampf wird dann der Limburger Ruderclub 1907 und b;e Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 zu sehen sein.

Ermunterungs - Vierer. 1. Lauf: 1. Wetzlarer Ruderclub 1880 6:51; 2. Marburger Ruder-Verein von 1911 5:51,2; 3. Limburger Ru­derclub 1907 6:51,6. 2. Lauf: 1. Verein Rudersport Gießen 1913 (2. Boot) 7:36; 2. Verein Rudersport Gießen 1913 (1. Boot) 7:40. Im Hauptrennen tref­fen sich demnach der Wetzlarer Ruderklub 1880, der Marburger Ruder-Verein von 1911 und der Verein Rudersport Gießen von 1913 (2. Boot).

Iungmann - Vierer: Wiederholung des 1. Laufes aus dem Vorrennen vom Samstag. 1. Offenbacher Ruder-Verein 1874 6:37,4; 2. Lim­burger Rudergesellschaft 1920 6:38,4. Das Haupt­rennen bestreiten somit der Offenbacher Ruderverein 1874 und die Gießener Ruder-Gesellschaft 1877.

f)aupfrennen.

Am vergangenen Samstag und Sonntag gaben sich in Gießen die Ruderer des Deutschen Ruder­oerbandes aus der näheren und weiteren Umgebung ein Stelldichein, um Zeugnis abzulegen von dem, was sie in dem verflossenen Sommerhalbjahr alles gelernt und gesehen hatten.

Dämonen derzeit.

ZRoman von Arthur Brausewetter.

19. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Ich weiß nicht, weshalb ich es tat... noch dazu einer mir völlig Fremden gegenüber. Es ist doch sonst nicht meine Art. Aber es war etwas so Harmloses in dieser Ditte, daß ich ihr nicht zu widerstehen vermochte.

ilnb jetzt. .. nicht wahr, jetzt sind Sie nichts und haben nichts? Das konnte sich ja gar nicht besser treffen. Unb nun werde ich Ihnen von mir erzählen."

Den Kopf lässig hintenüber gelegt, fuhr sie mit der leise singenden Stimme fort:Ich spiele all­abendlich im Wintergarten desDanziger Hofs". Ich bin bis jetzt nur in großen Konzerten auf­getreten, aber der Besitzer, der mich im Klind- word-Echarwenka-Saal in Berlin hörte, verpflich­tete mich für sein Unternehmen. Er hat es nicht zu bereuen gehabt; denn er hat feinen Winter­garten mit jedem Abend voller und hütet sich, mich freizulassen, obwohl ich meine Bedingungen täglich steigere. Der Geiger, mit dem ich bisher spielte, ein blutjunger, hochbefähigter Mensch, hat sich gestern nachmittag, nachdem er sein Allerletztes im Zoppoter Kasino verseht hatte, eine Kugel durch den Kopf gejagt. Das ist an sich nichts Absonderliches und schließlich nur seine Angelegenheit. Aber er war rücksichtslos genug, mir nichts von seiner Absicht mitzuteilen, ich hätte mich sonst beizeiten nach einem Ersah um­gesehen. Jetzt hat er mich in die größte Verlegen­heit versetzt; denn einen Geigenspieler, mit dem ich zusannnrnpasse, finde ich nicht so leicht.

Ich hatte eben eine Anzeige auf gesehen unb, schlenderte ratlos hier durch die Straßen, da hörte ich Sie spielen, und schon nach den ersten Klängen wußte ich, das ist der Mann, den du brauchst... und haben mußt! Unb wären Sie in Stellung oder in Amt und Würden, und wären Sie mit tausend Ketten gebunden ich hätte Sie doch bekommen ... Wissen Sie? Ganz sicher hätte ich Sie bekommen ... Ich brauche nur zu wollen, dann kann ich auch."

In den Augen der Künstlerin brannte ein Funke auf. Es waren Augen, die durchsichtig waren, trotz ihrer sprühenden Helle, Augen, die man nicht erraten und nicht enträtseln konnte.

Wäre ich nicht stellenlos, hungerte ich nicht nach Tätigkeit und leider auch nach Brot . .. ich möchte sehr bezweifeln, ob Sie mich für Ihren Zweck gewonnen hätten!" meinte ich.

Wir wollen darüber doch nicht streiten," erwiderte sie,lieber Herr ... sehen Sie, nun weiß ich noch nicht einmal Ihren Namen ... Also, lieber Herr Körber, dte Hauptsache ist,

daß Sie einwilligen, und dafür danke ich Ihnen, über die Bedingungen werden wir uns später einigen. Um acht Uhr beginnen wir. Ich darf Sie bann wohl auf bem Pobium des Winter­gartens erwarten."

Heute abenb schon?" fragte ich in höchstem Erstaunen.Das ist boch unmöglich."

Weshalb unmöglich. Sie haben es boch ein­facher als ich. Sie brauchen nur Ihren Frack unb Ihre Geige."

Aber ohne jebe Vorbereitung ... jede Probe bes Zusammenspiels?"

Das ist völlig überflüssig, wir spielen eben heute nur bekannte Sachen. Ich führe Sie ganz sicher auf bem Flügel unb mein Cellist

Sie brach ab. Eine merkbare Unrufje war plötzlich über sie gekommen.

Es ist bie höchste Zeit. Er wirb auf mich warten ... Also auf Wiebersehen heute abenb.

Ob sich bie nervöse Unruhe, bie bas reuenbe Geschöpf plötzlich überkam, mir mitgeteilt hatte, ber ich sonst nicht so leicht aus bet Fassung zu bringen bin? Iebenfalls hatte ich sofort, nachbem sie mich verlassen, meinen besten Ge­sellschaftsfrack aus bem wurmstichigen Kleider- schrank genommen unb war genau zu der fest­gesetzten Stunbe auf bem Podium des Winter­gartens.

Die Tartini war schon da, und ber Cellist, ein nicht mehr junger Mann, sah, in ben Noten blätternb, auf seinem Platze.

Sie stellte mich ihm vor. Er sah mich mit einem schnellen, prüfenben Blick an unb vertiefte sich Wiebe rum in seine Noten.

Nun begannen wir zu spielen was sage ichwir"? Sie spielte, wir waren bie Trabanten, bas wesenlose Beiwerk ihrer Kunst, gegen die nichts anderes nufzukomnvv vermochte, Unb wenn sie 7hre Hände, bald mit einer Zartheit, die etwas Anbachtsstimmendes hatte, als sänge ein Chor von Sngcto ttüu tiu$, b»ld ; einer Kraft, hx der ein Aufruhr lobte, atfs wären alle Dämonen der Finsternis in ihr entfesselt, über die Tasten gleiten ließ, bann verstaub man es, bah selbst eine Zuhörerschaft wie die des Wintergartens, bie üblichen Schüsseln beiseite schob, in ihrem Kauen unb Schwatzen innehielt, um biefer Musik zu lauschen.

Ich habe eine merkwürbige Beobachtung ge­macht. Schon am ersten Abend siel es mir auf, dann wurde es mit jedem Male deutlicher und zugleich unbegreiflicher, daß dies Mädchen von bem Augenblicke an, wo es düs Pobium betritt, ein ganz anberer Mensch ist. Ich kann nicht recht sagen, welcher Art biese Deränberung ist ... etwas Ungebunbened, Unfreies ist in ihr, als wäre sie gar nicht mehr sie selbst, als hanbeite . unb lebte [te unter einem fremden Einfluß

Auch wenn sie am Flügel sitzt unb man ihr an­merkt, wie ihre Kunst sie ganz in ihre Banden schlägt ... bies Fremde, sich selbst Entrückte, weicht nicht von ihr.

Ich sehe sie vor mir, wie sie damals auf meiner kleinen Bude ben Bogen führte. Mit wel­chem Vergnügen, welcher federnden Leichtigkeit sie sich jeder Schwingung ihrer Kunst hingab, mit welcher Unbefangenheit unb kindlichen Fröh­lichkeit sie mit mir lachte und plauderte unb fange an, über biese merkwürdige Wand­lung nachzudenken.

Etwas Seltsames hat sich ereignet.

Ein wenig früher als sonst kam ich heute in den Wintergarten. Er war nur halb erleuchtet und völlig leer. Einige Kellner waren mit der Ordnung der Tische unb dem Auflegen ber Ge­decke für ben Abenb beschäftigt.

Die dunkelblaue Seidenjacke der Tartini und ihr Hut mit den zwei großen Straußenfedern! hingen am Garderobeständer. Sie war also schon da.

Aber auf dem Podium traf ich sie nicht.

Da hörte ich von dem Künstlerzimmer her, in das sie sich meist allein in den Pausen zu­rückzuziehen pflegte, und dessen Tür nur an­gelehnt war, eine gedämpfte, in der unterdrückten Erregung schwer wahrnehmbare Stimme, die heftig auf sie einsprach, während man von ihr selbst nicht eine Silbe vernahm.

Nur eine kleine Weile war ich der unfrei- willige Zeuge dieser Unterhaltung, dann wußte ich, daß diese Stimme keinem anderen gehören konnte als bem Cellisten.

Ich hatte bem Manne bis dahin wenig De- achtunz ges Henkt, hatte tauin etn Wort mit ihm gewechselt. Er war zu Gesprächen nicht aufetVat A«ch mit der Tartini fsvsch xr km , Still, den eckigen K»pf ndt dem perückengle^chen, schwarz unb weiß getupften Haar unb ber steilen, gelblich schimmernden Stirn sah er da, auch wenn er nicht spielte, tief über sein In­strument gebeugt, unb schien von ber Außen­welt so wenig Notiz zu nehmen, wie sie von ihm. Dann unb wann nur, wenn er eine größere Pause in ber Begleitung hatte, ober die Tartini ohne solche spielte, hob er bas Haupt. Dann aber lag in dem schnell zufassenden und festhaltenden Blick seiner bohrenden, scheinbar ganz ruhigen Augen etwas unb nun mit einem Male wußte ich, weshalb bie Tartini eine anbere war, sowie sie das Podium bestieg. Es kam von diesem Manne, ber jetzt bort neben­an mit einer Stimme auf sie einsprach, in ber kaum etwas Hartes ober gar Scheltendes war, unb die boch so scharf unb einbringeub klang.

Hatten sie Mich gehört?

Das beste Ruderwetter begünstigte an den zwei Tagen die Veranstaltung. An beiden Ufern der Lahn hatten sich eine stattliche Anzahl Zuschauer eingefunden, die mit großem Interesse den Verlauf der verschiedenen Rennen verfolgten. Zwischen den einzelnen Wettkämpfen sorgte eine Musikkapelle für die nötige Unterhaltungsmusik.

Die M e l d e e r g e b n i s s e zu dieser Regatta wiesen eine ausgedehnte Besetzung auf und man konnte annehmen, daß demzufolge guter Sport ge­boten wurde, worin man auch nicht getäuscht wurde. Die Abwicklung der einzelnen Wettkämpfe erfolgte ziemlich pünktlich. Bedauerlich ist es nur, wenn wäh­rend einer Regatta gemeldete Rennen zurückgezogen werden aus Gründen, die dem Zuschauer, also kei­nem Ruderer, unbekannt sind. Diese Feststellung muß man so ziemlich auf jeder rudersportlichen Ver­anstaltung machen.

Ein nicht zu entschuldigendes Verhalten während der Regatta zeigten zahlreiche Paddler. Man konnte auch jetzt wieder beobachten, daß die ganze Renn­strecke mit Paddelbooten aller Art befahren wurde. Es wirkt nicht allein störend aus die Ruderer, son­dern die Paddler sollten es auch vermeiden, an Regattatagen die Rennstrecke, die nun einmal an solchen Tagen den Ruderern vorbehalten bleibt, zu bevölkern, schon deshalb, weil eine erhebliche Ge­fahr des Zusammenstoßens damit verbunden ist.

Nachstehend die Ergebnisse der Haupt­rennen (Bahnlänge zirka 1800 Meter):

Lahn-Achter (Ehrenpreis): 1. Limburger Ruderklub 1907 5:50 Min.; 2. Verein Rudersport Gießen 1913 (H. Haller, W. Beck, Aug. Giffey, O. Keller, A. Krug, E. Heck, K. Dietrich, Eugen Heck; St.: Mühlich) 5:53 Minuten. Nach den 1000 Meter schiebt sich Limburg vor unb behauptet sei­nen Vorsprung bis ins Ziel.

Iungmann-Vierer (Ehrenpreis): 1. Co­chemer Rudergesellschaft, 6:339/io Min.; 2. Wetzlarer Ruderklub 1880 6:39 Minuten. Aus ber Streck« kommt Wetzlar vor Cochem zu liegen, muß aber kurz darauf, scharf bedrängt von Cochem, die Füh­rung an diese abgeben und Cochem geht als siche­rer Sieger aus dem Rennen hervor.

Jungmann-Einer (Ehrenpreis): 1. Main­zer Ruderoerein (Hans Apel) 7:14 Min.; 2. Bon^ ner Ruderverein 1882 (Ionia Lehmann) 7:246/to Min.; 3. Wetzlarer Ruderklub 1880 (Erich Stein) 7:34 Minuten. Eine sichere Sache für den Sieger«

Anfänger-Vierer (Ehrenpreis): 1. Coche­mer Rudergesellschaft 6:45 Min.; 2. Verein Ruder­sport Gießen 1913 6:54 Min. (G. Haas, K. Höpf- ner, A. Heinz, K. Heinstadt; St.: H. Mühlich). Der Start vollzieht sich ziemlich glatt. Bei zirka 900 Meter gibt der Wetzlarer Ruderklub 1880, der auch mit in dem Rennen lag, auf. An der 1000-Meter- Grenze kann sich Gießen einen kleinen Vorsprung schaffen, muß ihn aber wieder, weil Cochem gut aufkommt, abgeben. Cochem vergrößert seinen Vorsprung bis ins Ziel auf zirka eine Bootslänge und ist somit sicherer Sieger.

Staatspräsidenten - Vierer (Heraus­forderungspreis): 1. Mainz-Kasteler Rudergesell­schaft 1880 6:30 Min.; 2. Limburger Ruderverein 1895 6:33R/io Minuten. Mainz-Kastel sichert sich von vorneherein die Führung unb siegt unangefoch­ten mit etwa eineinhalb Bootslänge voraus.

Iungmann-Vierer (Hermann-Happel-Ge- dächtnispreis): 1. Gießener Rubergesellschaft 1877 6:446/io Min. (W. Roth, W. Heußel, W. Flimm, H. Hochstätter; St.: H. Loh). Die Gießener Nuder- gesellschaft 1877 fährt ein schönes Rennen in gu­ter Verfassung nach Hause. Der Dffenbnd/cr Ru­deroerein 1874, ber auch in dem Rennen lag, gab bei 1500 Meter, nachdem er etwa eine Boots- länge zurück war, auf.

Herbst - Achter (Georg - Appel - Gedächtnis- preis): 1. Mainzer Ruderverein 5:55 Min.; 2. Co­chemer Rudergesellschaft 6:10 Minuten. Die Mann­schaft des Mainzer Ruderoereins fährt in gutem Schlag mit drei Längen Vorsprung zum Sieg.

Schüler - Vierer (Chrenplakette, Bahn- länge 1000 Meter): 1. Limburger Ruderverein 1895 3:44.4 Minuten; 2. Gießener Rudergesell-

Das Gepräch verstummte. Die Tartini unb ber Cellist traten auf bas Podium, begrüßten mich, er in seiner kühlen, sie in ihrer flüch­tig befangenen Art, unb setzten sich schweigend an ihre Instrumente.

Einige frühe Gäste waren inzwischen erschie­nen. Die Tartini öffnete ben Flügel, rieb mit dem seidenen, spitzenbesetzten Taschentuch die schlanken Finger, ün denen sie ein leises Zit­tern spürte, schlug einige Tasten an, wir stimm­ten unb begannen mit dem Chor ber Friedens­boten aus bemRienzi".

Ich war wenig bei der Sache, kam sogar einmal so bedenklich aus dem Texte, daß mich ein verwunderter Blick aus den heute leise umflorten Augen traf unb mich noch mehr ver­wirrte. Meine Gebanken gingen ihre eigene Dahn, irrlichterten hin unb her, kehrten den ganzen über, gleichviel, ob ich beschäftigt war. ober müßig saß, immer zu dem einen zurück: In welchem Verhältnis stand dieser Mann zu der Tartini?

Heute erschienen der kleine Zehden und der tolle Kemp. Ich habe sie seit jenem Regiments­abend im Ratskeller nicht wiedergesehen. Es muß ihnen gut gehen. Sie bestellten ein fest­liches Mahl, und der Kellner brachte gleich den Kübel mit der Sektflasche.

Warum auch nicht? Die Zündhölzerfabrik, die der kleine Zehden leitet und in deren- Auf­sichtsratzwei Senatoren sitzen", soll mächtig emporschießen, und für den tollen Kemp blüht bei seiner Skrupellosigkeit ber Weizen wie nie zuvor.

Der Kreis um bie beiden wird größer. Mehrere Reginientsk.Lm'erLdsn haben sich ihm zugesellt. Keiner sieht oder erkennt mich. Aber zur Tar- tin) ^feiten bie lüsternen Blick« mghr nbc- rcin- der verl^ch^o. hinaus, rasten sn ihr auf unb nieder.

Sie sieht und hört nichts. Sie spielt in einer Selbstvergessenheit, bie etwas aller Gegenwart Entrücktes an sich hat, als führten unsichtbare Mächte ihre Hände.

Wenn ihr einmal ein kleines Versehen unter­läuft, ober sie fehlgreift, zuckt ihr Antlitz zu bem Cellisten hinüber.

Der sitzt in seiner unbeweglichen Art, streicht sein Instrument, als hätte er nicht bas geringste bemerkt, ilnb doch habe ich das Gefühl, als hätte er sie fortwährend in ben Augen, als leitete unb verfolgte sie jeder seiner Blicke.

Unb toieber taucht bie Frage in mir auf: Welch ein geheimnisvolles Band verknüpft das junge, entzückende Geschöpf mit dem alternden Manne?

(Fortsetzung folgt) v