wohnern, so daß nach Einrichtung all dieser Linien einschließlich der schon bestehenden Offenbacher Linie jetzt eine Gesamtstrecke von 515 Kilometer von der Deichspost befahren und der Postverkehr von rund 77700 Einwohnern erfaßt wird. Die Einrichtung dieser Landkraftpostlinien bedeutet eine wesentliche Verbesserung der Po st Verbindung des flachen Landes und damit eine Förderung der dort ansässigen Wirtschaftsbetriebe, werden doch die in Frage kommenden Orte täglich zweimal berührt, gegen früher einmal.
Feuerwehr-Jubiläum in Homberg a. d. Ohm.
-er. Homberg a. d. Ohm, 31.Juli. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr konnte am vorigen Sonntag ihr 50jähriges Bestehen festlich begehen. Eingedenk des Wahlspruches: „Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr", leitete sie den Festakt durch einen Festgottes- dienst in unserer altehrwürdigen Stadtkirche ein. Der Geistliche hatte zwei Predigttexte für diesen Gottesdienst ausgewählt. Der erste forderte auf zu freudigem Danken, der zweite zu ernsten Vorsätzen. Die Wehren betreiben, so sagte er u. a., unter Einsatz ihres Lebens ein Christentum der Tat, und dies möge auch in Zukunft so sein. Die Feuerwehrkapelle wirkte im Gottesdienst mit. Der gefallenen Wehrleute gedachte man durch Kranzniederlegung am neuen Kriegerdenkmal.
In Gegenwart der Vertreter der Behörden, des Kreisfeuerwehrinspektors Hölscher aus Alsfeld und der Vertreter der fremden Wehren fand nach dem Gottesdienst an der ehemaligen Herrnscheuer ein Exerzieren statt, an das sich ein Brandangriff anschloh. Sämtliche Aufgaben wurden exakt gelöst und fanden reiche Anerkennung. Auch die der Feuerwehr angegliederte Sanitätskolonne wirkte bei dieser älebung durch Lösung einer besonderen Aufgabe mit, die ebenso volle Zustimmung fand.
Hm 13.30 Uhr bewegte sich ein stattlicher F e st z u g unter den Klängen der Feuerwehrkapelle durch die Straßen unseres Städtchens, das zur Feier des Tages reichlichen Schmuck angelegt hatte. Die Gründer fuhren in mehreren Autos im Festzuge mit. Wenn der Himmel am Vormittage ein trübes Gesicht zeigte, so herrschte am Nachmittag das gewünschte Festwetter. Nach Ankunft des Zuges auf dem Festplatze ließen die beiden Gesangvereine einen wuchtigen Massenchor als Begrüßungschor erllingen. Dann übermittelte Kreisfeuerwehrinspektor Hölscher die Glückwünsche des am Erscheinen verhinderten Kreisdirektors Dr. Stammler und des Dezernenten des Feuerlöschwesens im Kreise, Negierungsrats Strack. Gleichzeitig brachte er ein Schreiben der hessischen Regierung, in welchem der Jubilarin Anerkennung und Dank ausgesprochen wurde, zur allgemeinen Kenntnis und überreichte dieses Schriftstück dem Feuerwehr- Hauptmann Vogel, Homberg. Der Redner gedachte des langen Zeitraumes des Bestehens der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr und faßte seine Wünsche in ein „Gut Wehrt" zusammen. Der zweite Redner übermittelte ebenfalls Glückwünsche, ferner Brandmeister R i e b e l aus Gießen, der im Auftrage der beiden Gießener Freiw. Feuerwehren sprach. Feuerwehrhauptmann Vogel erntete für seine treffenden Ausführungen starken Beifall, ebenso der Vertreter der Stadt, Bürgermeister Schweiler. Die Festrede hielt sodann Pfarrer P r a e t o - r i u s, Homberg. Einleitend sprach er von den verschiedenen Vereinen und Zielen: keiner von diesen stehe so im Dienste der allgemeinen Nächstenliebe als eine Feuerwehr. Er ging dann auf die Geschichte der Wehr näher ein. Bis zum Gründungsjahr (1879) bestand hier ein Feuerwehrturnverein, in dem jeder Turner auch Wehrmann war, der sich später in zwei selbständige, mit verschiedenen Satzungen versehene Vereine auflöste. Der Redner nannte die Namen der Gründer, gedachte der einzelnen Feuerwehrhauptmänner, führte die in den fünfzig Jahren vorgekommenen Brände an und forderte zum Danke auf, da doch den Mitgliedern einer Wehr für ihre schwere, aufopfernde Tätigkeit nicht überall Anerkennung gezollt werde. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Wehr, die Gemeinde und das Vaterland schloß er seine Rede, der der Gesang des Deutschlandliedes folgte. Nachdem Feuerwehrhauptmann Vogel sämtlichen
Vornan von Edgar Wallace.
43. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Der andere betrachtete ihn mit einem stahl- harten Blick.
„Was machst du denn hier, Jake?" fragte er leise. „Habe ich dir nicht geboten, die Frau unter keinen Umständen allein zu lassen, bis ich selbst komme?"
„Ja, aber Sie sind nicht gekommen, Herr," erwiderte der blinde Mann. Es war ergreifend, den flehenden Ton, die Demut in seiner Stimme zu hören. Seine toten Augen starrten auf den horten Mann, den er über alles verehrte, dem er diente, dem er gefolgt war, tote die Menschen dem unerbittlichen Schicksal folgen müssen. Ein riesenhafter, wilder Hund von einem Manne, kräftig genug, den Herrn, den er anbetete, in seinen Pranken zu zerreißen, und doch bereit, bei jedem scharfen Worte dieses Mannes sich jammernd und winselnd in den Staub zu beugen. Jake der Blinde hatte alles für John Dearborn getan, war der willigste Helfershelfer bei seinen, verbrecherischen Plänen, war der gehorsamste Sllave seiner unersättlichen Begierden gewesen. Blut klebte an seinen Händen, und es gab viele Nächte, in denen unheimliche, verschwommene Schatten in feinem Zimmer erschienen und verschwanden, in denen kalte Finger ihn berührten, kalte, starre Finger nach feiner Kehle griffen, Nächte, in denen durchnäßte, rauhe Aermel über ihn hinwegwischten, in denen er das eintönige, schauerliche Drip-Drip-Drip des Wassers vernahm.
Aber all das war vergessen. Schweiß floß in Strömen über fein ängstlich verzogenes Gesicht, seine dicken Lippen hingen halboffen über dem keuchenden Munde — vielleicht fühlte der blinde Mann das Feindliche, Llngewohnte in der Atmosphäre, denn in kläglichem Tone fragte er:
„Ist irgendwas nicht in Ordnung, Herr?"
„Wo ist die Frau?" fragte Mr. Dearborn. Seine Worte fielen wie Stahllugeln von seinen Lippen.
Rednern im Namen der Freiwilligen Feuerwehr geziemend gedankt hatte, wurden durch Kreisfeuerwehrinspektor Hölscher mehrere Ghren- diplome an Gründer verteilt. Mit einem kräftigen Hoch auf diese Veteranen endete die offizielle Feier.
Die feiernde Menge verteilte sich anschließend in die geräumige Stadthalle und in die davor aufgebaute Festhalle, wo sich ein frohes Volksfesttreiben entwickelte.
Landkreis Gießen.
• Großen-Linden, 2. Aug. Am kommenden Sonntag veranstaltet der Radfahrerverein 1891 einen Radsportwerbetag. Am Vormittag treffen sich die Vereine der Radfahrervereinigung „Hüttenberg" zum Zweier- Mannschaftsfahren. Mittags ist ein Werbeumzug durch die Straßen der Stadt vorgesehen: im Garten von Gastwirt Schaum findet Kunst- und Reigenfahren statt, woran sich eine Artzahl auswärtiger Mannschaften beteiligen. Besondere Anziehungskraft dürfte das Kunstfahren von Mitgliedern des Radklubs „Germania" Gießen ausüben. Zur Verschönerung des Programms wird der Gesangverein „Germania" einige Lieder vortragen. Den Abschluß bildet gemütliches Beisammensein. (Näheres siehe heutige Anzeige.)
* Gr oßen-Buseck, 1. Aug. Der Polizei- und Schutzhunde-Verein Grohen-Duseck veranstaltete am letzten Sonntag unter Mitwirkung des Polizei- und Schuhhunde-Vereins 1914 Gießen eine Propaganda-Vorführung, an der sich auch die Vereine Lollar und Wieseck beteiligten. Die Vorführung sollte in erster Linie den zahlreich erschienenen Zuschauern zeigen, was ein gut ausgebildeter Polizei- und Schutzhund im Dienste des Menschen zu leisten vermag. Der Hund wurde zunächst im Anfang feiner Dressur gezeigt, während der Gießener Verein der Praxis entsprechende Leistungen darbot. So wurde u. a. ein Raubüberfall auf einen Kassenboten demonstriert, wobei der Täter von dem Hunde aus der Menschenmenge, wohin er sich geflüchtet hatte, herausgesucht und verbellt wird. Auch die Aufklärung eines Felddiebstahls wurde von einem Hunde einwandfrei ausgeführt. An diese und ähnliche Experimente schlossen sich Gruppenvorführungen der Vereine Grohen-Buseck, Gießen, Lollar und Wieseck. Das Interesse an der Veranstaltung drückte sich in dem starken Besuch aus. Die Ausführungen fanden lebhaften Anklang. Im Anschluß an die Veranstaltung fand noch eine allgemeine Besprechung bei dem Mitglied Gastwirt Hahn statt, die zu dem Ergebnis eines Zusammenschlusses aller Polizei- undSchutzhunde- Vereine in Gießen und Umgegend zu einer Arbeitsgemeinschaft führte. Der Vorsitzende des Vereins für deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Gießen, hielt einen Vortrag über Zweck und Ziele des Vereins, und erfreulicherweise traten auf diese Anregung hin die Besitzer der Schäferhunde dem Khnologifchen Verein und der Ortsgruppe Gießen bei.
Kreis Büdingen.
!! Büdingen, 1.Aug. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung nochmals in der wichtigen Angelegenheit „Verbesserung der Wasserversorgung in der Stadt Büdingen", beraten. In den vergangenen heißen Tagen hat sich nämlich gezeigt, daß die Wasserversorgung vollstän- big unzureichend ist, und daß unbedingt sofort Abhilfe geschaffen werden muß. Bürgermeister Hild - n e r hatte sich mit Ingenieur Farr aus Fulda — einem erfahrenen Fachmanne auf dem Gebiete des Wasserleitungsbaues — in Verbindung gesetzt, und diesen um Ausarbeitung eines Gutachtens über den Befund der Büdinger Wasserleitung gebeten. Jng. Farr war zu der Sitzung des Gemeinderats geloben und entwickelte an Hand eines sehr ausführlichen Gutachtens den anwesenden Stadtvätern ein recht klares Bild über die Mängel der Bübin- aer Wasserleitung. Nach einer anregend verlaufenen Aussprache, wobei alle die strittigen Punkte eingehend beraten worden sind, faßte der Gemeinde- rat folgenden Beschluß: Die Quellfassung der Sanb- bornquelle wirb nach bem Vorschläge bes Herrn Jng. Farr burch die Firma Karl Becker in Arn- ftabt in Thüringen erneuert, unb bis Zuleitung von ber Quelle zum Hochbehälter gereinigt. Um bei größerer Wasserknappheit eine Reserve zu haben, soll außerbern an ber Quelle ein Bohrloch nleberge« bracht und eine Pumpe eingebaut werben.
(D Aus bem oberen Nibdertal, 1. Aug. Einen reichen Ertrag liefert die diesjährige H i m • beerernte. Täglich ziehen ganze Familien hin-
Jake rutschte unruhig auf seinem Sitze hin und her.
„Ich mußte sie zurücklassen. Ich konnte doch nicht —“
„Du hast sie zurückgelassen!" Eine neue, unheilverkündende Pause. „Und sie haben sie gefunden, was?" John Dearborns Stimme war sehr sanft geworden.
„Ja, Herr, sie haben sie gefunden," sagte der Mann. „Was sollte ich denn machen? Ich würde doch alles in der Welt für Sie tun. Habe ich denn nicht getan, was in meinen Kräften stand, Herr? Es gibt doch keinen Menschen, der so stark ist wie ich, der alte, blinde Jake. Es gibt doch keinen, der so gerissen für Sie arbeiten kann wie ich? Habe ich denn nicht für Sie gearbeitet? Habe ich sie nicht alle weggebracht, für Sie, Herr? Habe ich sie nicht mit diesen Händen erwürgt, für Sie erwürgt, Herr?"
Er streckte sie aus: große, grausame Hände, rauh und knotig, die Handrücken mit gelbbraunen Flecken bedeckt, die Handflächen voller harter Schwielen.
„Du hast Holt entwischen lassen," sagte Dearborn ruhig und gefühllos, wie der Richter, der ein Urteil verkündet. „Die Frau ist dir entkommen, und das Mädchen auch. Unb du kommst hierher und erzählst mir von allem, was du für mich getan hast!"
..Ich habe getan, was ich konnte," entgegnete der Mann demütig.
„Und man wird dich fassen, dich auch! Und — du kannst sprechen."
«Die Zunge können si emir her ausreiben, bevor ich ein Wort gegen Sie sage, Herr", rief der blinde Jake wild und schlug krachend mit seiner riesigen Faust auf den Tisch. «Sie wissen, daß ich für Sie sterben würde, Herr!"
„Ja", sagte Dearborn.
Seine linke Hand, die Hand, an der der kleine Finger fehlte, fühlte sich langsam in die Hüftentasche, zog langsam einen kurzen, schwerkalibri- gen Revolver hervor.
„Du wirst schwatzen", sagte er. «Du hast ja keine andere Möglichkeit als zu schwatzen, Jake."
aus und suchen die Wälder ab. Mit vollgefüllten Eimern kehren sie am Abend zurück unb verkaufen bie Himbeeren an bie Händler, welche sie bann wohloerpackt in großen Fässern an bie Obstoer- wertungswerke der nahen Städte senden. In Anbetracht der reichen Ernte werden nur niedrige Preise geboten, weshalb es auch viele Leute gibt, welche die Himbeeren zurückhalten, sich erst einige Zentner ansammeln und auf einen besseren Preis hoffen.
]:( Aus bem Bleichenbachtal, 1. Aug. Der Schnitt des Kornes ist in vollem Gange. Stroh- unb Körnerertrag ergeben eine gute Mittelernte. Das übrige (Betreibe hat ebenfalls einen guten Stand mit Ausnahme ber scharfen Aecker. Für bas Wachstum bes Grünfutters kam ber Regen noch recht, und das Vieh ist gerettet, denn geradezu trostlos waren bie Preise, bie in ben letzten Tagen für Großvieh geboten wurden. Für bie Spät- kartoffeln sind noch gute Aussichten, während bei den Frühkartoffeln das Kraut auf trockenen Siedern schon vorzeitig verdorrt war. Die O b st- bäume haben unter ber übergroßen Hitze stark gelitten, eine Menge Früchte ist abgefallen. Doch kann ber Behang bis jetzt immer noch eine Mittelernte versprechen.
Kreis Schotten.
s. Schotten, 1. Aug. Gelegentlich der diesjährigen Verfassungsfeier soll eine Rathausbeleuchtung ftattfinöcn. Der Gemeinderat bewilligte die hierfür notwendigen Mittel. — Der altbekannte Schottener Sommermarkt wird in der hergebrachten üblichen Form durch Aufziehen der Marktwache am Sonntag, 11. August, abends 7 Llhr, eröffnet. Auch hierfür werden die Mittel bewilligt. — Die israelitische Religionsgemeinde läßt zur Zeit ihre Synagoge innen renovieren. Der Gemeinderat bewilligt einen Zuschuß von 200 Mk. —Mit der Aufhebung der für die Stadt seither bestehenden Polizeiverordnung, die die Höchstgeschwindigkeit für Kraf twagen auf 20 Kilometer festsetzt, ist der Gemeinderat einverstanden. Es gelten in Zukunft für den Kraftwagenverkehr die allgemein üblichen reichsrechtlichen Bestimmungen. — Der Bürgermeister berichtet über die mit dem Deutschen Motorradfahrerverband über die Ausgestaltung der Motorradrennen geführten Verhandlungen.
q LIlrichstein, 1. Aug. Die Bürgermeister des Kreises Schotten hielten gestern im Pfannstielschen Saale ihre Jahresversammlung unter Leitung ihres Vorsitzenden, Bürgermeister Mengel (Schotten) ab. Man gedachte zunächst der im vergangenen Jahre verstorbenen Kollegen. Die üblichen Formalitäten, Rechnungsablage u. dgl., wurden erledigt. Der V o r st a n d, der wiedergewählt wurde, setzt sich zusammen aus den Bürgermeistern Mengel (Schotten), Müller (Gedern), Kraus (Wetterfeld), Hofmann (Lllfa), Högy (Laubach), Appel (Lllrichstein), Weber (Eschenrod). Die vom Hessischen Landgemeindetag und dem Hess. Dürgermeisterver- band erfolgte Stellungnahme zu dem Entwurf eines ' Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der Bürgermeister wurde eingehend besprochen. Das kommende Gesetz ist ein Stück Derwaltungsreform zur Hess. Landgemeindeordnung. Nachdem die Rechtsverhältnisse der Gemeindebeamten durch das Gesetz vom März l. I. durch den Landtag geregelt worden sind, ist es an der Zeit, auch die Rechtsverhältnisse der Bürgermeister zu ordnen. Sodann wurden eine Reihe von Fragen der gemeindlichen Verwaltung behandelt. Das Kreisamt soll gebeten werden, Die Erteilung von Genehmigungen an umherziehende Musiker, Schausteller u. dgl. möglichst einzuschränken. Gegen die Sperrung von altbekannten Wald st raßen, die schon Jahrzehnte oder Jahrhunderte von der allgemeinen Oeffentlichkeit befahren worden sind, wie z. B. die Oberwaldstraße, nach dem Hoherods- kopf usw., soll protestiert werden. Rach Schluß der umfangreichen Tagesordnung verblieb man noch in angeregtem Gespräch beisammen. Die Bürgermeister Lein (Lardenbach) und Krauß (Wetterfeld), die auf eine segensreiche 30- bzw. 25jährige Amtstätigkeit zurückblicken, wurden durch Lleberreichung von Ehrenurkunden ausgezeichnet.
Kreis
'<5 Aus dem Ohmtal, 1. Aug. Infolge des trockenen Sommers treten hier die Wespen in großer Zahl auf. Zur Zeit fressen sie die reifen
Der blinde Mann beugte sich ihm zu, krampfhaft zuckte und zitterte es in feinem dicken, runden Gesicht.
«Lind wenn ich sterben sollte —" begann er. Da hob Ehrw. John Dearborn seinen Revolver, zielte lang, am und bedächtig — drei Schüsse hintereinander, die fast wie einer klangen, und der riesenhafte Berg von Muskeln schwankte vorwärts, rückwärts und brach neben dem Schreibtisch zusammen. Jakes des Blinden Tag der Vergeltung war gekommen.
38.
Dearborn schob den Revolver in die Tasche, schloß die Tür auf und ging hinaus. Der kleine alte Mann, der das Amt des Pförtners bekleidete, stand mit offenem Munde im Gang.
„Was ist passiert?" rief er hastig. «Wer hat geschossen?"
„Mach' schnell und hole die Polizei", antwortete John Dearborn ruhig. «Hier ist jemand erschossen worden."
„Du lieber Himmel", flüsterte der alte Mann.
«Am Ende der Straße stehen zwei Schutzleute, beeile dich", sagte Dearborn scharf und lauschte auf das Geräusch der sich entfernenden Schritte.
Dearborn wartete einen Augenblick, ging dann in das Vorderzimmer und schloß die Tür. Lauschend stand er hinter dieser. Jetzt hörte er das Rennen von eiligen Fußtritten, unterschied die beiden Polizisten, hörte, wie sie durch den Gang stürzten und das Geschwätz von einigen Müßiggängern bei ober hinter ihnen. Dann öffnete er die Tür. Ein Polizist beugte sich zu dem blinden Jake nieder.
„Das ist er", sagte er. „Jim, jage alle die Leute zum Hause hinaus und bleibe an der Tür auf Posten, bis der Inspektor kommt. Gib lieber das Alarmsignal."
Der schrille Pfiff der Polizeipfeife gellte durch Lissvm Lane, unb die wenigen Neugierigen, die zum Hause hinausgetrieben waren, blieben vor ber Tür stehen.
„Was ist denn hier vorgefallen?" fragte Mr. Dearborn, und der Beamte lächelte gutgelaunt.
„Horen Sie, Herr Pvstrat," sagte er, «machen Sie, bah Sie weiterkommen und Ihre Briese
Gartenhimbeeren an, die schon durch V* Trockenheit sehr gelitten haben, unb oeriwsachell das Austrocknen der Früchte. Auch bei ben Bienenständen macht sich ihre Räuberei unangenehm bemerkbar. Sie fressen die toten Bienen an, um bett Honig auszusaugen. Sogar burch bie FluÄöcher, die durch bas kühle Sommerwetter von Bienen fast entblößt sind, dringen sie in bie Stöcke ein um Honig zu naschen. Nur schwer können sich bie Bienen gegen diese flinken Räuber schützen. Zur Bekämpfung ber Wespenplage sei dos Abfangen der Tiere mittels enghalfiger Gläser, die mit süßem Fruchtsaft halb gefüllt finb, empfohlen.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
II Wetzlar, 31. Juli. Der heutige Schweinemarkt war beschickt mit 208 Ferkeln. Bei anfangs langsamem Handel wurden folgende Preise bezahlt: für 6 Wochen alte Ferkel 42 bis 50 Mk.; für 7 bis 8 Wochen alte Ferkel 50 bis 55 Mk.; für 8 bis 9 Wochen alte Ferkel 56 bis 65 Mk.; für ältere Ferkel unb Springer 72 bis B5 Mark je Stück.
I Niederkleen, 30. Juli. In seiner letzten Sitzung beschäftigte sich der Gemeinderat in der Hauptsache mit der Beratung des Haushaltsplanes für das Rj. 1 929. Bei dem Abschnitt „Einnahme" wurde beschlossen, W a f s e r z i n s zunächst in dem bisherigen Umfange zu erheben, jedoch das Ortsstatut über die Abgabe von Wasser aus der Gemeindewasser- leitung einer Nachprüfung zu unterziehen. Zur Deckung der laufenden Gemeindebedürfnisse soll, wie im Vorjahre, eine LI m l a g e von 175 Proz. auf die staatliche Steuer vom Grundvermögen, sowie aus die Gewerbekapital- und Ertragsteuer erhoben werden. Bei der Provinz soll der Antrag gestellt werden, zu den Kosten der Herstellung eines Bürgersteiges an der durch den Ort führenden Provinzialstrahe einen Zuschuß zu gewähren. Bei dem Abschnitt „Ausgaben" wurde beschlossen, zur Schaffung eines größeren Wasservorrates für etwa vorkommende Brände die im Kleebach vorhandene alte Schleuse am Hause Schmidt instandzusetzen, ferner am Backhaus eine zweite Schleuse zu errichten. Verschiedene Llntemehmer sollen aus- gesordert werden, einen Kostenanschlag einzu* reichen, worauf der Gemeinderat über die Vergebung der Arbeiten Beschluß fassen will. Die Beschaffung neuer Schulbänke wurde der Firma Gebr. Neuendorff zu Herborn zu ihrem Kostenanschlag übertragen. Die Beschaffung von Lehrmitteln für die Schule muhte mit Rücksicht auf die Schulbankbeschaffung zurückgestellt werden. Die von bem Pfarramt beantragten In - stanbsetzungsarbeiten an der Kirche und am Pfarrhaus sollen ausgeführt werden. Die Erneuerung des Auhenverpuhes der Kirche wurde wegen Mangels an Mitteln zurückgestellt. Für Wegebauzwecke wurde ein Betrag von 2700 Mark zur Verfügung gestellt. Außer den bereits ausgeführten Wegebauarbeiten sollen her- gestellt werden die Kanalanlage in der Kreuzgasse gemäß dem Kostenanschläge des Kreistiefbauamtes in Wetzlar. Die Arbeit soll in der hiesigen sowie in den Gemeinden Dornholzhausen. Ebersgöns unb Hörnsheim öffentlich ausgeschrieben werden. Das „Trangäßchen" soll ausgebessert werden. Llm die Feuerlöschgerätschaften zu ergänzen, wurde bie Beschaffung einer ausziehbaren Feuerwehrleiter, sowie einer Anzahl neuer Schläuche beschlossen. Fortbil - dungsschuluuterricht soll, wie im Vorjahre, mit den Gemeinden Ebersgöns und Dornholzhausen zusammen in der hiesigen Gemeinde abgehalten werden. Zur Schaffung eines eisernen Bestandes wurde die zinsbringende Anlage eines Betrages von zunächst 500 Mark bei der Dezirkssparkasse in Butzbach beschlossen. Der restliche Teil des Ortsnetzes soll in diesem Jahre umgebaut werden. Lieber den Llm- bau sollen zwei Spezialfirmen Kostenanschläge einreichen, die von der Lieberlandzentrale der Buderusschen Eisenwerke in Wetzlar nachgeprüft werden sollen. Im übrigen wurde der Haushalsplan in Einnahme unb Ausgabe auf 53 950 Mark festgestellt.
<> Hochelheim, 1. Aug. In der Nacht zum Mittwoch wurde in der hiesigen Zigarrenfabrik der Firma Rinn & C 1 oos ein E i n- br u ch s d i cb st a hl verübt. Es wurden eine Anzahl Zigarren, eine Herrenuhr und eine Träger, schürze gestohlen. Es wird vermutet, daß der Täter
lostoerden." Lind John Dearbom warf sich den Sack über die Schulter.
Er hatte die Uniform eines Briefträgers gewählt — sie bewies sich als beste Verkleidung — unb verlieh das Haus wenige Minuten vor Larrys Ankunft. Der Detektiv war bereits unterwegs, um Mr. John Dearborn zu sprechen, und die Handschellen in feiner Tasche toarert ganz besonders für diesen Herrn bestimmt.
Larry sah die Ansammlung Neugieriger vor der Tür und fühlte, daß sich etwas Llngewöhn- liches ereignet haben muhte. Er betrat das! Arbeitszimmer und blickte schweigenb auf ben massigen Körper seines Feindes. Der blinde Jale war auf der Stelle tot gewesen. Niemals hatte er erfahren, wer ihn gefällt hatte, hatte niemals ben gemeinen Verrat seines Herrn, dem er so treu gebient hatte, ahnen können.
„Der Mörder muh hier irgendwo im Hause stecken, Sir", sagte der Beamte. „Der kleine Kerl an der Tür hat die Schüsse gehört, und der Vorsteher hat ihn weggeschickt, um bie Polizei zu holen. Wir finb beide zusammen hierher gekommen, mein Kollege unb ich."
„Ist der Eingang einen Augenblick ohne Bewachung geblieben?“ fragte Larry.
„Nur für eine Sekunde, Sir", antwortete der Mann. „Wir kamen zusammen in das Haus."
„Lind in dieser Sekunde ist unser Freund entwischt", sagte Larry. «Ich glaube nicht, daß es noch Zweck hat, weiter zu suchen."
Larry war in Begleitung der Beamten gekommen, die mit der Verhaftung Dearborns beauftragt waren, und auch deren sorgfältige Durchsuchung des Zimmers brachte nichts von Wichtigkeit zutage. >
Larry fuhr nach dem Präsidium, um mit dem Chefkommissar zu sprechen, und suchte dann daS junge Mädchen auf.
„Ich habe die Neuigkeit schon gehört, sagte sie ruhig. „Sergeant Harvey war gerade hier« Glaubst du, dah Dearborn ihn getötet hat?"
„Dearborn ist David Judd", sagte Larry kurz.
„Doktor Judds Bruder?" rief sie überrascht. „Aber er ist doch schon lange tot“
Er schüttelte ben Kopf.
(Fortsetzung folgt.)


