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Kettag, 2. August 1929

179. Zastrgang

Nr. 179 Erstes Blatt

GietzenerAnzeiger

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Ne- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20% mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Or.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

Beilagen

Die Illustrierte _ Dieß-ner Familienblatier

Heimat im Bild Die Scholle.

Monatr-Vezugspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 2251, 2252 und 2254.

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General-Anzeiger für Oberhesten

Druck und Verlag: vrühl'fche UniverfilSls-Vuch- und Ztelndnickerei K Lange in Siehen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7.

Das paradoxe Kabinett

rung von den betreffenden ausländischen Regie- , * f .. ...

rungen d>- MiU-ilung erhalten, d»h iKr offijieUe D-i-r J an [tefll oHwMHig Name der bevorstehenden Reparationskonfereng I losung dar, die auf gegenfeiftgt

eine kompromih-

gegenseitigen Zugeständnissen

die an

Rom, 1. Aug. (WB.) Unter dem Vorsitz Mus­solinis fand im Palazzo Chigi eine Sitzung zur endgültigen Prüfung des Youngpla- nes statt. Mussolini gab zuerst eine kurze Darlegung der Haltung der italienischen Regierung in dieser Frage und erklärte weiter: Es ist unmög­lich, über den Poungplan ein absolutes Urteil aus­zusprechen. Man muß in relativer Weise darüber urteilen, indem man die Tatsachen, die der Aus­arbeitung des Planes vorangingen, sowie die darin enchaltenen Lösungen berücksichtigt und die Lage in Erwägung zieht, die er regeln soll.

Friedrichshafen, 2.2lug. (TU. Funk- spruch.) Wie vcm Bord des Luftschiffes weiter verlautet, bst an Bord alles wohl, das Welter bst wundervoll, fast zu warm. Die 33 Grad Wärme machen sich sogar im Lust-

oon dem oberen Laufsteg der Halle wahrend der Ausfahrt des Luftschiffes aus der Helle auf den Luffchiffrücken gelangt ist.

Weisungen des Präsidiums des Exekutivkomitees der Sowjetunion elnzuholen, dessen nächste Voll­sitzung die neuen Vorschläge der britischen Regie­rung prüfen wird. Botschafter Dowgalewski ist nach Ueberreichung seiner Antwort nach Pa­ris zurückgekehrt.

Das englische Eornmunique.

London, 1. Aug. (WB.) Ein heute vom Foreign Office ausgegebens Kommunique stellt fest, daß die Besprechungen, die am 29. Juli in London zwischen dem Staatssekretär des Auswärtigen. Henderson, und dem pariser Vertreter dec Sowjetunion, Dowgalewski. über die Wieder­aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und Rußland wiederausgenommen wurden, vorläufig nicht fortgesetzt wer­den. Dowgalewski sei heute früh nach Paris zurück­gekehrt. In dem Kommunique wird darauf hinge­wiesen, daß Henderson In seiner ursprünglichen Ein­ladung an die Sowjetunion sich klar dahin ausge­sprochen habe, daß die britische Regierung zu einer Erörterung über das schnell sie Verfahren zur Regelung der schwebenden Fra­gen einschließlich der Frage der Schulden und der Propaganda bereit sei. Obwohl die Ant­wort der Sorojetregietung auf diese Ein­ladung zweideutig gewesen sei, habe man an­genommen, daß die Sowjetregierung Dowga- lewski ermächtigt habe, über das Verfahren zur Regelung der wichtigsten Fragen nach Maß- gabe der von Henderson vorgeschlagenen Richtlinien zu verhandeln.

Dowgalewski habe auf Grund der von sei­ner Regierung erhaltenen Instruktionen erwidert, daß nach Ansicht seiner Regierung das beste Ver-

Amsterdam, l.Aug. (WB.) Wie der Haager parlamentarische Redakteur desAlgemeen Han­delsblad" berichtet, hat die niederländische Regie-

M o s k a u, 1. Aug. (WB.) Die r u s s i s ch - b r i - tischen Verhandlungen sind, wie die Tele­graphenagentur der Sowjetunion mitteilt, abge­brochen worden, weil Staatssekretär Hender­son sich geweigert habe, die diplomati­schen Beziehungen wieder auszunehmen, be- vor die strittigen Fragen über die gegenseiti­gen Forderungen gelöst seien.

Die Telegraphenagentur der Sowjetunion ist er­mächtigt, über die Verhandlungen mitzuteilen: Dowgalewski erklärte, die Anweisung der So­wjetregierung laute, die Verhandlungen aus­schließlich über die Form der weiteren Be­sprechungen der Streitfragen zu füh­ren. Sie halte es für notwendig, bis dahin die so­fortige Ernennung von Gesandten vorzunehmen. Henderson bezeichnete in seiner Antwort die sofortige Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit aller Entschiedenheit als unmöglich und schlug vor, eine Sowjetdelegation nach London zu ent­senden. Am 31.3uli überreichte Dowgalewski dem Staatssekretär die Antwort des Außenkomis- sariats, in der betont wird, daß die Sowjetregie­rung alles zur Erleichterung der Annäherung zwischen der Sowjetunion und England getan habe. Die Erklärung Hendersons zeige jedoch, daß die bri­tische Regierung keine direkte Wiederauf- nähme der Beziehungen wolle, sonst würde sie nicht als Vorbedingung für die Wiederaufnahme normaler Beziehungen die Lösung von so schwie­rigen Fragen stellen, wie es die gegenseitigen Forderungen und Gegenforderungen sind. Die Role der britischen Regierung vom 17. Iuli verlangt erneute, besondere Erwägung. Da­her ist das Außenkommissariat gezwungen, die

Eingängen zu stellen, sondern ver­langen umgekehrt sofortige und be­dingungslose Räumung des gesam­ten besetzten Gebietes als unser gutes moralisches und juristisches Recht. Wahrscheinlich spielt Driand dabei auf die berühmte Feststellungs- und Dersöhnungs- kommission an. Ruch er muh sich darüber klar sein daß wir sie höchstens als das kleinere liebel, im 'Vergleich zur Fortdauer der Besetzung bis zürn Jahre 1935, dulden können, aber auch nicht einen Tag länger _ . rr

Wiederum spricht er vom guten Willen. Run, wir haben zehn 3ahre lang so unendlich viel guten Willen gezeigt, daß uns mehr zu tun wahrlich nicht mehr übrig bleibt. 3eht istes endlich einmal für F r a n kre i ch an der Zeit, guten Willen zu zeigen und nicht nur immer davon zu sprechen. Die nächsten tDochen un Haag werden uns und die übrige Welt darüber aufklären, ob Herr Driand in der Tat guten Willens ist, die Folgen des Weltkrieges gründ­lich und für immer zu beseitigen. Den Beweis dafür kann er liefern, indem er für dievöllige Räumung des besetzten Gebiets bei Annahme des Boung-Plans eintritt. Tut er das, werden wrr angenehm enttäuscht sein. Mehr ist aus seiner kurzen Rede in der Kammer nicht zu entnehmen.

schifs ist der westlichen Strömung des Rordsee- tiefdruckgebietes inzwischen entronnen. 3m Bereich der flachen Teiltiese an der spanischen Ostküste wird es nur schwache Winde antreffen. Stär­ker werden jedoch die Winde am Raum der Gibraltar st raße auffrischen. Beim Hinein­steuern in das Azorenhoch wird das Luft­schiff abermals auf schwache Winde stoßen. 3m Westen der Azoren lagert ein T i e f - ausläufer, der von den Labrador-Tiefs weit ostwärts bis in den Raum der Bermudas reicht. Unter seinem Einfluß werden westlich der Azoren die Winde auf Südwest drehen und stellenweise wird Regen fallen. 3m Raum zwi­schen den Azoren und Reufundland ist Rebel anzutreffen.

AmerikanischeVorberettungen

Reuhork, 1. Aug. (WTB.) Die Morgen­blätter bringen die Abfahrt desGraf Zeppelin" in großer Aufmachung. Ra- mentlichHerald Tribüne" undWorld" brin­gen ausführliche Einzelheiten. Auf der R ü ck- fahrt wird das Luftschiff eine große ameri­kanische Warensammlung mitnehmen, außerdem einige Kegelkugeln, ein Geschenk an den Reichspräsidenten v. Hindenburg. 3n Philadelphia werden im Marinehafen 130 Mann zur Verstärkung bereitgehalten, da die Mann­schaften in Lakehurst für denGraf Zeppelin" nicht ausreichen.

Zeppelin wird am Sonntag in Amerika erwartet.

Washington, 2. Aug. (WTB. Funkspruch.) Vach dem Dafürhalten des Sachverständigen des Marineamtes für Luftnavigation wird derGraf Zeppelin" voraussichtlich am Sonntag in

Lakehurst eintreffen. Da die Tagesstunden für eine Landung als wenig günstig angesehen werden, erwartet man, daß derZeppelin", falls er schon Sonntag früh den amerikanischen Kontinent er­reicht, über den Städten der Ostküste bis gegen Abend kreuzen werde. Rur das her­annahen einer Schlechtwetterzone könnte denGraf Zeppelin" veranlassen, schon zur Mittagszeit z« landen. Eine Landung in der Samstagnacht wird hier nicht erwartet, da die winde auf den Ber­mudas und den Azoren um diese Jahreszeit für einen Westflug ungünstig sind. Indessen rechnen die Marineexperten mit der Möglichkeit, daß Ecke­ner den ungünstigen winden durch Kursneh­men über Madeira ausweichen werde, so daß er später, ausgenommen die letzten 800 Kilometer, Rückenwind haben würde. Man erwartet nun eine Steigerung der Geschwindigkeit, da Graf Zeppelin" die ungünstige Wetter­zone verlassen und Aussicht hat, bereits west­lich der Bermudas zu sein, ehe die sich im Rorb- atlanfif entwickelnden Störungen nach Süden ziehen und ihn erreichen können.

Die Landungsvvrbereitungen in Lakehurst beendet.

£ a f e t) u r ft, 2. Aug. (WTB. Funkspruch.) Leut­nant Iack Richardson von der hiesigen Marine­flugstation wird' an dem Weltrundflug des Graf Zeppelin" als Gast teilnehmen. Die Vor­bereitungen zur Landung find beendet. Die Landungsmannschaft ist über 400 Mann stark, die Leitung hat Eommander Klarte inne. Die Ankunft wird im Rundfunk geschildert werden.

Stresemann beim Reichspräsidenten.

Berlin, 1. Aug. (WB.) Reichspräsident von Hindenburg nahm heute den Bortrag des Reichsministers des Auswärtigen Dr. Strese­mann entgegen.

Botschafter von Hoefch bei Briand.

P a r i s, 1. Aug. (WB.) Botschafter o o n H o e s ch hatte heute nachmittag eine abschließende Un­terredung mit Ministerpräsident Briand, die, wie die vorhergehenden Besprechungen, der bevor­stehenden Konferenz gewidmet war.

Haager Konferenz 1929/'

Gras Zeppelin" heute früh vor Gibraltar

Wenn man den Aussagen verschiedener Zuschauer Glauben schenken darf, daß sich kurz vor dem Em- porsteigen des Luftschiffes mehrere Perso­nen auf der Oberseite des Luftschiffes aufgehalten haben, dürfte der Eindringling wahrscheinlich schon hier oben von der Besatzung gefaßt worden sein. Offenbar wurde sein Abtransport auf die Erde nur dadurch verhindert, daß man mit der Frei­gabe des Luftschiffes von der Erde nicht mehr solange warten wollte oder konnte, bis man den blinden Passagier durch das bekanntlich 30 Meter hohe Luftschiff herunter zum Ausgang befördert hatte. Nur diesem Umstande dürfte es also der blinde Passagier zu verdanken haben, daß er nun doch die Reise nach Amerika mitmachen kann.

Eine Erklärung Eckeners.

Reuyork, 1. Aug. (WTB.) Rach einem Funkspruch des Zeppelinpassagiers Siebel an die Associated Preß erklärte Dr. Eckener, der blinde Passagier werde von Amerika mit dem nächsten Dampfer nach Deutsch­land zurückgeschickt werden, wo er eine st r e n g e Strafe zu gewärtigen habe.

Das Wetter auf dem Ailauiik.

Hamburg, 2. Aug. (SU. Funkspruch.) Das Seeflugreferat der Deutschen Seewarte gibt über die Wetterlage auf dem At­lantischen Ozean folgenden Bericht aus: Das Tiefdruckgebiet über der Rordsee hat sich weiter aufgefüllt und zieht langsam ostwärts ab. Auf seiner Rückseite breitet sich hoher Druck vonderMittedesOzeangebietes aus. Das Azorenhoch hat sich weiter gefüllt. Es sendet einen Teil nordwärts, der auf 20 Grad West länge bis 55 Grad Rordbreite reicht. Ein zweiter Teil des Azorenhochs ist nach der Gi­braltar st raße gerichtet, während an der s p a- nischen Ostküste und über dem Mittel- meer flache Teiltiefs liegen. Das Luft-

Bbbmch der engMmMchen Verhandlungen.

Oer Unterhändler Rußlands von London abgereist.

Haager Konferenz 1 9 2 9" lauten soll.Diese I unscheinbare Bezeichnung sei darum gewählt wor- | den, weil man sich unter den Konferenzmächten im Hinblick auf den Umstand, daß die Fran­zosen die Räumungsfrage nicht mit den Reparationsfragen verquicken wollten, während umgekehrt die Deutschen gerade hierauf den größten Wert legten, über einen konkrete­ren Namen nicht habe einigen können.

Mussolini über deichoung-Plan

beruht. Wie seine Urheber zu verstehen gaben, sind alle Teile des Planes untereinander eng verbunden. Ieder Teil würde ohne den andern nicht bestehen können. Die italienische Regie­rung hat bei der Prüfung des Planes diese Tat­sachen berücksichtigt und ist bereit, ihn als unteil­bares Ganzes anzunehmen, wenn die andern

Regierungen das gleiche tun,

um in dieser Weise das Werk des wirtschaftlichen und politischen Wiederaufbaues Europas zu erleich­tern.

Poincare operiert.

Paris, 1. Aug. (WB.) Poincare ist heutä vormittag in einer Privatklinik operiert wor­den. Die Operation ist, wie mitgeteilt wird, glatt verlaufen, und das Befinden des Patienten zufrie­denstellend.

Heute abend wurde über sein Befinden folgendep Bericht ausgegeben:Der Zustand des Patienten, der einen guten Tag verbrachte, ist durchaus zufriedenstellend. Die Temperatur betrug am Abend 37,5 Grad: Puls 80."

Der erste Redner in der französischen Kammer , . , , r ,

nach Verlesung der Regierungserklärung durch Friedrichshafen, 2. Aug. (MTB. Junt- Briand meinte, baS Kabinett befinde sich in spruch.) Beim Luftschiffbau Zeppelin sind folgende einer geradezu paradoxen Lage, 6a cd Sfanbortmelbungen desGraf Zeppelin" gezwungen sei, auf der Konferenz für die Räu- eingegangen: 2.30 Uhr Kap Keula, 30 Grad mung des Rheinlandes einzutreten, sich lärmet 3 Uhr MKZ., Gibraltar, alles klar, aber auf eine K a m m e r m e h r h e r t stutze, , , die von der Räumung nichts wissen "«raf Zeppelin .

wolle. Das kennzeichnet in wenigen Worten die wirkliche Lage des Kabinetts Driand besser, als | -«DVIV WOlfU

es lange Reden tun können. Daß sich der neue französischen Ministerpräsident selbst keinen Säir- schungen über die Wirklichkeit hingibt, geht auch aus seiner Rede hervor, in der er ausdrücklich erklärte, er verlange nur einen Wafsen still­

st a n d v o n drei Monaten, um die Aufgabe i füMbar. durchzuführen, Frankreich auf der Konferenz zu " 1 ' ,

vertreten, mehr nicht. Darin hegt das Zuge- EHlftOe

ständnis, daß nach der Konferenz erst die , ^7*

eigentliche Regierungskrise für Frankreich Berlin, 2. Aug. (TU. Funkspruch.) Wie komme die dann gelöst werden muh, wenn man Tel«graphen»Llnion erfährt, befindet sich weiß, ob Poincare wieder für die Führung Bord desGraf Zeppelin" tatsächlich in Frage kommt, oder nicht. Daß auch die Kam- I ein blinder Passagier. Weitere Einzel- mer dieser Lleberzeugung ist, zeigte sich tn der heiten über die Art des Eindringens und über Bewilligung der verlangten Schonzeit, indem die £>ie Personalien des blinden Passagiers sind bis Radikalsozialisten sich der Stimme enthielten, als je^t nicht bekanntgeworden.

es zur Abstimmung über die Vertrauensfrage ^Nit dieser Meldung nimmt auch die folgende kam. So erhielt Briand eine Mehrheit von rund Meldung des Friedrichshafener Sonderbericht- achtzig Stimmen. erstatters der Telegraphen-Llnion überein: Wie

Rach allen Berichten aus Paris hat die kurze I $er Sonderberichterstatter der Telegrap he n- Kammersihung mehr den Eindruck eines De- Union erfährt, lassen die verschiedenen Aus- gräbnisses, als einer fröhlichen Wiederauf- fagen der Werftangehörigenumb zahlreicher erstehung eines verabschiedeten Kabinetts ge- Zuschauer beim Aufstieg desGraf Zeppelin" macht. Beim Einzug der Regierung erhielt sie mit ziemlicher Sicherheit darauf schlie- auf der Rechten erst Beifall, als sie von faxt daß es tatsächlich jemand gelungen sein der Linken mit eisigem Schweigen be- muß, an Bord des Luftschiffes zu ge­grüßt wurde. Dasselbe wiederholte sich nach Der- langen. Wenn man sich auch über den Weg, den lesung der Regierungserklärung, die so gezwun- der Eindringling genommen hat, noch nicht gen und nichtssagend wie möglich war. Wiederum g anz im klaren ist, da vom Luftschiff hat es Driand ängstlich vermieden, sich irgend- selbst bis zum späten Abend keinerlei wie festzulegen, in der Erkenntnis, daß sonst (Nachricht über den Vorfall in Friedrichs- feine Mehrheit sofort auseinanderbrechen würde, Hafen eingetroffen ist, so steht doch soviel fest, daß wie es sich schon kurz vor Schluß der verflösse- &er blinde Passagier, wie bereits berichtet, nen Session deutlich am politischen Horizont I abzeichnete. Der sozialistische Redner hatte schon Recht, denn es ist in der Tat geradezu paradox, daß sich ein Kabinett, das an die Aufgabe Herangehen muh, die Folgen des Weltkrieges zu liquidieren, wie sich Driand selbst ausdrückte, auf die einer solchen Politik abholde Rechte stützt, statt auf die Linke, die sie begünstigt, ja sogar fordert. Ein französisches Kabinett ist also ebenso gut wie andere aus innerpolitischen Gründen zu Maßnahmen gezwungen, die dem Zuschauer im höchsten Grage merkwürdig vor­kommen müssen und geradezu absurd erscheinen.

Ratürlich ist für uns, wie für den Ausgang der bevorstehenden Konferenz von größter Wich­tigkeit, was Driand und die Regierungserklärung über die Räumung des besetzten Ge­bietes zu sagen haben. 3n der Regierungs­erklärung heißt es nur. die Konferenz tin Haag werde ein wichtiges Glied in der Kette der Or­ganisation des Friedens fein; die Verteidigung der Rechte und 3nteressen Frankreichs daber bilde den eigentlichen Grund der Existenz des Kabi­netts und sei ihr einziges Programm. Wender kann man wirklich in einer programmatischen Erklärung bei Vorstellung eines neuen Kabinetts nicht sagen, man kann daraus alles, oder nichts entnehmen. Etwas mehr ging Driand aus sich heraus, als er im Laufe der Debatte das Wort nahm. Da meinte er zur Räumungsfrage, die Destimmungen des Friedensver trä­ges darüber seien klar und eindeu­tig. Er sei entschlossen, den besten Willen zu zeigen, aber das Gleiche müsse auch auf der Gegenseite der Fall sein. Schon jetzt sei er der Lieberzeugung, daß die deutschen Vertreter das wirklich tun Hürden, aber auf keinen Fall wolle Frankreich etMis von Dedingungen wissen. Hierzu kann man nur sagen:Herr, dunkel ist der Rede Sinn!" Gewiß, es ist richtig, daß sogar im Ver­sailler Diktat deutlich steht, das besetzte Gebiet solle noch vor 1935 geräumt werden, sobald Deutschland seine Verpflichtungen erfüllt, und daß das der Fall ist, darüber ist sich doch woh.' auch Herr Driand mit uns, mit der englischen Regierung und der ganzen übrigen Welt einig. Also verstehen wir nicht, warum nicht längst ge­räumt worden ist. Wir haben keine De-