Dienstag. 2. Zull 1929
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Nr. 152 Zweites Blatt
Ausfluß
XII. zog
Tumen, Sport und Spiel
Friedberg. Letztere
Is.Vezirkssesi des Arbeiter Turn- und Sport-Bundes.
tief nach von Ny-
in der Müllerschen Ausscheidungsspiel Dem Schiedsrichter Gießen, stellten sich Turnvereins Weh-
Wasserball im Turngau Hessen O. T. Im Kampf um die Gaumeifterfchaft
eine primitive Dauernsprache war. umgemodelt. Esten und Letten sind Gefangene in ihren Sprachzellen und können sich, seit die Weltsprachen Deutsch und Russisch bei ihnen als Fremdsprachen behandelt werden, nicht einmal mit chrem nächten Rachbarn in ihrem Idiom verständigen. Aber der Bildungshunger unter den Esten und Letten ist ein großer. Wenn es vor zwölf Jahren auch nur estnische und lettische Volksschulen, aber keine Mittel-, geschweige denn Hochschulen gab, o zeugt es doch von einer ungeheuren sprachlichen Anstrengung, daß heute bereits auf der alten deutschen Hniversität in Dorpat und auf der lettischen in Riga die meisten Fächer in der Landessprache gelesen werden. Allerdings sind das Estnische und Lettische so sehr künstlich erweitert worden, daß die alten Landleute die Sprechart ihrer Kinder nur schwer verstehen.
Die beiden Ländchen, die bis 1919 trotz ihres Eigenlebens und trotz der kerndeutschen Ober- chichten. staatsrechtlich nicht mehr als zwei rus- ische Provinzen waren, wollen nun den T r e n - nungs strich gegen Rußland ganz besonders dick unterstreichen. Russisch wird nicht einmal mehr in den baltischen Schulen gelehrt,
Unter den günstigsten Vorbedingungen nahm diese Veranstaltung am Samstagnachmittag in Heuchelheim ihren Anfang. Bereits gegen 16.30 Uhr am Samstag traten die Turner und Sportler zu den E i nz e l k äm p f en an. Kurz nach 18 Uhr wurden die Wettkämpfe unterbrochen. Der technische Ausschuß und die Kampfrichter trafen sich zur Kampfrichtersitzung, die kurz nach 20 Uhr beendet war. Inzwischen hatten sich die Ortsvereine, sowie die Bezirksvereine auf dem Festplah eingefunden. Mit einem Massenchor, ..Republikanische Hymne", gesungen von den Sängern der vier Heuchelheimer Gesangvereine, wurde der Kommers eröffnet. Es folgte dann die Begrüßungsansprache des Vorsitzenden der Freien Turnerschaft Heuchelheim. Karl Hofmann. Sein Dank galt den Ortsvereinen und den Bezirksvereinen des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. Bezirksvertreter August Kuntze- müller dankte besonders der Gemeindevertretung von Heuchelheim für das Entgegenkommen und der Einwohnerschaft Heuchelheims für den herzlichen Willkommen, den sie den Arbeitersportlerinnen und -sportlern bereitet habe. Kreisvertreter Heiliger überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Kreisleitung für das Gelingen des Bezirksfestes, besonders aber auch der Freien Turnerschaft Heuchelheim zu ihrem 25jährigen Bestehen. Sodann wurden die sehr zahlreich anwesenden Festgäste durch sportliche Vorführungen unterhalten, die als das Beste bezeichnet werden müssen, was auf diesem Gebiet geleistet werden kann.
Es seien nur erwähnt: die gymnastischen Vorführungen der Sportlerinnen Heuchelheims, das Kunstfahren der Arbeiter-Radfahrervereine Gie-
tigte Sprachen.
Lange Jahre und Jahrzehnte sind darüber vergangen, und Revolutionen und Weltkatastrophen haben die politischen und kulturellen Verhältnisse im Ostseebecken vulkanartig umgewälzt. Jetzt wieder schifste sich der Schwedenkönig G u st a f v nach Ostland ein, diesmal nicht in Kriegsfahrt, sondern zu einem friedlichen Staatsbesuch, und Reval und Riga haben ihn würdig empfangen. Paraden. Fackelzüge und Staatsbankette sanden statt. In den protestantischen Kirchen bewillkommnete den König, als den Rachkommen auf dem Throne Gustav Adolfs, ein feierliches „Tedeum". Der Königsbesuch betonte die skandinavische Orientierung Estlands und Lettlands, er unterstrich ihre Trennung vom russischen Riesen und er war gleichzeitig eine Anerkennung ihrer kulturellen Leistungen in dem kurzen Dutzend Iahre, das sie als selbständige Staaten auf der Landkarte Europas verzeichnet sind. .
Der Königsbcsuch siel in eine Zeit der schonen nordischen Weißen Rächte, wenn noch um 10 Ähr abends die Sonne die Straßen und Gärten vergoldet. So hatten denn die Empfangsfeierlichkeiten zu Ehren des Königs einen besonderen Zauber. Die alte Hansastadt Reval, in der der König mit seinem Gefolge zuerst auf dem Panzerkreuzer ..Sverige" eintraf, hat noch die Wahrzeichen seiner Vergangenheit, trotz aller estnischen Äebertünchung bewahrt. Da ist der unförmige Turm der ..Dicken Margarethe . da find die vielen altmodischen Giebelhäuser, da ist vor allem der Domberg, der frühere Sih der Ritterschaft. An vielen Portalen sind die Wappen der srüheren. jetzt vertriebenen Besitzer erhalten. Es gibt in der Altstadt enge, winklige Gassen, die aus dem tiefen Mittelalter stammen, und deren Qliauetn aus Quadersteinen noch weiteren Jahrhunderten trotzen werden.
Dis zum Weltkriege gehörte mehr als die Hälfte des Ackerbodens in Estland und Lettland deutschen Grundbesitzern. Man hat sie rücksichtslos und entschädigungslos enteignet und zum Teil vertrieben. Die Verhandlungen mit dem Deutschen Reich über eine Entschädigung für die cxpropiierten reichsdeutschen Grundbesitzer sind bis heute nicht beendet worden. Wirtschaftlich haben die kleinen Staaten keinen Vorteil aus der allzu radikalen Ämkehrung der Verhältnis, e gewonnen, aber die deutsche Vorherrschaft war gebrochen und auf den Ruinen des Deutschtums mußten nun der estnische und lettische Rationalwille weiter aufbauen. In Reval wurde alles und jedes ins Estnische, in dieses schwer zu erlernende urgo-mongolische Idiom, das noch vor 10 Iayren
nächst die Vorentscheidung darüber auszutragen, wer von beiden in den Endkampf mit der zweiten Mannschaft des Tv. Wetzlar kommt.
Zugendsporttverbetag in Wehlar.
Wetzlar stand am Sonntag im Zeichen des Jugendsportwerbetages. Weit über 400 Jugendliche und Schüler aus den Vereinen von Gießen, Wetzlar und Hmgegend hatten sich eingefunden, um in gemeinsamer Kundgebung für die im Deutschen Fußballbund und in der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik gepflegten Sportarten zu werben. Schon ftühmorgens begannen im Stadion, auf dem Platz des Wetzlarer Sportvereins und in Niedergirmes die Fußballspiele. Mittags marschierten die Abteilungen im geschlossenen Zuge unter Vorantritt einer Musikkapelle durch die Stadt zur Spilburg, wo sie von dem Vertreter der Stadt Wetzlar, Beigeordneten Ri
chard, und dem Vorsitzenden des Bezirks Hessen-Hannover, Happ (Gießen), brwillkom- net wurden. Die Veranstaltung wickelte sich von Anfang bis Ende glatt und reibungslos ab und darf im allgemeinen als gelungen betrachtet werden. In diesem Zusammenhänge ist es Pflicht, dem Gaujugendausschuß, und in erster Linie dessen bisherigen Obmann Dittmar (Gießen), der ebenso wie im Vorjahre auch diesmal wieder sein Organisationstalent erneut unter Beweis stellte, für seine große Arbeit und Mühe zu danken.
Die Weltkämpfe und ihre Ergebnisse: Fußball.
Sp. Vgg. Gießen 2. Schüler — V. f. B. 2. Schüler 0:0. (Durch Losentscheid fiel der Siegeswimpel
Oes Knaben Lieblingsbuch.
Interessante Antworten bekannter Schriftsteller auf die Frage „Welches war das Lieblingsbuch Ihrer Knabenjahre?" werden in der „Literarischen Welt" veröffentlicht. Die Märchen spielen eine verhältnismäßig geringe Rolle. Thomas Mann nennt Grimms Märchen neben einem verschollenen Märchenbuch „Der Kinder Wundergarten" und Andersen. Der erste Roman, den er kennen lernte, war Reuters „Ut mine Strom - tid", „aber die Palme gehört wohl Schillers ..Don Carlos," fährt er fort. „Es war meine stolzeste Liebe, meine ersten Hebungen galten seiner Rachahrnung, und noch heute weiß ich ihn szenenweise auswendig." Auch Erich Maria Remarque erwähnt aus seiner frühen Knabenzeit Andersens und Grimms Märchen: „Der weitaus stärkste Ducheindruck etwa so mit 15 bis 16 Iahren war der „Grüne Heinrich", den ich teilweise auswendig kannte, dann der „Werther" und Storms „Immensee". Es war die Zeit, wo mir zum erstenmal der Begriff der Form aufging an diesen Arbeiten." Oskar L o e.r k e nennt ebenfalls die bekannten Märchenbücher als die Lieblingslektüre feiner Knabenjahre. Häufiger vertreten sind die eigentlichen Knabenbücher. So schreibt Hugo von Hofmannsthal: „Meine Lieblingsbücher in der Knabenzeit waren einige Erzählungen von Wö- rishöffer (Robert der Schiffsjunge. Onnen Visser) — und ein Buch ..Kaiser. König und Papst", dessen Verfasser ich vergessen habe." Franz Werfel las bis zum 12. Iahre Karl May, und zwar die arabischen, nicht die Indianerromane. Dann wirkte Freitags „Soll und Haben" stark aus seine Phantasie. Karl May wird auch von Leonhard Frank, und Walter von Molo genannt. Daneben finden sich andere bekannte Knabenbücher erwähnt, so z. D. von Wilhelm v. Scholz „Robert der Schiffsjunge" und „Pieter Maritz", von Oskar Maria Graf „Der Untergang der Seminolen" und „Sigismund Rüstig", von ArnoldZweig ebenfalls „Sigismund Rüstig" und „Der rote Freibeuter". Daneben aber tauchen auch vielfach die beiden Werke der Weltliteratur auf. die in Bearbeitung der Iugend schon so viel geben. So nennen Heinrich Mann und I a k o b Wassermann den „Don Quichote" und immer wieder begegnen wir dem „Robinson". Bruno F r an k bezeichnet als seinen Liebling Kiplings .Dschungelbuch".
Schwedische Osilandfahrl
Von E. von Llngern-Sternberg.
Wasserspiel, Ehr. Weeg, sand am Sonntag vormittag Badeanstalt zu Gießen ein innerhalb der A-Klasse statt. Hans G e i h m a r , Tv. 1846 die ersten Mannschaften des lar und der Turngemeinde v------„
konnte mit nur sechs Mann antreten. Wetzlar muhte mit zwei Ersatzleuten den Kampf aufnehmen. In der ersten Halbzeit brachten die Friedberger schon nach drei Minuten den Ball in das gegnerische Lor. mutzten aber bald den gleichen Erfolg von feiten des Gegners hinnehmen, fv dah man 1:1 in die zweite Halbzeit ging. Run zeigte sich Wetzlar, insbesondere durch gutes Zusammenspiel, überlegen; das dritte und vierte Tor brachte den Sieg auf feine Seite. Der Eifer des Spieles führte auf beiden Seiten zu je einer Herausstellung, und für die Friedberger machte sich das Fehlen des siebenten Mannes doch stark bemerkbar. Mit der Entscheidung 3:1 wird nun die erste Mannschaft Wetzlar gegen den seitherigen Gaumeister, Turnverein 1846 Gießen, in den Endkampf em- treten, der mit dem ©autumfeft zu Alsfeld am 20. Iuli verbunden ist.
In der B°Klasse hat noch die zweite Mannschaft des Tv. 1 846 Gießen mit der ersten des Männerturnvereins Gießen dem-
-o- Unter der Leitung des Gauwartes für das Tv. 1846 Gießen.
so daß die Heranwachsende Generation jeden geistigen Zusammenhang mit Rußland verliert, und daß um so mehr, als durch die bolschewistische Grenzsperre der nachbarliche Verkehr unterbunden ist. Eine politische und kulturelle Anlehnung an das Deutsche Reich, die um so natürlicher erschiene, da die gebildeten Esten und Letten das Deutsche wie ihre Muttersprache beherrschen, wird a b g e l e h n t, und dafür der Anschluß an Schweden gesucht. Der est- ländische Staatsälteste und der lettländische Staatspräsident haben ihren Besuch in Stockholm gemacht. Die Antwort war nun der Gegenbesuch König Gustafs von Schweden. Die Weltgeschichte wird nicht in Reval und Riga geschmiedet, aber es ist immerhin ein bedeutendes Ereignis, wenn wieder die Traditionen früherer Iahrhunderte aufleben, wenn der Schwedenkönig wieder den baltischen Boden betrat, der einst seinen Vorfahren untertan war, und wenn die jungen Staaten am Ostufer der Ostsee Rußland den Rücken kehren und Fenster und Tore dem schwedischen Eiiifluh öffnen. Die Ostlandfahrt der Schweden ist ein Fingerzeig in die Zukunft.
oder Hngnade ausgeliefert. Mein Leben wurde das der Scheherezade im Märchen. Rächt für Rächt mutzte ich meinem Bruder Märchen erzählen, bis er einschlief. Zufällig entdeckte ich. datz ich meinen Bruder lehnspflichtig machen konnte, wenn ich eine Erzählung gerade an der Stelle abbrach, wo sie den höchsten Grad der Spannung erreicht hatte — die erprobte Technik meiner späteren Romane mit dem Vermerk: Fortsetzung folgtI - und wenn ich mich weigerte. sie am nächsten Abend weiter zu erzählen, sofern mir mein Bruder als Gegenleistung nicht versprach, der „Ogerin" nichts von meinen literarischen Interessen zu verraten. So erzählte ich in den Rächten Tausend-und-eine-Racht-Mär- chen. bevor neue Besorgnisse meine Furcht vor öem Verrat bannten. Obgleich das Experiment ermüdend war, erwies er sich als unschätzbar.
Ich entdeckte, wie man die Aufmerksamkeit der Menschen fesseln, wie man die Freude, die Furcht, die Heberraschung, die Traurigkeit und das Gelächter beschwören könne, zwang mich, an meiner Vollendung zu arbeiten. Rach einiger Zeit wurde zum ersten Male der Wunsch in mir wach, die eine oder andere meiner nächtlichen Erzählungen niederzuschreiben. Natürlich muhte es heimlich vor sich gehen, aber nichtsdestoweniger wurden einige meiner Manuskriptbogen gefunden. Meine Stiefmutter sah darin Beweise einer unglaublichen Faulheit und warf alles ms »euer. Sooft ich erklärte, ich wollte Schriftsteller werden, geriet mein Vater in Zorn.
Mit vierzehn Iahren indessen veröffentlichte ich meine erste Rovelle. Es mutz den wohlbeleibten Redakteur des Nürnberger Blattes wohl überrascht haben, als er fast noch ein Kind das Aller- heiligste betreten sah, das ihm einen — Beitrag anbot. Er war nicht abgeneigt, ihn abzudrucken. Hnd eines Winterabends traf die Zeitung mit der Rovelle bei uns ein. Der Text enthielt haarsträubende Druckfehler
Rach dem Abendessen nahm mein Vater die Zeitung an sich. Ich hatte sie so gefaltet, daß er meinen Namen nicht übersehen konnte. Ich wartete, und mein Herz pochte stürmisch. Roch heute lebt es lebendig in meiner Erinnerung fort, wie sich plötzlich der matte, müde Zug in seinem Gesicht veränderte und seine Augen vor Stolz aufleuchteten. Dann aber führten Zorn, Furcht und Verzweiflung zu schrecklichen Szenen. Weil ich nämlich nicht die Erlaubnis meines Lehrers erhalten hatte, etwas zu veröffentlichen, muhte ich vor ihm erscheinen und erhielt eine Strafe von 12 Stunden Arrest wegen »verböte-
Tragik der Kindheit.
Vpn Jakob Wassermann.
Im Alter von dreiundzwanzig Jahren brachte ich meine Tage in einem obskuren Münchener Atelier zu, eine Katze war mein einziger Gefährte, und ich schrieb meine erste erfolgreiche Rovelle. Ich trug das Manuskript bei mir, wohin immer ich ging, ich hatte nur einen Ehrgeiz: Bis morgen zu gewinnen.
Die Besten der Besten sind die Schriftsteller, ein Autor ist das lebende Gewissen seiner Zeit Wenig literarische Heberzeugungen beruhen auf einer bitteren Erfahrung als meine eigene. Wenn ich heute meinen Berus als Schriftsteller aus- übe, so glaube ich, dah es so gekommen ist, weil ich eine Prüfung bestanden habe, die nur wenige Talente überleben können. Meine 2e° bensgeschichte vom Tode meiner Mutter sechs Jahre nach meiner Geburt lieft sich gleich einem älnglücksmärchen. Es hat eine Zeit gegeben, da ich in den Wäldern lebte .und die regnerischen Rächte in den Hütten der Holzfäller verbrachte gleich dem verlassenen Helden der Brüder Grimm. Wahrscheinlich wäre ich verhungert, hätte ich nur Nicht die Zuneigung einiger Dauern gewonnen, leren Kindern ich Märchen erzählte. Cs war «in rauhes, primitives Dasein, eines ländlichen Troubadours würdig, aber ich zog es dem Leben hinter den vier Wänden vor.
Ich glaube sogar, dah es die Kinder von Bettlern besser hatten als wir in jenen Tagen. Hn- fere Stiefmutter lieh uns ihre Abneigung auf jede mögliche Weise fühlen. Sie beschränkte unsere täglichen Mahlzeiten auf das äußerste, schnitt Erkennungszeichen in den Brotlaib, so dah sie wissen konnte, wenn eins von uns Kindern hinter ihrem Rücken einen Bissen entwendet hatte.
Wir hatten einen Onkel in Wien, der kaum begriff, was vor sich ging. Er sandte uns iede Woche eine Mark für Leckereien. Ich als Aette- ftcr verteilte das Geld und lieh die anderen ihren Anteil für Süßigkeiten ausgeben, während ich mein Geld in Novellen anlegte, die ich bei mehr als einer Gelegenheit „wirklich im Monducyt las, wo man mich nicht verraten konnte. Wie waren meine Sinne geschärft, wenn es galt, meine einzige Freude meiner Stiefmutter zu verhehlen, der es ein Vergnügen zu sein schien, mir Kummer zu bereiten. ... — ...
Bald genug entdeckte mein jüngerer Druoer, der mit mir schlief, die Gründe meiner Surajt, und von diesem Tage an war ich feiner Gnade
ner Veröffentlichung". Nach diesem Vorfall wurde mein Vater mein unbarmherziger Verfolger und meine Mutter fein Spion.
Gerade als ich es nicht länger ertragen konnte, bot mir die Einladung meines Wiener Onkels eine willkommene Gelegenheit zur Flucht. Mein Onkel war kinderlos und hoffte, mich in sein Geschäft übernehmen zu können, aber er hatte nicht mit dem träumerischen, ungeschickten Menschen gerechnet, der ich war. Für einen jungen Mann aus der Provinz war damals das kaiserliche Wien ein Land der Hoffnung. Der berühmte Ring war gerade angelegt und mit feinen letzten Monumenten verschönt worden. Die breiten Parkwege und die ehrfurchtgebietende Stadt hatten etwas Erhabenes, Vornehmes.
Das alles übte einen wundervollen Einfluh auf mich aus. Trotzdem mein Onkel meine Dienste stark in Anspruch nahm, fand ich Zeit für einen Spaziergang, und obwohl er ein freundlicher und gebildeter Mann war, konnte er mir doch nicht gestatten, das zu vernachlässigen, was man als meinen Lebensberuf für mich gewählt hatte.
Aber ich konnte oder wollte nicht Zahlen addieren und subtrahieren. Ich besuchte die Hniversität und träumte von einer Schulkarriere. Mein Onkel forderte mich auf, in fein Geschäft zurückzukehren, aber ich floh in der Nacht mit dem ersten Zug, der nach München ging.
Nun folgten viele Jahre des Hungers und Entbehrungen. Aber je großer meine Verbitterung und Einsamkeit wurde, um so besser konnte ich mein Auditorium, wo es sich auch immer einfand, unterhalten und kurzweilen. Ich hatte bereits die höchste Kunst des Romanciers erlernt, — aus feinen Leiden und Bedrängnissen den Stoff für die Komödie zu formen!
„Das menschliche Herz gegen die Welt" wurde der Wahlspruch meiner Glüctlosigkeit und meines Stolzes. Ich verleugnete mich selbst, um mein Gefühl zu verbergen, und ich verleugnete mich selbst und — schrieb. Ich wurde ein absoluter Individualist, und gerade weil mein Weg so schwer gangbar war und mein Minderwertigkeitsgefühl mich oft überwältigte, entwickelte ich einen außergewöhnlichen Egoismus und trug eine ausgeprägte Selbstsicherheit meiner Berufung zur Schau. Ich wollte erzählen, was ich gesehen und erduldet habe! Ich wollte der Welt meine Persönlichen Erfahrungen mitteilen. Nach allem ist es des Schriftstellers erste Aufgabe, dem Ausdruck zu verleihen, was in ihm lebt, es zu offenbaren, ihm den lebendigen Klang seiner Sprache zu geben.
und gewann verdient über seinen durchaus nicht schlechten Gegner.)
Leichtathletik.
Die Konkurrenzen waren in vier Klassen einge« teilt; die drei Besten in jeder Klasse wurden als Mannschaft gewertet.
Klasse A (Mehrkampf): 100 Meter, Hoch- sprung, Kugelstoßen. 1. V.f.L. Wetzlar, 363 P.r 2. Spvg. Gießen, 254 P.; 3. Leun, 238 P.
Klasse B: 100 Meter, Weitsprung, Kugelstoßen. 1. B.f.L. Wetzlar, 318 P.; 2. Sp.Vg. Gießen, 295 P.; 3. V.f.B. 235 P.
Klasse C: 50 Meter, Weitsprung, Kugelstoßen. V.f.B. 186 P.; V.f.L. Wetzlar 177 P.; Sp.Dg. Gie« feen 114 Punkte.
Klasse D: 50 Meter, Weitsprung, Kugelstoßen. 1. V.f.B. 109 Punkte; 2. V. f. L. Wehl. 73 P.; 3. Sp.-Vgg. Gießen 60 P.
Klasse A: (Staffeln). 10X50 Meter. 1. D. f. L. Wehl. 2,01,2 Min.; 2. Sp. Vgg. Gießen 2,08,2. _ w ,
Klasse B: 10X100 Meter. 1. Sp. Vgg. Gießen 2,08,4 Min. ; 2. V.f. L. Wehlar 2,15.
Klasse C: 10x50 Meter. 1. V. s. L. Wetzl. 1,12,4 Minuten; 2. V. f. B. 1,12,9.
Klasse D: 10x50 Meter. 1. V. f. L. Wetzl. 1,21,5 Minuten; 2. Wehl. Sp.-V. 1,23,5.
Staffel für Landvereine: 1. Grünberg, 2. Holzhausen.
Nicht unerwähnt soll der unter Leitung von Sportlehrer Paulus von einer Anzahl Jugendabteilungen vorgeführte „Bunte Rasen" bleiben, ebenso datz V.f.L. Wehlar und V.f.B. Gietzen wegen besonders starker und lobenswerter Beteiligung an der Veranstaltung vom Gau- Jugendausschuß mit einem Cxtnra-Wimpel ausgezeichnet wurden.
Sfäbtefplet "iefeen — IBefjlar 3:0.
Das Treffen der Aktiven war in der ersten Halbzeit infolge des steten Wechsels der Situationen und des scharfen Tempos sehr spannend verlor aber dann durch die unnötig harte Spielweise Wetzlars viel von seinem Reiz. Gietzen führte das weitaus bessere Spiel vor und gewann verdient.
V.f.B. zu.
Werdorf 1. Jugend — Sp. Vag. Gießen 2. Jugend 3:0. (Da Werdorf aktive Spieler in seinen Reihen hatte, erhielt Gießen den Wimpel zugesprochen.)
Aßlar 1. Jugend — Grünberg 1. Jugend 2:0.
Niedergirmes 1. Jugend — V. f. B. 1. Jugend 1:0. (Glücklicher Sieg der viel zu hart kämpfenden Nie- dergirmeser über die technisch besseren V. f. 23er.)
V. f. B. 1. Jugend — Butzbach 1. Jugend 0:0. (L. f. B. sprang für den ausgebliebenen Gegner Butzbachs ein, war aber von dem unmittelbar vorausgegangenen Spiel gegen Niedergirmes noch stark ermüdet. Das Los vergab den Wimpel an Butzbach.
Wetzlar Sp. V. 2. Jugend — 23. f. 23. 2. Jugend 1:1. (Wetzlar war im Losen glücklicher und zog den Wimpel.)
V. f. B. 3. Jugend — Sp. Vgg. Gießen 3. Ju- gend 4:2.
Großen-Buseck 1. Jugend — Braunfels Jugend. (Braunfels nicht angetreten, so datz Grofeen-Buseck den Wimpel zugesprochen erhielt.)
Biskirchen Jugend — Lich Jugend 1:0.
Ehringshausen 1. Jugend — Heuchelheim 1. Jugend 1:0.
Steinberg Jugend — Leun Jugend 1:0.
Leihgestern Jugend — Burgsolms Jugend 1:0.
Weilburg Jugend — Lollar Jugend 1:1. (Das Los entschied für Weilburg.)
Sp. Vgg. Gießen 1. Jugend — Wetzlarer Sp. 23. 2:2. (Spannendes Spiel zweier gleichwertiger Mannschaften; ein Wimpel wurde nicht vergeben, da Wetzlar eine falsche Mannschaftsmeldung abgegeben und Sp. Vgg. nicht am Festzug teilgenommen hatte.)
V.f.L. Wetzlar Schüler — Sp. Vgg. Gießen Schüler (Handball) 2:1. (Guter Sport zweier fast gleichwertiger Mannschaften.)
V. f. B. 1. Schüler — Sp. Vgg. Gießen 1. Schüler (Fußball) 2:0. (23. f. 23. lieferte ein prächtiges Spiel
Wenn in früheren Jahrhunderten die Könige von Schweden nach Ostland zogen, so Pflegte sie had Schwert und der Krieg zu begleiten. Auinen trotziger Schwedenburgen erheben sich von Gras and Buschwerk umwuchert in Finnland und in üivland. Auf dem Ladoga wurde eine See- ichlacht geschlagen und Peter der Gröhe errichtete die Festung Schlüsselburg am Ausfluß her Newa, um „sein Fenster, das er nach Europa in Petersburg geöffnet hatte," vor Cm- fallen der Schweden zu schützen. Karl v" abenteuerfroh auf blutiger Spur bis Rußland hinein, bis ihm im Frieden [lobt das Ostland, Estland und Livland, entrissen wurde. Seitdem auch die Provinz Dyborg oor den Toren der Zarenhauptstadt an Rußland gefallen, Schweden als kriegerische Groh- jnacht zu bestehen aufhörte, und die Bernadotte die Wasa auf dem Throne in Stockholm ablösten, erlosch auch der politische und kulturelle Einfluh Schwedens in Estland und Livland und blieb nur in Finnland bestehen, dessen Westprovinzen zum Teil von Schweden bevölkert werden und dessen Adel und Oberschichten hauptsächlich schwedischen Hrsprungs sind. Schwedisch und Finnisch sind in Helsingfors gleichberech-


