Jahresfeier der Landesuniverfiiät
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bracht hatte, hielt
Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Herzog
Aus -er Provinzialhauptfiadt.
Gießen, den 2. Juli 1929.
Sommerreise.
Allzu viele Leute gibt es Wohl nicht, die auf eine Sommerreise verzichten, denn es hat sich in den letzten Iahten ziemlich allgemein eingebürgert, sich einen Urlaub zu gewähren, und wenn er noch so Hein ist. Es müssen ja nicht Weltreisen sein, die man ba unternimmt. Eine kleine Fahrt ins Gräne, ein kurzer Ausflug in eine Landschaft, die einmal etwas anderes bietet, als man alle Tage um sich hat einige wenige Tage, in denen man losgelöst ist von all dem, was einen sonst belastet und erfreut, und es ist auch schon ein Gewinn. Freilich denkt mancher: Wenn ich da- und dorthin könnte! und beneidet die „Glücklichen", die ganze Landet überqueren und sich an auserwählten Orten wochenlang bewegen können. Aber es ist auch da nicht alles Gold, was glanzt, und zu den Vorteilen gesellen sich, wie überall im Leben, die Nachteile in gleichet Dosis, so daß die Waage das Gleichgewicht behält.
Es war im vergangenen Sommer. Ein glücklicher Umstand hatte es mir erlaubt, endlich einmal eine wirklich große Reise zu unternehmen. In einen Waldwinkel begab ich mich, in den steilaufragende Berge hineinschauten, und leuchtender Firn grüßte aus nächster Nähe herüber. Ein herrliches Stückchen Erde! sagte ich zunächst. Aber bann stellten sich auch schon wieder allerlei Schatten ein. Es kamen Regentage, an denen die Berge nicht das geringste nützten, vom Gletscher war tagelang keine Sput mehr zu entdecken. Und toenn auch von vornherein die Ansprüche aus ein Mindestmaß beschränkt wurden, es stellte sich doch manches heraus, das durch das gehlen drückend und quälend wurde.
Schließlich drängte es mich, noch cm Stück zu reifen, noch ein größeres Stück Welt zu sehen. Und der Zufall trieb mich in einen bevorzugten Ort, der mit allem aufwarten kann, was man an Lebensbedürfnissen fordern darf. Dort aber hielt ich es gar nur zwei Tage aus, denn eben bas Gewühl und Getriebe, dem ich vor kurzem erst entronnen war, indem ich die Stadt verlassen hatte, setzte sich hier in verstärktem Maße fort. Hatte mich am ersten Platze die Einfamkeit und die Wucht der Detgriesen bedrängt, so vertrug ich jetzt die Menschen nicht, die zwar angeb- lid) zur Erholung dort waren, aber sich redlich bemühten, einander die Tage fo schwer wie
der Bürgerschaft. „
Um 11.15 Uhr leitete die Kapelle Topp mit dem Einzugsmarsch die Feier ein, während zugleich der akademische Lehrkörper in feierlicher Weise in die Aula einzog. Nachdem der A k a - demische Gesangverein unter der Leitung deS Universitätsmusikdirektors Dr. Tein e s v a r h in vollendeter Form die Gesangsdarbietung „Vaterländisches Lied" zu Gehör
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater Gießen: „Liebe auf den zweiten Blick", 20 bis 21} Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Durchs Brandenburger Tor".
— StadttheaterGießen. Aus dem Stadt- theaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige Uraufführung „Liebe auf den zweiten Blick beginnt um 20 Uhr. Spielleitung Oberspielleiter Hans T a n n e r t.
Gießener Wochenrnarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfund 1,90 bis 2.00; Matte 30 bis 35; Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Wirsing 30 bis 35; Weißkraut 30 bis 35; gelbe Rüben Bund 10 bis 20; rote Rüben Bund 10 bis 20, Spinat 30 bis 35; Römischkohl 15 bis 20; Dohnen, grüne 35 bis 45. gelbe 50 bis 60; Dicke Dohnen 35; Erbsen 25 bis 35; Mischgemüse 10 bi« 15; Tomaten 40 bis 90; Zwiebeln 10 bis 15; Rhabarber 10 bis 15; Kartoffeln, alte 5bneue 15 bis 20' Aepsel, ausl. 45 bis 70; Dorrobst 35 bis 40; Kirschen 35 bis 50; Sauerkirschen 50; Heidelbeeren 55 bis 60; Stachelbeeren 25 bis 30; Johannisbeeren 35 bis 40; Erdbeeren 60 bis 100; Aprikosen 50 bis 65; Walderdbeeren Schoppen 60 bis 65; Simbmcn Pfund 60 bis 70; Honig 40 bis 50; junge Hahne 1,20 bis 1,30, Suppenhühner 1.00 bis 1,20; Tauben Stuck 70 bis 90; Eier 13; Blumenkohl 30 bis 80; Salat 5 bis 10; Salatgurken 25 bis 60; Einmach- gurken 8 bis 15; Oberkohlrabi 10 bis 15; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 15, Radieschen Bund 10 bis 15; Kartoffeln Zentner 4,50; Pfirsiche Pfund 75 bis 80.
die Festrede. Einleitend entbot er nach allgemeinen Begrüßung der Festversammlung einen besonderen Willkommengruß dem Staatspräsidenten Dr. Adelung, dem allverehrten und bewährten Freund und Ehrensenator der Landesuniverfität, ferner Ihren Magnifizenzen den Rektoren der Technischen Hochschule Darmstadt und der Universität Marburg, deren Erscheinen zu dieser Feier ein Zeugnis der freund- nachbarlichen Gesinnung und Verbundenheit fei. Hierauf trug Se. Magnifizenz der Rektor die Chronik des verflossenen Lebensjahres der Universität in großen Zügen vor, wobei er mit dem Dank für das Wohlwollen der Regierung und dem Dank an die zahlreichen Freunde und Förderer unserer Landesuniversität auch die Sorgen und Wünsche der nächsten Zukunft zum Ausdruck brachte. Hieran schloß er feine wissenschaftliche Festrede über „Die Stellung der Philologie in der Universität. Er begann mit einem geschichtlichen Ucberblick. Philo- logia bedeutete im Altertum die Gelehrsamkeit ohne Beschränkung auf bestimmte Wissenschaften. Eine Enzyklopädie aus dem Ende des Altertums lieh unter dem Titel „Hochzeit des Merkur und der Philologin" die Septem Artes Liberales als Brautjungfern auftreten und jede ihre Wissenschaft vortragen. Diese sieben Wissen,Haften bildeten den Inhalt der Artistenfakultät an den mittelalterlichen Universitäten, die erst spat als philosophische den anderen gleichgestellt wurde. Durch die Artistenfakultät muhten die Studenten zur theologischen, juristischen und medizinischen aussteigen. Der Unterricht toar auch in diesen durch die Humanistenzeit durch bis ins 18. Jahrhundert
hinein im wesentlichen philologischer Natur, Erklärung griechischer und lateinischer Schris^- steiler dieser Disziplinen. Daher bestand auch große Freizügigkeit zwischen den Professuren em Philologe konnte eine medizinische, theologische, juristische, mathematische Professur bekommen. Während sich die höheren Fakultäten vym philologischen Betrieb emanzipierten, wurde durch den
erziehen soll.
Im Anschluß an die Rede gab Se. Magnifizenz die Ergebnisse der Bearbeitung der Preisaufgaben bekannt und vollzog die Preisverteilung. Es waren diesmal zwei Preisarbeiten mit Preisen auszuzeichnen, und zwar eine aus dem Gebiete der vergleichenden Sprachwissenschaft und eine aus dem Gebiete der Botanik. Preisträger wurden: stuck, phil. C. Clyde Barber aus Knowbury (England) mit einer Arbeit über „Die Nachwirkungen des indogermanischen Haupttons im Germanischen"; stuck, rer. nat. Fritz Dietrich aus Bingen mit einer Arbeit über das Thema „Neue experimentelle Beiträge zur Physik des pflanzlichen Protoplasmas". Den Diez-Preis erhielt Dr. Karl ©ernanb aus Stockyeim für eine Arbeit über das Thema „Die Bezeichnung des Sarges im Gallo-Romanischen .
Auch auf dem Gebiete der Leibesübungen konnten erstmals Preise verteilt werden. Für die Korporationen bzw. Gruppen, die m der körperlichen Ausbildung ihrer Mitglieder am erfolgreichsten waren --- gemessen an der Zahl der vom 1. Iuli 1928 bis 1. Iuli 1929 abgelegten Turn- und Sportabzeichenprüfungen —, sind zwei ständige Wanderpreise gestiftet worden, die jeweils bei der Iahresfeier der Universität überreicht werden sollen. Den Preis der Philosophischen Fakultät, eine Bronze, gewann die Akademische Turnverbindung „R h e i n f r a n f e n" ; 467/io Prozent der immatrikulierten Mitglieder legten die Turn- und Sport- abzeichenprüsung ab. Den Preis der wissenschast- lichen Prüfungsbehörde für das Höhere Lehramt, eine Hindenburg-Plakette, gewann dieVer - bin düng „Wingolf" mit 25 Prozent der Mitglieder. .
Se. Magnifizenz sprach den Preisträgern seine herzlichen Glückwünsche aus. Langanhaltender Beifall der Festoersammlung brachte Sr. Magnifizenz den Dank der Zuhörer für die geistige Festgabe zum
zu sagen.
* Ettingshausen, 2. Iuli. Am Mittwoch, 3. Iuli, feiert das Ehepaar Iohs. Opper V dahier das Fest der goldnen Hochzeit. Beide Ehegatten find noch rüstig. Iohs. Opper V. war langjähriger Beigeordneter, legte diese« Ehrenamt aber nieder, als fein Sohn zum Bürgermeister gewählt wurde. Herr Opper ist Sänger. Mit feinem Gehör paarte sich bet ihm eine früher beachtenswerte Tenorstimme. Im Gesangverein „Concordia" war er von 1882 bis 1928 Vorsitzender. Im letztgenannten Iahre wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Die Gesangstunden besucht der Iubilar noch regelmäßig. Seit Bestehen des Sängerbundes „Chattia" gehört Herr Opper dem Vorstände dieses Bundes an; 1920 wurde er Vorsitzender desselben, und ist es bis heute.
Kreis Büdingen.
* Aidda, 30. Juni. Einer der ältesten Bewohner unserer Stadt, Weihbindermeister Konrad Walther, feierte gestern fernen 8 4. Geburtstag. Er ist Veteran von 1866 und 1870/71. Reichspräsident v. Hindenburg übersandte dem Iubilar ein herzliches Glückwunschschreiben. Der alte Herr ist noch erstaunlich rüstig und geht alltäglich feinem Berufe mit großem Eifer nach.
Kreistag für den Kreis Lauterbach.
WSR. Lauterbach, 1. Iuli. Der Kreistag des Kreises Lauterbach beriet unter dem Vorsitz des Kreisdirektors Dr. Michel den Voranschlag für das Rechnungsjahr 1 929, der in Einnahmen und Ausgaben mit rund 246 000 Mk. genehmigt wurde. An Kreisumlagen müssen 82000 Mk. erhoben werden. Für Zwecke der W o h l f a h r t s - pflege werden nach dem neuen Voranschlag rund 137 000 Mk. verausgabt.
aufkommen. Auch die versteiften Tagesgelds-tz4 in Reuyork verstimmten. Am Devisenmarkt nannte man: London gegen Paris 124, London gegen Mailand 92.67, London gegen Spanien 33.90, London gegen Kabel 4,8185, London gegen Berlin 20.35 zu 20.3550, Kabel gegen Berlin 4.1975,
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
> Saubringen, 1. Iuli. Am Sonntagmittag fand ein ©emarlungdrunbgang in unserer Gemeinde statt, der sehr gut besucht und von Direktor Trautmann vom Landwirt- schastsamt in Grünberg geführt war. Besichtigt wurden die Felder mit Sommer- und Winterfrucht, ebenso die Hackfrüchte. Lehrreiche Aufklärungen über neuzeitliche Düngungsmahnah- men, (Sortenanbau von Halm- und Hackfrüchten, Anlagen von Wiesen und Kleeschlägen, sowie Bekämpfung von tierischen und pflanzlichen Schädlingen, die innerhalb der Feldkulturen mehr oder weniger beobachtet wurden, nahmen die anwesenden Interessenten dankbar entgegen. Beigeordneter Iahres dankte am Schluß der Führung namens der Teilnehmer und gab dem Wunsche Ausdruck, im Laufe des Winters einen Vortrag von dem Führer zu hören.
• Oppenrod, 2. Iuli. Am Sonntag fanden Beerensucher im Walde der Gemarkung Oppenrod ein herrenloses Fahrrad. Es stellte sich herau«. daß es einem 18 Iahre alten jungen Manne aus St einbach gehörte, der bereits seit Ende Mai vermißt wird. In einem Tannendickicht wurde bald darauf seine Leiche gefunden, neben der ein Revolver lag. Es liegt zweifellos Freitod vor. Welche Umstände den bedauernswerten jungen Mann in den Tod getrieben haben, dessen Mutter vor noch nicht langer Zeit durch Ueberfahrenwerden durch ent Auto einen tragischen Tod fand, weih man nicht
möglich zu machen. .
Gerade daran muß ich denken, als ich letzter Tage durch unsere schöne Heimat zog. Es ist Nicht unbedingt nötig, daß man weite Reisen unternimmt. Wir haben soviel Schönes in unserer engeren Heimat um uns, an dem man sich erfreuen kann, wir haben so vieles Angenehme bequem vor uns liegen, daß wir nur zuzufassen brauchen, und es ist schon unser. Und toenn man tollt? läßt sich ein wenig auch von dem erreichen, was die Sommerreise geben soll. Man verlangt von ihr doch Erholung durch Entspannung, durch Ruhe, durch Abwechslung. Das alles ist in der Nähe ebenso zu haben. Man verlangt aber auch neue Eindrücke, will etwas gesehen haben. Gibt die Nähe nicht auch genug zu schauen? Wer will behaupten, daß er alles kennt, was die engere Heimat zu bieten hat? Und Berührung mit anderen Menschen? Die läßt sich auch h,er erreichen. Und es ist gar nicht einzusehen, warum cs nicht ebenso eine Bereicherung fein soll, einmal in den Vogelsberg, das Schliherland, den Taunus oder irgendwo in unsere schönen Fleckchen Erde in Oberhessen zu schauen, wie z. D. in die Welt der Riviera oder der Alpen? Womit nichts gesagt sein soll gegen die Reise an sich. Denn dis Ferne hat ihre Werte, die Nähe aber auch. Nur daß man sie meist etwas verständnisvoller suchen muß. s-
Ausdruck. , _
Nachdem der Akademische Gesangverein unter Dr. Temesvary Brahms' achtstimmigen Fest- und Gedenkspruch in wunderbarer Weise gesungen hatte, verließ der Lehrkörper unter den Klängen des Schlußmarsches in feierlicher Weise die Aula. Damit hatte die Feier ihren Abschluß gefunden.
Am Nachmittag und Abend fanden gesellige Veranstaltungen der Angehörigen unserer Alma mater auf der Liebigshöhe und in der Volkshalle statt.
•• Ein heftiges Gewitter, das aber nicht allzu lange andauerte, ging gestern abend gegen 7.30 Uhr über unsere ©egend nieder. Es brachte den Fluren reichliche Regenfalle, Die dem Wachstum sicherlich sehr vorteilhaft fern werden. Der Blitz schlug mehrmals in Dutenhofen ein, zum Glück waren es aber stets kalte Schläge, von denen einer einen Schornstein traf, während der andere in eine massive Scheune fuhr und von dort auf die elektrische Stromleitung übersprang und die Sicherungen zerstörte. Weiterer Schaden ist erfreulicherweise nicht entstanden.
*• G esch äf tsjubiläum. Die Eisengroh- handlung Fr. H e i m e r & 6 o., Inhaber Friedrich Heimer, konnte gestern auf ihr vierzigjähriges Bestehen zurückblicken. Die Firma hat sich Dank der kaufmännischen Tüchtigkeit und des rastlosen Fleißes des Inhabers, sowie der eifrigen Mitarbeit des Personals aus kleinen Anfängen zu ihrer heutigen beachtenswerten Größe empo.» gearbeitet und sie genießt weit über Gießen hinaus einen vortrefflichen Ruf. Der 21 Lebensjahre stehende Inhaber widmet sich heute noch seinem Unternehmen mit rastloser ^auraft und ist seinen Mitarbeitern sowohl in geschäftlicher, als auch in menschlicher Beziehung ein glänzendes Vorbild. .
** Nachklänge zum Gleiberg - I u v i - kaum. Wie man uns mitteilt, finden am nächsten Freitag zwei Wiederholungen des Gleiberg-Festspieles im Stadtthcater statt. Nachmittags wird eine Aufführung für Schüler, abends eine Vorstellung für die übrigen Interessenten veranstaltet. Der Kartenvorverkauf ist in der Musikalienhandlung von C h a l l i e r und in dem Schokoladenhaus Hunte- mann, Seltersweg; auch an der Abendkasse werden Karten noch zur Verfügung stehen. Textbücher sind in den Buchhandlungen zu haben. Da die Erstaufführung des Festspiels am vorigen Donnerstag
Neuhumanismus die moderne Wissenschaft der Philologie geschaffen, deren Begründer Friedrich August Wolf ihr am Ende des achtzehnten Jahrhunderts den Umfang der gesamten Altertumswissenschaft gab. Durch das neue Dildungsideal gewann sie im neunzehnten Jahrhundert wieder eine führende Stellung unter den Geisteswissenschaften, geriet aber im Streit ihrer Schulen in eine Krise, aus der sie am Ende des Jahrhunderts durch die immer reicher werdenden Ergebnisse der Ausgrabungen und der Papyrus- sunde zu neuem Aufschwung geführt wurde. Dadurch hat sie wieder den Umsang als die Wissenschaft vom gesamten antiken Leben gewonnen. Trotz der Spezialisierung muß die Verbindung zwischen ihr, der Archäologie und der alten Geschichte, ja auch der geschichtlichen Jurisprudenz und Theologie in enger Arbeitsgemeinschaft erhalten bleiben. Das führt zur Forderung der humanistischen Vorbildung für alle geschichtlichen Geisteswissenschasten zurück, zur Erhaltung der wissenschastlichen Methode und zur Belebung des Schulunterrichts, der zum deutschen Idealismus
Die Hessische Landesuniversität beging gestern mittag in der althergebrachten eindrucksvollen Weise die Feier ihres I a h res- festes. In der Aula, die bis auf den letzten Platz beseht war und mit den Fahnen der Korporationen und den Chargierten in Wichs, sowie dem festlich gekleideten Publikum ein farbenprächtiges Bild bot, bemerkte man als Vertreter der Staatsregierung den Staatspräsidenten Dr. h. c. Adelung, Ministerialrat Dr. h. c. Löhlein, ferner Se. Magnifizenz den Rektor der Technischen Hochschule Darmstadt, Professor Dr. Rauh, Se. Magnifizenz den Rektor der Universität Marburg, Professor Dr. G e n z m e r, eine Anzahl Ehrensenatoren unserer Alma mater Ludoviciana, weiter Vertreter von Behörden, Mitglieder des Land» tages und zahlreiche hervorragende Angehörige
lebhaften Beifall fand, darf damit gerechnet werden, daß auch die nächsten Aufführungen den Besuchern genußreiche Stunden bereiten werden. (Man beachte die heutige Anzeige.) Ferner wird uns noch mib geteilt, daß bei dem Volksfest auf dem Gleiberg am Sonntagnachmittag eine studentische Kasperlgruppe unter der Leitung von Dr. Hans dauer und cand. chem. Freiensehner im Interesse der guten Sache wahrend vier Stunden eifrig tätig war und mit ihren reizenden Spähen bei klein und groß begeisterten Beifall fand. Die Geldsammlung wah- rend des Spiels stellte die Spielschar einem wohltätigen Zwecke jur Verfügung. Außerdem sind aus Anlaß des Jubiläums des Gleibcrgvereins noch mehrere Lieder im Druck erschienen, die von Hermann Elle und Louis Frech gedichtet wurden und dem Gleiberg in begeisterten Worten huldigen. Zwei Lieder aus dem Festspiel Schme- l i n g s sind dieser gedruckten Liedersammlung ebenfalls beigefügt. Die Aufmerksamkeit unserer . Mitbürger sei auch dieser Festgabe zugewandt.
** Eine Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge findet morgen um 20.30 Uhr im Casö Leib statt. Redner: Universitätsprofessor Dr. Roloff. Siehe heutige Anzeige.
"VomRauheirnerKurhaus. Am kommenden Donnerstag um 20.30 Uhr findet im großen Bühnensaal des Nauheimer Kurhauses eine Aufführung der Bühnendichtung „Die toten Augen" statt. Interessenten seien auf die gestrige Anzeige besonders hingewiescn.
Berliner Börse.
Berlin, 2. Iuli. (WTD. Funkspruch.) Der heutige Frühverkehr lag still und weiter unentschieden. Man taxiert eher schwächere Kurse ohne solche zu nennen. Die weiteren ©oldabflüsse I aus London lassen Diskont-Erörterungen wieder
Rundfunkprogramm.
Mittwoch, 3. Juli.
6.30 Uhr: Morgengymnastik. 11 bis 12: Von Kassel: Funkreportage: Aus eines Haushaltungsschule. 13.15: Schallplattenkonzert: Operetten. 15.05 bis 15.35: Stunde der Iugend: Aus dem Buche der Sage und Geschichte: „Strafe muh sein — lustige und ernsthafte Geschichten", vorgetragen von Rektor Wehrhan. 16.35 bis 18.05: Don (Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: Bücherstunde. 18.35 bis 18.55: „Fausts neue Entscheidung zur Machtgewinnung im vierten Akt von Goethes Faust H“, Vortrag von Pfarrer Taesler. 18.55 bis 19.10: Senckenberg-Viertelstunde: „Klippschiffer", Vortrag von Dr. R. Mertens. 19.10 bis 19.55: Don der Deutschen Welle: „Gedanken zur Zeit", „Arbeitslosen- Versicherungsreform", Zwiegespräch zwischen Dr. Erdmann und Abgeordneten Peter Graßmann. 20: Von der Markuskirche Stuttgart: Konzert des Erfurter Motettenchyrs. 20.45: Rach (Stuttgart: Die Luftkutsche, Funkkabarett unter Mitwirkung von Künstlern des russischen Kabarett« „Blauer Vogel".___
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