wies in einem Runderlaß vom 26. März 1929 die Finanzbehörden an, in allen diesen Fällen begründete Anträge auf Stundung oder Ermäßigung von Steuern wohlwollend zu behandeln.
Oberheffen.
Zlugiag in Äuhbach.
-b. Butzbach, 31. März. Bon den Saab» Katzen st ein-Flugzeugwerken in Kassel wurde am heutigen Ostersonntag auf dem großen Exerzierplatz bei Butzbach der erste Butzbacher Dolks-Flugtag veranstaltet. 2lus allen Ortschaften der Umgebung und nicht zuletzt aus Butzbach selbst strömten die Schaulustigen nach dem Flugplatz, um die Flieger bei ihren Kunstflügen zu beobachten. Mit vier Sportflugzeugen, und zwar mit einer Schwalbe, einem Pelikan, einet Grasmücke und einem Flugzeug DGC. 6, waren die Flugzeugführer Katzen st ein,Gan s, S t ö- rig und Wirtz erschienen. Sie führten zunächst einen Degrüßungsflug aus, worauf dann Einzel- kunstflüge, Luft-Tournier, Dallonrammen, Post- fadabtourf, Fallschirmabsprung und verschiedene andere Kunstflüge folgten. Die kleinen Maschinen zeigten eine bewundernswerte Wendigkeit, wenn sie im tollen Wirbel nach Abstellung des Motors sich überschlugen und zur Erde hinabtrudelten, # wo sie der Führer dicht über der Erde wieder abfing. Rückenflug, Loopings, Rollings, Turns und Slips wechselten untereinander ab; erstaunlich war es, wie der Pilot jederzeit seinen Apparat sicher in der Hand hatte. Wem von den Piloten die beste Leistung zuerkannt werden kann, hleibt zweifelhaft, jedenfalls war Wirtz der stärkste von ihnen, indem er beim Riedergehen vier Fichten umlegte, wobei das Flugzeug leicht beschädigt wurde. Die Ursache soll eine Boe gewesen sein. Leider war das Wetter nicht günstig, ein heftiger Wind wehte über dem Platz, so daß die geplanten Passagierflüge nicht ausgeführt werden konnten. Schätzungsweise dürften 2500 bis 3000 Zuschauer dem interessanten Schauspiel gefolgt sein.
Notlandung eines Flugzeuges
o Äiederkleen, 2. April. Am ersten Osterfeiertage, abends gegen 6 Uhr, ist in der hiesigen Gemarkung ein Flugzeug notgelandet. Das Flugzeug war nur mit dem Führer beseht. Es handelt sich um einen® oppeldecker der Raab-Katzen st ein-Werke in Kassel. Das Flugzeug war auf dem Flugtage in Butzbach aufgestiegen und mußte wegen eines Wotordefektes notlanden. Sach- und Personenschaden ist nicht zu verzeichnen. Wie verlautet, soll auf der Landungsstelle ein neuer Motor eingebaut werden. Das Flugzeug wird Tag und Rächt von hiesigen Ortseinwohnern bewacht.
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Landkreis Gießen.
------- Klein-Linden, 1. April. Der Leiter der hiesigen Bolksschule, Rektor Friedrich Wonnig, verläßt in diesen Tagen unsere Gemeinde, um sich im nahen Lollar, wo er ein Haus besitzt, niederzulassen. Infolge seiner geschwächten Gesundheit ist er bis zum August dieses Iahres beurlaubt, um dann in den Ruhestand zu treten. Die gesamte Gemeinde sieht ihren verdienten Lehrer, der 21 Iahte in unserem Dorfe segensreich gewirkt hat, nur ungern scheiden.
* Großen-Li nden, 31. März (Ginge- f a n b t.) In anerkennenswerter Weise bemüht man sich in unserer Stadt um die Herrichtung schöner freier Platze. Auch an der Bismarck- straße ist ein solcher schöner Platz entstanden, leider wird er aber beeinträchtigt durch allerlei unangenehme Ablagerungen, die sich schon lange Zeit auf einem Souterrain an diesem Platze befinden. Es würde sicherlich nicht nur von den Anwohnern, sondern auch von zahlreichen weiteren Bürgern begrüßt werden, wenn mit den jetzigen Uebelständen an dieser Stelle endlich Schluß gemacht würde.
* Lang-Göns, 31. März. Um den gewerblichen Mittelstand in unserem Orte mehr denn je für den unter den heutigen Schwierigkeiten besonders dringlichen Zusammenschluß zu interessieren, sand hier im Gewerbeverein ein Vortrag statt, bei dem der Tapezierer-Obermeister Donnerte (Mühlhausen i.'Th.) über die N ö t e d e s g e w erblich e n Mittel st andes und die für alle Handwerker notwendigen Schlußfolgerungen sprach. Die Ausführungen des Vortragenden fanden lebhaften Beifall. Man darf hoffen, daß seine Worte bei allen Gewerbetreibenden unseres Ortes auf fruchtbaren Boden gefallen sind.
k. Annerod, 31. März. Arn Karfreitag fand in der hiesigen Kirche eine geistliche Musik - aufführung statt, zu der sich der Dläserchor des Evang. Arbeitervereins Gießen in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt hatte. Die Darbietungen dieses Dläserchors, dem auch eine Reihe ehemaliger Derufsmusiket angehören, zeugten von guter Schulung; sie zeigten anderseits auch, welche reichen Schätze unsere Kirchenmusik in sich birgt. Zwischendurch brachte H. Bartholomäus (Gießen) dem Karfreitag angepaßte Rezitationen. Im übrigen trugen Gemeindege- sänge, sowie eine Ansprache des Ortsgeistlichen wesentlich zur Karfreitagsstirnmung bei.
X Wieseck, 30. März. Die letzte Licht- bilderandacht des Winterhalbjahres in unserer Kirche brachte in ihrem ersten Teile eine Reihe von 30 Bildern „Der liebe Sonntag". Was dieser heute vielfach verkannte Wohltäter der Gemeinde und der einzelnen Seele bedeutet, kam in Bildern aus dem Sonntagsbuch von Rudolf Eckart trefflich zum Ausdruck. Den zweiten Teil des Abends bildete eine Chorsingestunde für die Passions- und Osterzeit mit Bildern von Rudolf Schäfer. Die Gemeinde gab Spenden zur Beschaffung neuer Serien für spätere Abende.
• Allertshausen, 1. April. Am ersten Osterfeiertag, nachmittags gegen 6 Uhr, kam der 18 Iahte alte Heinrich Lepper von Alten- Duseck, der mit einigen Alterskameraden von dort auf dem Fahrrad hiethetgesahren wat, mit seinem Rade zum Sturz und erlitt dabei schwere Kopfverletzungen und wahrscheinlich auch eine Gehirnerschütterung. Rach erster ärztlicher Hilfeleistung wurde der bedauernswerte junge Mann von der Gießener Freiwilligen Sani- tätskolonne vom Roten Kreuz der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt.
> Aus der nördli che n Wettetau, 31. März. Der Landwirt dürfte nun aller Bedenken, die er seither hinsichtlich derUeberwinterung des Getreides hegte, enthoben sein. Auch die Märzfröste, die in diesem Jahre glürtlicherweise nur schwach auftraten, haben dem Getreide nur wenig Schaden zufügen können, so daß sämt-
Me das größte deutsche Gericht arbeitet.
Täglich 20000 Briefe. — Modernste Bureautechnik. — Oie VerteilunMrme.
Don Richard Meburg.
Mitten im Zentrum Berlins, in der vom brausenden Lärm des Verkehrs erfüllten Gegend am Alexanderplah, steht ein riesiges Bauwerk, das einen ganzen Strahenblock einnimmt. Mit feinen zahlreichen Verzierungen, Spitzen und Türmen verdient es den Ramen eines Architekturgebirges. Das ist das Amtsgericht Berlin-Mitte, das größte deutsche Zivilgericht. Den Glücklichen, die dieses Haus des Streitens nicht zu betreten brauchen, können einige Zahlen eine Ahnung von der Arbeit vermitteln, die dort täglich geleistet wird. Diese „Klagemauern" umschließen rund zehn Kilometer Korridore, auf denen man sich zu ungefähr 250 verschiedenen Abteilungen und Geschäftsstellen begeben kann, in denen etwa 270 Richter und 2000 Beamte tätig find. Täglich laufen durchschnittlich 20 000 Posts ach en ein. Daß ein derartiger GefchäsNumfang eine besondere weitverzweigte Diensteinteilung und Organisation erforderlich macht, leuchtet ein. Don der juristischen Seite der zu bewältigenden Arbeit sei abgesehen; schon das, was in jahrelanger Praxis erdacht worden ist, um den Rechtsuchenden so schnell wie möglich zu helfen und die Flut ihrer Wünsche und Anträge umgehend an die richtigen Stellen zu leiten, ist eindrucksvoll genug.
Wer dem Gericht Ramen und Adresse seines Schuldners nennt, um ihm einen Zahlungsbefehl ■ zu schicken, macht sich gewöhnlich keine Vorstellung davon, wie kompliziert der Apparat ist, ’ den dieser Antrag nun zu durchlaufen hat. Alle gewöhnlichen Zivilprozeßsachen, wie Forderungen an Waren, Darlehen oder Schadenersatz werden nach den Anfangsbuchstaben der Schuldner oder der Beklagten geordnet und dann alpha- , betisch auf ungefähr 120 verschiedene Abteilungen | verteilt. Alle Anträge dieser Art, die sich gegen jemand mit dem guten deutschen Ramen Müller richten, werden beispielsweise nur in der Abteilung 70 bearbeitet. Aber diese einfache Organisationsregel ist nicht frei von Ausnahmen. Alle Sachen, in denen nicht bezahlte Miete eingeklagt oder Räumung der Wohnung beantragt wird, werden nach dem Ramen des Vermieters an die beiden Gruppen der Mietzins- und Mietaufhebungs-Abteilungen geleitet. Die Klagen auf Erfüllung der ehelichen, außerehelichen und verwandtschaftlichen Unterhaltungspflicht werden wieder in drei anderen Abteilungen bearbeitet, in deren Akten oft Allzumenschliches geschildert wird. Richt bezahlte Wechsel und Schecks versucht man in fünf Sonderabteilungen nachträglich in Geld zu verwandeln. Die gleichen Stellen befassen sich auch mit solchen Fällen, in denen es „brennt", weil der Schuldner ins Ausland zu entwischen oder den Gläubiger sonst zu schädigen droht, so daß ein Arrest oder eine einstweilige Verfügung verhängt werden muß. Die ausgedehnte Schnell- mahnabteilung 300 zählt zu ihren „Kunden" nur solche Firmen, die es mit ihren in Massen auf- gelieferten Zahlungsbefehlen besonders eilig haben und diese daher soweit vorbereiten, daß sie noch am Tag der Einreichung den Schuldnern weitergeleitet werden können. Für Konkurssachen, Zwangsversteigerungen und Zwangsverwaltungen, Entmündigungey, Aufgebote verlorener Wertpapiere und Todeserklärungen sind eigene Dienststellen vorhanden. Sehr umfangreich ist das Grundbuchamt, das Handels-, Genossenschafts-, Schiffs- und Vereinsregister. Daß auch Aufwertungs-, Testaments-, Rach^atz-, Vormundschafts- und Ehesühnesachen in zum Teil ausgedehnten Spezialabteilungen behandelt werden, versteht sich fast von selbst. Durch sieben Vollstreckungsabteilungen und die Verteilungsstelle der Gerichtsvollzieher geht der Weg der 2lkten, wenn Gehaltspfändung, Offenbarungseid und ähnliches beantragt oder der nicht übermäßig beliebte preußische „Kuckuck" irgendwo angeklebt, also gepfändet werden soll.
Im übrigen beherbergt dos Riesenhaus an der Neuen Friedrich- und Dirrtsmstraße natüriid) eine Präsidialabteilung, eine große Gerichtskasse mit mehreren Zahlstellen, neun Buchhaltereien, je ein besonderes Bureau für die Besoldung, die Versorgung und die Steuern, eine Bibliothek, ein eigenes Postamt, Hinterlegungs- und Verwahrungsstellen für Urkunden, eine Formularverwaltung, mehrere Schalter für den Verkauf von Gerichtskostenmarken, die Briefabsendeftelle mit entsprechenden Frankier
maschinen und die Briefannahme. Diesezuletzt genannte Stelle ermöglicht überhaupt erst ds schnelle und reibungslose Arbeiten des komplizrten Behördenapparats. Von diesem Brennpunklaus werden täglich 20 000 Postsachen in den GeBstsgang aufgenommen und am gleichen Tag resvs an die richtigen Geschäftsstellen verteilt. Eine Ilche Aufgabe kann nur von einer besonders ungebildeten Organisation bewältigt werden, die sich dabei der modernsten bureautechnischen Errungens«ften bedient. In ihrer bis in die kleinsten (nzelheiten durchdachten Ausgestaltung bildet die Bnfannahme dieses Amtsgerichts eine Sehenswürdigkü, die nicht selten von Studienkommissionen und leenden Beamten anderer Behörden besichtigt wird.
Die Beamten dieser Dienststelle unterseiden zwei große Briefgruppen: die gewöhnlichen triefe und die am Schalter gegen Quittung abgegtenen Anträge sowie die Einschreibebriefe. Aehrll!) wie bei der Post behandelt man diese beiden lesen Arten, die unter genauer Anmerkung der beigeigten Anlagen und der zuweilen aufgeklebten Klienmarken in Listen eingetragen werden; in diesen isten müssen sie in der Beftimmungsabteilung durcidie Unter» ((trift des Beamten quittiert werden. Auf diese Weise kann man noch nach Jahren festellen, wo jedes einzelne Schriftstück geblieben ist. Um den Wachtmeistern zu ermöglichen, die Einsrteibebriefe auf dem kürzesten Weg den zuständiger Gerichtsschreibereien zu überbringen, werden dieEinaänge nach der Lage der Abteilungen sortiert un in Mappen gelegt, die entsprechend den Stockwcken verschiedene Farben haben. Das bedeutet für le Wachtmeister eine große Zeitersparnis.
Wesentlich anders geht die erfte Dearbeung und Weiterleitung der Briefe vor sich, die nairgemäß den bei weitem größten Teil des Posteingags ausmachen. Sie werden von mehreren Waämeistern — natürlich nicht mit der Hand, sondern rit zweckmäßigen Brieföffnungsmaschinen — aufgchnitten, mit dem Eingangsstempel, der die genaue Zeit angibt, versehen und in drei großen Grupen vorsortiert. Zunächst trennt man die einfach: Zivil- prozeßsachen von den Dollstrertungs- undArmund- schastssachen und den Landgerichtssachen. De schnell anwachsenden Briesstap l werden in hol, Kästen gelegt und auf dem Aktenwagen in einenanderen Raum gerollt, der die vielbestaunte Senscion der Briefannahme enthält.
Der Neuling, der sich in dem ungeheren Gerichtspalast nicht auskennt und zum ersteig! in diese Dienststelle eintritt, fragt sich verwuv rf, ob er neue Turmbauten zu Babel oder Panertürme vor sich hat, wenn er die fünf riesigen Dernlungs- schränke betrachtet, die sehr sinnreich tonftrwrt sind. Es sind Rundbauten mit zahlreichen Schrarfächern, die über» und nebeneinander liegen und L* Nummern zum zuständigen Buchstaben der verßiedenen Abteilungen tragen. So sind diese Vereilungs- schränke rings um einen Mittelpunkt aneordnet: um den aus einen Drehstuhl fitzenden verblenden Beamten. Bequem kann er alle Fächer .reichen, die er von morgens acht bis abends zehr Uhr — natürlich mit Ablösung — mit Nahrung ersorgen muß; er packt in sie die fast ununterbvoche herein- strömenden Zahlungsbefehle, Klagen, Inträge. Außen an den Schränken haben sämtlich Fächer klappenartige Türen mit den gleichen Abeilungs- nummern wie innen; sie werden mehrmal täglich von den Wachtmeistern geöffnet, um die drin an» gesammelten Eingänge abzuholen und in >ie entsprechenden Geschäftsstellen zur weiteren Bearbeitung zu bringen. Daß die Beamten, die inerhalb dieser runden Stände diese sogenannte Fmvertei-- lung vornehmen, sich im Betrieb des Gerittes genau auskennen und alle Abteilungen geau im Kopf haben müssen, daß sie bei dem dort cforder- lichen Arbeitstempo mit einem kurzen Bck auf jedes Schriftstück erfaßt haben sollen, wohii es gehört, ist für die reibungslose Erledigung de> Arbeit unbedingt notwendig. Ebenso versteht es |i), daß diese angespannte geistige Tätigkeit in derDienft- anorbnung einen gewissen Ausgleich find«. Wer die Arbeitsweise und die Organisation dieser gewaltigen Gerichtes und ganz besonders den Birieb in der Briefannahme oft zu beobachten Gelaenheit hat, muß zugeben, daß das größte deutfcheGericht auch zugleich einer der modernsten Bureau» betriebe ist.
liche Winterfrucht gegenwärtig durchschnittlich einen guten Votant) aufweist. .Auch der Klee ist recht gut durch den-Winter gekommen und zeigt ein erfreuliches Bild.
# Hungen, 31. März. Die 35. ordentliche Generalversammlung der Molkereigenossen- schast Hungen fand dieser Tage im Saale „Zur Traube" hier statt. Heber 300 Genossen waren anwesend. Die Verhandlungen wurden geleitet vom Vorsitzenden des Aufsichtsrates, dem Beigeordneten Wolf von Wohnbach. Molkereiverwalter P u t h verlas den Gesellschaftsbericht, aus dem folgendes mitzuteilen ist: Im abgelaufenen Geschäftsjahre wurden 5 595 316 Liter, gegen 4 962 326 im Vorjahre, Vollmilch von den Mitgliedern zur Molkerei geliefert, täglich durchschnittlich 15 500 Liter; das sind 633 500 Liter mehr als im Jahre vorher. Dafür foivröen 979 749,15 Mk. ausbezahlt, ein Mehr von 74625 Mark gegen das vorhergehende Geschäftsjahr. Richt alle Milch ist zur Verarbeitung glommen. der größere Teil gelangte als Frischmilch in die Städte Frankfurt a. M, Hanau und Offenbach. Infolge rationeller Diehwirtschaft steigert sich die Milchlieferung immer mehr. Die Rkit- gliederzahl der Genossenschaft hat sich durch -Zugang von 58 und Abgang von 16 von 1123 Ende 1927 auf 1165 am 31. Dezember 1928 gehoben- Die Haftsumme ist dadurch um 2100 Ml. auf 58 250 Mk. gestiegen. Die Geschäftsguthaber haben sich um 420 Mk. auf 11 650 Mk. erhöht. Die Aktiva betragen 124 956,35 Mk., die Passiva 122 019,50 Mk. Der Reingewinn wurde tells dem Reservefonds, teils der Betriebsrücklage, teils dem Werkerhaltungsstock gutgeschrieben, außerdem kommt eine Dividende von IVs Prozent auf das Druttomilchgeld an die Genossen zur Auszahlung. Die satzungsgemäß ausgeschic- denen Mitglieder des Aufsichtsrates wurden bis auf Heinr. M ä s e r , Ruppertsburg, der eine Reuwahl ablehnte, wiedergewählt. Es sind das Wilh. Pauly (Bettenhausen), Wilh. Koch II. (Villingen '. Karl illjl (Rodheim), Gustav Wolf (Wohnbach) und H. Lehr (Ruppertsburg). Eine rege Aussprache folgte dem Antrag von 43 Dörs
dorfer Mitgliedern, die durch Streichui, bzw. Verminderung verschiedener Ausgabepostn den Milchpreis um einen Pfennig erhöhen sollten. Der Antrag wurde abgelehnt. Gegenwärtz wird die Molkerei von 18 umliegenden Orichaften beliefert, sie unterhält 15 Fuhrwerke. Es wurde angeregt, die Anfuhr der Milch mittels Kraft- Wagens durchzuführen. Rach angestellten Zerech- nungen müßten wenigstens 3 Autos angschafft werden, deren Verzinsung und Hnterhaiungs- kosten den Betrieb nicht wirtschaftlicher gestalten. Gegenwärtig beträgt der von der Wlkerei bezahlte Stallpreis pro Liter Milch 17 P, der höchste Preis während des Geschäftsjahre' war 19 Pf. Der verarbeiteten Milchmenge nad steht die Molkerei Hungen an dritter Stelle in Ober- Hessen und wird von den Molkereigenossenftaften Rieder-Wöllstadt und Ostheim-Riederweiselstber- Iroffen.
Kreis Friedberg.
4 Friedberg, 30.März. .Dieser Tag hielt die hiesige Dank für Handel, ©eüxrbe und Landwirtschaft e. G. m. b. H. umr der Leitung von Rechtsanwalt und Rotar O. 2o k e l, des Vorsitzenden des Aufsichtsrats, ihre 6. ordentliche Generalversammlung ab. Aus der Geschäftsbericht des Direktors Weber gin u. a. hervor: Der Gesamtumsatz in 1928 betrug rund 23 Millionen, der sich um 3.25 Milionen gegenüber dem Vorjahr erhöht hat. Die Bilanzsumme stellt sich in Vermögen und Ehulden auf 1 173 000 Mk. und ist damit um 888 00 Mk. höher als die vorjährige. Infolge des gefkgerten Geschäftsverkehrs hat sich das Ergebns des Reingewinns auf 45562,60 Mk. erhöht. Die Bilanz, sowie die Gewinn- und 2erlust- r-chnung wurden einstimmig genehmigt. Ais dem Reingewinn wurden, wie im Vorjahre, nieder 10 Prozent Dividende verteilt, te den Bewag von 19 600 Mk. ausmachen. Die Gzfamt- resecven belaufen sich auf 92 869 Mk., d? eine Erhöhung gegen 1927 um 19 887 Mk. efafjren habeDie Zahl der Mitglieder hat fitz von 1308 auf 1270 verändert. Durchgeführt wurde im abgelaufenen Geschäftsjahre die Aufwartung
der alten Spareinlagen, die zusammen 2 Millionen Goldmark betragen, denen aber nur eine Aufwertungssumme von 41 500 Mk. gegenübersteht. Die Aufwertungsquote betrug 2. Sehr erfreulich ist die Zunahme der Spareinlagegelder, die 1928 513 403 Mc. ausmachten und die von 1927 um 167 686 Mk. überfliegen. Bei der Ergänzungswahl des Aufjichtsrates wurden die ausscheidenden Herren H. B e ch st e i n. K. Ferber, Kommerzienrat Haller und August Müller wiedergewählt.
Bad-Nauheim, 30.März. Die S ladt- Verordnetensitzung vom 1. Februar, die das Dauprogramm 1929 genehmigte, hatte beschlossen, wegen der Bebauung eines städtischen Baublocks in der Homburger S.rahe mit den hiesigen Handwerkern und der Wohnungsfürsorgegesellschaft für Hessen in Verhandlungen zu treten. Da diese noch nicht zum Abschluß gekommen sind, mit dem Bauen aber begonnen werden muß. beschlossen die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung, daß ein Haus des Blocks von der Stadt in eigner Regie erbaut wird.* lieber die vorgelegten Bestimmungen für die Gewährung von verbilligten Baudarlehen (Beleihungsgrenze usw.) konnte man sich jetzt noch nicht in allen Punkten einigen, weshalb der Entwurf zur nochmaligen Beratung an den Bauausschuß zurück-' verwiesen wurde. Auf Anregung aus S abt- üerorbnetenfreifen hat die Verwaltung den Entwurf einer Satzung über die Bestellung einer Wohnungsdeputation vorgelegt. Die Versammlung stimmte der geplanten Reueinrich- tung zu, die jetzt noch der Genehmigung des Kreisdirektors bedarf. Der Deputation, die aus dem Bürgermeister und sechs Stadtverordneten (drei Mietern und drei Hausbesitzern) besteht, liegt innerhalb der Zuständig leit der Stadtverordneten die Beschlußfassung über folgende Angelegenheiten ob: Vermietung städtischer Wohnungen, Festsetzung von Mietpreisen, Vornahme von Ausbesserungsarbeiten bis zum Betrag'von 800 Mk., Schlichtung von Streitigkeiten bei städtischen Mietern, Erhebung von Räumungsklagen. Die Deputation wird auf vier Iahre gewählt. Das Isolierhaus als erste Etappe zum neuen Krankenhaus ist soweit fertiggestellt. Für die Inventarbeschaffung des Isolierhauses wurden 50 000 Mk. bewilligt. — Am 14. April hält der Gau Illa des Allgemeinen Deutschen Automobilklubs hier seinen diesjährigen Gautag ab. Einem Gesuch des hiesigen Motor-Sporlllubs, den Teilnehmern an dieser Zusammenkunft eine Erinnerungsplakette zu stiften, wurde zugestimmt. Cs werden etwa 700 Mk. für den Zweck benötigt.
Kreis Alsfeld.
Alsfeld, 30. Dkärz. Infolge Krankheit tritt Oberftudiendirektor Hensing am 1. April in den Ruhestand. An seine Stelle tritt der seitherige Direktor der Laubacher Realschule, Oberftudiendirektor Hainer (Laubach), während Studienrat Paul G r a e b e r von der hiesigen Ober-Realschule als Nachfolger des nach Gießen versetzten Oberstudiendirektors Angel b*erger (Grünberg) ernannt wurde. Der Weggang des in Alsfeld in allen Kreisen beliebten Studienrats Graeber wird allgemein bedauert. In ihm verliert die Alsfelder Ober-Rcal- (chule eine hervorragende Straft und mit dem sclvi- denden Oberstudiendirektor He ns in g einen vorzüglichen Mathematiker und Pädagogen. — A n vergangenen Samstag feierte der in Alsfeld unter dem Namen der „alte Bleicher" jedermann befanr'e Stadtbleicher Ernst FalkenHainer n geistiger Frische seinen 90. Geburtstag. C;,n Jahre 1865 übernahm er von seinem Vater " e Verwaltung der Stadtbleiche und versah dieses L>"tt bis noch vor wenigen Jahren, bis ihn (ein hvl^s Alter zwang, seine Xätigfeit auf einen sei r Söhne zu übertragen. Der greife Jubilar erste- t sich wegen seines vortrefflirt)en Charakters allgemeiner Beliebtheit in allen Kreisen der Bevölkerung. Mühe und Arbeit haben sein Leben ausgefüllt. Am Morgen seines 90. Geburtstages brachte ihm die Stadtkapelle ein Ständchen. Namens der Stadtverwaltung überbrachte Bürgermeister Dr. Aölsing die Glückwünsche und die Anerkennung für seine langjährigen treuen Dienste. — Der älteste Einwohner der Stadt ist der im 94. Lebensjahre stehende frühere Landwirt E r n st Kochi. — Die Vorbereitungen für den am 7. April dahier statt- findenden Volks-Flugtag sind rege im Gange. Das am Marktplatz vorgesehene Brillantfeuerwerk mit anschließender Beleuchtung des Marktplatzes dürfte zu einer Hauptanziehungskraft für die geplante Veranstaltung werden, die in den Händen des hiesigen Verkehrs- und Derschönerungsvereins liegt. Die Flugvorführungen erfolgen durch die Raab-Katzenftein-Werke.
-er. Homberg a. d. Ohm, 30. März. Dw B aut ätigkeit scheint in diesem Iahre wieder sehr lebhaft zu werden. Während in Homberg vorwiegend Umbauten geplant sind, dürfte in den Dörfern der Umgegend mit der Erbauung von Wohnhäusern und Ställen zu rechnen sein. Es werden in Rieder-Gemünden, Gontershausen je ein Wohnhaus, in Flensungen und Bernsfeld zwei, in Rieder-Ohmen und Rieder-Ofleiden sogar drei Wohnhäuser und Ställe gebaut. — Der Fußballklub „Germania" hielt dieser Tage seine Generalversammlung ab. Aus dem Bericht des Rechners ging hervor, daß der Verein im Laufe zweier Iahre eine sehr erfreuliche Besserung seiner Vereinsfinanzen verzeichnen konnte; dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Man beschloß, wegen allzu weiter Fahrten und der damit verbundenen Kosten aus dem Gau Fulda auszutreten und sich dem Gau Gietzen-Wetzlar anzuschließen. Weiter erörterte man die Frage der Lieberlassung des Sportplatzes an die Stadt zur Abhaltung von Prämienmärkten. Bei der bisherigen Benutzung des Platzes für Marktzwecke sind dem Verein allerlei Schäden erwachsen, zu deren Deckung bei der Stadt eine Entschädigung beantragt wurde. Zum 1. Vorsitzenden, des Vereins wurde Herr K l ö ß. Reuhaus, einstimmig gewähll, im übrigen wurden die seitherigen Vorstandsmitglieder sämtlich wiedergewählt.
Kreis Lauterbach.
& Lauterbach, 27. März. In Ergänzung unseres kürzlichen Berichtes über die Beratungen des Gemeinderates über den Haushaltsvoranschlag für 1929 ist noch folgendes mitzuteilen: Aus den Erläuterungen des Bürgermeisters Walz über den Voranschlag ging hervor, daß in dem Haushaltspläne alles vorgesehen ist, was eine kräftig vorwärtsstrebende Stadt wie Lauterbach unbedingt erfordert, und daß trotzdem strengste Sparsamkeit o e ste Richtschnur bei der Aufstellung des Haushaltsplanes war. Dies wird auch dadurch bestätigt, daß trotz verschiedener größerer Aufgaben, die 1 im Laufe des kommenden Rechnungsjahres ihrer


